Ausgabe 
30.7.1898 Erstes Blatt
 
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Lakaien-Au-Horchern und Combination-macheru am besten das Handwerk gelegt.

Berlin, 28. Juli. Einen Erlaß des Herrn Ministers v. d. Recke über das WachSthum der Socialdemokratie ist wieder einmal derVorwärts" zu veröffentlichen in der Lage. Au dem Erlaß ist übrigens Nicht- bemerkevSwerth, al- daß derVorwärts" durch einen VertraueuSbruch zu seiner Kennt- uiß gelangt ist. Er lautet:

Der Minister de- Innern.

Berlin, den 4. Juli 1898.

Die Ergebnisse der letzten Wahlen haben erkennen lassen, daß die soetaldemokratische Bewegung auch in solchen Be­zirken größere Erfolge zu erzielen vermocht hat, in welchen dieselbe entweder keine oder doch nur eine geringe Anhänger­schaft zu verzeichnen gehabt hat. ES ist für mich von Inter« esse, näher darüber unterrichtet zu werden, einerseits unter gleichzeitiger ziffermäßiger Darlegung wie sich die socialdemokratische Bewegung in den einzelnen Kreisen des dorttgeu Bezirk- thatsächlich gestaltet hat, andererseits, welche besonderen Verhältnisse socialer oder sonstiger Art etwa zu dem Anwachsen der Socialdemokratie Anlaß gegeben haben. Ich ersuche, die Ergebnisse der bezüglichen Ermittelungen, welche sich besonder- auch auf da- Anwachsen der Social« demokratie ans dem platten Lande zu erstrecken haben werden, in dem nächsten Halbjahre-bericht, betr. den Stand der social­demokratischen Bewegung, aufzunehmen und demselben be­sonder- charakteristische Flugblätter» und andere Kundgebungen beizufügen, auch sonstige bemerken-werthe Vorkommnisse an­der letzten Wahlbewegung, welche ssch au da- Auftreten der Socialdemokratie bet der letzten Wahlbeweguug anknüpfen, zur Sprache zu bringen.

von der Recke.

An den Herrn Reg.«Präfidenteu.

Eigenhändig!

Friedrichsruh, 28. Juli. Geheimrath Schweninger hat seine für gestern geplante Abreise von Friedrichsruhe aufgeschoben, jedenfalls damit nichts versäumt werde, was einen Rückfall im Zustande de- Fürsten bewirken könnte.

Wiesbaden,28. Juli. Der deutsche Schriftsteller- Verband hält Anfang September, wahrscheinlich iu den Tagen vom 11. bis 13. September, hier seinen Berbaud-tag ab. Auf der Tagesordnung steht in erster Linie die Be­sprechung des iu Au-ficht genommenen Reichsgesetzes wegen Reform des Autorenrechtes. Wie derRhein. Kurier" aus RüdeSheim meldet, hat fich dort eine Ortsgruppe mit dem NameuVerein RüdeSheim zur Förderung der deutschen Nationalfestspiele" gebildet. Auch werden daselbst die Statuten berathen, die für die anderen Vereine gleichlautend und vorbildlich sein sollen.

Ausland.

Washington, 28. Juli. Sowohl beim Staatsdepartement wie auch bet der franzöfischeu Botschaft wurde den Mitgliedern des diplowatischrn Corps, welche sich dorthin begeben hatten, um zu hören, wer mir den spauischeu FriedenSunter- haudlungeo betraut sei, die Antwort, daß die spanische Regierung den franzöfischeu Botschafter Cambon damit betraut habe. Die Thatsache, daß die spanische Note von der Königiu- Regentiu und dem Minister de» Aeußern unterzeichnet ist, läßt keinen Zweifel über die Aufrichtigkeit der spanischen Regierung zu. WaS die Art und Weise anlangt, wie die Frtedensverhandlungen eiugeleitet werden sollen, so ist man gegenwärtig dabet, diesbezügliche Projecte zu ftudtren. ES ist ficher, daß die amerikanische Regierung den franzöfischeu Botschafter Cambon als Friedensvermittler sehr gern ficht.

Localer unfc j-rovrnzleller.

Sieben, 29. Juli 1898.

** Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, am 20. Juli den ordentlichen Professor Geh. Mediciualrath Dr. Löhlein zum Rector der L-ndrS«Univerfität sür die Zeit vom 1. October 1898 bis dahin 1899 zu ernennen.

* * Aus de« Verwaltungsdienst. Durch Entschließung S Großherzoglichen Ministeriums des Jauern vom 16. Juli l. I. ist der Großherzogliche RegierungSaffessor Lauer in Gießen mit der Au-Hilfeleistung bet dem Grohherzoglicheu Kreisamt Gießen beauftragt worden.

* * Jubiläum. Am morgigen Tage begehen die hier statiouirten Königlichen Locowotivführer F. Druschke, L. Klein, W. Noll und L Schmehl ihr 25jährtgeS Dienstjubtläum. Wie wir vernehmen, hat der Loco- motivbeamten-Verrin zu Ehreu der Jubilare für morgen Gamstag Abend im Gießener Festsaale (Casv Leib) eine größere Feier veranstaltet.

* * Bolksbad. Den neu zugetretenen Actionäreu zur gefl. Kenutuiß, daß innerhalb der nächsten acht Tage daS zweite und dritte Viertel der gezeichneten Beträge erhoben werden wird.

Das Schlußreuneu der Gießener Trainirfchule auf dem Sportplatz au der Hardt nahm gestern Abend einen be­friedigenden Verlauf. ES hatten fich dazu viele GportSfreunde uud Zuschauer etngefunden. Die Rennen hatten folgendes Ergebuiß: a) Eröffnungsfahren. 2000 Meter, fünf Runden. Drei Ehrenpreise. 1. Karl Duill, 2 Minuten 293/io Secunden. 2, Georg Dönges, 2 Min. 294/io ®ec* 3. Hrtnrich Dönges, 2 Min. 31 Src. b) Hauptsahreu. 4000 Meter, zehn Runden. Drei Ehrenpreise und ein Führuag-pretS. 1. Franz Verhetzen, 5 Min. 58*/10 See. 2. Ludwig Opel, 5 Min. 582/10 Sec. 3. Carlo Derosst, 5 Min. 589/10 Sec. Führung-preiS: Georg DöngeS, der sechs Runden führte. c) Vorgabefahren. Vorgaben: Franz Verhetzen, normal- Ludwig Opel, 10 Meter- Karl Duill, 70 Meter- Georg DöngeS, 80 Meter- Heinrich DöngeS, 120 Meter- Karl Pfankuche, 140 Meter- Ernst Wolf, 300 Meter. Zu fahren waren 2000 Meter, fünf Runden. Drei Ehrenpreise. ES siegten: 1. Franz Verhetzen, 2 Min. 37 Sec. 2. Karl Duill, 2 Min. 372/10 Sec. 3. Heinrich DöngeS, 2 Min. 37*/ie See. ä) Taudem- vorgabefahren. 2400 Meter, sechs Runden. Drei Ehren­preise. ES fuhren: Ludwig Opel und Karl Duill- Franz Verhetzen und Ruma Ctsotti- Heinrich DöngeS und Georg Dönges. ES siegten: Franz Verhetzen und Numa Ctsotti, 3 Min. Ludwig Opel und Karl Duill, 3 Min. Vio Sec. Heinrich Dönges uud Georg DöngeS, 3 Min. 3/10 Sec. DaS Männerfahren fiel aus. Nach Beendigung der Rennen fand Concert auf der Terrasse statt.

**o° 9« Deutsches Turnfest in Hamburg 1898. Der Nachmittag des 27. Juli war dem Turnen der Schüler der Hamburg.Alrovaer Schulen Vorbehalten. 4292 Knaben be« thetligten fich von 2 bis 4 Uhr au gemeinsamen Eiseustab- Übungen und verschiedenen Turnspielen, die frisch uud lebhaft durchgeführt wurden. Die Verkündigung der Sieger begann um 6</2 Uhr. Herr Dr. Götz eröffnete die Pret-vertheiluug mit einer kurzen Ansprache. Unter lebhaftem Beifall der iu dichten Schaaren die Tribünen füllenden und da- Viereck der Vereine umstehenden Turner uud Zuschauer drückte Herr Dr. Götz dem ersten Sieger einen Eichenkranz aufs Haupt und überreichte ihm ein schönes Ehrendiplom. Eine Musik« fanfare geleitete den Sieger auf seinen Platz zurück. Mit größter Aufmerksamkeit wurde der Name jedes Siegers uud die tbm zugefalleue Punktzahl erlauscht uud Gut Heil-Rufe aus den Rethen seiner näheren Freunde schallten ihm ent­gegen, wenn er vor die Tribüne trat und, da- Haupt ent­blößend, auö den Händen der Senioren des Turnens seinen Ehrenkranz empfing. In solcher Weise wurden 105 Sieger im Einzel-Wettturnen, 2 Sieger im Ringen, 9 im Schleuderball-Weitwerfen, 9 im Hinderniß Rennen, 8 im deutschen Dreisprung verkündet und in allen Abtheilungeu zahlreichen Turnern ehrende Erwähnungen zuerkannt. Die ersten 10 Sieger im Eiuzel-Wettturn en waren: 1. Alfred Flatow, Berliner Turnerschaft, Berlin, 63,5 Punkte. 2. Carl Schuhmann, do., 62. 3. Friedrich Zohiel, M.'T.-V., München, 61,5. 4. Willy Oepeu, T.-B., Neuß, 60,5. 5. Carl Seidel, Turuclub, Hannover, 60,25. 5. Alfred Körting, do. 60,25. 6. Willy Müller, do., 59,75. 7. Fritz Sauer, D. T.-V., Prag, 58,75. 8. August Mühlner, M.-T.-B.Ein-

uud Uebertreibungen mancher neuerer Realisten und Natura­listen ist e- uothweudtg, auf das Alterkaunte zurückzukommeu und von hier aus eine neue Faffuug der Lehre von der Kunst zu suchen, die alle berechtigten Forderungen befriedigt.

Goethe sagte einmal zu Eckermaun (Gespräche", 18. April 1827):Der Künstler hat zur Natur ein zwei­faches Verhältntß: er ist ihr Herr uud ihr Sclave zugleich. Er ist ihr Sclave, tusofern er mit irdischen Mitteln wirken muß, um verstanden zu werden- ,hr Herr aber, insofern er diese irdischen Mittel feinen höheren Intentionen unterwirft uud ihnen dienstbar macht."

Inwiefern der Künstler vou der Natur abhängig, oder, wie Goethe kräftig sagt, ihr Sclave ist, haben wir bi- jetzt gesehen- um fie nachahmen zu können, muß er ihr bi- in- Etuzeluste nachgeheu, fich ihr fügen, ihrer Eigenart fich unter- ordnen. Wer fich ihr gegenüber als Herr zeigt, ihr sein Gepräge austrückt, fie nach feinem Willen formt, wird uns im Folgenden deutlich werden.

Die Herrschaft des Künstler- zeigt fich zunächst schon iu der Wahl de- Gegenstände- für sein Kunstschaffen. Nicht da- Ganze will uud kann er darstellen- er greift hinein in da- volle Leben, eine Welle au- dem unendlichen Strome de- Dasein- fängt er auf iu der crhstallklaren Schale der Kunst« form. Mancherlei mag auf die Wahl des zu behaudeluden Gegenstandes mit einwirken, aber die Entschließung muß eine freie sein, wenn ein ächte- Kunstwerk zu Staude kommen soll- der Künstler ist Herr seine- Stoffe-.

Auch die Begrenzung desselben liegt iu seiner Hand. Ihm steht e- zu, zu entscheiden, wo er anfaugen, wo er auf« hören will, wa- Kern und Mittelpunkt seiner Darstellung werden soll. Unter seinen Händen gestaltet fich der Stoff zu einer organischen Einheit und seine Idee ist e-, die das

Gauze beherrscht, die Störende- uud Zufälliges ausschließt, die etwa fehlenden Therle ergänzt und da« neu Entstehende zu einem Kunstwerk nicht nur äußerlich abruudet, sondern auch innerlich crystallifirt. Schon der Geschichtsschreiber, dem es doch zunächst auf Wahrheit ankommt, kann nicht alles darstelleu, was geschehen ist, selbst wenn eS vollständig zu seiner Kunst gelangt wäre- er wird Unwichtiges uud Gletch- giltigeS übergehen, das Bedeutende und Juterrffante hervor­heben, die historische Entwickelung nach gewissen Gesichts­punkten verfolgen, Ursachen und Wirkungen in ihrer Ver­kettung uachspüren- auch er wird, wo die Quellen versagen, Fehlendes uack Vermuthung ergänzen, tu der Mannichfaltig« keit die einheitliche Richtung des Stromes der Ereignisse zu erkennen suchen und mehr oder minder bewußt den Stoff ordnen und abrunden. Urberall wird sich sein Urtheil, seine Leben-anschauuug geltend machen, auch wenn er redlich be­müht ist, unparteiisch darzusttllru uud Jedem sein Recht wider­fahren zu laffeu. So wird auch sein Werk da- Gepräge se'neS Geistes tragen, und wir reden darum mit Rrcht mit Unterschied zu der trockenen Chronik, die nur die Thatsachen aufzählt, von einem historischen Kunstwerk.

In ganz anderer Weise nun ist der eigentliche Künstler, wenn er feinen Namen mit Recht verdient, Herr seines Stoffes. Wohl ahmt er die Wirklichkeit nach, aber er gibt nicht den rohen Stoff, wie er ihn vou der Natur empfängt, sondern er drückt ihm den Stempel seiner Persönlichkeit auf, durchtränkt ihn mit seinen Ideen uud gewährt ihm so Authei! an dem Geistigen uud Göttlichen, das allein dem Menschen unter den zahllosen Wesen der Schöpfung zu Theil geworden.

(Fortsetzung folgt.)

tracht", Hilde-Heim, 58 50. 9. Hans Bruchmayer, M.-T.-B.^, Ingolstadt, 58,25. 10. Robert Becker, Jdarer T.-B., Idar, 58 Punkte. Sieger im Ringen waren: Gruppe I. Ernst Albin Dathl, 1. T.-V. Grüna bet Chemnitz in Sachsen. Gruppe II. Christian Bähringhausen, Turngemeiude Mühl­heim am Rhein. Im Schleuderball-Weitwerfen fiegteu: 1. D. Lahrmann, T.-V. Burhave, 47,04 Meter. 2. Anton Hahen, T.-B. Burhave, 41,35. 3. D. ReinderS, T.«v. Rodenkirchen, 41,25. 4. F. Behrends, T.-B. Burhave,. 41,17. 5. O. Gellisch, Alter T. B. Breslau, 39,70. 6. Jul. Tietz, Akad. T.«B. Greifswald, 38,80. 7. I. Harber-, T.. B. Burhave, 38,70. 8. D. Cyriahrl, T.-D. Burhave, 38,42. 9. Emil Welz, Turnersch. Guben, 38,20 Meter. Im Hinderniß-Laufen: 1. Otto RetsSuer, M.-T.-B. München, 12,8 Secunden. 2. Hugo Kaehlert, M.-T.-B. Kiel, 13,4. 3. Wtlh. Lange, T.-B. Süd«St. Louis, 14. 3. Jacob Herrmann, T.-V. Frankfurt a. M. 14. 3. Juliu- Kayl, T.-V. München, 14. 3. Dr. Herbert Cufhinh, M.-T.-B. München, 14 Sec. 3. Han- Grimm, T.-B. Altona, 14 Sec. 3. Otto Botzen-, T.-V. Hamburg-EimSbÜttel, 14 Sec. 3. Kubasack, T.-V. Hamburg- Eimsbüttel, 14 Sec. Im Deutschen Dreisprung: 1. Joh. Buchheit, A. T.-V. Leipzig, 11,97 Meter. 2. Wtlh. Lauge, T.-B. Süd-St. Louis, 11,90 Meter. 3. Alfr. Augustin, Turnersch. Lübeck, 11,85 Meter. 4. Heiur. Merte, T.-B» Offenbach, 11,80 Meter. 5. W. Oeveu, T.-V. Neuß, 11,70 Meter. 6. Heinr. Wendt, T.-B.Jahn", Bremen, 11,65 Meter. 6. Fritz Stephanh, Berliner Turuerschaft, 11,65 Meter. 8. K. Bresendorf, Akad. T.-B. Berlin, 11,50 Meter. Als gegen 8 Uhr der feierliche Act beendet war, nahm Herr Prof. Rühl-Stettin dar Wort, um der zweiten vou Dr. Goetz erwähnten Pflicht gerecht zu werden. Er widmete dem Senat und der Bürgerschaft, allen Behörden, die fich im Jntereffe de- Turnfestes bemüht und allen bttb Männern, die in den Ausschüssen bei seiner Vorbereitung und überaus glücklichen Durchführung gearbeitet, herzlichen Dank und schloß mit einem dreifachen Gut Heil auf Ham­burg, iu da- die fremden Turner besonders freudig ein­stimmten. Der Vorsitzende des VereinsDoria" aus Genus überreichte hierauf mit einer italienischen Ansprache ein Schmuckstück in EtuiS, das Herr Dr. Goetz dankend entgegen- nahm uud dem Jahu«Museum zu überweisen versprach. Herr Cavaliere Guerra, Präsident deS Turnvereins in Rom, ver--- las ein vom Könige von Italien etngetroffeueS Telegramm, da- den warmen Sympathien des Königs für die Turusache Ausdruck gab, und überreichte daun ein Fahnenband in den italienischen Farben für da» Bundesbanner. Herr Dr. Goetz wies nach einem herzlichen Dank an die italienischen Turner uud ihre liebenswürdigen Vertreter darauf hin,, daß nach Erledigung der zweiten Aufgabe noch die dritte übrig bleibe. ES sei ein eigenthümltcheS Zusammentreffen, daß gerade in den Festtagen in einem socialdemokratischeu Flugblatt ein heftiger Angriff auf da- Turnen und seine patriotischen Tendenzen erfolgt sei und daß er soeben eine: Depesche au» Friedrichsruh erhalten habe, die schlechte Nach­richten über den Gesundheitszustand des Fürsten BiSmarck bringe. Die Angriffe und die Krankheit des Schöpfer» und HüterS der deutschen Einheit wüßten die Turner mahnen^ um so fester im patriotischen Sinn zu wirken. Der Fackel­zug setzte fich um 9x/2 Uhr vom Festplatz auS durch den Ein­gang beim Millernthor iu Brwegung. ES waren etwa 4000 Harzfackrln im Zug so vertheilt, daß die rechten und linken Flügelmänner der viergliedrigen Colonne je eine trugen. Bor dem HauS des präfidirenden Herrn Bürgermeisters Dr. Lehmann wurde ein kräftiges dreifache- Gut Heil unter Fackrlschwingeu gebracht und daun durch da- Dammthor auf die Moorweide marschirt, wo die Facklln zusammengeworfen wurden. Heute Morgen wurden mit zahlreichen Extra­zügen und überfüllten Dampfern Turufahrreu nach allen Richtungen angetretev. DaS 9. Deutsche Turnfest ist be­endet und mit Freude darf Hamburg auf die Tage zurück­blicken. DaS Wetter hat nach Möglichkeit seine Gunst be-- währt. War e- auch meist recht kühl und anfang- stürmisch, so hat doch kein einziger anhaltender Regenguß daö Turnen oder die Umzüge gestört, und die Turner konnten ihre an­strengenden Uebuvgen ausführen, ohne unter Sonnenbrand oder Regen zu leiden. Auch kein einziger ernster Unglücks­fall ist bei dem lebhaften Treiben der 27000 Betheiligren vorgekommen. Mögen die Turner der Festftadr Ham­burg ein so gute- Andenken bewahren, wie diese stei­gern an da- 9. Deutsche Turnfest zurückdenken wird.

Ulrichstein, 28. Juli. Unser dreitägiger, gestern zu> Ende gegangenerJakobimarkt" wurde von sehr gutem Wetter begünstigt seit einer Reihe von Jahren eine Aus­nahme und nahm hierdurch einen befriedigenden Verlaust Der Bullen- und Rindviehwarkt an den beiden ersten Tagen bestätigte allerding- die Thatsache, daß unser früherer so be­deutende Rindviehmarkt immer mehr zurückgeht. Die Ursache liegt an dem Au»bleiben der fremden Händler, die nur an der Bahn gelegene Marktorte besuchen, wo ihnen der Trans­port eben wesentlich erleichtert und verbilligt wird. Durch da- Ausbleiben der Händler stockt der Handel und flaut das Geschäft und die Verkäufer bleiben auch au«. So war denn auch der Auftrieb an Kühen und Bullen, wie auch au Jung­vieh schwach. Die Preise müffen als nicht theuer bezeichnet werden. Sie stehen eigentlich in vollem Widerspruch mit den derzeitigen Fleischpreisrn. Wurden auf dem Rindviehmarkt wenig Käufe abgeschloffen, so ging e» desto lebhafter her aus dem vorgestrigen Schweinemarkt. Hier fehlte e- weder an Verkäufern, noch Käufern. Trotz der hohen Preise ging der Handel äußerst flott. Man bezahlte für da- Paar Ferkel erster Sorte im Durchschnitt Mk. 60 bis 65 und 65 bi- 70, für das Paar zweiter Sorte Mk. 40 bis 50 und 50 bi- 60. Da- Paar Einlegeschweine wurde mit 90 bi- 100 uud 100 bi- HO Mk. bezahlt. Der gestrige Krämer- und Bergnüg- uog-markt war auffallend stark mit Verkauf-ständeu besetzt, deren doppelte Reihe fast die ganze Stadt durchzog. Die Marktgäfte waren in Schaaren herzugekommeu, sodaß unser