1898
Freitag den 28 Januar
Erstes Blatt
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Amts- unb Anzeigeblatt für den ICret# Gieren.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter
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Deutscher AeichStag.
Grobheit nöthigten, und diese zu beweisen, verbiete ihm seine
Athen, 26. Januar.
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Redaction, Expedition und Druckerei:
Schulstraße Vr. 7.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den falzenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
Correspoudent drö genannten Blatte» in Sofia meint, einen besonderen politischen Zweck scheine die Reise nicht zu haben, vielmehr werde dort der Besuch al» eine Auswartung dar- gestellt, die der Prinz mit den Eltern seinen kaiserlichen Pathen abstattet. Die Dauer de» Besuche» ist auf einige Tage
Georg im nächsten Monat eine Europareise antreten, um persönlich seine Candidatur um den Gouverneurposten von Kreta bet den Großmächten zu befürworten.
St. Loui», 26. Januar. Ein Getreidespeicher, der drei Millionen Bushel» Getreide, 85 mit Mais befrachtete Wagen, eine Fracht« und Güterhalle und eine Anzahl Schuppe« umfaßte, ist niedergebrannt. Der Schaden wird aus eine Million Dollar» geschätzt.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
Erziehung.
Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) bittet, den Antrag a limine abzulehnen. Er kommt sodann auf den früher von ihm gebrauchten Ausdruck „gxflne Lausejungen" zurück und meint, derselbe sei gerechtfertigt gewesen für jene kaum 18jährigen jungen Leute, die in den Versammlungen ältere Arbeiter terrorifirteu. ,
Abg. Lenzmann (frs. Vp.) sympathisirt mit dem An« trage und betont sodann, dem Zustande in Sachsen müfie jedenfalls ein Ende gemacht werden. Die Sozialdemokraten seien dort vollständig rechtlos geworden.
Da» Haus vertagt sich nunmehr auf Freitag 2 Uhr. Tagesordnung: Etatsberathung.
Schluß 5i/i Uhr. ________________________________
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26. Sitzung vom Mittwoch, den 26. Januar 1898.
Tagesordnung: Initiativanträge betreffend Saccharin.
Der Antrag v. Pl0etz (Resolution) wünscht Vorlegung eines GesrtzevtwurseS noch in dieser Session bctr. Einführung «<ne» Saccharinzolles und Erhebung einer Fabrikatfteuer auf den im Jnlande produzirteu Saccharin.
Der Antrag Paasch e ist in Form einer Gesetzentwurf- gestellt und setzt für Saccharin und die verwandten Süßstoffe Zuckerin, Erystallose und Dulzin eine Verbrauchsabgabe, pro Kilogramm 80 Mk. sowie einen gleich hohen Zoll fest.
Abg. v. Ploetz (cons.) wirft zunächst einen Blick auf die bisherige Zuckersteurrgesetzgebung. E« werde auf die Dauer nichts helfen, als die Verbrauchssteuer auf Zucker stark herabzusetzeu ober ganz aufzuheben, damit der Zucker- verbrauch sich hebe. Die au-gleichende Gerechtigkeit erfordere die Besteuerung auch des Saccharins. Was den Antrag Paasche anlange, so sei ihm nun zweifelhaft, ob die Zoll« und Steuerbeväge in diesem Anträge angemeffen seien. Das sei erst noch genauer fcstzustellen. Eile sei hier nöthig.
Abg. Herme» (frs. Vp.) stimmt dem Vorredner nur in der Kritik der bisherigen Zockersteuergesetzgebung, der Ausfuhrprämien und der hohen Zuckerfteuer völlig bet,_ da« gegen keineswegs in Bezug auf das von demselben gewählte Mittel. Für die vorliegenden Anträge sei jetzt die aller- ungeeignetste Zett, nachdem endlich Aussicht auf das Zustandekommen der internationalen Läufereuz wegen Abschaffung der ZuckerauSfuhrp-ämten vorhanden fei. Die Anträge schössen überhaupt mit Kanonen auf Spatzen. Redner zählt nunmehr die Vorzüge des Saccharin» auf und kommt zu dem Schluffe, daß eine Besteuerung des Saccharins nicht rintreten dürfe.
Abg. Paasche (nl) führt aus, die von ihm beantragte Steuer sei ja nur eine mäßige, da Saccharin jetzt 50 Mk. pro Kilo koste, die Steuer betrage also keineswegs da» Vierfache vom We'the des Saccharins. Die Saccharinsteuer sei gerecht, wolle mau sie nicht, so müsse mau mit demselben Rechte die Zuckersteuer abschaffen. Er frage bet der Regier- ung an, ob dieselbe vielleicht geneigt sei, selber einen Gesetzentwurf einzubriugen, in welchem Falle er seinen Gesetzentwurf zurückziehen werbe.
Schatzsecretär v Thtelemauu kann darüber keine Erklärung abgeben, denn die Regierungen hätten zu dieser Sache noch nicht Stellung genommen. Redner geht sodann de» Längeren auf die verwandten Stoffe ein, der^p Kreis kein begrenzter sei. Er habe eine Liste von 17 verschiedenen Namen, die sich alle auf nur zwei Grundstoffe, Saccharin und Dulzin, zurücksühren ließen. ES sei nöthig, die der- wandten Stoffe genauer festzulegen. Fraglich sei, ob eine Zollkontrolle möglich sein werde, wohingegen eine Steuer« coutrolle wohl möglich sei. Der Weg der Berkehrsbeschrank« ungen sei jedenfalls ficherer, al» der der Steuer und des Zolles. Alle größeren Staaten, Frankreich, Italien, Portugal, Rußland und Amerika hätten sich schon mit der Saccharin« frage beschäftigt. Frankreich habe BerkehrSbeschränkungen etngeführt, mit Ausnahme zu Gunsten der Apotheken. Dieser Weg scheine gangbar, und er bitte, denselben in Erwägung zu ziehen. Wa» die internationale Zuckercouferenz betreffe, so trete sie in etwa drei Wochen zusammen. Deutschland und Oesterreich seien in vollkommenem Einverfiändntß über den Weg, der zu beschreiten sei. Er bitte, die Versicherung eatgegenzunehmen, daß die Regierung Alle» thun werde, auf ein günstige« Resultat hinzuwtrken.
Abg. Schwartze (Centr.) beantragt CommissionSver- weisung, welcher Antrag nach weiterer kurzer Debatte angenommen wird.
ES folgt die Beratung des Antrag» Auer und Ge- noffen betr. unbeschränktes DersammlungS' und CoalitionS- recht unter Aufhebung aller entgegenstehendeu landeSgesrtz- lichen Bestimmungen. Abg. Geyer (Soz.) empfiehlt den beantragten Gesetzentwurf, und zwar unter Hinweis auf die eine noch wettere Beschränkung des CoalttionSrechieS bezweckenden Pläne b' StaatSsecretär» Grafen PosadowSky, wie fie au» deffen bekanntem Rundschreiben erfichtltch seien. Des Wetteren übt Redner scharfe Kritik namentlich an den Zuständen in Sachsen. WaS da geschehe, sei ganz unglaublich.
Sächs. Bundesbevollmächtigter Dr. Fischer erklärt, er müsse eS ablrhuen, auf die gegen seine Regierung erhobenen Borwürfe zu antworten, einmal, weil e» immer dieselben Paradepferde seien, die hier vorgrführt würden, dann, weil es fich um eine fächfische Angelegenheit handle, und endlich,
festgesetzt.
Frankfurt t. M., 25. Januar. Bei der Stichwahl zum Reichstage im Kreise Homburg Kusel (Pfalz) wird da» Eentrum geschloffen sür Lacke (Bauernbund) stimmen.
Attslaud.
Prag. 26. Januar. Da» „Prager Abendblatt" constatirt, daß die Vorlesungen an der deutschen Universität ungestört fortochen und die Geschäfte von dem akademischen Senate bi» zur Annahme seiner Refigvatton durch den Unter- richtSministcr fortgeführt werden. Da» Blatt meint, da» Verbot des Farbentrageu» werde bet Eintritt ruhiger Derhältniffe nach Schluß der LandtagSfitzung wieder aufgehoben werden.
Linz,26. Januar. Landtag. Der Au»schuß beantragt, dem nächsten Landtage einen Gesetzentwurf wegen Einführung der deutschen Sprache al» alleiniger Unterrichtssprache in den öffentlichen Schulen Oberösterretch» vorzuleaen. m r „
Budapest, 26. Januar. Gegen den Profeffor Nagh, welcher bet den letzten P.üsuvgeu 80 pCt. der Candtdate« hat durchfallen lassen, verübten dte Hörer de» htefigen Polytechnikums heute arge Demonstrationen. Dte Regierung hat angeordoet, daß dte Durchgefallenen zu einer Nachprüfung zugelasskn werden sollen.
Karbitz, 26. Januar. Durch eine Explosion schlagender Wetter im Antonie-Schacht wurden zwei Personen getödtet.
London, 26. Januar. Nach einem bei Lloyd» einge- gangenen Telegramm aus Maskat von heute hat da» englische Kanonenboot „Lapwtng" den Dampfer „Baluchistau" weggenommen, der mit Waffen und Munition sür den persischen Golf auf der Reise von London nach Basra begriffe« war. DaS Sch ff wurde mit Beschlag belegt; die Ladung hat der englische Sonsul in Verwahrung genommen.
bheerneß, 26. Januar. Während heute bet einer Uebung an Bord deS Kanonenbootes „Bouncer" ein Schuß au« einem sechszölligen Geschütz abgegeben wurde, explodirte dte Ladung, bevor der Verschluß beendet war. Zwei Mana wurden getödtet, sechs verwundet.
Konstavttnopel, 26. Januar. ES verlautet, in Kumanowe und Umgebung feten bet Bulgaren 19 au» früherer Zeit stammende Bomben gefunden worden. Dte Untersuchung werde von dem Valt und dem StaatSanwalt von UeskÜb geletttet.
Athen, 26. Januar. In dem Bericht der Commission für die Finanzkontrolle werden noch dte folgenden Bestimmungen angeführt: Von 1900 an ist dte Regierung zum Rückkauf der umlaufenden Banknoten im Betrage von mindestens zwei Millionen verpflichtet. Sie soll keine neue auf ZrvangScourS gegründete Anleihe aufnehmen dürfen, ehe die gegenwärtigen ZwangSconrSanleihen vollkommen getilgt find. Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Staate und der Controllcommission werden auf schiedsgerichtlichem Wege geregelt- wenn ein Oberschiedsrichter vöthig ist, soll derselbe von dem Präfidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft bezeichnet werden. Ohne Mittheilnug der Gründe an die Controllcommission soll die Regierung keinen der Beamten, die zur Geschäftsführung bei den der Controlle unterstellte« Einnahmen vorgelchlagen find, entlassen können- hierdurch soll dieser Dtenstzweig den politischen Schwankungen entzogen werden. Dte Controlle wird am Tage der Emtsfion der in
dem Berichte erwähnten Anleihe in Kraft treten.
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Deutsches Reich.
Berlin, 26. Januar. In den Concurreuzen de» Kaiser» ist gestern, wie da» „Berl. Tagebl." meldet, die Entscheidung gefallen. Dte engere Concurrenz für dte Er- gänzuvg der Mänade zwischen den drei Preisträgern vom vorigen Jahre ist ohne Resultat geblieben. Dte Concurrenz sür dte Ergänzung der Broncestatue emeS Knaben aus dem 5. Jahrhundert vor. IS. hat ebenfalls r.tcht mtt einem glatten Stege geendet. Der Preis ist vielmehr zwischen den Bildhauern Werner Bega» und Petrich getheilt worden.
Berlin, 26. Januar. Bei der heutigen Festvorstellung im Schauspielhause wurde zum ersten Male LauffS „Burggraf" aufgeführt. DaS Hau« war dicht gefüllt. \ Das Kaiserpaar und da» sächsische KönigSpaar wohnten der i Vorstellung bei. Dte Titelrolle spielte Molenar.
Berlin, 26. Januar. In der Budgetcommission deS Reichstage» regte Abg. Hasse an, in den südamertka- utschen Grwäffern, namentlich in BuenoS«Ayre» und Montevideo, häufiger dte deutsche Kriegsflagge zu zeigen, WaS nicht nur für das Ansehen drS Reich», sondern auch für da» In- teresse unserer dortigen Landsleute Wünschenswerth sei. Hier« auf erklärte StaatSsecretär v. Bülow, er theile ganz dte Auffaffung des Vorredners und werde gern deffen Wunsch dem StaatSsecretär deS RkichS-MarineamteS übermitteln. Er könne sich aber schon die Antwort denken: Daß nämlich nicht genug Schiffe vorhanden seien. Bei dem Tttel betr. Unterstützung des deutschen Schulwesens im Auslände regte Abg. Hasse dte Erhöhung dieses Fond» an und bezog sich dabet namentlich auf die dringenden Wünsche für eine bessere Dotiruug der Schule in Bukarest. StaatSsecretär v. Bülow erklärte, er stehe den Bestrebungen, die auf eine größere Fürsorge sür daS deutsche Schulwesen im AuSlande gerichtet sind, sympathisch gegenüber. Er wiffe aus eigener Erfahrung, wie die Verhältnisse im AuSlande lägen und wie wichtig die Schulen für die Erhaltung des DeutschthumS seien. Während seines sechsjährigen Aufenthaltes als kaiserlicher Gescndter in Bukarest, habe er der dortigen deutschen Schule sein besonderes Interesse zugewendet und häufig ihren Prüfungen beigewohnt. Er werde, dem in der Commisswn geäußerten Wunsche entsprechend, auch dahtn wirken, daß dte Consuln tm Schulvorstande vertreten find.
Berlin, 26. Januar. Dte „Berl. Reuest. Rachr." führen au«, daß dte Meldungen amertkanischer Blätter, daS Erscheinen der deutschen Schulschiffe auf der Rhede von Havanna stehe im Zusammenhang mit den jüngsten politischen Vorgängen auf Cuba, jeder Begründung entbehren, da unsere Schiffe bereit, vor ihrem im Juli v. I. erfolgten Auslaufen aus Kiel den Befehl erhalten hatten, im Hafen von Havanna tm Januar Anker zu werfen. Dagegen hat der Kreuzer „Geter" letzter Tage feine Fahrt tm Interesse der deutschen Retchsangehörtgen auf Haiti unternommen, aber nur, um dort die Retchsflagge zu zeigen.
Berlin,26.Januar. Dte Conferenz im Handels- Ministerium, welche, wie schon gemeldet, sich mit der Frage der wetteren Hebung und Ausgestaltung de» kaufmännischen UnterrichtSwesenS befassen wird, tritt, wie dte Post" hört, am 31. Januar zusammen.
Berlin, 26. Januar. Dte „Post" bezeichnet die Nachricht deS „Vorwärts",wonach dte Neuwahlen zum Reichstag tm Juli und zum preußischen Landtag im October d. I. stattfinden dürften, für erfunden. Ueber den Zeitpunkt der Neuwahlen sowohl zum Reichstag wie zum preußischen Ab- geordneteuhause seien Beschlüsse überhaupt nicht gefaßt.
Köln, 26. Januar. Der „Köln. Ztg." zufolge sollen der Fürst und dte Fürstin, sowie Prinz Bori» von
Gießener Anzeiger
/AV'A H /»r "Vfr A AI A AV Alle Anzeigen-Lermittlungsstellen des In« und 2lu8(atM
V nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
Nr. 23
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Die Gießener
Mamiltenvtätter werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.
Mllk von 14 bis 32 cm «er und 5 bis 19 m - 23,28 ftn, tlhmppd, Wien, ei-Stöcke. taft am Irisch, am 21 Zaum 1898. ozbenoglicht
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