für die meinige durch Ihn vorgezeichnet gefunden habe und nicht- Besseres thun konnte, als ihr zu folgen. Dieselbe hat den Beweis geliefert, daß zwei große Völker, welche von verschiedener Abstammung und verschiedenen Glauben- find, recht gute Freunde werden können und in friedlichem Wettbewerb sich gegenseitig zu nützen vermögen. Sie haben die- an fich selbst erfahren, indem e- Ihnen gelungen ist, sich hier in Stambul eine Stellung zu erwerben, welche auch von großem Werth für da- Deutsche Reich ist, und ich spreche Ihnen für Ihre Bestrebungen meinen Dank und den dr- Reiche- aus. Ich hoffe, daß e- auch in Zukunft so bleiben wird, und können Sie jedenfalls meiner steten Fürsorge und meine- Schutze- sicher fein."
Berlin, 24. October. Dte Controle über die Aus» länder, die in Deutschland, sei eS vorübergehenden, sei e- länger andauernden, Aufenthalt genommen haben, ist neuerding- in den einzelnen Bundesstaaten durch eine umfaffcnde Organisation de- MeldewesenS und durch regelmäßige Berichterstattung über die an- und abziehenden Ausländer au-gestaltet worden.
Berlin, 24. Oktober. Bekämpfung des Anarchismus. Wie die „Pol. Corr." aus Rom meldet, wird die Conferenz sich mit folgenden Hauptfragen besetäftigen: 1) Strafrechtliche Bestimmung des Anarchismus. 2) Maßregeln gegen die anarchistische Presse. 3) Auslieferung der Anarchisten. 4) Qualtfication anarchistischer verbrechen al- gemeinsame verbrechen. 5) Organisation des Polizeidienstes behufs Erleichterung des gegenseitigen Austausche- von Mit- thetlungen betreffend die Anarchisten.
Ar-Ola«-.
Wien, 22. October. Auf Anordnung der Regierung wurden in der letzten Nacbt bei Fackelbeleuchtung hinter dem Epidemie-Hospital Baracken errichtet. In dem Befiaden des an der Pest erkrankten Dr. Müller ist eine leichte Besserung eingetreten. Die Körpertemperatur beträgt 38,4. Da- Bifiaden der Krankenwärterin Pecha ist andauernd ungünstig. Die Körpertemperatur beträgt 41,5.
Wien, 22. October. Graf Murawiew, welcher heute vormittag mit dem Grafen GoluchowSky längere Zeit conferirte, wurde Mittags vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Die „Neue Freie Preffe" glaubt, daß in der Conferenz zwischen Murawiew und Goluchowsky insbesondere die Abrüstungsfrage unb die kretenfische Angelegenheit zur Sprache gekommen sind.
Wien, 22. October. Hier circulirt das Gerücht, in der Waffenfabrik in Steyr seien Arbeiter-Unruhen ausgebrochen.
Budapest, 22. October. Die ReichrathS-Abgeordneten Rakovskh und ZmeSkal wurden wegen Widersetzlichkeit gegen die Regierung bet der Reichsrathswahl zu 14 Tagen Gesängwß und 200 Gulden Geldbuße verurtheilt.
Paris, 22. October. Die Blätter beschäftigen fich vielfach mit dem gehetmnihvollen Gefangenen, der seit einigen Tagen auf der Festung Mont Valerien internirt ist- fie müffen aber eingestehen, daß Einzelheiten über den Fall bisher nicht in Erfahrung zu bringen waren.
Antwerpen, 22. Oktober. Infolge des Schriftsetzerste ikes find heute die Morgenblätter nicht erschienen. Die Abonnenten find durch Circulare benachrichtigt worden, worin die Verleger erklärten, Lohnerhöhungen nicht bewilligen zu können, weil das Zeitungswesen in Belgien derart gedrückt sei, daß von großem Verdienst nicht die Rede sein könne.
Madrid, 22. October. Der Dixector der Zeitung Nazio- nale, Deputtrter Figueroa, wurde verhaftet, weil er heftige Angriffe gegen den Sivil-Gouverneur von Cadiz in seinem Blatte veröffentlicht hatte. Die Affaire hat zur Folge gehabt, daß der Handel-Minister Gamazo seine Demisfion gab, desgleichen der Militär-Gouverneur von Madrid. In parlamentarischen Kreisen herrscht über die Affaire eine grroße Erregung.
Spanien. Als ganz trostlos wird die Lage in Spanien geschildert. Seit den traurigen Tagen von Santiago ist die Lage in der Hauptstadt nie so ernst gewesen, als in jüngster Zeit. Wieder liegt eS gewitterschwer über der Stadt, überall Mißtrauen, überall nervöse U brrspaunung, ringsum ein Geflüster und Gesumme von noch nicht bewiesenen Gerüchten, aber überall das scharf ausgeprägte Gefühl, daß eine Gewitterwolke über dem Lande schwebe. Jetzt ist ein neuer Confltctsstoff hinzugekommen. Am Freitag srüh wurde Snarez de Figueroa, Director deS Blattes „Nac'onal" und Cortesmitglied, auf Befehl deS Generalcapitans von Madrid eingekerkert, weil er ohne Erlaubniß der Censur ein Extrablatt veröffentlichte, worin unerhörte Scandale des Gouverneur- voa Cadiz, Ribot, eine- Schützlinge deS Bantenminister- Gamazo, enthüllt wurden. Angeblich bezog R bot schwere Summen von den Spielhäusern und hatte eine Sondersteuer für die Au-Übung gewtffer Uvsiltlichkeiten eingesetzt. Noch im Lause de- Tages aber wurde das verbot des „National" aufgehoben und Figueroa in Freiheit gesetzt. Die Sache hat inzwischen politische Folgen gehabt. Auf Einwirkung der höchsten Staatsgewalt hat Gamazo seine Entlaffnng eingereicht, ebenso der Mtlitärgouverneur von Madrid, der Figueroa widerrechtlich, trotzdem Letzterer Abgeordneter ist, verhaftete. Auch der Gouverneur von Cadiz hat seine Eatlaffung verlangt. Figueroa wird bei dem obersten Gelichtshof Klage gegen den Generalcopltän erheben. Oie Mitglieder der Minderheiten der Kammer traten unter dem Borfitz Salmerons zu einer Besprechung zusammen. In parlamentarischen Kreisen ist die Aufregung außerordentlich. Der Fall wird als schwer e Verfassung-Verletzung betrachtet. Selbst in der liberalen Mehrheit herrscht lebhafte Unzufriedenheit.
Konstantinopel, 22. October. Das Katserpaar hat heute Mittag auf der „Hohenzollern" Konstantinopel verlassen. Am Sonntag und Montag befindet fich die kaiserliche Archt auf See. Am Dienstag erfolgt in Haifa die Landung. Der gestrige Selamltk und die darauf folgende
Truppenschau nahmen einen ungemein glänzenden Verlauf. Nach Beendigung der Parade, an welcher etwa 5500 Manu Truppen theilnahrnen, gratulirte der Kaiser dem Sultan tu herzlichen Worten zu der Haltung seiner Truppen. Die nach Tausenden zählende begeisterte Menschenmenge ließ fich nicht mehr halten und stürmte auf daS Paradefeld, wo fie dem Herrscher stütmische Ovationen darbrachte. Bei dem Besuch, welchen die Kaiserin gestern Nachmittag im Konstantinopeler deutschen Krankenhause abstattete, wurden särnrntliche Stationen besichtigt. Ein kleines deutsches Mädchen und ein türkischer Knabe tiugen Gedichte vor.
Cocates ernt provinzielle».
Holzheim, 22. October. Bei der vor einiger Zeit dahier'startgefundenen Ergänzungswahl deSGemeinde- rathS machten von 271 Wahlberechtigten nur 104 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Wiedergewählt wurden die beliebten Herren Conrad Jung XIV. mit 95 und Heinrich Ernst Laux mit 92 Stimmen. Neugewählt wurden die Herren Wilhelm Klotz VI. mit 82 und Jacob Jung XI. mit 65 Stimmen.
Eberstadt, 22. October. Bei der letzthin dahier stattgehabten GemeinderathS-ErgänzungSwahl wurden die bewährten seitherigen GemeinderathSmitglieder, Herr JohS. Müller, Hrrr JohS. Weil und Herr JohS. Görlach lr mit großer Majorität wiedergewählt.
Oppenheim, 20. Oclober. Der Landwirth und Bäcker Jacob Heinrich Grub von Mommenheim stand heute vor dem Schöffengericht unter der Anklage der Ueberttetung des § 10 deS Nahrungsmittel-Gesetzes. Der Angeklagte hatte im Juli d. I. nach vorhergegangener Faß- probe, einem Weincornmisstonär und Küfer von Nackenheim sechs Stück 1896er Naturwein, davon zwei aus geringeren Lagen, zum Preise von 250 Mk. daS Stück verkauft. Bei Bezug deS Weines fand der Käufer, daß die beiden kleineren Stück einen absonderlichen Geschmack halten, sprach auch dem Verkäufer gegenüber die Bermuthung aus, daß dem Wein Apfelwein betgemtscht sei, was aber bestritten wurde. Als die beiden geringeren Stück Wein in Nackenheim abgeladen wurden, zeigten fie eine trübe, schwärzliche Farbe, sodaß der Commtsfionär Beranlaffung nahm, Proben zur Untersuchung zu geben, deren Ergebntß die Beanstandung der Weine unb Strafanzeige war. Ja heutiger Sitzung gab der Sachverständige, Herr Dr. Mayrhofer in Mainz, sein Gutachten dahin ab, daß der Wein stichig und daher nicht mehr Kaufmanusgut sei; was die trübe Farbe anbelange, so rühre solche von dem hohen Eisengehalt deS Weines her und verliere sich mit der Zeit bei paffender Behandlung. Der Vertreter der Staats- anwaltschast beantragte auS § 10 obengenannten Gesetzes 300 Mk. Geldstrafe, ebentl. auS § 11 wegen Fahrläsfigkeit 150 Mk. Geldstrafe. DaS Gericht erkannte unter Anziehung des letzten Paragraphen auf 80 Mk. Geldstrafe. In der Urtheilsbegründung wird hervorgehoben, daß dem Verkäufer nicht nachgewiesen sei, daß er von dem Berdorbtnsein der Weine Kenntniß gehabt, daß er aber trotzdem in Strafe zu nehmen sei, weil eS seine Schuldigkeit gewesen wäre, fich vor dem Berkaus seiner Waare von deren Marktfähigkeit zu Überzeugen. Darin liege die strafbare Fahrläsfigkeit. Die Strafe sei deshalb nicht so gering zu bemessen, weil der Angeklagte ein vermögender Mann sei.
• Heldenmüthige That einer Japanerin. AuS Thurs- day Island (an der äußersten Nordspitze Australiens) wird folgende heldrnmüthsge That einer Japanerin berichtet: Der Dampfer „Omi Maru" brachte ein japanisches Ehepaar dorthin, daS in Queensland Beschäftigung suchen wollte. Nun wehrt man fich aber auf» Aeußerste gegen die Einwanderung aller Asiaten und erschwert fie auf jede Weise. Die Papiere deS Mannes wurden in Ordnung befunden, die hohe Kopfsteuer war entrichtet, aber die Behörden wollten beides nur für den Mann gelten lassen und verweigerten der Frau die Erlaubniß, zu landen. Nach rührendem Abschied trennten fich die jungen Eheleute. Da flammte plötzlich mitten in der Nacht ein Licht am Lande auf — daS verabredete Zeichen. Die Frau springt vom Sch.ff in die See und legt die ziemlich bedeutende Strecke bis zur Insel schwimmend zurück, trotz der hohen Brandung. Zum Tode erschöpft sinkt fie in die Arme des am Ufer harrenden Mannes. Angesichts solcher Aufopferung haben denn auch die Behörden von der Anwendung des Gesetzes abgesehen.
* Eine hübsche Geschichte vom alten Kaiser Wilhelm, die den Vorzug hat, sicher verbürgt zu sein, wird in dem soeben erschienenen letzten Roman Theodor Fontanes „Der Stechlin" erzählt. Der alte Dubslav v. Stechlin fitzt aus der Hochzeit seine» Sohnes neben dem verstorbenen Hof- Prediger Frommei, dem ein schönes Denkmal In dem Roman gesetzt ist, und sagt: „. . . Herr Hofprediger . . ., mir fällt eben c n, Sie waren ja mit unserem guten Kaiser Wilhelm, dem letzten Menschen, der noch ein wirklicher Mensch war, immer in Gastein zusammen und viel an seiner Seite. Jetzt hat man statt deS wirklichen Menschen den sogen. Ueber- menschen etabllrt; eigentlich gibt es aber blos noch Untermenschen, und mitunter find es gerade dir, die man durchaus zu einem „Ueber" machen will. Ich habe von solchen Leuten gelesen und auch welche gesehen. Ein Glück, daß es, nach meinen Wahrnehmungen immer entschieden komische Figuren find, sonst könnte man verzweifeln. Und daneben unser alter Wilhelm! Wie war er denn so, wenn er so still feine Sommertage verbrachte? Können Sie mir woS von ihm erzählen? So was, woran man ihn recht eigentlich erkennt. — „Ich darf sagen, ja, Herr Stechlin. Habe so was mit ihm erlebt. Eine ganz kleine Geschichte,- aber das find gerade die besten. Da hatten wir mal einen schweren Regentag in Gastein, so daß der alte Herr nicht ins Freie tarn, und statt draußen in den Bergen, in seinem großen Wohnzimmer seinen gewohnten Spaziergang machen mußte, so gut eS eben ging. Unter ihm
aber (war er wußte) lag ein Schwerkranker. Und nun denke« Sie fich, als ich bei dem guten alten Kaiser eintrete, sehe ich ihn, wie er da lange Läufer und Teppiche zusammenschleppt und übereinander packt, und al- er mein Erstaunen fieht, sagt er mit einem unbeschreiblichen unb mir unvergeßlichen Lächeln: „Ja, lieber Fromme!, da unter mir liegt ein Kranker,- ich mag nicht, daß er die Empfindung' hat, ich trample ihm da so über den Kopf hin ..." Sehen Sie, Herr v. S'echlin, da haben Sie den alten Kaiser."
• Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hat in dies-n Tagen den stenographischen Bericht übet die Verhandlungen der im Juli dieses Jahres in Heidelberg gehaltenen 15. Jahresversammlung versandt. Das stattliche Heft von 52 Seiten enthält die bemerkenswerthen Bortrage des ProsefforS Th. Ziegler in Straßburg und des Schriftsteller» O. v. Leixner in Großlichterfelde über „die Trink- fiiten der brfitzenden und gebildeten Stände", sowie die Vorschläge des Vorstandes über die gesetzliche Regelung der Schankstätten-Polizei, die von der Versammlung einstimmig angenommen wurden. Der ganze Inhalt des SchriftcheuS liefert den Beweis, daß der unter der trefflichen Leitung des Oberbürgermeisters Struckminn in Hildesheim stehende Verein durchaus nicht, wie ihm oft fälschlicherweise nachgesagt wird, dem deutschen Volke den Trunk entziehen und Abstinenz predigen will, sondern daß er bestrebt ist, dem Uebermaß deS AlkoholgenuffeS zu steuern, und zwar nicht allein in den unteren Schichten des Volkes, sondern erst recht in den „be- fitzenden und gebildeten Claffen", also auch bei den obersten Zehntausend. Allerdings find in Heidelberg auch Abstinenz'er zum Worte gelaffen worden, aber der Borfitzende betonte mit aller Schärfe, daß der Verein zwar mit den Abstinenz- Vereinen auf gutem Fuße stehen, aber nur den Mißbrauch, nicht den rechten Gebrauch der alkoholhaltigen Getränke bekämpfen wolle und auch auf dem Gebiete der Gesetzgebung (TrunksuchtSgesetz, Schankstätten-Polizei) nur wirklich erreichbare Ziele im Äuge habe.
♦ Peter 1. unb die Bnchdrnckerkunst. Zweihundert Jahre find jetzt gerade vergangen, daß, wie das Amsterdamer „Niewsblad voor den Boekhandel“ mittheilt, Zar Peter I. dem Buchdrucker Iwan Andrejewitsch T es sing das Privilegium ertheilte zur Errichtung einer Buchdruckerti in Amsterdam, um hauptsächlich w ssenschaftliche Bücher und Starten« werke anzufertigen, die dann nach Rußland eingeführt unb dort verkauft wurden. Fünfzehn Jahre hindurch hatte der genannte Tesfing dieses Privilegium inne. Die ersten in Amsterdam von ihm gedruckten Bücher waren eine „Krnze Einleitung zur Geschichte" unb eia „Leitfaden in ber Rechen- kunbe". Im Jahre 1704 schnitt Peter I. selber russische Schristthpeu und ließ mit den daraus in Amsterbam gegossenen Lettern in bet unter geistlicher Leitung stehenden Druckerei in Moskau einen Probebogen bet „Wjedomosti“ brücken. 1706 fand bet Zar trotz des Kriegs mit Karl XII. Zeit und Gelegenheit, um mit dem in Archangelsk wohnenden Kaufmann Lübs eine eingehende Corre'ponbenz zu führen über die Löhne für eine Anzahl holländischer Buchdrucker, die für die Dauer von zwei Jahren in russische Dienste treten sollten, um lateinische Bücher zu drucken. Die vom Zaren Peter erfundene unb in Gebrauch gestellte Letternsorte tst mit geringen Abweichungen bie Schrift geblieben, in ber seitdem russische Bücher gedruckt werden. Nut für bie kirchlichen Büchet hat man sich stets der Typen bebient, bie durch Cyrillus, den Slavenoposte! eingeführt worden find. Noch unter ber Regierung Peters I. konnten die Petersburger „Wjedomosti“ regelmäßig erscheinen, die somit eine der ältesten Zeitungen find und gegenwärtig im 172. Jahrgang stehen.
• Arische Gerichtsfeene. Der Richter fragt einen Zeugen: „Ist es Jünen bekannt, daß der Angeklagte die Gewohnheit hat, mit sich selbst zu sprechen, w-nn er allein ist?" — „Kann'S nicht sagen, Ew. Gnaden", erwidert der Zeuge, „denn ich bin noch nie bei ihm gewesen, wenn er allein w ar."
* Der Bierkönig von Schwechat, Anton Dreher, Kat fein Einkommen im Jahre 1897 auf sieben Millionen Gnldrn angegeben. Der „Stammherr" der Dreher ist vor etwa 80 Jahren als blutarmer Bursche „ans dem Reiche" nach Wien gekommen, wo er mit einem kleinen Braustüberl den Grundstein zu dem gegenwärtigen „Königreiche Dreher" legte.
* Die Zeitschüft „Von Haus zu Haus" in Leipzig schreibt in Nr. 3 von 1898/99 unter der Ueberschrift „Für sparsame Hausfrauen." (Preisgekrönt) Russischer Knöterich: ES ist eine mcht zu leugnende Thatsache, daß sich in unserer Zeit die Lungenkrankheiten in einer geradezu beunruhigenden Weise mehren. Behauptete doch voriges Jahr ein Naturhellkundiger, der einen Vortrag in dem thüringischen Städtchen Eisenberg hielt, daß jetzt 70pCt. der gesammten Menschheit an der Lunge zu Grunde gingen. Ob der Procentsatz wirklich so groß ist, das zu untersuchen ist nicht Sache der Laien, das mag die Wissenschaft thun, allein, daß er wirklich groß ist, das wissen wir Laien wohl auch. Wir lesen es in den Zeitungen, wir merken es daran, daß Lungenyeilanstalten von Privatleuten wie von Landeswegen gegründet werben und überall ist der Zuzug armer Lungenkranker sehr stark. Es ist deshalb Pflicht eines jeden Menschen, doppelt vorsichtig in Bezug auf seine Gesundheit zu sein, besonders aber dann, wenn er sich unwohl fühlt und es stellt sich, was ja so häufig vorkommt, bei der ärztlichen Untersuchung heraus, daß die Lunge angegriffen ist, daß Lungenspitzenkatarrh vorliegt, daß überhaupt die Luftwege ober gar ber Kehlkopf erkrankt ist. Ein solcher Patient kann fast mit Bestimmtheit darüber klar sein, daß ber Keim der Schwindsucht in ihm liegt. Ich kenne das aus mehreren Fällen. Man braucht ja nicht übertrieben ängstlich zu fein, doch empfiehlt es sich, ob der Arzt die jetzt mehr ober weniger harmlos aussehende Krankhett ernster oder leichter nimmt, selbst feine Mittel zu gebrauchen, um das böse, tückische Gespenst der Schwindsucht nach Kräften fern zu halten. Dazu giebt es aber kein durchgreifender wirkendes Mittel als den Thee von russischem Knöterich. Man
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