Ausgabe 
27.9.1898 Erstes Blatt
 
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bürgen sich für den Schutz der Muhamrdaner nnd Aufrecht« «Haltung der türkischen Hoheitsrechtk.

Sofia, 25. September. Der russische Militär-Attach« aul Konstantinopel, Oberst Paschkow, machte gestern dem bulgarischen Generalstabschef, Oberst Paprtkow, einen längeren Besuch, dem mau hier Bedeutung beilegt. Paprtkow wird allgemein als Nachfolger des KriegtmintstrrS Iwanow betrachtet. Fürst Ferdinand verläßt wieder Sofia und wird erst zu Beginn der Manöver zurückkrhren. Fünf Jahrgänge der 2. Division Wtddiu und Sofia werden zu dtefeu nahe der serbischen Grenze stattfindenden Mauöorra eiuberufev werden.

Belgrad, 25. September. Mau glaubt hier, daß eine Gruppe bulgarischer Militär-Politiker einen Confliet mit Serbien schaffen wolle. Mau wird hier keine Gegen­demonstration machen, weil mau de» Schutze» der Großmächte sicher ist.

Locales unb provinzielles.

Gießen, 26. September 1898.

* Von der Universität. Bei der 50jährigen Jubelfeier der Inneren Mission in Wittenberg war die theologische Faeultät durch ihren Dekan, Herrn Profeffor Dr. Krüger, vertreten.

Die Sektion Gießen de» Deutsch-österreichischen Alpen- Vereins machte Sonntag Nachmittag in vierstündiger Fuß­wanderung einen lohnenden Ausflug über Schiffenberg, Watzenborn läng» de» PfahlgrabeuS nach Butzbach. Die Rückkehr erfolgte von dort 7 Uhr 25 Min. Abend» per Bahn. Die Tour ist auch leichter auszuführen, wenn man bi» Schiffenberg die Bahn benutzt und von dort die Markirung »Blaue Keile" über Watzenborn verfolgt.

* Dünsbergthurm. Bei der gestern in Diez a. d. L. abgehaltenen Generalversammlung de» GesammtauSschuffe» de» TauuuSclubS wurde auf Antrag der Section Wetzlar die erste Rate de» bereit» früher für den AuSficht»thurm auf dem DünSberg verhteßenen Beitrag» einstimmig bewilligt.

Theater-Umbau. In den letzten Monaten find auf Beraulaffung des Theatervereiu» und unter dessen finanzieller Mitwirkung im Theater eine Reihe von baulichen BerSnderuugeu vorgeuommeu, deren Fertigstellung großeutheUr bi» zum 1. October erfolgen wird. Zunächst ist ein großer Anbau an die Bühne aufgeführt. Derselbe nimmt au der einen Seite (recht» der Bühne) die Herrengarderobe, au der anderen die Damengarderobe auf, welche nunmehr einen doppelt so großen Raum, al» früher, darstellt. Der mittlere Theil de» Anbaues ist für die Aufstellung der Coulisieu be­stimmt, die früher den eigentlichen Bühuenraum in unange­nehmer Weise eiuengteu. Der große Kellerraum unter dem Anbau soll für die Aufbewahrung deS Podiums dienen. Durch einen breiten und übermauuShohen Gang steht er mit dem Zuschaueraum in Verbindung. Dieser Gang ermöglicht die Anbringung schöner Bersenkungeu und gestattet vor Allem einen leichten Transport deS Podium» aus und in den Saal. Die zweite Aeuderuug besteht in einer vollständigen Um­arbeitung des Podiums, welches der Theatervereiu bereit- willtgst ganz zur Verfügung stellte, und in der dadurch er­möglichten besseren Anorduug der Saalplätze. ES beginnt jetzt das Podium gleich nach den ersten Rethen und steigt mit jeder folgenden Reihe um einige Eeuttmeter auf, so daß die Hinteren Sitzreihen den vorderen kaum mehr au Güte nachstehen werden. Der frühere Mittelgang ist beseitigt und dafür je ein Gang an den Setten des Saales hergestellt. Diese ollen größeren Bühnen eigene Anordnung gewährt verschiedene Borthetle und gibt außerdem dem Zuschaueraum ein gefälligeres Aussehen. Die durchgretseudste Aeuderuug de- Zuschauerraums aber wird durch den Bau von zehn Logen bewirkt, die dem Saal nun ein wirklich theatermäßtgeS Aussehen verleihen. Bon diesen Logen liegen vier auf den Estraden zunächst der Bühne, sechs liegen auf der Gallerte, von deren übrigem Theil natürlich vollkommen abgeschlossen, ebeusall» zunächst der Bühne. Der Zugang zu den letzteren geschieht über die beiden au der Bühne liegenden Treppen. Im Ganzen enthalten die Logen 72 prachtvolle Sitzplätze. Namentlich gilt dies von den Balkoulogeu mit ihrem hübschen Ueberdltck über den ganzen Saal. Alle Logenplätze aber haben außerdem den von vielen nicht hoch genug geschätzten Bortheil sehr geräumiger Sitze. Diese, große Kosten erfordernden baulichen veränderungeu wird sämmtlich das theaterliebeode Publikum mit Freuden begrüßen und seine Anerkennung und seinen Dank sowohl dem Besitzer des Theaters, Herrn Weinhäudler Schwan, als dem Theater- verein zollen.

* Bogel- und Geflügelzucht Verein. In der gestrigen Hauptversammlung des Vereins für Vogel- und Ge­flügelzucht für Gießen und Umgegend wurde vorerst Mit- theilung von dem Eudergebutß der Ausstellung gewacht, welche einen Netto-Ueberschuß von 890 Mk. ergeben hat. Der Verein besitzt ein Inventar, bestehend in AuSftellungSkäfigeu re., das einen Anschaffungswerth von 1300 Mk. hat. Die Versammlung stimmte einem Anträge deS Vorstandes, der dahin geht, auf der Hardt, auf einem von dem Brauereibesitzer Georg Bichler gratis überlassenen Gelände eine Geflügel­zuchtstation vorerst für Hühner zu errichten, einstimmig zu. E» soll zunächst eine Einrichtung für ca. 40 Hühner getroffen werden, und zwar ist in Aussicht genommen, zwei Arten von Natzhühuern, nämlich rebhuhnfarbtge Italiener und schwarze Minorka zu halten. Der Zweck der Zuchtstatton ist hauptsächlich die Gewinnung von Bruteiern, woran, soweit eS sich um gute Nutzraffeu handelt, in unserer Gegend Mangel herrscht. Weiter wurde beschlossen, Ende Februar kommenden JahreS eine zweite allgemeine Vogel- und Ge- flügel-Ausstellung in Gießen adzuhalteu,- der Vorstand wurde beauftragt, schon jetzt mit den nöthigen Vorbereitungen hierzu zu beginnen.

* Die 6. Conferevz des Verbände» füdwestdeutscher Detail- lifienvereine findet am Sonntag den 16. October 1898

, pünktlich 10^2 Uhr Vormittags in Gießen inStein» Saalbau statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bildung de» Bureau». Berathung und Beschlußfassung über die Geschäft»- orduung. Antrag uvd Referat Mainz. 2. Bericht über Er­ledigung der Beschlüsse der 5. Confereuz in Wiesbaden, sowie Erfolge der Petitionen. Referent: Herr Ferd. Schmidt, Darmstadt. 3. Erfahrungen betr. das Gesetz zur Bekämpfung de» unlauteren Wettbewerbs. Referent: Herr vr. Gutfleisch, Gießen. 4. a) Gemeinschaftliche Aufmachungen für Garne, b) Berechnung des wirklichen Nettogewicht» für Maaren. Referent: Herr Wilh. Lotz, Mainz. 5. Die Schäden der großcapitaltstischen Waarenhäuser und Bazare für den Detail- Handel. Referent: Herr Hugo Hirschfeld, Frankfurt. 6. Offru- haltung der Schaufenster an Sonntagen. Referent: Herr Ludwig vuder, Mainz. 7. Die Erledigungen von Coucursen sind für dir Folge den Kavfleuteu und nicht wie bisher den Rechtsanwälten zu übertragen. Referent: Herr HaudelS- kammrrseeretär Dr. Merbot, Wiesbaden. 8. Die Covcurrenz der EugroS- und Fabrikgeschäfte, gegenüber den Detailge- schäften und Stellungnahme dazu. Referent: Herr S. Gräf, Hanau. 9. Erhebungen über die Lage des Kleinhandels. Referent: Herr Ernst Balser, Gießen. 10. Besteuerung der Wanderlager rc. in Hessen durch die Städteverwaltungen, ähnlich wie in Preußen. Referent: Dirrctor Georg Tripp, Cassel.

Stenographisches. Der Anfang» - Unterricht des Babelsberger Stenographen - Verein» (ge­gründet 1861) hat im Kaufmännischen BereinShau» begonnen. Die erste Stunde war nur allgemeinen Einleitungen ge­widmet. Herren, die fich noch an diesem Course betheiligen wollen, haben noch nichts versäumt und werden gebeten, fich Donnerstag den 29. d. Mts., Abends 3/49 Uhr, im Lehr­saale 3 des Kaufmannschen BereiuShause« emzufiudea. Karten in der Ricker'schen oder Ferber'schen Buchhandlung.

Körperverletzungen. Ein hier bediensteter Bierfahrer, welcher fich gestern Abend ohne Berechtigung in den Festsaal deS Cas^ Leib bei einer Tavzbelustigung einschlich und sich dort unanständig benahm, der an ihn ergangenen Ermahnung, fich anständig zu betragen, bezw. daS Local zu verlassen, keine Folge letOte und daher vom Vorstand vor das Local verwiesen wurde, brachte hierbei einem Bäckergesellen eine tiefe Schnittwunde au der Hand mit einem Messer bei. Der Messerheld wurde verhaftet. Ein hiesiger Tapezier warf in einer Wirtschaft einem hiesigen Schuhmacher, mit dem er in Wortwechsel grrathen, einen Bteruntersatz an den Kops, so daß er blutete. Ein Barbier wurde von zwei hiesigen Knechten in der Licherstraße angefallen und eben­falls blutig geschlagen.

* Ruhestörung, veamteubeleidiguug und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Ein hiesiger, arbeitsloser, junger Mensch mußte in vergangener Nacht wegen fortgesetzter Ruhestörung, Beawtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verhaftet werden.

* * Reinheit der Mich. Der Hamburger ^BerbandStag der deutschen Milchhändler sprach fich für den Erlaß reichs­gesetzlicher Bestimmungen aus, wonach die Produzenten ebenso für die Reinheit der Milch verantwortlich zu machen seien, wie die Milchhändler. Beim preußischen Eiseubahnministrr will man wegen der beschleunigten Mtlchbeförderuug, möglichst unter Einstellung besonderer Milchtransportwagen vorstellig werden.

* Zu Amerika verstorbene Hessen. In Baltimore, Md.: Friedr. Beck, 76 Jahre alt, au» Babenhausen. Eben­daselbst: Catharina Hübner, 74 Jahre alt, zu Echzell. In Madison, Neb.: Andrea» Horst, 79 Jahre alt, aus Köngernheim an der Selz. In Detroit, Mich.: Frau Martha Elisabeth» Steinbrecher, 90 Jahre alt, aus Hessen- Darmstadt.

* Wetterbericht. Der Kern de» barometrischen Maximum», dessen Intensität langsam aber stetig abnimmt, lag heute Morgen an der Nordküste Schottland». Die östliche De- presfion zieht allmählich in da» Innere von Rußland ab. Bom Maximum weg besteht gegen Osten, Süden und Süd- westen ein im Allgemeinen gleichmäßige» Druckgefälle, da» nur zwischen der Nord- und Südseite der Alpen etwa» stärker wird. In Deutschland find die Temperaturen vielenorts gesunken. In der Rheinpsalz ist Reif eingetreten. Auffallend sind die tiefen Temperaturen der bayerischen und österreichischen Hochstationen gegen jene in den entsprechenden Lagen der Schweiz. Warmes, wolkenlose» Wetter herrscht am Südfuße der Alpen. Voraussichtliche Witterung: Wolkiges, ziemlich kühles Wetter mit stellenweisen leichten Nieder­schlägen.

Mainz, 25. September. In Anwesenheit des Staats- Minister» Rothe fand heute Nachmittag die feierliche Grund­steinlegung zu der im Bau begriffenen Chrtstu»ktrche der zweiten protestantischen Kirche in Mainz statt. Die Kirche, zu welcher schon seit langen Jahren ein Baufond an­gesammelt wird, wird nach ihrer Vollendung den zweiten monumentalen Kirchenbau in der hiesigen Neustadt barstrllen und letzterer, wie die vor einigen Jahren vollendete katholische BonifaciuSktrche auf der Südseite, nach der Nordseite hin eine würdige Grenze verleihen. Im Anschluß an einen Antrag aus Aufhebung de» städtischen Waisenhauses hier ist jetzt der Vorschlag gemacht worden, einen städtischen Er- ziehung»rath zu errtchtev, dem die Pflicht obliegen soll, die der privaten Pflege anvertrauten Waisenkinder bezüglich ihres Wohlverhaltens und ihrer Fortschritte in der Erziehung zu überwachen. Mau ist hier sowohl über die Aufhebung des städtischen Warenhauses wie über den letzteren Vorschlag sehr getheilter Ansicht, und wird besonders von vielen Seiten be­hauptet, daß die Uebergabe der Waisen in private Verpflegung zu keinem guten Ziele führen werde. Ein definitiver Beschluß ist Seiten» der Stadtverorudeten bi» jetzt noch nicht gefaßt.

A Au8 dem Rheiugau, 25. September. Einen Beschluß, der für alle Weinbau treibenden Gegenden von höchster Bedeutung ist, hat der KreiSauSschuß in RüdeSheim in feiner

letzten S tzung gefaßt. Ein Bewohner von Winkel hatte die Avficht, mitten in da» Reoeugelände, in uum ttelbarer Nähe der edelsten Weinlagen, eine Ringofeu-Backsteinbrennerei zu errichten. Wegen der durch die ausströmenden Gase und Säuren zu befürchtenden Nachtheile erhoben die größten WetubergSbefitzer des Rheingaue», die Schloßverwaltuug auf dem Johannisberg, Graf Schöuborn, Graf Matuschka auf VollradS, die Maun'sche Verwaltung nnd viele Andere Ein­wendung gegen die CoveesfiouSertheilung. Nach Erhebung einer Reihe von Gutachten durch daS LandrathSamt versagte der KreiSauSschuß nach laugen mündlichen Verhandlungen, in welchen RechtSanwalt Brentano-Offenbach die Reclamauteu vertrat, die Concesfion. Durch die Entscheidung ist eine be­deutende Gefahr für einen großen Theil der Rheingaurr Wetncultur abgewendet.

A Bom Rhein, 25. September. Auf Anregung der hessischen Regierung fiadet zweck- der Orientiruug über Art und Umfang der Vernnreiuiguug deS RheinstromS eine Befahrung des Rheine» von Mannheim bi» Biebrich statt.

Schwurgericht.

W. Gießen, 26. September 1898.

Heute Vormittag um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Laudgericht»rath Müller, die erste Verhandlung der Tagung de» Schwurgerichts der Provinz Oberhessen. Er theilte den Geschworenen mit, daß der Fall, welcher für Donnerstag vorgesehen war und fich gegen die Wltrwe Sänger von Klein- Karben xichrrte, ausfalle, dagegen aber gegen Heinrich Förster von Gießen wegen SittlichkeitSverbrechen verhandelt werden würde. Die Geschworenen seien damit der schweren Verantwortung überhoben, eventuell ein TodeSurthril zu sprechen- Nach Bildung der Geschworenenbank wird in die Ver­handlung gegen den 19 Jahre alten Hüttenarbeiter Georg Kn öS von Queckborn wegen SittlichkeitSverbrechen ein­getreten. Die Anklage verttitt GerichtSaffessor Schumacher^ als Vertheidiger de» Angeklagten ist Rechtsanwalt Wr.dig bestellt. Sieben Zeugen find zu hören. Der Angeklagte tft voll und ganz geständig deS Versuch» der ihm zur Last ge­legten That, welche er am 1. August d. I. auf dem Fett» weg zwischen Queckborn und dem Bahnhof Grünberg an einem 20jährigen Mädchen begangen hat. Die Beweis­aufnahme, welche, wie die Verhandlung überhaupt, öffentlich vor fich geht, bestätigt da» Geständniß de» Angeklagten. Die Geschworenen brjahten nach kurzer Berathung die an fie ge­richtete Schuldsrage wegen versuchter Nothzucht, ebenso die auf Vorhandensein mildernder Umstände lautende Frage. Der Gerichtshof erkannte auf 8 Monate Gefängniß unter An­rechnung von 1 Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Der Angeklagte erkannte die Rechtskraft des UrtheilS sofort an,

Att» der Leit für die -ett.

Vor 431 Jahren, am 27. September 1467, starb zu Mainz Johann Gutenberg, der Erfinder der Buchdrucker­kunst, die in der geistigen Ausbildung der europäischen Mensch­heit eine neue Epoche schuf. Er erfand 1450 die Kunst des Druckes mit beweglichen Lettern aus Holz. Aus der mit Johann Fust errichteten Druckerei zu Mainz ging die 36zeilige Bibel (ein Exemplar in Jena) hervor. Nach manchen Ver­lusten und Kümmernissen trat er in den Dienst des Erzbischofs Adolf von Mainz und starb bald darauf. Gutenberg wurde zwischen 1397 und 1400 zu Mainz geboren.

Vermischtes.

* Frankfurt a. M., 22. September. Das ist ein Geschäft! Im vergangenen Jahre constituirte sich hier die Westend-Gesellschaft", die das Terrain an der Mainzer- Landstraße bis zum Griesheimer Exerzierplatz für 2 Millionen Mark erwarb. Gestern verkaufte fie das Gelände an Herrn E. Tornow für 3 Millionen Mark! Die Gesellschaft hat somit in einem Jahre 1 Million Mark verdient und löste sich nunmehr auf.

* Braunschweig, 23. September. An der hiesigen tech­nischen Hochschule werden von jetzt ab auch Damen als Hörerinnen zugelassen werden, und zwar zunächst zu beit Vorlesungen des Prof. Dr. P. I. Meier über Allgemeine Kunstgeschichte und des Gymnasial-Oberlehrers Elster über Literatur. Im Vorjahre noch war die Zulassung von Damen abgelehnt worden.

* Das Kloster Stetten, wo sich die ehemalige Familien­gruft der Hohenzollern befindet, ist niedergebrannt; die gothische Kirche ist erhalten geblieben.

* Die scharfe russische Greuzbtwachuvg hat ein neue» Opfer gefordert. Von drei aus England zurückgekehrten russischen Auswanderern, die bei AugSgirren die Grenze über­schreiten wollten, wurde einer nach erfolgtem Anruf durch den Grenzsoldaten erschossen, während die anderen beiden entkamen.

* Ein Uebermaß von Glück tödtete, wie man aus Ham­burg schreibt, einen alten Herrn auf der Reise von Ludwigslust nach Hamburg, der dort seine glücklich verheiratheten Töchter und seinen erst kürzlich aus Brasilien nach achtjähriger Abwesenheit zum Besuch zurückgekehrten Sohn, die er sämmt­lich seit langer Zeit nicht gesehen hatte, besuchen wollte. Sonntag sollte nun eine kleine Familienfeier stattsinden, zu welcher auch der Vater aus Ludwigslust sein Erscheinen in Aussicht gestellt hatte. Auf der ganzen Fahrt erzählte der überglückliche und freudig erregte Greis seinen Mitreisenden von seinen Kindern, von seiner Freude auf das Zusammen­treffen mit dem Sohne, der in Brasilien sein Glück gemacht hat, als er plötzlich kurz vor Hamburg mit den Wortenmir wird so eigenthümlich zu Muthe" zusammenbrach und trotz der sofort angestellten Wiederbelebungsversuche nach einigen Minuten verschied. Die Freude hatte ihn getödtet, ein Herz­schlag hatte seinem Leben ein jähes Ende berettet. Schonend wurde die beklagcnswerthe Famllie hiervon benachrichtigt, die nun statt eines Freudenfestes eine Todtenfeier begehen mußte.