Ausgabe 
30.3.1898 Zweites Blatt
 
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festhangend, nebenher geschleift wurde. An der Station Rei«.

A Bon der Wiefeck, 28. März. Leute der Orte Göbeln- rod, Saasen und Lindenstruth bemerkten am Samstag bet dem Güterzuge, der nach 6 Uhr Abend« in der Richtung nach Gießen fuhr, einen fetten Ochsen, welcher au« einem Waggon hing und mit den Hinterbeinen und dem Hiutertheil de« Körper« auf dem Bahnkörper schleifte. Auf unaufgeklärte Weise war da« Thier während der Fahrt über die Barrlöre, die die Thüröffuung deckte, entweder gesprungen oder durch die mittranSportirteu Thtere gehoben worden, worauf es denn,

da« von April ab tu den marokkanischen Gewässern kreuzen wird, hat Befehl erhalten, im Mat diese« Jahre« an den Festlichkeiten, welche zur Feier der 400jährigen Ent­deckung de« Seeweges nach Ostindien in Lissabon stattfindeu, zur Vertretung der deutschen Flotte theilzu- nehmen.

Universität- - rinch richten.

Straßburg. Die philosophische Facultät hat den Verlag«- buchhändler Karl Trübner in Straßburg zum Ehrendoctor der Philosophie ernannt. In rodlettn Kretlm ist Trübner nament­lich dadurch bekannt geworden, haß cs seinem Geschick und sdner Energie gelungen ist, die berühmte Manessl'jche Liederhandschrtft im Austausch gegen andere Handschriftrn für Deutschland wtederzu- gewinnen, nachdem sie seit zwei Jahrhunderten aus Heidelberg nach Pads v.rschlagen war.

au« hiesiger Gemeinde, der e« in seiner 14jährigen Stellung dahier al« Bahnwärter und Halteftellevorfteher verstanden hat, durch pflichtgetreue Dienstsühruvg uod leutselige« Wesen die Liebe und Achtung der hiesigen Bewohner zu erwerben. E« ist die« der Bahnwärter Heinrich Zimmer, welcher von hier nach Gießen versetzt wird.

vnd Traggerüste für Hilfeleistungen bet Unglückssällen. Eben- so besitzt jede Station Frurrlöschgeräthe, bestehend au« einer Feuerspritze, einem Wasserkessel, Sprttzeuschläuchen, Feuer- leitern und Wasseretmer. Die Bahnsteige erhalten durch auf- gestellte Laternen die vöthige Beleuchtung.

ä. Saasen, 28. März. Am 1. April scheidet ein Mann

n. Rieder-Mackstadt, 27. März. Al« ein hiesiger Wirth die Strohhülleu auf eine» Bauwftück von seinen etwa fünf­zehn Jahre alten Aepfelbäumchen dieser Tage entfernen wollte, sah er zu seinem Schrecken, daß sämmtliche Stämmchen von ruchloser Hand zerstört waren. Unter dem Stroh waren nämlich die Bäumchen rundum geschält. Da die That schon vor langer Zett verübt wurde, ist leider kau« anzuoehmeo, daß da« Bubenstück die verdiente Sühne finden wird.

n. Bon der Nidda, 27. März. Wir stehen eben mitten in der Frühjahrsbestellung. Die Arbeit geht flott von statten, da im vorigen Herbst der Boden gründlich vor­bereitet werden konnte. Die bestellten «ecker liegen sehr schön da. Auch Frühkartoffeln find schon gesteckt. Die Winterfrucht hat nicht überall gut überwintert. Roggen steht fa im Durchschnitt gut; Weizen dagegen steht auf manchen Aeckern dünn, hier und da muß er umgeackert werden. Unsere Odstbäume find trotz de« gelinden Winter« nicht weiter vor al« sonst um diese Zett. Und da« ist wohl ein Glück, da anzunehmen ist, daß die Blüthe nicht so srüh zum Barschem kommt, daß fie den nie ausbleibenden Maifrösten zum Opfer fällt. Der Blüthenausatz bet Aepfeln uod Birnen ist nicht so reich, wie er nach Mittheiluogen aus anderen Gegenden dieses Jahr sein soll. Wir können trotzdem einer reichen Obsternte entgegen gehen, da die Entwicklung auch nur der Hälste der Blüthen zur Frucht etoe solche garantiren würde.

Aussichten In einem Kriege. Fast sämmtliche Zeitungen sprechen jetzt gegen Mac Kinley ihr Mißtrauen au«.

h. AlSfeld, 16. März. Gestern fand dahier im Beisein des Vorsitzenden und der Mitglieder de« AusfichtSrathrS tm Saale der Gewerbeschule die Gchlußprüfung der landw. Winterschule statt. Die P.üfung erstreckte sich auf Deutsch, Geometrie, Ackerbau, Obstbau und landw. Betriebslehre. Zahlreiche Zuhörer, die Eltern der Schüler, Freunde und Bekannte der Schüler uod der Schule, hatten sich eingesunken, um sich von den Leistungen der Schule zu überzeugen. Al« Vertreter der Großh. Regierung war Herr Oeconomierath Müller io Darmstadt erschienen. Derselbe bezeichnete nach Schluß der Prüfung in einer öffentlichen Ansprache die Leistungen der Schule al« vorzügliche, wa« man ja von der Schule seit einer Reihe von Jahren zu erwarten gewohnt sei. Wenn sich auch die Anforderungen an die Wivterschuleo von Jahr zu Jahr steigerten und die Unterrichtszeit etoe ver- hältnißmäßig kurze sei, so wären diese Anstalten doch die ge­eignetsten Fachschulen für unsere bäuerliche Bevölkerung und reichten auch vollständig au«, den jungen angehenden Land- wirthen diejenigen theoretischen Kenntnisse zu vermitteln, die zur Bewirthschaftung bäuerlicher Güter nothwendig seien. Der Vorsteher der Schule, Herr Landwirthschaft«lehrer Leithiger, besprach hierauf die Entwicklung der Schule im letzten Semester. Er hob hervor, daß mit den gesteigerten Anforderungen an die LelstungSfähigkett der Schule auch größere Anforderungen an die Eiurichtungen der Schule ent- ständen und daß daher die Erweiterung und Ergänzung der Lehrmittelsammlung immer größere Ansprüche erhebe. Im letzten Jahr habe die Einrichtung etoe« Schulgarten«, der UnterrichtSzweckcn und gleichzeitig versuchen dienen solle, be­wirkt werden können. Die beträchtlichen Mittel über 8600 Mk. feien der Schule von verschiedenen Organen in wohlwollendster Weise zur Verfügung gestellt worden und danke er die« bezüglich in erster Ltoie Herrn Kret«rath vr. Meltor, der in seiner Eigenschaft al« verwaltungSbe- amter und al« Director de« landw. BrztrkSoereia« die Durch führung thatkrästigst unterstützt habe. Der letztgenannte Verein hat, wie un« mitgeihetlt wird, der Schule ganz be­sonderes Wohlwollen entgrgengrbracht und die Bestrebungen derselben nach verschtedeneo Richtungen hin gefördert. Regen doch auch d«e beiderseitigen Bestrebungen sich gegenseitig au und kommt schließlich auch da« regere BereinSlebeo, da« gerade tu der letzten Zett sich auf den verschtedeosteu Gebieten ,m Kreise gezeigt hat, den Bestrebungen der Schule zu Statten. Nachmittags fanden sich Lehrer, Schüler und die Angehörigen der letzteren zu einer gemüthlichen Abschied«- feier imDeutschen Hau«" zusammen.

kirchen wurde der gräßlich verstümmelte Ochse loSgeschoitten. Mit dem 1. April stehen die Oberhessischen Bahn en schon ein Jahr lang unter Verwaltung der königl. preußischen Etsenbahndirectlon Frankfurt a. M. vieles hat sich in dieser kurzen Spanne Zett zum Vortheile des reisenden Pub- ltkum« geändert. Die Stationen haben eine ganz andere Ausstattung erfahren. Die Telephone find durch telegraphische Apparate ersetzt. Andere Läutewerke für die Meldesignale wurden eiogeführt. Auf jeder Station, selbst der kleinsten Haltestelle, befinden fich Schränke mit Verbandsmaterialien

Wien, 28. März. Da« Präsidium de« Abgeord­netenhauses wurde heute Nachmittag vom Kaiser in Audienz empfangen. Der Kaiser gab seiner Befriedigung über das Resultat der Präsidentenwahl Ausdruck und tagte, er hoffe, daß im Parlament nunmehr wieder friedliche Zu­stände wiederkehren würden.

Bilbao, 28. März. Bei Gelegenheit der Wahlen find gestern Unruhe n vorgekommen. Grubenarbeiter verursachten in verschiedenen Ortschaften Straßen-Tumulte.

Nizza, 28. März. Präsident Faure wird hier erwartet, nm der Königin Victoria einen Besuch abzustatten.

Brest, 28. März. Wegen de« fortdauernden schlechten Wetter- mußten die Manöver au-gesetzt werden.

Havanna, 28. März. Aus dem Maine-Wrack find sech« weitere Leichen hervorgebracht worden.

Havanna, 28. März. Die htefige Preffe bespricht die

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raufend lockenden Stimmen für ,hn, den schönsten, rttter- lichften und liebenswürdigsten Prinzen bat.

In ihrer zerrissenen Stimmung vertraute sich Sophie Fräulein von Kalkstein an, die ihr dringend rieth, wie es sich von selbst verstand, dem Prinzen mit Ehrerbletung zu begegnen, ihm aber mit Festigkeit zu erklären, er müsse aus- hvrrn, ihr AehnltcheS zu sagen.

Unter rinnenden Thräneu bat sie ihn, fie auszugebev, fie zu vergessen.

Nimmer kann ich eS," rief er erregt,meine Liebe zu Dir endet erst mit meinem Tode. Noch heute spreche ich mit dem Könige. Er wird eS gestatten, daß ich da« Band löse, welche« mich an meine Gemahlin kettet, und dann dann Sophie, wirst Du mein!-

NiemalsI* rief fie fest.Bedenken Sure Königliche Hoheit in welches Unglück diese unbedachte Handlung die Frau Prinzessin stürzen würde."

Und an mein Unglück denkst Du nicht?" rief er stürmisch, vorwurfsvoll.Ich muß mich an der Seite einer ungeliebten Frau in vergeblicher Sehnmcht nach Dir ver- zehren und Du weisest mich kalt zurück?"

Da traf ihn aus ihren wunderschönen Augen ein Blick so voll von Liebe und Schmerz, daß er erschüttert verstummte. Sie aber fuhr mit dem Muthe, den nur die höchste Reinheit und Unschuld verleiht, fort:

Bedenken Eure Hoheit, daß Sie Vater find, die Pflicht gegen Ihren Sohn geht jeder anderen voran."

(Schluß folgt.)

«eich.

Berlin, 28. März. Der Kaiser fuhr heute Morgen */a9 Uhr ohne Begleitung und unangemeldet bei dem russischen Botschafter Grafen v. d. Osten-Sacken vor und verweilte dort eine volle Stunde. Heute Abend 10 Uhr wird das Kaiserpaar vom Potsdamer Bahnhofe aus die Fahrt nach Homburg antreten. Der Aufenthalt des Kaisers dortselbst ist auf 14 Tage vorgesehen.

Berlin,28. März. Da« Abgeordnetenhau« begann heute d,Zweite Berathung de« Etat«. Mehrere Positionen de« Etats wurden nach kurzer Debatte angenommen. Morgen Fortsetzung der Etatberathung. Im Herrenhause wurden zunächst kleinere Vorlagen erledigt und sodann Peti- tionen diScuttrt. Morgen AufiedeluugSgesetz und Central- GenossenschastSkasse.

Berlin, 20. März. Da« PanzerschiffOldenburg",

Eingesandt.

Gieße«, 27. März 1898.

ImGießener Anzeiger" vom 20. Mäiz d. I. finden wir unter Parlamentarisches, daß der LandtagSabgeordneee Köhler und Genossen auf Grund einer Zuschrift der Bergleute aus dem Grubenbeztrk zwilchen Lich und Giünderg einen Antrag auf zwangs­weise Inbetriebsetzung von Gruben eingebracht hat, indem behauptet wird, daß ein Nothstand der Bergleute vorliege.

Die wirklichen Thatlach-n liegen ganz anbei«, al« solche durch den genannten Abgeordneten dargestellt worden find:

1. Ist eine in dem angeführten Bezirk belegene, lange Jahre in Förderung gestandene Braunkohlengrube bereit« vor mehreren Jahaen eingestellt worden, weil sie erschöpft und abgebaut war, und

,2. mußte vor Kurzem ein Nebenbetrieb der Grube au« polizei­lichen Sicherheitsgründen von der Großherzoglichen Berg­behörde eingestellt werden.

Au« der Einstellung dieses letzteren Betriebe« nun einen Noth­stand zu proclamiren, ist gewaltig übertrieben, da annähernd 15 bi« 18 Arbeiter entlassen worden find, die leicht in anderen benachbarten Gruben oder industriellen Anlagen Beschäftigung finden können.

Wie Überhaupt in dem genannten Oberhefsifchen Bezirk von einem Nothstand unter den Bergleuten nicht die Rede fein kann, geht wohl am besten au« der Thatfache hervor, daß in der von oben­genanntem Bezirk nur einige Stund-m entfeinlen Braunkoblengrud« und Briketlfabrik Friedrich schon seit Jahren Arbeiter mangel herrscht, sodaß noch vor einigen Monaten der versuch gemacht worden ist, fremde Arbeiter (Obdachlose au« den Wärwehallen zu Berlin) nach Trat« Horloff al« Arbeiter zu verschicken, da in der Röhe keine Arbeiter zu erhalten waren. Ebenso find auf den Elsensteingrube« Schöne Auaficht, Hoffnung und Luise bei Ilsdorf Mücke noch gegen­wärtig Arbeiter gefacht, Denen hier sowohl al« in Trat« Horloff reichlichen und hohen Lohn zu verdienen Gelegenheit geboten ist.

Wir t'nnen nur unserer Verwunderung über die oben erwähnte« Anträge Ausdruck geben und find der Meinung, daß ein Landtag«- abgeorbneter au« gen. Bezirk sich zunächst besser und eingehender vo« einem Fachmann hätte tnfoimircn lassen nüssen, bevor er eines solchen in Rede stehmben, socialiftrsch angehauchten Antrag in die Oeffentlichkeit bringt, der in nicht beteiligten und ein geweihte» Kreisen falsche BeurtheUung der Sachlage hervorruft.

Abgesehen davon, daß ein solche« Vorgehen des Abgeordneten Köhler den allgemeinen Interessen schabet, dürfte e« wenig dazu beitragen, Bergwerksbefitzer im hessischen Gebiete zu» weiteren Betrieb ihrer Werke zu veranlassen.

Der bergmännische Verein.

Der Vorstand.

Ad. Marx.

ober mindesten« scheinen zu wollen, ist unserer Zeit ganz be­sonder« eigen. Ein Mann, der sich in seinem Berufe wohl und sicher fühlt, wird wünschen, daß sein Sohn ihm darin folge. Da« ist da« Natürlichste und sollte die Regel sein. Heute ist'« Ausnahme. Heute hört man allerorten:Mein Sohn soll e« besser haben, soll mehr werden, al« ich war." Ja, wenn nur diese« Bessere wirklich immer gut wäre! Wenn nur diese« Mehr nicht oft einen Rückschritt bedeutete! Alle« strebt hoch hinaus, obwohl da oben der Plätze wenige find. Sind fie besetzt, dann müssen die Strebenden wieder zurück, oder sie müssen sich drängen und schieben lassen und kümmerlich warten, bi« endlich ein Plätzchen frei wird. E« ist ein Unfug, zwischen höheren und niederen Berufen zu scheiden. Jeder Beruf, der ehrlich ist, ist der Ehre werth. Alle Berufe, die tüchtig ausgesüllt werden, find gleich werth. Ist etwa der Beruf eines Actenmenschen, der täglich den Staub der Schreibstube schlucken und sich mit dem straf­würdigen Auswurfe der Menschheit befassen muß, höher al­ber de« Landmanns, der seinem Herrgott tagtäglich in sein Sonnenauge schauen darf? Oder ist der Beruf eines Feder­fuchser«, der immer und ewig Vogen schreiben muß, höher al« der eines Handwerkers, der kunstvolle Gebilde seiner Hand entstehen sehen darf? Mit Nichten! Die vermeintliche Höhe des Berufs ist meist Einbildung und Täuschung. Die sog. höheren Berufe sind fast alle überfüllt, und trotzdem drängt fich Jahr für Jahr eine immer mehr anschwellende Masse hinein. Gerade wir haben am besten Gelegenheit zu be­obachten, wie viele Hunderte und Tausende auf der Suche nach einem höheren Berufe verunglücken, stranden oder beiseite geschoben werden. Deshalb halten wir es für unsere Pflicht, in dieser vorösterlichen Zeit mahnend unseren Lesern zuzu- I rufen:Strebe nicht über Dich hinaus!"

Endlich noch ein Drittes:Bleibe möglichst in deiner Eltern Kreise!- Der Kastengeist ist, Gott sei Dank, überwunden, und wir wären Narren, wenn wir ihn wieder zum Leben erwecken wollten. Aber, das ist eine Er- fahrungsthatsache, daß diejenigen Männer innerlich am fertigsten, am gediegensten, am glücklichsten, am tüchtigsten I.........T.......- »uu,

iu werden pflegen, welche in ihrem Wurzelboden geblieben I weil der Strick nachgab, ohne zu brechen, mit dem Kopfe find. Daß es Ausnahmen giebt, wissen wir; aber hier, wie so oft anderwärts, bestätigen Ausnahmen nur die Regel. Es ist doch etwas anderes, wenn der Knabe einen Beruf wählt, ber ihm von Kind an vertraut, in dem er groß geworden unb heimisch ist, aus dem er gewissermaßen herausgeboren wurde, und in dem er sich nicht erst einzuleben braucht, als wenn er in einen fremden Boden verpflanzt wird, wo er vielleicht niemals einmurzeln kann. Wurzelechte Pflanzen gedeihen am besten. Wer dem Berufskreise seiner Eltern nahe bleibt, der wurzelt am festesten. Kürzlich hörten wir einen führenden Handwerksmeister klagen, daß nur gering befähigte Knaben aus ganz geringen Familien sich dem Hand­werke zuwendeten. Wir fragten den Mann nach feinen eigenen Söhnen und hörten, daß beide ftudirt hätten. Zu- fällig brachten wir in Erfahrung, daß beide dem Vater ungeheuere Sorge gemacht und trotz ziemlich hohen Alters noch keinen sicheren Beruf gefunden hätten. Das Beispiel spricht mehr als viele langathmige Sätze. Vielleicht würden jene Handwerkersöhne tüchtige, ihrem Vater Ehre machende Handwerker sein, wenn sie nicht durch die unselige Groß­mannssucht in einen für sie falschen Beruf hineingedrängt worden wären. D. T.

Vermischtes.

Der letzte Claqae-Ches iu der Wiener Hofoper, Jacob Schöntag, ist am Montag während der Vorstellung derMeisterfiuger" im Seiteufoyer de« Theater- plötzlich gestorben. Schöntag stand tm Alter von 64 Jahren und war unverheirathet. Er hinterläßt ein vermögen von mehr al- hunderttausend Gulden. Der verstorbene kam vor un­gefähr vierzig Jahren nach Wien. Da er für Musik schwärmte, feine Mittel ihm jedoch nicht erlaubten, Geld dafür au-zu« geben, wurde er Claqueur tm Kärntuerthor-Theater. Seine riesigen Hände halfen ihm Carriöre zu machen, und ver­schafften ihm ein ansehnliche« Vermögen. Schöntag, der feit der Eröffnung der neuen Hofoper ein Eckplätzchen auf der vierten Gallerte tvnehatte, war die lebendtge Chronik de« Opernhauses. Er hatte die Daren über jede und halbwes« interessante Vorstellung, über Besetzungen, Gastspiele rc. voll- ständig inne. Director Mahler machte vor Kurzem dem Claquewesen in der Hosoprr ein Ende. Die« war für Schöotag ein harter Schlag, den er nicht wehr lange über­lebte. Bon seinem Leichenbegängnisse, da« Freitag ftattfand, hat er stet« mit bitterem Humor gesprochen- er behauptete, daß wenn er tobt sein werde, gewiß kein Künstler zu dem Leichenbegängnisse kommen werde, damit die Leute nicht sagen, er habe seine Erfolge der Cloque zu verdanken gehabt.