1808
Sonntag dm 27. November
Mchmer Anzeiger
General-Anzeiger
Amts, und Anzeigeblatt für den Urei» Gieren.
Möbelfabrik
Bitiilhi, eprtttUn eml
Umtlid?cr Lheil
ießen und Umgebung.
4
xrrtrtüNM
*Ie lnirigen»8mntrtlun|<trleD M 3e» u> UMM
■egera Inytfro Hr bra Gtetzrnn »MMW«
ueR4
•4t luln^mt M Rat.iofft.
lr jtigtn je drr NechmtttTD« fir dre fröret« U| «i^chusWu M Bem. 10 Uhr.
®U BwOrnrr
•rrW* de» Injrtgrr »dcheurUch •icrmal kngdeft.
sauf r
Rückblick auf die kaiferreise.
Da» Satserpaar hat wieder deo deutschen Boden betreten und ist tu dem Augenblick, wo wir diele» schreiben, auf der Heimfahrt begriffen nach seiner ständigen Residenz. Es ist d'Shalb wohl angebracht, nach glücklicher Vollendung der Palästiuafahrt, einen Rückblick zu werfen auf die etuzrlneu Phasen der Reise. DoS P oj-ct dazu liegt bereit» längere Zeit zurück- die Nachrichten, welche über eine vom Kaiser geplante Paläüiuareise io die Orffeutlichkett gelangten, wurden ungläubig ausgenommen und vielfach demeotirt, da mau fich der Schmierigkeiten, die der Ausführung eutgegeustaudeu, wohl bewußt war. Aber de» Kaiser» heißer Wunsch, die Stätten krauen zu lernen, von da der christliche Glaube leinen AuSgang genommen hatte tn alle Welt, überwog die Bedenken. Welche Bedeutung an Allerhöchster Stelle dem seterltchen Acte der ö uweihuug der Erlöserkirche beigemeffen wurde, erhellt au» den zahlreichen Einladungen, welche dazu an alle kirchlichen Oberen der evangelischen Kirche de» Erden, ball» ergangen waren. Nicht eine deutsche evangelische Kirche sollte fich an der heiligen Stätte erheben, nein, die
rasse 8 >et 1868 am hi Nöbelu, K Vetteo,
ganze evangelische Ehrtstenheü der W-lr sollte Thetl dar« haben, sollte B-fitzerin derselben werden.
Noch frisch tu Erioueruug tst drr Zwischenfall mit bm Caticon betreff» der örtonung de» fran^Sfischen PairoeatO über dte Lhrtsten tm Orient. Der Zwiespalt tst beseitigt worden, und die deutschen Kat'oliken können ebenfall» dankerfüllt de» Cerwetleo» unser«» Kaiser» in Jrrulalem gedenke«, da ja auch für ihre spectellen Zwecke werthvolle Erwerbung« gemacht worden find.
Wenn wir dte große Kaiferreise Überblicken, so fall« uu» befouder» dret Punkte in'» Auge: der Ausen'balt te Venedig und da» Zulammentreffen dr» Kaiser» dalelbst mit dem König Humbert- ferner der Befuch in »onstauttuopel und dritte» S da» Berwetlen tm heiligen Lande selbst. Dte Freundschast zwischen dem Kaiser und dem italienischen Monarchen tst zu bekannt, al» daß wtr dabet länger zu verweil« brauchten. Jedensall» hat dieselbe aber eine wettere Be« kräftigung erfahren und den Bewei» erbracht, daß alle politischen Machinationen deo König nicht von seiner Bunve»tt«r adzubringen tm Stande fiid.
Größere Aafmerkiamkeit hat der Auseuthalt de» Kaifers tn Konstantinopel erregt. Jeder Kundige weiß, daß zwtsch« dem Sultan und dem Kaiser von j her große Sywpa.h'e« bestehen, dte bereit» mehrfach öffentlichen Ausdruck gefunde« haben. Da» Wort de» Ka'ser» gilt viel am Goldenen Horn, und so war e» denn gar nicht verwunderlich, daß der Monarch dalelbst einen Empfang fand, wie er kaum j'wal» eine« Sterblichen zu Ldetl geworden tst. Au» allen Kundgebung« geht hervor, daß sowohl der Sultan wie auch der Kaiser Voder hohen Wichtigkeit der Eo»revue voll überzeugt war«. Wir haben schon früher bei Besprechung diese» Lhetle» der Kaiferreise darauf htugewteseu, daß unser Handel und Gewerbe früher oder «päter dte Segnungen, welche der Aufenthalt de» Kaiser» im Orient mir fich bringt, an fich erfahren werd«. Von allen etwaigen politischen Folgen sehen wir ganz ab.
Und da» Verweilen de» Kaiser» tn Palästina? Wer vermag zu leugnen, daß der christliche Glaube aller Eonselfion« eine gewaltige Stärkung dadurch erfahren hat. Für lange Zeit werden die Muselmänner biffen eingedenk sein, daß ei- mächtiger Monarch, der Freund ihre» Sultan», der Beschützer der Lhrtstru ist, und Vielen w rd dte Ehrfurcht, welche Kaiser Wilhelm den Stätreu widmete, wo Ehristu» wandelte, heilige Scheu verursachen, fich an den Ehrtsten und ihre« Eigeothum zu vergreisen. xx
chinen.
10229
, Mechaniker,
seg 46.
■it OuiiiMb
w »HM « ■UHOOW
baren intimen Lichtstudirn, za treffen gewußt: die große Schweigsamkeit de» Norden».
Ja der Oper haben die Frankfurter ein neue», flotte» Zugstück erworben iw „Opern ball", deffen Libretto Hugo v. Waldberg und Victor Leon nach dem bekannten Boulevard- stück „®|t Rosa Domnos" gearbeitet, und zu welchem Richard Heuberger die kecke, flotte Opereitenmofik geschrieben hat, dte e» aber mit einer ächten alten »Off«« bachtade" noch Immer nicht ausnehmen kann.
Nicht»desto«eniger wird da» Elaborat noch oft sei« Sonntags pablikaut finden.
Schwer dürfte ein dauernde» Auditorium fich für bei Schauspiel finben, mit welchem kürzlich bte Frankfurter Schau« spiel Leitung einen Griff in ba» n achklasfische Repertoire gewagt h»t, für Grillparzer» „Jüdin von Toledo". Wir halten gerade diese» Werk für eine» der psyhologisch intereffautesten, nicht nur in der Reihe der Grtllparzer'sch« Bühnenschöpfungen, sondern In der gesammten Gattung der Nach-Weimarantschen Epoche. Al» wtr die Tragödie zuerst tn Wien anläßlich der Intereflenten Theater« und Musik« Ausstellung 1892 sahen, empfingen wtr diesen Emtrack, dw dte Folgezeit nur bestärken tonnte. Grillparzer hat tu diesem Drama seiner Frauengalerie einen neuen Tyon» de« gefügt, der ein gewisse» Bindeglied zur modernen Lourtisaur stellt. Man wird dem ganzen Aufbau der Fabel nur halb gerecht, wenn man die ,3flbin von Toledo" al» Historien- stück werthet. Diese geschtchrlicheu Anhaltspunkte find dabei ganz Nebensache, der weibliche Hauptcharacter Ist bei Motor der ganzen Handlung.
Da» Frankfurter Schauspiel hat gegenwärtig eine Kraft, welche ganz besonder» geeignet scheint, derartige verschlungene SeeleuzustSode zu bewältigen. Wtr kommen darauf bei nächster Gelegenheit zurück.
Rr. 279 Drittes Blatt.
Feuilleton.
/rankfnrttr Dries.
(Ortgtnolbericht für den .Gießener Anzeiger*.) (Nachdruck verboten.)
«ectrifche Verkehrswege. — 3® bchuetdet'sch« Kaustfalo». rheater: „Der Operelaü " „Die Iudia voa Toledo."
Dr. M Frankfurt kann hinter Berlin, Hannover, Waffel und Wiesbaden kaum zurückbletben, es muß und wird „electrisch" werden. Da» tst da» Neueste, was e» von der alten Mainstadt zu berichten gibt. Der Utbergang vom alten bli zum neuen Crrkehrsmittel tst freilich unbequem und widerwärtig, wie jeder Uebergong. Da» anfger ffene Pflaster OTb die holperigen Fahrten in der Nähe de« Opernplatze» geben Zengniß davon. Vielleicht widmet auch Mancher einen Seufzer de» Bedauern» dem aus den Aussterbeetat gesetzten Berkehrsinstitut: „Unsere gute alte Pferdebahn, wir haben «a» doch nie über fie beklagt l" Ja, da» ist nun einmal der Lauf der Zelt! Die schwerfällige Postkutsche wich dem leichtgebauten Fiaker, dieser der rasch dahingleitenden Pserde« bahn und diese muß wieder dem noch leichteren und eleganteren Betrieb der electrischen Sagen den Platz abtreten. Und wer fich etwa gegen den Zug der Zeit ooflehnen möchte, dem kann e» gehen wie dem Dichter Wilhelm Jordan, der, al» ihn auf seine« Spaziergänge die Neuanlage eines Banal» zum Au»biegen veranlaßte, ärgerlich au»ries: „Der alte Canal war doch noch gut genug!" die treffende Antwort erhielt: „Die alten Nibelung« auch!"
Ob die Anekdote fich wirklich so zugetragen, möchten wir bezweifeln, aber gut erfunden tst fie jedensall».
Die Einsührung de» electrischen Betriebe» sür den Straßenverkehr wird fich sowohl de» oberirdisch« wie unter- irdischen Lettnug-oerfahr«» bedienen.
Gratisbeilage: Gießener F-mUirnbwer. | -*'* XZifiOr
Sine versuch»ftrecke ist di» jetzt voa einer groß« Fabrik bi» zum Hauprbahnhof eingerichtet, doch diese arbeitet mit Accumulatoren, die fich bekanntermaßen für den Verkehr tn cnpen Straßen wenig eignen.
Im Schneiber'scheu Kunstsalon herrscht äugen« blicklich, natürlich ein ganz zufällige» Resultat, eine wunderbare Harmonie der Töne, Stimmuogen und Techniken. Die gegenwärtige Su»stelluag erheischt nicht, daß wir an» sofort auf den Standpunkt von „Richtungen", „Schulen" x. begeben. Wir könne« un» einfach mit Schönheit volltrinken und au» dem glücklichen Gefühl eines Menschen heran», der allem Streit de» Tages, oller Unrast der Parteien entflohen tst, von der Seele einer Landschaft, dem Ehnracter eine» Genre», der Schönheit ;elne» Menschenkopfe» reden, ohne un» über Programme zu erhitzen. Und dte Maler, die zu so friedlich ästhetischer Betrachtung verlocken, stad: Lut t erst h, Wucherer, Thoma, ». Hellberger, S. v. Hoven, Trübaer rc. ,
Was ist da» wieder für eine einzig schöne Farben« und Lichtstimwnng, die Lutterot h seinem Mot'v au» Venedig abgewoaoeu Hel. Die „Seele" eine» solchen Bilde» empfindet man doch erst recht, wenn man e» in Parallele stelle mit den sehr correct«, ober doch immerhin nüchternen Versuchen der Schule Canoletto», die fich wohl in tadelloser Sicherheit der Umriffe der Linien und architeceonisch« Formen bewegte, aber für den Zander de» Lichte» in der Farbe noch kein Ge- fühl hatte.
Dieser „Zander de» Lichte» in der Farbe" gibt auch bra Bilde« S. Hellberger», der btrect au» der Karlsruher Schule kommt, seinen ganz aparten Reiz. Bei seiner „Somme«acht tu Norwegen" fühlt man fich unwill« kürlich an da» Heine'sche Lied: „ötr saßen am einsam« Fischerbaus, wir saßen stumm und alleine . ." gemahnt.
Cin» hat Hellberger, ganz abgesehen von seinen wunder-
'fleh,ralJ1?1’ «Ul
W.> Qiesaen.
Bekanntmachung,
Me Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig - freiwillig« Dienst auf Grund von Schulzeugniffen betreffend.
Diejmigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen- ben, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschrift« mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Wettere» zurückgegeben werden.
1) Da» Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfung»- Commission nur dann einzureichen, wenn der fich Meldende im G roßherzogthum gestellung»- pflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthalttort hat.
2) Die Berechtigung zum einjährig-fteiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätesten» bi» zum 1. Februar de» Jahre» nachgesucht werden, tn welchem da» 20. Lebensjahr vollendet wird.
Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrecht- spätesten» bl» zum 1. April desselben Jahre» zu erbringen- (Wenn z B. mtt Rückstcht auf da» Leben»- atter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinaus- geschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugniß aber erst am Schluffe de» Schuljahre» ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß da» Schulzeugniß bi» 1. Sprit nachfolgen werde.
3) Da» Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwend«. Auch ist die nähere Adresse anzugeben.
4) Dem Gesuche find folgende Papiere beizufüg«:
•) Geburtszeugniß;
t>) Einwilligung» - Attest des Vaters oder Vormundes mtt der Erklärung über Bereitwilligkeit, b« Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzett zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Uitterhatt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen;
•) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real-
sich durch Anwendung von Md Einnesteln vollständig rill
iterfuM*1«
Marktplatz^___
'-uit und 3 ’ uorrWH’
nd kalber Ganz/Hnkerba"
gymnafim, Ober-Realschul«, Progymnafi«. Realschulen, Realprogymnafi«, höher« Bürgerschulen und sonstig« militärberechtigten Anstatt«) durch b« Director der Anstatt, für alle übrig« jungen ßeute durch die Polizei-Obrigkeit ober ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustell« ist;
d) da» Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu poi. b: daß tn dem Etnwilligung»-Atteft die Unterschrift des Vaters oder Vormunde» beglaubigt sein muß.
Zu pes. d: daß die Schulzeugnisse, mtt Ausnahme der Reifezeugniffe für die Univerfität und die derselb« gleichgestellten Hochschul« und Reifezeugniffe für die Prima der Gymnast«, Realgpmnafi« und Ober-Realschul«, sämmllich nach Muster 18 zur Wehr - Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 27 von 1894 — ausgestellt sein müssen.
Im Uebrig« wird auf die Bestimmungen der SS 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.
Großh. Prüfung» - Eommisfion für Einjährig-Freiwillige zu Darmstadt.
Der Vorfitzende:
Best.
tvorlageo n. s. w. yx len. 11328 oooooooc laschine 8 : weltbekannten X
10411 LU
an


