rinm erfolgen. Damir wird zugestanben, daß Zurltnden darauf hält, FreycinetS Zustimmung zu erhalteo, weil die Verrhetdiguug sooft Gelegeuhett gehabt hätte, die Gesetzlichkeit bei Vorganges zu bestreiten.
Pari», 24. November. Heute Nachmittag wurden die Schriftstücke des Gouverneurs, wonach Ptequart vor ein Kriegsgericht gestellt wird, dem Kriegsgericht zugestellt. — Der Colonialmtnister hat der Frau Dreyfns erlaubt, ein Telegramm an ihren Gatten zu senden. Dal Telegramm muß aber an den Gouverneur von Guyana gerichtet werden, der es Drryfus auShäudtgt.
Pari», 24. November. Der Schriftsteller Go hier, welcher morgen wegen seiner die Armee beleidigenden Broschüre verhört werden sollte, wird von dem Soctaltsteuführer Jaurös vertheidigt werden.
Madrid, 24. November. In RegierungSkreisen versichert man, daß der Friedens-Vertrag im nächsten Monat bestimmt unterzeichnet werden wird. Die Tortes sollen in der ersten Hälfte del Deeember znsammeutreten, damit der Vertrag noch vor Weihnachten ratifieirt werde. Alsdann werden die CorteS am 22. Deeember wieder btt* tagt. Tagasta wird gleichzeitig feine Demission geben. Man glaubt aber, daß ihu die Königin-Regentin wiederum mit der Bildung des neuen Cabtuets betrauen werde.
Konstantinopel, 24 November. In gut unterrichteten Kreisen wird ein Mtnisterwechsel für unmittelbar bevorstehend bezeichnet. Said Pascha soll zum Großvezir ausersehen sein.
«merika. Die Politik der „offenen Thür" für die Philippinen, so hat der StaatSseeretär Hay in Washington soeben erklärt, bedeute dte Ttuführuug des amerikanischen TartfsystemS daselbst, welche» gleichmäßig gegen alle Nationen, auch gegen die Bereinigten Staaten selbst gehandhabt werden solle. Nach der amerikanischen Berfaffung könne eine solche offene Thür aber nur beibehalten werden, so lange dir Philippinen unter Schutz* Herrschaft gehatten werden- sobald die Annexion stattsände, müßten dieselben Zölle, Steuern u. s. w. dort erhoben werden, tote in den Bereinigten Staaten. Ein Sonderversahren für die Philippinen könnte daun nur durch einen Zusatz zur amerikanischen Berfaffung eingeführt werden. Dies sei praktisch unmöglich, da hierzu eine Zweidrittel Mehrheit im Ton- greß und die Genehmigung durch drei Viertel aller Staaten nöthig wäre. Die offene Thür werde daher nur so lauge dauern, wie das neue Gebiet unter der Schutzherrschaft oder einer militärischen Verwaltung verbliebe. — Die Londoner „Daily New»" meint hierzu, der Enthusiasmus für die amerikautsche Ausdehnung würde ziemlich gedämpft werden, wenn sie die AuSbreitnna des Dinaley.Syst-m» bedeute.
Ceeelee «nft prot>in$UIUs»
Vietze«, 25. November 1898.
* * Anläßlich der SebnrMagSfeier Ihrer Königliche« Hoheiten de» Grotzherzog» und der Großherzogin zeigen ö ff ent* Uche und Privatgedäude heute Flaggenschmuck.
* * «u» dem Verwaltungsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 23. No* vember den Mtntstertalsecretär bei dem Ministerium de» Innern, Dr. Eugen Wagner, zum Krei»amtmann bei dem Kreisamt Friedberg mit Wirkung vom 1. Deeember l. I». zu ernennen.
• * Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer* Wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 29. October de« Mitgliede der Freiwilligen Feuerwehr zu Mainz, Johann Salzer.
• * P. Zum 25. November! Im Anschlüsse au die übrigen Schulanstalteu Gießens beging auch die Volksschule gestern Nachmittag in ihren Turnhallen da» Allerhöchste Geburt»- tag »fest Ihrer Köuigl. Hoheiten de» Großherzog» und der Großherzogin. Au» dem Programm sei bemerkt, daß die Feier, wie üblich, mit Gesang begann. Die hierauf folgende Ansprache eines Mitgliedes de» Lehrercollegiums hob de» Tages Bediutung in avgemrffener Weise hervor und klang in einem Hoch auf unser geliebtes Herrscherpaar au», in da» Alt und Jung begeistert eiustimwte. Der Redner wies hierauf auf die heutige Enthüllung des Denkmals weiland Großherzog Ludwig IV. in Darmstadt hin und knüpfte an diesen Act noch beherzigenswerthe Worte an. Nachdem noch ein Stück deutscher Geschichte mit Rückblick auf spectell hessische Geschichte zum Vortrag gelangt war, schloß die Feier mit der Ermahnung an die Jugend, den Inhalt der soeben vernommenen warmen Aniprache zu beherzigen und darnach zu handeln zum eignen wie auch zum Wohle uuseres geliebten Vaterlandes.
• • Der Oie,hessische Sefchichttverein hielt gestern Abend im Las« Ebel eine Hauptversammlung. Wir werden über dieselbe noch eingehend berichten.
* • baalbau verei«. Noch vor dem Weihnacht-feste wird der Saalbau-Bereiu seinen zweiten Abend abhalteu und zwar am Donnerstag den 15. December. Daß dieser sich zu einem ungemein lustigen gestalten wird, steht mit Sicherheit zu erwarten, da sür ihn bte beiden beliebten Frankfurter Komiker Grüu und Strohecker ge- wouueu sind.
• * Stadttheater. Die gestrige Vorstellung, in der da» Trotha'sche Lustsptel „Hofgunst" zum zweiten Mal gegeben wurde, war leider sehr spärlich besucht, wa» umsomehr zu bedauern ist, al» die Darsteller durchweg recht flott spielten.
* * btadttheater. Hebet den demnächst zur Aufführung gelangenden Schwank „3m Fegefeuer" schlecht das „Havnov. Tageblatt": „Dem Stücke war der Ruf voraus- gegangen, daß es reich an komischen Situationen und Wortwitzen sei, und die stattliche Anzahl von Aufführungen, die der Schwank au namhaften Bühnen bereit» erzielt hat, ließ keinen Zweifel an der Unterhaltsamkeit seine» Inhalt». Die hiesige Aufführung hat da» Alles bestätigt. Es ist viel gelacht worden und viel applaudirt, und die Dtrectiou kann sich aller
Wahrscheinlichkeit nach auf eine recht lange Reihe von Wieder- ; Holungen gefaßt machen. Die in dem Schwanke behandelte Idee muß al» solche gelobt werden. Die mancherlei Unbequemlichkeiten und Nadelstiche, mit denen auch ein sogenannter glücklicher Brautstand den Bräutigam nicht zu verschonen pflegt, find ein geeigneter Stoff zn schwankmäßiger Ausbeutung, und es soll gern anerkannt werden, daß den Verfaffern eine Reihe von höchst wirksamen und drolligen ©eenen gelungen ist.
♦* Die Buchhandlung von August Free», hier, bietet Bücherfreunden in dem soeben herausgegebenen Literarischen weihnacht-catalog für 1898 einen zuverläsfigen Rathgeber bei Büchereinkäufen sür den Weihnachtstisch.
•• Hebet die am 23. d. Mt». abgehaltene Geueralver- sammlung de» Detaillisteu-Bereiu» Vietze« theileu wir nachstehend das Wesentlichste mit. Der Mitgliederbestand betrug zu Beginn des Geschäftsjahre» 116, neu hiuzugetreteu find 22, zusammen 138, von diesen schiede« auS: 2 durch Tod (Herr Stroh und Herr Rübsameu), 6 durch Au»melduug, 1 durch Ausschluß, sodaß ein Mitgliederbestand von 129 verbleibt, mithin ein Zuwachs von 13 Mitglieder. Ein sehr thätigeS Mitglied im Vorstand hat der Verein in der Person des Herrn Rübs amen verloren, an seine Stelle wurde Herr Franz Schmidt al» Vertreter der Eiseubranchr gewählt. — Die Geschäfte des Verein» wurden in 21 Bor- standSfitzungen erledigt. — Die schriftliche« Arbeiten hatten in Folge der Vorbereitung zur Coufereuz so zugenommeu, daß für den Schriftführer Herrn Röhr es nicht möglich war diese zu bewältigen, es wurde ihm deshalb ein Srcretär in der Person des Herrn Fritsch beigegeben. Beiden Herren wurde der Dank sür treue Mitarbeit ausgedrückt. — Generalversammlungen wurden 3 abgehalten- in einer derselben wurde spectell der bekannte Proceßsall betreffend unlauteren Wettbewerb behandelt. — Lommiffiousfitzungeu fanden 3 statt mit der Tagesordnung: Fragebogen zur Klein- handel-Evquete, ferner die Conferenz betreffende Gegenstände. — Die Conferenz der Südwestdeutjchen Detaillisten-Bereine fand hier statt. — Vorträge wurden 2 durch Herrn Lavdgertchts- rath Müller gehalten und zwar über das Thema: die beabfichtigteu Aenderungen des Handelsgesetzes im Anschluß an daS geltende Recht. — Protocolle wurden verfaßt 28, Briefe 207. — 15 Fälle des unlauteren Wettbewerbes wurden behandelt und zwar 7 durch Briefe, 1 durch Anwalt ohne Klage, 1 durch Anwalt mit Klage (derselbe befindet fich noch tu der Schwebe), 1 durch Polizei und Anzeige (geringe Strafe), 2 als ungerechtfertigt erklärt und zurückgezogen, 2 mündlich erledigt, 1 blieb unerledigt. — Eine Warnnng wurde veröffentlicht, Emaillegeschirr.—Drsgl. eine Aufforderung an das Publikum in der Presse. Auf eine veröffentlichte Klage, daß Kaufleute anstatt 1j4 Pfund 120 Gramm verkauften, wurde das Publikum aufgefordert nicht im */< Pfund sondern Decirnalgewichte 125 Gramm zu verlangen. — Bezüglich der Heberschreitungen gegen das Gesetz, betreffend den unlauteren Wettbewerb, ist erfreulicher Weise zu coustatiren, daß diese immer seltener werden und hat auch hier die Heberwachung und das Einschreiten des Vereins segensreich gewirkt. Bei den meisten Anzeigen liegt der Fall so, daß nicht beizukowwen ist und das Gesetz nicht ausreicht. — Die Vorschläge deS Herrn Dr. Gutfletsch, die Selbsthülfe der Vereine immer mehr walten zu lassen und bei dem Ausbau des Gesetzes dahin zu wirken, daß die Klagen ähnlich wie bet den Gewerbegerichten ihre Erledigung finden, außerdem die Zuläsfigkett der Kläger ohne Anwalt bei den Gerichten erreicht würde und die ungeheueren Kosten vermindert würden, fanden die Billigung der Mitglieder. — Bon der Handelskammer war der Verein beauftragt einen Fragebogen zu den Erhebungen über die Lage des Kleinhandels auszuarbeiten. — Ein Referat: „WaS vetstehen Sie unter Detailhändler" wurde der Haudelskammer erstattet. — In Bereinsangelegeuheiteu kann jeder Zeit Auskunft durch deu Borfitzendeu des Verein- Creditreform und den Verband Htffen-Waldeck eivgeholt werden. — Auch kann über Manifestanten, ebenso von den in Gütertrennung lebenden Eheleuten in den von Seiten de» Verein- augefertigten Listen durch die Mitglieder Einsicht genommen werden. — Die Redacttonen der Zeitungen wurden brieflich ersucht, im xebactionctten Theil die Empfehlungen von auswärtigen Firmen wie Mey & Edltch, Empfeh vagen von Christbaumschmuck, al» auch die bekannte «othleidende Weber* annocce möglichst zu unterlassen. — Die Eingabe an die Stadt- Bteberthalbahn, in welcher auf die Bonheile der Fortsetzung der Bieberthalbahn von Bieber in die Strecke Weiden- Hausen—Gladenbach —Bischoffen—Herborn einmündend, für die Geschäfte in Gießen htugewtesen wurde, 'st befürwortet und Hnterstützung Seiten» der Stadt zugefichert worden. Ebenso wurde brschloffeu, eine Vertretung der Stadt der Kleinbahn-Commission beizugeben. — Auf eine Eingabe an da» Großh. Krei-amt, Offenhaltung der Läden au den letzten Sonntagen vor Weihnachten bi» 8 Hhr Abend» betreffend, wurde für den letzten Sonntag bi» 9 Hhr Abend» statt- gegeben. — Auf die Anregung de» Vereins auf Einführung eines einheitlichen Ladenschlüsse» haben sich mit Ausnahme der Metzger, Cigarrenhändler und einiger Bäcker fast alle Geschäftsleute (260 Firmen) bereit erklärt, ihre Geschäfte gemeinsam um 9 Hhr Abends zu schließen. Den Geschäftsleuten wurden Placate vom Verein zur Verfügung gestellt. Diese Einrichtung wirkt auch wohlthätig auf die kaufmännischen Schulen. — Auf dem Verbaudstag dtS Ceutralverbandes deutscher Kaufleute in Wiesbaden war der Verein vertreten. Au» deu Verhandlungen auf diesem konnte man fich über die traurige Lage deS Kleinhandels iu vielen Städten infolge der Ccocurrenz der Confum vereine, Filialen Waareohäuser einen Begriff wachen. — Auf dem Delegirteutag iu Leipzig hat der Vorfitzende deS Darmstädter Detaillisten-verein», Herr Schmidt den Verein vertreten und auch darüber berichtet. — Heber den HaudelStag in Berlin dem der Vorsitzende 1 beiwohnte wurde f. Z. einige» von Belang mitgetheilt. — Eine Klage der Al»felder Gefchäft»leute, welche um Hnterstützung gegen da» Borgehen der Oberförstereien nachsuchtr,
welche ihre Hvterbeamteu zu einer Kleiderkaffe zu vereinige« beabsichtigen wird bei der Handelskammer geeignete Schritte beim Ministerium einzuleiten, befürwortet. — Bon der Anregung zur Gründung eines Vereins zur Hebung de» Fremdenverkehr» wurde Kenutniß genommen. — Bezüglich de» gegen die Kölner Consumanstalt eingeleiteten Procrffes theilt der Bo,fitzende mit, daß in dem letzten Termin al» Sachver- ständtar die Herren Tribus, Nowack und Nassauer über En gros Preise gehört wurden. Die Strafe wurde von 500 Mk. auf 20 Mk. ermäßigt und auf da» vorläufige Huterlaffuug der Bemerkung „En gros Preise" im Detailhandel auf den Preislisten ei tonnt. E» steht nachdem, was bisher in dieser Angelegenheit geschehen, außer Zweifel, daß manche Firma vorfichtig in der Fassung ihrer Reclamen fein wird. — Schließlich berichtete der Vorfitzende über die hier im vorigen Monat stattgehabte Conferenz der südwestdeutschen Detaillistenvereine, und brachte die umfangreiche Brochüre, die Referate und Resolutionen die Conferenz betreffend zur Vertheilung. Wir haben über diese Conferenz schon früher berichtet.
* • Glaserarbett. In verflossener Nacht wurde am Liubev- platz der Student Dubois de Suchet aus Mainz von einer Schutzmanuspatrouille dabei abgefaßt, als er au einer GaSlaterne eine Scheide einschlng- nicht genug damtt, belei« digte er auch noch den Beamten.
DaS Großh. Ministerium der Justiz hat an sämmtliche heffischen Gerichte ein Ausschretbea gerichtet und dieselbe« auf die Wichtigkeit de» Staat»schuldbuches für die zin»bare Anlage von vormundschaftlichen und pflegeschaftlicheu Geldern ausmerksam gemacht. Da» Ministerium theilt mit, daß die Benutzung de» Staat-schuldbuche», namentlich wa- die Sicherheit der Kapitalanlage betreffe, so erhebliche Bortheile biete, daß den Bormundschaft-behörden nur empfohlen werden könne, diese Art der Anlage und Sicherung von Mündelgeldern, wo immer thunlich, zv wählen- auch werde fich bet entsprechender Benutzung de» Staat-schuldbuches da- gerichtliche Hinterlegung-verfahren vereinfachen.
Eberstadt (Kr. Gießen), 25. November. ES dürfte wohl Manchem von Jatereffe fein, zu erfahren, daß Lehrer H a s s e l b a u m von Eberstadt nach Anordnung hoher Schulbehörde, DieuStag den 6. Deeember lfd. JrS. sein. 50jähriges Dienstjubiläum feiert. Der Gotte-dtenst beginnt um 10 Hhr Morgen», daS Weitere geht vor fich im Gasthaus „Zum Schwanen". Zahlreiche Betheiligung ist erwünscht.
Darmstadt, 24. November. Ein hübscher Zug aus dem Leben des höchstseltgeu Großherzogs Ludwig IV. wird dem „Darmst. T. A." erzählt. Der von seinem Volke so hochverehrte Fürst begegnete im Winter 1879 auf einer Schlittenfahrt von Darmstadt nach Meffel, wohin der Hohe Herr fich zu Jagd begeben wollte, dem damaligen Landbriefträger Schwarz, der fich bei schlimmem Wetter und dem noch viel schlimmer« Wege ganz gewaltig abarbeitete, zu seinem Ziele zu gelangen. Schon von Weitem hatte der Großherzog den armen Manu beobachtet, wie er fich abmühte, seinem bei solcher Jahreszeit so schweren Dienst nachzukommm. Als er nun in seine Nähe kam, ließ der Fürst halten und den Postboten hinten auffitzen. In kurzer Zeit war derselbe am Orte feiner Bestimmung, und mit herzlichem Danke und heiter« Antlitz schied der Mann von feinem Großherzog — und hats nicht vergeffen. Mit einer kleinen Berspätung an dem Rendezvous Platz angekowmeu, sagte der Großherzog zu den bereits versammelten Jagdherreu: „Komme heute etwas später, habe die Meffeler Post befördert."
△ Mainz, 24. November. Zu den, den 29. d. MtS, stattfiuoeudeu ErgäuzuugSwahleu zur Stadtverord- uetenversammluug hier, find die vereinigten bürgerlichen Parteien jetzt mit ihren Caudidaten hevorgetreten. Bi» auf wenige Auruahmeu gehörten die Caudidaten schon seither drm Stadtverordneteu'Eollegium an. Die Socialdemokraten habe« ihre Candidatenliste nur zur Hälfte veröffentlicht, indem sie ihre früher schon geübte Praxis wiederholen, die der eigenen Partei mangelnden Caudidaten aus den Reihen der Caudi- daten der übrigen Parteien zu nehmen, um so ihrer CaudidateuL liste ein etwas unparteiisches Auseheu zu geben und fie manchen Kreisen genehmer zu machen. Durch da- gemein* same Handeln der bürgerlichen Parteien läßt e» fich unschwer Vorhersagen, daß nach den Wahlen die Parteigruppirung in der Stadtverordneten-Bersammlung dieselbe bleiben wird wie seither, aber immerhin ist die Möglichkeit nicht au-gcschloffen, daß durch Streichung eine- oder de- andern Namens der gemeinsamen Cand'datenliste vielleicht zwei oder drei Social- demokrateu gewählt werden.
A Mainz, 24. November. Seitens des Reichsamtes des Innern tu Berlin find die Inhaber einiger bedeutenden hiesigen Weinfirmen eingeladeu worden, an den Vorarbeiten zur Revision des Weingesetzes theilzunehmen. Die erste Sitzung der Conferenz findet erst Anfangs Januar in Berlin statt.
Worm», 23. November. Der ProvinztalauSschuß in Mainz hatte fich iu seiner gestrigen Sitzung mit einem für die Stadt Worms interrffanten Fall zu beschästtgen. In Worm» bestand seit Jahren eine Düngerfabrik, welche Eigen- thum eine» Herrn Hach war. Dieser verkaufte die Fabrik an etueu Herrn Dr. Ernst Enß - doch kaum hatte derselbe Besitz von der Fabrik genommen, al» die Stadt Worm» einen Polizeibefehl erließ und die Fabrikation untersagte. Dies geschah auf Grund der Bestimmung der Gewerbeordnung, nach welcher bei einer concesfionspflichtigeu Fabrik die Sou- s cesfisu erlischt, sobald die Fabrik drei Jahre laug nicht in Betrieb gewesen ist. Der Provinzialaugschuß entschied gestern, ! daß der Polizeibefehl aufzuheben sei und die Stadt Worms die Kosten zu bezahlen habe. Für Worm» wird die» eine theuere Sache werden, weil der Fabrtkbetrteb schon über et» halbes Jahr polizeilich untersagt ist und Worms daher diese« Schaden zu tragen hat.


