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N». 49 Drittes Blatt.
Tsnntaa den 27. Februar
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1898
Hrfcheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Di« Gießener Mamitieubkätter «erde» dem Anzeiger »vchenllich viermal beigelegt.
(tncßeiiei Anzeiger
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Amtliche» Theil.
Gießen, 25. Februar 1898.
Betr.: Errichtung einer Provinzial. Biechenanstalt für Oberhrssen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
att die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises.
Sie wollen binnen 14 Tagen berichten, ob und welche Persoaeu sich iu Ihrer Gemeinde befinden, deren Aufnahme in die zu gründende Provinzial Siechrnanstalt wünscheuSwerth erscheint.
Da» von ArmenverbSnden zu zahlende jährliche Pflege« gelb ist zu 120 Mk. io Aussicht genommen.
Bei jeder Person ist außer dem Nsmru uud Alter an« zugeben, ob sie gehört
1. zu den Siecheu, die ganz oder meist bettlägerig find,
2. zu den Stechen, die nicht bettlägerig find uud noch etwa» beschäftigt werden können,
3. za den nicht geisteskranken Epileptischen,
4. za den harmlosen GristeSkraukeu, welche der Pflege tu den Irrenanstalten nicht oder nicht mehr bedürfen. Wetter ist auzngebeu, ob die betreffende Person auf Kosten de» Land- oder OrtS-ArmenverbandrS verpflegt wird, hezw. wie hoch diese Kosten find, oder ob fie zu deu Selbst- zahle»» gehören würde.
Irgend eine Verbindlichkeit, die Aufnahme in die Stechenanstalt für die fraglichen Personen demnächst wirklich »achzusuchen, wird durch Ihre Angaben nicht begründet.
v. Gagern.
Politische Wochenschau.
In Ostasien hat Deutschland wieder insofern einen Erfolg zu verzeichnen, al» die neue chinesische Anleihe, um welche nun schon seit einiger Zeit ein Wettstreit entbrannt ist, an ei» deutsche» und ein englische» Unternehmen übertragen wurde. Rußland ist also leer ausgegangen, und e» scheint, al» ob John Bull jetzt neuerdings am Pekinger Hofe domintrt. In welcher Weise dreS auf da» Verhalten Rußlands gegen
über China einwirken wird, muß die nächste Zukunft lehren. Vielleicht hängt damit schon die über London aus Ostafien etugelaufene Meldung zusammen, daß die russische Regierung auf eine Aufforderung China», deu Hafen von Port Arthur im Frühjahr zu räumen, ablehnend beantwortet habe. Jedenfalls ist die Erwiderung der Petersburger Regierung nicht recht klar, aber man glaubt daraus schließen zu dürfen, daß Rußland beabsichtige, sich dauernd in dem genannten Hafen festzusetzen.
Die Verhandlungen der Budgetcommissiou des Reichstages über die Floiteuvorlage haben am Donnerstag ihren Anfang genommen und zu vertraulichen Ausführungen de» Staatssekretärs Ttrpitz geführt. Das politische Leben dürfte nunmehr mit dem Eintritt iu die Berathungen deS Martue- etat» etwa» Anregung erfahren, denn um die Flottenvorlage dreht sich das Hauptiutereffe der politischen Kreise. Welchen Schluß mau aus den Darlegungen des Abgeordneten Dr. Lieber iu der Commission ziehen darf, läßt sich schwer sagen. ^Entweder ganz oder gar nicht", so erklärte derselbe, und der gleichen Anschauung waren auch die Vertreter der recht« stehenden Parteien und der Nattonalliberaleu. Aus der ersten Sitzung ließ sich die definitive Stellungnahme der etuzelueu Fraettoneu noch nicht erkennen, aber man darf wohl au- uehmen, daß die Mehrheit für die Vorlage sein wird.
In anderen Jahren hatte da« Festmahl de» brandenburgischen ProvinziallaudtageS dem Kaiser Gelegenheit zu einer Aussprache über die jeweilig besonder» interesfirenden inuerpolitischru Verhältniffe gegeben; diesmal wußte der Monarch einer Erkältung halber fern bleiben. Maa erwartet mit Spannung, wie fich der Kaiser einmal über unsere Wttrh- schaftspolitik aussprechen wird.
Der Untergang des nordamertkauischen Kreuzers „Maine* im Hafen von Havana beschäftigt die spanischen und amerikanischen Kreise noch unausgesetzt und wirft noch immer einen Schatten auf die Beziehungen der beiden Länder. Freilich haben die Untersuchungen Über die Ursache des Unglücks den Verdacht, daß ein Racheact vorliegt, nicht bestätigt, sondern einen Zufall als vorliegend erscheinen laffen, aber die Spannung zwischen den beiden Nationen ist doch zu tiefgehend, als daß eine Beruhigung so leicht eintreten könnte. Man führte vielfach die Rüstungen, welche die nordamerikanische Union betreibt, auf dieses gespannte Verhältniß zurück, doch wird von Washingtoner maßgebender Seite versichert, daß
der Plan zu den Erhöhungen der HeereSstärke und zu der Errichtung von neuen Befestigungen weiter zurückliege.
In Frankreich herrscht großer Jubel ob der Ver- urtheilung ZolaS; ob die Ernüchterung nicht bald eintritt? Die Zustände in der französischen Republik find nicht allzu vertrauenerweckeud und die Regierung steht heute nicht wehr so fest, wie noch vor einem Jahre. Das Cabin-t Möline giebt fich ja alle Mühe, ein für französtsche Verhältniffe recht hohes Alter zu erreichen, aber eS kann auch einmal ein sehr schnelles Ende nehmen. Der ganze Verlauf des Zola-ProzeffeS stellt fich als ein Gewaltakt des Militarismus dar, an welchem dieser fich wohl kaum genügen dürfte. Frankreichs Ansehen im Auslande ist durch die jüngste Sffaire keineswegs gestiegen, die gloire der gründe nation hat vielmehr bedenklichen Schaden erlitten.
Auch im Laufe der letzten Woche ist in Oesterreichs innerpolitischen Verhältniffe» keine große Aenderung eingetreten. Die Hoffnung, daß die Wirre» bald ein Ende nehme» möchten, hat fich nicht erfüllt. Dir Beziehungen zwischen Slaven und Deutschen bleiben fortgesetzt gespannt, wa» auch neuerdings wieder zu Aurschreitungeu aller Art, diermal in Laibach geführt hat.
In Ungarn ist die agrarsocialistische Bewegung noch nicht gedämpft uud scheint doch tiefere Wurzeln geschlagen zn haben, al» mau ursprünglich anuahm. Bisher hat die Regierung nur drakonische polizeiliche Maßregeln gegen die Führer al» Mittel gefunden.
Dem Obercommandanten der serbische» Armee, König-Vater Milan Obrenowitsch, ist großer Heil widerfahren; der Sultan hat seine großen Verdienste anerkannt durch die Verleihung der Jmttrez-Medaille. Der Sultan will fich anscheinend einen Freund auf dem Balkan sichern, was man ihm Angesichts der schwierigen Lage, in welcher er fich befindet, wahrlich nicht verdenken kann. Ob er aber bei der Wahl deS Freunde» glücklich gewesen ist uud vorsichtig, da» möchten wir füglich bezweifeln, denn Herrn Milan ist nicht recht zu trau«».___________________________ (xx)
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Februar. Die Abendblätter melden: Wie jetzt bekannt wird, hat der Kronprinz da» Fähnrichexamerr „mit Auszeichnung" bestanden; er wurde vom mündliche» Examen dispenfirt.
Feuilleton.
Das Spionagewesen im Krieg und Frieden.
Skizze von Alexander Bauer.
• (Nachdruck verboten.)
Der Prozeß Zola hat die allgemeine Aufmerksamkeit wieder einmal auf eine der dunkelsten Erscheinungen des Lölkerlebens. gelenkt: auf das Spionagewesen. Mit Recht galten von Alters her Spione und Denuncianten als die verwerflichsten Subjecte dec Gesellschaft, mit welchen ebenso- wenig Jemand etwas gemein haben wollte, wie mit dem Henker. Man braucht sie, aber läßt sie fallen, wenn sie ausgedient haben: das Beispiel des Mohren im Fiesco ist typisch für die ganze Gattung. Von selbcr drängt sich hier die Frage auf, ob nicht Diejenigen, welche sich der Spione bedienen, auch die moralische Verantwortung mit ihnen theilen. Unser Zweck an dieser Stelle ist nicht, die Frage vom moralischen Standpunkte aus zu betrachten. Sicher ist, daß. wer einmal den Krieg gelten läßt, auch die Spionage nicht ent« behren kann, wobei sich dann die sonderbare Thatsache ergiebt, daß alle kriegführenden Völker sich der Dienste von Spionen bedienen, trotzdem aber die etwa in seine Hände fallenden feindlichen Spione mit hohen Strafen belegt. Daß in Folge dessen nicht von einer Strafe aus moralischen Beweggründen gesprochen werden kann, ist klar; es handelt sich in erster Linie nur darum, die Verräther abzuschrecken und unschädlich zu machen. Verloren ist an dm betreffenden Subjecten in keinem Falle viel, denn aus natürlichen Gründen geben sich nur die erbärmlichst x Charactere zu Zwecken der Spionage her. —
Das Wort Spion ist italienisch; die Bezeichnung besitzt einen verächtlichen Beigeschmack und wird daher nach der bekannten Methode: „Ja Bauer, das ist ganz was anderes" in der Regel nur auf die feindlicher Späher angewandt. Die eigenen Spione heißen wohllautender: Agenten oder Kundschafter. Doppelfpione nennt man solche, welche, um
ihre Thätigkeit besser ausüben zu können, scheinbar in feindliche Dienste treten. Sind diese Doppelspione zuverlässig, so vermögen sie sich ihren Auftraggebern äußerst nützlich zu er- weisen. Allerdings liegt die Gefahr stets nahe, daß sie sich ihre Arbeit von beiden Seiten bezahlen lassen. Die Höhe der Bezahlung der Spione richtet sich nach dem Werthe der zu leistenden oder geleisteten Dienste; je billiger sie arbeiten, um so verdächtiger sind sie. „Ker's, die um ein paar Gulden Nachrichten bringen, nützen nichts", heißt es zutreffend in einer Instruction aus dem Jahre 1805. Bezüglich der Be- urtheilung muß mau auch gerechter Weife einen Unterschied zwischen Krieg und Frieden machen. Im Kriege, wo die Gewalt zum Gesetz erklärt ist, gelten alle Listen; ein Soldat, welcher die Schwächen des Feindes unter Gefahr für das eigene Leben zu erforschen strebt, ist daher durchaus nicht auf eine Stufe zu stellen mit einem Lump, der um Geld feine Wissenschaft dem Meistbietenden verkauft. Auch eine Sendung in Feindesland zu Spionagezwecken wollen wir noch entschuldigen, denn es widmen sich auch Offiziere im Interesse des eigenen Heeres dem Späherdienst in anderen Ländern. Aufs Höchste verwerflich ist und bleibt natürlich der Verräther des eigenen Vaterlandes. Ein Feind hat wenigstens die Entschuldigung, daß er den Interessen seines Vaterlandes dient, ein Vaterlandsverräther verkauft seine eigenen Brüder an ein ungewisses Schicksal.
Der Spionendienst ist so alt wie der Krieg überhaupt, er ist unzertrennlich von ihm. Schon Homer berichtet von den Listen, welche zur Anwendung gelangten, um hinter die Geheimnisse des Feindes zu kommen. Moses und Josua bedienten sich der Kundschafter zur Erforschung des Landes Kanaan. Josua, Capitel 2, Vers 1 heißt es: „Josua, aber der Sohn Runs, halte zween Kundschafter heimlich ausgesandt von Sittim, und ihnen gesagt: Gehet hin, besehet das Land und Jericho". Die englischen Truppen in Amerika unterhielten gegen die Indianer und Franzosen ihre bezahlten Kundschafter, meist Waldläufer ä la Lederstrumpf, deren Dienst durchaus nichts Ehrenrühriges hatte. Diese Männer standen sogar in hohem Ansehen, denn ihre Thätigkeit er
forderte außerordentliche Geschicklichkeit, mit Kraft und Muth gepaart. Eine ähnliche Stellung nahmen b;e Bomberos irr den südamerikanischen Staaten ein. Wilde Völker sehen überhaupt im Spionendienst nichts Verwerfliches, in ihren Augen ist es eine rühmliche Thätigkeit, und nur der 33er- räther feines eigenen Stammes ist verächtlich. Je mehr sich die Nationen organisirten, eine umso festere Organisation erfuhr auch das Kundschafterwesen. So unterhielt Napoleon I. seine geschickt sunctionirenden bureaux d’espionnage, und die Geschichte weiß uns nicht genug von den Ohren zu berichten, welche damals dis Wände hatten; kein Mensch war mehr sicher vor Verrath, selbst nicht in seinen vier Pfählen.
Jetzt besitzt fast jedes Land eine Centralstelle, der dis Aufgabe obliegt, alle wichtigen Nachrichten über ein anderes Land — besonders über die benachbarten oder in irgend einer Weise gefährlichen Nationen zu sammeln. In Deutschland sind mehrere Abheilungen des Großen Generalftabes mit der Erforschung und Verfolgung der militärisch-intereflan- ten Erscheinungen des In- und Auslandes betraut und zwar sind jeder Abtheilung bestimmte Staaten zugewiesen. Im Falle eines Krieges gilt es eben, über das feindliche Land fo gut rote möglich informirt zu fein; nicht nur über die Stärke und Ausrüstung der Armee, sondern auch über Anzahl und Stärke der Festungen, über das Eisenbahn- und Telegraphen- roefen, über die Straßen, Wege und Pässe des Landes, überhaupt über alle Kriegsmittel des Feindes. Daher trägt die mit dieser Mission betraute Abtheilung alle Nachrichten zusammen, welche irgendwie geeignet erscheinen, ihrem Zwecke zu dienen. Einen Theil derselben liefern die eigenen Gesandten und Consuln, ferner die officiell zu den Manöver» der Nachbarstaaten entsandten Offiziere, die Zeitungen des betreffenden Staates, aus welchen alle geeigneten Notizen entnommen und zusammengestellt werden. Natürlich erfährt man aus erstere Weise nur diejenigen Vorkommnisse, an deren Verheimlichung nichts gelegen ist, denn eine weitergehende Art der Berichterstattung würde sich nicht mit der Würde der osficiellen Sendboten eines Staates vertragen. Eher erweist sich schon die Ausbeute der Zeitungen als nutzbar, wenn man


