Ausgabe 
27.10.1898 Erstes Blatt
 
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Repertoire». Sie bevorzugt seit einiger Zelt in auffallender ^öeise Hosenrollen. Offenbar sagen diese flotten Jungen »hrrm Naturell am «eisten zu, Ihren größten Erfolg errang tffe Künstlerin wohl mit dem Vittorino inReuatffauce", den fte wirklich «tt sprühende« Urberrnuth spielte. Daneben scheint fie eine besondere Vorliebe für die Ernancipirten zu i.abtn: den weiblichen Dr. Lisbeth in Max DreyersIu Sehaodluog" hat fie wohl 60 Mal dargestellt. Augenblicklich '-eiert fie in eine« grünlichen franzöfischen Schmarrn als lhansonettendivaZaza" Triumphe.

Fran PraschS Knast find nicht allzu weite Grenzen ze steckt. Sie ist i« Lustspiel «ehr zu Hans und verweudungS« kühiger als in der Tragödie- aber fie beherrscht ihre Domäne »oll und ganz. Ihre säwmtlichrn Rollen find eigentlich Ber- wandte von Lessings Franziska. Doch hat man ^«Madame -ans gßne sehr geschätzt, und ihreNora" durste sich selbst rn Berlin neben Agnes Sorma sehen lasten, wiewohl fie dhrem Temperament entsprechend dem ersten Act mit seinen Heiteren Kinderscenen eher gerecht wurde als der Tragik des Schluffes. Die Künstlerin verfügt über ein weiches, wohl« dingendes Organ, besten Reize man fich gerne gefangen giebt, sisdald man sich an eine kleine Unregelmäßigkeit tn der Äthern- sechoik gewöhnt hat. In ihrem Sondrrfach der Naiven »raucht fie heute keine Rivalin zu fürchten. Sie ist schon Leute eine der populärsten Berliner Schauspielerinnen, deren »esellschastliche Liebenswürdigkeit nicht genug gerühmt werden Sinn. Sie hat es wirklich verstanden, fich in unglaublich Lärzer Zeit die Sympathien der nicht leicht begeisterten Ber- Etat* in erringen.________________________________________________

Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen.

43. Woche. Vom 16. October dtS 22. October 1898. Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsztster: 19,41, nach Abzug der Ortsfremden 12,95V«

Kinder

Inm. Die in Klammern gesetzten Zistern geben an, wie viele ba Todesfälle tn der betreff enden Krankheit aus von autzwürtt nach Bietzen «»brachte Kranke kommen.

@1 starben an: Zusammen:

Erwachsen«

: im

1. Leben-jahr : 2.-

vom

-15. Jahr.

Limgmschwindsucht

1

1

LLnäenentzündung Vasern

1

1

1

1

Diarrhöe

2

1

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Eirzletdkn

2 (2)

2 (2)

Lcrunglückung

1 (1)

1 (1)

Sodschlag

1

1

Summa.

9 (3)

5 (3)

1

3

kirchliche Anreigen der Stadt Giehen.

Im vonfirmaudeusaal, Reustadt 61:

Donnerstag den 27. October, AbendS 8 Uhr: Bibelstunde. I Lor. 12, von den qeiftlicbcn Gaben. Pfarrer Schlosser.

Neueste Nachrichten.

Depeschen des BureauHerold".

Wien. 26. Oetober Die pefommtc Prrste bespricht den Sturz des Eabinets Brisson und spricht die Meinung auf, daß Frankreich vor einer bedenklichen inneren und Laßeren Krisis stehe, welche dir Ruhe Europas grsährden könne. Dem Präsidenten Faure stehe jetzt kein anderes Mtfel mehr offen, als durch eine Kamme,'Auflösung dem Lande (Jelegenheit zu geben, zu, Klärung de, Sache beizurragen.

Paris, 26. Oetober. Ja der Deputlrtenkammer wurde

u« 8 Uhr Abends zu, Abstimmung geschritten. Zuerst hatte die Regierung eine große Majorität. Der Antrag Rldot, welcher der Lioilgewalt die Suprematie ausspricht, wurde «it allen gegen wenige Sr wweu angenommen. Die Gegner des Eabinets vereinigten alle ihre Anstrengungen auf die Durchdringung deS Zusatzes de Mahys, welche, die Re« gierung auffordert, den Beleidigungen gegen di: Armee ein Ende zu machen. Dieser Zusatz wird «It 296 gegen 243 Stimmen angenommen. Der Radieale Bertrau sucht die Regierung noch einmal zu retten, indem er beantragt, Angesichts zweier widersprechender Boten das Vertrauen aus- zudrücken, daß die Regierung die Lampazne gegen die Armee zu beenden wlsten werde. Der Antrag wird mit 286 gegen 254 Stimmen abgelehnt, woraus die Minister den Saal verlaffen. Damit ist die Regierung gestürzt. Die Segne, des Eabinets jubeln, fie rufen: Hoch die Armee, nieder die BerrLther. De Brudrh d'Sscon beantragt, alle Minister, mit Ausnahme des Generals Ehanotne, dieses braven, loyalen Soldaten, in Avk.agezustand zu versetzen. Unter Tumult schließt dir Präsident gegen 81/, Uhr die Sitzung. Die nächste Sitzung findet am 4. November statt.

Paris, 26. October. Gegen 9 Uhr begaben sich die Minister nach dem Elyfee und reichten ihre Demission ein. Lockroy wurde interimistisch mit dem Krieg»-Reffort betraut. In der Umgebung de» Concordienplatze» sanden während der ganzen gestrigen Sitzung der Kammer Mani­festationen und Schlägereien statt. Man verbrannte die Dreyfus-freundltchen Blätter. Zur Verstärkung de» Sicher­heitsdienste» waren acht Schwadronen Cürafstere und Dragoner ausgerückt. E» wurden etwa 200 Personen verhaftet. Nach 10 Uhr wurden die Boulevard» und anderen öffentlichen Gebäude mit Polizei und Militär besetzt. Mit dem Rufe: Hoch die Armee" durchzogen mehrere Trupp» die Straßen. Allenthalben herrscht die größte Aufregung.

Paris, 26. Oktober. EhanoineS Berrath gilt als ein Product des militärischen Staatsstreichs. Sein effect- voller Abgang wurde zwischen Zurlinden und Boisdeffre ab­gekartet. In der republikanischen Preffe gilt die Armee bereits al- unzuverlässig. De, Generalstab scheint zu« äußersten entschloffen zu sein, um die Dreysus-Revtfion zu verhindern. Niemand weis, was der morgige Tag bringt. Allgemein herrscht die größte Aufregung. Der gestrige Börsenschluß verlief in vollste, Panik. Bor de, Redaction derLibre Parole" brannten Holzfeuer. Unter Fahnen« schwenken wurden Reden an die Menge gehalten. Die Sozialisten riefen zur Berthridigung der Republik gegen die Militaristen aus. Die Situation ist aufs höchste gespannt.

Paris, 26. October. Die Nachricht über den Sturz des Eabinets Brisson hat auf den Boulevards un­beschreibliche Aufregung hervorgerusen. Ueberall bilden fich zahlreiche Gruppen, welche lebhaft die Folgen der Mtnister- krifis commentiren. In den Borstädten B.'lleville und Mont­martre durchziehen Arbeitertruppe die Straßen. Die Rufe: ES lebe die Republik, nieder mit den Elericalenl" und: Es lebe die Armee, eS lebe Brlffon!" erschallen Überall. Bor den Fenstern derAurore^, derPetit Republik", deS Jutranfigeant" und derLibre Parole" wird bald für, bald gegen die Revifiou und Briffon demonstrirt. Die Polizei muß fortwährend eiuschreiteu. Zahlreiche Schlägereien finden statt. Zahlreiche Verhaftungen wurden bis gegen Mitternacht vorgenommen. Die Lage ist sehr ernst. Man glaubt, daß

die Truppen einschreiten «üffen, da die Polizei nicht genügt, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Paris, 26. October. Die Polizei hat zahlreiche Mauer« anschläge, in welchen die Bevölkerung aufgefordert wird, zu manifestiren, beschlagnahmt. Die Rationalisten und Antisemiten veriheilen an allen Straßenecken chauvini­stische Zeitungen, Broschüren und Bilder. Die Generale Zarlinden, Boisdeffre und Mercier laffen patriotische Liede, austheilen.

Paris, 26. Oetober. Bei der gestrigen Kundgebung vor dem Kammergebäude wurden zahlreiche Schaufenster eingefchlagen.

Paris, 26. Oetober. In politischen Kreisen wird ver- ficherr, daß Präfident Faure, nachdem er heute früh die Präsidenten der Kammer und des Senat» zu Rathe gezogen haben wird, Vriffon mit der Neubildung de» Sabinet» be­trauen werde, da im Großen genommen, die Tage»orduuug Briffou» gestern angenommen worden sei.

Paris, 26. October. Heute wird im Amtsblatt die Er- nennung Lockroy» zum vorläusizen Verwalter des Kriegs« Ministeriums erfolgen, worauf unmittelbar die Demission des Vesammt Eabinets Briffon angenommen wird. Die Sozia« listen haben ein Manifest erlaffen, in welchem fie für die veriheidigung der Republik die Bereinigung aller fozlalisttfchen Kräfte aufrufen.

Paris, 26 Oetober. Die geographische und Eoloaial- Gesellschaft haben beschloffeu, dem Eapitän Barantier, der ein Mitglied der Marchand-Expedition ist, bei feiner Ankunft tu Marseille einen großartigen Emvfanz zu bereiten.

Paris, 26. Oetober. Die gestrige Sitzung der spanisch- amerikanischen Frieden»-Conferenz nahm einen sehr stürmischen Verlauf. Die spanischen Delegirten wollten, daß die cubanische Schuld auf alle Fälle nicht von Spanien ge­tragen werde. 3)ie amerikanischen Delegirten wollten aber hiervon nicht» wiffen und haben von den spanischen Collegen für heute eine endgültige Antwort gefordert. Wenn dieselbe heute nicht erfolgt, dann werden die Unterhandlungen ab­gebrochen und die Feindseligkeiten von Neuem beginnen.

Marseille, 26. October. Hrute Nacht um 4 Uhr ist de, Eapitän Baratte, in Begleitung von Sir Kttchenrr an Bord des Senegal hie, eiugetroffen.

London, 26. October. Daily Mail fragt, au» welchem Grunde Frankreich auf Fasch 0 da bestehe und einen Aus- weg aus dem Nilthale verlangt habe. An dem Fluffe Ubaughi sei überhaupt kein Handel, da» habe Frankreich selbst zugestanden.

London, 26. Oktober. Trotz aller Alarmnachrichten der Blätter wird in Regierungskreisen verfichert, daß die Faschodasrnge zu keinem ernstlichen Eovfliet mit Frank­reich sühren wird. Die bevorstehende Besprechung Tourcels mit Lord Salisbury dürfte, wie im Auswärtigen Amte ve,« fichert wird, ganz bestimmt zu einer Berstäadigung sübren.

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