Ausgabe 
29.3.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Dienstag dm 29. März

Nr. 74

Meßmer Anzeiger

Mutter,

Mneral-Anzeiger

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«edactiov, «pxdikton *nb 3X***i: Kchntstraße Nr. 1.

Zweites Blatt.

al-baid wieder der Kammer vorznlegen. Auch bei der Ent« bindnng-anstalt Mainz beantragt der Ausschuß Absetzung bis zur fiattgehabten Einsichtnahme. StaatSmtntfter Finger bittet um Beschleunigung der Bauforderung, da hier eine dringende Nothwendigkeit vorltege. DaS HauS lehnt den Ausschußantrag mit großer Majorität ab und bewilligt die RrgierungSforderung mit 194000 Mk. Für da- KreiSamtS« gebäude zu Worms werden 56180 Mk., für das kurfürft« ltche Schloß zu Mainz 75000 Mk. bewilligt. Bei der Forderung von 75000 Mk. für den Ausbau des DomeS zu WormS regt Abg. Haas.Offenbach den Ausbau der Stifts­kirche zu Wimpfen an. Der Betrag wird bewilligt. Die folgenden Titel 1 bis 12 des CentralbauwefenS werden ohne Debatte genehmigt.

Hierauf vertagt sich die Kammer bis zum Dienstag Vormittag 10 Uhr.

Adrrssc für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

sind, ferner anhalten wird. Friede nach Außen und Friede | im Innern mögen uns für alle Zukunft bewahrt bleiben.

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Der Betrag soll an diejenigen Kreise zur Vertheiluug ge­langen, welche schadhafte Staatsstraßen haben. Es werden sodann bewilligt für die Regulirung des WieSbachS in den Gemarkungen Schimsheim und Wallertheim 5500 Mk., für Regulirung des Raunheimer und GinShetmer FluthgrabcuS 7875 Mk.

Zu Capttel 140, Entwässerung des Rieds, beantragt d-r Ausschuß Uebertragung der in der Budget­periode 1891/94 bereits bewilligten 220000 Mk. ins Budget für 1897/1900. Landeskultur-Inspektor ClaaS erklärt, bei der Hochwaffergefahr von 1881/82 habe man die Ent- wäfferung des Riedes energisch gefordert. Nachdem aber eine Reihe von trockenen Jahren eiogetreteu sei, habe die Be- völkerung von dem Plane nicht- mehr wiffen wollen. Die Regierung treffe tu dieser Frage keine Schuld. Die Ab­geordneten HaaS-Offenbach, Werner und Hetdenreich treten für die Forderung der Regierung auf Erhöhung des Betrages auf 400000 Mk. ein, während die Abgeordneten Möllinger und Hirfch sich für den Ausschußantrag aus- sprechen. Der Antrag des Ausschuffes wird schließlich au- genommen.

ZuLapitel 141, Titel 1, werden Mr die Aufstellung eines Geueralculturplanes für den hohen BogelSberg 80000 Mk. gefordert. Der Ausschuß ist der Ansicht, daß die Herstellung eines sofort in Detail- aus- gearbeiteten Generalcultmplans nicht da- richtige fei und beantragt die Bewilligung von nur 10000 Mk. und Bildung einer Commission, bestehend an- Regierung-Vertretern, Ge- meinderaths-Mitgliedern und landwirthschastlich und cnltur- technischen Fachmäaneru zur Prüfung aller für den General- culturplau erforderlichen Fragen. LandeScultur.JnsPector Claas gibt eine eingehende Schilderung über den von der Regierung ausgestellten Generalculturplau. Er stellt dabei in Aussicht, daß für eine gründliche und ergiebige Durch' führung der CulturaufbefferungimBogelSberg ca.3500000Mk. erforderlich seien. Ein gründliches Vorstudium zur Lösung dieser Aufgaben sei vöthig und daher seien die geforderten 30000 Mk. erforderlich. Abg. Hetdenreich wünscht, daß bet der Bildung der Commission Männer gefunden werden möchten, welche daS Vertrauen der Bevölkerung hätten. Der AuSschußantrag wird hierauf angenommen.

Für Titel 2, Errichtung einer Wtesenbauschule, werden 15 000 Mk. gefordert. Der Ausschuß beantragt Streichung des geforderten Betrags. Abg. Heidenreich tritt für die RegterungSfordernng ein,- ebenso Abg. Bähr, der etue Wiesenbauschule für wichtiger hält, als die Acker­bauschulen. Abg. Jöckel spricht sich ebenfalls für die Regterungsforderung aus. Der Ausschußantrag wird hierauf gegen 11 Stimmen abgelehnt und die geforderten 15000 Mk. genehmigt.

Bet Capitel 142, Centralbauweseu, werden ohne Debatte genehmigt für den Großh. Hofstall zu Darmstadt 21000 Mk., für das KreiSamts Gebäude zu Heppenheim 8780 Mk., für Vergrößerungen des Landeshofpital» Hofheim 1 593000 Mk., für daS Arbeitshaus Dieburg 97 000 Mk., für daS Anatomiegebäude zu Gießen 21000 Mk., für den Botanischen Garten daselbst 16800 Mk., für Erweiterung der UniversitätS-Bibliothek daselbst 60500 Mk., für die Veteriuäranstalt daselbst ll lOOMk., für die neuen Kliniken zu Gießen 64000 Mk.. für das Gymnasium zu Gießen 8920 Mk., für das KretS- amtSgebäude zu Alsfeld 67000 Mk., für die Stadtktche zu Friedberg 50000 Mk., für Errichtung eines Büreaus beim KretSamr Büdingen 3000 Mk. Für die Herrichtung einer Dtenerwohnung beim KreiSawt Schotten hat die Regierung 14500 Mk. eingestellt. Der Ausschuß w'll nur 8000 Mk. bewilligen. Gegen die Regierungsforderung fprechen die Abgg. Weith und Bähr. Abg. Schönfeld beantragt, 10000 Mk. zu bewilligen. Der Ausschußantrag wird abgelehnt und der Antrag Schönfeld angenommen. Die Forderung von 33 500Mk. für das Regierungsgebäude zu Mainz wird abgesetzt und der Regierung anhetmgegeben, den früheren Plan des Anbaues

Wien. 26. März. DieNeue Freie Preffe" versichert, daß die Osterferien des Abgeordnetenhauses bis zum 20. April dauern. Während der Ferien werden die deutsch böhmischen Abgeordneten mit den Wählern in Fühlung treten, um zu der seitens der Schönerer Gruppe erfolgten Ankündigung der deutschen Gemetnwirthschaft Stellung zu nehmen.

Loudon. 26. Mräz. Nach Meldungen aus Newyork und Washington ist dort die Hoffnung auf friedliche Lösung der spanisch-amertkantscheu Differenzen jetzt allge- mein geschwunden. Eine Intervention der Vereinigten Staaten in Cuba erscheint unvermeidlich. Den Ereigniffen der nächsten Woche wird mit größter Spannung entgegengesehen.

car Blumenthal

ier (Kudolph8 Naohl), w- Zweites Parqaet Mk. 1,10.

10. Qallerie Mk. 0,40.

OaalbuiverbliHint iW

Aus den Verhandlungen der Zweite« Kammer der hessisch*» Stände.

G. Darmstadt, 26. März 1898.

Bor Eintritt in die Weiterberathung des Budget- faßt

Ventsche» Aeich

Berlin, 26. März. DerPost" zufolge entspricht die Blättermeldnng, daß der Kaiser sich vor längerer Zett im Kronrathe für die Errichtung eines neuen Bauten- Ministerium- in Preußen ausgesprochen hat, nicht den thatsächlichen Vorgängen. Es schwebten nur Erörterungen über eine anderweitige Organisation der wafferwirthschaftltcheu Organisation. Beschlüsse sind tndeß bisher noch nach keiner Richtung hin gefaßt.

Berlin, 26. März. In der Grünenthal'schen Unter­suchung-fache find gestern nochmal- mehrere Beamten der Reichsdruckeret bet der Crimtnalabtheilung vernommen worden. Belastende» haben fie gegen Grünenthal nicht au-zusagen vermocht. Etue für ihn sehr günstige Aussage hat der Nach­folger Grünenthal- tm Amte, der Obnfactor K, gemacht, der die Erklärung abgab, e- erscheine auSgeschloffen, daß G. au- den Beständen der Reichsdruckeret auch nur einen Bogen Papier entwendet haben könnte. Ebenso hält es der Zeuge für unmöglich, daß Grünenthal selbst RetchSkaffenscheine an­gefertigt haben könne.

Berlin, 26. März. Laut Bekanntgabe de- königlichen Polizeipräsidiums beziffern sich die bei Oderfactor Grünen- thal beschlagnahmten Werthe außer den auf dem Grabe ge­fundenen 44,000 Mk. auf etwa 125,000 Mk.

Berlin. 27. März. Die Anstrengung der Klage der Stadtverordneten.Verfammlung wegen der Bean­standung de» BeschluffrS wegen Mederlegung eines Kranzes auf die Grabstätte der Märzgefallenen ist ferttggestrllt und wird dem OberverwaltungSgertcht Ende dieses MonatS zu- gehen.

Marburg, 26. März. Die Königin Marghertte von Italien hat dem htefigen hesfischen Jägerbataillon Nr. 11 ihr lebensgroßes Bildntß zum Geschenk gemacht. Der italienische Gesandte in Berlin wird dasielbe dem Bataillon in nächster Woche überreichen.

Kiel, 26. März. Die Reise deS Kaiser» auf dem SchnelldampferKaiser Wilhelm der Große" gewinnt da- durch eine besondere Bedeutung, daß der Dampfer als Hilfs­kreuzer für die kaiserliche Marine, jedoch ohne Zuschuß de» Reiches, erbaut ist und tm Kriegsfälle eine überaus werth- volle Ergänzung der Reichsmarine darstellt. Der Dampfer ist mit besonderer Fundamentirung für 12 Schnellfeuer- geschütze ausgestattet. Bei der Reise des Kaisers handelt eS sich um eine Erprobung des Schiffe- auf seine Gesqwindig- feit, Gteuersähtgkett und andere Einzelheiten für Kriegs- zwecke. _

Kiel, 26. März; Der Oststurm hält noch an. Bei der Festung Frtedrtchsort strandete ein dänisches Segelschiff. Die Besatzung wurde von dem RettungsbooteLaboe" gelandet.

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erscheint tägtich mit Ausnahme deS Montag«.

Die Gießener Mamilienßkttter werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Kammer zunächst Beschluß über die Verwendung der aus dem Staatsstraßenfond noch vorhandenen 17000 Mk.

Zwei Kundgebungen des Kaisers.

Der Dreibund, welcher zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien geschloffen worden ist, soll ein Hort des Frieden- fein, er soll Europa vor den Schrecken de- Krieges bewahren mit allen seinen Zufällen und Folgen. Und als da- be­währteste Glied dieses Bundes, als der Überzeugteste An­hänger der FriedenStheorte darf unser Kaiser angesehen werden, welcher bei jeder Gelegenheit dieser seiner Gefinnung Au-druck gtebt und schon mehrfach beruhigend auf die Ge» müther eiugewirkt hat. Die Welt steht augenblicklich im Zeichen einer CrifiS. Im Osten find dränende Wolken ent- standen, welche zu einem Gewitter sich herauSzubtlden ge- eignet find,- wenn auch augenblicklich eine direkte Gefahr nicht vorhanden ist, nachdem Rußland freiwillig aus Korea sich zurückgezogen bat, fo ist damit doch die Möglichkeit eine» ernsteren Covfltct» in absehbarer Zeit nicht geschwunden. Denn ein dkfinitiver Verzicht Rußlands aus Korea ist nicht anzunehmen, aber eS ist klug genug, den paffenden Augenblick in Geduld abzuwartrn. Und im Westen droht das Gewitter von Minute zu Minute auSzubrecheu, Spanten und die Ber­einigten Staaten stehen sich bereits in Schlachtordnung gegen- über. Wenn mau auch noch immer hoffen darf, daß die KriegSsurie im letzten Moment durch das Eingreifen der europäischen Mächte hintangehalten wird, so ist die Lage doch überaus ernst, und infolge der besonderen Umstände ist e» nur allzu wahrscheinlich, daß durch einen Krieg im Westen die europäischen Mächte schwer geschädigt werden würden. Da war es wieder die rechte Zeit, daß von berufener Stelle beruhigende Versicherungen gegeben wurden.

Die Vorliebe unsere» Kaisers für die Marine ist all- bekannt, und wohl kaum find von anderer Seite die Ber- Handlungen im Reichstage mit so lebhaftem Jntereffe verfolgt worden, wie im KönigSschloffe an der Spree. Auch die Fahrt, welche Kaiser Wilhelm am Freitag auf dem Lloyddampser Kaiser Wilhelm der Große" von Bremerhaven aus in See gemacht hat, legt Zeugn'.ß dafür ab, welch' regen Antheil er an ollen Ereigniffen auf maritimem Gebiete, an den Fort- fchritten der Technik u. f. w. nimmt. Er scheut nicht Wind noch Wetter, wenn eS gilt, etwa- zu vollbringen, was er als im Dienste des Vaterlandes geschehen ansieht, und so hat er sich denn auch durch den grausigen Sturm, der in den letzten Tagen unsere Küsten umbrauste, nicht abhalten laffen, die Seetüchtigkeit des obengenannten Lloyddampser» nach allen Richtungen hin selbst zu erproben. Und daß diese Prüfung zur Zufriedenheit des Kaisers ausgefallen ist, da­für giebt der Trintspruch de- Kaisers Zengmß, welchen er bet dem Diner auf dem Schiffe ausbrachte und in dem er feiner Bewunderung Ausdruck gab, was deutscher Fleiß und deutsche Thätigkeit geschaffen haben. Aber noch in anderer Hinsicht ist dieser Toast bemerkenSwerth, da er wiederum einen Beweis der Friedensliebe des Monarchen gitbt und die feste Zuversicht gewährt, daß der Kaiser sein ganzes Können und Wollen daran setzen wird, der Welt den Frieden zu erhalten.Nur unter den Segnungen deS Friedens kann ein Volk sich entwickeln, und wenn wir heute hier ver- sammelt sind, so müffen wir unS vergegenwärtigen, daß weder Ich noch Sie diese frohen Stunden verleben können ohne diese Erhaltung des Friedens." DaS waren die Worte deS Kaisers, denen wir eine besondere Bedeutung beimeffen, wett hinauSgehend über den Kreis, zu dem fie gesprochen wurden. Mögen auch Stürme unser Bater- land umbrausen, mag die Gefahr auch groß und nahe sein, wir können die feste Zuversicht hegen, daß Derjenige, in dessm Willen die Entscheidung liegt über Krieg oder Frieden, unter allen Umständen die Segnungen des letzteren zu schätzen weiß und nur nothgedrungen zum Schwerte greifen wird, um Deutschland vor Angriffen zu schützen. Der Große unsere- Lande-, nicht in Bezug aus Ausdehnung der Grenzen, sondern zur Entfaltung seiner kulturellen Macht, zur Hebung seines Handels und seiner Schifffahrt gelten die Bestrebungen de» Monarchen, in denen jeder echte Deutsche ihm seine Hülfe angedethen laffen kann.

Eine FrirdeuSkundgebung bilden also die vom Kaiser gesprochenen Worte, die nicht genug gewürdigt werden können. Aber ihnen folgte noch ein Trinkspruch, der jedenfalls einen Widerhall in den Herzen aller Deutschen erwecken wird: wir meinen den Toast auf den Altreichskanzler Fürsten Bismarck. Die Brücke zwischen Berlin und FriedrichSruh ist damit wiederhergestellt, die Verstimmung, welche längere Zeit herrschte, ist geschwunden, und wir geben nnS der Zuversicht hin, daß das jetzige Berhältniß herzlichen EinverständniffeS zwischen zwei Stellen, die uns Deutschen lieb und werth

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