setzt das Wasser des Gefäßes in eine Kreisbewegung, so sieht man, daß die zerstreuten Theilchen sich im Centrum der Oberfläche zu einer Gruppe sammeln, d. h. an dem am wenigsten bewegten Punkt. Bei der fraglichen Naturerscheinung ist das Atlantische Meer das Gefäß, der Golfstrom die Kreisbewegung und das Tangmeer der Mittelpunkt, zu welchem die zerstreuten, schwimmenden Körper sich sammeln/' Die Sargassumarten vermögen sich infolge der erwähnten Schwimmblasen lange Zeit auf dem Wasser schwimmend zu erhalten, auch wuchern sie, da ihr Wachsthum von der Wurzel und dem Boden nicht unbedingt abhängt, lange Zeit lustig weiter, so daß die Krautwiesen den Eindruck der Frische hervorbringen, und es aussieht, als wüchse Tang an Ort und Stelle. Wie manche Seefahrer berichten, trifft die Bezeichnung „Wiese" den Character des Phänomens überhaupt nur unvollkommen. Der Beerentang schwimmt in vereinzelten Büscheln oder höchstens größeren Ballen umher, bis er allmählich abstirbt und sich vermodernd auflöst. Trotzdem überdauert die Erscheinung in derselben' Form bereits Jahrtausende, weil der Golfstrom den Abgang immer wieder durch neue Zufuhren ersetzt.
Es dürfte die Frage auftauchen, ob denn diese Meeresflora auch eine entsprechende Fauna besitze. Diese Frage muß bejaht werden. Die Tangwiesen bieten zahllosen Thierarten des Meeres nicht nur prächtige Schlupfwinkel, sondern jederzeit auch einen reichgedecklen Tisch. Meerkrepse, Mu-cheln, Fische, Meernesseln und Polypen, Seerosen, Quallen und andere Lebewesen nehmen hier ihren dauernden oder vorübergehenden Aufenthalt. Einen weiteren Nutzen als diesen gewährt das Tangmeer nicht. Man gewinnt zwar aus Meeresalgen Soda und Jod, aber für die Erzeugung dieser Stoffe kommen in der Hauptsache die Arten der Gattung Fncus in Betracht. Und auch eine andere Behauptung — die Maury aufgestellt hat — dürfte durch die Vergangenheit bereits widerlegt sein. Der genannte Gelehrte betont den Umstand, daß durch die schwimmenden Algen allmählich Massen von Baumstämmen, Schiffstrümmern und Strandgut aufgehalten und angesammelt werden. Diese seit Jahrhunderten zusammengehäuften Stoffe, meint er, würden sich durch Einwirken des Wassers mineralisiren und einst unerschöpfliche Kohlengruben bilden. Die Natur bereite also einen kostbaren Vorrath für die Zeit vor, wenn die Gruben des Kontinents ausgebeutet sein würden. So angenehm unseren Ohren die Theorie Maurys klingt, so wenig haltbar ist sie. Nachdem die pflanzliche Natur der Kohlenflötze erforscht worden war, tauchte bald die Spekulation auf, die Kohlen seien eine marine Bildung und aus Resten ungeheurer Seetangmassen nach Art des jetzigen Sargassomeeres entstanden. Aber wie sich zur Evidenz herausgestellt hat, besteht die Kohle nicht aus Seetang, sondern aus Ueberresten von an Ort und Stelle gewachsenen Landpflanzen. Ist es somit schon für die Vergangenheit nichts mit der Tang-Hypothese, so noch weniger mit der Zukunft. Die im Gebiete der Krautwiesen angestellten Untersuchungen haben nirgends eine Anhäufung von zu Boden gesunkenen Meerespflanzen ergeben. Der Boden bestand allenthalben aus Schlamm, an dessen Bildung sich kleine Thierchen, nicht aber die Tange, betheiligt hatten. „Wahrscheinlich werden also," wie Heer bemerkt, „die Abfälle der großen Pflanzenmassen des Sargassomeeres von der Thierbevöikerung aufgezehrt, welche die 5000 bis 18000 Fuß tiefe mächtige Wasserschicht bewohnen. „Es wird sich daher dort so wenig eine Pflanzenmasse anhäufen können, wie auf einer von einer Viehherde abgeweideten Wiese."
Zum Schluß sei noch bemerkt, daß das Sargaffomeer nicht die einzige Ansammlungsstelle von schwimmenden Tangen darstellt. Nur sind die außerdem vorhandenen bei weitem nicht von der gleichen Bedeutung. Sowohl im Süden des Ozeans, als auch im Großen und Indischen Ozeans existiren noch nambafte Sargassoseen. Ein Seitenstück zu ihnen bilden die unter eeischen Tangwälder, welche an Pracht und Ausdehnung wohl alle gewohnten Erscheinungen der Landflora weit
hinter sich zurücklassen. Die Riesen-Tange, aus welcher sich dieselben zusammensetzen, erreichen oft eine Länge von 300 Metern, stellen also die größten Bäume des Festlandes weit in den Schatten.
* Bon Gruuenlhatt Taufeudmarkscheinen. Die Reichs- bank hat an die Haupt-ReichSbaukstellen, in deren Tresors sich große Mengen von Tausend- und Hundertmarkscheinen, bezw. Banknoten befinden, Exemplare von Grünenthal'- schrn Fälschungen geschickt, damit daraufhin ermittelt werden kann, ob fich dort noch vom ehemaligen Oberfactor der Reichsdruckerei gefälschte Scheine vorfinden. Der Unterschied ist nämlich so minutiös, daß ihn nur ein sehr geübtes Auge erkennen kann, und daß er fich auf Photographien nur nach erheblicher Vergrößerung kennzeichnet. Er beruht auf der außerordentlichen Genauigkeit der mit sehr bedeutendem Druck arbeitenden NummerirungSmaschtnen der ReichSdruckeret, der bei der Herstellung der rothen Nummern und Stempel weder mit der Hand noch mit der Handdruckpreffe von Grünenthal zu erreichen war. Selbst die Stellung der einzelnen Zahle« in den Nummern ist fast ganz gelungen, und die Verwischung der rothen Farbe bedeutet durchaus noch nicht, daß mau etu Falfificat vor fich hat/ denn dieselbe Erscheinung, wie bei den auf dem Kirchhof aufgefundenen Scheinen hat fich auch bet solchen echten gezeigt, die man de« Versuchs wegen einige Zeit lang in feuchter Erde vergraber hatte. Dir Verschiedenheit der falschen von den echten Scheinen ist also selbst von Fachleuten nur sehr schwer zu erkennen. Erst nach der SchwurgertchtSverhandlung wird sich im Ctvilproceß' verfahren vielleicht feststellen lasten, um wieviel die RrichSbavk und die ReichSdruckeret durch Oberfvcior Grünenthal geschädigt wurden.
Wissenschaft, Literatur und Annst.
— Don »Deutsche Kunst und Dekoration" (Herausgeber Alex. Koch, Darmstadt) — Preis pro Jahrgang, 12 Hefte, 20 Mk. — erschien soeben Heft 11. Dasselbe ist wiederum überaus reichhaltig und vornehm ausgestattet. ES enthält Textbeiträge, Atelter- nachrichten, Wettbewerbe, farbige Beilagen, Vollbilder und Textbilder. Kunstfreunden btetm diese Hefte reichen Genuß.
— W. O. von Horn. Man schreibt aus Kreuznach: Eine Pflicht der Pietät soll am 15. August ds. Jahres gegen den unter dem Pseudonym W. O. von Horn in weiten Kreisen bekannt gewordenen fruchtbaren Schriftsteller Wilhelm Friedrich Philipp Oertel, seiner Zeit evangelischer Pfarrer zu Mannbach und Sobern- heim, erfüllt werden. Von seinen zahlreichen Werken sind insbesondere die berühmten Spinnstubengeschtchten, eine Reihe aus dem Hunsrücker Volksleben entnommener, lebendig und spannend geschriebener Erzählungen und Jugendschriften (Friedel", „Franz Kerrn- dörfir", „Des alten Schmiedjakob Erzählungen", „Meister Konrads Jungen", „Gesellen- und Wanderjahre", „Hunsrücker und Rheinische Dorfgeschichten", „Silberblicke", „Hand in Hand"), als umfangreiche Werke „Der Rhein" zum Thetl längst Gemeingut des deutschen Volkes geworden. Es soll nunmehr am genannten Tage zur Feier des hundertsten Geburtstages des 1867 verstorbenen Dichters an s inem Geburtshause, dem Pfarrhause zu Horn bet Simmern, eine von seinen Freunden und Verehrern gestiftete marmorne Gedenktafel feierlich enthüllr werden. Zuwendungen zu diesem Zwecke nimmt Herr Pfarrer Merck in Simmern entgegen.
— Als sechster Band des siebenten Jahrgangs der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde" Berlin, erschien soeben: „Aus der Weikstätte der Natur." Allgemein verständliche Betrachtungen wichtiger, meist chemischer Naturerscheinungen zum Zwecke der Selbstbelehrung und Unterhaltung von Professor H. Orschtedt. — 24 Bogen mit 155 Abbildungen. Preis geheftet 5 Mk., elegant geb. 6 Mk. — In anregender Weise bietet der Perfasser Gelegenheit, sich mit einer Soctalwtssenschaft etwas vertraut zu machen, die gewiß vielen Lesern bisher mehr oder weniger unbekannt geblieben sein wird. Wohl wissen sie mancherlei von Sauerstoff, Wass-rstoff, Kohlenstoff, von Phosphor, Schwefel und Aluminium, von Mineralogie und ihren Crystallsystemen, doch Chlor, Brom, Jod und Fluor werden Manchem bloße Namen sein. Da findet man über alles Aufgezählte und noch viel anderes ausreichende Belehrung, i Denn Wesen, Herstellung, Benutzung jener Elemente und ihre Ver- I bindung wird erklärt und durch 155 möglichst genaue Abbildungen I anschaulich gemacht. Das Gebiet der NahrungSmittelchemte wird
suchen!" grinste der Portier und zeigte seine ganze elfenbeinerne Claviatur.
„Is that so!" rief Bob, bebend vor Wuth. „Jetzt wird er doch oben auf mich warten! Ich will hinauf. Der Teufel holt ihn, wenn ich ihn zu fassen krieg."
Mit diesen Worten nahm Bob den nächsten Elevator und verschwand aufsteigend von der Bildfläche.
„By God, nigger, teil me, where is that fellow nowl" jammerte die Waschbärmütze, als sie eine Minute später in die Vorhalle herabgefahren kam und starrte den Portier mit unsäglich bittenden Blicken an. „Wo ist mein Freund?"
„Massa sein wieder aufgefahren, Waschbärmütze zu suchen" lallte der Schwarze und wies mit massivem Amtsfinger auf das Fahrstuhlloch in der Decke. „Massa denken, Waschbärmütze oben warten!"
„Well!" versetzte der Enttäuschte resignirt. „Jetzt will ich hier unten warten, bis er kommt."
Er kreuzte die Hände auf dem Mcken und ging ungefähr fünf Minuten auf und ab, dann und wann die Pelzmütze lüftend und sich mit einem rothen Sacktuche den Schweiß trockend. Bob indessen fuhr oben von einem Stockwerk zum anderen, rannte in allen Corridoren wie ein Rasender umher und suchte in allen Enden und Winkeln. Die Waschbärmütze war nirgends zu sehen.
„Goddam!" murmelte Bob, als er auch im 17. Stock vergeblich umhergespäht hatte. „Sollte er wohl unten auf mich warten? Schnell hinunter, ehe die Zeit zu lang wird!"
Damit betrat Bob den nächsten Elevator und sauste die 17 Stockwerke hinab in die Vorhalle zurück.
„By God! Er kommt nicht!" brummte die Waschbärmütze und stampfte mit den Piedestalen auf die Marmor- fließen, daß der Schwarze einen Luftsprung machte vor Entsetzen. „Yon bet! I’ll catch him now or he damned!"
fügte sie zu, eilte mit Siebenmeilenschritten auf den nächsten Fahrstuhl zu und sauste mit ihm nach oben.
„Ich bin verhext!" schrie Bob, als er aus dem Fahrstuhl auf die Vorhalle htnaustrat und wiederum die Waschbärmütze nicht vorfand. „Wo in drei Teufels Namen steckt denn nur der Büffel Er ist doch gerade, als ob er Verstecken mit mir spielte —! Jetzt hab ichs bald satt! Schon eine halbe Stunde jage ich dem Jungen nach wie ein Bluthund! Was wird nun der Chef sagen? Ich komme in die schönste Patsche und werde noch obendrein ausgelacht! Schock- schwerenoth! Jetzt warte ich hier unten und wenns eine Stunde dauern sollte, und dann mag der Büffel andere zum Narren machen!"
Nach diesem Selbstgespräch rannte Bob wie ein Verrückter auf und ab, immer die herabsausenden Fahrstühle genau im Auge behaltend und scharfen Blickes musternd — Wer aber nicht erschien, das war sein Schützling mit der Waschbärmütze.
„Porter", brüllte Bob kirschroth vor Wuth. „Ich gehe wieder hinauf! Was soll ich machen! Hier hast Du einen Dollar! Wenn der Mann mit der Waschbärmütze herabkommt, so hälft Du ihn fest! Verstanden? Wenn Du das thust, dann gebe ich Dir, wenn ich herabkomme, noch einen Dollar mehr! Aber halt den Burschen und laß ihn unter keinen Umständen wieder herauf! Hörst Du!"
„Werden halten Wäschbärmütze!" grinzte und grunzte der Schwarze und steckte schmunzelnd das Geldstück ein. „Massa ihn finden nun! Ihn finden!"
Also segelte Bob mit dem nächsten Fuhrstuhl wieder hinauf. Die Waschbärmütze aber muß nicht lange darnach wieder herabgekommen sein, denn sie war wieder nicht zu entdecken.
„Sehr gut! Der Schwarze hält ihn fest!" jubilirte Bob. „Also hinab!"
Und wieder sauste er hinab in die Vorhalle.
ebenfalls berührt und mit einzelnen humorvollen Bemerkungen gewürzt. Z. B. Wurst von einem „Bohnenmehlleberwurstfabrikanten und Bier von einem „glyceriuschmterenden Kunsthopfenessenzbter- brühensteder", deffen Bier der Quacksalber von Weidenrtndenbach als Gesundhettsbier empfiehlt. Eine kurze Darstellung der Geschtchie der Chemie von den alten Aegyptern bis zu den bekanntesten Meistern Lavotsier, Justus Liebig, Wöhler bildet den Schluß des mit passenden Dichterworten hie und da geschmückten Werkes, in welchem der Verfaffer als wahrer Christ durchgehends die Ehre gibt dem Gott, der Eisen wachsen ließ, und als begeisterter Patriot und alter bayerischer Jäger von 1870/71 dem deutschen Vaterlande allzeit trockenes Pulver, tapfere Krieger und eine starke Flotte wünscht. Wer also sein Wissen erweitern will, dem sei das Buch warm empfohlen. Bet der heutigen Vollkommenheit der Naturwissenschaften dürfte wohl jeder gebildete Mensch sich die Grundzüge derselben an- zuetgnen wünschen. Der „Verein der Bücherfreunde" gibt mit diesem Bande seinen Mitgliedern ein gediegenes Buch von bleibendem Werth; die Leitung des Vereins ist mit bestem Erfolg bemüht, dm deutschen Leser an eine eigene Bibliothek von Werken bester deutscher Schriftsteller zu gewöhnen. Nähere Auskunft über den „Verein der Bücherfreunde" erthetlt jede Buchhandlung sowie die Geschäftslettung, Berlin W. 62, Kurfürstenstraße 128.
- Verleihung von Stipendien an Journalisten. In den nordischen Reichen besteht seit einer Reihe von Jahren die löbliche Sitte, Schriftstellern und Journalisten Staattzbeihtlfen zu gewähren, um ihnen dadurch einen längeren oder kürzeren Aufenthalt im Auslande zu ermöglichen. Hierbei sollen in erster LMie solche Herren Berücksichtigung finden, die nicht (wie Ibsen, Biornfon, Garborg u A.) eine ständige „Dichtergage" von der Volksvertretung zugebilltgt erhalten. In der Staatsrathssitzung vorn 11. Juli hat König Oskar den Schriftstellern Knut Hansen, S. Obstfelder, Per Sivle und Rasmund Löland Siaatsstipendien im Betrage von 1000 bis 2000 Mk. für das Etatsjahr 1898/99 bewilligt. In derselben Sitzung ist auch der berühmte Nordpolfahrer Johannsen, der Nansen auf der Schlittenexpedition nach dem Nordpol und zurück nach Franz-Josephsland begleitet hat, zum Premierlieutenant befördert worden.
-Die französische Akademie der Wissenschaften zählt unter den acht auswärtigen Mitgliedern gegenwärtig, wie die „Deutsche medicintsche Wochenschrift" mittbeilt, nur zwei deutsche, außer Prof. Virchow noch den Chemiker Bunsen (Heidelberg). In der Liste der deutschen correspondirenden Mitglieder der Akademie hoben rott seit dem Jahre 1868 u. A. folgende deutsche Gelehrte: Helmboltz (Berlin), Weber (Göttingen), I. R. Mayer (Heilbronn), A. W-Hof. mann (Berlin), Kekulö (Bonn), Kirchhof (Heidelberg), Mohl (Tübingen), Pringsheim (Berlin), F. Cohn (Breslau), Parkinie (Breslau), v. Siebold (München). Die Sectton für Medtctn und Chirurgie hat (seit 1868) nur fünf Deutsche als Correspondenten gezählt: Virchow, Ludwig (Leipzig), Ebrmann (Straßburg). Rokitansky (Wien) und Lebert (Bretzlau). Zur Zeit ist, da Virchow zum auswärtigen Mitglieds erwählt ist, die anderen (Senannten aber nicht mehr unter den Lebenden weilen, v. Leiden das einzige deutsche Mitglied dieser Gruppe und überhaupt der erste deutsche Kliniker, der der Akademie als correspondtrendes Mitglied angehort.
- Ferratin kein Geheimmittel. Von der Polizeiverwaltung zu Kreuznach war der Inhaber der Firma C. F. Boehringer u. Söhne, Waldhof bei Mannheim, wegen Ankündigung des bekannten Eisenpräparats „Ferratin" mit einer Geldstrase von 20 Mk. belegt worden, weil er ein „Geheimmittel, welches zur Verhütung und Heilung menschlicher Krankheiten bestimmt und dessen freier Verkauf gesetzlich untersagt ist", öffentlich angekündigt habe. Wegen der principiellen Wichtigkeit des Falles beantragte der Betroffene gerichtliche Entscheidung und brachte seinerseits zum Termin am o0. Juni d. I. als Sachverständigen den Director des pbarmazeutifchtti Instituts in Straßburg, Herrn Prof. Dr. Schaer, während 0e”»t6< fettig der Kretsphysikus, auf dessen Veranlastung wohl der Stras- besehl erfolgt war, als Sachverständiger geladen war. Letzterererachtete denn auch den Thatbestand der Uebertretung der Polizei- Verordnung vorn 31. Juli 1894 gegeben und zwar auf Grund der in derselben Verordnung enthaltenen Definition de8 Begriffes „Geheimmittel", wonach unter solchen alle Mittel zu verstehen seien, deren Namen „ihre Bestandthetle und Zusammensetzung nichtJur Jedermann deutlich erkennbar machen" (!). _ Diesen _ Ausführungen trat jedoch Prof. Schaer entgegen, der aussuhrte, daß Ferratinretti zusammengesetztes oder gemischtes Mittel, sondern ehre einfache, chemische Verbindung (Ferrialbuminsäure) und alS solche allgemein bekannt sei. Von Bestandthetlen oder Zusammensetzungen des Ferratin könne daher überhaupt nicht gesprochen werden und eine Angabe derselben sei also unmöglich. Somit könne auch Ferratin nicht als G-Heimmittel im Sinne der Verordnung betrachtet werben. Ebensowenig aber sei der Verkauf von Ferratin geteilt dj verboten oder beschränkt. Das Gericht schloß sich diesem Gutachten an und sprach den Beklagten kostenlos frei. Auch die diesem durch Zuziehung des Sachverständigen Prof. Schaer erwachsenen Kosten wurden auf die Staatskasse übernommen-
„Wo ist er?" rief er sofort dem Nigger zu, der sich ein Taschentuch an die Nase hielt. „Zum Teufel, Nigger! Warum hast Du ihn nicht sestgehalten!" schäumte er, vor Wuth am ganzen Leibe zitternd.
„Massa haben mich mit Faust geboxt", stammelte der Schwarze und tupfte wieder an seine, wie Bob nun erst bemerkte, blutende Nase, welche wie eine Birne geschwollen war. „Nicht halten können! Schießen mich wollen, Massa!"
,.Nun hol' alle Welt der Teufel und vor allen Dingen diese vermaledeiten Fahrstühle!" fluchte Bob, knirrschte mit den Zähnen, arbeitete sich mit den Ellenbogen durch tue inzwischen herzugeeilte Menge neugieriger Gaffer hindurch und ließ sich auf eine, an der Wand angebrachte Ruhebank fallen. „Jetzt aber gehe ich nicht mehr hinauf und wenn tch hier bis zum jüngsten Tage warten müßte!"
Damit riß er sein Cigarrenetui aus der Tasche, zündete sich eine Cigarre an, kreuzte Arme und Beine und paffte grimmig daraus los. —
Zehn Minuten — zehn! — vergingen. Eben wollte Bob sich anschicken, den Portier mit Haut und Haaren zu verschlingen, als er endlich — endlich endlich!! die Waschbärmütze herabkommen sah. Wäre Bob ein Papst gewesen, er hätte aus der Stelle ein Tedeum singen lassen, so erfreut war er. . . r t , r .
„Hallo, Mr. Cockleberry“! jauchzte der Herkules, der übrigens ein tüchtig verbeultes linkes Auge im Kampfe mit dem Portier davongetragen hatte, denn er tupfte mit feiner Bluthfahne. „Der verfluchte Hund von einem Nigger!" brummte er, als er an dem Schwarzen vorbei, aus Bob zueilte. „Found at last! Let’s go now! Have a drink, Mr. Cockleberry, come on!*
Damit faßte er Bob unter dem Arm, zog ihn empor, halb „sank" dieser hin und Beide verschwanden im Menschengewühl auf der Straße, um sich über ihr Fahrstuhlabenteuer halb tobt zu lachen.


