Ausgabe 
26.11.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 278 Erstes Blatt.

Tamstag den 26. November

1898

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K*rrrsprech«r Nr 5L

Amtlicher Tbeil.

Höerhesstscher Höslöauverein.

AereiusbezirL Kietzen.

Am Sonntag, d'w 27. November Nachmittag» 4 Uhr findet tn der Wirtschaft ooa Jacob Stelu am Bahndof h Eich eine Versammlung statt, in wclcher der Siere är de» Verein», Herr R. Reichel», Lehrer an der Großh. Obst« dauschnle tn Krtedderg überObstdaurndüngung^ undObst- verwerthung im Haushalte^ sprechen wirk'.

Die Mitglirver de» Obrrhrsstschen Odstbanverein» sowie fsustige Interessenten werden hierzu freundlichst eingeladen.

Gießen, den 24. November 1898.

Der Vorsitzende de» BereinSbrzirk» Stehen de» Oderhesfischen Odftbauveretn»: Frhr. Schenck

Siehe», 24 November 1898.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gietzen Mu die Gr. Bürgermeistereien vou Lich und den benachbarte» Orten.

Obige Versammlung wollen Sie tn Ihren Semetnden auf ortȟbliche Weise bekannt wachen.

I. B.: Dr. Wagner.

Bekanntmachung.

Da» Königliche Proviantamt tn H^nau kauft gesunde», aut gereinigte» Hafer, gute- Pferdeheu sowie ge- suudeS Roggeu'Flegelstroh. Bc> Hafer-Angeboten »st die Einsendung einer P.obe von reichlich '/4 Liter erforder« ltch. Angebote von Prodncenten werden, sofern da» avge- borene Natural den vorgeschrtebenen Bedingungen entspricht, defonder» berücksichtigt.

8» bietet fich somit den Herren Landwirthen eine günstige Selegenhri», ihr Natural ohne Zwischenhandel vortheilhaft zu verkaufen.

Den Prodncenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch der Ver­käufer Magaztnsäcke, jedoch unfronkirt, zur Verfügung gestellt. Die Abfuhr von de» Bahn w.rd auf Wunsch für Rechnung de» Verkäufer» übernommen.

Jede wettere Auskunft wird berettwilltgst von dem ge- Nannten Amte mündlich wie schriftlich ertheilt.

Stehen, den 23. November 1898

Srohherzogltch Höfische» KrrtSamt.

I. B.: Dr. Wagner.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 24. November. Ihre Ratserlichen Hoheiten der Gr oh für st und die Srohfürstiu Sergiu» von Rußland find um 11 Uhr 62 M»n. vou Wmdior hier eingurvffen, am Bahnhof von Ihren Röntgltchen Hoheiten de« Srohherzog und der Srotzherzogin empfangen und nach dem Neuen Palais geleitet worden.

Berlin, 24. November. Der ,Reich»auzeig«* veröfleut- licht btt Abberufung de» Gesandten beim päpstlichen Stuhle, Otto v. Bülow und die defien Anträge gemäß erfolgte Versetzung in den Ruhestand. Zugleich wird die an Herrn v. Bülow erfolgte Verleihung de» Großkreuze» de» Rotheu Adlerorden» mit Eichenlaub bekannt gemacht.

Berlin, 24 November. Der Buvde»rath genehmigte tu seiner heuttgen Sitzung die «u»schuhberichte und die (int- mürfe de» Etat» für den Reichskanzler und die Reichskanzlei, für das RetchSamt des Innern, für das Reichs-Schatzamt, für da» Reich» Sisenbahaamt und für den Rechnung»hof de» Deutschen Reiche».

Berltn, 24. November. Gegenüber der frauzöfischen Blättermrldung, daß Seiten» der deutschen Regierung Schritte beim Mtnistertu« de» Aeuheru in Pari» gethau worden seien, um al» eine Loneesfion da» Recht für den deutschen Tonsul zu erwirken, die deutschen Katholiken in Palästina zu beschützen, ist diePost* tu der Lage, zu eonstütireu, dah keine Verhandlungen wegen der Proteetorat»fragr in Pari» stanfinden. E» könnten anch keine stotrsiaden, weil t» einzig Sache de» Deutschen Reiche» sei, ob e» seine Unterthaneu tn der Fremde umerstützeu wolle und könne.

Berlin, 24. November. Geschenke de» türkischen Sultan» für da» Kaiserpaar. Fast gleichzrittg mit

dem Kaiserpaar find auch die von dem Snlian gespendeten Geschenke In Deutschland eingth offen. Der vampser,fit»bo»* von der deutschen Levantrlinie, der do« kaiserlichen Oberhof- mar>challa«t auch mit der Be'ölderung de» kaiserlichen Re-se- gepäcke» betraut wurde, landete am Mittwoch mit den Ge­schenken in Hamburg. Dir Kisten mit St ckereirn, Teppichen, Seidenstoffen au» der Manufaetur in Hereke, mit Bildrrn und sonstigen Kunst- und Schmuckgegeuständen, füllen einen Waggon vollständig. Da in den Palastgädten zu Konstantinopel junge Ledernbäume, sowie m t Früchten beladene Kaffee- bäume da» besondere Jntereffe der Kaiserin «regten, so hat 1 der Sultan auch vou diesen einige Exemplare mitgesandt. Mit der Ablieferung der Geschenke hat der Sultan seinen Odergärtner, einen Deutschen, branstragt. Auch fiebzig seltene Hühner befinden fich unter den Geschenken. Im Hin­blick auf die Vorliebe de» Kaiser» für den Waffersport schenkte der Sultan seinem kaiserlichen Freunde auch zwei Kaik», da» find in der Türkei gebräuchliche, ganz schmale Boote. Dem deutschen Kaiserpaare wurde, wie nachträglich bekannt wird, während seine» Aufenthalte» in Konstantinopel von einer jungen Türkin Ziluure Hanum eine So«Position überreicht, die fie eigen» auf den Besuch de» deutschen Kaiser- paare» geschaffen und mit de« deutschen MottoWillkommen* versehen hatte. I tzt hat der Kaiser al» Dank für die finnige Gäbe der Spenderin ein goldene» Medaillon über­senden laffen, da» reich mit Brillanten besetzt ist und den Na«en»zug drS Kaiser», sowie die deutsche Kaiserkrone auf­weist. Die Eowpofikiou w ll fich der Ralf« gelegentlich einer Abendunterhaltung durch eine Regiment»kaprlle Vor­spielen laffen.

Altona, 24. November. Da» hiefige Landgericht v«- handelte heute unter Ausschluß der Dt flenntet fett gegen den vchirwrnacher Oldenburg, der prahlerisch geäußert hatte, er solle im Austrage der Hamburger Anarchistin den deutscheu Kaiser bei seiner Rückreise von Jerusalem ermorden. Olden­burg wurde zn 8 Jahren Grsängaiß verurtheilt.

Mürtl en, 24 November. Da» deutsche Kaiserpaar ist heute vormittag 11'/, Uhr in einem au» acht Hofwagen bestehenden Sonderzuge auf der Durchreise von Pola nach Baden Baden hier eiugetroffen. Auf de« festlich geschmückten Bahnhofe waren zur Begrüßung der Prinz-Regent, die zur Zett hier wellenden Prinzen de» königlichen Hause» und andere Fürstlichkeiten erschienen. Da der Kaiser fich jeden festlichen Empfang verbeten hatte, war von der Ausstellung einer Ehren Lompagme Abstand genommen worden. Die Begrüßung der hohen Herrschaften war eine sehr herzliche. Der Prinz Regent küßte der Kaiserin die Hand und den Kaiser auf beide Wangen. Sodann führte der Prinzregent feine hohen Gäste ic» FÜrstenzimm« de» Bahnhof», woselbst da» Frühstück eingenommen wurde. U« 1 Uhr sollte die Weiterreise nach Baden-Baden erfolgen.

München,24. November. Die Abreise de» Kaiser- paare» nach Baden-Baden erfolgte um 1 Uhr.

Dresden, 20. November. Die Alter»grenze bei den Sraat»bea«ten. vom 1. April nächsten Jahre» ab wird bezüglich der Einhaltung der Altersgrenze bei den Staatsbeamten im Königreich Sachsen viel strenger al» bisher verfahren werden. Die vollentung de» 66. Lebensjahre» bedeutet da» Ende der Dienstzeit, für die nach vi«zigjährig« Dauer 80 pEt. de» Gehalt» al» höchste» RuhrstandSttn- kommen gewährt werden. Nun ist bekannt, daß viele Be- amte, namentlich ab« die unteren und mittlnen, erst sehr spät angestellt werden, daß fie beim 65. Lebensjahre noch recht wenig Gehalt und bei der Penfionirung noch viel wenig« Pevfion bekommen trücden. E» wurden dah« viel­fach Ausnahmen gemacht und die -wangSwttfe Penfionirung nach Erreichung der Altersgrenze nicht ungeordnet, so daß fich bei manchen Behörden Beamte von 70 Jahren t« Dienst befinden. In Zukunft soll nun keine Rückficht mehr ge­nommen werden, und so dürften orn 1. April 1899 manche Verjüngungen im sächsischen Beamtemhume ein treten, waS im Jnterefle des Nachwuchses nur mit Freuden zu begrüßen ist. Ein sächsisches Blatt schreibt hierzu:ES bleibt nur zu wünschen, daß die vorstehend gekennzeichnete Maßregel bei allen »eamtenflaflen gleichmäßig augeweud« wtrd und daß die» nicht nur bei den Mittel- und Unterbeamten geschieht Dann werden alle sächsischen Staatsbeamten, besonders wegen des befielen SrnporkommenS, der strikten Einhaltung d« Altersgrenze mit Freuden deipfl'chten."

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Budapest, 24. November. Im Abgeordnetenhanse «zielte die Regierung heute einen entschiedenen Erfolg üb«

die Oppofition, indem daS Hau» beschloß, in eine Debatte üb« die JademniiätS-vorlage einzutreten. In den Straßen blieb ollk» ruh «.

Budapest, 24. November. Gestern Abend chrculhrte in liberalen Kreisen da» Gerücht, dah die Ereigniffe d« letzten zwei Tage allerhöchsten Orte» ernstlich verstimmt hätten. Man befürchtet, daß die Stellung vanfftz» wegen seiner zu wenig energischen Haltung erschüttert ist. Der Kaiser wird heute mehrere hervorragende Politiker in Audienz empsanaen.

Budapest, 24. November. Bei dem heute vormittag stattgesunbenen Duell zwischen Hollo und dem Mmist« Perc zel wurde Letzierer durch einen Säbelhieb au der Stirn leicht verwundet.

Budapest, 24 November. In der heutigen Sitzung be» Abgeordnetenhaus»» erklärte der Unterricht»- minister, daß die Hochschulen keine Asyle für raudalirend» Studenten seien. Sollten die Studenten sortsahreu, gesetz­widrige Handlungen zn begehen, bann werde die Hochschule gesperrt werden, vor der Technischen Hochschule und dem Abgeordnetenhause fanden große Ansammlungen von Studente» und Pöbel statt. Die Polizei mußte wiederholt einfchreiten und die Ansammlungen zerstreuen. Al» Banflh zum «dgeord- netevhaufe fuhr, v«snchte der Pöbel den Wagen aufznhalteti, wa» jedoch von der Polizei verhindert wurde.

Pala, 24. November. Der KreuzerKaiserin Elisabeth" wird demnächst in ein« besonderen Mission nach Ehina gehen.

Rom, 24. November. Der Handelsvertrag mit Frankreich wird in Oberitalieu ungünstig beurthellt. Popolo Romano" erklärt, Lnccatti habe wegen einer vor­übergehenden Beflerung de» Geldmärkte» schwerwiegende Zu­geständnisse bei den Wein-, Alkohol- und Gespinnst-Zollsätzen gegen ein Linsengericht gemacht.

Ra«, 24. November. Heute wurde hier nut« dem Vorsitz de» italienischen Justizminister» die Snti-Snar- chisteu-Eonferenz eröffnet. Der italienische Miuister- Präfident und der Minister be» Aeußereu sprachen den Anwesenden für ihr Erscheinen Dank an». Der Justiz- Minister gab noch der Hrflauvg Ausdruck, daß eS der Son- ferenz gelingen werde, gute Resultate zu «zielen. Alsdann wurde ein Bureau gewählt, welches eine Tagesordnung fest- setzen soll.

Rom, 24. November. In der Deputirteukammer gab der Schatzmiuist« vacchelli am Mittwoch daS Finanz- Exposä. Er hob darin das Aufblühen der Industrie und de» Handel» hervor. E» würden Reformen eingeführt werden durch Maßnahmen, die keine Verminderung der gegenwärtigen Steuereinnahmen mit fich bringen würden. Mcw müsse fich mit der Herstellung de» Gleichgewichts zwischen een thatsäch- lichen Einnahmen und Ausgaben zufrieden geben, indem man zur Tilgung der Schulden und zum Bau von Eisenbahnen die vorhandenen Bestände verwendet. Für das laufende Jahr nab die nächsten Jahre sollten keine Anleihen ausge­nommen werden, da noch verfügbare Bestände vorhaudeu seien. DaS Jahr 1897/98 habe «ft einem D«fi,ll vou nur etwa ein« Million abgeschlossen, für 1898/99 werde ein Defizit von rund 14'/, Millionen und für daS Jahr 1899/1900 ein solches von 31'/, Millionen vorgesehen, welche durch den Bau von Eisenbahnen und die EapNaldewegung verursacht werden. Sie würden gedeckt werden durch die Einnahmen au» den durch die Finanzmaßnahmen vom Jahre 1894 ge­nehmigten Operationen mit den tilgbaren Schulden, und durch einen Theil der Beträge, welche dem Staate anS dem ver­mögen der v«boteneu ReligionSgestllschasteu zvfließen. Er werde die Umwandlung eines TheileS der SchatzboudS in 4'/, v. H. Eonsol» in Vorschlag bringen, ebenso die Ab­schaffung der Detroit auf Brod und Mehl.

Antwerpen, 24. Novernb«. Die norwegische Barke Kronprinz" erlitt durch den gestrigen Sturm heftige Havarie. Drei Mann von d« Besatzung wurden durch Sturzwellen über Bord geworfen. Zwei davon wurden ge­rbtet, ein« «traut

Pari», 24. November. Die Delegirteu der spanisch- amerikanischen Friedens.Eonferenz, welche fich gestern versammeln wollten, werden «st am 28. d». Wied« zusammentteten und zwar zu einer letzten Sitzung, nm fich bte Antworten ihrer Regierungen gegenseitig mitzutheileu.

Pari», 24. November. Die von Zurlindeu tn Aussicht gestellte Einberufung be» Kriegsgericht» gegen Picquart wurde bisher noch nicht bekannt gegeben. Auf eine Anfrage im Seunal Eomwando wurde geantwortet, die osficielle Mittheilung »«be Abend» durch ba» KriegSmiuiste-