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Nr. 277 Zweites Blatt Freitag den 25. November
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Unter der Schafherde zu Hof Leustadt, örtil Büdingen, ist die «Sude fest,»stellt und für diese Herde die Gemarkuug»iperre ungeordnet worden.
Gießen, den 28. November 1898.
Großherzogliche« KreiSamt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Nachdem dir Maul- und Klaueusenche in Htm- dach ausgrbrochen und eine größere Berbreilung erfahren hat, ist über Himbach, Krri« Büdingen, Orts- und Ge- »aikungssperre verhängt worden.
Zugleich ist der Seuchenort und dessen Gemarkung gegen da« Durchtreibrn von Wiederkäuern und Schweinen abge'prrrt and bestimmt morden, daß die Au«führung von Thieren dieser Nrt an« dem Seuchenort und btffen Gemarkung nur auf Grund eine« krri»veterinärärztl chen Zeugniffe« und nur zn« Zwecke sofortiger Abschlachtung rach zuvor rtnzuholender polizeilicher Erlaubniß erfolgen darf.
Gießen, den 21. November 1898.
Großherzogltche« Krei-amt Gießen.
____________________v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung.
W gen vorznnehmeuder GaSrohrverlegungSarbriterr wird der Echlffeubergerweg zwischen Berg- nud Licher- strafte ton heute ab bt« auf weitere« für den Fuhrwerk«- vrikrh' g-sperrt.
Gießen, den 22. November 1898.
Grobherzogliche« Polizeiamt Gießen. ___________________I. V.: Roth.___________________ ZÜm^Äbschlutz des italienisch-französischen
Handelsabkommens.
Während e« noch vor einigen Tagen schien, al« ob durch den Raheita Zwischenfall eine ernste Verstimmung zwischen Italien und Frankreich Platz greifen würde, trifft die überraschende Meldung ein, daß ans handelspolitischem Gebiete zwischen beiden Staaten ein U.berewkommen erzielt worden ist, da« schon lange der Wun ch weiter Kreise bildete. Wir haben früher bei Btsprechung der Beziehungen Italien« zu Frankreich wiederholt darauf hingewiesen, daß beide romamscheu Länder in Bezug auf ihre Handel«intereffeu viel- fach auf einander angewiesen seien, und daß der fett Aufhebung bei Handel«vertrage« bestehende Zustand auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden könne. Aber verschiedene politische Zwischenfälle trugen dazu bei, die Annäherung der stamm
verwandten Staaten zu verhindern. Bor Allem war r« da« Vorgehen Frankreich« In Nordafrika, welche« in Italien tiit« Blut «achte und eine Verständigung hinan«schod. Sodann waren r« die Kartätschen, welche im Sommer vorigen I hre« von franzöfischer Artillerie gegen italienisch»« Grbiet abg-feuert Morden waren, die die Spannung zwischen beiden Ländern wieder anfachten. Zwar suchte man de« Vorfall j de Bedeutung abzusprecheu und ihn ans ein versehen zuiückzu'ühren- aber «an blieb in Italien der Anficht, daß die Sctüffe ad- sichtlich abgefeuert worden seien, o« die P ode anzustellen, wa« franzvfischersrit« im Ernstfall grthan werden milfie.
Auch da« Duell zwischen dem Herzog von Tarin und de» Prinzen Heinrich von Orlean« wegen der von Letztere« geübten Kritik der italienischen Armee war geeignet, die Gegensätze zu erweitern- aber schließlich hat denn doch die Bedürsntßfrage den Sieg davongetragen, und da« Handel«- abkommen ist jetzt zur Thatsochr geworden. Die vielfach hervorgetretenen Diff reuzen, die manchmal tu einen Zollkrieg augzuarteu drohten, find nunmehr beseitigt worden.
Ja Frankreich träumt «an davon, daß nach Regelung de« wtrthschaftlichen verhältniffe« zu Jtaliru auch einmal die politischen Beziehungen zu diesem Lande fich beffer gestalten werden. And auch tu Italien gibt r« eine starke Partei, welche einem solchen Auichluß an da« Nachbarland gar nicht abhold ist. Aber btt maßgebenden rvmiichen Persöu- ketten wissen sehr wohl, daß Italten für seinen Freund nur die Kastanien au« de« Feuer holen soll. Alle Reg erungen Italien« während der letzten Jahrzehnte haben eikannt, daß da« Heil ihre« Lande« einzig und allein im Festhalten a« Dreibünde, in einer aufrichtigen Freundschaft zu Deutschland und Oesterreich liegt. I« Verein mit diesen Staaten ist Italien ein Machtfactor, während e« im Bunde mit Frankreich erst an zweiter Stelle stehen würde und fich ton seinem Alliirteu am Gängelbande führen laffen müßte. Veßhalb glauben wir auch nicht, daß der Abschluß de« italienisch- franzöfischeu Handel«vertrage« irgend welche Aenderung In der großen Politik Italien« nach fich ziehen wird. Wir Deutsche werden auch künftig in de« schönen südlichen Lande Trumpf bleiben, wie wir e« jetzt sind. Hat doch unser Kaiser erst jetzt wieder Tympaihiekundgebungen daselbst erfahren, welche einzig dastrhen und zeigen, wie hoch da« Deutschtham tn der Werthschätzung de« Halt etlichen Bo ke« steht. (xx)
Deutscher Reich.
Berlin, 23. November. Wie au« Po la gemeldet wird, ist da« Einlaufen der »Hohenzolleru* «it dem Kaiserpaar an Bord für heute früh 8 Uhr angesagt gewesen. Doch wird die Ankunft vielleicht durch die stürmische See und durch die herrschende Bora verzögert werden. Da» Katserpaar wird durch den Admiral Erzherzog Karl Stephan, der mit seiner Familie in Pola lebt, den Marine Eommandanten Admiral Spaun und den Statthalter Grafen Göß empfangen werden.
Für den kurzen Aufenthalt de» Kaiserp'are« ist folgende« P-ogram« vcrgesehen: Rundfahrt durch die Stadt, Vifichri- gung der röm'ichen Arena und der Altertdümer, Besuch der Familie de» Erzherzog» Karl Stephan und Frühstück an Bord der ^Hobenzollern*. Die Abfahrt de» Katserpaare» mit der Bahn «oll um 1 Uhr 20 M>n. Nachmittag» erfolgen.
Berlin, 23. November. Dem ,®ed. Togedl." zufolge berichiet ein Madrider Blatt, Don Jaime, der Sohn de« Piätendenien Don Earlo«, werde am 26. November an« der russischen Armee au«ireten und nach seiner Verabschiedung von den Kameraden durch ein Banket Rußland verlaffen. — Nach einer Meldung de« ,Kleinen Journal- an« Pari« überreichte der amerikanische Delegirte Day den spanischen Eomw'ffaren ein Ultimatum bt» Ende November. Amerika «erde kein weitere« Zngeständniß machen.
Berlin, 23. November. Da« vesoldung«gefetz für die Unterbeamten ist vom Staatdministrrium genehmigt worden und soll de« Landtage zugleich mit de« Eta» zugehen.
AttsUnrd.
Wien, 23. November. Die Demission de« Kriegs- Minister« von Krieg«hawmer wurde bt«her nicht angenommen. Die Gerüchte, daß Fürst Lobkowitz zu seine« Nachsoloer ernannt sei, find unbegründet.
Brüssel, 23 November. Die belgische Preffe fiehi tn de» Adiattuß eine« Handel«bündnisse« zwischen Frankreich nnd Italien da» Vorzeichen einer allgemeinen politischen Annäherung zwischen beiden Staaten, deren Folge eine Abschwächung de« Dreibunde« sein dürfte.
Port« 23. November. Der Eassation«hof setzt seine Untersuchung sowohl innerhalb wie außerhalb der Ertminalkawmrr fort. Die Hau«suchungen, von denen mehrere Blätter zu berichten wiffen, haben thatsächltch stattgefunden. Wir können, so sagt der „Watin*, an« bester Quelle berichten, daß da« Resultat ein solche« gewesen ist, daß nicht der geringste Zweifel bleibt über die Rolle, welche Esterhazy in der Dreyfu«-Affaire gespielt hat. E» «ar am vorigen Fre'tag, an welchem die letzten Han«snchungen stattgefunden haben. Der Untersnchung»richter, begleitet von vier Agenten, nahm tn einem Local de» Hanse« de« Lredtt Lhonnai« die Hau»snchnng vor nnd fand daselbst 43 Briefe, von denen einige ans da» bekannte schrasfirte Papier niedergeschrteben waren, welche« auch zu dem Bordereau verwandt wurde. Wir können verfichern, so sagt da« Blatt weiter, daß darunter fflnf Briefe waren, welche direeteu Bezug auf die Dreyfu«- Affatre haben.
London, 23. November. Der Abschluß de« französisch- italienischen Handelsverträge« hat hier peinlich überrascht. In Regierungskreisen behauptet man, daß der Abschluß den großen Bemühungen Nelidow« zuznschreiben
Feuilleton.
Kreuz und Schwert.
»in vedenkblatt zur Stiftung de» IohanuitrrsrdtN» vor 850 Fahren.
Don Dr. Ludwig Wald.
(Nachdruck verboten.)
Der Orden de« heiligen Johanne« von Jerusalem war der älteste geistliche Ritterorden. I« Beginne senfkornartig, wie alle« christliche Beginnen, und so wie diese« mit Mängeln behastet, «ar die Bereinigung barmherziger Brübtr nur darauf gettch'er, ihre Dienste den Elenden, Stechen und Kranken zu widmen. Doch, so lange der Orden da« Statut hochhielt und nach ächt christlichen Prtneipten lebte, wurde er mächtiger »nd mächtiger und wuch» schließlich zu e-ne« souveränen Staate an, der seinen E.vfluß durch ganz Europa geltend »achte und fühlen ließ.
So oft der Orden im Brrlause seine« Jahrhunderte langen Bestehen« fich auch seiner Auflösung nahte, reffte er fich doch immer wieder auf, ging an« jeder Demüthtgung desto ruhmvoller wieder hervor, bi« er endlich tn unser»» Zeitalter de« Kampfe« de« Modernen mit de« Alten sank, gänzliche Zertrümmerung zwar nicht, doch arge Zerstückelung trittt und jetzt nur tn einzelnen Zweigen und zu verschiedenen Zwecken noch al« ein liebliche» — Schattenbild feiner einstigen Größe, Heldenhaftigkeit und Herrlichkeit sortlrbt.
Gastfreundschaft und Menschenliebe ließ ihn entstehen
und immerdar wird er eine der merkwürdigsten historischen Erscheinungen bleiben, rin leuchtende« Denkmal de« mächtigen Einfluss.« christlicher Sinne»art.
Au« allen Reichen der abendländischen Ehristenheit waren um die Mitte de« 11. Jahrhundert« Wallfahrten zu« heiligen Grabe nach Jerusalem, da« damal« unter der schmachvollen Herrschaft der ägyptischen Khaltfen stand, üblich. Die Khalisru sahen diese Wallfahrten übrigen« ganz gerne, denn sie hatten durch fie gerate die beste Gelegenheit, hre Einkünfte zu vermehren, indem fie fich sür den Eingang in Jerusalem Geld und GeldeSwerth darreichen ließen. Dennoch fiel e« den fanatischen Mohamedaueru nicht «tu, die Pilger, deren Geschenke fie bereitwilligst angenommen, nun auch vor den Bedrückungen, welche sie auf allerlei Weise von den Griechen und Ungläubigen erleiden maßten, zu schützen.
Diesem Elend vorzubengea und diese» Uebrl ein Ende zu machen und die Lage und da« Schicksal der ftommen Pilger zu verdeffrrn und za sichern, vereinten fich eine Anzahl Kaufherren in der neapolitani'chen Stadt Amalfi, welche i» 11. Jahrhundert den syrisch-ttaliemtschen Handel beherrschte. Diese Vereinigung, welche im Jahre 1048 zu Stande kam, hatte die Gründung de« Johanniterorden« zur de»- nächstigen Folge.
Die Kaufleute nämlich hatten jährlich Ursache, nach Aegypten zu reifen, und wußten fich durch reiche Geschenke an Waarrn nnb köstlichen, europäischen Erzeugnissen am Hofe de« Khalifen nicht nur ungehinderten Zutritt, sondern auch die Erlaubuiß zu verschaffen, nicht fern vom heiligen Grabe eine Herberge und einLazareth für die abendländischen Ehristen
zu erbauen. So gelang e« et°em der reichsten Kaufleute unter ihnen schließlich, fich von dem Khaltfen Mostaufir Villah tn dem fett 1064 adgegrenzten Ehrtstenvtertel von Jerusalem einen geräumigen Bauplatz anweisen zu laffen und aus demselben ein Kloster, St. Maria latina gerannt, zu errichten, da» zugleich den nach Jerusalem kommenden Geschäft«leuten an« Ama fi al« Herberge dienen sollte.
Daneben war denn auch ein zur Ausnahme von Pilgerinnen bestimmte» Nonnenkloster zur St. Maria Magdalena ent- stanken. Bald daraus wurden noch zwei Herbergen oder Hospitäler für Pilger beiderlei Geschlecht« dabei aufgebartt, deren jede« eine Capelle erhielt, von denen eine den Namen d»« heiligen Johanne» führte. Die Benedictinrr, welche die Pflege der Kcanken übernommen hatten, nannten sich später Diener de» heiligen Johanne« oder Johanuitter, woher der Name dr« ganzen Orden« eotstand.
In dem Hospiz wurde jedem Pilger zu« heiligen Grabe gastfteuudliche Aufnahme und jede Art von Hilfeleistung und, wenn er erkrankte, die beste Pflege zu Theil. Viele Abend- läuder zogen au« Reltgion«eifer hin nach diesen Orten, fich der Beipflrgung ihrer Land«leute zu widmen. Andächtige Ehrifien beschenkten die Brüder und die stetig wiederkehreuden Sausherren von Awolfi brachten ihnen jedeßmal reiche, in Italien gesammelte Spenden mit.
Bei dem auf diese Weise fich bald außerordentlich steigernden Verkehr waren beide Stiftungen genvthigt, ihre Thäkigkeit auf olle römischen Katholiken überhacpt aus- zudehnen. Den erhöhten Ansprüchen ober, welche die Steigerung de« Verkehr« nach den Kreuzzüge» verursachte, genügten


