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Nr ^50 Zweites Blatt. Donnerstag den 30. Juni I8SS
Gießener A nzeiger
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Die französische Ministerkrisis.
Mit ganz besonderen Schwierigkeiten scheint diesmal die Neubildung des CabinetS in Frankreich verbunden zu sein. Nachdem bereit« eine ganze Reihe von Landidaien sich bemüht haben, ein Ministerium zu Stande zu bringen, aber unverrichteter Sache den Austrag in die Hände des Präfi« Braten Faure zurücklegen mußten, schien der Entschluß FaureS, den der gemäßigten Richtung der Radicalen angehörigen Senator Prytral mit Cabinetsbildung zu betrauen, der Krisis ein Ende machen zu wollen. Doch auch Peytral sah schließlich die Unmöglichkeit ein, seiner Ausgabe gerecht zu werden vnd verzichtete, nachdem er mehrere Tage al« der „kommende Mann" gegolten hatte, auf die Ausführung des Auftrages. Nun hat Frankreich durchaus keinen Mangel an Minister- candidaten; e» giebt dort eine große Anzahl Männer, welche Bereit« an der Spitze der Regierung standen, und noch eine Veit größere Zahl solcher, die irgend ein Portefeuille inne ha'ten. Dazu kommt, daß mau sich wegen der Besetzung der einzelnen Portefeuille- keine allzu großen Skrupel Wachteln Minister, welcher in dem einen Ministerium die Finanzen leitete, übernimmt in dem anderen da- Acußere u. s. w., ja es ist bekanntlich schon der Posten des Ministers des Kriegs einfach an „Zivilisten" vergeben worden, wie z. 3. an Frehcinet und Lavaiguac, und Präfident Faure hat früher längere Zeit das Portefeuille der Marine inne gehabt. Also, wie gesagt, Ministercandidaten find genügend vorhanden, umsomehr als Kammer und Senat einen weiteren Vorraths- schrein für dieselben bilden. WaS die Bildung eines neuen Cabinet- schwierig macht, da- find die Parteivnhältniffe, welche in Frankreich dabei die Hauptrolle spielen.
Die Kammer hatte durch ihr Votum vom 14. Juni verlangt, daß ein auf die Einigkeit der Republikaner ge- giündetes Ministerium zu Stande gebracht werde. Aber schon die Combiuation Pchtral würde diesem Verlangen nicht entsprochen haben, da Prytral, wie schon oben gesagt, den Radicalen angehört- und obwohl er den Republikanern weit- gehende Zugeständntfie machte u. A. sür die Einigung gegen die Sozialisten und die monarchistischen Rechte fich auS' gesprochen hatte, so war sein Mühen doch umsonst gewesen. Jetzt hat nun ein noch weiter litikS stehender Candidat, Briffon, den Auftrag zur Cabtnet-bildung übernommen, und
es scheint, als ob er entschloffen sei, sein Werk auch durch- zuführen.
Brifion ist einer der bekanntesten Politiker der franzö« fischen Republik, mehrfach Ministerpräsident gewesen und hatte zuletzt den einträglichen Posten eines Kammerpräsidenten inne, bi« er bet Beginn dieser Session von den gemäßigten Republikanern verdrängt wurde.
Brifion hat lange gezögert, ehe er den Auftrag zur Cabtnet-bildung acceptirte. Sein Sinn steht nach etwas Höherem, er hofft, einmal in das Elysee eiuzuziehen, wenn die Stelle des StaatSchefS frei werden sollte- und dazu ist unbedingt vothwendig, daß sein politischer Ruf intact bleibt, daß er nicht größere Mißerfolge hat und die Parteie» nicht allzusehr gegen fich aushetzt. Sein Standpunkt wird um so schwieriger sein, al« Briffon em tadelloser Charakter ist, welcher fich nicht gern auf Schachergeschäste etnläßt. DaS Cabinet, da« er bildet, dürfte einen ausgesprochen radicalen Anstrich haben, und schon dieserhalb wird eS einem heftigen Ansturm sowohl in der Kammer wie auch im Senat begegnen, denn in der Kammer haben die gemäßigten Republikaner und die Clericaleu eine, wenn auch nur geringe Majorität, und im Senat ist mau auf die Radicalen noch weniger gut zu sprechen.
Briffon wird also versuchen müffen, ohne Kammermajorität zu regieren. Er hat mit seinen künftigen College« im Ministerrath bereits sein Programm aufgestellt, in welchem die Frage der Einkommensteuer, die Herabsktzung der Ge- treidrzölle und — die DreyfuS-Affaire eine Hauptrolle spielen. Die erstere steht bekanntlich schon seit Jahren in Frankreich auf der Tagesordnung, ohne daß e« bei den verschiedenartigen, einander widersprechenden Jnterefiru gelungen wäre, dieselbe zu Ende zu führen. Die Herabsetzung der Getreidezölle war erst vor Kurzem anläßlich der Brotvertheuerung verfügt worden, und man geht jetzt damit um, den alten Zoll wieder einzuführen. Einen großen Einfluß auf die innerpolitischen Berhältnifie Frankreichs wird auch die DreyfuS- Angelegenhett auSüben, umsomehr, al« die Gegensätze in dieser Frage noch immer schroffer zu werden scheinen.
Wie gesagt, einen leichten Stand wird Brifion nicht haben, wenn er wirklich ein Cabinet zu Stande bringt. Den guten Willen, für sein Vaterland werthvolle Dienste zu leisten, wird man ihm nicht absprecheu können, aber der Widersacher
Aus Kenn Knurigs Schlafrockpredigten?)
Wirthschaftsgeld.
Schon wieder fein Geld? Ja, glaubst du, Kind, da« Geld wachse au den Bäumen und man brauche es nur htrunterzuschüttrln und einzusackm? Du mußt eben sehen, wie Du damit auökommst. WaS ich dir zur Verfügung si'lle, ist wahrlich für einen kleinen Haushalt, wie der »aserige, vollkommen auSreichrod. Andere Leute müfien fich mit viel weniger begnügen. Du spartest ohnehin fast mehr el« zulässig, und aller sei so rheuer? Ja, eintheilen, daS Ist eS eben, eintheilen! Darin besteht die ganze Kunst der -auSwirthschaft. WaS ich sagen würde, wenn du die Küche laapprr hieltest, ich wäre ohnehin schon jetzt mit allem un- zufrieden? Also ick bin wohl wieder daS Karnickel! und wenn ich deinen Bück nach dem Cigarrenschrank hin recht »erstehe, so denkst du dir, ich sei der Verschwender, der dir Seinen Haushalt unberechtigt schmälere. Was mir schon vieder etnfiele? Ob zwar eS nicht schaden könnte, wenn ich -uch für meine Perlon etwa- sparsamer wäre? Da haben roirß! Ich kann dich versichern, daß ich nie im Leben mir gegenüber so gekargt habe, wie tu der Zeit, in der wir ver- »etrathet find. — Nein, da« soll keineswegs ein versteckter Borwurf fein, ich will dir überhaupt keinen Vorwurf machen, aber wir müffen doch bedeuken, daß unsere HauShaltuog noch größer werden wird utiu da« schon bald, hahaha! Na, wenn Ba mir auf den Mund schlägst, muß ich freilich schweigen. AebrtgeuS, wie viel brauchst du?
Das erste Kind.
Gesegnete Vaterfreuden! Seitdem der Balg im Hause it und alle Wände voll chreit, ist e« wahrhaftig nicht mehr zum aushalten. Ich gelte nicht«, gar nicht«, alle»!dieses keine Fräulein da! Die ganze Wirthschaft ist auf den Kopf
*) Verlag von Levy & Müller, Stuttgart. (Preis in illustr.
Umschlag Mk. 1.50.
gestellt, alles muß nach den Jammerarien dieses QuitschvogelS da tanzen. Und Nacht« kann man kaum für eine Stunde die Augen schlteßen. Rabenvater, sagst du? Natürlich, wenn fich einer in Erinnerung ruft, daß er auch sozusagen auf der Welt sei, io ist er ein Tyrann, ein Barbar, ein Rabenvater, ein — waS weiß ich! Wenn noch dieses Verhä schein irgend- wie nützlich wäre, aber im Gegenlhetl, ein Kind wird dadurch nur eigensinnig. Na, der Balg soll nur größer «erden, da will ich ihm die Launen schon auSireiben. Ich soll dein Kind nicht Balg nennen? Dein Kind? Ist e« nicht auch mein Kind? Freilich, die Launen hat fie ganz von dir, wie sie dir überhaupt auch Äußerlich gleicht, trotzdem du mir ein- reden willst, fie sähe mir ähnlich. Ja, ja, sag nur: „Komm, süße« Püppchen, dein Vater hat dich nicht lieb." Ich habe fie mindestens so lieb, wie du fie hast, aber deßwegen muß ich mich doch nicht ganz in den Hintergrund drängen lassen. Du hast kaum mehr einen Blick für mich, du stehst, du hörst, du kennst nur Maust. Ob ich am Ende gar auf mein Töchterchen eifersüchtig wäre? Kindereien! Aber schließlich und endlich bin ich doch auch wer. Alle« mit Maß! Da heißt es aber gleich, wir Männer hätten kein Herz u s. w. Du könntest daö Kind doch nicht schreien lafien? Warum nicht? Schick e« hinan« und laß e« schreien, bi« e« au«- geschrieen hat. ES wird schon aufhören. Man muß Kinder nicht zu sehr verwöhnen. Spartanisch muß die Erziehung sein, sag ich dir, spartanisch! Nur so erzieht man ein ge- snnde« und starkes Geschlecht. Na, warte nur, bi« du größer wirst, da will ich dir schon mit dem Stock die kleinen Nücke« und Tücke« auStreibe«. Na, Clara, du brauchst nicht so ent- setzt dreinzuschaue« und die Hand schützend vor der Kleinen auszustrecken, vorläufig ist e« mit de« Prügeln noch nicht«, obgleich ich zuweilen dazu Lust hätte! . . . Sieh nut, wie verschmitzt fie jetzt herguckt, al« ob fie jedes Wort verstünde. Und fie versteht e« auch, scheint mir. WaS sagt fie? Wah? Und du meinst, da« soll Papa bedeuten? Warum nicht gar! DaS kann ebenso gut Mama heißen . . . Sagt, noch einmal: Wah, wah! Wie fie lacht! Aber daS sage tch dir: wenn du glaubst, da- ganze Hau« auf den Kops stellen zu können, so irrst du dich. Verstanden? Dann gibt eS Prügel, ja,
find doch zu viele, als daß man ihm eine ersprießliche Thätig- keit progvosticiren könnte. (xx)
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Juni. Bei der heute erfolgte« amtlichen Feststellung des StichwahlergebnisseS in Berlin wurden die bekannten Zahlen durchweg bestätigt. Hinsichtlich bei zweiten Berliner Wahlkreise-, wo die Socialdemokraten gegen eine Mehrheit von nur 15 Stimmen unterlege« find, gab jedoch der Wahlcommiffar eine Erklärung zu Protocoll, wonach von den 268 als ungiltig erklärten Stimmzetteln 12 für Kischer abgegebene Stimmen al« giltig zu erkläre« sein dürften. Damit geht die Mehrheit für Kreitling auf 3 Stimmen zurück.
Berlin, 28. Juni. Der „Ostafiatische Lloyd" hat in seiner letzte« Nummer die Notiz gebracht, China habe dem Deutschen Reiche tn Chefoo ein Areal überlaffeu, welches zu einer deutschen Ansiedelung verwendet werden soll. Daffelbe soll umfangreicher sein al- dasjenige, auf dem fich gegenwärtig die fremden Avfiedelungen Chefoo« befinden. Nach Erknndtgungen an maßgebender Stelle kann die „Post" mittheilen, daß dort von einer solchen Abtretung nichts bekannt sei.
Ausland.
Budapest, 28. Juni. OsficiöS wird die BlSttermeldung, Graf Thun habe vom Kaiser die Ermächtigung zur Auflösung deS österreichischen ReichSrathe« und zur Reoifion der Verfaffung erhalten, für unbegründet erklärt.
Chiaffo, 28. Juni. An« der Provinz Avillino wird der AuSbruch schwerer Unruhen gemeldet. In Gesualdo stürmte die wüthende Menge daS Steueramt und verbrannte mehrere Wachthäuser. Militär schritt ein und stellte die Ruhe wieder her. 28 Ruhestörer wurden verhaftet.
VervierS, 28. Juni. Ein Aufruf der socialdemokratischen Partei verbietet den Zuzug fremder Arbeiter nach Aachen zur Ersetzung der dort strikendeu Arbeiter der Weberei Firma Arholff & Schnell. Gleichzeitig wird zu Geld- Unterstützungen für die Stlikrnden anfgefordert.
Paris, 28. Juni. Präsident Faure wird heute Abend das Decret betreffend die Ernennung de-Cabinet« Brisson
i ii । m
p, ganz derbe Prügel. Ur,b wenn du Nachts nicht ruhig vjst, so — wie fie dreinschaut! Komm zu mir! Jetzt heißt eS wieder, ich halte fie ungeschickt. Ich muß wohl erst einen Sprcialcursu« im Kinderhalten nehme«, ehe mir daS hohe Glück gegönnt ist, mein Kind erfaffeu zu dürfen. Au, mein Ban! Wirft du loSlaffe«, du Nichtsnutz! Hier, Clara, nimm fie wieder und — wie gesagt: strenge sei«, recht strenge! ______________
Von der Toilette.
Da« alte Lied: „Ich habe nicht- anzuziehen." Das war auch der erste Ausruf EvaS nach ihrem Unterricht bei der Schlange. Ihr Frauen habt nie etwa- aozuziehen, und mögen auch die Spinde übervoll von theuerem Flitterkram sein. Woher das Geld dazu kommt, da« ist euch Nebensache, kümmert euch überhaupt nicht, dasür soll der Mann sorgen. Im Hau-Halt unvernünftig mit Pfennigen knappen und im Modeleben ebenso unvernünftig die Goldstücke ausstreuen, daS ist euch all?« gegeben. Du hättest dir daS ganze Jahr nicht- machen taffen? Darum handelt e- fich nicht- die Frage ist, ob du überhaupt etwas brauchst, und die möchte ich verneinen. Da- verstehe ich nicht! Da- verstehe ich nicht? Meinst, es gehöre wohl etwa« Außerordentliches dazu, um diese hohe Kunst, dieses edle Wiffen zu verstehen? Allerdings, die Mode, die Mode! Wenn die euch beföhle, tn Sackleinen zu gehen, so würdet ihr eß mit Wonne thun. Selbstverständlich brauchst du einen neuen Hut auch und zweifellos ein derartiges Un- gethüm, wie eß jetzt häufig auf der Straße zu sehen ist — ein wahreß Monstrum von Grschmacklofigkeit, während dir dein letzter Hut ausgezeichnet steht. Du willst nicht zu« Gespött deiner Freundinnen, Bekannten und aller Welt werden? Ja, die lieben Freundinnen, die lieben Bekannte« und die allerliebste sogenannt.! Welt! Ob eine Sache nothwendig ist oder nicht, daß ist euch ganz einerlei, der Hauptpunkt ist, die Anderen in Aeuß rlichkeiten zu übertrumpfen, fie damit zu ärgern. Du gingest einfach genug und brauchtest doch sicher- lich für deine Person weniger alß ich für die meinige? Jetzt möchtest du mir gar den Anzug znm Borwurf machen, den jüngst der Schneider gebracht hat, oder vielleicht die Cigarren,


