Ausgabe 
30.3.1898 Zweites Blatt
 
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189S

Mittwoch dm 30. März

Zweites Blatt.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Anrts- und Anzeigeblntt für den Ttveis Gieren

Gratisbeilage: Gictzener Familicnblätter

Saale bei Hotel Einhorn.

3261.

nderer

in Mseck

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Mr Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Jagden entzückte fie ihn und ihren Muth.

In jenen Tagen wurde Künstler auf den Wunsch der stellte fie lm Jagdcostüm von

Bebacttoe, Expedition und Druckerei:

Achutstraße Nr. 7.

Auerhahn.

Seitdem nannte man fie nur Diana chasaeresse.

Die junge Hofdame fand viele Verehrer und Be­wunderer, Keiner aber wollte ihr gefallen, Keiner genügte ihren hochgespannten Ansprüchen. Und doch fühlte fie In btt letzten Zeit eine so seltsame Unruhe in ihrem Herzen, bald empfand fie jauchzende Freude, bald tiefste- Leid.

Sie legte fich keine Rechenschaft ab über diese- Gefühl, bi- fie eines Tage- den Prinzen August Wilhelm vor ihrem Bilde fand und sie au- seinen feurigen Augen ein so leiden­schaftlicher Bl.ck traf, daß fie erbebte.

Großer Gott, er liebte fie, ihr Held, ihr Souneuaar, fie, das junge unbedeutende Mädchen! Ihre ganze Seele flog ihm zu. Aber in die Wonne diese- BtwuhtseiuS mischte fich ein scharfer Schmerz. N'wmer konnte fie dem Heißge­liebten angehören, denn er war bereit- Gatte und Vater. So mußte denn diese Liebe sterben!

Aber ein so innige- Empfinden stirbt nicht so leicht! Wa- Sophie auch that, um den Prinzen von fich zu ent­fernen, ob fie kalt und verschlofien ihm gegenüber war, ob fie fich Tage lang in ihr Z mmer einschloß, nicht- erschütterte seine starke Neigung, uuo es kam eine Stunde, tu der er Sophie seine leidenschaftliche Liebe bekannte.

Sie erschrak- auferzogeu in den strengsten Ansichten von der Heiligkeit der Ehe, dünkien fie seine Worte ein Frevel, und fie wie- ihn streng zurück, obgleich auch ihr Herz «tt

>«»ahme Bon Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenben Tag erscheinenden Nummer bi- Barm. 10 Uhr.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Htetzen.

Fernsprecher Nr. 51.

9 8l/i Uhr, «a|i

Bezugspreis vierteljährlich

2 Marl 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Bekanntmachung.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenurntß gebracht, daß vom 1. April 1898 an auf die Dauer von zwei Jahren der erste Kaminfegerbrzirk dem Kaminfeger Karl Zw esch dahier und der zweite Kaminfegerbezirk dem Kaminfeger Franz Ne bl dahier zugewieseu ist.

Der erste Bezirk besteht:

a. Au- dem Theile der Stadt Gießen, welcher, von Frankfurt au- gerechnet, recht- der Straße von Frankfurt nach Marburg gelegen ist, einschließlich der Gemarkung Sch'-ffenberg-

Nr. 75

Erscheint täglich mit Ausnahme de» Montags.

Die Gießener AsOmikteuvkätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

pfaugSabeud, eine sogenannte »Courtage", bet der Königin Sophie, dergleichen bet der regierenden Königin- man be­suchte auch oft dte Oper und da» Schauspiel. Wo aber auch Sophie Marte v. Pannewitz mit ihrer Gebieterin weilte, immer erschien dort ebenfalls der Prinz von Preußen. Bon seinen Armen umschlungen, schwebte da- schöne Hoffräuletn tote eine Sylphide über daS Parquet, mit ihm führte fie dte angeregtesten Gespräche, er lauschte mit Begeisterung ihrem hinreißenden Gesang. Al- der Frühling in- Land kam, ritt fie an seiner Seite durch dte dufttgen Wälder, zur Zeit der ' dte ganze Hofgesellschaft durch

Bekanntmachung, bett.: Da- Radfahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.

Unter Bezugnahme auf die in Nummer 73 diese- Blatte- bekannt gemachte Verordnung in obigem Betreff bringen wir zur allgemeinen Keuntntß, daß die nach § 1 der Verordnung für den Bezirk der Stadt Gießen von uns zu ertheilende Radfahrkarte und Numwerplatte vom 29. k. M. ab ausgegeben werden. Um die Au-gabr möglichst zu be­schleunigen, empfiehlt e- fich schon jetzt, auf de« Meldebureau der unterzeichneten Behörde mündlich oder schriftlich diesbe­züglichen Antrag zu stellen.

Der Antrag muß enthalten den Vor* und Zunamen, Stand oder Gewerbe, Geburt-tag, Geburt-ort sowie die Wohnung des Radfahrers.

Die von uns bi- jetzt ausgegebenen Nummerplatten verlieren vom 1. Mai l. Js. ab ihre Geltung.

Gießen, am 28. März 1898.

Großherzogliche- Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

art, feine Geistes- und Körperkräfte, fein Sinn und Gemüth, da muß die Lage und die Eiyenthümlichkeit be$ Elternhauses, die Vergangenheit der Familie, der Geschwister Zukunft er­wogen und berücksichtigt werden. Des Kindes Lust und Neigung darf nicht übersehen werden. Die ganze Lage de- Lebens draußen heischt gebieterisch Beachtung.

Wie dankbar würden doch treue Eltern für guten Rath sein, und doch ist solcher Rath im Einzelnen schwer, tm Allgemeinen kaum zu geben. Nur gewisse Gesichtspunkte können und müssen hervorgehoben werden. Zuerst ist allen Eltern dringend ans Herz zu'legen, dte Neigung und Lust der Kinder zu prüfen und zu beachten. Bet melen von unseren Kleinen zeigt sich der künfttge Beruf schon rm kindlichen Spiele, in ausgeprägter und ausgesprochener Vor­liebe für ein gewisses Werk. Solcher deutlich erkennbaren Neigung ist nun nicht ohne Weiteres nachzugeben; es muß vielmehr sorglich geprüft werden, ob sie einer vorübergehen­den Laune oder einer dauernden Stimmung entstamme. Manche kindliche Neigung wird nur durch äußeren Tand und Flitter oder durch den Schein besonderen Glückes geweckt. Solcher Neigung nachzugeben wäre Thorheit. Aber ebenso thörrcht wäre es, einer starken, nachhaltigen, tief begründeten Neigung lediglich aus äußeren Rücksichten Widerstand entgegenzusetzen. Wer mit Unlust in einen ihm aufgezwungenen Beruf tritt, wird ihn stets als Last empfinden. Ist sein Pflichtbewußtsein stark entwickelt, so wird er mürrisch seufzend die Last durchs Leben tragen, ist es minder entwickelt, dann wird er die Bürde so bald als möglich von sich werfen und die große Zahl derer vermehren, die ihren Beruf verfehlt haben. Da­gegen macht Lust und Liebe nicht nur die Last leicht, sondern sie ersetzt auch, wenigstens b s zu einem gewissen Grade, mangelnde Fähigkeit und hilft über das Schwerste und Schlimmste hinweg. Daher gilt es, die Neigung der Kinder bei der Berufswahl nicht außer Acht zu lassen.

Ein zweiter Mahnruf, der laut und eindringlich immer wiederholt werden muß, ist der:Strebe nicht über Dich selbst hinaus!" Der unselige Zug, mehr fern

Sophie von einem berühmten Königin gemalt. Das Portrait rothem Sammet dar, auf den blonden Locken eia dreieckiges Hütchen mit wallenden weißen Federn, m der Hand eine Büchse und zur Sette rin erlegtet

'S;,

Feuilleton.

Bhnr Glück, ohne Stern.

(Sine Sltbcbcplfobe au« de, Zeit Friedrichs beb Groben. Von C. Gerhard.

(Nachdruck verboten.)

Am Abend dt- 28. December 1745 schwamm ganz Berlin in einem Llchimeere, Udhaftr Freude herrschte überall. Nach der fiegreichen Schlacht bei Keffel-dors hatte König Friedrich IL, dem die Geschichte den Namenbet Große oet- lUen, om 25. Decrmbrr den Frieden zu Dre-den g-sülossen uud wat dann an der Spitze seines Heere- in seine Refidenz emützogen. Man jubelte dem tapferen Feldherrn zu- er aber und feine Brüder eilten sofort nach dem Schlößchen Monbijou, um dort ihre geliebte Mutter, die geistvolle Königin- Wittwe Sophie Dorothea, zu begrüßen.

Die hohe Frau befand fich in ihrem prächtigen Cm- pfang-saale, ungeduldig, die tuhmgektöaten Söhne in ihre Arme zu schließen. Sie wat nie schön gewesen, imponirte aber durch ihre vornehme Haltung und ihre glänzende Unter- haltungrgabe. Ihre jüngste Tochter, welche noch bei ihr weilte, glich ihr wenig. Trotz ihrer zweiundzwanzig Jahre war die Prinzessin Amalia wegen ihrer scharfen Zunge sehr gefürchtet. Auch jetzt spöttelte fie ein wenig über die reu- dtge Erregung vontout Berlin, obgleich auch sie öfter« ia Endttch tm /^^de^Köaia

sprangen die Flügelthüreu de- Saale- auf und der König erschien mir einet glänzenden Suite. Seine Mutter bewill- kowmnete ihn mit stolzer Zärtlichkeit, dann zog fie seinen Bruder August Wilhelm, der von ihm im Jahre zuvor zum Prinzen von Preußen" ernannt war, an ihr Herz.

Der Prinz war erst d,eiuub,wa»zig Jahre

Itaa btn bi- Natur überreich mit äußeren unb inucten .r1(L auogeftater. Er hatte fich In bet Schlacht bet H°h-n- eiebbera durch Tapse.kei. unb GitsteSgegeuwar. belonbe.S ausgezeichnet unb dadurch bab volle Vertrauen (eines «nB* eb'el""schnitten-S, charactervolleb Antlitz strahlte vor Freube, alb et ble Hände bet Königin

,og; ber Schwester wart er ein neckende, Wort »u, bann flogen seine senrizen Blicke zu »'n Hvsdamen, welche bescheiden ,ur«ckgetre>en waren. Die eine, Fräulein v. Kalkstein, kannte

ieru zur Nachricht, Ui d. Js. zur Eiu- ueueu

i. MMlkS (-llsch-st bereits be- isere in Cirenlation Der Vorstand.

hule.

b. aus den Orten: Albach, Allendorf a. d. Lahn, Burkhardsfelden, Garbentetch,Großen Linden,Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Laug-GönS, Leihgestern, Oppenrod, Steinbach und Watzenborn-Steinberg.

Der zweite Bezirk besteht:

a. Aus dem links der Frankfurt-Marburger Straße gelegenen Theil der Stadt Gießen, sowie

b. au- den Orten: Alten-Buseck, Annerod, Ber-rod, Beuern, Daubringen mit HeibertShausen, Großen- Bufeck, Lollar, Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Trohe, Wiesrck und Winnerod.

Gießen, den 28. März 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.____________

Berufswahl.

Wieder nahen die ahnungsvollen und doch so bangen Tage, da aus der hütenden Hege des Hauses die Kinder - hinausziehen in die fremde, ferne Welt, um sich eine neue Stätte zu suchen, sich zu bilden für ihren Beruf. Das Wort Beruf" ist in unserer Zeit meist außer Gebrauch gekommen. An seiner Statt spricht man vom Gewerbe und Geschäfte, gleich als ob es bei dem Thun des Menschen nur auf den Erwerb, auf das Schaffen und Raffen ankäme. Wehe den Eltern, die nur nach Erwerbsrücksichten den Beruf vor­schreiben! Sie versündigen sich an ihrem Fleisch und Blut, an ihrer und des Volks Zukunft! Wehe den Eltern, die das künftige Thun der Kinder nur einschätzen nach dem, was es einbringt, sei es an Geld und Gut oder an Ehre und Ruhm. Sie erniedrigen die Kinder zu Sklaven des Erwerbs, zu Frohndienern der Ehrfurcht.

Von allen schweren und ernsten Elternpfluhten ift die der Berufswahl wohl die verantwortungsvollste. Was giebt es da nicht zu erwägen und zu berücksichtigen, vorzudenken und durchzudenken! Da muß des Kindes Anlage und Sonder-

er bereit-- wer aber wat neben ihr diese- junge, reizende Mädchen mit dem lichten, blonden Haar über der weißen Stirn, mit den unergründlichen, klugen Augen und dem liebenswürdigen Zug um den schwellenden Mund?

Du kennst noch nicht meine jüngste Hofdame, mon amisagte die Königin, den Blicken de- Sohne- folgend, laß Dir die Demoiselle Sophie Marie von Panvewitz vor- stellen. Ihr Vater, der brave General, hat mir da- liebe Kind anvertraut, und ich darf e- wohl sagen, fie ist eine Zierde meine- Hofstaate-. Sie spielt, fie fingt, fie macht Verse und compontrt, kurz fie erscheint mir wie eine junge Muse."

Majestät find zu gnädig und überschätzen meine be­scheidenen Talente," stammelte Fräulein v. Pannewitz errörhend.

O, ich glaube alle« Gute von Ihnen!" flüsterte der Prinz ihr zu.Hoffentlich find Sie al- Verehrerin der schönen Künste aber nicht dem fröhlichen Lebensgenuß abge- neigt, sondern lieben auch den Tanz, den Ritt auf feurigem Roß, die Jagd." _ t t

Ich weiß nicht- Liebere- nach den Stunden der Arbeit, al- auf meiner Juno durch den Wald zu sprengen auf der Jagd nach dem flüchtigen Reh, nach dem Auerhahn, da e- un- Frauen versagt ist, für da- Vaterland zu kämpfen, zu fiegen, wie Eure Hoheit!"

Boller Bewunderung schaute fie zu ihm auf- hatte doch der ritterliche Prinz, an befftn Namen fich so manche rühm- liche Erzählung knüpfte, schon lange ihr Interesse erregt und fie lebhaft gewünscht, ihn kennen zu lernen. Nun übertraf feine glänzende Erscheinung noch ihre Erwartungen, er erschien ihr wie ein Aar, der im stolzen Fluge zur Sonne emporstieg. m .

Bei der Abendtafel saß ihr der Prinz gegenüber und war entzückt von ihren geistvollen, von tiefem Nachdenken zeugenden Antworten. Trotz ihrer Jugend hatte Sophie viel gelesen und war in jeder Hinficht vorzüglich ausgebildet. Die Königin liebte es sehr, lange bei Tisch zu sitzen- oft waren diese Stunden dem jüngsten Hossräulein sehr lang­weilig vorg, kommen, heute aber vergingen fie ihr im Fluge.

Und diesem Abend folgte eine Reihe wundervoller Tage. Der Earneval harte schon am 1. December begonnen, aber erst jetzt, da die Oesterreicher, welche so lange die Mark, besonder- Berlin bedroht hatten, abgezogen waren, da der Friede alle Herzen mit Freude erfüllte, wurden die Feste mit großem Glanz gefeiert. In jeder Woche war ein Tm-

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Völkelkunde.