Ausgabe 
28.7.1898 Erstes Blatt
 
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1898

Do»»crslag den 28. Juli

Erstes Blatt

Nr. 174

Zlints- ttitb 2t«zeigeblatt für de« Kreis Giefzen

Gratisbeilage: Gießener Familienblatter

Alle Anzeigen-BrrmiNlungSstellen bei In» und flullinM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tntgcye.

I,vahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgende« Tag erfcheinendeu Nummer bis Norm. 10 Uhr.

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Fernsprecher Nr. 51.

find verschiedene Gegenseitigkeit-Verträge, zu welchen nur noch die Zustimmung der Volksvertretung eingeholt werden muß. Es wird derNatioualzettuug" zufolge bestätigt, daß es fich u. A. um die Anlegung einer directen Telegraphevltnie zwischen Berlin und Bukarest handelt.

Berlin. 26. Juli. Wie dieNationalzeitung" erfahrt, hat der socialdemokrattsch e Wahlvereiu de-vierten Berliner ReichStagSwahlkreiseS den Beschluß gefaßt, alle Mit­glieder, welche zur letzten Wahl nicht gekommen find, aus- zuschließen. Auch im fünften Wahlkreise wollen die Social» demokraten jetzt nach den Wahlen einen gründlichen Kehrau- unter den Genoffen abhalten.

Der Schluß des österreichischen Reichsraths.

Ueber die Reise de- Ministerpräsidenten Grafen Thun nach Ischl ist in diesen Tagen viel geschrieben worden, und allerlei Bermuthuugen über den Zweck der Fahrt und über den Inhalt der Besprechungen, die der Graf mit dem Kaiser Franz Josef hatte, sind laut geworden. Jetzt weiß man, daß er sich die Unterschrift bei Monarchen zur Schließung de- Reich-rath- geholt hat, denn soeben wird ein kaiserltche- Decret veröffentlicht, durch welche- der Reichsrath der öfter, retchischeu Monarchie geschloffen wird.

In der Geschichte der Parlamente steht die nunmehr beendete Tagung-Periode des österreichischen Abgeordneten. Hause- vielleicht einzigartig da. Die Volksvertretungen sind geschaffen worden, um tm Verein mir der Regierung de- Landes Wohl zu fördern. Daß eS auch tu Oesterreich so sei, dafür hat die abgelaufene Session keine Beweise geliefert­es war vielmehr ein ewiger Kampf zwischen den Parteien bezw zwischen der Minderheit der letzteren und der Regierung. Alle Hoffnungen, eine Verständigung herbeizuführeu, haben fich alS vergeblich erwiesen. Die parlamentarische Mission bei Grafen Thun ist gescheitert und die außerparlamentarischen Mittel treten in ihr Recht. Der vtelberufeve Paragraph 14 wird nun auch ferner die Grundlage für den verfaffungS« mäßigen Zustand der Dinge in Oesterreich bilden, wenn nicht noch wettere, viel tiefer in das Staatsbürgerrecht der Be- völkerung eingreifende Maßregeln folgen werden. DaS ist dal Resultat des heutigen RegteruugSIHstewS in dem Nachbar- staate, deffen Juten ssrn in so mannigfacher Weise mit den unserigen verknüpft find.

ES ist nur zu natürlich, daß die Schließung deS Reichs. rathS, welche zwar in! Auge gefaßt worden war, aber doch Bielen unerwartet kam, zu lebhaften Erörterungen Anlaß gibt. Die Deutschen Oesterreich», da- wollen wir hier gleich coustatireu, beurtheilen die Maßnahmen der Regierung höchst ungünstig und sehen schwere Verwickelungen voraus. Man hatte immer noch gehofft, daß Graf Thun den Deutschen wenigstens einige Coocesfiouen in der Sprachenfrage machen und daun versuchen werde, die parlamentarischen Zustände wiederherzustellen, aber die Schließung deS ReichSrathS darf al- ein Beweis dafür gelten, daß die Hoffnung eine trügerische war, daß die Regierung mit der jetzigen slavischen Mehrheit weiter zu pacttren Willens ist. Und das in dem Jubiläums« jahre de, Kaiser- Franz Joses, als deffen treueste Unter, thaoen die Deutschen Oesterreich- fich bi-her stets erwiesen haben!

Die Sprachenfrage und der Au-gleich mit Ungarn, da, find die beiden wunden Punkte, die einer Lösung bedürfen. Während die erstere die österreichische Regierung selbstständig regeln und die Deutschen an die Wand drücken kann, ohne daß ihr Jemand in die Arme zu fallen vermag, kann der Au-gleich nntürlich nur im Einvernehmen mit Ungarn fertig, gestellt werden. Noch vor einem Jahre bestand im ungart, scheu Adgeordnetenhause der Entschluß, diese Angelegenheit nur dann zu regeln, wenn sie in Oesterreich auf parlamen. rartschem Wege gelöst werden würde. Aber von dieser An- schauung scheint man schon zurückgekommen zu sein, und es ist nicht unmöglich, daß Ungarn den Au-gleich anniwmt, wenn er in Oesterreich auf Grund de- § 14 beschlossen wird. Dann muß aber Oesterreich wahrscheinlii. sehr werthvolle Zugeständniffe machen, besonders in der Quotenfrage.

Der Weiterevtwickelung der inaerpolttischen verhältuiffe Oesterreichs darf man mit Spannung entgegenseheu. Hoffent- ltch erfüllen sich nicht all die Befürchtungen, welche die auf­richtigen Freunde deö Kaiserstaats an der Donau in diesem Augenblick zu hegen wohlbegrüadete Ursache haben!

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Ausland.

Wien, 26. Juli. Der ReichSrath ist heute mittelst kaiserlichen Decrrt, geschloffen worden. Die gesummte Prtffe bespricht die Schließung deS Reich-rathe- je nach ihrer Partei« schattirung. Die deutsch.liberalen Blätter beurtheilen dieselbe höchst ungünstig und erklären, mit dieser Maßregel gestehe die Regierung ein, daß sie die Wiederherstellung geordneter parlamentarischer Zustände nicht zu erreichen vermöge. Man befürchtet neue Chicauen Seitens der Deutschen.

Frankreich. Ueber die drei zur Zeit schwebenden Pro« zesse von allgemeinem Staatsintereffe den gegen Zola, den gegen Ptcquart und den neu einzulettenden gegen Paty de El am liegen heute nur kurze Meldungen vor. Der Advocat Labort überreichte gestern dem Untersuchungö. richter BertuluS im Namen des Oberst Ptcquart eine Klage wegen Fälschung bezw. Mitthäterschaft an einer Fälschung gegen den Major du Paty de Clam. Bertulns verhörte einzeln den Major Esterhazy und Frau Pay», darauf Beide zusammen. Wenn man bedenkt, daß alle diese Prozesse durch eine ganze Reihe von Instanzen getrieben werden können, daß bei jeder neuen Verhandlung die Aufregung sich erneuern wird, so muß man sagen, daß fich der französtschen Regierung die Aussicht auf einen der längsten und unbequemsten Feld, -üge eröffnet, die sich nur denken lassen. Aeußerst wünschens, werth erscheint eS, daß die deutsche Presse mehr al, bisher jene Zurückhaltung übt, die einer inneren Angelegenheit Frankreich- gegenüber durchaus geboten ist. Der Royalist Baudry d' Asson kündigt eine Anfrage über die Flucht Zola- an. Der OrdenSrath der Ehrenlegion prüfte gestern die Frage der Streichung ZolaS und ReinachS aus der Ordens, liste, verschob aber die Entscheidung bis zur endgilttgen gerichtlichen Regelung beider Angelegenheiten.

Madrid, 26. Juli. Ein Redacteur de-Correspondencta Militare" hatte eine Unterredung mit Martinez Campo-. Letzterer äußerte fich dahin, daß nach seiner Anficht die Stadt Havanna höchstens fich noch vier bi» sechs Wochen zu halten vermöge, dann werde sie fich ergeben müssen. ES sei daS Gerathenste, wenn das Cadinet Sagasta Frieden schließen und bann zurückireteu würbe.

Spanien und Amerika. Vom Kriegsschauplatz liegen nur wenige Melbungen vor. Nach spanischen Nach. ! richten haben die Amerikaner einen vergeblichen Landung-, veriuch bei Bahiahondd auf Cuba unternommen, dagegen ist cS gelungen, die ersten amerikanischen Truppen bei Ponce auf Porrortco zu landen. Ferner haben sich die spanischen Garnisonen von Caimanera und Guatanamo ergeben. Die Haltung der Aufständischen auf Cuba ist immer noch schwankend, die Spanier hoffen neuerding- auf ihre Unter, stützung. Von Friedensverhandlungen verlautet noch nicht-. In Spanien ist angeblich Alle- ruhig. Don Carlo-, deffen plötzliche Abreise au- Spanien gestern gemeldet wurde, ist mit seiner Gemahlin in Luzern eingetroffen. Vermutlich werden die au- Spanten entwichenen Häuptlinge der Karltsten« Partei demnächst auch auf schweizerischem Boden auftauchen, um mit demKönig" die köpfe zusammenzustecken. Wa- dabet herau-komwen wird, dürfte fich bald zeigen. «uS Washington wird dervoff. Ztg." gemeldet, sobald die spanischen Truppen von Santiago nach Spanien zurückgekehrt seien, würden die amerikanischen Truppen die Stadt räumen und zeitweilig nach den Union-staaten zurückkehren, um fich au-zuruhen. Havanna werde im Herbst von einem starken Heer und einer Flotte belagert werden. Einer römischen Meldung derDaily Mail" zufolge soll der Papst einigen Großmächten folgende FrtedeuSvorschläge unterbreitet haben: Amerika solle Cuba und Portorico erhalten, die Philippinen Spanien verbleiben- ein Handelsvertrag solle Spanien aus­nahmsweise vortheile in den abgetretenen Colonien bieten.

Kiehener Anzeiger

General-Anzeiger

Prfcheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Jamiltrub tätter werden dem Anzeiger w-chentlich viermal beigelegt.

Locales und provinzielles.

Sietze«, 27. Juli 1898.

Bon der Universtiät. Die Vorlesungen Im Winterhalbjahr 1898/99 beginnen am 24. October. Die Jmmatriculation nimmt am 17. October ihren Anfang.

** Oeffentliche Anerkennung einer edlen Thal. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben dem Schutzmann Jacob Schmelz und dem Bahnwärter Peter Fuchs, beide zu Mainz, in Anerkennung der von ihnen mit Muth und Entschloffenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr aus« geführten Rettung der Anna Maria Knödlrr daselbst vom Tode deS Ertrinkens die Rettungsmedaille zu verleihen geruht.

Theater - Erweiterung-plan Der Vorstand de- Theater-VereinS hat in der Zeit der Theaterferien nicht geruht, sondern in aller Stille weiter gearbeitet, um seinem Ziele, die Theaterverhältntsse GießeuS zu heben, immer näher zu kommen, «i-her haben die Bestrebungen deS ver. eins fich tm Wesentlichen nach der idealen Sette hin ge« wendet, jetzt soll aber auch daS Reale gepflegt werden. Durch freundliche-, opferwillige- Entgegenkommen Beiten- deS Be. fitzerS de- TheaterlocalS, Herrn Schwan ist e- gelungen, die Bühnenverhältnisse in moderner Weise umzugestalten und zu verbkssern. El wird durch Anbau eine große Hinterbühne geschaffen werden, die alle Drcorationen, Requisiten rc., die nicht sofort zur Scene gebraucht werden, aufnehmen soll. Dadurch wird die Vorderbühne ungemein entlastet und aus­schließlich für darstellende Zwecke frei. Der Scenenwechsel wird ebenfalls vereinfacht und die übermäßig langen Zwischen- pausen auf die nöthige Zeit verkürzt werden. Gletchzetttg erhalten die bt-her sehr b-schräukteu Garderoben des Per- sonalS eine wesentliche Erweitern«, Der Zuschauerranm wird ganz umzestaltet werden, der Theaterverein stellt sein ganze- Podium zur Verfügung, diese- wird genau den Saal- verhältniffen entsprechend umgearbeitet. Von der sechsten Reihe ab, steigt das Podium mit jeder Sitzreihe auf, sodaß man bequem über die Vorderfitzenden hinwegsehen kann- der Mittelgang wird fortfallen, dafür zwei Seitengänge ge- schaffen, eine durch die Mitte gehende Markirung wird eine strenge Trennung von Recht- und Link- ausführen. Aus der Estrade und Gallerte werden neben der Bühne eine Anzahl Logen in geschmackvoller und practischer Ausführung gebaut werden, deren Plätze freilich als äußerst günstig und brsou« derS bequem einen kleinen PretSaufschlag erleiden müssen. Alle diese Veränderungen und Verbesserungen sollen nicht etwa nur den Sondervorstellungen deS Theater-Verein- zu Gute kommen, sondern werden zu jeder Vorstellung aus« nahmSlo» benutzt werden. Ju den letzten Tagen hat fich auch der Ausschuß und Vorstand deS Theoter-vereinS in der diesjährigen Generalversammlung conftttutrt. Erster Bor­fitzender ist Herr Professor Fromme. Zweiter Herr Ki rch. Schriftführer Herr Haubach. Rechner Herr Cha Hier. Weitere Mitglieder find die Herren: Ernst Balser, Bock, Professor Frank, Commercienrath Gail, Professor Hausen, Comerctenraih Heichelheim, Schirmer, Lieutenant Schröder, Professor Wetz.

*c? Gießener Käuger Vereinigung. Eine gut besuchte Versammlung hat am Montag im Saale de-Philosophen- walde- stattgefunden, in der fleißig und erfolgreich gesungen wurde. Der musikalische Leiter, Herr Franz Bauer konnte mit vergnügen constatiren, daß daS früher Gelernte noch fest saß und will man nun da- nächste Mal (August) zu neuen Aufgaben und wetteren Arbettrn schretten. Im An­schluß hieran haben wir eine Versäumniß nachzuholen- der Sänger-Beretuigung gehört auch der wohlbekannte Männer- ; Gesang-VereinHeiterkeit" seit seiner Begründung an, und ' zwar all pünktliche-, fleißige- Glied, wa- wir hiermit be­sonder- hervorheben wollen.

* Deutsche Nationalfeste. Au- dem V e r t r a g e, welcher zwischen dem RetchS-Au-schusse für die Deutschen National­feste und der Gemeinde RÜdrSheim abgeschlossen werden soll, dürfte Folgende- von allgemeinem Interesse sein: Der Reich-« AuSschuß für die Deutschen Nationalfeste erklärt RüdeShe'm «Niederwald zum bauernden, ständigen Festort. Die National- feste sollen, wenn dir- irgend durchführbar ist, i. I. 1900 beginnen und, vom Jahre 1900 ab gerechnet, in vier- oder fünfjährigen Zwischenräumen einander folgen. Jeder partei­politische oder confesstouelle Character ist dem Feste fern zu halten. Beide Theile verpflichten fich für alle Zeiten, dem vaterländischen und idealen Interesse des Nationalfeste- in erster Linie zu dienen. Die Feststätte kann la den Zeiten,

Deutsches Reich.

Darmstadt, 26. Juli. Aus Jagdschloß »olfe- garten, 26. Juli, wird der »Darmst. Z^g- gemeldet. Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Elisabeth und die Prinzlich Battenbergischen Kinder ^hren gestern Nachmittag per Wagen nach Darmstadt zum Besuch der Kindervorstellung im ^tkuS Corty-Althoff, nahmen Er- srtschung tm Großherzoglichen Schloß und kehrten am Abend per Wagen nach Wolfsgarten zurück.

Berlin, 26. Juli. Der Staat-secretär de- Reich-postamt- v. Podbtel-ki hat auf seiner Reise nach Oesterreich-Ungarn, den Balkanstaaten und der Türkei mit den dortigen Post- und Telegraphenbehörden eingehend verhandelt. DaS Resultat