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Gießener Anzeiger
General -Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Areir Gieren.
ffiratisbrilngt: ©irhenrr JFamilicnblätttr
Hrtirti—, »pfbitien und Druckerei.
Amtlicher TheiU
1
find.
Am 8. November 1898.
1. Appell Vormittags 9 Uhr:
Sämmtliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlaßenen Mannschaften aller Waffen, sowie sämmtliche Reservisten der Karde, Jäger, Cavallerie, Feld- und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffer. truppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonal, Büchsenrnacher-Gehilfen, Oeconornie-Hand- werter, Marine-Mannschaften und alle übrigen im Reserve- Verhältniß stehenden Mannschaften.
2. Appell Nachmittags 2 Uhr:
und der Ersatz-Behörden Entlassenen aller Waffen.
3) Diejenigen, der Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl jum Erscheinen bei der Herbstcontrolversammlung zu-
und Sommermühle, Keffelbach mit der Rabenau scheu Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Oueckborn, Reinhards- Hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainerhof, Winnerod.
Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor de« Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzu- reichen und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die virgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Nothsalle genehmigt.
Abrefs« für Depeschen: Zezetger Otstzs^ Fernsprecher Nr. 5L
gegangen ist.
Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbstcontrolversammlung nicht zu erscheinen.
Nachstehend ist angegeben, wo und |u welcher Zeit die Eontrolpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu Gießen
in Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burk- hardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchel- heim, Klein-Linden, Oppenrod und zwar:
am 7. November 1898.
1. Appell Vormittags 9 Uhr:
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve sowie sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1891, 1892 und 1893 eingetreten find.
2. Appell Nachmittags 2 Uhr:
Sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1894, 1895, 1896, 1897 und 1898 eingetreten
D. Zu Hungen am 11. November 1898, Vormittags 9 Uhr 30 Minuten, an der Post für die Bewohner von: Bellersheim, Betten- hausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthge», Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
E. Zu Lich
am 11. November 1898, Nachmittags 3 Uhr in der Amtsgerichtsstraße für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Rieder. Bessingen, Ober - Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
2) «efenifte«. Jowie bi« i.ut | gen, Söbdntob,
' Hütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle
Bekanntmachung.
vrtreff: Obstbau Versammlungen.
Der Obfibautechniker des Oberhessischen ObstbauoereinS, ntrr Metz, beabsichtigt, die nachfolgend verzeichneten Otte )t4 Kreises Gießen zu besuchen um daselbst Vorträge über Listbau zu halten und practische Unterweisungen an Obst- Lumen zu ertheilen.
Donnerstag, 27. October in Obbornhofen, Vortrag, Abends 8»/, Uhr.
Freitag, 28. October in Bellersheim, Vortrag, Abends 8‘/, Uhr.
Samstag, 29. October in Langsdorf, Vortrag, Abends 8>/, Uhr.
Sonntag, 30. October in Hungen, Vortrag, Rach- mittags 3 Uhr.
Nach der Versammlung in Hungen findet eine Gratis- Strloofung von Obstbäumen statt, an welcher Mitglieder gegen Vorzeigung der Mitgliedskarten aus folgenden Orten ihrilnehmen können: Hungen, Bellersheim, Inheiden, Langd, Hmnenroth. Obbornhofen, Rabertshausen, Rodheim o. b. Horloff, Äeinheim, Utphe, Trais-Horloff, Villingen. Neu hinzu- irrtenbe Mitglieder können an der Verloofung thetlnehrnen.
Die practischen Unterweisungen finden in der Regel am nächstfolgenden Tage von Vormittags 9 Uhr ab statt. Zu reger Theilnahme werden Mitglieder und sonstige Freunde bet Obstbaues eingeladen.
Gießen, den 24. October 1898.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.
Frbr. Schenk.__
Gießen, am 24. October 1898.
Setr.: Herbst-Controlverfammlungen.
Da« Hrotzherzogliche Kreisamt Gießen e* W Xi »wtUi.
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Steife zur öffentlichen Kenntniß bringen.
v. B e w r o l d.
Bekauntmachims.
Bei den diesjährigen Herbst - Conttolverfammlungen an Kreise Gießen haben zu eycheinen alle zum Hauptmelde- »t Gießen gehangen:
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve (Anzug: Helm, Waffenrock, Achselstücke, Feldbmde, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot).
für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Haufen.
B. Zu Lollar
am 9. November 1898, Bormittags 8 Uhr 45 Minuten, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen - Buseck, Lollar, Mainzlar Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufen- berg mit Friedeihausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
C. Zu Grünberg
am 10. November 1898,
Lormittags 9 Uhr 15 Minuten
am westlichen Ausgange aus der Straße nach Gießen für die Bewohner von: Mettshausen, Beltershain, Geils-
Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schinne, Pfeifm und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müssen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter btet Militärgesetz.
Gießen, den 19. October 1898.
Großherzogliches Bezirks-Commando.
Detring,
Oberftlieutenant und Cornmandeur des
Landwehrbezirks Gießen.
FenMeton.
Bur Kinweihungsfeier nach Jerusalem, vn.
Kaisertage in Konstantinopel.
Besuch der anatollscheu vahu.
20. October 1898.
Am vergangenem Mittwoch war der Kaiser mit kleine» Lrsolge um die Stadtmauern von Stamdul geritten, hatte m Nachmittag den Thee bei« deutschen Botschafter tu Therapla eingenommen und war erst nach 11 Uhr Nacht» -an der Fahrt auf de« Bosporus, der märchenhaft beleuchtet ■xr, zurückgekehrt. vor Beginn der Fahrt hatte Seine Oajestät die bei der Hohen Pforte beglaubigten vottchafter empfangen, wobei eß auffiel, daß weder der f’aiW,d}j ®ot' haft er Mr. Ca«bon, noch der päpstliche Nuntius Monfignorr Canetti erschienen waren, diese vielmehr erst nach Abfahrt Seiner Majestät ihre Karten in der Botschaft abgabtn. zgiich ist der Besuch bei Katserpaarei sowohl an heueren » e ernsten Keinen Zwischenfällen. Bei de« Empfang bei Rdferpaaxel in der deutschen Schule ereignete ei stch zum tzcispiel, daß der allen Berlinern wohlbekannte Oberhof- Md Haußmarschall bei Katseri, Graf Eulenburg, mit bitfe« cmwechielt würbe unb von der Kinderschaar nach vier« rtünbtgem Warten mit lang verhaltene« SnthufiaSmuS nnb ben Liebe .Hell Dir im Siegerkranz" begrüßt wurde, bis ocr Jrnhum aufgeklärt werden konnte. Auch bei der Sin-
fahre bei Kaisers Ist ein komischer UnglöckSsall zweier Mitglieder der ,teutonia* nachzuteagev. Die Herren O. unb Dr. L. hatten die Abfahrt bei Dampferi .Regele Sarel* versäumt, kurz entschlossen jedoch stch eine Barke gemiether und versuchten auf diese Art nnb öcife Io nahe ali möglich an die „Hohenzollern* heranzukomweo. Auf ber Fahrt nach Dolma - Bagbsche begriffen, würben sie jedoch von einer türkifchen Polizei-Mosch (kleine Hafen Pinaffen) fo heftig an- gefahren, baß die Barke tni Schwär.km gerlerh unb infolge bei starken SÜbwinbei kenterte. Die Jnsaffen hatten noch fo viel Geistesgegenwart, um sich an die über die Wanten der Musch häageaben Stricke zu klammern, bis sie von den Beamten an Bord gezogen wurden. KlelauswärtS sah man die Barke noch lange Zeit auf den Wellen treiben, wo fie eine Gefahr für die vielen leichten EaikS (Ruderboote) bildete, bii fie schließlich von einer anderen tni Schlepptau genommen und ani Land gezogen wurden. Die komische Seite sollte aber jetzt folgen. Die geretteten Barkeniusaffen freuten sich nach überstandenem Schrecken schon, baß fie nunmehr auf eise ganz feine Art doch All ei out allernächster Nähe würben mttansehen können, da ja bte Pollzei-Musch in der vordersten Reihe der Schiffe bleiben maßte, um Orbnung zu halten. Im Begriff, ihre Stelle etnzvnehmen, geht plötz- lich ber Musch der Dampf aul; fie hatte keine Kohlen au Borb und bildete nun stundenlang ein Spiel der Wellen, bis sich einige Batken erbarmten und die Musch an den Quai heranzogen.
Am Mittwoch Nachmittag hatte ich Gelegenheit, eine persönliche Audienz bei dem Gouverneur von Pera, Enver
Pascha, zu erhalten und ihm tiu von dem türkischen Botschafter, General Achmed, Trwfik Pascha, mir mitgegebenei Empfehlungsschreiben zu Überreichen. In Galata Serail angekommen, wurde ich von einem dienstthuenden Offizier zum Secretär des Pascha geführt, einem reiztnden jungen Manne, der vorzüglich fravzöfisch spricht und eine ganz europäische Bildung in den verschiedensten Hauptstädten bei Eon- timntS genossen hat. Nach LondeSfitte wurden mir sofort Eigarretten angeboten, benen bann Kaffee ä la turc folgte; auch würben mir viele Schmeicheleien über unser Kaiserpaar gesagt. Darauf würbe ich eine Eloge höher zur Anbienz beim Pascha selbst geführt. Enver Pascha, ein intelligent auSsehender Herr in den 50er Jahren mit schönem langem, schwarzem Bart, saß auf türkische A»t mit untergekreuzten Beinen aus einem Divan In einer Ecke bei großen Saalei
in ber zweiten Etage von Galata Serail, umgeben von einem General unb mehreren Paschas, deren Namen ich jedoch nicht behalten konnte. Nachdem ich eingetreten «ar und Mehmed Alt Bey, der Secretär des Paschas, der bei dieser Einführung seine rechte Hand aufi Herz hielt, mich vorgestellt hatte, erhob sich Heber Pascha und führte mich in fein besonderes Empfangszimmer, wo ich eine per Dolmetsch geführte Unterhaltung von einer halben Stunde hatte; auch hier mußte ich den üblichen Kaffee trinken und (ätgarretten rauchen. Den Inhalt unseres Gespräches spare ich für später auf, jedenfalls aber stellte mir nach orientalischer Art ber Pascha feine ganze Macht zur Verfügung, um davoni b en nnbe- schranktesten Gebrauch machen zu können, falls «eine Wünsche ober Interessen dies uöthig erscheinen ließen. Bei«


