Ausgabe 
27.11.1898 Drittes Blatt
 
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Zur Stadtverordnetenwahl

schreibt man uni:

Zu den häßlichsten Erscheinungen, die der gegenwärtige Wahlkampf hervorbringt, gehören unzweifelhaft die fortgesetzten, versteckten, durch nichts motivirten Angriffe gegen unsere städtische Verwaltung. Er wird gesagt, frisches Blut müffe in die städtische Vertretung, Socialdemokraten müßten gewählt werden, damit endlich einmal da oben gesagt werde, was die Gießener Bürgerschaft fühlt und denkt. Ja, was ist denn eigentlich los?! Was fühlt und denkt denn der Gießener Bürger?! Was ist el denn, waS diese Profefforen, Com- merzienräthe, Rechtsanwälte (man denke Rechtsanwälte, die doch im Allgemeinen nicht zu wenig sprechen) und diese Rentner zu sagen fich nicht getrauen? Urber waS hat sich denn der Gießener Bürger zu beschweren? Hat unsere Stadt in dem letzten Jahrzehnt denn nicht einen erfreulichen Auf­schwung genommen, Dank der Initiative eines zielbrwußten, thatkräftigen Oberbürgermeisters und einer städtischen Ver­tretung, die fortwährend bestrebt ist, nach besten Kräften zu schaffen und zu fördern, was irgendwie im städtischen Jnterrffe liegt. Wir nennen nur unser Gaswerk und die schöne und zweckmäßige Anlage unseres Wafferwerks, den Stadterweite­rungsfond, der unserer Sta>>t schon jetzt erheblichen Nutzen gebracht und auch fernerhin noch bringen wird. Wir führen an die Uebernahme der Straßenreinigung von Seiten der Stadt mit einem Kostenaufwand von jährlich circa 31000 Mk., die Bieberthalbahn, deren Erbauung man nach besten Kräften gefördert hat, die ein großes Absatzgebiet unserer Stadt näherrückt und so der gesammten htefigen Geschäftswelt Bor- theile bringt. Es darf ferner erwähnt werden, daß die Haltestelle im Nordende Gießen- nun wohl bald ihrer Ver­wirklichung entgegengeht, ebenso daß daS EanalisationSprojret Dank der vorsichtigen Bearbeitung desselben und Dank der guten Ratschläge eines hervorragenden Mitgliedes der Stadt­verordnetenversammlung sich voraussichtlich jetzt bester und billiger gestalten wird, als man früher annehmen konnte.

Fremde, die nach Gießen kommen oder Leute, die längere Zeit von hier abwesend waren, find erstaunt und erfreut über das Wachsthum, Über die BlÜthe der Stadt, über die Berbesternngen und Verschönerungen, die man überall antrifft und über die in gesundheitlicher Beziehung erfreuliche bauliche Ausdehnung, welche die Stadt nimmt. Es ist nicht wahr, wenn gesagt wird, die städtische Vertretung könne verwöge ihrer jetzigen Zusammensetzung keinen Sinn und kein ver- ständniß haben für die Bedürfniffe der sogenanntenkleinen Leute" und für ihr Wohlergehen. Eine ganze Anzahl städtischer Anstalten und Einrichtungen weisen auf daS gerade Gegentheil hin. Wir wollen z. B. nur anführen die Förderung und Unterstützung der Lesehalle, des Bolksbades, dkl kaufmännischen Vereins und seiner Fachschule, des Za- schuffes für die Omntbuslinie, für die Haushaltungsschnle, für den HandfertigkeitSunterricht in den Volksschulen, für den Knaben- und Mädchenhort, endlich für dal htefige Theater, wodurch es möglich war, billige BolkSvorstelluugen einzu- richren. Wenn man weiter bedenkt, daß die Stadt ganz be­deutende Summen für Schulzwecke aufwendet, daß die Armen­unterstützung und die gut organifirte und gerade unter Mit­wirkung der Geistlichkeit vorzüglich functtonirende Armen­pflege einen jährlichen Zuschuß von circa 44000 Mk. er­fordert, jo kann man der städtischen Verwaltung für alle diese Dinge Anerkennung und Dank nicht versagen, besonder! da er möglich war, dies Alles zu thun, ohne daß seit 1894 eine Erhöhung der Communalsteuer nöthtg gewesen wäre. Die Wörter Dank und Anerkennung für irgend etwas hat man allerdings aus dem socialdemokrattschen Wörterbuch ent­fernt / man hat dafür fortgesetzte Erregung von Unzufriedenheit hineingesetzt.

In allen diesen Hetzereien, die in gewissen hiefigen Blättern ihre iwmerbereite Stätte finden, liegt ein große! Stück Undankbarkeit gegenüber den Männern, die die! Alle! geleistet und die ihr W ff en und Können in uneigennützigster Weise der Stadt zur Verfügung gestellt haben.

Um Parteizwecken oder dem Ehrgeiz Einzelner zu dienen, lucht man nach dem bekannten Trtc, der auch schon bet der ReichstagSwahl fich breit machte, künstlich einen Gegensatz zu conftruiren zwischen den sogenanntenkleinen Leuten" den Handwerksmeistern und Arbeitern und zwischen den sogenannten Großen", den Fabrikanten, Professoren rc. rc. Der Gegen­satz besteht nicht, am allerwenigsten in communalen Dingen, wo das Wohl und Gedecheu der Stadt zweifellos mit dem Interesse aller Bewohner derselben zusammenfält.

Mit welchem Recht macht man denn einer großen Zahl setthertger städtischer Vertreter den Vorwurf, daß fie nicht am richtigen Platze feien, Leute, von denen Biele durch die Lebensstellung, welche sie errungen, schon bewiesen haben, daß fie tüchtiges zu leisten vermögen. Man möge doch bet der Wahl der städtischen Vertreter nicht vergess:«, daß zum Amt eines Stadtverordneten auch Zett und zwar, wenn man es ernst nehmen will, viel Zett gehört und daß im städtischen Interesse in den Commtjfionen wie im Plenum auch Arbeit iieleistet werden muß, und daß mau dazu tüchtige Männer braucht, die In der Lage find, ohne für fie fühlbare Beein­trächtigung ihrer eigenen Interessen und ihres Berufs ihre Zeit der Stadt zur Verfügung stellen zu können

Zum Schlüsse noch Eines. Wenn nach Anficht der Mitteldeutschen Sonntagszeitung Professoren, Fabrikanten, Rentner rc. rc. (die Kaufleute hat man vorläufig au! gewissen Gründen noch geschont) nicht die geeigneten Stadtverordneten find, warum fich dann gerade ein socialdewokratischer Redacteur beffer dazu eignen soll, ist uni unerfindlich.

Man wöge fich in den liberalen Bürgerkretsen nicht beirren lassen, und möge, um Sümmenzersplitterung zu ver­meiden, den von den vereinigten Parteien aufgestellleu Wahl- zettel acceptiren. ch.

CecaU» unb ^provinzielle».

a.- Grotzen«Linden. 26. November. Am verflossenen Mittwoch waren es 15 Jahre, daß unser Herr Bürgermeister

Leun an der Spitze unseres Gemeinwesens steht. Er war ein junger Mann von 28 Jahren, als das Vertrauen der Wählerschaft die Verwaltung unseres Ortes in seine Hände legte. Mit Ernst faßte er den ihm gewordenen Ruf auf; mit eisernem Neiße suchte er in kürzester Zett sich in die verschiedenen Zweige seines Amtes einzuschulen, und Hebung seiner Gemeinde nach jeder Richtung wurde das Ziel, das ihm vorschwebte. Wohl begriff er die Forderungen seiner Zett, die sich heutzutage, da wir im Zeichen des Verkehrs stehen, selbst im kleinsten Dorfe fühlbar machen. Die Aus­führung des von ihm als richtig Erkannten, wurde wesentlich gefördert durch einen festen Willen, zähes Ausharren und unermüdliche, rastlose Thätigkeit, die selbst die eigene Person und Zeit nicht schonte. So verdankt unser Ort seinem eifrigen Bemühen den Arzt, die Apotheke, die Kleinkinder- schule, die Personen- und Güterhaltestelle. Kirche und Schule haben an ihm einen eifrigen Förderer gefunden. Mit reichem Erfolg vertrat er die Interessen seiner Gemeinde bei der Entfaltung des Bergwerks; Landwirthfchaft und Viehzucht blieb nicht vergessen und eine Anzahl von Preisen, die die Gemeinde als solche und auch viele einzelne Bewohner er­hielten, zeugen davon, daß feine Mühe nicht vergeblich war. Seine Wiederwahl im Jahre 1892 ließ ihn erkennen, daß die von ihm betretenen Pfade als richtige anerkannt wurden, und bildete so für ihn eine ehrende Anerkennung, die er nie absichtlich hervorrief. Wußte es doch in diesen Tagen kaum seine nähere Umgebung, daß er ein Jubiläum beging. Trotz­dem hatte die Wachsamkeit einiger Freunde den Tag nicht vergessen, und aus den Händen des Vorstandes des Gesang­vereinsGermania" ehrte ein Diplom seine Verdienste und seine Gesinnung.

Worms, 23. November. Ein Steinadler wurde aus dem Gute Nonnenbusch von einem dortigen Förster erlegt. Das prächtige Thier hat eine Flügelbreite von 2,25 Meter.

Wörrstadt, 25. November. Die Treibjagden aus Hasen, die gegenwärtig in vielen Gemarkungen veranstaltet werden, scheinen dieses Jahr besonders günstig ausfallen zu wollen. So sind z. B. in dem benachbarten Nieder-Saul- heim nahezu 500 Hasen geschossen worden und in Zornheim wurden von 30 Jägern 350 Hasen zur Strecke gebracht.

* Remscheid, 23. November. Pfarrer THümmel reichte beim Presbyterium sein Abschiedsgesuch ein. Er verläßt die Stadt Ende des Jahres.

* Wien, 24. November. Aul Pettau In Süd- Stey'.rmark wird ein blutiger Conflict zwischen zwei Offizieren gemeldet. Heinrich Grossauer, ein angesehener Hausbefitzer, der selbst Reserveoffizier ist, wurde in dem Hotel Osterberger mit zwei ehemaligen Kameraden, dem Hauptmann Müller und dem Oberlteutrnant Tomba, in einen heftigen Streit ver­wickelt. Die beiden Offiziere zogen die Säbel und hieben auf Groffauer ein, der schwer verwundet zusawmenbrach.

e Ein entsprungener Lowe. In begreiflicher Aufregung befinden fich fett einigen Tagen die Bewohner de! Süden! von London, denn fie fürchten alle für ihr Leben. In der verflossenen Woche eröffnete ein fahrender Löwenbändiger mit Genehmigung hoher Obrigkeit seine Vorstellungen im Berkenham-Park in der Nahe des Crystallpalastes, verschwand aber nach fünf Tagen plötzlich, ohne eine Spur znrückzulaffen. Wie fich nun herausstellte, ist der Grund für diese! Ver­schwinden der, daß es einem Löwen gelungen war, die Freiheit zu erlangen. Zwar suchte die Polizei die Thatsache zu ver­heimlichen, allein dal war nicht mehr möglich, und so wagt fich, da alle Versuche, dal Ranbthier zu entdecken, bilher erfolglos blieben, heute Niemand mehr in! Freie. Ein regel­rechte! Treiben wurde veranstaltet mit Hilfe einer Compagnie Infanterie und einer Abtheilung Artillerie, allein vergeblich. Man glaubte daher, der Löwe habe fich weit entfernt/ da brachten gestern Kinder an! Berkenham-Park die Nachricht, fie hätten fich plötzlich dem .verlorenen Wüstenkönig gegen­über befunden. All man fich dem angegebenen Platze mit aller Vorsicht näherte, war der Löwe wieder verschwunden, jetzt soll daher durch Militär eine neue Jagd veranstaltet werden.

e An königliches Amt. Die Königin Victoria hat einem Armen besondere Gunst zu Theil werden laffen. In Begleitung ihrer Enkel, der jungen Prinzen von Battenberg, verließ sie dieser Tage dal Schloß Balmoral, al! fie vor dem Gitter de! Parke! auf der Landstraße eine! Bären- treibers anfichttg wurde, der mit seinem Thirre die Aulfahrt der Königin hier abgewartet hatte. Auf Bitten der Kinder ließ die Königin den Wagen halten und sah mit Vergnügen dem Tanze bei Bären zu. Nach Beendigung der Vorstellung ließ fie dem Treiber durch einen Diener einen Sovereign Überbringen, den dieser aber zurückwies mit den Worten, er ziehe vor, ein einfaches Zeugniß zu erhalten, dal bestätige, daß fein Bär die Ehre gehabt habe, vor Ihrer Majestät zu tanzen. Die Königin, von diesem Wunsche benachrichtigt, weigerte sich darauf einzugehen. Wie sollte Ihre Majestät ohne die Gesetze der Etiquette zu emwürdigem, einem gemeinen Thtere ein Zeugniß ansstellen? Die Kinder aber, noch ent­zücke von dem gesehenen Schauspiel, drangen in fie und baten zu Gunsten Meister Petzens und seine! Lehrer!.Warum nicht?" schmollte der kleine Prinz Heinrich.In Rom wurde ja sogar ein Pferd zum Consnl ernannt!" All Regentin wäre Königin Victoria vielleicht unbeweglich geblieben in dieser Sache, dal ä propos des Enkels aber rührte dal Herz der Großmutter:Nun denn", sagte fie,nenne mir den Namen de! Kaisers, der diese Dummheit begangen hat und Dein Bär soll sein Zeugniß erhalten." Der kleine Prinz nannte ohne Zögern Caltgula. Am selben Abend wurde dem Bärentreiber durch einen Offizier ein Brief Überreicht mit dem königlichen Siegel, der ihm den Titel verlieh: Bärentreiber Ihrer Majestät der Königin von Großbritan­nien und Irland, Kaiserin von Indien." Es glebt am eng­lischen Hofe sehr viele ehrende Chargen und Titel, dieser

jedoch ist neu und wird wenigstens dal Budget nicht zu sehr belasten. Diesel jedenfalls amüsante Geschlchtchen erzählt dal PariserJournal bei Dubais".

Der Theaterstatist, so schreibt ein englisches Bühnen- fachblatt, befindet fich auf dem Aussterbeetat, b. h. der Statist der alten Zelt, ber burch seine Ungeschicklichkeit stets ein Original war und deffen Anfichten über bas Drama unb bte Bedeutung seiner eigenen Rollen ebenso erheiternd als belehreub wirkten. Der Statist vom alten Schlage faßte bas Leden von der traurigen Seite auf unb gerobe sein Ernst und seine Wichtigthuerei machten ans ihm eine lustige Person wider Willen. Seine Thätigkeit hielt er selbst für frivol. Man erzählt von einem Statisten, bem man eine Sprechrolle übertragen wollte, baß er fich die Sache erstaunt anblickre. ES waren nur wenige Worte; er gab die Rolle aber zurück, well es zu viel Arbeit für ihn fei". Jedoch fanden fich auch ehrgeizige Leute unter den Statisten. So erhielt einer von diesen den Auftrag, bei einer Straßenscene den Schwer- verletzten zu spielen. Ec machte feine Sache so gut, daß die Heldin des SlÜckes, bte eine berartlge Leistung von Statisten nicht gewohnt war, ben Mann für wirk.ich verletzt hielt und fich auf offener Bühne zu ihm niederbengte, um zu sehen, wie schwer seine Verwundung sei unb was fie für ihn thua könne. Er lag mit geschloffenen Augen da unb als er fich angefaßt fühlte, glaubte er, baß fich einer seiner Collegen einen Scherz mit ihm erlaubte. Zornig rief er:Laßt mich zufrieden. Ich spiele meine Rolle." Das Publikum johlte natürlich vor Vergnügen.

Das Glucksschweincherr. Aus Mundenheim bei Ludwigshafen wirb derFranks. Ztg." vom 22. November berichtet: Ein lustiges Stücklein trug fich hier zu: Eine Münchener Theaterschmiere, bte fich eine Zelt lang hier ans- gehalten, gab dlesr Tage ihre AbschiebSoorftrllung. Ja ben Anzeigen stand zu lesen:Am Schluß ber Vorstellung wird ein lebendes Schwein verloost/ jeder Besucher erhält ein FrellooS." Daraufhin strömte denn baS kunstfionige Publi­kum in Hellen Haufen in ben Musentempel, die Vorstellung verlief ohne Zwischenfall, unb Jeder war gesparwr darauf, wer das Borstenvieh gewinnen würbe. Nach der Größe bei hölzernen Verschlage», der fich neben bem Souffleurkasten be­fand und ohne Zweifel baS Glück«objrct beherbergte, wußte es ein ansehnliches Exemplar sein und einen saftigen Braten abgeben. Endlich wirb bte Gewinnnummer auSgerufen. Aus bei Kehle eine! behäbigen LanbmannS ertönt ein kräftige» Hurrah!" Er also wars, der dal Schweineglück hatte! Flink, Franz'l, zur Mutta ntwer un ben lange Strick g'holt, wu htnuer ber Spelchertrepp hängt/ do brau werb je äuge- banne!" Mit diesen Worten schiebt ber glückliche Gewinner seinen Buben bem AnSgang zu unb fliegt wehr all er geht nach bem Holzkasten, ben ber Herr Director jetzt öffnet. Aber, Wal ist benn bas? Der Herr Direktor entnimmt bem Stall" eine Cigarrenkiste unb barin fitzt, ohne ein einziges Mal zu grunzen, ein allerblngS lebenbet Meer­schweinchen. Den Dialog, der fich nun zwischen bem Glücks­kind unb bem Direktor abspielte, wollen wir verschweigen. Als aber uuterbeffen der Bube mit bem Strick aulangte, ben er vor Freube in ber Luft schwenkte, ba verstand der Director diese Geberbe falsch unb ergriff bte Flucht.

Die Feuerprobe der Liebe. Aus London wird ben Berl. Reust. Nachr." folgende! hübsche Geschlchtchen be­richtet: Zwei Mädchen stab bi! über bte Ohren in einen jungen Mann verliebt. Die Eine schwört, er liebe fie wehr als ihre Rivalin. Die Andere behauptet mit gleicher Energie, bas Umgekehrte sei ber Fall. Sie beschließen, ihn auf die Probe zu stellen. Jede soll ihm ein Briefchen schreiben, in dem fie ihn bittet, fie zu einer bestimmten Stuube zu be­suchen, unb ba er boch beiden Einladungen nicht gleichzeitig Folge leisten kann, so soll el als ein enbgiltiger Beweis gelten, baß berjentgen sein Herz gehört, zu ber er kommt. Nach biesem Entschluß fühlten fie fich beide wesentlich er­leichtert. Unb gerabe als sie btese Unterredung ouf ihrem Spaziergang beendet haben, begegnet ihnen der Gegenstand ihres Zwistes unb ihrer Neigung.Er" hatte es sehr eilig unb Alles, was er ihnen in ben kurzen Augenblicken za sagen wußte, war, baß er irgendwo seinen Regenschirm habe stehen lassen. Als die Schöne Nr. 1 fich in ihrem Boudoir sicher geborgen fühlte, faßte sie den festen Ent­schluß, ben Steg davon zu tragen, wenn fie zu biesem Zwecke auch ber Wahrheit etwas Zwang anthnn sollte. Sie schrieb:

L i e b st e r K a r l! Ich bin sehr krank. Vielleicht muß ich sterbe«. Kommen Sie doch sicher heute Abend."

Die Stunden veraunen unb so merkwürdig es angesichts solchen Brieses erscheint, Karl besuchte bte Andere. Die Erklärung hierfür ist in dem Villet Nr. 2 enthalten, das er empfing unb bas folgenbermaßen lautete:

Liebster Karl! Kommen Sie boch heute Abend za mir. Sie haben Ihren Schirm bei uns stehe« lassen."

* Zuge, dievon Fall zu Fall" verkehren. diese Specialität. die in der ganzen Welt einzig dastehen dürfte, besitzt eine Linie der k. k. österreichischen Staatsbahnen. Das neue Heft des Conducteurs enthält eineFahrordnung" der 20 Kilometer langen Bukowlnaer Localbahn von Warna nach Russisch Moldawitza; dieser Fahrordnung ist die An­merkung beigedruckt:Die Züge verkehren von Fall zu Fall; über den jeweiligen Verkehr wird in den Stationen Warna, Watra und Russisch-Moldawitza Auskunft ertheilt". Die ganze Welt steht im Zeichen des Bei kehrs, nur für die Bukowina scheint das noch nicht zuzutreffen.

* Journalisten auf Ferien. Feuilletonist (an einem Relfebrtef arbeitend): ... der Blick in dies herrliche Wald­idyll erinnert mich unwillkürlich an das finnige Dichterwort.. (nach einer Kunstpause)College, wissen S.e denn keius, was hierher paßt?"

Rad nebst Zubehör. A.:Wie hoch kommt Sie das velociped?" B.:Ich kann'! nicht genau sagen: Mei« Arzt hat noch nicht seine Rechnung geschickt."