Direktion des Stadttheaters -heilt uns mit, daß Omnibus- Fahrscheine für die nach Schluß des Theaters verkehrenden Wagen au den Spieltagen auch im Vorverkauf bei Herrn Ernst Challier auSgegebeu werden.
•• Eissport. In der gestern Abend 8Vg Uhr im Hotel „Victoria" abgehaltenen, verhältnißmäßig gut besuchten Hauptversammlung des Gießener Eisvereins erstattete der Borfitzeude zunächst den Geschäfts« und Kaffen« bericht. Der Mitgliederbestand ist augenblicklich 640. Die Eisbahn konnte infolge des wilden Winters 1897/98 nur au dreizehn Tagen benutzt werden und zwar im Decernber au fünf, im Januar au acht Tagen. Die Einnahmen betrugen 2713 Mk. 93 Pfg., denen alS Ausgaben 1609 Mk. 33 Pfg. gegeuüberfteheu, so daß pro 1898/99 ein Kaffen- saldo von 1104 Mk. 60 Pfg. zu verzeichnen ist. Die Fertigstellung der Moltkestraße wird zwar in absehbarer Zeit eine Verlegung der Eisbahn nicht zur Folge haben, dagegen bedingt dieselbe einen Um«, bezw. Neubau der ohnehin sehr primitiven Gebäudeanlageu deS Vereins. Es wurde be- schloffen, einen der Neuzeit, der Lage und deu Bedürfnissen deS Vereins in weitgehendster Weise entsprechenden Neubau aufzuführen und sollen daselbst zweckentsprechende Räume für Garderobe, WirthschaftSbetrieb, Geräthe, Abortanlageu u. f. w. geschaffen werden. Die wiederholt angeregte Beleuchtung der Eisbahn, wodurch vorläufig zwei« bis dreimal die Woche auch Abends Gelegenheit zum Schlittschuhlaufen geboten werden soll, wurde eingehend beratheu und beschlossen, daS hiesige Gaswerk mit der Ausarbeitung eines Planes zu beauftragen und die Beleuchtung mit dem Neubau zugleich Herstellen zu lassen- auch die Anlage eines dritten Hydranten wurde in Aussicht genommen. Die Entwürfe zu diesen Projecten find bereits in Auftrag gegeben und wird nach Durchberathung derselben mit der Ausführung der Neuanlage bereits zu Anfang des nächsten Jahres begonnen. Unsere Stadt wird alsdann um eine Einrichtung reicher werden, die noch viele andere und größere Städte entbehren müffeu und die auf die Gesundheitsverhältniffe und daS öffentliche Berkehrsleben den besten Einfluß anSüben wird. — Mit der Geschäftsleitung wurden folgende Herren wieder resp. neu beauftragt: Jean Kirch, 1. Borfitzender, Professor Or. Netto, Stellvertreter- Geheime Hofrath Professor Dr. Laspeyre», Eiswart- Stadtbaumeister Schmandt, Geräthewart, Bauinspector Stahl, Stellvertreter- Gymnasiallehrer Dr. Neßling, Laufwart, Beigeordneter Wolff, Stellvertreter- Amtsrichter Wiener, Kartenwart, Ernst Balser, Stellvertreter. In den Vorstand wurden weiterhin gewählt die Herren: Provinzialdirector v. Bechtold, Director Otto Bergen, Oberbürgermeister Gnauth, Lommerzieurath S. Heichelheim, Oberst und Regiments- eommandeur v. M a d a t, Polizeiamtmann Muhl, Landgerichts- Präsident Freiherr v. Ricou. Rechner: W. Fritsch. — Der Jahresbeitrag beträgt 2 Mk. Eintrittsgeld 1 Mk. — Neuanmeldungen find vorläufig schriftlich an den Borfitzendeu zu richten.
** Zu Worms hielt der Verein hessischer Zahnärzte am vergangenen Sonntag seine 16. Hanpt-Bersamm« lung ab. Es wurden Fachvorträge gehalten und interne Angelegenheiten behandelt.
♦* Eine Versammlung der Znuuugeu des deutschen Kleischerverbaudes für Niederhessen, Nassau, die Regierungsbezirke Coblenz und Trier beschloß gestern in Darmstadt Absendung einer Massenpetition an die Reichsregierung zur Aufhebung der Grenzsperre. Die Petition soll in allen Städten des Verbandes in Umlauf gesetzt werden. Ferner wurde beschlossen, eine Ceutralifirung des Arbeitsnachweises bei dem Metzgergewerbe vorzunehmen, um das „Vaganten- rhum" zu beseitigen. Weiter wurde beschlossen, in allen Städten des Verbandes zur besseren Verwerthung der Fett- theile Fettschmelzereieu auf genossenschaftlichem Wege zu errichten. Diese sollen aber weder zur Fabrikation von Margarine noch zur Seifensabrikatiou, sondern lediglich zur Erzeugung von Speisefett verwendet werden.
•• Danerwaaren-Ausstellung in Frankfurt a. M. Die Deutsche LandwirthschaftS'Gesellschaft erläßt sür ihre vom 8. bis 13. Juni 1899 in Frankfurt a. M. stattfindende 13. Wanderausstellung u. A. in Gruppe 6: Obst- und Weinbau, ein Preisausschreiben sür Obstwaaren sür Schiffsbedarf und Ausfuhr, für frisches Obst 1898er Ernte, für eingemachtes Obst, getrocknetes Obst, Obstwein und Beerenobst. Die Anmeldungen mÜffen bis zum 1. Decernber 1898 bei der Hauptstelle der Deutschen Landwirthschafts« Gesellschaft, Berlin SW., Kochstraße 73 eiugeretcht werden, die auch nähere Mitiheilungen über die Bedingungen macht. ! Die zur Prüfung angemeldeten Gegenstände müssen in seefester Verpackung bis zum 10. Decernber 1898 in Bremen eingeliefert sein zu einer Prüfungsreise nach Australien und zurück, um dann im Jahre 1899 der Beurtheilung der Preisrichter in Berlin unterworfen und zur Ausstellung in Frankfurt a. M. gebracht zu werden.
** Nachdem für das vroßherzogthum Hessen eine neue Verordnung, die allgemeinen Staatsprüfungen für das Hochbau«, Ingenieurbau- und Maschinenbaufach betreffend, erlassen worden ist, die sich im Allgemeinen den Vorschriften Über die Ausbildung und Prüfung für den königlich preußischen Staatsdienst im Baufach vom 15. April 1895 anschließt, ist von der preußischen mit der hessischen Regierung eine Vereinbarung über die gegenseitige staatliche Gleichstellung und Anerkennung der vor einer der beiderseitigen PrÜsungSämter bestandenen Vorprüfung und der ersten Hauptprüfung im gesammten Baufach getroffen worden. — Demzufolge hat nach einer Bekanntmachung des Ministers der öffentlichen Arbeiten die Ablegung einer der letzrgedachie« Prüfungen vor dem Grobherzoglichen technischen PrÜfungSawt in Darmstadt für den die Prüfung Bestehenden in Preußen bei der späteren Zulassung zur ersten und zur zweiten Hauptprüsung, sowie bei der Zulassung zum höheren preußischen Staatsdienste die gleiche Wirkung, als wenn die Prüfung vor einem der königlichen technischen Prüfungsämter in Berlin, Hannover und
Aachen abgelegt worden wäre. Umgekehrt soll das Bestehen ! der Vorprüfung oder der ersten Hauptprüfung vor einem 1 der letztgenannten Prüfungsämter für die Zulassung zu der hessischen ersten und zweiten Hauptprüfung, sowie bei der Bewerbung nm Zulassung zum höheren hessischen Staatsdienst ebenso angesehen werden, als wäre die Prüfung in Darmstadt abgelegt. Nach bestandener erster Hauptprüfung haben sich diejenigen Baubefliffenen, welche in Preußen zum Regierungsbauführer ernannt zu werden wünschen, an die in den preußischen Prüfungsvorschriften bezeichneten Behörden, und Diejenigen, welche in Hessen zum RegiernngSbaufÜhrer ernannt zu werden wünschen, an das Großherzoglich hessische Ministerium der Finanzen zu wenden.
** Wen darf der Briefträger als erwachsen betrachten? Hebet diese Frage, die alltäglich bei der Bestellung von Postsachen berührt wird, hat daS ReichSpoftamt in einer Entscheidung sich solgendermaßru geäußert: Eine allgemeine Bestimmung darüber, voa welchem Jahre ab ein Familieu- glied als erwachsen im Sinne der Postordnung anzusehen ist, ihm also gewisse Postsendungen für ein anderes Familienglied auSgehändigr werden können, läßt sich nicht treffen. ES bleibr dem bestellenden Boten vielmehr Überlassen, sich nach dem Gesammteindruck, welchen er von der jugendlichen Person gewinnt, zu richten.
** Wetterbericht, lieber der Nordhälfte deS Erstheils besteht die Herrschaft des niederen Druckes fort und hat das Lentrum desselben an Tiefe noch zugenommrn. In Central« Europa ist das Barometer etwas gestiegen. Auch hat sich ein kleinerer Maximalkern über der Nordschweiz und dem Süden Bayerns ausgebildet. Auf unserem Gebiete trug die Witterung am Morgen noch trüben Character und fielen stellenweise Niederschläge. Im Laufe des Tages hat die gestrige Bewölkung bereits wieder etwas abgenommen. — Voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen etwas besseres, aber noch nicht beständiges Wetter.
Alsfeld, 26. October. Zur Angelegenheit der Errichtung eines Electricitätsw erkes in hiesiger Stadt beschloß die gestrige Stadtverordnetenversammlung, zwecks Feststellung der Rentabilität der Anlage demnächst eine Liste innerhalb der Bürgerschaft circuliren zu lassen behufs Zeichnung fester Anschlüsse. Zugleich soll für hinreichende Ausklärung im Publikum über Wesen und Bedeutung der Anlage, Kosten derselben rc. Sorge getragen werden. Es besteht die Absicht, das Werk auf eigene Rechnung zu errichten und in eigene Verwaltung zu übernehmen. Für Ausarbeitung von Plan und Koftenvoranfchlag ist Herr Geheimrath Prof. Dr. Kittler- Darmstadt in Aussicht genommen.
Bad Nauheim, 25. October. Die vielbesuchte „Pension Victoria" des Fräulein Marie von Ditfurth wurde für 200000 Mark an zwei aus Frankfurt a. M. stammende Wiener Damen verkauft. Die Uebergabe erfolgt am 15. März 1899.
Freimersheim, 25. October. In einem unbewachten Augenblick gerieth das etwa 6 Jahre alte Knäbchen des Metzgermeisters Salm an die Häckselmaschine, das Rad mit den Messern kam in Schwung und dem armen Kleinen wurde die linke Hand glatt am Gelenk ab» geschnitten. (Mzr. Tagbl.)
Ares ter Leit für Mt -ett.
Vor 111 Jahren, am 28. October 1787, starb zu Weimar der beliebte humoristische Schriftsteller Musäus. Er schrieb mehrere, theils gemüthlich-humoristische, theils komisch-satyrische Erzählungen und Romane, die zu ihrer Zeit vortreffliche Wirkung thaten, und mit außerordentlichem Beifall ausgenommen wurden. Der Dichter wurde am 29. März 1735 zu Jena geboren.
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* Köln, 25. October. Der „Köln. Ztg." wird aus Pera gemeldet: Die Dankesworte der Kaiserin für die Blumenspenden der deutschen (Kolonie wurden im Vereins- Hause Teutonia angeschlagen und lauten: „Ich freue mich ganz außerordentlich Über diese Aufmerksamkeit der (Kolonie. Danken Sie ihr in meinem Auftrage und sagen Sie, daß ich daS beste Andenken mitnehme an Alles, was ich von ihr gesehen habe, namentlich von den Kindern."
* Siv Offizier als Räuber. In der Pariser und Nizzaer Gesellschaft erregt die Verhastung deS angeblichen russischen Marineoffiziers Nicolaus Gurko, eines Sohnes des Generalgouverneurs von Warschau, dar größte Aufsehen. Gurko hatte in einem Nizza» Hotel seinen Zimmernachbar, den StaatSrath Polowzow, zu ermorden versucht. Er war NachtS in dessen Zimmer eingedrungeu, aber bei der Ausführung des Verbrechens gestört worden. ES gelang ihm, 100,000 FrcS. zu rauben, mit denen er nach Paris flüchtete. Dort wurde er verhaftet.
• Die ersten ausführlichen Nachrichten über die im Laufe des Sommers auSgeführte wiederholte Untersuchung des Deutschostafrikanischen vergrieseu Kilimandscharo durch Dr. Haus Meyer bringt die Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde „Globus" in einem am 16. September in der deutschen Station Moscht am Abhänge des Berges geschriebenen langen Briefe des Reifenden. Gegenüber den früheren Karten, die auch vorzugsweise auf Dr. Hans Meyer'S Aufnahmen beruhen, erhalt die neue Karte des Kilimandscharo ein wesentlich veränderter Aussehen. Zum ersten Male wurde die Nordseite des
Berges erforscht und von hier au» eine mühevolle Er
steigung der höchsten Spitze deS KiboktaterS unternommen, der von anderer Seite her schon vor neun Jahren von Hans Meyer erstiegen war. Die Urwaldgrenzen und Lavaströme im Nordwesten des Berges find nun bekannt, dort ist ein großes Plateau, Galuma genannt, und die Entdeckung von drei großen Gletschern zu verzeichnen, die bei 5200 Meter । an die Eishaube des Berges anfchließen und deren einen
Meyer „DrhgalSktgleticher" nannte. ES folgte eine Untersuchung des nach Westen dem Kilimandscharo vorgelagerten SchiragebirgeS, die Entdeckung anderweitiger Gletscher im Westen des Kilimandscharo, von denen einer bis 4200 Meter abwärts reicht. Nachdem der Reisende sich und seinen Leuten in den gesegneten Landschaften an den Flanken deS Riesenberges einige Erholung gegönnt, stieg er zum zweiten Male bis zur höchsten Spitze, dem Kibo (5860 Meter) auf- begleitet von einem katholischen deutschen Missionar, Pater Rohmer, der fich als vorzüglicher Bergsteiger erwies. Hans Meyer schildert die gewaltigen Moränen, die er bei diesem Aufstiege zu untersuchen Gelegenheit hatte, und klärt in vieler Beziehung Über die geologischen Verhältviffe deS Kllimaudscharo auf, der nun, Dank seiner Thätigklit, im Großen und Ganzen als erforscht gelten kann. Der Reisende bringt nicht nur zahlreiche photographische Ausnahmen, sondern auch Zeichnungen des ihn begleitenden Malers Platz, sowie große botanische, zoologische und ethnographische Sammlungen mit in die Heimath zurück.
• Zu den Pestfälleu in Bien. Neue Pesterkrauk- ungen find in Wien seit SamStag nicht vorgekommen, sodaß die Hoffnung begründet ist, die Krankheit werde fich über das streng bewachte bacteriologische Laboratorium nicht hinaus verbreiten. Zur BesÜrchtung, daß die Matter des Laboratoriumsdieners Bartsch, die deffen Kleider an fich nahm, zur Ausdehnung der Pest beitragen könne, liegt kein Anlaß vor, da die iuficirten Kleider verbrannt sind und bet Fran Bartsch keine KraukheitSzetchen fich bemerkbar machten. De« verstorbenen Dr. Müller will man in Anerkennung an seine entsagungsvolle Haltung zum Besten der Wiffenschaft ein Denkmal errichten, deffen Kosten ausschließlich von österreichischen Aerzten aufgebracht werden sollen. Das Denkmal soll im Arcadenhof der Universität, der für die Denkmäler verdienstvoller Hochschullehrer bestimmt ist, Aufstellung finden- Nach einer Mittheilung deS Franz Josef-Spitals an das Stadtphhfikat von 8% Uhr Vormittags hatte die Wärterin Pecha eine Temperatur von 40,1 Grad, war bei Bewußtsein und hatte Nachts 60 Cubikcentimeter Serum erhalten. Die Schwester Wilfrieda hatte eine Temperatur von 37,8 (gegenwärtig 37,2) Grad und befindet fich etwas mott; sie erhielt Nachts 20 (Kubifcentimeter Serum. Die neu angetommenr Wärterin Gösch! hatte Mitternacht 37,4, früh 37,3 Grad und erbrach zweimal. HustenauSwurf war nicht Vorhanden- Allen Anderen geht es gut. Ueber den Verlauf der Krankheit des Dr. Müller finden fich in Wiener Blättern noch folgende Einzelheiten: Am Donnerstag, nach seinem Einzug in den Prstpavillon alS behandelnder Arzt der erkrankten Wärterinnen Pecha und Hochegger, fühlte Dr. Müller fich noch ganz wohl, und jeder Zettel, den er an das Fenster hielt und worauf er mit großen Buchstaben feine Aufträge an die Apotheke, an die Küche, sowie an die Direktion des Hauses hinschrieb, enthielt nebst dem Bericht Über da« Befinden der beiden Wärterinnen auch einen Vermerk, der von feinem eigenen Wohlbefinden und dem der miteingeschloffenen barmherzigen Schwestern Kunde gab. So ginge» bis zum Freitag Morgen. An diesem Tage hielt er einen Zettel an das Fenster, der den denkbar schauerlichsten Inhalt hatte. Der Zettel lautete wie folgt: „Ich bin an Pestpneumonie erkrankt. Bitte mir keinen Arzt zu senden, da eS mit mir in vier bi» fünf Tagen ohnedies zu Ende fein wird." Nach dem von Beginn der Jnternirung an eingehaltenen Vorgang benachrichtigte der Diener, der gerade draußen die Wache hatte, als er des Zettels ansichtig wurde, sofort die Direction, von der au» bann ein Arzt unter der nöthigen Vorsicht zum Pavillon hineilte, um den Zettel abzuschreiben. Man kann sich denken, von welchem Entsetzen der betreffende Arzt erfüllt war, al» er so plötzlich die von Dr. Müller über fich selbst gestellte Diagnose, daS über fich selbst gefällte TodeS- nrtheil las..... Die Direction wurde alsbald ver
ständigt. Sofort wurde mittels Klopfens an das Fenster eine der Schwestern herbeigerufen und, immer durch Vorhalten eines Zettels, befragt, ob denn die trostlose Nachricht fich bewahrheite. Sie nickte traurig. Trotz des bestimmt ausgesprochenen Wunsches des unglücklichen Arztes erstattete aber Director Klimesch an das SanitätSdePartement doch sofort Meldung von der neuen tragischen Wendung unter Hinzufügung der dringenden Bitte, daß Dr. Poech zur lieber« nähme der Behandlung seines unglücklichen Freundes hinauS- gesendet werden möge. Die» geschah und man weiß, daß dieser zweite junge Arzt an bewunderungswürdigem Opfermuth hinter seinem Freunde nicht zurückblieb- ehe der Vormittag verging, war er ebenfalls im Jnfeciionspavillon. BIS zu de« Augenblicke, wo er die Befinuung verlor, hatte fich Dr. Müller seines Zustandes ganz klar bewußt gezeigt. Er hörte nicht auf, an seine Umgebung zu denken, wenn er hustete, kehrte er fich zur Wand um, um die Schwester nicht mit dem gefährlichen Auswurf zu gefährden- er hustete in carbolifirte Watte, die er dann in trockene hüllte und der Schwester reichte. Einige Stunden vor Eintritt der Katastrophe bat er die Schwester, einen Brief, den er ihr für die Familie dictirte, zu schreiben. Er sagte ihr mit ziemlich lauter Stimme seine letzten Wünsche vor. Die Schwester dictirte ihrerseits den Brief einer zweiten Schwester, die fich in einem Nebengemach befand, und diese sührte ihn der Bestimmung zu. An seinen Bruder, den Polizeicommiffar Dr. Otto Müller, hat der Sterbende noch Freitag Vormittags selbst einen Brief geschrieben, der im Spital desinficirt und bann erst abgesenbet wurde. Es verlautet, daß Hofrath Prof. Nothnagel vor- fichtShalber veranlaßt wurde, feine Wohnung vorläufig nicht zu verlaffen. Der Abgeordnete Steiner wird im Abgeordnetenhaus einen Antrag einbringen auf schleunige Verlegung des Allgemeinen Krankenhauses au einen Punkt der Peripherie der Stabt. Er wirb weiter beantragen, es sei der erforderliche (Krebit für einen ben modernen Ansorberungen ent« sprechenben Neubau zu biesem Zweck zu bewilligen - baS jetzige Spital solle lebiglich zur Krankenaufnahrne fernerhin beiaffen werben. Weiter sei eine Trennung ber Kliniken vorzunehmen, der Art, baß keinesfalls bakteriologische Stubien im Bereich bichtbevölkerter Bezirke vorgenommen werden dürfen. — von


