militärische Reoeille eröffnet. Der 114 Gruppen, mit schätzung-weise an 10000 Theilnehmern zählende Zug, mit ca. 12 MufikcorpS, in dem die Landesuniversität und Tech- nische Hochschule sowie die Krtegervereine besondrrs stark vertreten waren und den Heffemnädchen von den Zuschauern zugejubelt wurde, langte zeitig auf dem reich decorirten Denkmalsplatze, dem Paradeplatze an, wo die zur Feier befohlenen Truppentheile, Truppen-Abordnungen waren und die sonst etngeladenen Personen: Staats-, Kreis« und Gemeindebeamte, Geistlichkeit, Ständekammern Vertreter, u. a. die Civilpersonen auf zwei großen Tribünen, Aufstellung genommen hatten. Die Herrschaften erschienen punkt 12 Uhr, enthusiastisch von der vieltausendköpfigen Menge begrüßt, und nachdem die Silcher'sche Motette (mit unterlegtem Text) seitens der vereinigten Gesangvereine vorgetragen worden, hi^lt der Schriftführer des Denkmal Ausschusses, Herr Geh. Regierungsralh Haas von Offenbach, die Festrede. Ec erinnerte daran, daß das hessische Volk mit diesem Denkmal eine Ehren- und Dankschuld gegen den verewigten Fürsten abtrage, dessen Leutseligkeit, rechtlicher Sinn, offenes und gerades Wesen ihm bereits ein Denkmal im Herzen der Landeskinder gesetzt hätten. Schlicht und einfach sei das Denkmal geschaffen, seinem Sinne entsprechend, für alle Zeiten ein leuchtendes Zeichen, wie sehr das Hessrnland dem Fürsten in warmer, treuer Liebe ergeben war. Redner gedachte nunmehr der Vorgeschichte des Denkmals und dankte in warmen Worten dem ausgezeichneten Künstler, Bau- und Werkmeister und Arbeitern an dem Werke; er wies nochmals auf die hohen Charactereigenschaften des im Standbilde Dargestellten hin, der das glücklichste Familienleben führte, gegen den Feind selbstlos und todesmuthig sich zeigte, der in einer 15 jährigen segensreichen R.gierung Volk und Land gefördert, der allezeit treu zu Kaiser und Reich stand und seinem Volke die Gewähr verfassungsmäßiger Mitwirkung bot, der den Dreispruch: Liebe um Liebe, Vertrauen um Vertrauen, Treue um Treue als lebenslänglichen Leitstern hatte. Die warme Ansprache schloß mit dem feierlichen Gelöbniß, daß wir Alle in guten und bösen Tagen treu zu unserem Fürsten und seinem Hause stehen wollen, und mit dem Wunsche, dies möge immerdar so bleiben. — Nachdem der Großherzog nunmehr die Genehmigung ertheilt hatte, fiel die Hülle des Denkmals unter dem lauten Jubel der Festtheilnehmer, die Glocken begannen zu läuten und 101 Salutschüsse ertönten (bie man aber wegen konträren Windes wenig hörte). Der erste Vorfitzende des Landesausschusses für das Denkmal, Fürst zu Afenburg- Büdingen Durchlaucht, übergab und empfahl das Denkmal dem Schutze der Großherzogltchen Regierung und brachte das mit Begeisterung aufgenommene Hoch auf das Großherzogspaar aus, das sodann mit den zur Einweihung gekommenen fürstlichen Anverwandten unter sachverständiger Leitung einen Rundgang um das Denkmal unternahmen, womit die Feier ihren Abschluß sand. Zahlreiche Lorbeerkränze schmückten das Denkmal. — Später fand Hoftafel im Schlosse und am Mittag eine reichbesetzte Festtafel im Saalbau für Beamte und Bürger statt, wobei Herr Beigeordneter Schliephake den Toast auf das Landesfürstenpaar ausbrachte. — Das auf einfachem granünem Sockel sich aufbauende Reiterstandbild Professor Friedrich Schapers in Berlin (dessen hohe Ordensauszeichnung allgemein freudig bemerkt wurde) wirkt in dieser Einfachheit, unter Vermeidung alles Pomphaften, von Allegorie u. f. w. besonders schön, die künstlerische Ruhe des Eindruckes bleibt erhalten. Der Großherzog ist auf dem ruhig stehenden Pferde so dargestellt, wie er seine braven Hessen in 1870/71 im Felde führte; auf der Rückseite liest man die Widmung: Dem geliebten und gerechten Fürsten — Dem tapferen Führer der hessischen Truppen 1870/71 —
Sein treues Hessenland! Mit Eintritt des Frühjahrs wird das etwas erhöht über die Umgebung gelegte Denkmal reiche gärtnerische Umrahmung erhalten. Unsere Stadt ist mit ihm um ein neues, schönes Werk bereichert und der heutige Festtag wird in ihren Analen jederzeit ehrend verzeichnet sein. Bei dem großen Zudrange kamen leider einige Ohnmächten vor; Major a. D. Becker wurde von einem ernsten Unwohlsein befallen und mußte weggetragen werden.___________________
Dermifdptet*
♦ Ei« «euer HeUküustler. Stu zweiter Kneipp ist in der Person der Pastor« Felke in Repelen bet Mör« entstanden. Felke ist nicht mehr im Stande, allen Aaforder- nngen zu entsprechen, werhalb er den Dr. Reuter ans Gnadenberg veranlaßt hat, sich tu Repelen utederzulaffen und die Kranken nach seiner Anleitung zu behandeln. Wer sich nicht schon vorher eine Consultation erwirkt hat, kann unverrichteter Sache heimkehrev, so groß ist der Andrang. Im nächsten Jahre soll mit dem Bau einer großen Heilanstalt begonnen werden, speetell für Lungenkranke. Die Felke'sche Behavdluugsweise ist eine homöopathische in Verbindung mit Naturheilversahren.
* Au Idyll. Anläßlich de« vierzigjährigen Re- gterung«.Jubiläums de« Fürsten Johann von Liechtenstein werden die Verhältnisse de« kleinen Reiche« Liechtenstein tm „Neuen Wiener Tageblatt" wie folgt geschildert. Da« Fürftenibum ist auf coustitutioueller Grundlage aufgebaut, wird parlamentarisch regiert und besitzt in seiner höchsten politischen Vertretung, dem Landtage, eine regelrechte Mehrheit und Minderheit. Die Opposition kämpft mit großer Leidenschaft- allein, da es bet dem Streite immer nur um Geldsachen sich dreht, wie beispielsweise, ob eine Straße, eine Schule u. s. w. von dieser oder jener Gemeinde, um diesen oder jenen Preis errichtet werden soll, so macht der Fürst weist den Reden der Opposition aus rasche und gründliche Art ein Ende dadurch, daß er in seine Tasche greift und die Dinge mit seinem Gelbe ausbaut. Gemäß dieser ProxS gtebt es im Ländchen keine Conflicte zwischen Fürst und Volk- that sich aber zwischen Beiden ein Mal doch ein Gegensatz auf, dann verschwand er, wie e« die Geschichte der letzten vierzig Jahre beweist, allfogleich dadurch, daß — der Fürst uachgab. Fürst Liechtenstein, der uur selten in sein Land kommt, wird in der Regierung durch einen Landesverweser, der in Vaduz tm Schlosse seinen Sitz hat, vertreten. Diesem Fuuctiouär — gegenwärtig ist eS der Throler Herr v. Ju der Manr — find noch einige wenige Beamte für die Laude«- Admtuistration beigegeben. Mit ihnen thrtlen sich in die Verwaltung der Bürgermeister von Vaduz mit den Gemeinde« räthen. Militär kennt mau nicht und für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung genügt eine Hand voll Polizisten, die übrigen« ein beschauliche« Dasein führen, wie das Landgericht in Vaduz, daS die erste gerichtliche Instanz bildet, während die zweite da« sogenannte AppellationSgericht, durch Juristen der Wiener Hofkanzlei, die dritte und letzte durch da« OberlaudeSgertcht in Innsbruck repcäsentirt wird. Rauflust und Streitsucht find den Ltechrensteiveru fremd, der Richter ist meist Schied«- und Friedensrichter tm wahren Sinne des Worte«. Jeder kann nach Hrrzeu«lust fich entwickeln, und arbcitfam, bescheiden, gutartig, zufrieden mit dem Ihrigen und den herrlichen Boden liebend, aus dem fie leben, deukeu fie ohne weitere Träume an ihre Arbeit. E« darf nach alledem nicht überraschen, wenn beim Laudesverweser fortlaufend Gesuche von Bewohnern anderer Länder um Aufnahme in den Liechtenstetn'schen Staatsverband etnlaufen, eine Bitte, welcher jedoch in den seltensten Fällen willfahrt wird.
Wissenschaft, Literatur und Kttnft
— Kaufmännische Correspondenz in deutscher Sprache- Von C. F. Find ei, en. Zum dritten Male bearbeitet von Fran; Hahn. Fünfte, vermehrte Auflage. In Originalletnenband 2 Mk. 50 Pf. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Diese „Kaufmännische Correspondenz", nun schon zum dritten Male von Franz Hahn, Oberlehrer an der öffentlichen Handeltzlehranstalt zu Dresden be-- arbeitet, hat eine überaus günstige Aufnahme gefunden, wie schon der Umstand beweist, daß in der kurzen Zett von kaum zwei Jahren zwei neue Auflagen nothwendig geworden sind. Ein Vorzug diese« Buches besteht nach wie vor darin, daß überall Oiiginale von hervorragenden Firmen als Muster benutzt worden sind, wodurch ein interessanter Einblick in das Getriebe deS Großhandels gewährt wird. Dann aber ist überall Knappheit und Klarheit des Ausdrucke« angestrebt, da fast alle kaufmännischen Briefe Urkunden über Handelsgeschäfte sind und der Kaufmann vor Allem seine Zeit nrcht gern mit dem Lesen unnützer Worte verliert. Wo jetzt auf die Bestimmungen der Wechselordnung und de« Handelsgesetzbuches verwiesen wird, sind bereits die entsprechenden Paragraphen deS neuen Handelsgesetzbuches angegeben, daS am 1. Januar 1900 in Kraft tritt.
— Vice-Admiral a. D. R. Werner hat soeben seine „Deutsche Seekriegsgeschichte" vollendet. Zum ersten Male wird hier von einem hervorragenden Fachmann eine zusammenhängende Gerichte der Entwickelung der deutschen Flotte von den ältesten Ziten biS auf den heutigen Tag geboten. Das Buch bietet für Alt und Jung eine Fülle der Belehrung, Anregung und Begeisterung. Werner schildert uns, wie die deutsche Hansa eine Weltmacht wurde und England ihre Gesetze aufzwang, wie die nordischen Könige nur mit Erlaubniß der Hansa ihre Kronen annehmen bu tten. Wa» Eintracht stark gemacht, zerfiel durch Zwietracht und mit der Stärke der Flotte ging auch der blühende deutsche Handel zu Grunde. Der große Kurfürst hatte weitblickend die Bedeutung der Flotte wieder erkannt und bot Alles auf, sie zu beben und ein Colontalreich zu schaffen — leider vergeblich. Erft 200 Jahre später wurde sein Werk wieder fortgesetzt. Der Flottengründung tm Jahre 1848, der Norddeutschen und der Reichsflotte ist ein breiter Raum gewidmet. Wenn die Flotte auch noch keine Gelegenheit hatte, in großen Schlachten ihre Kraft zu erproben, so ist sie, wie wir auch hier erkennen lernen, doch in Dutzenden von Fällen kraftvoll für die Jntereffen des Reiche« eingetreten. Werner's Erzählergabe tritt auch in diesem Buche, das noch rechtzeitig vor Weihnachten erscheinen wird, glänzend zu Tage.
Brodpreise
vom 27. November bis 11. D:crmbrr 1898.
Der hiesige« väcker.
1 Kg. (2 Pfd.) Tafelbrod......28 Psg
2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod......56 ,
1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod......26 ,
2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod......52 .
1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod......24 „
2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod.....48 .
3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod......72 ,
Der auswärtige« Bäcker.
1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod bet L. Steinmüller, Gr.-Linden 24 Psg. L. Schmidt, Gr.-Linden 24 .
W. Weitzel von Lang Gön« 24 „ W. Fabel von Wtesrck 24 „
2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod bei Joh. Kd. Velte v. KirchgönS 46 „ L. Schmidt (Großen-Linden) 48 „
L. Stetnmüller, Gr.-Linden 48 „
W. Weitzel von Lang-GönS 48 „
Wilh. Fabel von Wtefeck 48 ,
1 Kg. (2Pfd.) Schwarzbrod beiW.Steinmüller, Lang-GönS 22 „
L. Schmidt, Großen Linden 22 , W. Weitzel von Lang-GönS 22 ,
2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod bei Joh. Kd. De'te v. Kirch-GönL 42 ,
W. Steinmüller in Langgöns 44 ,
L. Schmidt Gr.-Linden 44 „
W. Weitzel v. Lang'GönS 44 v
L. Stetnmüller, Gr.-Ltnden 44 „
3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod bei Wtlh. Fabel von Wieseck 66 ,
Der Brodverkäufer.
Bet den hiesigen Brodvrrkäufern bestehen dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern.
Gießen, den 26. November 1898.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen
Garteuftrahe 2.
Angebot der Arbeitnehmer! 1 Bäcker, 1 Spengler, 1 Krankenpflegerin auf Woche, 1 Sattler, 1 Schuhmacher, 2 Schneider auf Stückarbeit, 2 Bau- ober Möbelschreiner, 4 Taglöhner, 9 Hausburschen, 1 Kutscher, 3 Fuhrknechte, 1 Bäcker- und 1 Mechanikerlehrling, 1 Haushälterin, 1 Lauffrau für Nachmittags, 1 Commis, 1 Sckreibgehulfe.
Nachfrage der Arbeitgeber: 1 jüngerer Spengler auf Ladenarbeit, 2 Glaser, 1 junger Sattlergehilfe, 4 Schlosser in eine auswärtige Maschinenfabrik, 1 Schmied, 2 Schneider auf Stückarbeit, 1 Bausckreiner, 1 jüngerer Dienstknecht, 1 Taglöhner, 1 Hausbursche im Alter von 14 ober 15 Jahren, 4 Dienstmäbchen für Küche und Hausarbeit, 3 Lauffrauen, 4-6 Lumpensortirerinnen, 10 Aus- ripperinnen, 1 Waschfrau für eine Wäscherei, 2 Flickfrauen.
Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Buchbinber, 1 Küfer, 1 Schuhmacher, 2 Mechaniker, 2 Wagner, 1 Schreiner, 2 Glaser._________________________________________________
Bekanntmachung^
Der Voranschlag der Gemeinde Alteu-Buseck für das Jahr 1899/1900 liegt vom 26. November d. I. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf hiesiger Bürgermeisterei offen.
Alten.Buseck, den 24. November 1898.
Großherzogliche Bürgermeisterei Alten-Buseck. _________________________Körber.____________________11740
Bekanntmachung.
Der Boraufchlag der Gemeinde Garbeuteich für das Rechnungsjahr 1899/1900 liegt vom 28. November d. I an acht Tage lang auf dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen.
Garbenteich, den 25. November 1898.
Großherzogliche Bürgermeisterei Garbenteich.
___Schwarz.____________________11742
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Odeuhauseu für das Jahr 1899/1900 liegt vom 30. November d. I. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Büreau offen.
Oden Haus en, den 26. November 1898.
Großherzogliche Bürgermeisterei Odenhausen.
Lang 11741
Auf der Candidatenliste des „Nord-Ost-Vereins" vermissen wir einen Mann, welcher von den beiden liberalen Parteien, jedenfalls nicht ohne Ueberlegung, zur Wahl vorgeschlagen wurde. Es ist dies unser Mitbürger
Fr. Helm.
Fast bei allen größeren Ieranstattungen hat er nun bewiesen: sein Hrganisationstatent sowie Erfahrung in Ierwattungssachen, ebenso seine Zähigkeit, gemeinnützige Unternehmungen jeder Art in Kluß zu bringen und thatkräftigst durchzuführen.
Nicht unbekannt dürfte Vielen sein seine Bereitwilligkeit, wenn es galt, die Interessen unserer Mater- stadt, auch nach Außen, jederzeit zu vertreten.
Darum wählt einen Mann, welcher seine Arbeitslust und Befähigung in so reichem Maße bewiesen hat.
Viele Wähler aller Parteien.


