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27/02/1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 49 Zweites Blatt. Sonntag den 27. Februar

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Erscheint täglich mit Ausnahme dcS MontagS.

Die Gießener

Wamittenb kälter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

NezugspreiA vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg- monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh».

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

>«««hme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Heneral-Anzeiger

Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS 3n» und AuSlcmbeA nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger ertt^g«.

2lmts* unb Anzeigeblatt für den "Kreis Gießen.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Kchnlstratze Kr. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Lheil.

Bekanntmachung, da- Ersatzgeschäft pro 1898 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen des Kreises Gießen für das Jahr 1898 findet an den nach­benannten Tagen statt und zwar:

I. Zu Lich im Rathhaussaale.

Mittwoch den 2. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen und Holzheim;

Donnerstag den 3. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Hausen, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf;

Freitag den 4. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenheim, Münster, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Ober-Hörgern, Rabertshausen und Rodheim;

Samstag den 5. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg.

Montag den 7. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung.

II. Zu Gießen in der Restauration Zum Lonys Bierkeller", Schanzenstraße 18. Dienstag den 8. März, Vormittags von 8 Uhr an:

Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten - Buseck, Annerod, Bersrod mit

Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen- Buseck, Hattenrod und Heuchelheim;

Mittwoch den 9. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1896 und 1897) und dec Gemeinde Großen-Lindcn;

Donnerstag den 10. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1898) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinde Klein-Linden;

Freitag den 11. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reis­kirchen, Rödgen,Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck;

Samstag den 12. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung.

in. Zu Grimberg im Gasthaus zum Rappen.

Montag den 14. März, Vormittags von 9 Uhr au:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Belters­hain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, und Lauter;

Dienstag den 15. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain.

Mittwoch den 16. März, Vormittag von 9 Uhr an :

. Loosziehung.

Besondere Bestimmungen.

1) Zur Musterung haben sich, bei Meldung der gesetz­lichen Strafen, zu stellen:

Diejenigen, dem Großherzogthum Heffen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militär­pflichtigen, welche

a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil ihre Heimath oder ihren ständigen Wohn­sitz haben und sich nicht in einem andern Theil? des Großherzogthums Heffen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) ange­gebenen Eigenschaften aufhalten;

b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienst­boten, Haus- oder Wirthschaftsbeamte, Handlungs­diener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehr­burschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen;

c) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder mährend ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Heffen, noch in einem andern deutschen Staate Domicil be­sitzen oder sich aufhalten;

und im Jahre 1878 geboren sind;

ferner

Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1896 bezw. 1897 zurückgeftellt worden, oder nach ihrer gezogenen Num­mer disponibel geblieben, d. h. nicht ein­berufen worden sind.

Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Be­rechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist.

2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, habenihreLoosungsscheine mitzubringen.

3) Wenn von einem Militärpflichtigen, oder für einen solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter Zurück­stellung in Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforder­lichen Nachweise und Zeugniffe vor dem zur Musterung an-

Feuilleton.

Hnmoristischks Allerlei aus'm Giesser Anzeiger.

Don Car! Geißlrr.

E Frag, däi schont oft dischkerirt unn aach kerzlich unn zwar in ere sehr anregende Weis im Aazeiger widder aageregt worde is, werd sich in neechfler Zeit so kurzer Hand net leese lasse; äich maane: die Saalbaufrag. De Herr Eisender von dem Eigesandt hält de Bau von em Saal- unn Theaterbau abselutt fer nodwennig unn dringlich unn liest unsere wohlhawende unn reiche Börjer emal geheerig die Levitte, daß se net schont längst ehr mild Hand uffgedha unn greeßere Summe fer en Sualban gespendt hawe. Daß Verlange is net so ganz unberechttgt, jedoch war des leuchtende Beispiel der Hansestadt Breme, das de Herr Eisender uns vor Aage gefihrt, seidher häi noch net bekannt, er hott des­halb nor derr Aaregung bedorft unn mer kann iwwerzeugt sei, daß sich's däi Reiche hinner die Ohrn schreiwe unn mache so verschiedene Dausende fer den edle Zweck mobil, daß bei uns mit de zwaa malhunnert dausend Mark nor so um sich geschmiffe werd, wäi in Breme, glaaw äich zwar net, degege hahl äichr so gut wäi sicher, daß sich unser reiche Leud jetz sehr beeile werrn, rächt dies in ehrn Geldbeudel ze greife unn meeglichst viel Goldfichs erauszehohle, well Jeder gern de Erscht sei meecht, sein Name in goldne Buschdawe in de Annale von Giesse prange ze seh. Unn Eil dhut in dem Fall merklich noch, sonst ersteht ehnder e zwaad Synagog als en Saalbau.

In de Annale von Giesse geheert aach eigezeichend ze werrn de Beschluß vom Dedalljisteverein, die Lade Aweuds um 9 Uhr ze schließe unn außerdem druff hizearweite, daß vom neechste Neujahr aa, die im heechste Grad unsittliche Neujährcher net mehr verabfolgt werrn. Mit'm letzte Punkt wer en Zankappel mehr aus de Welt geschafft unn beim erschte iS de D dalljiste e Wohldhat erwiese, däi gar net ze schätze iS. Awer aach Wohldhate hawe ehr Schadde- ftide, dann von jetzt aa kenne die Ladebesitzer, däi gern e bische die Feierawendsiunn iwwerdredc unn ze lang im Werds- haus hocke, sich net mehr druff berufe, se hätte erscht um elf oder halb zwölf zugemacht. Kemmt das immer noch vor, so kemmt en die Bollezei uff die Belz unn se wärrn gestraft, jedoch hawwe se dann Widder den Trost, daß se enschädigt

sinn dorch de Wegfall von de Neujährcher, die doch aach immer in's Geld gerisse sinn. Kinfdig hi werds also net meeglich sei, daß desraachende Dienstmädche", das in Berlin bereits uffgedaagt is unn in Giesse unzweifelhaft bald Nach­ahmung sinne werd, vom Ladsbesitzer als Neujährche e Päckche Sigarette oder e Kistche Sigarrillos tritt; awwer aach gar manch arm Fraa werd deß Pindche Kaffee oder e paar Pund Saafe vermisse, die sonst als Neujährche in ehrn Korb ge- wanncrt sinn.

Is erscht de Dedallfisteverein mit seine Mit- unn Net- rnitglieder immer den Punkt vom Neujährche vollstennig aanig, dann is des Schmerzenskind der Colonialwaarnhändler bis uff Weiteres von seine Schmerze erleest.

So häti' bet Sttnnchs ac.ch geschlage, N^ujädrLe! das seit ahler Zeit Die Giesser in ehrm Herz gedrage, Das Jung unn Ahld hat lang erfreut.

So sterzt merr heutzedag deß Ahle! Ob das, maß nachkemmt, brsser is? Fer sicher kann merrsch noch net hahle E Schmerzenskind iS ganz gewiß.....

Daß en neue Hans Sachs in Schotte erstaune is, kann ahm nur aogenehm berihrn unn besonnersch deshalb, rneil ja die Poesie aus'm Läwe der Geschäftsleud fast genzlich ver- schwinne dhut. Vielleicht iS merr der Schotter Schuh- macher unn Poet dezu dankbar, mann äich em emfehle, sei Schuflerhandwerk an Nagel ze henke unn sich an die poedisch golden Hunnertvierunnoerrzig in Frankfort ze roenne, däi em in Aabedracht seiner poedische Begawung gerniß gern en Poste als Hausdichter gibbt.

Kaan bessere Zeidpunkt, als mäi de Faßnachtsfonndag hält sich de Herr Rekdor Ahlrnardt za feim Vortrag: Die Juddeftag unn de Fall Dreyfus, gar net rneehle kenne. Die Gemiedher sinn in bene carnevalistisch aagehauchde Dage net besonnersch emfenglich fer bollidische unn sociale Dinge unn die Zuheerer vom Ahlrnardt harnwe darum aach sein Vordrag net so ernst genomme, was ja iwwerhaapt schont de Name Ahlrnardt voraussetzt.

Die Juddefrag unn die Affähr Dreyfus-Esterhazy-Zola unn was sonst noch fer Affährn drom unn dran henke, sinn schont so braat gedrede morde, dass'es ahm bahl owe eraus- kemmt; da braucht merr grad noch de Herr Ahlwardt, um aach fein Senft dezuzegewwe unn deß leer Stroh noch emal ze dresche! Weil deß Uffdrede vom Herr Rector Ahlwardt

fer die Mensche immer maß Belustigendes hott unn ahm unwillkirlich an die Faßnacht erinnert, so mitt äich de dießjährige Faßnacht aach noch e paar Morde widme.

Maß merr am beste von de ganze Fassenacht gefalle hott, war e Begeweheid von der äich persenulich Aage- unn Ohrnzeuge war.

Da kam äich vor e paar Dag Aweuds de Selterschweg erunner unn bin an's Wattdhor gange. Vor merr her ginge zwaa Dame, die maskirt warn unn ehrm Gespreech haw äichs aageheert, daß se uff de Maskeball im Cafo Leib wollte unn zwar haamlicher Weis, daun die Ah schien merr e Braut unn die Auuer e jung verheurad Fraa ze sei, unn allem Aaschei nach sollt wedder de Bräudigam, noch de Ehemann waß von bere Maskerabe w.sse. Frauezimmer kenne ja net gut waß uff'm Herze behahle unn nor bem Umstaub Ham äichs ze verbanke, baß äich beß All in Erfahrung gebracht unn aach bie verschiebene Freudeausbrich babrimmer Der» nomme habb, baß noch in be letzt Stuun gelunge mar, beß schmauebelzbesetzte Boliuuekostim, mas bie Braut aahatt, ferdig ze stelle unn bie meiße Glasseehänniche so tabellos sauwer ze mäsche. Unnerm lebhafbeste Meinungsausdausch mar beß Päärche bis an Leibs Saal komme unn wäis im Begriff stanu in diese Heilge Halle eizedrede, ba stolwert bie Boliun unn schmeißt be lange Weg in Dreck. Aeich wollt er gleich hilfreich beisteh, es war awer net neebig in Action ze brebe, bann wäi be Blitz war se widber uff be Bah, alla beß Kostim halt be Deuwel geholt unn bie frisch gewäschene Glasseehäuusche hatte uff be Hanofläch kaan weiße Fleck mehr! Aeich wollt be Dame mei Beileid immer den bebriemenbe Unglicksfall ausspreche, könnt awer kaa Worb aabringe, weil se in ahm fort ausgerufe hawe: Ei du großer Gott, ei bu großer Gott!

Unn weil be Fluch be beese Dhab uff'm Fuß gefolgt is, hawe sich bie Zwaa roibber uff bie Fieß gemacht unn sinn, diesmal awer, um net geseh ze roern, dorch bie Branbgaß, iroroern Branb unn be Kanzleiberg higange, wo se herkomme warn.

So sehr mich die Bolln unn ehr Begleidern aach ahnes- dhaals gedauert hott, daß fe uff ehr Sergniege, wo fe sich so arg druff gefreub hatte, verzichte mußte, so könnt äich annerndhaals roibber beß Lache net verbeiße immer die Dabbichkeit von bere Botin unn von Grunb meines Herzens haw äichs err gegennt, bann bie Weiwer berfe net ungestraft ehr Männer hiunergeh!