Ausgabe 
30.8.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1808

Dienstag den 30. August

Erstes Blatt

Nr. 202

WesMer Anzeiger

Aeneral-Anzeiger

Anrts- und Anzeigeblatt für den Äveis Gieszen

Gratisbeilage: Gietzcner Fanülienblätter

Aedbe, »pebtttoa ira> Dcndmi:

ihofstr. 23.

ifabtit-

Alle Änzttgrn.BrrmilllungSstcllrn bt< In- und Äullanb«! nehmen Lnzergen für Mn GlkHnrrr Knjttjct 'ntetfca

Innere« ln|tlg<n zu der Nachmittags für den IdpnUni Lag erscheinenden Nummer bti Bonn. 10 Uhr.

Adresse für Depeschen: *n|ti|<t chtetzen.

Fernsprecher Nr. 51.

AezugaprelZ

Dicrtfliäbrl 6 2 Mark 20 Pig monathd) 75 tt| mit lvnngerlohn.

t*ci Poüde^ug 9 Mark 50 Psg ->ikrlcltährlich.

CocaUs rrrrd provittjküw.

öteften, den 29. August 1898.

Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß. Herzog empstngen am 27. August u. A. den KreiSarntmann Fre'herru Schenk zu Schweinsberg von Gießen, den Custoß an der UoiverfitätS-Bibliothek Gießen Dr. Ebel.

Bon den höheren Schulen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnätigst geruht, am 27. August den Dirigenten und ersten Ledrer an der höheren Bürger« schule zu Reichelsheim i. d. W Rector Philipp Kramer zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Fried, berg, den Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Ober« Ingelheim Albrecht Kullmauu, wit Wi.kung vom 11. Sep- etmber L I. an, zum Lehrer an dem Gymoasturn Fridericianum zu Laubach, den Dirigenten und ersten Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Beerfelden Rector Otto W oll web er zum Lehrer an der Realschule zu Gernsheim, den Lehrer an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach Professor Dr. Gustav Mohr, mit Wirkung vom 11. September l. I., zu« Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt, den Lehrer an de« Gymnasium zu Büdingen Professor Dr. Hermann Geist, mit Wirkung vom 11. September L I., zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Friedberg uud den Lehrer an der Realschule zu Wimpfen Earl Berger, mit Wirkung vom. 11. September l. I., zum Lehrer an dem Gymnasium zu BenShrt« zu ernennen.

» Unsere NegiwentScapelle hatte die Ehre, am ver« gangeuen Mittwoch vor Seiner Majestät de« Kaiser in WtlhelmShöhe zur Tafel spielen zu dürfen. Nach Beendigung der Vorträge wurde Herr Musikötrector Krauße zu Seiner Majestät befohlen und durch auerkenneude Worte au», gezeichnet.

Absperrung der städtischen Gasleitung Wir machen wiederholt auch an dieser Stelle die GaSconsumenreu auf die Blk-nutmachung deS städtischen Ga». und Wafierwerk» auf« merksam, wonach DieuStag früh zwischen 5 und 6 Uhr eine etwa etnstündige Unterbrechung der GaSabgabe statlfindeu muß, um eine nothweudige Arbeit am Hauptrohr der Stadt, leitung auszuführen. k

* Ernannt wurde am 24. August der Eourad Wenzel au» Ober-Breidenbach zu« Sefangeuaufseher am Laude»- zuchthau» Martenschloß.

Gewerbeivspectiou. Durch Entschließung Großherzog, licheu Ministerium» de» Innern vom 15. uud bezw. 24. August l. I». wurden Fräulein Elise Schumann zu Mainz und Fräulein Elise Geist zu Offenbach, letztere mit Wirkung vom 15. October l. I»., «tr Wahrnehmung der Dienstverrichtungeu von Ssfisteutinueu bei den Großherzog« licheu Gewrrbetnspeeitouen Mainz, bezw. Offenbach beauftragt.

Ausland.

Wien, 28. August. Die Situation ist andauernd sehr kritisch. Auch die gestrige Mintsterconferenz hat zu keine« greifbaren Resultat geführt. ES bestehen noch Meinungsverschiedenheiten der schwerwiegendsten Art. Heute und morgen wird ein gemeinsamer Kron rat h unter dem Vorsitz de» Kaiser» stalifindeu. Da sich der Kaiser am 1. September zu den Mauöveru nach Südungarn begibt, muß die Entscheidung bezüglich de» Ausgleich» bi» dahin getroffen sein.

Lemberg, 28. August. Da» von den Socialdemokraten für Heuer rtnberufene Volks Meeting al» Protest gegen den Ausnahmezustand, welches m t einem Maffeuumzuge durch die Stadt beendet werden sollte, ist polizeilich verbo.teu worden.

Budapest, 28. August. BlSttermeldungen zufolge über« schritten bewaffnete Rumänen die ungarische Grenze bei der Gemeinde Fnudata. Dort entwickelte sich ein mörderischer Kampf zwischen Ungarn und Rumänen, wobei drei Ungarn getödtet und mehrere al» Gefangene fortgeschleppt wurden. Die Affatre wird eine diplomatische Reclamatiou zur Folge haben.

Mailand, 28. Sngust. Die vom ,Corriere della Sera" gebrachten Enthüllungen über den traurigen Zustand de» Pferdematertal» in der ttalieuischeu Armee beschäftigen die öffentliche Meinung im hohen Grade. Verschiedene Blätter bringen anonyme Schreiben von Eavallerte« Osfiziereu, nach welchen die Schuld vor Allem tu der schlechten Ernährung der Pferde zu suchen ist. Al» unbrauchbar auS« rangirte Pferde wurden häufig im Pnvatbefitz bei guter Ernährung wieder gesund und kräftig.

Pari», 28. August. Die gestrige Sitzung de» DtS« eiplinarrathe» in der Angelegeuhett Esterhazy dauerte fieben Stunden. Da» Resultat ist dem «rieg»miuifter über« mittelt worden.

London, 27. August. »Daily Mail" berichtet au» Peking. Der englische Botschafter Macdonald habe die chinesische Regierung dahin verständigt, daß England die geringste Weigerung China» gegenüber den englischen Forder« Ligen al» einen easus bslli ansehen werde. Die Beziehungen zwischen dem Tsung li Y^men und der englischen Regierung sollen fast vollständig abgebrochen sein.

Petersburg, 28. August. Die Nothlage der Dont« scheu Kosaken war seit längeren Jahren io Petersburg recht gut bekannt, die Regierung schloß aber vor dem düsteren Bilde so lange die Augen, bis fie ihr schließlich übergingen. Jetzt bereist eine RegierungSeommisfion daS Dongebiet und stellt fest, wie tief der Ftnanzmioister tn den Säckel greifen muß, um die auSgesogenen Kosaken winhschaflltch wieder lebensfähig zu machen. Der Wohlstand de» nüchternen uud tüchtigen BolkSstammeS ist vor allen Dingen durch die über­triebenen Snfordernngen, die der Staat an seine Leistungen

ehe Weine.

nu ment billiger) -

°°ooooo0 iuser !

len Keifen

7601

iste.

ynljtif für

Ittel

-leischsast, welch» erregenden Eigen I und gutem u ZtärkungS «« und Genesende»

8H

Nachf.

10.

Erscheiat *it lulnobmc bti

Montags.

D« Eiktzrnkr Pamtltens tttter »erh<n Mm Änjetfl« »SchentNch viermal

VcigrkgL

Einjährig Freiwtlligeu-Prufuug. Am Freitag wurden in Darmstadt die Prüfungen der 1. Abtheilun» derjenigen jungen Leute, die sich zu diesem Termine um die Berechtigung zum Stnjährtg-Freiwilltger-Mtlttärdtenste beworben hatten, beendigt. S» waren 18 Examinanden erschienen, von denen nur 6 auf Grund ihrer schriftlichen und mündlichen Leist­ungen den Berechttaung»scheio einaehändtgt bekommen konnten.

Die Einführung de» bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900 kostet nicht nur unseren Richtern, Recht». anwSlten uud Notaren viele Mühe und Arbeit, auch an die GertchtSschreibereien werden dadurch, sowie durch die Ein« führung der uothwendigeu Nrbengesetze, in»besondere der Grundbuchorduuug, ganz außergewöhnliche Anforde- rungen gestellt, welchen die GerichtSschreibereirn unsere« Landes in ihrer heutigen Zusammensetzung wohl kaum ge­wachsen sein dürsten, von einer stet» vorzüglich unterrichteten Sette erfährt derMainzer Anz.", daß im Justtzministeriu» zu Darmstadt bereit» Erwägungen stattgefuoden haben, wie dieser Uebergang au» dem alten in da» neue bürgerliche Recht ohne nachhaltige Stockungen und Störungen hinsichtlich der GertchtSschreibereien sich vollziehen dürste. Hierbei hat sich die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß unseren Gerichts« schretbereien nicht minder eine Vermehrung als vielmehr eine durchgreifende Verjüngung deS Perfoual» von Nöthen fei, und zwar soll diese Verjüngung bereit» mit de« 1. April 1899 zur Durchsührung kommen, so zwar, daß nahezu die Hälfte der älteren Gericht«schreiber in den wohlverdienten Ruhestand versetzt werden. Hierdurch würde e» möglich gemacht, daß bei der Etusührung der neuen Gesetze bereit» ein junge», schaffenSfreudtge» und etngeichulte» Personal vorhanden wäre, wa» allerseit» eine große Erleichterung bedeutet. Wenn wir vom Standpunkte de» Steuerzahlers «eist gegen eine sogen. »PersonalverjÜngung" find, im vorliegenden Fall begrüßen wir sie im Jutereffe de» Recht suchenden Publikum». Denn an der Verschleppung der Rechtssachen in der streitigen und nichtstreitigen Gerichtsbarkeit tragen auch die GerichtSschretbe« reteu uud zwar nicht die geringste Schuld. Wenn wir un» bloß die Schwierigkeiten vergegenwärtigen, welche gerade die Einführung des unserer Provinz völlig fremden neuen Grund« buch» im Gefolge haben wird, so kann man nur wünschen, daß mit frischen, jungen Arbeitskräften die neue Gesetzesära eröffnet wird und die alten Herren, die unbestritten sich durch Fleiß und Ausdauer große Verdienste erworben haben, nicht mit Arbeiten Überbürdet werden, denen ihre Kräfte nicht mehr gewachsen find.

Hinsichtlich der Einberufung von Beamten zur Ab« leistuug de» Dienstes im Heere oder bei der Flotte hat da- ReichSpostamt neuerdings die Bestimmung getroffen, daß zukünftig tn gleicher Weise wie die Beamten auch die Uoter- beamien mit Ausschluß der nichtftäudtgen HilfSboten, jedoch einschließlich der Telegrapheuvorarbetter und der Postillone der reichSeigeneu Posthaltereien zur Ableistung ihres Militärdienstes au» dem Postdienste zu beurlauben find. Hierbei sollen dann die Uuterbeamteu verhaodlnogSsäriftlich darauf aufmerksam gemacht werden, daß fie bei der Ober« Postdtrecttou spätesten» vier Wochen vor Ablauf der Militär« dteustzeit oder, fall» fie außer der Zett entlaffeu werden sollten, sogleich schriftlich ihre Wiederbeschäftigung nachzusucheu haben, uud e» soll durch geeignete Maßnahmen, z. B. Ver­waltung erledigter Stellen durch AuShelfer, HinauSschiebeu von Stelleovermehrungen rc., solchen fich zum Wiedereintritt io den Postdievst meldrudev Uoterbeamteo die sofortige Uuttr- briugoog nach Ableistung de» Militärdienste» gefichert werden.

Wetterbericht, liebet den Firör-Jusrlu liegt da» Ceottum einer ziemlich riefen Depresston, welche fich nach Osten und Süden hin auSbreitet. Dadurch wurde der hohe Druck weiter nach Süden zurückgedrängt, doch steht fast noch der ganze Cootiueut unter seiner Herrschaft. Ueber Italien, wie überhaupt tm Süden der Alpen ist da» Barometer ge­stiegen. Der Einfluß de» barometrischen Maximum» wird wohl im Allgemeinen erhalten bleiben, doch ist nicht au»« geschloffen, daß fich die nordwestliche Depresston, zumal tu den nördlichen Gebiet»theileu, etwa» bemerkbar macht. voraussichtliche Witterung: Bei wechselnder Be« wölkuug warme» Wetter.

1. Sich, 28. August, vorgestern fand tn Aro»borg die Familieoconfereoz der vereinigten BezirkSvereine Lich und Wetterthal statt, welche zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte Herr Vorsteher Waguer. Der Begrüßung der Gäste folgte ein Vortrag über die bauliche Etnrichtuug uud Geschichte de» Klosters, sowie unter Leitung de» Herrn Wagoer ein Gang durch die Ruioe. Herr Alt toastete

für den activeo Reiterdteost stellt, zerrüttet wordeo. WaS der Kosak für die Bestelluog seine» Acker» an Zett und Mitteln übrig behält, wenn er verpflichtet ist, vom 21. bi» zum 42. Lebensjahre Militärdienste zu leisten kann man fich denken. Dabei hat er sich beim Dieosteintritt selbst zu eqaipireu, waS einen Kostenaufwand von fast 800 Rubel verursacht (welche Ausgabe für einen einfachen Bauern« burschen 1) uod während der langen Dienstzeit alle weiteren Kosten für seine Ausstattung allein zu ttagen. Es hat trotzdem recht lange gedauert, bis dcS zähe Reitervolk unter einer so schweren Last erlag. Um die Kosaken nicht bis zur Bettelet verarmen zu lasten, wird nun der Staat eine ganz neue Methode ihrer Behandlung einschlagen und zunächst außerordentliche Geldmittel für die nächsten Jahre aufweodeo wüsten, dies um so «ehr, als auch das Doogebiet heuer eine Mißernte gehabt hat. M. N. N.

Petersburg, 28. August. DerRegierungsbote" ver- öfientlicht eine Kundgebung be» Zareu, io welcher den Mächten eine allgemeine Abrüstung und die Einberufung einer internationalen Eonferenz vorgeschlageo wird.

Madrid, 27. August. In Larlistenkretsen versichert man, daß nicht Don Carlo» selbst, sondern sein Sohn Jaim die kommende Bewegung leiten werde.

Madrid, 28. August. Bei dem gestrigen Stiergefechte producirte fich wiederum unter dem Enthusiasmus der Zu­schauer ein weiblicher Torrerro.

Warschau, 28. August. Die Stadt Kriczew gerieth an verschiedenen Stellen infolge angelegten Feuer» in Braud. Etwa 400 Häuser wurden eingeäsche,t. Sech» Personen tarnen um» Leben, eine große Anzahl trugen theil» schwere, theil» leichte Verwundungen davon. Da» Elend unter der Bevölkerung ist sehr groß.

»rt .

iller Art |

preise-

011 Stillt I Leih» sg

M S;

oooooooe

1197

eine

A

Deutsche» Reich.

Berlin, 28. August. AIS Gegenstück für daS Ergebniß der französischen HeereSergSozung verdienen auch die Ergeb« oiffe der deutschen HeereSergänzuog tm verflossenen Jahre Erwähnung. Nach den dem BundeSrathe hierüber zu« gegangenen Berichten kamen beim ErgäozungSgeschäfte über­haupt 1,624,885 Mono in Bettacht, die tn den alphabeti« scheu und Restantenliften geführt wurden. Hiervon blieben 52,948 uoexmittelt, 105,903 waren ohne Erlaubotß bei der Musterung auSgeblteben. 407,203 waren durch verziehen rc. anderwärts gestellungspflichtig geworden, 571,550 wurden »urückgeftellt, 1210 ausgeschlossen, 40,431 auSgemustert, 108,167 dem Landsturm ersten Aufgebot» Überwiesen, 83,584 der Ersatzreserve, 953 der Marine Ersatzreserve zugewieseo, 224 838 auSgehoben, 5673 find Überzählig geblieben und 21,194 tn da» Heer, 781 io die Marine freiwillig eingetreten. Bon den AuSgehobenen wurden im Heer 214,616 zum Dtenst mit der Waffe, 4512 zum Dienst ohne Waffe bestimmt und für die Marine 2787 au» der Landbevölkerung, 2923 au» der seemännischen uud halbseemännischen Bevölkerung aug­gewählt. Bor Beginn be» militärpflichtigen Alter» fiob tn da» Heer 21,284, tn bte Marine 1023 freiwillig etngetreteo. wegen unerlaubter Auswanderung wurden 24 360 Wehr­pflichtige der Landbevölkerung, 276 der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung verurtheilt, 14,639 bezw. 225 defiaden fich noch in Untersuchung.

Aachen, 28. August. Auf der Martagrube wurden drei Bergleute durch heradstürzende» Geröll verschüttet. Einer wurde getödtet, die beiden andern schwer verletzt.

«11(1.

Sy*

' ""bundrn jtz

1806lt' J!?» Mta. or *

-^ 1575 '

'«"bbetÄ äl*1»uw<ün

««:

Äfrä 1 Enau hitrlegm.