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26.4.1898 Zweites Blatt
 
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Rr. 96

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T>e Gießener

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Zweites Blatt. Dienstag den 26 April______________________

Gießener Anzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

Die Kriegserklärung.

Die heutigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Spanten find denjenigen zwischen Griechenland und der Türkei kurz vor der offiziellen Kriegserklärung treffend ähnlich. Die letzteren beiden Staaten befanden fich noch im FriedenSzustande, trotzdem aber hatte Oberst Baffo schon längst von der türkischen Insel Kreta Befiy genommen, trotzdem übten fich bereit« die Griechen mit Einfällen in andere« türkische« Gebiet. Auch zwischen Spanten und den vereinigten Staaten ist noch keine Kriegserklärung auSge- tauscht, die Frist, welche ersterem Staate von seinem Gegner im Ultimatum gesetzt worden war, war noch nicht abgelaufen, aber schon begingen die Amerikaner Raub an spanischem Eigevthum, schon huldigten fie dem edlen Kapersport, indem fie eia spanische« Kauffahrteischiff mit dem friedlich klingenden NamenBuenaventura" al« Prise erklärten und in den Hafen von Kehwest eioschlrppten. Da« Hrrz der Yankees hob fich ob dieser Heldeuthot, und frohe Hoffnung schwellte ihre Brust, lüsternen Blicke« sahen sie der wetteren Entwickelung der Dinge entgegen. Aber ihre Handlungsweise begegnete der größten Mißbilligung der Welt, und mit einer gerecht­fertigten Schadenfreude vernahm man, daß die Spanier Revanche übten und ihre Gegner an der verwundbarsten Stelle kränkten, indem sie ein amerikanische« Schiff nach dem anderen wegfingen. Der Kriegszustand war zwischen beiden Ländern also vorhanden, ohne daß eine förmliche Kriegs­erklärung ausgetauscht worden war.

Bekanntlich existirt ein internationale« Recht, ein Völker­recht, das alle cioilisirten Länder zu respectireu sich verpflichtet haben. Wie auf Grund desselben die Großmächte Griechen­land in die Arme fielen, al« diese« fich Uebergriffe gegen die Türket erlaubte, ohne mit derselben auf regelrechtem Krieg«, fuße zu stehen, so hätten schließlich auch die Mächte veran- laffung nehmen können zu dem, allen internationalen Ge­bräuchen zuwiderlaufenden Verfahren der Bereinigten Staaten Stellung zu nehmen. Letztere hatten von vornherein nicht die Absicht gehabt, Spanten förmlich den Krieg zu erklären, aber die Rücksicht auf das Völkerrecht hat den Präsidenten Mac Kinley nun doch gezwungen, Farbe zu bekennen, und er hat am 18. April dem Eongreffe eine Botschaft zngeheu laffen, in welcher der Erlaß einer formellen Kriegserklärung gefordert wird. Daß der Lougreh dem verlangen auch ent- sprechen wird, ist wohl außer allem Zweifel, und so kann mau dann mit der Thatsache rechnea, daß Spanten und Nord, amerika von heute ab fich in regelrechtem Kriegszustände be-

Feuilleton.

Zn Macht und in Wacht!

Zur 50. Wiederkehr des Geburtstages de« König« Otto I. von Bayern.

Von Dr. L. Müller.

(Nachdruck verboten.)

Kau« war der Kanonendonner verhallt, der den Münchenern, und damit dem bayerischen Volke, die Sunde von der am 20. April 1848 erfolgten Thronbesteigung und Krönung König Maximilian« II. brachte, al« am 27. des­selben Monat» schon wieder die Geschütze auffuhreu und vom Schloßgarten auS die Geburt eines Prinzen verkündigten. Weiß und hellblau in der Sonne schillernd, wälzten fich die patriotischen Pulverwolkrn von der Erde ewpor und über da« Land hin, um dem Himmel den frommen Dank und der Nation die frohe Botschaft abzustatteu, daß dem Hause Wtttel«bach ein weiterer Stammhalter geschenkt und da« Herz de« König» und seiner hohen Gemahlin, der ehemaligen Priuzrsfiu von Preußen, aus» Höchste erfreut worden sei. Da« Jahr 1848 wirbelte an vielen Orten und Thronen Deutschland« Pulverwolken auf, auch München war nicht da­von verschont geblieben. Doch waren fie anderer Art al» jene- sie verwundeten, jene aber heilten, diese brachten Trauer und Verzweiflung, jene aber Freude und Hoffnung über da» Scmb®Cr neugeborene Prinz erhielt in der Taufe die Namen Otto Wilhelm Luitpold Adalbert Waldemar. Er selber nannte sich jedoch später, nach de« berühmten Stammherru feine« Fürftengrschlecht», nur Otto.

Er entwickelte fich in überau« schnellem WachSthum zu einem der schönsten Repräsentanten de« bayerischen KöuigS- hause« und die hoben Eltern schauten mit stille« Entzücken und berechtigtem Selbstgefühl auf ihren so hoffnungsvoll fich entfaltenden Sprößltng. Ludwig, sein älterer Bruder, ge­boren am 25. August 1845 und ebenfalls von hervorragender

finden, daß also beide Staaten berechtigt find, einander zu Lande und zu Waffer Schaden zuzusügen, ohne daß irgend eine andere Macht Recht zum Einschreiten hat.

Ganz besondere» Jntereffe erwecken die Erwägungen über die Wirkungen, welche der Krieg auf die neutralen Länder auSzuÜben fähig ist. Deutschland vor allem ist in hervor- ragender Weise an dem Gange der Ereigutffe betheiligt und würde eventuell sehr schwer geschädigt werden können, wenn zum Beispiel eine strenge Blockade amerikanischer Häfen eiaträte. Aber da» braucht wohl kaum befürchtet zu werden, da Spanien seine maritimen Streitkräfte bester ver­wenden kann, al» zur Blokirung feindlicher Häfen. Seine Befitzungen zu schützen, muß jetzt vor allen Dingen da» Hauptaugenmerk Spanten« sein, da die vereinigten Staaten jedenfalls versuchen werden, fich nicht nur der Inseln in Westindien zu bemächtigen, sondern auch den Philippinen einen Besuch abstatten zu wollen. DaS können sie um so leichter, al» fie in Ostasten ein ziemlich starke» Geschwader haben. Auch die Belästigung neutraler Kauffahrer durch spanische oder amerikanische Kaper dürfte nicht zu wett gehen, da fich keine der beiden Mächte mit anderen Staaten in ernsten Covflict zu bringen geneigt sein wird.

E« giebt freilich noch eine ganze Reihe von Belästig­ungen und Unbequemlichkeiten, denen neutrale Schiffe aus­gesetzt sein werden, aber im Grunde genommen werden die Schwierigkeiten nicht so groß sein, wie man vielfach vorher annahm. Daß wirthschaftliche Nachtheile allgemeiner Art tm Gefolge des Krieges sein werden, liegt auf der Hand, und deshalb haben die Mächte auch ein um so größere« Jntereffe daran, Alles anfzubteten, um dem Kriege ein schnelles Ende zu bereiten. (xx)

Berlin. 23. April. Der Kaiser hat den Capttän- Lieutenant v. Krosigk, erster Osfizter des Panzers Branden- bürg, z. Z. in Eadix, unter Belastung tu dtesem Berhältntß der Botschaft in Madrid und den Eapttän-Lieuteoavt v. Rebeur, commandirt als Marine-Attachv in Tokio, der Botschaft in Washington zugetheilt mit dem Auftrage, die kriegerischen Vorbereitungen in den beiden Städten, sowie die kriegerischen Vorgänge in der Nähe zu betrachten und darüber hierher zu berichten. Der letztgenannte Osfizier, der von hier fich demnächst nach Japan begeben sollte, wird unter größtmöglichster Beschleunigung seinen Posten in Washington antreteu.

männlicher Schönheit, und Otto waren in der That die Zierde de« Münchener SchlosteS und auch das Volk hing mit abgöttischer Liebe an seinen Prinzen. Die Verehrung, die eS seinem König entgegenbrachie, Übertrug e« auch auf seine beiden Söhne. Wo fie fich öffentlich zeigten, bet Feier, ltchkeiten oder bei der Parade, da wurden ihnen begeisterte Ovationen zu Thetl.Unser Ludwig! Unser Otto!» tsch« foinste Prtnzepoar, döS d' Welt g'sehe hott!" rannte man fich stolz und freudestrahlend zu und e» hätte nicht viel gefehlt, so hätte man die schönen, kräftigen Jünglinge auf Händen getragen.

AlS dann tm Jahre 1864 am 8. März ganz plötzlich der König Maximilian starb und Ludwig, al» der II., den Thron seines Vater« al« 18jähriger Jüngling bestieg, hatte das Bayernvolk thatsächlich den schönsten König in Europa. Die Liebe be» Volke» vergötterte ihn aber nicht nur seiner idealen, äußeren Schönheit wegen, sondern auch wegen seiner wahrhaft großen idealen Regenteutugende», die, in ihm ver­körpert, da» Bayernland zu« gerühmtesteu Königreich Deutsch­land» machen konnten und in gewtffer Beziehung auch wahr­haft und wirklich machten.

Alle« Schöne und Gute vom Herzen«grunde liebend, gedachten Beide, König Ludwig II. und sein Bruder Otto, ihr Volk zu beglücken und seine großen Männer einzureihkn in den Trtumphzug deutscher Geiste«bildung und Schaffen«- kraft. München wurde zu einem Jsar-Athen. Die Malerei, die Plastik und die Architektur fanden hier willkommene Her- berge und Heimstätte. Hier durfte spater die Mufik Wagner« ihre mächtigsten Tonschwtngen entfalten und, ungehindert vom Staub dieser Erde, sieghaft dem Sonnenziele der Vollendung zustreben.

Al» dann der Krieg gegen Preußen im Jahre 1866 au«- brach, hielt e« den kraftvollen, ruhmbegierigen Prinzen Otto nicht länger müßig tm Schlöffe. Al« die Mobtlisirung der bayerischen Armee begann, meldete er fich bet seinem Groß- ohetm, dem ritterlichen, tm Kriegshandwerk al« Veteran au«

Verli». 24. April. Der Kaiser hat senen Flüget- adjutanten, Obersten Grafen v. Moltke, beauftragt, an dem heutigen Todestage des General - Feldmarschall» Grafen v. Moltke auf dessen Sarg in der Capelle zu Creisau einen Kranz ntederzulegen.

Berlin, 23. April. Der Minister der öffentlichen Atbeiten hat, wie diePost" mittheilt, soeben an die SraatSeisenbahn- Direktoren einen Erlaß gerichtet, in welchem die letzteren angewiesen werden, bet Eisenbahn-Neubauten rc. auf den landwirthschastlichen Arbettermangel Rücksicht zu nehmtn und zwar derart, daß solche Bauten während der Frühjahrs­bestellung und der Ernte, soweit irgend thunlich, mit möglichst verringerter ArbeitSzahl fortzusühren und Unterhaltung«- arbeiten während dieser Zeit möglichst einzuschränken seien, nm so der Landwirthschaft zur Deckung be« in bteser Periode ge­steigerten Bebars» an Arbeitskräften bie Beschaffung von Arbeitern zu erleichtern.

Berlin, 23. April. Der KreuzerGeier" hat auf Befehl be« Kaisers nach Bahia telegraphisch Ordre erhalten, ungesäumt nach St. Thoma» (Westindteo) zu gehen, um bte deutschen Interessen auf Cuba zu schützen.

Berlin, 23. April. DiePost" führt in einem Artikel über den Schutz de« neutralen Etgevthurn» tm spanisch-amertkanifchen Kriege au»: An einer Zustimmung sämmtltcher Großmächte zu einer gemeinsamen Erklärung über den Schutz be« neutralen Eigenthum» könne nicht ge- zweiselt werben. Die eigentliche Schwierigkeit, welche fich einer Einigung entgegenstelle, dürste nur bet England liegen, welche in diesen Dingen freie Hand behalten wolle. Jeden- fall« stehe fest, daß die deutsche ReichSregierung in emsiger Arbeit diese ganze Angelegenheit tn die rechten Wege geleitet habe. Deutschland habe auf dem Kriegsschauplätze große Jatereffen zu vertreten. Der Schutz der namentlich tn den Küstenstödten CubaS lebenden Deutschen werde die deutsche ReichSregierung noch vielfach beschäftigen. Um wirksam auf­zutreten, mangle e« freilich an der genügenden Anzahl von Kriegsschiffen. Der Kaiser verfolge die Sache mit größter Aufmerksamkeit und werde keine Gelegenheit versäumen, bte geeignetsten Maßregeln anzuregen, wo bentsche Jatereffen in den bevorstehenben Kämpfen bebroht sein sollten.

Berlin, 23. April. DemReichSavzeiger" zufolge stellt sich ber Saatenstand im Deutschen Reiche um bte Mitte be» April folgendermaßen bar: Winterweizm 2,3, Wtnterspelz 2,3, Wintcrroggen 2,3, Klee 2,2, Wiesen 2,4; hierbei bedeutet 2 gut, 3 mittel.

ber napoleonischen Zeit wohl erfahrenen, noch in hohe« Atter jugenbltch schneidigen Prinzen Carl, ber bo» Oberkommando über bte gesammteu Bunde«truppen in Süddevtschland über­nommen hatte, und begleitete ihn, begeistert und gehoben durch bie herrlichen, wenn auch mit bem gewünschten Erfolg nicht gefrönten Waffenthaten seiner Truppen während des ganzen Feldzuge« am Main und an der Tauber. Wo der jugendschöne, kraftstrotzende Prinz zu Pferde erfchien, konnte er eine« enthusiastischen Empfange« von Setten der Soldaten sicher sein und wenn er mit köstlicher Grazie seine fein- gebildete Rechte erhob, die HurrahS und Hoch« grüßend und dankend zu erwidern, dann wollte die Begeisterung schier kein Ende nehmen. Bei GerchSheim und Helmstädt, bet Uttttugen und Roßbrunn schlugen fich bte Bayern wie bie Löwen unb machten ihren Gegnern ben Steg blutig und schwer; fie wußten, Prinz Otto werde ihre Tapferkeit rühmend au- erkennen, unb auch die Sterbenben schieben gern, fie wußten, fie starben gleich Helden für ihr Vaterland und ihren König unb ihren schönen Prinzen Otto. Al« bann zwischen Prinz Carl unb Manteuffel zu Würzburg eine Waffenruhe unb am 22. August ber Frtebe mit Preußen zu Berlin abgeschloffeu war, kehrte ber Prinz nach München in sein Schloß zurück.

Dann kam ba« große Jahr 1870. Der Erbfeind erhob fich, um da« deutsche Vaterland in seiner bewehrten Räuber- sanft zu erdrücken. Am 19. Juli überreichte der französische Botschafter die Kriegserklärung au Preußen unb nun gatt e« eiumüthig zusammenzustehen, um dem frechen Beleidiger unb naseweisen Eindringling mit dem bloßen Schwerte die Wege nach rückwärts zu weisen. Bon Ludwig II. war e« lange bekannt, daß sein jugendliche« Herz von begeisterter Hingebung für bte allgemeine Sache erfüllt sei. Dank der deutschen Gefinnung be« König«, besten warmer Herzschlag alle Schlingen ber bayerisch-österreichischen Nentralität«polittk sprengte unb für Ehre unb vaterlanb ben Ausschlag gab, trug bie bentsche Sache ben enblichen Sieg davon.

(Schluß folgt.)