— Prinz Heinrich von Preußen. Zu der verschiedentlich erörterte» Frage der Heimkehr de» Prtazru Heinrich au» Ostafieo wird deo „Berl. N. R." von wohl» unterrichteter Veite witgetheilt, daß tu Jahr uud Tag vou einer Rückkehr de» Prinzen nach Deutschland keine Rede seto wird, da e» io seinen persönlichen Wünschen liegt, noch längere Zeit i« verbände de» Kreuzergeschwader» Dienst zu thuu.
— Die »große Lanalvorlage" wird, wie dem »Haun. Lourter" geschrieben wird, voraussichtlich vmsaffev:
1. Dortmund Rhein-Canal ... 68 Mill. Mark
2. Mittellandcauol.....192 , „
8. Wesercanaltfiruvg.....20 , ,
4. Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin 40 , „
5. Masurischer Laval .... 80 » ,
6. Sonstige kleinere Wafferbauteo, in»-
besondere auch im Odergebiete 50 „ ,
Ja-grsammr: 400 MtU. Mark
Nach einer anderen Nachricht de»selbeu Blatte» scheint der unter 6 aufgesührte Posten hauptsächlich sür Thalsprrre» im Odergrbiet bestimmt zu seto. Uebrtgen» stehen dte Ziffern wohl noch nicht ganz fest, da z. B. über den Großschiff- sahrt»weg Berlin • Stettin noch keine Latscheiduog getroffen ist.
Breslau, 25. October. De« „Breslauer Geveral- Anzeiger" zusolge wurde heute früh im Hofe de» htefigeu GerichtS-GesLngniffeS der 85 Jahre alte Arbeiter Wuttke, welcher in der Nacht vo« 7. zu« 8. April d. I. seine Ehefrau Pauline ermordet hatte, durch den Scharfrichter Retndel htagerichtet.
Wie», 25. October. Ja der heutigen Sitzung de» Ab- geordoetevhausr» erklärte Mtnisterpräfideut Graf Thun auf eine Interpellation wegen Vorkehrungen gegen die Pest, daß dte Regterung strenge Maßregeln getroffen habe. Mithin könne «aa mit Beruhigung der Zukunft entgegeosehen. Wa» die bacteriologtschen Forschungen und Experimente in ärztlichen Kliniken aalange, so könne dte Regterung solchen keine Htnderoiffe In den Weg legen, weil dte Forschungen bet den letzten Eptdemteo von großem Nutzen gewesen seien.
Prag, 25. October. Dte „Narodry Ltsti" meldet, im Auftrage de» SorpScommandanten sei gegen diejenigen tschechischen Reservisten, welche bei den letzten Lontrolversamm- langen die Meldung mit dem dentschen »Hier" verweigerten, Untersuchung wegen Meuterei etagelettet worden.
Pari», 25. Oktober. Die bevorstehende Eröffnung der Kammern hat ein wahre» Fieber der Erwartung hervorgerufen. Alle Welt ist überzeugt, so wird der »Vofl. , Ztg." au» Part» vom DienStag Vormittag gemeldet, daß 1 Frankreich ernsten Ereignissen entgegengeht, und «alt sich ' diese je nach Wunsch und Einbildungskraft verschieden au». Herkömmlich ist dte erste Sitzung Förmlichkeiten gewidmet, dte Nattonaltsten find jedoch so nugeduldig, daß fie sich an diese» Herkommen nicht binden und den Kampf schon heute durch eine Anfrage über da» Wlederaufuahmeverfahren beginnen wollen, verlangt dte Regterung die Vertagung, so wird schon die Abstimmung über diese Tagesordnungsfrage das Schicksal de» Labtuet» entscheiden. Dieses Schicksal kann Niemand Vorhersagen, da dte Parteien vollständig durcheinander gequirlt find. Für Briffon stehen heute zuverläsfig nur die Soctalisten ein, gegen ihn find bestimmt dte Natto- naliften, die fich zu einer Gruppe unter der Bezeichnung „Republikanische LandeSvertheidigungSpartei" zusammengethau haben und ihre Mitglieder aus allen Parteien werben. Sie behaupten, schon jetzt 152 Mann stark zu sein. Dagegen find sowohl die Radtcalen al» auch die Gemäßigten unberechenbar. Für die geplanten Kundgebungen auf dem Loncordteuplatz trifft die Polizei umfoffendste Vorbereitungen. Sie bringt da» 1848er Gesetz gegen Straßrnanfläuse tu Erinnerung und erklärt insbesondere, daß Jeder verhaftet wird, der beleidigende Schreie ausstößt.
Pari», 25. Oktober. Dte Aufregüng in der Umgebung der Sammer wächst. Dte Polizei hat den Eon- cordievplatz und die umliegenden Straßen abgesperrr. Niemanden außer den Abgeordneten ist der Zutritt zur Sammer gestattet. Gegen 2 Uhr erschien Druwont und DLcoulöde, welche mit den Rufen: Nieder mir Briffon, nieder mit den Juden begrüßt wurden. Kürassiere zu Pferde drängten dte Menge tn die Straßen zurück. Bet Eröffnung der Sammer verlas der Präfident verschiedene Jnterpellattouen. Briffon
forderte dte Sammer auf, dte DreyfuS-Angelegenhett vorläufig bet Sette zu lasten und dte allgemetne Poltttk de» Labtnet» zu besprechen. DoroulLbe sagt, e» set jetzt hohe Zett, daß da» Unglück» Sabtnet besetttgt werde. Redner wtrd gezwungen, diese Worte zurückzunehmen. Nunmehr erscheint der SrtegSmtntster auf der Redner-Tribüne. Er erklärt, er habe alle Achtung vor der bürgerlichen Macht, wa» jedoch die Drryfll»-Angrlegenhett anbelange, so wäre er derselbe» Meinung wie seine Vorgänger. Er habe tnfolgedrffen de« Präfldenten seine Demtsfioo etngerricht. Briffon erklärt, dte Haltung de» KriegSmtntsterS set thm unverständlich. Wenn er habe demtsfiontren wollen, dann hätte er e» t« heutigen Mlnisterrathe thuu können.
Pari», 25. Oktober. Dte Demtstou de» Krteg»- mt nist er» hat allgemeine Verwunderung hervorgerufeu. Dieselbe wird allerseit» gemißbilligt. Nach dem Zwischenfall wurde dte Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrochen. E» verlautet, Minister-Präsident Briffon werde heute dem Präsidenten Faure ein Decret zur Uarerzetchouug vorlegen, wonach er, Briffon, zum Krteg»mintster und der Drputtrte Valley zum Minister de» Innern ernannt wtrd. Bet Wiederaufnahme der Debatte fordert Briffon dte Sammer auf, dte Jnterpellattouen bt» zum nächsten Dovner»tag aufzuschtebev. Der soztalisttsche Abgeordnete Fornter stimmt Briffon zu, desgleichen andere sozialistische und radikale Abgeordnete. Der frühere Krieg»mtntster Cavaignac protestirte gegen dte tn Vorschlag gebrachte Tagesordnung, dte Ueberlegenhett der Etvtlg^walt über dte Milttärgewalr auSzuspr-chen. Sein Protest wurde durch dte Z-vtschenruse der Abgeordneten und von den Tribünen übertönt. Er wurde auSg,pfiffen und auSgeztscht. Mau glaubt, daß dte Tagesordnung angenommen werden wird.
London, 25. Oktober. So ganz tobt, wte neulich Londoner Blätter glauben machen wollten, ist dte trtsche Bewegung denn doch noch nicht. Im Gegenthril, soeben gtrbt fie ein neue» Lebenszeichen von fich, das der Regternug ernstlich zu denken gtebt. Die ziemlich plötzliche Abreise de» irischen Obersecretär» Gerald Brlfour letzte Woche nach Irland wtrd vtelfach mit der Agitation der vou William O'Brten kürzlich tuS Leben gerufenen »United Jrtih League" tn Verbindung gebracht. Der neue politische Verein, welcher fich au» Paruelliten wte Auti Paruelltten zusammevsetzt, soll mehr zuuehmen, al» e» der Regierung lieb tst. Eine für Sonn- tag tn Balcarrrh angesetzte Versammlung der Behörde tst von der Regterung verboten worden, dte eine ansehnliche Poltzeimacht zur Unterdrückung etwaigen Widerstande» dorthin entsandte. — In diesem Zusammenhänge muß darauf hiugewtesen werden, daß tn dem vermuthlich allerdings unblutig verlaufenden Streit um Faschoda die Franzosen tn Irland begeisterte Verbündete haben. Jüngst hat auf einer Versammlung in Dublin der ParlamentSabgrordnrte William Redmond drei Hochs auf Marchand ausgebracht und gesagt, wenn es zwischen England und Frankreich Srieg gäbe, daun würde Irland» Sympathie auf Seiten Frankreich» sein. Und an fich belanglo», ober al» Anzeichen immerhin be- merkeuSwerth tst e» auch, daß etn tu Manchester wohnender trtscher Arzt da» Schaufenster de» Witzblatte» »Punch" tn London unter dem Raf „Vive la France“ deswegen zertrümmerte, weil darin etn Bild ausgestellt war, da» Marchand al» Affen auf einer Drehorgel darstellt, deren Spieler von John Bull fortgewieseu wtrd.
Cecale» und provinzielle».
Gieße», 26. Oktober 1898.
** Kirchliche Dieustnachrichte». Seine Köuigl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht, am 19. Oktober dem Psarrverwalter Ludwig Scriba zu Groß-Wtnteruheim, Decauat Mainz, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen.
*• SnthüllnngSseier des Ludwigs Denkmals zu Darmstadt. Der Vorstand de» LandeSaußschnffrS bringt zur allgemeinen Üenntniß, daß auf Allerhöchsten Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzog» die auf Douuer»tag den 10. November 1898 festgesetzte Denkmalsenthüllung nicht au diese« Tage, sondern in der zweiten Hälfte de» Novewber statlfinden wird. Der demnächst Allerhöchsten- ort» festgesetzte Tag der Enthüllung wird rechtzeitig bekannt gewacht werden.
••P. Etadtthealer. In löbliche« Eifer wollte unsere rührige Direktion nicht hinter den großen deutschen Bühnen zurückftehen und wachte deshalb das hiefige Publikum am DienStag Abend wir einem der neuesten Dramen bekannt,
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Nr. 252 Erstes Nlatt. Donnerstag den 27. October
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Deutsches Reich.
Berlin. 25. Oktober. Rach Eivffaung der heutigen Sitzung de» EolonialratheS gab der vorfitzende vor Gtntritt in die Tagesordnung über die neulichen Unrnhen in Dentsch-Südwest Afrika einige Mitthetlnngen, denen znfolge dir au» englischer Quelle stammende erste Meldung stark Übertrieben war. Auf keinen Fall fei zu befürchten, daß die v»rßeko«wenen Unruhen auf die wirthschaftliche Entwicklung dar Schutzgebiete irgendwie störend eiruotrken könnten. Dte herauf folgende Debatte über den südwestafrikantscheu Etat betraf vorwiegend wirthschaftliche Fragen, wie den Bau der Baiweg-Bahn, de» Hafen» Swakopmund, den Anschluß de» deutschen Schutzgebiete» an da» internationale Kabelnetz, dir Lnsührung der Selbstverwaltung, dte Au»bilduog der Colonial- beamten, ihre Gleichstellung hinsichtlich der Penfion»berechtiouvg «it den Offizieren der Schutztrnppe und die sanitären Ber- HEltoiffe von Südwest-Afrika. Heute Abend findet zu Ehren ter Mitglieder de» Eolontalrathe» bet dem Reichskanzler Kirsten Hohenlohe eine größere Tafel statt.
Berlin, 25. October. Der „vosfischen Zeitung" wird an» Hamburg telegraphirt: Der in Hamburg al» Anarchist u»b angeblicher Attentäter verhaftete Schtrmarbeiter Wilhelm Oldenburg ist wahrscheinlich ein Prahlhans. Er wollte oen eine« Bekannten Geld leihen und erzählte ihm auf deffeu Ablehnung die Räubermär von einem geplanten Anschlag auf bei Kaiser bet dessen Rückkehr au» dem Orient, zu dessen Ausführung ihn da» Loo» bestimmt habe. Der hiesige Auarchisteo-Club zahle ihm, Oldenburg, 260 Mark Reisegeld, wovon er da» geliehene Geld zurück,ahleu werde. So die Erzählung, woran kein wahre» Wort tst. Ein Anarchiften- d ub existirt hier nicht. Oldenburg wird In Hast behalten. Mehrere seiner Bekannten wurden verhört.
Berlin. 25. Oktober. Die „Polit. Sorresp." berichtet «einer Zuschrift au» Kairo, dte Entdeckung de» gegen St. Maj. Kaiser Wilhelm II. von Anarchisten geplanten fl ttentat» sei dadurch erfolgt, daß einige Tage vor der Fest- iiUhmung der Anarchisten tn den Kleidern eine» von eine« Franzosen ermordeten Italiener» ein Portefeuille mit be- «Senden Briefen gefunden wurde. Bet der in der Wohnung bei Ermordeten vorgenommenen Hau»suchung seien dann Be- i äse dafür gefunden, daß vou den Anarchisten eine Ber- Swörung gegen da» Leben de» Kaiser» eiugeleitet war. Auf »Irunb dieser Entdeckung set e» gelungen, iämmtlicher Ber- lto»9r<r habhaft zu werden. — Heber London wird ferner lemlbet: Nach einem Telegramm au» Jaffa wurden tn 3 rusalem und Jaffa mehrere al» Anarchisten verdächtige ti rsonea verhaftet. Die Bthördeu schreiben besonder» der ö irhastung eine» Deutschen in Jaffa große Wichtigkeit bet. Sich in Haifa wurde eine wichtige Verhaftung vorgeoowmen. vtr dortige türkische Beamte erklärte, er hoffe, die Identität bei verhafteten demnächst sestzusttllen, da er vorher über sein 8 «rieben und ftine Absichten Informationen erhalten habe, tiie schärfsten Vorsichtsmaßregeln werden gettoffen. So »trben keine verschleierten Frauen auf den Straßen zu- zsLaffeo, da man fürchtet, Anarchisten könnten fich al» Frauen SVikletden. Dte Pol'zei hält auch über die Touristen in rgyptifchen Häfen die schärfste Kontrolle aufrecht.
— Deutsche Schulen im Au»lande. Wie au» -instantlnopel mitgetheilt wird, hat der Kaiser der «tttgen deutschen Schule dte Berechtigung ertheilt, Zeugniffe rt: wiffenschaftlichen Reife für den einjährig freiwilligen vieust auszustellen. Damit tst etn langjähriger Wunsch der v mtschen in Konstantinopel in Erfüllung gegangen. SS tst iptrhaupt sehr wünschenSwerth, daß die deutschen höheren Schulen int AuSlande nach Möglichkeit gesördert werden uud h»en insbesondere, wo e» nur angängig ist, dte verechttgung «heilt wird, Sinjährtgenzeugniffe anSzustellen. Ein «eseni- »es Band zwischen den Deutschen tm AuSlande und der öMwath ist die allgemeine Wehrpflicht, und darum hat daS
auch ein großes Jntereffe daran, deutschen Eltern int Alande auch dte wiffenschastliche Vorbereitung ihrer Söhne M einjährigen Dienste thunlichst zu erleichtern, damit fie licht zu übermäßigen Unkosten der Erziehung fich genöthigt frtn und dadurch veranlaßt werden, ihre Staatsangehörigkeit uszugeben. An» diese« Grunde hat die ReichSregterung j-löft die Schulen t« AuSlande angeregt, fich u« die Be- ikchtiguug zur Ausstellung von Etnjährigenzeugniffen zu be- ridhen. Um jene Berechtigung zu erhalten, müffen die k«schen Schulen im AuSlande der vorn ReichSamte de» Zu-em refforttrendeu Reichsschulcommisfion den Rachwet» kftrn, daß ihre Einrichtungen und Leistungen i« Wesentlichen la Anstalten gleich kommen, die hu Jnlaude die Berechtigung stben.
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Adresse für Depeschen: Anzeiger chieße«.
Fernsprecher Rr. 51.


