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27.11.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Sonntag Lcu 27. November

Meßmer Anzeiger

Henerat-Anzeiger

Zlnrts- und Anzei§cblatt fuv den Tiveis Gieren

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>i dies auch im aet toetien. mit den BmO

ßtofefior.

r der Devise:

|int|at een Wnjeigen zu brr Nachmittag« für bm fe(|reY~i leg erfchnnenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Rrbectien, »piebition und Druckerei:

>4*f Orafte Ar. 7.

neiden wollen,

sechs wännlichen Geschlecht«. In Oesterreich kommt em Soldat auf elf Einwohner bei Reiche«; dagegen ist in Italien jeder siebente Manu der männlichen Bevölkerung Militär. Rußland ist so bevölkert, daß seine Armee, obgleich sie riesig »st, nur

einen Mann auf 40 beansprucht.

In Frankreich kommen 3 Soldaten auf jede Gruppe von 5 Familien; in Krieg«zeiten würden daraus sechi werden. In Deutschland und Oesterreich kommt auf je eine Famllie ein Soldat. In Italien ein Soldat auf 3 Familien; tu Rußland liefern 2 Familien von 7 dem Heere einen Mann.

Pari« umfaßt mnerhalb seiner Mauern einen Flächen« raum von 7802 Hector, da« heißt ungefähr ein Viertel London«. Um nun die stehenden Heere der fünf Großmächte unterzubringen, braucht«? man ben doppelten Flächenraum London« und insolgebesien achtmal ben von Pari«. Würbe man die Reiervekräste dieser verschiedenen Armeen hmzufügen, so brauchte man einen Platz, der dreimal so groß wie London und zwölfmal fo groß wie Pari« wäre. Die vereinigten Streitkräfte oer fünf Großmächte würden zu einer General« revue eine ungeheuere Ebene brauchen, die zwanzigmal die Au«dehnung von Pari« haben müßte. Dabei sprechen wir hier nur von den Heeren Rußland«, Oesterreich«, Deutsch- land«, Italien«, während doch jeder kleine Staat seine mehr oder weniger bedeutende Armee hat, denn alle diese kleinen Streitkräfte betragen zusammen 1 380000 Mann in Friedens« -eiten, 3142000 Mann in Krieg-zeiten und 5 470000 mit der Reserve.

E« stehen in Europa 4 250000 Mann unter Waffen. Wenn ein Weltkrieg autbräche, so würde c« 1640000 marschbereite und mit den Reserven 34 Millionen Soldaten

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Abrcssk für Drpeschrn: Anzeiger Kietze».

A-ernfpredjer Nr. 51.

Da« ist lediglich eine Fiuavzsrage nvd keine Priveipieusrage. Die Reichsbank ist hcme bereit« eine reine Staatsbank, nur daß sie mit Piivateapital betrieben wird, nvd daß ihre Er« trägviffe de«halb *um Theil dem Prtvateopital »vfl'eßen. 0 c wett da« nöthig und nützlich ist, muß unter möglichster v-rückfichtigung der Reichsivtereffeu erwogen werden. Die Hauptsache aber ist, daß die Reichibavk de« Handel und Verkehr nicht ohne zwingende Gründe derartige schwere Opfer cmserlrgt, wie gegenwärtig, wo für Wechsel 6 v. H, für Werthpapierr 7 v. H. bet der Re'chibank gezahlt werden müffen, um Eredtt za erhalten. Da die Privat Bankier« ihren Kunden den Eredit zumeist 1 v. H. über »onhtlcont berechnen, fo kann Jeder ermrffen, welche ungeheuren Summen der gelammte deutsche Verkehr jetzt an ßtnfin aufzubringen hat. In London beträgt der Bankzinsfuß 4 v. H., in Part« 3 v. H, trotz der Verwickelungen dort und der gesicherten Friedensstellung Deutschland«.

Fragen wir nach den Ursachen, fo kann die Antwort von demAufschwünge der Industrie" nicht al« aulreichend angesehen werden. Erfreulicherweise hat sich die industrielle Thätigkeit einzelner Zweige gehoben. Wenn da« au«retchend ist, nm die Retch«bank zu einer Krisis zu führen, welche den langersehnten Aufschwung von Handel und Verkehr gewaltsam wieder eindämmen muß, dann ist der Schluß nnabwri«bar, d»ß die Errichtungen der Rrtchsbank mangelhaft sein wüsten. Und da« ist thatsächlich der Fall. Der Verkehr bar sich in Deutschland seit der Gründung der Retchgbank (1875) außer« ordentlich gesteigert, die «eichsbank aber ist durch do» Bank« geietz völlig gefeflelt und außer Stande, den gestiegenen Ber« kehr«auforderungrn Rechnung zu tragen. Soll nun der Verkehr sich wieder etnschräaken oder soll die RetchSbavk ihre Einrichtungen den vergrößerten verkrhr«bedürfnisten avpasten? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein. Da« Letztere muß geschehen. Damit aber ist anerkannt, daß eine Reform der Reichibavk nothwendig ist.

Den gesteigerten verkehr«bedürfniffen wird die Reichs« bank nur entsprechen können, wenn ihr Eapteal, da« jetzt mit 120 Millionen Mark hinter dem Eapital der großen Aetien« danken zmückbleibt, entsprechend erhöht wird und wenn die Beschränkung de« Notenumlauf« durch eine ganz willkürliche Notenreservr" aufhört. Man ist bei dieser Notenreserve de« Be'spiele der Bank von England gefolgt und Hot Roten ohne volle Baardeckung nur bi« zu eine« bestimmten, gesetzlich festgrlegten Betrage zulasten wollen. Um iudeh den mit diesem System in England gewachten bedenklichen Ersohr« vngen Rechnung -ll tragen, wurde bestimmt, daß die Reich«, bank'die Notenreserve zwar überschreiten darf, aber nur gegen Zahlung einer Notenstener von 5 v. H. Die Notenreserve

Die Reform der Reichsbank.

Man schreibt der R." au« Reich«tag«krrtsen:

Die Erhöhung de« Dticoeu» der Reichibavk auf 6 v. H. ist ein Ereigmß, welche« nicht nur wirthschaft«polttisch in Betracht kommt, sondern eine erhebliche politische Tragweite gewinnen dürfte. Ein so hoher Ztn«satz har seit 1882 nicht bestanden. Damals herrschte in Part« eine schwere Krisis, und r« galt, den deutschen Goldbestand zu schützen. Heute haben wir ohne jede KristS zu einem solchen anßergewöhn« luten, da« ganze Geschaftsleben 'chvrr schädigenden Ztn«satz seifen wüsten. E« kann nicht ausdleiben, daß nm so leb­haftere E önernngen btrrüber entstehen «erden, als die Er« ncuctnng de« Privileg« der Reichibavk zn den ersten Aus« gaben b<« Reichitage« zählen wird.

Währenv bisher alle veftrebnogen zur Reform der Rrichsbank al«Attentat" derAprarier und Bimetallisten gegen unferebewäbrtc Reichibavk" kurzer Hand abgewtesen wurde«, wird man gegenüber den jetzigen Erfahrungen wohl stdeeall zu der Eekenntuiß kommen, daß eine umfoffende Reform der Rrtchibank dringend geboten erscheint. Die F.age der Verstaatlichung der Reichsbank darf dabet nicht hindernd und störend in den Vordergrund geschoben werden.

sogar 4000 000 stellen.

Italien, ba« finanziell sehr barniederliegt, hat seine Mlitärmacht sehr rebuciren muffen. Ei hat nur eine ständige Armee von 174000 Mann, kann aber in Kriegszeiten 1473000 Mann stellen unb 727 000 Reservisten einberufen, also im Garnen 2200000 Soldaten.

Die kleinste MUilärmacht besitzt unter ben Großstaatm Europai Großbritannien. Seine Streitkräfte find nnbe« beutend, höchsten« 220 000 Mann, und mit ber Reserve, der Miliz, den Freiwilligen, berYeomanrp" höchsten« 720000.

Diese Zahlen geben ttotz ihrer statistischen Richtigkeit nur ein unklare« Bilb ber Wirklrchkeit, denn man kann sich schwer vorstellen, wai Millionen bewaffneter Männer zu besagen haben. Die Behauptung. Rußland kann in Kciegs- zeiten 7 Millionen stellen, ist leicht; doch wer würde ei zum Beispiel übernehmen, fie einzeln zu zählen, und wer könnte diese Berechnung autführen, ohne damit mehrere Monate ununterbrochener »rbnt Tag und Nacht zu verbringen? Kann man sich andererseits den Raum vorstellen, den die ganze ftanzöstsche Armee in Colonnen von 8 Mann Tiefe einnehmen würde? Sie würde eine Entfernung von 520 Kilometer m Anspruch nehmen. Die deutsche Armee würde etwa 10 Kiloweler weniger brauchen, die österreichische nur 460 bi« 470, und die italienische nicht viel mehr al» 230. _ _ f.r .

Europa ist thatsächlich nm em große« Feldlager, und jeder Mann verbringt einen Theil seine« Leben« in der Kaserne. So steht in Frankreich auf 9 Personen der Be-

Nr. 279 Zweites Blatt

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Aezuq-prkl- Dicrttiiäbrlu« 2 Mart 20 Pftz. monatlich 75 Pftz. mit Bringrrlobrr.

vei Poftdeju, 2 Mart 60 Pf«. vieNeljshriich.

wurde sehr vorsichtig für alle deutschen Banken auf 350 Mill. Mark demeffro, wovon der Reichibavk jetzt nicht ganz 800 Mill. Mark zufiehen. , u k .

Wenn nun der Notenumlauf zuntmmt, ohne daß der Baarvorrath gleichzeitig avwächst, so reicht die Notmreferve nicht qu«, die Reich«davk wird strue, pflichtig und kann dem« entsprechend nicht unter 5 v. H. Diseont halten. Da« ist der gewollte Zweck de« '«setzet Es sollte damlt die Sicher­heit der Banknoten ert;ö)t werden.

Seit 1875 haben sich tudeß dte Bavkverhäilniffe gründlich geändert, insbesondere durch dte damals ungeahnt- Entwick- lang de« Gtrowesev«. Da« deutsche Bankgesetz hat kernettei Sicheruagsvorschriften für die täglich fälligen D:postten und doch blldrn diese, nicht dte Noten, jetzt bet einer Knfis dte am «ersten Deckung heischende Pofit.on. E« muß also die Bankreform gründlich die Frage der Sicherheit de« Bank« betriebe« lösen und hier an dte Stelle der Notenreserve eint rationellere, nicht nur dte Notenetnlösung, sondern auch die Deckung der Depositen ficherstellende Bürgschaft setzen. Auf jeden Fall aber tst diese Bürgschaft nicht in der Ein« schnürung de« Notenumlauf», sondern und da» tst der Sern der Frage in der Eewetterung de» Metallschatze« zu suchen.

Hier tst auch der Punkt, wo dte gegenwärttge Bank- lettnng für dte traurigen Zustände verantwortlich tst. Reichs- bankprästdent Dr. Koch hat sich mehr, al« e« t« Julereffe feiner hohen unb verantwortung«vollen Stelle lag, tu ben Parteikawpf htnetnzerren lasten. Al» etn unbedingter Ver­fechter der Goldwährung hat er an den Goldmangel nicht geglaubt und alle jene llttntn Goldschutzmahregeln feine« Vorgängers, de» Reichsbavkpräfidenten v. Dechend, für über- flüsstg gehalten. Dte Retchsdavk schwamm ja tu Gold, der Verkehr lag darnieder und dte Relchsbavk hatte zeitweise mehr Metall, al» Noten im Umlauf waren.

Dte letzten Jahre aber veränderten dte Loge. Dte ver« etnigien Staaten zogen Gold an sich, Rußland und Oester« reich Ungarn, ja schlteßltch Japan folgten dem deutscheu Gold« währungibeisptel, und während der stetgende Verkehr ver- mehrte Zah.wtttel vöthig hatte, nahm der deutsche Gold- umlauf ab. D>e Folge davon tst, daß dte Retch»bavk den Notenumlauf ausbehnte, während der Metallvoirath obuah«, sodaß dte Uederschrettung der Noteugrenze eine ständige Er- schetoung geworden ist.

Dadet darf »an nicht glauben, daß dte Noteumenge eine übermäßige tst. Dte Bank von Frankretch hat doppelt soviel Noten im Verkehr und hat nur 8. v. H Discont, ja durch mehrere Jahre hatte fie nur 2 v. H. Au eine Ein- schränkang de« deutschen Notenumlauf» darf nicht gedacht

Amtlichem Theil.

Bekanntmachung.

Da« Königliche Vro 'iontamt in Hanau kauft gefnnbctl, aut gereinigte» Hafer, gutes Pferdehen sowie ge­sundes Roggeo-Flegeistroh. Bet Haftr-Angeboten ist die Einsmdung einer Piode von reichlich x/< Liter erforber« ltch Angebote von Productuten werden, iofern da« aoge- botent Ratmal den vorgeschrtebenen Bedingungen entspricht, besonder« berücksichtigt.

E« bietet sich somit den Herren Landwirthen eine günstige Gelegenheit, ihr Natural ohne Zwischenhandel vottheilhast zu verkaufen.

Den Prodneeuten wird in jeder dienstlich zuläsfigen Weife entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch der ver« känfer Magaztnsäcke, jedoch uvfrankirt, zue Verfügung gestellt. Die Abfuhr von der Bahn wird auf Wunsch für Rechnung de» Verkäufers übernommen.

Jede «eitere Auskunft wird bereitwilligst von dem ge­nannten Amte wlltdlich wie schrtftitch ertheilt.

Gießen, den 23 November 1898.

Großherzogltch He fifche« Kreisamt.

I. v.: Dr. Wagner.

£eniUct*n.

Di, UrmtfB irr Wrlt nnh dir flllgtmtint Abrü-uuz.

Von vr. Franz Gräber.

(Nachdruck verboten.)

KO. Der Vorschlag ber allgemeinen Abrüstung, ben ber Zar der civilifirten Welt unterbreitete, hat in ganz Europa einen lebhaften Wiberhall gefunden. Trotzdem dürfte es schwierig fein, vorauszusagen, welche« Schicksal dieser hochherzigen Idee bestimmt fein wird Von ben Herrschern m t Beifall ausgenommen, wird fie vielleicht von den Dtplo« Baten im Geheimen bekämpft werden. Doch was lhut da«? Ein« steht fest: daß sämmtliche Länder Europa« eine Krieg«, macht besitzen, die zu ihren Einkünften im Mißverhältniß ftebt Betrachten wir zum Beweise dieser Behauptung die Streitkräfte der einzelnen Länder etwa« genauer. Da wäre in erster Reihe Rußland zu nennen, da« die roettau« größte Armee unterhalt Seine Streitkraft dettägt m Fneden»z^en eine Million Soldaten, die jährlich noch um 280000 Sol­daten anwäckst. Im Kriege lägt sich diese Zahl auf 21/, Millionen erhöhen, zu denen noch 6 947 000 Mann Reservetruppen hinzukommen. Ta« ist aber noch nicht alle«: Im Rothfalle wird die zweite und dritte Klaffe de« Reservisten« stunde« (die Opoltschenje«) einberufen, deren MobilistrMg durch einen einfachen Ufa« erfolgen kann, sodaß bre^ru''.'che Armee sich bi« zu der ungeheuren Zahl von über 9 Millionen Mann erheben kann.

In zweiter Re,he kommt Frankreich mit 589000 Mann im Frieden. 2 500000 im Kriege und einer Gefammtstärke von 4 370000 Mann; da« französische Heer wird jährlich um 16000 Mann vermehrt.

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Kentag«.

Die Gießener »e*irue»(»lt<r erben bem Anzeiger WschmkNch bi er mal beigelegt.

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Deutschland verfügt über 585000 in FriedenSzeitin. völk-rung ein Mann unter Waffen oder Hal ged'ent oder kann aber tn zehn Tagen 2 230000 Mann mobU machen I kann jeden Augenblick einberufen werden. In Deutschland «d mtt der ReLve 4 300000 Mann stellen. j ist da« Berhältniß ein Soldat A zwölf Pnsonm ober J«

Oesterreich Ungarn hat 365 000 Mann unter Waffen , unb kann im Krieg«salle 2 500000 Solbaten, mU der Reserve :