urtheilen und richten könne. Redner hebt die auch in dem Esterhazy-Prozeß vorgrkommene, in der Verhandlung bei verschloffeuen Thüren liegende Unregelmäßigkeit hervor und behauptet, die Republik befinde sich seit 16 Jahren tu deu Händen der Hochfinanz. Er wirft der Majorität vor, daß fie die Republik der militärischen und clericalen Reactiou anSliefere und erklärt, die Socialisten würdeu die Republik vertheidigeo. (vereinzelter Beifall.) Ministerpräsident Meline weigert sich zu antworten, weil, wie er sagt, die Regierung nicht daS Recht habe, fich an die Stelle der Justiz des Landes zu setzen. (Beifall.)
Parts, 24. Januar. Im Quartier latin herrscht Ruhe. In Saint-Malo wurden einige Schaufenster jüdischer Geschäfte zertrümmert. Mehrere Verhaftungen wurden vorgeuommen.
Algier, 24. Januar. Nachdem die letzte Nacht ziemlich ruhig verlaufen war, verbreitete fich heute früh gegen 9 Uhr unter der Volksmenge die Nachricht, daß ein jüdischer Einwohner einen Spanier durch einen Messerstich schwer am Halse verwundet habe. Alsbald bildeten sich erregte Gruppen, die die Läden jüdischer Kaufleute plünderten, in denen Neuheiten aus Parts zum Verkauf standen. Sobald der Generalgouverneur Leptue hiervon erfahren hatte, schritt er unter Vorantrttt von zwei Trommlern, während sechs Zuaven folgten, durch die Straße Bab-el Oneb und ermahnte zur Ordnung. Die unter den Arkaden augesammelte Menge stieß die Rufe auS: Abdankeo, Nieder mit den Juden! Mittags kehrte Leptue in das Regterungspalais zurück, unter verschiedenen Rufen der Menge. Wie eS heißt, soll ein Stuhl nach der Richtung hin geschleudert worden sein, in der sich Leptue befand. Letzterer bewahrte große Kaltblütigkeit und ermahnte zur Ruhe. Unter den Theilnehmern au der Kundgebung befanden sich zahlreiche Eingeborene. Ein angesehener jüdischer Kaufmann wurde angegriffen und mißhandelt. Etwa 20 Personen wurden verhaftet. Alle Fremden, die bei den Ruhestörungen betheiligt waren, sollen sofort auSgewiesen werden.
Bombay, 24. Januar. Heute find 129 Personen au der Pest erkrankt, 131 gestorben. Am gleichen Tage des Vorjahre» kamen 62 Erkrankungen und 55 Todesfälle vor. In den Spitälern find gegenwärtig 717 Pestkranke.
Locales unb ^provinzielles.
Gießen, den 25. Januar 1898.
* * Die Reichlbaukstelle hier bleibt am Donnerstag von DorwittaaS 1/212 Uhr ab geschloffen.
• • H. Stadttheater. Der Sptelplan dieser Woche bot für gestern Abend da» Lustspiel „Doctor Klaus" von A. L'Arronge. Der trotz der äußeren rauhen Hülle doch herzensgute, characterfeste, mehr seinem Beruf als seiner Familie lebende Doctor hat fich hier schon oft vorgestellt und jedesmal eine mehr oder minder große Schaar erfreut. Und nicht nur er, auch sein mit „UniversitätSmittelu" practi- cirender Kutscher LubowSki mit seiner unfreiwilligen Komik, sowie all daS Uebrige, was da» Stück zum Lustspiel macht oder machen soll, erfreute gestern wieder zwar ein nicht allzu zahlreich erschienenes, aber dafür sich dankbar erweisendes Publikum. Die Darstellung war flott und abgerundet. Besondere Anforderungen stellen die einzelnen Rollen au die Darsteller nicht, es bewegt fich alles tu gewohnten glatten Geleisen, deßhalb sei uns erlassen, näher darauf einzugehen.
* • Etadttheater. Am kommenden Freitag wird im hiesigen Stadttheater P. A. Wolff» romantisches Schauspiel „Prectosa" aufgeführt. Um die herrliche Prectosa- Musik Carl Maria von Webers besser zur Geltung zu bringen, soll da» Orchester entsprechend verstärkt werden. Auch hat fich eine Anzahl Mitglieder de» Bauer'scheu Gesangverein» bereit erklärt, an diesem Abend mitzuwirken. — AuS dem Theaterbureau geht uns die Mittheilung zu, daß die jüngste Novität des Berliner LesfingtheaterS, „Han» Huckebein", auch für die hiesige Bühne erworben worden ist. „Hans Huckebein" hat schnell seinen Weg über sämmtliche deutsche Bühnen gemacht und erzielte überall einen durchschlagenden Erfolg.
• * * Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Gestern Abend hielt Herr Professor W. Kükenthal aus Jena einen Vortrag über die Molukken-Insel Halmahera. Der Vortragende hat in den Jahren 1893 und 1894 im Auftrage der Seuckenbergischen naturforschendeu Gesellschaft in Frankfurt a. M. eine zoologische Forschungsreise in dem Malahischen Archipel unternommen, deren Ergebnisse in den Abhandlungen der genannten wisseoschaftlichen Gesellschaft veröffentlicht werden. (Bis jetzt find 2 Bände, Bd. 22 und 23 der Abhandlungen, erschienen.) Al» Arbeitsfeld wurde die größte der Molukken-Inseln, Halmahera, gewählt. Zunächst gab der Redner einen Ueberblick über den Stand unserer thiergeographischeu Kenntnisse dieser Gebiete, und die noch der Lösung harrenden Probleme, entrollte in großen Zügen ein Bild der physischen Natur von Halmahera und ging dann dazu über, an der Hand eigener Reiseerfabruugeu Land und Leute genauer zu schildern. Thier- und Pflauzeu- leben, welche» sich hier in üppigster Entfaltung zeigt, wurden eingehender behandelt und dann die Bewohner HalmaheraS, die malahischen Orang'Slam, und die davon gänzlich verschiedenen, in vieler Hinsicht noch sehr tiesstehenden Alfuren, die im Inneren der Insel wohnen, characterifirt. Letztere ist Redner geneigt, für einen grümalahischen Stamm zu halten, der freilich fich nicht unvermischt erhalten hat. Der Vortragende schloß mit einem Hinweis auf die dereiustige wirthschaftliche Erschließung dieser von der Natur so bevorzugten, etwa 20000 Quadratkilometer großen Insel,- diese Erschließung hat Hand in Hand zu gehen mit der CiviUsirung der Alfuren, während die wohl intelligenteren, aber in vieler Hinsicht degenertrten Orang'slam wohl kaum zu verwerten find. Auch die Chinesenfrage wurde kurz gestreift, und die hohe culturelle Bedeutung hervorgehoben, welche die chinesischen Händler in derartigen, Europäern noch wenig zugäng
lichen Gebieten besitzen. Lebhaftester Beifall dankte dem Redner für seinen ebenso lehrreichen, als fesselnden und interessanten Vortrag. — Wir machen noch auf Folgende» aufmerksam: Da fich, wie Herr Professor SieverS mittheilte, bei Benutzung der großen Aula des UniverfitätSgebäudeS durch die gleichfalls Montags stattfindendeu Proben des Akademischen Gesangvereins Unzuträglichkeiten ergeben haben, so hat der Vorstand der Gesellschaft beschlossen, die Borträge künftig DienStag» stattfinden zu lassen.
* * Haus- und Grundbesitzer Verein. ES wird uns mit- gethetlt, daß der Hau», und Grundbesitzer-Verein beabsichtigt, eine Reihe von öffentlichen Borträgen halten zu lassen. Dieselben beginnen vorauSfichtlich schon in nächster Woche.
* * vefihwechsel. Bauunternehmer Nauheimer erwarb die Hofrairhe Bleichstraße 13, bisher deu Geschwistern Huhn gehörig, für den Preis von 31,500 Mk.
• • Ueberschuß. Da» 2 3. mitelrheinische KretS- turnfest in Homburg v. d. H. ergab einen Ueberschuß von 4045 Mk. 15 Pfg.
• * Wetterbericht. Ueber Osteuropa lagert eine umfangreiche Depression mit einem tiefen Centrum im Innern Rußland». Den Westen de» Erdtheil» dagegen bedeckt hoher Druck, welcher fich von Norden keilförmig bi» nach Süd- deutschland hereinzieht und fein Maximum über dem Canal und über Nordfrankreich aufweist. Dieser Druckvertheilung entsprechend herrscht auf unserem Gebiete trübe», kühle» Wetter mit zeitweisen Niederschlägen, die theilS al» Regen, theil» als Schnee auftreten. — BorauSfichtlicheWitte- rung: Vorwiegend trübes, kühle» Wetter mit zeitweisen Regen- oder Schneefällen.
Seligenstadt, 23. Januar. Der Gerichtsschreiber-Aßpi- rant Cornelius Vötting er hier wurde gestern früh auf dem Bahndamme innerhalb der Gemarkung Groß Auheim von einem Bahnwärter als Leiche aufgefunden. Er vollzog am Freitag zu Mainflingen eine gerichtliche Jnventur-Auf- nahme. Nach beendeter Amtshandlung verabschiedete er fich gegen 6 Uhr Abends von dem ihm asfisttrenden GerichtS- iaxator, setzte über den Main und benützte in Dettingen die Bahn zur Fahrt nach Kahl in der ausgesprochenen Abficht, zu Kieiu Krotzenburg, wo er häufig verkehrte, einen Freundschaftsbesuch abzustatten. In der stockfinsteren Nebelnacht irrte er indessen vom rechten Wege ab und gerieth in die sumpfigen Gebiete oberhalb Groß-AuheimS, au» denen er auf deu Bahnkörper flüchtete. Dort wurde der an einem Augenübel Leidende höchstwahrscheinlich rücklings von einem Zuge überrascht und von der Maschine zur Teüe geschleudert/ hierfür spricht eine klaffende Wunde am Hinterköpfe, die er noch im Todeskampfe mit dem Taschentuche zu verdecken suchte. Die Leiche wurde nach der Friedhofshalle zu Groß- Auheim verbracht. Der unverheirathet Verstorbene entstammte einer braven Bürgerfamilie zu Herbstein in Ober- Hessen, stand im 25. Lebensjahre und war seit etwa 9 Jahren beim hiesigen Amtsgericht beschäftigt. DaS traurige Schicksal deS hoffnungsvollen jungen Manne» erweckt im ganzen Be- zirke, namentlich in unserer Stadt, allgemeine Theilnahme.
Darmst. Ztg.
* Wetzlar, 24. Januar. Gewissenhaft! Der „Wetzl. Anz." berichtet unter Eingesandt: Die gestern, den 23. Januar, in Naunheim anberaumte Volksversammlung konnte nicht stattfinden, da der dortige Bürgermeister behauptete, daß die Anmeldung 20 Minuten zu spät in seine Hände gelangt. Die Anmeldung war Freitag, den 21. Januar NachtS Haupostamt Wetzlar aufgegeben.
* Wetzlar, 24. Januar. Herr AmtSgerichtSrath Dr. Col - not am Amtsgericht in Biedenkopf ist vom 1. Februar ab als LandgerichtSrath nach Cassel versetzt worden.
* Breslau, 24. Januar. Am heutigen 100jährigen Geburtstage Holtet» wurde das Denkmal deS schlesischen Dichters auf der Holteihöhe an der Promenade Prächtig geschmückt. Tausende wanderten zum Denkmal, um dem Andenken deS Dichters ihre Verehrung zu bezeugen. Im Stadttheater veranstaltete die Breslauer Dichterschule einen Gedenkact. Am Abend fanden zahlreiche Gedächtnißfestlich- keiten statt.
* Bamberg, 20. Januar. Bor der hiesigen Strafkammer hatte heute der 19jährige Gymnasialschüler Innozenz Fehringer wegen EinbruchdiebftahlS zu verant- warten. F. hatte im October v. IS. in einer der belebtesten hiesigen Straßen NachtS bei einem Bankgeschäfte den Aus- lagrkasten auSgehoben und fich so Effecten, Münzen und Banknoten im Werthe von ca. Mk. 1000 angeeignet, worauf er sich dann in Nürnberg unter allerlei hochklingenden Namen amüfirte. In Bremen wurde er beim Verkauf eines WerthpapiereS verhaftet. Obgleich ärztlicherseits geistiger Defrct infolge erblicher Belastung begutachtet wurde, erkannte da» Gericht auf die beantragte fünfmonatliche Gefäagniß- strafe unter Zubilligung mildernder Umstände, wobei zwei Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden.
* 1500 Procent Nachschuß bei der gegeuseiligeu Hagel- vrrfichernugS-Gesellschaft „Germania". Die bisherigen Meldungen, daß die infolge ihrer groben Mißwirthschaft in Con- curß gerathene gegenseitige Hagelversicherungs-Gesellschaft „Germania" zur Deckung ihrer enormen Verbindlichkeiten einen Nachschuß von 1000 pCt. einziehen werde, haben fich als unzutreffend erwiesen: Es werden nicht 1000 pCt., sondern 1500 pCt. der Vorprämie au Nachschuß eingezogen, wie in einer am 14. Januar stattgefundenen Sitzung des Gläubiger-AuSschuffes beschlossen worden ist. Als die „Germania" in Liquidation trat, glaubte die LiquidationS-Commis- sion resp. deren Leiter, Herr Director Jüthe von der „Patria" in Magdeburg, daß die Liquidation mit 300 pCt. Nachschuß durchgeführt werden könne. Große Aufregung entstand unter den Mitgliedern der „Germania", al» dann noch
weitere 500 pCt. Nachschuß eingesordert wurden. Biele verweigerten die Zahlung desselben, wa» zu Tausenden von Processen führte, die zum großen Theile für die Gesellschaft ungünstig verliefen. Nun sollen noch 1500 PCt. erhoben werden, im Ganzen 2300 pCt.! Darnach hätte ein Bauer für 10,000 Mk. BerficherungS Summe, für die er ca. 60 Mk. Vorprämie bezahlt hat, eine Nachzahlung von 1380 Mk. zu leisten. Die ganze Prämie würde also für 10,000 Mk. 1440 Mk. betragen, eine Summe, die ficherlich höher ist, als der ganze Reinertrag einer derartigen bäuerlichen Wirthschaft. E« ist ausgeschlossen, daß die Landwirthe den Nachschuß von 1500 pCt. gutwillig zahlen werden, dem ConcurSverwalter wird daher nichts übrig bleiben, al» eine Unzahl neuer Pro- cesse, deren AuSgang ziemlich unsicher ist, anzustrengen, wodurch neue Kosten entstehen und die Verbindlichkeiten der „Germania" immer mehr wachsen. Ein Ende dieser unglückseligen Angelegenheit ist noch gar nicht abzusehen. Jedenfalls sind durch die Zustände bei der „Germania" zahlreiche Landwirthe geradezu ruinirt worden. Wann werden die blinden Anhänger der Gegenseitigkeit endlich den Segen der festen Prämie erkennen?!
* Dem Geldbrieftrager Sieber wurde auf Verfügung de» Staat»secretär» de« ReichSpoftawt», v. Podbieltki, eine Belohnung von 300 Mk. auSgezahlt. Sieber, in Chemnitz angestellt, ist derjenige Beamte, der von einem gewissen MauerSberger überfallen und zu ermorden versucht wurde und bei dieser Gelegenheit mit dem Dolch im Rücken die Verfolgung des Mordbubeu aufnahm.
* Monolog. Schauspieler (ein theuereS Hotel verlassend, pathetisch): „Ich habe nicht umsonst gelebt!"
• Boshafter Vergleich. A.: „Man sagt dem jungen Lehmann nach, er wäre ein große» Licht. Ist da» wahr?" B.: „Ja — aber ein Nachtlicht,"
Cfterotar unb Arenft.
Zu der bevorstehenden hier statlfindenden Aufführung von Schumann, „Das Paradies und die Peri" (op. 50) ist eine von Richard Heuberger geschriebene Erläuterung mit Notenbeispielen in dem „Mufikführer" erschienen. Diese Erläuterung dürste das Verständnitz für das Werk bedeutend erhöhen und dadurch da» Interesse an demselben wesentlich vermehren. Der „Musikführer" ist sowohl an der Kasse, als in den hiesigen Musikalienhandlungen zum Preise von 20 Pfg. pro Nummer käuflich.
— Vom 14. Jahrgang der beliebten und in den Kreisen der Geistesaristokratte weitverbreiteten reich illustrirten Familien-Zeit- schrist ReetamS Universum liegen nunmehr die ersten neun Hefte vor, die schon deutlich erkennen lassen, wie sehr sich Redaction und Verlag bemühen, ihren Abonnenten sowohl in textlicher als illustrativer Hinsicht das Allerbeste zu bieten. Ein höchst eigenartiger Roman von Hermann Hetberg „Der Landvogt von Pelworm" sowie eine überaus rührenve Novelle von Ernst v. Wildenbruch „Die Alten und die Jungen" liegen bereit § abgeschlossen vor, zwei andere, im besten Sinne spannende Romane von Emil Pelschkau und Ehampol haben soeben begonnen. Nach der großm Zahl kleinerer belletristischer Beiträge seien nur die Novellen und Humoresken von Rrchard Voß, Ludwig Ganghofer, Ernst Reinbold Jahn, Karl Söhle und Alwin Römer erwähnt. Prächtig illuftrirte Aufsätze aus all,n Gebieten der Kunst, Naturwissenschaft, Cultur- und Litteraturgeschtchte und Völkerkunde bilden den belehrenden Lheil der umfangreichen Hefte, denen eine reich illustrirle „Rundschau" über alle interessanten Zeitereignisse, eine Litteraturbrilage unh ein vortrefflicher Roman der ausländischen Litteratur in Gratit-Lieferungen betgeheftet ist. Die Kunstbeilagen und Textilillustrationen nach den bedeutendsten Gemälden älterer und moderner Meister sind — zum Theile farbig — meisterhaft ausgeführt und von hohem künstlerischen Werthe.
Frankfurt <u M., 22. Januar. „Bartel-Turaser" von Langmann wurde unter großer Spannung und durchschlagendem Beifall auf der hiesigen Bühne aufgeführt. Der Verfasser ist unstreitig eines der stärksten Talente, das wir gegenwärtig im deutschen Drama besitzen, obgleich er hier den Schluß seines Stückes sichtlich nach dem Vorbilde von Dostojewski'S „Raskolikow" gestaltet hat. Die Darstellung, welche sich fast gänzlich in österreichischer Mundart zu vollziehen hatte, wurde besonders von Herrn Bauer und Fräulein Frank, dem Ehepaar Turaser getragen.
Verkehr, €<mb* unb VoUswirthschaft»
— Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheisenprodrrctttm des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat December 1897 auf 615 455 Tonnen, darunter Puddelrohetsen und Spiegeleisen 139 770 Tonnen, Bessemerroheisen 48158 Tonnen, Thomasroheisen 319420 Tonnen und Gießereiroheisen 108107 Tonnen. Die Production im November 1897 betrug 599125 Tonnen, im December 1896 552 719 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. December 1897 wurden producirt 6 889 067 Tonnen gegen 6360982 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.
Neueste Nachrichten.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 25. Januar. Wie der „Localanzeiger" aus Rom meldet, waren die Unruhen tn Florenz viel schlimmer, als berichtet worden ist. 300 RowthS waren thaisächlich mehrere. Stunden lang die Herren der Stadt. Sie zertrümmerten die Fenster der Redaction des„FiarmoßaS", prügelten harmlose Bürger, erzwangen die Schließung der Cafe» und verübten Rohheiten jeder Art. Eine Attacke der Infanterie trieb die Ruhestörer auseinander. Die Brod- preise waren in diesem Falle nicht die Veranlassung zu den Ausschreitungen.
Berlin, 25. Januar. AuS Kandia berichtet die „Voss. Ztg.", daß die HungerSnoth dort immer größere Lücken in die Bevölkerung reche, welch- gezwungen sei, sich die Da- seinSmittel gewaltsam zu verschaffen. Ein Bericht des englischen Commandanten bestätigt den Wiederbeginn der nicht zu verhindernden Diebstähle und Plünderungen, greift die Regierung wegen Nachlässigkeit in der Ergreifung der Schuldigen an und drückt Befürchtungen für die Zukunft au». Die vorgestrige nächtliche Ueberführung von 24 Uebelthätera an Bord deS Panzers „Hoof" behufs Sburthetiung in ttanea rief, als sie bekannt wurde, Kundgebungen gegen die Regierung hervor. Eine große Menschenmenge forderte die Herausgabe der Gefangenen, anderenfalls die Plünderung der RegiernngSkassr angedroht wurde. Nur dem energischen Vor-


