Ausgabe 
29.4.1898 Zweites Blatt
 
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der Wille des Volkes in derfaffungsmäßiger Weise sich kund rhue und Geltung verschaffe.

Wir wollen politische Freiheit, d. h. daS Recht der freien Mittheilung und der Besprechung unserer Angelegenheiten in Rede und Schrift, und das Recht der freien Bereinigung.

Wir wollen religiöse Freiheit, d. h. für einen Jeden das Recht, seiner eigenen religiösen Ueberzrugung zu leben, und dieselbe auch öffentlich zu bekennen- und gleiche bürger­liche und politische Rechte aller Confesfionen.

Wir wollen Trennung der Kirche vom Staate und eine volk-thümliche Erziehung und Bildung der Jagend.

Wir wollen Gleichheit vor dem Gesetze und Sicherheit der Person und des EigenthumS, verbunden mit Oeffentlich- keit des Gerichtsverfahrens und Schwurgerichten.

Wir wollen ein allgemeines Gesetzbuch für Deutschland und einen höchsten Gerichtshof für ganz Deutschland.

Wir wollen Einheit des Münz-, Maß- und Gerichts­wesens.

Wir wollen ein allgemeines deutsches Staatsbürgerthum.

Wir wollen ein deutsches Volksheer und eine deutsche Flotte, mit deutschem Banner und deutscher Flagge.

Wir wollen eine wohlfeilere und volkSthümliche ver- waltung.

Wir wollen Fürsorge für den Gewerbs- und Arbeiter­stand, sowohl in den Städten als auf dem Lande, Steuern nach dem Einkommen u. f. w.

Wie nun dies Alles zu verwirklichen und in unserem Deutschland in da» Leben einzuführen ist, das ist die Auf- gäbe der in Frankfurt zusawmentretenden constituirendeu Versammlung, zu welcher Deutschland jetzt feine Abgeordneten zu wählen hat. In der Hand dieser Versammlung liegt unsere Zukunft.

Kürzer können wir uns glücklicher Weise in Bezug auf Dasjenige faffeu, was unser Großherzogthum Heffen ins­besondere angeht.

Wir wollen, daß Alles DaS, waS unser Erbgroßherzog Mitregent, beim Antritte seiner Regierung unS, unter eines Sägern Mitwirkung, so bereitwillig und gewiß aus innerster Ueberzeugung dargeboten hat, zur vollen Wirklichkeit werde.

Wir erklären hiermit als freie constitutionelle deutsche Männer frei und offen unsere entschiedene Ueberzeugung, daß keine Berfaffung mehr und größere Rechte und Freiheiten des Volkes gewähren kann, als die im vorstehenden bezeich- nete. Wir erklären danach aber auch als freie constitutionelle deutsche Männer frei und offen:

1. wir wollen mit aller Kraft dafür eintreten, daß jene Freiheiten und Rechte des Volkes, wie fie keine Berfaffung größer gewähren kann, zur Wahrheit werden.

2. wir wollen aber in keinem Falle eine Republik: hat der Erbgroßherzog zuerst und freiwillig die Rechte und Freiheiten des Volkes gewährt, und uns vertraut so soll er sich auch auf uns verlassen können. DaS erklären wir als freie Hesfische Bürger, und fordern alle Hessischen Bürger auf, daS Gleiche zu thun.

3. Wir wollen auf gesetzlichem Wege dafür wirken, daß nur ein solcher Mann in die constituirende Versammlung nach Frankfurt gesendet wird, der sich entschieden für cou- stitutionelle Monarchie ausgesprochen hat.

Wer mit einverstanden ist, der schließe sich unS an!!

Gießen, den 26. April 1848.

Der Ausschuß des vaterländischen Vereins zu Gießen.

Dr. Lredner, Prof. Rosenberg, Hofgerichtsadv. W. DickorL, Reallehrer. Ploch, Landrichter, Fulda, Fabrikant. Welker, Hofgerichtsadv. v. Haber, sind. jur. Lorbacher, stud. cam. »urckhardt, Schlossermeister. Dr. Köhler, Gymnasiallehrer. Helmolt, Schreinermeister. Brawm, Wirth. Conrad Wetdta, Metzger.

vdt Dr. Eckstein, Secretär.

teceUt *n6 prwhQWUf»

Gießen, 28. April 1898.

* rrhebtw, von Pl ah karten gebL-ren. vom 1. Mai l. I. ab werden in den D Zügen Berlin-Basel über Frankfurt- Heidelberg und umgekehrt (M^N.-B.-Schnellzüge Nr. I anb 12) die Platzkartengebühren auch auf den Strecken südlich Frankfurt erhoben. Diese Gebühr, welche auch von den In- Habern der zu Schnellzügen giltigen, bezw. mit dem Auf- druckgiltig für alle Züge"' versehenen Fahrtausweise zu entrichten ist, beträgt in 1. und 2. Klasse für Entfernungen bis einschließlich 150 Kilometer 1 Mk., für höhere Entfern­ungen 2 Mk. Kinder, für welche Fahrkarten gelöst werden müssen, haben den vollen Zuschlag zu bezahlen. Durch Be- legen eines numerirten Platzes wird ein Anspruch auf den- selben nicht erworben. Bei freiwilliger Unterbrechung der Fahrt verliert die Platzkarte ihre Gültigkeit. Der verkauf der Platzkarten erfolgt durch den ZugSschaffuer, sowie an den Fahrkartenschaltern der Stationen Frankfurt a. M.- Hauptbahnhof (für Zug 1), Darmstadt M.-N.-v. (für Zug 1 unb 12) nnb Heibelberg (für Zug 12.)

Schotte», 25. April. ES ist gewiß als ein Fortschritt unserer Stabt zu bezeichnen, wenn wir berichten, daß sich Herr SreiSamtmann Welcker zur Ausübung feiner Fahrten einen Benzin-Motorwagen angeschafft hat.

u. Bon der Ridba, 27. April. Gestern hatten wir bei niebriger Temperatur bcn ersten starken Maikäferflug­abend. Der amerikanisch-spanische Krieg macht sich be- reitS bei uns auf unangenehme Weife bemerkbar, da die in- folge des Ausbruchs desselben in die Höhe geschnellten Frucht- preise einen bedeutenden Brotaufschlag gebracht haben. Der Preis des vierpfündigen Laibes Schwarzbrot ist in einzelnen Orten von 40 auf 48 Pfg. in die Höhe gegangen. Hier und da haben sich indessen dir Bäcker auch mit einem Aufschlag von 2 oder 4 Pfg begnügt.

B Bübingen, 27. April. Unserer erweiterten Hand- werkerschule ist ber namhafte Betrag von 750 Mk. als außerorbentlicher Zuschuß ans der GewerbevereiuSkasse be- willigt worden.

u. Leidhecken, 27. April. Gestern Abend wurde bei Staden die Leiche eines hiesigen Einwohner», der schon seit Ostern fehlte, au» der Nidda geläudet. Allem Anschein nach hat er in einem Anfalle von Geistesstörung den Tod gesucht.

H. Aus de» Horloffthale, 27. April. Wir find durch einen Brotaufschlag von 5 Pfg. auf den Laib überrascht worden. Der vierpfündige Laib Brot kostet jetzt 45 Pfg., das war lange nicht dagewrsen. Die Frühjahrssaaten stad gut ausgestellt worden, der Boden ist mild, obgleich wir im vergangenen Winter weder Frost noch Schnee hatten. Gerste und Hafer gingen schön auf und gedeihen zusehends. Wiesen und Kleeäcker sehen recht gut auS, das Legeu der Zuckerrüben geht gut von Statten und mit dem Setzen der Kartoffeln hat man begonnen. Die Bäume treten langsam in Blüthe, seit zwei Tagen zeigen sich die Maikäfer in großer Anzahl, es scheint ein starkes Flugjahr bevor zu stehen unb darum wäre eine allgemeine, energische Vertilgung sehr erwünscht.

Stumpertenrod, 27. April. Als sich kürzlich in unserem Orte die Kunde verbreitete, unser Herr Pfarrer Schwabe kommt nach Rödgen, da wurden alle Herzen der Gemeinde voll tiefster Wehmuth erfaßt, ob des Scheidens eine» Mannes, der es mit seltener Hingabe und Liebe ver­standen, sowohl in als außerhalb seines Berufes alle Glieder der Gemeinde zu gewinnen. Was der Scheidende während seiner sechseinhalb Jahre langen Thätigkeit in unserer Ge- nuinbe geschaffen, wie er mit aufopfernden Hingabe bestrebt, überall Gutes zu wirken und das Beste zu pflanzen, baS wirb Stumpertenrob nie unb nimmer vergessen. Welch einer I ®uame geistiger und körperlicher Anstrengung bedurfte nicht |

bs< in vorigen Jahre hier gefeierte ErinnerungSsest en bir Breitung deS Dorfe» vor 101 Jahren in solch glänzender, erhebender »etfe zu gestatten! «er diese» Fest «itgefeierr, dem wird e» nicht bloß unvergeßlich sein, nein, er wird auch, ohne überhebend zu sprechen, ein ähnliche» Fest auf einen Dorfe noch nicht gefunden haben. Nicht nut zu diese» Glanzpunkte hat Herr Pfarrer Schwabe unfern Kriegerverein geführt, der ihm seine Gründung verdankte, er hat ihm auch bi» zu seine« Scheiden seine treueste Hingabe gewidmet. Durch lehrreiche Vorträge, durch «ilttärische Spiele n. a. suchte er in jeder Hinsicht da» Interesse für den Verein wach zu erhatteu und dessen verein»thätigkeit zur Blüthe zu bringen. Im verflossenen Herbste gründete der verstorbene einen Po­saunenchor, der e» unter der au»gezeichneren Führung seine» Gründer» in dieser kurzen Zeit zu sehr anerkennen»werthen Leistungen gebracht hat. Allen, dem Wohl der Gemeinde blentnben Bestrebungen wibmete Herr Pfarrer Schwabe nicht nur sein Augenmerk, sonbern auch seine thatkräfttge Unter­stützung. Sie umfaßte alle ©hebet bet Gemeinde, auch die Kinder, deren einzig schöne» WeihnachtSspiel ein würdiger Vorgänger unsere» 100 jährigen Erinnerung-feste» gewesen. So war Herr Pfarrer Schwabe ein Seelsorger unserer Ge­meinde in de» Worte» vollster BedeutMg. Am Freitag öor dem Weggange de» Scheidenden hielt der Kriegerverein eine ehrenvolle Abschied»feier und am Vorabend der Tren­nung brachte er seine« verdienstvollen, vielverehrten, geistigen Führer einen prächtigen Lamptonßzug. Die ganze Ge«einde hatte sich hierzu i« Pfarrhofe versammelt. Der Posaunen- chor leitete stimmungsvoll die Abschied»feier ein, herzliche Worre de» Danke» und der Liebe und der Verehrung wurden laut und tief ergriffen dankte der Scheidende, den der Krieger- verein zu seinem Ehrenmitglied ernannte, für die dargebrachte Ovation. Die besten Segen»wünsche unserer Ge«einde ge­leiten den verdienstvollen Seelsorger in seinen ntien Wtrkung»krei».

Kur die Unterstützung junger deutscher Mädchen, die Zwecks Heirath nach Südwestafrika reisen wollen, hat der Kaiser dem früheren Landeshauptmann jetzigen Gouver­neur Major Leutwein sein lebhafte- Interesse au-gesprochen, damit eine gesunde deutsche Bvölkerung sich in der (Solonit anfiedele. Dadurch werde da- Aufkonimen einer entarteten Mischraffe verhütet, die in den spanischen (Kolonien sich jetzt als ein Strafgericht für da- Mutterland infolge Nichtbe­achtung diese- wichtigen Colonisation-punkte- fühlbar «oche. Bon privater Seite erhiett Major Leutwein 1600 Mark fflt die erste Auswanderin nach Südwestafrika. Er begiebt sich Ende Mai wieder auf feinen Posten zurück.

Hauswirthschaftliches.

Wohl nur selten dürfte ein haußwirthschaftlicher Artikel sich ester in die Gunst der Hausfrauen aller Stände ctnflebürgert haben, al« die von Max Elb in Dresden fabricirte (fh. «. Paßeu»- Gsfig-Essenz. Die Originalflaschen, welche diese Essenz enthalte», ind Durd) einen Mahstab abgethetli, ber die zur Bereitung einer Weinflasche Tafelessig ober zuverlässigen Früchte-Etnmache Essig en orberliche Menge Essenz aufs Genaueste anzeigt. Während früher daß Laufen ber Dienstboten nach Essig gar nicht aufhörle, hat man etzt in dieser Form 10 Liter Essig im Haus unb bereitet sich eine Flasche bei Bedarf im Augenblick durch verdünnen mit Wasser. Dieser selbstbereitete Essig hat den Wohlgeschmack und das Aroma fluten Weinesstas, bleibt spiegelblank unb wird von ärztlichen Autart- täten wegen feiner Reinheit alS ber gesünbeste Essig empfohlen. Ganz besonders eignet er sich zum Etnmachen und Conservire», weil durch die Maßtheilung ber bazu unbedingt erforderliche Stirke- grad genau unb gleichmäßig getroffen wirb und weil tr gänzlich rei von Fäulniß Keimen und GährungSftossen ist, die den Grund zur Verderdniß der Früchte bilden. Hier liegt eine in praktischer und gesundheitlicher Beziehung gleich gediegene Neuerung vor; n»r wolle man beim Einkauf der seit über 20 Jahren rühmlich bekannte« Originalflaschen von Max Elb, Dresden, darauf achten, daß man die echte, auf Etikette, HalSstreifen und Kapsel mit dessen Firma be­zeichnete Waare unb nicht etwa eine in ähnliche» Gewand gekleidete Nachahmung erhält.

Z)er Schöpfer des Henossenschaflswesens.

(Zum 15. Todestage Schulze-Delitzsch'S.)

t 29. April 1883.

Bon Dr. A. Weif e

(Nachdruck verboten.)

KO. Es hat einmal Jemand gesagt, daß zur Unfterb- lichkeit eines großen Geistes auch viel der Name beitrage, den fein Inhaber besessen hätte. Hätte z. B. der Dichter des Faust statt Johann Wolfgang von Göthe etwa Gottfried August Schummrigkeit und der Sänger des Tell etwa, statt Schiller, Willutzki geheißen, so wäre es sehr fraglich gewesen, ob Schummrigkeit und Willutzki unsterblich geworden wären, falls sie es nicht bei Zeiten vorgezogen hätten, den Sack- drillich ihrer Namen mit der Seide eines wohlklingenden Pseudonl)ms zu umhüllen, wie man es heute so gut zu machen versteht.

Mag nun auch ein Körnlein Wahres in jener Behaup- tung stecken, so muß sie sich doch, wie alle menschlichen Regeln, Ausnahmen gefallen lassen. Wenn fie das nicht thun wollte, fo würde doch die Geschichte entschieden darüber zur Tages­ordnung übergehen und ihre Lorbeeren denen zuerthellen, die sie verdienen.

Eine solche Ausnahme von obiger Regel bildet z. B. der Mann, dessen Name nüchtern und trocken Franz Hermann Schulze heißt. Trotz der vielen Tausende vonSchulz", Schulze", .Schultz", .Schultze",Schults", .Schulte" u.s.w., dre die deutsche Bevölkerung aufzuweistn hat, ist doch dieser »Schulze" eine Berühmtheit ersten Ranges geworden. Trotz der Notwendigkeit, ihnSchulze-Delitzsch" zum Unterschiede von den anderenSchulzen" zn nennen, wird die Nachwelt fernen "Namen und wenn sie sich die Zunge daran zerbrechen sollte, doch mit Ehrfurcht und Achtung nennen müssen. Ich sage müssen, weil es Biele nicht gerne thun werden, denn

Hermann Schulze-Delitzsch ist ein Mann gewesen, der ein Herz gehabt hat für die damalige Noth der mittleren und niederen Klassen und dies gilt, namentlich heutzutage, als keine sehr verheißungsvolle Empfehlung.

Hermann Schulze-Delitzsch, der Begründer des deutschen Genossenschaftswesens, wurde am 29. Aug. 1808 in Delitzsch, einer kleinen Kreisstadt der heutigen Provinz Sachfen, ge­boren. Was feinen Namen der Nachwelt überliefert und der Unsterblichkeit weiht, ist schon kurz erwähnt worden. Er verdient es, daß man sich feiner rühmend und ehrend erinnert, ohne dabei nöthig zu haben, feinem eigenen politischen Gewissen irgendwelchen Zwang anzuthun.SDem Verdienste feine Krone!"Suum cuique! wird der Wahlspruch des Deutschen sein und bleiben müssen, wenn er dem Weltrufe feiner Nation, die edelste und am tiefsten angelegte zu fein, nicht an feinem Theile schaden soll.

Ausgewachsen in den kleinstädtischen Verhältnissen von Delitzsch mit seiner, vornehmlich Handwerk treibenden Be- völkerung, in steter Berührung mit diesen Klassen, lernte er besonders ihre Klagen und Wünsche kennen. Er erkannte die Gefahren richtig, die dem kleinen Mann durch die immense Entwickelung der Großindustrie drohten. Er glaubte, daß sie beseitigt werden könnten, wenn den Gewerbetreibenden die Mittel gewährt würden, sich die günstigen Bedingungen der Großindustrie zu verschaffen. War dies in der Haupt­sache die Aufgabe der Rohstoff, und Magozingenossenschasten, so sollten die Vorschußvereine den Handwerkern den nöthigen Credit verschaffen und verbilligen.

Die Handwerker sollten durch Aufbringung eines kleinen eigenen Vereinsvermögen- und durch solidarische Haftung sich selbst creditfähig machen; dazu sollten sie, durch Gewährung eines höheren Zinsfußes als die Sparkassen, fremde Capi- talien, frellich nicht in zu großem Umfange, anziehen und dadurch ihre eigenen Mittel verstärken. Den Mitgliedern des Vereins sollte zu diesen Capitalien nach genauer Erwägung

ihrer persönlichen Eigenschaften und ihrer Geschäftsverhält­nisse, kurzfristiger Credü in verschiedener Form und zu solchen Zinsen gewährt werden, daß die Vereine noch eine erhebliche Dividende zahlen und durch sie zum Beitritt anloden konnten.

Credit hatten früher nur die durch Stand und Vermögen bevorzugten Klassen genossen. Den Handwerkern hatte man entweder überhaupt keinen oder doch nur zu solch hohe« Zinsfüße gewährt, daß er mehr einer systematischen Aus­beutung al» einer Hilfe glich. Da» große Verdienst Schulzes ist e», daß er eine Diffusion be» Credit» durch alle Klassen bis zu den niederen zu Wege brachte. Daher fanden feine Genossenschaften auch über ganz Deutschland die mächtigste Ausbreitung. Schulze hat es verstanden, den unteren unb mittleren Schichten des Volkes solide Creditorgane zu geben, sie zum richtigen Gebrauch ber modernen Creditformen zn erziehen. Im Jahre 1865 konnte er die logen.Genossen­schaftsbank" mit einem Capital von 275000 Thalern gründen. Daher hatte da» System seiner Genossenschaften auch die erforderliche Lebensfähigkeit.

Schulze hat sich auch nicht, wie andere Socralpolitiker vor ihm und nach ihm, mit bloßen literarischen Hinweisen und theorettschen Belehrungen begnügt, sondern mit warmer Begeisterung für die Sache die practische Anleitung gegeben unb mit Arbeit im Kleinen begonnen. Seine burchdringenbe, gründliche Kenntniß des practischen Leben» in jenen Kreisen, für welche seine Organisation bestimmt war, wurde auf'» Glücklichste ergänzt durch seine umfassenden Kenntnisse im positiven Recht unb in ben Formen be» Creditwesen» und ber kaufmännischen Geschäft»- unb Buchführung.

Daß ihm dabei viele Schwierigkeiten erwuch'en, daß et vielfach selbst von denen, für die er sorgte, unb dachte, oft mißverstanden und verkannt wurde, daß er al» Demagog verschrieen und seiner Zeit in den Witzblättern weidlich durch- gehechett und verspottet wurde, kann man sich ja wohl denken; doch ließ er sich durch alle Hindernisse nicht abschrecken. Bis