Ausgabe 
30.9.1898 Erstes Blatt
 
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vollem Gange. Am Montag hat ein Secretär des Hof- marschallarnte», begleitet von dem bekannten Hofdecorateur GeibelS, die Relle nach Palästina angetreten. Die Beiden werden am 6. October in Jaffa etutreffeu und alsbald von dort die Reise nach Jerusalem fortsetzeu, wo Herr SetbelS die Ausschmückung und Instandsetzung der für den Aufent­halt deS KaisrrpaareS bestimmten Raume u. s. w. über­wachen soll.

Wiesbaden, 28. September. Als uatioualliberaler Candidat bet den bevorstehenden LaudtagSwahlen wurde für den Stadtkreis Wiesbaden Stadtrath Bartling auf- gestellt._________________________________________________________________________

Ausland.

Kopenhagen, 28. September. Die Königin hatte neuerding» einen Ohnmachtsanfall, der eine Stunde dauerte. Der englische Spectalist Sir Franzis Laktng, den die Prinzessin von Wales Herbetgerufen hatte, erklärte, die Krankheit der Königin bestehe in einer Herzlähmung.

London, 28. September. Die Admiralität hat ein Tele­gramm au» Chefoo erhalten, worin gemeldet wird, daß das englische Geschwader dort etngetroffen sei.

London, 28. September.Daily Mail" berichtet auS Konst an rtnop el, daß die Botschafter Rußland», Frank« reich» und Italien» einen Plan zur Räumung Kreta» durch die türkischen Truppen aufgestellt haben. Dieser wird dem Sultan sofort unterbreitet, sobald die letzten Einzelheiten des Planes geregelt find.

Londou, 28. September.Morning Post" meldet aus Shanghai, daß die chinesische Regierung sehr besorgt sei über den Aufwand von Kriegsschiffen Seitens England». Sie befürchtet einen Angriff. Weiter wird aus Hongkong gemeldet, daß das englische KriegsschiffEpidemia" nach Shanghai abgegangen sei.

Ueber die nächsten Maßnahmen betref­fend DreyfuS erfährt dieN. Fr. Pr.": Bom obersten Tribunal wird es auch abhängen, ob und wann der Vollzug der Strafe gegen DreyfuS suSpendirt und der Gefangene der Teufelsinsel nach Frankreich zurückgebracht werden soll. Um jedoch die Hoffnung nicht allzu unvermittelt in daS Leben des bisher so hoffnungslosen Deportirten fallen zu laffen, will die Regierung gestatten, daß an DreyfuS telegraphirt werde. Seine Gattin, heißt eS, habe die Erlaubniß erhalten, ihn in feinem DeportationSorte zu besuchen. Erst allmählich soll ihm dann die günstige Wendung seiner Angelegenheit mit- getheilt werden.

Loealer unö Provinzielles.

Gießen, 29. September 1898.

** Dienst-Ehrenzeichen. Seine Königl. Hoheit der Groß- Herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 12. September ds. I». dar Dienst-Ehrenzeichen (in Gold) den nachbenauuten Kammerherren des Großherzoglicheu Dienstes allrrgnädtgst zu verleihen geruht, und zwar: Für 50 Dienst- jahre: 1) Freiherr» Josef Gedult v. Jungeufeld, General­major ä la suite zu Darmstadt, 2) Freiherr« Maximilian Ueberdrück v. Rodenstein, Gehetmerath t.P., zu Bens­heim, 3) Freiherr« Wilhelm v. EdelSheim, Exc., Oberst­hofmeister Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin von Baden, 4) Freiherr« Wilhelm v. Ricou, Oberftlieutenant a. D., zu Darmstadt. Für 25 Dienstjahre: 5) Freiherr« Adolf v. Gemmtngeu-Hornberg zu Fränkisch - Crumbach, 6) Freiherr« Franz v. Wambo lt, Oberstlteutenaut ä la suite, zu Groß-Umstadt, 7) Freiherr« Gustav Löw von und zu S t e i u f u r t h zu Steinfurth, 8) Freiherr« Emanuel v. R t e o u, LandgertchtSpräfideut, zu Gießen, 9) Freiherr« Karl Schevck zu Schweinsberg.Wäldershausen, Oberkammerherr, zu Wäldershausen, 10) Freiherr« Maximilian v. Bellers­heim, gen. Stürtzelsheim, Rath im Großh. Hofmarschallamt, zu Darmstadt, 11) Freiherr« Friedrich v. RotSmanu, Generalmajor z. D., zu Darmstadt, 12) Freiherr« Ernst Pergler v. Pergla» zu Darmstadt, 13) Freiherr«Maxi­milian v. Gagern, Provtuzialdirector, zu Mainz, 14) Frei- Herrn Heinrich v. Ltndelof zu Pusta Hator, Barser Comitat, 15) Freiherrn Erwin Löw von und zu Steinfurth, KreiSrath, Geheimer RegierungSrath, zu Groß-Gerau, 16) Frei- Herrn Ludwig SenarclenS v. Graucy, KreiSrath, zu Heppenheim, 17) Freiherr« Karl v. Hertltng zu München, 18) Freiherr« Friedrich v. Gagern, Königl. Bayerischer Kämmerer, zu Neueuburg, 19) Grafen Friedrich v. Otttug- Fünfstätten, Major ä la suite, zu Lautrach.

* * Ernennung. Durch bischöfliche Entschließung wurde Herr Pfarrer Bayer tu Gießen mit Wirkung vom 1. October zum Decan des die Kreise Gieße«, Büdingen, Schotten, Als­feld und Lauterbach umfaffeuden katholischen DecanatS Gießen ernannt.

* * AuS dem SerichtSdimst. Durch Entschließung Groß­herzoglichen Ministeriums der Justiz ist der Großherzogl, GrrtchtSaffrffor Dr. Heyer in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dieustverrichtunge« etoeS HilfSgerichtSschreiberS bet dem Großherzogl. Landgericht der Provinz Starkenburg beauftragt worden.

* * -r. Für Steuerpflichtige. Wir erhielten folgende Zu­schrift: I« Nr. 228 dieser Blatte» ist in einem mit ^Ein­kommen- und Capttalrevtellfteuer-Eiklärungen" überschriebenen Artikel gesagt, daß die Erklärungen für 1899/1900 von den Steuerpflichtige« vor Ablauf diese» Monat» Sep­tember eiuzuliesern seien. Diese Miitheiluvg ist nicht richtig. Ja den Bekauntmachunge« in Nr. 171 ds. Bl. find die Termine zur Einlieferung der Erklärungen für das Steuercommisfariat Gieße« festgesetzt: a für die Landgemeinden vom 15. August bi» 14. September d. IS., b. für die Stadt Gießen vom 15. October bi» Sude November ds». IS. Für die Landgemeinde« ist souach die Frist bereits abgelaufen, für die Stadt Gieße« beginnt fle erst Mitte October uud läuft von da bi» zu Ende November. Die Ausführungen de» Artikel» bezüglich der

Verpflichtung zur Abgabe der Erklärungen find nicht ganz erschöpfend und dürfte sich deßwegeu für die Steuerpflichtigen empfehlen, die erwähnten Bekanntmachungen iu Nr. 171, auf die bei Beginn der Erklärung»frist noch besonder» auf­merksam gemacht werden soll, genau uachzulesen, bezw. iu ZweifelSsällen Auskunft bet Großh. Steuereommiffartat, da» hierzu verpflichtet ist, zu erwirken.

Stadttheater. Die Vorstellungen beginnen im hie­sigen Stadttheater am Sou «tag den 2. Oct ob er mit der Wtlkeu'schen GesangSpoffeEhrliche Arbeit". Der Anfang der Vorstelluugeu ist, wie un» die Directiou mit* theilt, auf 8 Uhr festgesetzt. Nur große Klasfiker-Auf- führunge«, die eine längere Zeitdauer beanspruchen, werden vorauSfichtlich früher beginnen. Dir erste Volks- Vorstellung findet Mittwoch den 5. Oktober statt uud wird SchillersWilhelm Teil" briugeu.

♦H. RadfportlicheS. Bei den am nächsten Sonntag, den 2. October, auf hiesigem Sportplätze stattsiadeuden Rad- reuuen werden, wie die vorliegenden Anmeldungen erfreu­licher Weise ergeben, die beiden Weltmeisterschafts- Fahrer Opel und Albert ihre Kräfte meffen. Wie in Wien, so wird man auch hier gespannt sein müffen, wem der Sieg zufällt. Beide find anerkannt gleichwerthige Fahrer - Beide haben iu Wie« bei der Weltmeisterschaft die große iuteruatiouale Concurreuz glänzend besiegt und Beide gingen fast gleichzeitig über da» Band. Nur daS geübte Auge de» Zielrichters vermochte einen minimalen Unterschied festzustelleu! Jedenfalls darf dabei nicht außer Acht gelaffeu werden, daß Opel in diesem Sommer längere Zett mit einem Mageuletden zu kämpfen hatte, welches ihn iu der vollen Entfaltung seiner sportlichen Thätigkeit naturgemäß behinderte.

Der Vorverkauf der Eintrittskarten zu deu Rad­rennen hat begonnen. Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, daß BilletS zu ermäßigten Preisen bis SamStag Abend zu haben find bei H. H eitler, Conditorei, Südaulage, Heinrich Noll, Buchbinder, Mäu-burg, uud Carl Retter, Cigarreuhaudlung, Lindenplatz.

* Diebstahl. Auf dem hiesigen Bahnhofe wurde gestern Nachmittag einem Reifenden ein Handkoffer mit Inhalt im Werthe von 100 Mk. gestohlen. Die Recherchen nach dem Dieb bliebm bi» jetzt erfolglos.

Wetterbericht. Die Furche des niederen Drucke» hat sich auf ihrer Wanderung nach Osten weiter ausgebildet und zieht sich heute al» ein breite» Baud von der Nordsee in südöstlicher Richtung durch Central-Europa nach dem Süden des Erdtheil». Innerhalb dieses DepreffionSgebieteS find zwei Leutra über Schottland und im Süden au der Riviera zu erkennen. Denselben find übrigens noch Theil- minima in der Richtung gegen unser Gebiet vorgelagert. Im äußersten Westen auf der Rückseite der Furche dringt hoher Druck mit ziemlicher Macht nach. Voraussicht­liche Witteruug: Im Allgemeinen wieder beffereS Wetter- im Süden zunächst «och wolkig und stellenweise Niederschläge.

X. Darmstadt, 27. September. Heute erschien als Neu­heit im Hoftheater v. Trotha- vieraetigeS LustspielHof­gunst" iu vorzüglicher Aufführung durch uuser bestgeschultes Schauspiel-Ensemble. Dir Rolle eines über alle Berhältoiffe dominirenden Backfische», womit daS Stück steht uud fällt, wurde durch unsere Naive, Frl. Walther, trefflich verkörpert. Eine ganz besondere Leistung war auch der Kammerherr de» Herr« Conradi.

A Mainz, 28. September. Bor dem hiesigen Bahnhof fand man heute Morgen zwischen zwei Geleisen der Linie MainzBingen die total verstümmelte Leiche eines gut gekleideten jungen ManneS. Der Kopf, die eine Hand uud die beiden Füße waren vollständig abgefahren. Ob ein Unglücksfall oder ein Selbstmord vorliegt, war nicht zu ermittel«, ebensowenig ist bis jetzt die Persönlichkeit festzustelleu gewesen. Im Alter von 65 Jahren ist gestern in Kirchheimbolanden der in weiteren Kreisen bekannte Zeitungs­verleger und Redacteur Martin Schwenk von hier ge­storben. Ursprünglich Bolksschullehrer, war Schwenk zuerst Corrector, dann Redacteur de»Mainzer Journals", iu welch letzterer Eigenschaft ihn während der CulturkampfS- Periode verschiedene Mal Freiheitsstrafen trafen. Nach seinem Austritt aus demMainzer Journal" gründete Schwenk ein eignes parteiloses Blatt, das später von sozialdemo­kratischer Seite erworben wurde. Ende der achtziger Jahre übernahm Schwenk die Redactton eiueS CentrumSblatteS in Dieburg, von wo er vor etwa drei Jahren «ach Kirchheim­bolanden übersiedelte uud die dortigeVolkszeitung" erwarb. Die ständige Zunahme der Zahl der BolkSschüler hier zwingt unsere städtische Verwaltung schon wieder, eiu neue», allgemeiue» Schulgebäude zu errichten. Welche Aus­dehnung dasselbe erhält, läßt ersehen, wenn man erfährt, daß der Bau ohne den Grund uud Bodeu zu Mk. 660,000 veranschlagt ist. Da» SchulhauS kommt in die Neustadt zu steheu.

A Mainz, 28. September. Obgleich bei dem Eisen­bahn uns all, der vorgestern Nacht auf dem Bahnhof in Kastel vorgekommeu und bet welchem eine Persoueuzug- locomottve tu den Unterbau der dorttgeu Centraldrehschetbe stürzte, keine Personen beschädigt worden find, ist gerichtliche Untersuchung augeorduet und der Maschtneusührer, eiu ge­prüfter Heizer von Frankfurt, von dem Dienste suSpendirt. Zwei volle Tage und zwei volle Nächte waren nahezu fünfzig Personen beschäftigt, um die Locomotive au» der Drehscheibe zu entfernen, während welcher Zett die Maschinenhalle voll- ständig gesperrt war und eine Reihe von Zügen nur mit auswärtigem Maschiuenmaterial befördert werden konnten.

Maiuz, 27. September. Auf dem Localboot GinSheim- Mainz spielte sich gestern Abend 7i/,Uhr eiu aufregender Vorfall ab. Zwischen einem auf dem Boot befindlichen Pärchen entstand auS irgend einem Grund ein Wortwechsel. Al» nun da» Boot die Etseubahnbrücke pasfirte, sprang der etwa 24 Jahre zählende Mann Plötzlich auf, rannte nach dem

Hiutertheil de» Schiffe» und sprang inS Waffer. Er versau sofort, ohne wieder zum Vorschein zu kommrn. Die Name« sämwtlicher Paffagtere wurden bei der Landung in Mainz festgestellt.

Au» Rheinhessen, 25. September. Au» deu Aufzeichnungen der landwtrthschaftlichen Bezirk-Vereine über deu Stand der Weinberge au» Rheinheffeu in diesem Mouat ergtebt sich, daß der Stand trotz der heißen Witterung nicht unwesentlich gegen den Vormonat zurückgegangen ist. Noch am besten steheu die Weinberge im Bezirk Worm», und zwargut bi» mittel", daun kommt der Bezirk Wöllstein mitmittel", dann die Bezirke Alzey, Ingelheim uud Mainz mitmittel bi- ge­ring", iu den Bezirken Flonheim, Nteder-Olm, Oppenheim, Osthofen und Wörrstadt mitgering", in Pfedder»heim mit gering bi» sehr gering". Am schlechtesten wird der Stand der Weinberge im Bezirk Bingen mitsehr gering" bezeichnet.

Schwurgericht.

"W. Gießen, 28. September 1898.

(Fortsetzung der Verhandlung gegen Holve und Schaumberg.)

Um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Laudgericht»rath Müller, die Sitzung und wurde mit der Zeugenvernehmung fortgefahren. Dieselbe gestaltete sich theilö entlastend für die Angeklagten, theilS hinsichtlich einiger unwesentlicher Punkte belastend.

Der Orconom Puth-Gießen erklärt al» Sachver­ständiger, daß nach den vorgeführten Beweisen, nach den Aussagen der verschiedenen Käufer er die Ansicht habe, daß der Angeklagte die 5 Kühe, 4 Kälber und 2 Pferde aU Handelsmann hoch genug au Holve bezahlt habe. Die Kühe waren Schlachtthiere zweiter Qualität, und diese, sowie die Kälber habe Schaumberg sehr hoch verwerthet, auch die Pferde seien in Rücksicht auf ihre schlechte Ernährung theuer vom Angeklagten verkauft. Es komme dazu, daß die Kühe ohne jede Garantie auf etwaige Fehler übernommen feiere denn der Handel sei doch dann als Ramsch zu betrachte«. In Rücksicht auf die fehlende Garantie und das für den Handel bedingte Rifico halte er den von Schaumberg erzielten Gewinn bei dem Handel, den deffen Vertheidiger, Justizrath Schmidt-Marburg, nach Abzug der Unkosten iu einer vor­liegenden Berechnung auf 221 Mk. angibt, als nicht zu hoch.

Die deu Geschworenen wegen der Ehesrau Holve vor­gelegten drei Schuldfragen find auf Grund der §§ 212, 209, Absatz 1, und 211 der ConcurSordnung formultrt, bei jeder der drei Hauptfragen ist die Nebenfrage nach mildern­den Umständen gestellt. Wegen des Angeklagten Schaum^ berg ist die Schuldfrage wegen Beihilfe zu dem betrügerischen Bankerott gestellt, aber auch hier den Geschworenen die Frage nach mildernden Umständen oorgelegt.

Um 5ya Uhr Nachmittags ertheilte der Vorsitzende dem Staatsanwalt Zimmermann zur Begründung der Anklage das Wort. Derselbe ist der Ansicht, daß der Hauptschuldige, der sich durch die Flucht der Bestrafung entzogen, der Ehe­mann Holve sei, die Ehefrau sei die Verführte. Der Fall liegt nach Ansicht des Staatsanwalts so milde, daß die An­geklagte Frau Holve, die bereit» 31/, Monate in Unter­suchungshaft sich befindet, wohl keine höhere Strafe treffen wird, so daß die Strafe als verbüßt anzusehen sein wird. Auch der Fall des Angeklagten Schaumberg liege sehr milde. Derselbe habe die von ihm ungesuchte Gelegenheit benutzt, um sich zu bereichern. Der Staatsanwalt geht sodann die einzelnen Phasen der Beweisaufnahme durch, er weist darauf hin, daß die Angeklagte Ehefrau Holve geständig ist, Gegenstände nach der Zahlungseinstellung bei Seite ge- schafft zu haben. Di: Entschuldigung dieser Angeklagten, sie sei so verwirrt gewesen, daß sie nicht gewußt habe, was sie thue, kann nicht gelte«, denn dieselbe habe ganz planmäßig gehandelt, sie habe in jenen Tagen von früh btS spät so gehandelt, um ihrem Ehemanue zu Geld zu verhelfen. Die Beweisaufnahme habe ergeben, baß mehrere Personen dle Ehefrau Holve gewarnt haben, sie habe« derselben gesagt, sie dürfe nicht» verkaufen. Der Staat»a«walt hebt alle die Momente hervor, die beweisen sollen, daß sich die Angeklagte auch der Rechtswidrigkeit ihre» Handeln» bewußt war. I« der Beweisaufnahme seien so viele Momente hervorgetreteu, daß die Schuld der Angeklagten erwiesen sei.

Vertheidiger RechtSauwalt Römheld plaidirte mit Wärme für seine Cltentin, die Ehefrau Holve- er ist der Ansicht, daß die hier herangezogenen Gesetzesverletzungen auf den vorliegenden Fall gar nicht paffen. ES handele sich der ganzen Sachlage nach, die der Vertheidiger noch ein Mal vorführt, um eine Verletzung de» § 288 d. Str.-G. Da», wa» die Frau gethan, sei geschehen in der Absicht, die Befriedi­gung eine» Gläubigers ihre» Ehemänner, der vermeintlich seinen Proceß gewonnen, zu vereiteln, damit für diesen bei einer etwaige« Pfändung nicht- herauskomme. Vertheidiger Römheld bittet die Geschworene«, sämmtliche wegen der Frau Holve a« sie gerichtete Schuldfragen zu verneinen. Rechts­anwalt Dr. Gutfleisch weist die Geschworenen darauf hin, sich nicht etwa durch die Rede de» Staatsanwalt- verleiten zu laffen, gegen seinen Clienten ein Schuldig zu sprechen. Derselbe habe erklärt, daß der Fall sehr milde liege und die Strafen, die ausgesprochen werden könnten, sehr geringe, sogar durch die Untersuchungshaft vielleicht verbüßte sein würde«. Aber der Herr Staatsanwalt habe ebensowenig Einfluß, wie die Geschworenen selber keinen Einfluß haben, auf das zu erkennende Strafmaß, wenn erst ein Schuldig ge» sprachen wäre. Mau wiffe ja, daß die Gerichte sehr häufig betreff- der Höhe der zu erkennenden Strafe anderer Anficht sind, al» die Staat-anwälte. Der Vertheidiger geht dann Glied für Glied die Kette der Beweismomente durch, die den Angeklagten belasten sollen und sucht diese Momente zu entkräften. Die Beweisaufnahme entlaste den Angeklagten und bestätige vollauf, daß von einer Beihilfe desselben zum betrügerischen Bankerott des Holve nicht die Rede sein könne. Justizrath Schmidt-Marburg schließt sich längerer Rede den Ausführungen seines MitvertheidigrrS an, er weist