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Dienstag den 26. Juli
Amts- und Anzeigrblatt für den "Kreis (Kicfjeit
Gratisbeilage: Gictzcucr Familienblätter
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Äwnabmt von Anzeigrn zu der Nachmittag» für den -Olgenden Tag erschnnendeu Nummer bt» Botin. 10 Uhr.
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im neuen Schulgebäude, latze.
Kihalb ftmmlliche • i jebem nur annehm- V
Redacrion, Erveditton und Druckerei:
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«drefle für Depeschen: Anzeiger -tetze».
Fernsprecher Nr. 51.
Nr. 172 Erstes Blatt
Deutsches Reich.
Berlin, 24« Juli. Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist der Hasen von Santiago für ©dj'ffc neutraler Staaten wieder eröffnet.
Berlin, 24. Juli. Der hiesige japanische Gesandte hat im Auftrage feiner Regierung avgezeigt, daß diese den am 4. April 1896 zwischen Deutschland und Japan ab-
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Aezug.pret» vietteljLhrlich 2 Mark 20 Pf», monatlich 75 Pf», mit vringerloh«.
vei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. viertklsährlich.
geschloffenen Handel»- und Schiff fahrt» - Vertrag vom 27. Juli 1899 in Straft zu setzen wünsche.
Berlin, 24. Juli. Nach einer Meldung au» Rügen ist dort gestern etnschwererLöolkeodruch uiedergegangen und hat erheblichen Schaden aagerichtet. Die Wege stehen fußtief unter Waffer. Die zum Bahnhöfe führende Hauptstraße gleicht einem reißenden Strome.
Berlin, 23. Juli. Bi» zu welchem Grade unter der fortwährenden Aufregung durch die innere Krifi» die Urthetisfähigkeit unserer westlichen Nachbarn gelitten hat, mag man au» einem Artikel de» „Jour" ersehen, der die Aufschrift: „DU deutsche Verschwörung" trägt. In ihm heißt e»: „®in Sendbote Schwartzkoppen» befindet sich seit mehreren Tagen in Pari» und hat zahlreiche Zu» sammenkünste mit den Mitgliedern de» (vrryfu».) Syadica.« gehabt. Die Losung geht dahin, die öffentliche Meinung mehr denn je in der Voraussicht kritischer Ereignisse auszuregen. Die Beweise für da» Vorhandensein der Verschwörung find nicht zweifelhaft." Der Artikel schließt mit folgender Drohung: „Die Regierung möge handeln, wenn sie nicht will, daß die Franzosen selbst Justiz üben an dem vielleicht nahen Tage, wo ein gewiffer Zwischenfall ZornauSbrüche entfefielu wirb, die Niemand zu beschwichtigen vermag. Wa« die Armee betrifft, so wird sie, ihrer Pflicht getreu, marfchireu, wie auch der Besehl lauten mag, um sogar ihre Feinde zu beschützen. Kann man von ihr verlangen, daß fie gegen die Franzosen auch die Feinde Frankreich» schütze?"
Berlin, 23. Juli. In den letzten Tage ist au» mehreren Orten, z. B. auS München und au» Darmstadt, berichtet worden, daß die Leiter der dortigen evangelischen Kirchen- Verwaltungen au»erseheu find, an der Einweihung der Erlüsrrkirche in Jerusalem Theil zu nehmen. Daraus ist der Schluß gezogen worden, daß sämmtliche Borfitzende der Kirchenregierungen in den Bundesstaaten dazu abgeordi et würden. Da» wird jedoch, wie der „Boff. Ztg" geschrieb n wird, nicht der Fall sein- die Antworten auf die Einladungen der Evangelischen Jerusalem».Stiftung gehen nur langsam ein, darunter befinden fich auch abl hnende. Al» Grund für solche Ablehnung läßt fich nur die Frage der Kosten an« nehmen, von sachverständiger Seite hat man für jede Person die Kosten der Reife nach Palästina auf mindesten» 1200Mk. berechnet. Den kleineren Kirchengrmeinschaften ist diese Summe zu hocb, man hat keine verfügbaren Mittel für solche außer- gewöhnlichen Zwecke. Wenn von anderen kirchlichen Central- stellen die Antworten nur langsam etngehen, so kommen dadti wohl auch finanzielle Erwägungen in Frage. Emen eigenen Eindruck müßte e» machen, wenn sich diese Ablehnungen mehren sollten. Zum ersten Male soll der deutsche Prottstauti»mu« tm Orient, an der Geburtrstätte des Ehristenthum», selbst«
Erscheint täglich mit Ausnahme de«
Montag».
Die Gießener
-> amilienv tatter »erden dem Anzeiger wächenti'.ch viermal beigelegt.
losen Unterhaltungen mit Freundinnen in Thee- und Kaffeegesellschaften, im Besuche der benachbarten Coodttoret, de« Theater» oder de» Eoncerte». Der B-such der beiden letzteren tst mit keinen Toiletteuuokoften verknüpft, denn Jedermann begibt fich dahin im Straßenanzug. Der deutsche Manu ist in der That glücklich zu preisen, denn er besitzt in seiner Gattin die vortrefflichste Wirthschafteriu und die am wenigsten kostspielige Saloudame. Diejenigen deutschen, nur sehr selttn vorhandenen Frauen, welche fich eine da» Durchschnitt«matz übersteigende Bildung aneignen wollen (von unseren Lehrerinnen- Seminaren, Fortbildnng»schulen, Lyceen und Gymnafialcursm weiß der Autor nicht«) begeben sich zur Erlangung von Diplomen in die Schweiz, denn die Hochschulen und Universitäten in Deutschland gestatten keiner Frau den Zutritt. (Da Herr Henri Ramin seine deutschen Eindrücke im Jahre 1898 herau»gibt, hätte er fich auch wohl die Kenntniß ver- schaffen können, daß Berlin, Leipzig, Heidelberg Frauen al« Hörerinnen zulaffen und Leipzig und Heidelberg an solche auch schon zu wiederholten Malen die Doktorwürde verliehen haben.)
Die sociale Emancipation de» weiblichen Geschlecht» liegt noch im Reiche der Träume und die Anstrengungen der Fraueucongreffe haben bi« jetzt wenig Wandlung schaffen können. Wa» die „freie Liebe" betrifft, so existirt fie so gut wie gar nicht in Deutschland, und die Frauen haben von dieser Entartung noch weniger eine Vorstellung al» die Männer. Freilich ist ihr da» Gesetz auch wenig günstig, und es ist schwer, wenn nicht geradezu unmöglich, in Deutschland mit einer Maitreffe zu hauseu.
Die Gesetzgebung gesteht einem Paare nicht da» Recht zu, dasselbe Logis zu bewohnen, wenn es nicht vor de« Standesamte getraut worden ist. Jeder Vermiether ist also
Feuilleton.
Das neueste Allheit eines Franzosen üöer deutsche Krauen.
(Origimtlberichi für den .Gießener Anzeiger'.)
Dr. M. Soeben ist in Frankreich ein Buch erschienen von einem Monsieur Ramin, da» die Eindrücke, die der Verfasser von unserem Lande empfangen hat („Impressums ■d’Allemagne6 lautet der Originaltitrl), in einer stattlichen Reihe von Artikeln schildert. Im Allgemeinen befleißigt fich dieser Franzmann, im Unterschiede zu vielen feiner Bor- oänaer, die fich bemüßigt fanden, ihre höchst unzuverlasfigen Beobachtungen drucken zu taffen, immerhin einiger Gerechtig- t{tt und möglichster Objektivität, wa» freilich nicht au»- ..ließt, daß 'hm doch hier und da wunderliche Schnitzer Unterlaufen. Wir geben fein Urtheil über die „deutsche Frau" hier im Au»zuge wieder:
° c,» der deutschen Gesellschaft nimmt die Frau,
wa» immer auch die Dichter und Schriftsteller darüber sagen wögen, einen untergeordneten Platz ein. Der Manu, obwohl er fich die Beobachtung guter Manieren sehr angelegen sein laßt und auch bestrebt ist, seinen hindern der' Respect nud die Ehrfurcht vor der Frau einzupragen, welche man „Frauen dienst" nennt, bleibt stet« der Herr und Gebieter.
In der Familie könnte die Frau von einem wahren „Mtul" umgeben erscheinen, wenn nicht diese Anbetung doch wehr in der Einbildung al« in der Wirklichkeit bestände und ihre Bedeutung nicht doch tm Wesentlichen auf die Bedürf« viffe de« Hau«halt« und die Anforderungen der Mutterschaft beschrankt blieb.
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An seine Braut verschwendet der Deutsche die zärt- lichsten Abdrücke- er nennt fie z. B. „mein Schatz". Aber e,st einmal verhelrathet, wird au« dem „Schatz" die brave Hau«häiterin, deren Horizont fich nach den Grenzen ihrer Wirthschast richtet. Die Lectüre de« Kirchbuche« nimmt im Leben der jungen deutschen Mädchen einen wett größeren Raum ein al« die der Belletristen. (Hier hat der Franzose sehr ungenau beobachtet, denn da« junge deutsche Mädchen liest weit mehr al« ihre frauzöfische, englische oder gar russische Mitschwester. Da« erklärt fich ja schon au» der Beschaffen- heit unterer Mädchenschulen, die denen der anderen Länder, von Skandiuavieu und der Schweiz abgesehen, noch immer weit überlegen find und der Neigung zum Lesen der Dichter und Schriftsteller den Boden bereiten. Anw. d. Uebersetzer».) Denn fie wiffen sehr wohl, daß, wenn die Hochzeit»reise beendet, fie geröntgt sein werden, oftmal» daheim zu bleiben, während der Gatte ein Bier- oder Kegellocal aufsucht.
Die Familie ist in Deutschland gewöhnlich sehr zahlreich, die Kinder nehmen die Zeir der Mutter vollständig tu Beschlag, und mau darf fich deßhalb nicht wunbern, daß die deutsche Frau allem Anscheine nach in allen Gesellschaft», klaffen neben dem Manne eine sehr untergeordnete Rolle spielt und ihrer äußeren Erscheinung nach den absoluten Gegensatz von Anmuth und Eleganz aufweist. (Merkwürdig, daß in Deutschland ein größerer Procentsatz schöner Frauen existirt al« in Frankreich, wo die Toilette die stiefmütterliche Behandlung der Natur au«zngleichen berufen ist.)
Uebrigeu« fleißig und dienstbar, ist diese Frau gewiß die beneideu«wertheste Gefährtin für Einen, der fich mit dem Familienleben begnügt.
Die Vergnügungen der deutschen Frau find tm All- gemeint» einfad) und billig; fie bestehen in Bifiien und end.
Theil Bekanntmachung.
Eg wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Äa« 1. Bataillon de» Jasanterie-Regiment» Kaiser Wilhelm
Dienstag den *86. L Mts., Mittwoch den 587. I. Mts. und Donnerstag den 28. L Mts.
3on vormittag» 8 Uhr btl 4 Uhr Nachmittag« ein gefecht»- mäßige« Schießen in dem WtSmarbachtijal, Schießrichtung von der Teufel»mühle bachaufwärts, abhalteu wird. ES darf daher da» Waldgelände zwischen den Straßen WiSmar— KorsthauS WaldhauS, Schmelz—Salzböden, Ruttershausen Ddeuhausen, Ruttershausen—Wismar nicht betreten werden iinb ebenso die nach den genannten Ortschaften führenben
Waldwege. .
Die außerhalb der vorbezeichneten Wälber liegenden «ecker können aastandSloS betreten werden.
Bemerkt wird noch, daß auf alle in da» gtfltyrbete <Schießgelande iührendeu Hauptwegen, Posten aufgestellt find.
Gießen, den 25. Juli 1898.
GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.
n. Gagern.
Jetri. V
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Die Verwaltung Kretas.
Bekanntlich macht Deutschland vor Kreta nicht mehr mit, und so liegt denn den Staaten England, Frankreich, Ruß. land und Italien allein die Mühe ob, endlich geordnete Zu- stände auf der Insel zu schaffen. E» schien, alß ob Europa culturmübe geworben sei, denn man hörte lange nicht» mehr von Maßnahmen, bie doch Kreta so nothweubig waren, wSH- reub früher die Melbungen über die bortigen Zustänbe sich häuften. Ob man daraus wohl schließen darf, daß Ruhe und Ordnung wieder eingekehrt find, daß die Greuelthaten rufgehört Haden und Mord und Plünderung nicht mehr auf der Tagesordnung stehen? Da» Elend unter der Bevölke- mng war vor einiger Zeit sehr groß; sind nun jetzt bessere Verhältnisse vorhanden, und wodurch sind diese herbeigeführt worden? Auf alle diese Fragen gtebt e» keine bestimmte Antwort, und so ist denn sowohl Optimisten wie Pessimisten genügender Spielraum für ihre Anschauungen gegeben.
Die Gouverneurfrage bereitet bekanntlich große Schwierigkeiten: den Candidaten, welchen die Mächte im Ange haben, will der Sultan nicht bestätigen, und die Vorschläge des Padischah finden wieder nicht die Zustimmung der Machte. Ersterer wird keine großen Anstrengungen machen, dem jetzigen Zustance ein Ende zu bereiten, und erst bann nachgiebig sich »weisen, wenn ihm Daumenschrauben aufgesetzt werden. Da
if ObL s 1806 AZ
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Iitwirkung des Compo- rverkauf bei Ernst __ 7255
nun aber jedenfalls etwas geschehen muh, ehe die Gouverneur- frage zur Entscheidung gelangt, so Haden die Admirale der in den kretenfischen Gewäffern liegenden fremden Geschwader ein Regulativ für die provisorische Verwaltung der Insel ent- worsen und solche» dem Präfidenten der Nationalversammlung bekannt gegeben. Dem Regulativ ist eine längere Denk- schrist beigegeben, welche» den Zweck de» Emgrelfen» der Admirale barlcgt. Ein au» der Nationalversammlung zu bildendes Executivcomits soll unter der Oberaufsicht der Admirale die Insel verwalten und auS sechs Mitgliedern bestehen: au« den fünf Provinzen je ein Mitglied und der Präfident der Nationalversammlung, welcher gleichzeitig da» Präfidiurn deS Eomitä» inne hat. WaS nun die künftige Verwaltung der Insel anbelangt, so wird es große Schwierig« ketten machen, eine solche einzuführen, da jetzt in dem weitaus größten Theil der Insel keine Spur von Verwaltung vor- Händen ist. In dieser Beziehung soll dem Executivcomitü eine wettergehende Jnittative etngeräumt werden- die Ad- mirale haben die tilnfttge Gestaltung der Verwaltung nur in großen Zügen festgestellt.
Im Allgemeinen hat man sich bei der Einführung der provisorischen Verwaltung an die tm vorigen Jahre zwischen den Großmächten und dem Sultan vereinbarten Reformen angelehnt, wa« besonders aus den Bestimmungen über bie Rechtspflege unb die Gendarmerie hervorgeht. Die letztere soll jedoch nicht au«schließlich au» Europäern gebildet werden, sondern auch Eingeborene sollen ihr in einem bestimmten Ver- hältniß angehören dürfen.
Zur Durchführung einer geordneten Verwaltung find aber Geldmittel erforderlich, baran gegenwärtig auf Kreta fein Ueberfluß vorhanben. Da» Haden die Admirale ein» gesehen u.ia gleich weise Fürsorge getreff'u; ein internationale« Finanzsyndicat soll gebildet werden, welches das nothwendige Geld vorschießen soll und dafür ermächttgt wird, einen bretprocentigen Steuerzuschlag ganz ober theilweise einzuheben.
So weit fich auS ber Denkschrift ersehen läßt, find bie darin getroffenen Anordnungen nur zu billigen- fie find geeignet, definitive Zustände auf ber Insel vorzubereiten unb dem künftigen Gouverneur die Wege zu ebnen. (XX)
'<1898 (WaUthoratr.y, oncert
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7285
Gießener Anzeiger
j'C— AV /V 2 IJ A AA A (W Alle Anzeigen-BerminiungSstellen M In- und SultanM
| \ H y nehmen Anzeigen für den G'kßener Anzeiger entgeh«.
sek bis auf Meres
7302
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