Nr. 279 Viertes Blatt.
Sonntag den 27. November
1898
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Politische Wocheufcharu
Die Paläfttuaretse b16 Kaisers hat ihren Ad« schloß gesunden, und freudigen Herzens begrübt das deutsche Volk deu Monarchen auf hrimathlichem Boden. Noch In ihrer letzten Phase hat die Reise einen Urfolg gezeitigt, welcher von allen Patrioten lange herbeigesehot worden ist: Die Verständigung mit Boyern bezüglich des obersten Militär- gerichtshofes. Während der Anwesenheit der Kaisers in München ist nämlich über diese Angelegenheit durch direkte Besprechung mit dem Pltuzregeuten eine volle Einigung erzielt worden.
In dem Augenblick, in welchem wir dies schreiben, ist die kaiserliche Ordre für die Einberufung de- Reichs- tag es noch nicht publizier worden. Dies erregt Befremden, da nach den bisherigen Bestimmungen bekanntlich schon Ende dieses Monat« der Zusammentritt des R ichstages erfolgen sollte, viel erörtert wird jetzt auch die Prästdentschaftsfrage in der gesetzgebenden Körperschaft des Reich«. Daß ein Centrumswauu wieder erster Präses des Reichstag» wird, erscheint sicher, dagegen liegen Aeuherungen über die Absichten der übrigen Fraktionen noch nicht vor.
Neben der Lippe'sch en Frage, die noch fortgesitzt ventilirt wird, nehmen neuerdings die Erörterungen über das Schicksal einer dem Reichstage etwa zugeheuden Miltiärvor- läge einen breiten Raum tu der Presie ein. Man widmet der Vorlage schon jetzt iSrabgesäage.
Ja Jialters Hauptstadt ist am Donnerstag die internationale Eonferenz zur Bekämpfung des Anarchismus zusawwengetrrten. Wenngleich allgemein das Vedürsntß zur Verständigung über diese Frage anerkannt wird, so thut »an doch gut, einem Erfolge der Berathung nicht allzu der« tranensvoll entgegenzulehen. Niemals wird man Schreckens- thaten der Anarchisten verhindern können, mag man noch so drakonische Maßregeln in Anwendung bringen.
Die zwischen Italien und Frankreich erfolgte Verständigung auf handelspolitischem Gebiet haben wir bereits ansführlich behandelt und ganz richtig d'agnosttcirt, daß man in Frankre'ch sich Erwartungen bingeben würde, auch in anderer Hinsicht eine Annäherung an Italien eintreten zu sehen.
Bon der Seine lagen Nachrichten von Belang in der abgilaufenen Woche nicht vor. Der Eossationshof arbeitet noch hinter verschlossenen Thüren und hält seine Beschlüffe geheim. Oberst Picqaart wird am }2. Dicrmber vor ein Kriegsgericht gestellt werden, wo er sich wegen Fälschungen nnb wegen Gebrauchs von Fälschungen zu verautworten haben wird.
Sehr bewegt ging es in den letzten Tagen in der ungarischen Hauptstadt zu, wo es im Parlament zu lärmenden Sceneu kam, die sich schließlich auf die Straße fortpflanzten und zu Blutvergießen Beranlaffung gaben. Ueberhaupr herrscht jetzt tu Oesterreich Ungarn eine so fi verhafte Erregung in Pöl t schen Kreisen, daß sie bet jeder @e- I
Feuilleton.
Ariefe aus der 'Residenz.
Originalbertcht für den „Gießener Anzeiger*.
(Nachdruck verboten.) V.
Darmstadt i« Festg'anz. — Rene AafichttkaNeo. Galavorstellung im tzostheater.
Ueber den ossicieüeo Enthüllung«aet haben Sie bereit« telegraphisch Bericht erhallen. Diesem zwanglosen Briefe fällt demnach die Ausgabe zu, über da« Straßendild nnb die Feststimmung im Allgemeinen zu plaudern. Während ich diese Zeilen schreibe regnet«. En feiner, dane, Hafter Rovewderregeu legt seinen nassen Schleier um den Flaggen- und Guirlanbenschmuck. Aber wa« thut da« I Wir Haden allen Grund, davkoar zu sein, denn die Hauptsache ist vor über, der große Festakt konnte sich im herrlichsten Sonnen schein entwickeln. Ich glaube, nicht viele deutsche Städte haben so triftigen Anlaß, sich in die Farben der Freude zu kleiden. Die Darmstädter bekommen dadurch eine gen sie Festroutine. W-un bet uns ein Nationaldevkmal eingeweiht, eine junge Großherzogin empfangen oder eia Zar begrüßt wird, so läuft man nicht gleich Gesahr, auf den Straßen nnb Plätzen, wo «an Posto gefaßt, niedergetrampelt oder mit Ellenbogenpüffen regalirt zu werden, was eine unumgängliche Beigabe der Berliner volk«feste zu fern scheint. Ein gewisser Geist der Ordnung und Selbstdtscipltnirung waltet hier auch bet großen Pudltkums-Aasammlnngen. Und
legeuheit in Insulten nnb Thätltchkeiten ausartet, von einer Verständigung der Parteien kann noch lauge keine Rede sein zum Schaden des ganzen Landes, das schließlich nur noch dnrch Rothparagraphen regiert werden kann.
Die dänischen Socialdemokraten regen sich wieder einmal unnöthig aus wegen der Ausweisung von Dänen aus Schleswig-Holstein. Der Appell au die deutsche Studentenschaft wird wenig Zweck haben.
Für den Prinzen Georg von Griechenland wird dos Nest auf Kreta möglichst warm gemacht. Hoffentlich erfüllt er die Erwartungen, die jeder Menschenfreund i« Interesse der unglücklichen Insel auf ihn setzt. (xx)
Zur Stadtverordneten-Wahl
geht unS noch folgende Mitthetlung zu:
In der Nr. 276 der „Hess. Laudesztg.* greift wiederholt in gehässiger, unmottvirier Weise der bekannte hiesige freisinnige Bürger, jetzt unter der Firma „tm Neustädter*, die freisinnige Parteileitung ob ihres Berbaltens bei der Stadtverordneten-Wahl au. Auf dttsen Artikel «st Folgendes zu erwidern: von allerles Schiebungen, die im Gang sein sollen, ist der Parteileitung Nichts bekannt, ebensowenig davon, daß Herr Löber beseitigt und Herr Keller an dessen Stelle gesetzt werden soll. Die Parteileitung fordert t» Gegentheil alle Wähler dringend auf, an der aufgestellten Liste festzu- halteu Angesichts der fortgesetzten, nur im Interesse der Soctaidemokralte liegenden versuche, dieselbe zu erschüttern und Sliwmeozerspl'tterung herbeizaführen. Das Recht der fretstuutgen und national liberirleu Partei, einen Wahlvorschlag zu machen, ist nicht zu bestreiten. Der „Neustädter* Bürger, der weiter Nichts wie ein verkappier Socialdemokrat zu sein scheint, «acht in seiner Logik natürlich nur den genannten Parteien einen Vorwurf hinsichtlich ihrer Stellung zur Stadtverordneten. Wahl, während er dasselbe von der Socialbemo- kratie sich gerne gefallen läßt. Wenn er den Bezirksvereinen rorschlügt, socialdemokratische Lanbidaten in ihre Listen aufzunehmen, während die Socialbemokraten jede bürgerliche Lanbidatur ausschl eßen, so besorgt er damit ebenfalls nur die Geschäfte der Socialdemokeatie, die stch Derartiges jedenfalls gern gefallen läßt. Im Urbrigen Lnn «an den Herrn nur wiederholt auffordern, künftig in der Generalversammlung der Partei seine Angriffe frei und öffentlich zu erheben, vorausgesetzt, daß er den Muth dazu hat.
Verstsches Reich.
Berlin, 25. November. Die En tschetdung in der Militär strafproceßreform. Das officiöle T.-B." meldet: „Während der Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers in München ist durch direkte Besprechung zwischen Allerhöchstdewselbeu und Seiner königlichen Hoheit dem Prinz- Regenten über die Militär Stratproceß O bnung volle Verständigung erzielt worden. Seine königliche Hoheit der
das ist gemüthlich. Schon gestern Abend herrschte ein ungewohntes Leben und Treiben in den Haupiftroßen, doS bereits «einen natürlichen Eoncentratioospuukt um den Denk- malsplatz herum fand, wo die Berkäuser die neuen Ansichtskarten, sowie die Festprogramme und Zugordnung sei.boten.
Die Klänge des Zapfenstreichs, der gestern Abend tem Kroßherzogitchen Paare am Neuen Palais gebracht wurde, leitete unS hinüber in die von Feftglanz und Torfl^theu erfüllte Morgenstimmung des 25. November. Wohin bas Auge schaute, Fadueu, Wimpel, prachtvolle Kränze, bestimmt, von Kriegerveretneu und Grneffeuschafteu am Fuße bc« Denkmal« mebergelcgt zu werten, — wohin da« Ohr lauschte, schmetternde Trowpetenfigrale und der k,astvolle Rhhihwus der Militärmärsche!
Eine große Bewegung fluihete schon nach 7 Uhr Morgen« uw die beiden Bahnhöfe. Die von Frankfurt, der Bergstraße, dem Oderwald und dem Rdeingau eiulaufenden Züge brachten Siiegervereine und Studenten, die ton ihren Kameraden und Lowwil'toneu in Empfang genommen wurden. Die elektrische Straßenbahn hatte alle vorhandenen Wagen in Betrieb gestellt, ohne doch dem Andrange von Fahrgästen völlig getflgen zu können.
Ein guter Tag ist der 26. November für die Berfertiger und Verkäufer der Anstche«postkarten geworden. Darmstadt leistet in diesem Artikel fett den letzten Jahren avßerordentltch viel, und eine hiesige Firma versorgt mit ihm sogar viele andere deutsche S>ä»te. Drei verschiedene Auf nahmen find in den Handel gekommen, von diesen^liegt uns gerade znr Hand die von der Kuustdruckeret Hohmann *
। Prinz-Regent hat in die Errichtung eines bohertschen Senats mit dem Sitz in Berlin btt« Obersten Militärgerichtshof
I eiugewilligt. Dagegen hat Seine Moj stät der Kaiser Bayern bas Recht der Ernennung des Vorsitzenden sowie der Mitglieder in diesem bohertschen Senat und des Militäranwalts au demselben eingeräuntt.* — Die enbgUtige Beseitigung dieser Streitfrage muß mit der größten Befriedigung begrüßt »erden. Bayern ist also darin noch einen weiteren Schritt entgegeogekommen, daß es den Sitz des bayerischen Senats io Berlin zugegeben hat. So ist denn die Verständigung zu Staude gekommen, die allen berechtigte» Ansprüchen gerecht wird. In München wird mau vielleicht in einigen Kreisen nicht sehr beglückt über diesen Susgaog lein; die vernünftigen Leute werden sich sagen, daß die jttzlge Lösung Bayern eine sehr viel würdigere Stellung zumeist, als wenn die Mitglieder des bayerischen Senats zu gelegentlich nothwendtgeo Verhandlungen und Verständigungen jedesmal nach Vertin citirt werden müßten. Dem hochherzigen Entgegenkommen des Pr'n»r,geuteo gebührt jedenfalls besonderer Dank.
M P C. Berlin, 25. November. Der Reichstag wird, wie man tu Bunbesrathskreiseu annimmt, vor Weihnachten lediglich die erste Lesong de« Etats vornehmen.
M.P.O. Berlin, 25. November. Der Schwerpunkt bei Beithetdiguug des Gesetze« über deu Schutz der Arbeitswilligen wird gutem vernehmen nach beim Retchsjusttzamt liegen.
M.P.C. Berlin, 25. November. Sobald der Kaiser hierher zurückgek-hrt ist, wird auch eine Reihe von Person enf rag en ihrer endgültigen Entscheidung entgegengesührt werden. Unter Anderem handelt es sich um die Erledigung der Vakanz an der Spitze der OderrechuungSkammer tu Potsdam. Wir haben s. Z. gesagt, daß es wahrschetulich sei, e« werte auf dielen Posten der Piästdent der Seehandlung oder der Staatslchulden-Verwaltung berufen werden. Neuerdings ist auch wieder die Rebe davon, der Oberpräfideut der Provinz Hessen Nassau, Magdeburg, gehöre zu deu San- bibaten, und an seine Stelle werbe der jetzige Minister bes Innern Frhr. von bet Recke treten. Wie weit da« zutrtfft, w ffeu wir nicht; jebenfalls aber wirb Herr von bet Recke an seine« jetzigen Platze nicht wehr lange bleiben.
— Zur Bahnste igsperr e schreibt bie „Verl. Cott.*: Verunglückungen des Eilendahvpersonal« bei Prüfung bet Fahrkarten im rollenden Zuge gehö-teu bekanntlich früher zu den regelmäßig wieberkehrenben Eescheinuugeu. Nach ben Ermittelungen be« Rcichseisendohnamt« würben aus biesem Anlaß auf ben preußischen Siaaisbahnen in ben Jahren 1885—1893 3 getöbtet unb verletzt 198 Fahrbebienstete. Auf ben übrigen deutlcheu Eisenbahnen lag die Sache ähnlich. Diese beklagen«werthen Umstände gaben hauptsächlich den Anlaß, die Fahrkartenprüfung von den Zügen an die Bahnsteige zu verlegen nnb die Bahnsteig'perre einzulühreu, eine Maßregel, mit der in Preußen am 1. Oktober 1893 begonnen wurde, und die nunmehr fast vollständig zur Durchführung
an«gegebene, bie sich durch klare Umrisse und geschmackvollen Farbenbre ck auszeichnet. Se. König!. Hoheit der Großherzog Haden S'ch selbst zu Seinem P-ivatgebrauch 24 Exemplare dieser Sorte kommen lassen. Die nämliche Firma hat auch den Umschlag sür die Festzugsordnung geliefert, in alt- den schem Gewände, mit reichem Biäuerrahwen, im Mittelstück ba« Abbild des Denkmal«, ferner die zeichnerische Aus- ftatinng des Menus unb des Musik Programms für bie Galatafel i« Schloß, ebenfalls in reichem Farbenbrnck nnb mit Denkmalsaoficht
Das äußere Vilb einer Festvorstellung tm Hoftheater haben wir schon öfter ausgenommen nnb beschrieben. ES gibt sich immer als der krönende, prächtige Abschluß aller vorhergehenben Acte. Der Seidenglanz bet Damenroben, der Duft der Blumen, welche einen oft siegreichen Wettkampf mit den Biillanten im Blond- ober Schwarzhaar eingehen, der Kranz der Orbenftetne, der wieder um viele blitzende Äugen reicher geworben ist, das Erwarten der Herrschaften, die an diesem Tage nicht auf ihren sonstigen Petzen, sondern in der großen Hl flöge sitzen, die Begrüßung derselben, die dann In bie Jubel!,äuge der Nationalhymne ausiönt — Alles bas ist schon ein Vorspiel vor de« eigentlichen Vorspiel. Schließt sich hieran noch wie heme ein Prolog, io ist der Theil der Galavorstellung, nm deffettt- willeu so Viele die Kaffe fast gestürmt habe», eigentlich erledigt, und die Kunstgenüsse kommen nunmehr zu ihrem Recht. Doch ist e« gut, wenn man sich bei derartigen Festoorstell- ungeu an Allbekanntes hält unb der nach so vielen Seiten abgelenkten Änfaeifiamfeit der Hörer keine Nenoerarbeitung


