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27.3.1898 Erstes Blatt
 
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Sonntag dcn 27. Mär;

Nr. 73 ErArs Matt

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Feuilleton.

Humoristisches Ailcriel auam Gießer Adriger.

Von Carl Geißler.

Err kemmt! de Frihling mit schwellende Knospe an Bäum unn Sträuch.

De Minder halt sich mitm schwache Schneegesteewer verabschied unn is de Märzsonn gewiche, von Niemand be« drauert, als höchstens von de Bierbrauer, däi sich als e dheuer Aadenke an die verflöge Winderherrlichkeid von »orwege, von de Schwei- unn vom Erz- unn Riesegeberg Eis, unn Schnee vom Vogelsberg unn vom Westerwald nvaggonweis hawe komme laste. Wer net so gebreßten Herzens, wäi die Bierbrauer, dem nahende Frihling entgege- -ßeht, dem wogt etz schont die Brust bei dem Gedanke an die Aihende, goldene Zeid, wo merr Widder de Wannerstab in ldie Hand nemme unn enaus wannern kann in Gottes frei 'Nadur. Deß Begehrn der Mensche nach'm Genuß, den die »Scheeheide von der Nadur biede, is dann aach schont mehr- stach im Aazeiger zem Ausdruck komme unn selbst im Mitte Minder hott sich e Stimm erhowe, däi Uffstellung von Ruh- Ibänk ser ältere Leud verlangt, däi an de Grimberger unn sicher Schostee spaziern geh unn e anner Stimm lenkt die llffmerksamkeit uff die Verefftndlichung von ere Blummeles «aus de Fremdebicher vom Gleiberg, um dadorch die Wanner- Ilust aazerege unn deß Jndreffe an unserm Gleiberg wachzehahle.

Waß kanns aach Scheeneres gerne, als in scheener Frih- Uingszeid en Spaziergang nach'm Gleiberg ze mache; dort swe sich e bische auszeruhe von des Dages Last unn Hitz limn fein Blick schweife ze laste dorch des romandische Lahn- > chal unn net zeletzd nach ere geziemende Leiwesstärkung dann tieine Gefiele dorch en poedische Erguß im Fremdebuch Aus« brud ze verleihe?

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Amtlicher Theil.

Gefunden: 1 Brosche, 1 Pelerine, 1 Haarpseil, 1 Handschuh, 1 Bifitenkartentasche und 1 Hundehaitiband.

Gießen, den 26. Mürz 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

Deutsches Ueieh.

Berlin, 25. März. Die meisten Morgenblätter be« schränken fich daraus zu constatiren, daß mit der gestrigen Annahme der § 1 deS FlottengesetzeS im Reichstage die Entscheidung über dasselbe gefallen ist. DasTagebl." schreibt:Nunmehr ist eine Frage, die die politischen Kreise seit Monaten lebhaft beschäftigt hat, im Sinne der Regierung entschieden worden, und eine Auflösung des Reichstags au» dem Bereiche der Möglichkeit entschwunden." DieBerl. N. N" führen aus:Der 24. März, der Tag, an welchem vor 50 Jahren die Erhebung Schleswig-Holstein» gegen dänische Vergewaltigung den ersten hochwichtigen Markstein zur Verwirklichung des deutschen Gedankens und deS beut* scheu Reiche» bildete, ist gestern vom Reichstag mit einer nationalen That begangen worden." DieVztg." meint, der Sieg fei nicht gerade glänzend zu nennen, aber die That* lache, daß der Paragraph angenommen fei, genüge. Der Vorwärts- wendet fich hauptsächlich gegen daS Centrum. Nicht Herr Tirpitz sei der Treffliche, der daS Schiff der Regierung in den sicheren Port geführt, da» Verdienst ge« bühre dem Centrumsführer IX. Lieber. Da» Centrum, »ationalliberalen Practtken nachwandelnd, werde von gleichem Schicksale ereilt werden. Die Annahme de» Flottengesetzes werde ihm theuer zu stehen kommen.

Berlin, 25. März. Der Schuhsabrikarbeiter- strike ist al» beendet anzusehen.

Kiel, 25. März. Das Schulschiff'Stein" ist heute Mittag auß Westindten hier eingetroffen.

Bremerhaven, 25. März. Um 3 Uhr Nachmittags war derKaiser Wilhelm der Große" vollständig durchgeschleußt. Se. Maj. der Kaiser stand während des Durchschleusens auf dem Hinteren Sonnendeck und unterhielt fick avgelegent' lich, insbesondere mit dem Director de»Lloyd" Dr. Wiegand, von welchem Se. Maj. fich verschiedene Vorgänge erklären ließ. Da» auf beiden Seiten auf der Kaje zahlreich ver» sammelte Publikum brachte fortgesetzt Hurrahrufe auß, wofür St. Moj. freundlich dankte.

FlenSburg, 25. März. Der Sturm hat heute Vor-

mittag an Heftigkeit etwas nachgelassen. Es macht sich ein I langsames Fallen deß Wasser» bemerkbar. Der Dampfer- I verkehr auf der Föhrde ist heute Mittag wieder aufgenommen | worden. Au» Apenrade, Hadersleben, Sonderburg sowie auß Jütland werden ebenfalls Ueberschwemmungen gemeldet.

Lübeck, 25. März. Da» bet schwerem Sturme heute Nacht eingetretene Hochwasser stieg etwa 2 Meter über Null und überschwemmte die niedriger gelegenen Stadtthetle der Küftenorte. Morgens trat das Wasser zurück, so daß die Gefahr beseitigt ist.

Frankfurt a. M, 25. März. Auf der Main-Weser-Bahn- Strecke fand heute Vormittag in der Nähe von Nieder« Wöllstadt ein Zusammenstoß zweier Güterzüge statt. Die Bahnstrecke ist gesperrt. Ein HWzug ist von hier abgegangen. DieFranks. Ztg." meldet dazu, daß eine Maschine und vier Wagen dadurch entgleist und demolirt wurden. Die Reisenden müssen, weil der Fahrbamm ge­sperrt, umsteigen und eine größere Strecke zu Fuß gehen, wa» bedeutende Verspätungen zur Folge hat. Bon dem Personal wurde Niemand ernstlich verletzt.

Homburg, 25. März. Die Ankunft deß Kaiserpaareß ist nunmehr auf Dienßtag den 29 df». Mtß., Vormittag» 10 Uhr, angesagt. Der Kaiser und die Kaiserin treffen vorerst ohne Kinder hier ein. Der Kronprinz und Prinz Ettel Friedrich werden in Begleitung deß Oberhofpredtger» Dr. Drhander am 1. April hier eintreffen. Die übrigen Familienmitglieder werden zum Osterfeste hier erwartet.

Nürnberg, 25. März. Bet Canalisationßarbetten in der Bletchstraße erfolgte ein Erdrutsch, wobei fünf Arbeiter verschütte? wurden Nach dreistündiger Rettungßarbeit durch die Sanitätsmannschaft wurden die Arbeiter gerettet, drei find erheblich verletzt.

Sagau, 25. März. Der Extrazug mit der Leiche deß Herzog» zu Sagau traf um 10 Uhr Vormittag» hier ein. Der Trauerzug bewegte fich durch da» Schloß und den Park »ach derHeiligen Kreuz-Kirche", wo die Bei« setzung de» Herzog» an der Seite seiner Mutter erfolgte.

Lüttich, 25. März. Heute früh ist in dem Gruben­bergwerke vonHasard" in Micheroux bet Lüttich eine Explosion schlagender Wetter erfolgt. Hervor- gerufen wurde die Katastrophe durch die Unachtsamkeit eine» Arbeiters bet Sprengung-Versuchen. 20 Personen find schreck­lich verbrannt, zwei davon bereit- gestorben.

Madrid, 25. März. DerHeraldo" meldet, die Re«

De unqestieme Drang nach de Freiheit der widder­erwachende Nadur scheint aach en unginstige Eifluß uff de Besuch des Stadttheatersch auSzeiewe, dann selbst bei ganz evorragende Gäst gelingt^ noch net emol, e voll Haus ze er» ziele. Emsehlenswerdh wersch, so gege des Frihjahr hi iwwerhaapt nor noch die dollste Sache, beileiwe awer nix Ernstes oder gar Klassisches ze gerne, damit wenigstens de Theaterbesuch net ganz einschläft. E efder Wiederhohlung vonGiesse von de heidere Seid", d.s Gastspiel vom Herr Jaskowsky unn die Bremjeer von Huhn'sBesuch im Panop­tikum" das sinn drei Momente, die vielleicht aaregend uff de Theaterbesuch werke kennte.

Ere annere Stimm im Anzeiger werd leider de Genuß an de demnächst ze erwardende scheene Frihlingszeid ewe schont ar3 vergällt dorch die bereits in vollster Bliedhe stehende Hundebesitzerstrafe, däi die vierbaanige Lieb­ling ehre Besitzer dorch de unbefugte Besuch unserer Anlage verursache. Merr kann sich mitm Eisender eiverstanne er» Heern, daß es so em Hundsverstand doch e bisst viel zuge« mudh iS, de Unnerschied zwische Straße unn Aalaag erraus- zefinne unn fein Vorschlag werd bei alle Hundebesitzer Beifall hawe, in Zukunft kaa Hundebesitzerftrafe mehr ze erkenne, fonnern de seidherige Hundsfänger aazestelle, um die städtische Anlage mit de Deutsch von de Hund ze säuwern.

Wäi schee dhet sich des mache, wann der Hundssänger so de ganze Dag hinner bene Hund in de Anlage her wer unn dhet se fortknalle!

Unn wann de Hundsfänger ganz unn gar noch met ere gude Singstimm begabt wer dann kennt err sich net bloS die Ausiwung von feim Beruf erleichdern, fonnern dem oer- ehrliche Bubligum wer aach noch bebet en Genuß gebobbe, wann err aus be Zauwerfleed allerbingS mit Vnrrjnzjone nastimme dhet:

ßteiung bereite den Abmarsch von 15,000 Mann Soldat« nach Cuba vor

CocaUe ernt provinzielles

Gießen, 26. März 1898.

** Buß- und Bettag. Ein Ausschreiben des Ober- consistoriums an die evangelischen Pfarrämter lautet: Seine Königliche Hoheit ber Grobherzog haben Allergnädigst geruht, auch in diesem Jahre für den Sonntag Palmarum (3. April) die Feier eines allgemeinen Buß- und Bettages nnzuordnen, und für die in allen evangelischen Kirchen des Landes abzu­haltenden Gottesdienste die nachstehenden Predigttexte ausge­wählt und bestimmt, nämlich: 1) Für den Vormittag: Jesaias 43, 24. 25. Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missethaten. Ich, Ich tilge deine Uebertretungen um meinetwillen, und gedenke deiner Sünden nicht. 2) Für den Nachmittag: 2. Thimotheus 2, 19. Aber der feste Grund Gottes bestehet und hat dieses Siegel: Der Herr kennet die Seinen; und: es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet. Sie wollen, wie herkömmlich am Sonntag vorher, unter Verlesung der vorstehenden Schriftstellen die Feier des Buß- und Bettages ankündigen und allen Ernstes zur roür bigen Begehung besselben die Gemeinbe ermahnen; am Bußtag selbst aber auf Grunb des göttlichen Wortes ein­dringlich zu den Herzen reden, die Gewissen schärfen und auf wahre Bekehrung und Lebensbesserung hinwirken. Wohl muß der Christ im Gefühl seiner Sündhaftigkeit allezeit sich beugen vor dem Herrn, doch ganz besonders soll dieses ge« schehen an dem Tag, da Fürst und Volk sich demüthigen vor dem heiligen und gerechten Gott. Und wenn auch jede Predigt und Auslegung des Evangeliums ein Hinweis fein soll auf die heilsame Gnade Gottes, die in Jesu Christo erschienen ist, so wird doch die Verkündigung von des Höchsten Güte, Geduld und Langmüthigkeit gewiß freudig aufgenommen und tröstlich fich erweisen in den Wcihestunden, da man weiß, daß viele Tausende mit uns eins sind in dem Flehen: Herr! erbarme Dich über uns, vergieb uns unsre Sünden, fei uns gnädig um Deines Namens willen! Mögen die Glocken des Buß- und Bettages weithin hallen mit der Mahnung: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort! Möge derselbe ein Warnungszeichen fein für viele in ernster Zeit, wo Unglaube, Weltsinn, Fleischeslust und hoffärtige« Wesen überhand nehmen mehr und mehr; ein Panier in dem Kampfe mit den Mächten der Finsterniß, das uns vorange­tragen w rd und dem wir mit frischem Muthe folgen. Dec treue Gott aber, welcher überschwenglich thun kann über alle»,

Der HundesLnger bin ich ja, Stets luftig, hetsa, hopsasa! Der Hundefänger ist bekannt Bei Mops und Spitz im ganzen Land; Weiß mit den Hunden umzugeh'n, Und mich aus's Peitschen zu oersteh'n; Drum kann ich froh und lustig sein, Denn alle Hunde sind ja mein.

Der Hundesänger bin ich ja, Stets luftig, heisa, hopsasa! Der Hundefänge-- ist bekannt, Bei Mops und Spitz im ganzen Land; Ein Netz für Hunde möchte ich, Ich fing sie Dutzendweis für mich, Dann 'perrte ich sie bei mir ein, Und alle Hunde wären mein.

Soweit, wäi in dem letzte Versch angebeub is, berfbe jeboch bem Hundsfänger sei Befugnisse net geh, dann deß wer mit de Freiheit, däi der Herr Eisender fer die Hund fordert, net vereinbar. Im Jndreffe von de Hund unn be Hunbebefitzer wolle merr hoffe, bass'es bem Verein zur Zich- bung reiner Hunberassen gelingt, möglichst viel Bewegungs­freiheit) fer sei Schilling ze erlanae.

En jeber Tourist werb mit Vergniege vernomme hawe, daß be Aussichtsthorm ufflm Diensberg boch jetzt bahl e fest Gestalt aaienemme verspricht sobald nämlich deß needige Klaageld beifamme is. En Thorm von Staa is uff jedem Fall em heelzerne vorzeziehe, obgleich die Summe von simf- dausend Mark viel Holz is; bagege werd sich awer aach der Staathorm bedeudend vordhaalhaster brefendirn unn es läßt sich aach besser in Staa gehage die Inschrift aabringe:

Unn wenn's aach hart gehahle hott Unn 's war kaa Kinneriptel: E Denkmal der Beharrlichkeit, So strhn äich hät am Ziel!

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