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25.8.1898 Erstes Blatt
 
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1808

Donnerstag den 25. August

Nr. 198

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

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CocoUs «nd prorittsielles.

Vietze», den 24. August 1898.

Nuhefiaudlversthvug. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht, am 13 August den Lehrer an der höheren Mädcheuichule zu Stehen Dr. Eduard Moilh auf feto Nachsuchen, mit Wirkuog vom 15. August L I. cm, tu deu Ruhestand zu versetzeu.

Die zur Ausarbeitung eiurS Kirchenbuches für die heffifche Landeskirche berusene Lommtsfion und ihre Mit« ardrirer wurden, wie dieDarmft. Zig." vernimmt, von Grohh. Obercouftstortum auf Mittwoch den 7. September, Bormttagß »/,11 Uhr, iu doS Gemeindehaus der Johannes- gemeinde zu Darmstadt zu rtoer ersten gemriusamen Eon- fereuz eingeladm. berheiligeu sich daran 37 heffifche Theologen (Professoren, Pfarrer und Religionslehrer).

Hitze. Dah, wie io manchen Zeitungen zu lesen war, der heißeste Tag seit 50 Jahreu der 17. August bl. IS. geweien sei, «st nach derBoff. Z'g" nicht zmrrffeod. In deu heihesteu Tagen der letzten 50 Jahre steht der 17. August b,. I, erst au fünfter Stelle, denn der wärmste Tag war der 20. Juli 1865 mit 29,5° E. Mirtelrewperatur, dann folgten der 21. Juli 1865 mit 29, der 16. August 1868

mit 28,2, der 24. Juli 1894 mit 27,9 uod darauf der 17. August d. I. mir 27,7« E.

Abfertigung uud Beförderung unverpackt aufgegebeuu einsitziger Zweiräder. Bom 1. September d. I ad «erden einsitzige Zweiräder bei deu Gepäckabfertigungsstellen der preußisch.hessischen Staatsbahn zur Beförderung nach einer anderen Station der preußisch hrsfischen Staaisbahn nicht mehr angenommen. Dagegen können diese Fahrräder nach Lösung einer Fahrradkarte zum Preis von 50 Pfennig am Fahrkartenschalter beim Packmeifter am Packwagen auf- geliefert werden. Das verbringen und Abholeu nach und von de« Packwagen, sowie die Uebrrsühruog des Fahrrades beim Zugwechfel von einem Packwagen zum andern ist Sache des Reisenden. Der Reisende erhält bei Abgabe seines Fahr­rades vom Packmeister eine Marke, gegen deren Rückgabe es ihm wieder ausgehäodigt wird. Die Benutzung von Schnell­zügen, auch der ohne erhöhten Fahrpreis, ist ausgeschlossen. Beim Urbergang eines Reisenden mit durchgehender Fahr- karte von Zug zu Zug ist die Weiterbesörderuug deS Fahr- radeS aus dieselbe Fahrkarte gestattet, dagegeu ist bet ge­brochener Kartenlösung mit jeder Fahrkarte auch eine Fahr­radkarte zu löseo. Fahrtuaterbrechung ist in demselben Um­sauge wie bet Edmousonschen Fahrkarten gegen Beschetntgung des Stationsbeamten gestattet. Diese Bestimmungen finden bis auf Weiteres nicht Anwendung auf mehrsitzige und mehr- rädrige Fahrräder, auch nicht tm Verkehr zwischen preußisch- hessischen Staatßbahostationen uod den Stationen anderer Bahnen. Ja diesen Fällen verbleibt es bei der bisherigen Abfertigung durch die Gepäckabfertiguogsstelle.

Ueber bal Trinken bei heißer Witterung gibt ein Arzt l folgende beherztgeuSwerthe Maßregeln: Biele Landleute und auch andere Arbeiter bekämpfen bei den I Arbeiten den Durst, um dadurch dem heftigen Schwitzen vor- zubeugen. Das ist aber verwerflich uud kanu uuter Um- stäudeu zu gefährltcheü Krankheiten führen. Der Durst ist als Mahnung zum Ersatz der dem Körper verloren gegangenen Flüssigkeiten aozusehen uud eS treten bet Nichtbeachtung diese, Mahuuug allmähliches AuStrocknen der Gewebe uod schließlich der Souurosttch ein. Abgesehen von diesen schlimmsten Folgen leuchtet auch ein, daß durch den auS Mangel au Flüssigkeiteu geschwächten Stoffwechsel die Körpereroähruug beeinträchtigt wird. ist daher ketoeßwegs rathsam, den | Durst völlig zu unterbrückeo. Wenn man triokt, trinke mau langsam uud mäßig- anzurmpfehlen ist kalter Kaffee, Atpfel- I wem und Wasser mit Eitroneosast. wird dadurch der durch Wafferzufuhr bewirkten Veränderung der Mageuiäure in rationeller Weise enrgegeugewtrkt.

Ueber die Ausgabe von Arbeiterfahrkarten ist folgende | neue Bestimmung für die preußischen Sraatßeiseubahuen I ergangen: Nach den Tarifbestimmuugeu besteht ein Anspruch I auf Berabfolguog von Arbeiterrückfahrkarten nur zur Fahrt I vom Arbeitsorte nach dem Wohnorte. Mit Rückficht hierauf I uud zur Vermeidung der durch Neulösung von Fahrkarten ! auf Uuterweglstatiouen.entstandenen Uozuträglichkeiteu werden I Arbeiterkartell vom 1. September d. I. ab nur noch gegen I Vorzeigung einer vom Arbeitgeber oder von der Polizei­behörde ansgestellten Bescheinigung verabfolgt, aus welcher I der Wohnort und der Arbeitsort ersichtlich sein muß. Ar- I beiterfahrkarteu nach uod von den zwischen, Woha- und I Arbeitsort gelegenen Stationen werden am 1. September I d. I. nicht mehr verabfolgt.

3n Amerika verstorbene Hessen. Ja Allegheny, Pa., Eourad Hauck, 85 Jahre aU, auS Hessen-Darmstadt. I _ I« sogen. Hesseoläudcheu, etoer hessischen Nieder- I loffuag unweit Lima, Allen Eonaty, O-, Jacob Müller, 72 Jahre alt, aus König t. O. Ja Waterloo, Prov. Oatarto, Eaoada, Frau Maria Satharioa Dörrbecker, 71 Jahre alt, aus EulerSdorf. Ja Newark, N.-J., Frau Maria Höhnetseo, geb. Beyer, 54 Jahre alt, aus Kettenheim. Ja Arliugtou, unweit Jenera, O., Frau Snua Slisaberha Trsucht, geb. Mink, 86 Jahre alt, aus I Reichenbach.

Wetterbericht. Die Depresfiou bei Irland ist auf I nordöstlicher Baha bis zur mitteluorwegifcheu Küste gezogen uud entsendet dabei einen zuageuförmigeo Ausläufer über die I Nordsee bis nach dem Festlande, doch wird dieses Gebiet I niederen Druckes keinen weiteren Einfluß gewiuneu. I« I Urbrigeu davert die Herrschaft deß barometrischen Maximums I an, wobei sich besser» Keru allmählich immer weiter gegen Südosten schwenkt. voraussichtliche Witterung: I Fortdauernd heiter und anhaltend warm.

Adresse für Depeschen: >*j«i|et chtegen.

Fernsprecher Nr. 61.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 23. August. DaS Großherzogspaar Wohnte gestern Nachmittag in Homburg v. d. H. den Schlnß- spieleu uud der Preisvertheilung bei dem ioteruatioualen Lawu Tennis-Turnier bet.

Berlin, 23. August. Zur Orieutreise deS Kaisers schreibt dieInternationale Eorrespoodeoz": Die neuere Wendung in dem verhältoiß zwischen der Türkei und Griechen- land dürfte voraussichtlich auf die Reise Kaiser Wilhelms insofern einen Einfluß ausübeo, als in daS Retseprogramm noch ein kurzer Besuch in der griechischen Haupt- stabt eingeschobeu werden dürste. Die vom Suliau aus­gesprochene Geneigtheit, in engere Beziehungen zu Griecheo- laod eiozutreten, hat in deu amtlichen griechischen Kreisen die Hoffnung aufleben laffen, daß damit auch die Grundlage zu einem dauernd freundschaftlichen verhältoiß zwischen Deutsch­land und Griechenland gegeben weiden könne. Man nimmt daher au, daß Kronprinz Konstantin bet feine« Besuche deS Kaisers diesem auch bte Einladung zu einem zweiten Besuche Athens überbracht hat, den Kaiser Wilhelm vorauSfichtlich aus feiner Rückfahrt abstatten wird."

Berlin, 23. August. Bei der bevorstehenden Reform des Urheberrechts wird fich wahrscheinlich nicht um bloße redactionelle Aenderungen handeln mit Berücksichtigung ein­zelner Punkte, tu denen daS Gelrtz von 1870 durch spätere internationale Abmachungen überholt ist, sondern die Regie­rung wird weitergehenden Wünschen nicht abgeneigt sein. Aus diesem Anlaß wird demHaun. Kur." geschrieben: EinfichrSvolle Schriftsteller haben auch auf Congreffru bereits Gelegenheit genommen, dies Thema zu behandeln. Unser geltendes Urheberrecht schützt nämlich nur den deutschen Autor vor unbefugtem Nachdruck- Autoren fremder Nationen find nur insofern geschützt, als mit den betreffenden Staaten Ab­machungen (Lueraturverträge) existiren. Literarische Werke auS Staaten, mit denen solche Verträge nicht existiren (z. B- Rußland, Schweden, Dänemark, Türkei, Griechenland, Nieder­lande, Brafiliev u. dergl. m.) können bei uuß ohne Weiteres übersetzt und nachgedruckt werden, uod umgekehrt. Der Wunsch der literarischen Kreise, soweit diese überhaupt in Be­tracht kommeo, würde nun dahin gehen, durch daS neue Gesetz einfach olle Geisteswerke vor Uebersetzung, Nachdruck, Drama- tifiruug, Aufführung u. s. w. zu schützen, wöge der Bersaffer leben, in weichem Lande er wolle. Der Vorschlag fieht aus den ersten Blick so aus, als ob er rein auf idealen Gesichts­punkten beruhe. Der rusfische Schriftsteller würde in Deutsch­land geschützt, der deutsche in Rußland vogelfrei fein. Jo- dessen liegt dem Vorschläge doch ein gesunder Realismus zu Grunde. Wenn wir den ausländischen Autor vor Ausbeutung schützen, so zwtngeu wir den deutschen Verleger, der ein auS- ländisches GetsteSwerk verlegen will, fich mit dem flutet ad- zufinden. Er muß den Autor und auch den Uebersetzer be­zahlen, und dadurch wird dar ausländische Product, z. B. der ausländische Roman, der jetzt io unteren Zeitschriften u. s. w. eine große Rolle spielt, vertheuert. ES werden bann nur noch solche Werke deß Auslandes übersetzt werden, bte es werth sind, daß etwas an sie gewendet wird. Der deutsche Autor wird befreit von der Schmutzconcurreoz schlechter Uebersetzungeo von auswärtigen Mittelmäßigkeiten, die ja doch im Grunde wieder bloß schlechte Nachahmungen unserer eigenen oder fraozöfischer Literatur find. Die deutsche Geistes­arbeit steigt dadurch au Werth, an materielle« wie an ideellem, denn der von der Schuodconcurreoz befreite deutsche Autor wird stch von entnervender vielschretberei fern halten können. Der Beweis für die Richtigkeit dieser Aoficht »st bereits geliefert. Frankreich hat ein solche- Gesetz seit 1852, uod die fran­zösische Literatur und der fraozöfische Schriftsteller stehen geachtet da. Mögen dann immerhin ein paar Preßpiraten in Rußland oder Holland oder sonstwo die fremde Ltteratur ausbeuten- fie thun auf Kosten der Entwickelung ihrer eigenen Literatur, und da» kann unseren Scheiflstellerv auch nur förderlich sein. UebrigenS ist auch von Vertretern unserer Regierung avzuuehmeu, daß fie solchen Erwägungen nicht unzugänglich sein werden- so hat z. B. Geheimer Rath Reichardt vom Auswärtigen A«t bet einer internationalen Verhandlung einmal den Ausspruch gethau:Nur daS Volk hat eine Literatur, daß einen kräftigen Urheberschutz hat."

Crefeltz, 23. August. Zur Zeit findet hier die 45. General- Versammlung der Katholiken Deutschlands statt. Am Sonntag find zahlreiche katholische Arbeitervereine in Crefeld eiugttroffen. Nachmittags 3 Uhr bewegte fich ein imposanter Festzug vom KarlSplatze auS durch die festlich geschmückten Straßen nach der Festhalle auf dem Drteßeohof. Im Zug befanden fich 80 Vereine mit ihren Fahnen und

10 Mufikcorp». Um 5 Uhr traf der Zug In der Festhalle | ein, wo eine Festversammlung stattfand, an welcher ungefähr 13 000 Arbeiter theiloahmen. Der vorfitzende deS Local- Vereins begrüßte die Anwesenden, worauf Pfarrer Thyniffeu | zum Vorsitzender» gewählt wurde. Gestern begaben sich I nach einem feierlichen Hochamt die Theilnehmer am Feste in I feierlichem Zuge nach der Fefthalle, wo der Präsident deS I Localcomitäß, Dr. med. Urfry, die Versammlung, an welcher etwa 2500 Personen auS allen Theilev Deutschlands und deS Auslaodts theiluahmeo, mit einem WillkommeoSgruße eröffnete. Hierauf wurde die Wahl des Vorstandes vorgenommeu. Es wurden gewählt zum ersten Vorsitzenden der bayerische Kammer- | Herr Karl Freiherr v. Freyberg-Eiseuberg, zum ersten Vice- Präsidenten Abg. Stephan-Beuthev und zum zweiten Vice- Präsidenten Hauptmann Dorfewagen-Erefeld. Bei der Aus­schußwahl wurde Prinz Arenberg für die Missionen und der Prälat Huelskamp-Müochen für die Preffe gewählt. Sodann | erfolgte die Absendung von HnldigungStelegrammeu an Kaiser Wilhelm II. und an den Papst. Gestern Abend fand Fest- | comwetS statt. I

AttsUrud.

Pari», 23. August. Der Militär-Gouverneur von Paris, i General Zurliuden, hat bereits jene Offiziere bezeichnet, welche den UnterfuchungSrath zu bilden haben, vor dem Major Esterhazy erscheinen soll. ES find dies die Generale Florentin und Langlots, Oberst Kerdrain und die Majore de Savignac und Brochain. Der Zeitpunkt für deu Zusammentritt deS EhrenrathS ist noch nicht festgesetzt, weil den Osstzieren Zeit zur Durchficht der Acten gelassen werden soll. Der UntersuchungSrath wird über folgende Punkte ein Gutachten abzugeben haben:Ist der betreffende Oifizier zu entlaßen wegen gewohuheitßmäßiger schlechter Aufführung, wegen schwerer Dienstvergehen, wegen Verstöße gegen die Dißciplin oder wegen vergehen gegen die Ehre?" DaS Protocoll de» EhreuratheS mit den in geheimer Abstimmung gefaßten Beschlüffeu wird dem Kriegsminister vorgelegt, der das Gutachten der AusschufftS nur zu Gunsten des betreffenden Offiziers abanbera kann. Major Esterhazy scheint fich übrigen- keinen Täuschungen über daS ihm bevorstehende Schicksal hin­zugeben, denn er hat bereite mit einem Verleger einen Vertrag für die veröffcutltchung seinerErinnerungen" adgeschloffeu, die erst bann erichetnen sollen, wenn er der Armee nicht mehr augehört. Was die Gegner Esterhazys audererfeitS betrifft, so glaubt derTetups" zu wiffen, Picqnart und LebloiS werden auf Grund der Artikel deß Gesetze» über die Spionage vo« 18. April 1886 verfolgt werden, welche die Mitthcilung geheimer Actenstückc, die fich auf die äußere Sicherheit de» Staates beziehen, betreffen. Zuständig dafür ist daß Zucht- polizetgericht.

Washington, 23. August. Größer-Amerika ist fitzt auch der Form nach im Stillen Meer in die Erscheinung getreten. In Honolulu ist am 12. August auf den öffent­lichen Gebäuden die hawaiische Flagge niedergeholt und die amerikanische gehißt worden. Eine große Menschenmenge wohnte dem Vorgänge bet. Es wurde eine Verkündung des Präfidenten Mac Kinley verlesen, daß all; bisherigen hawaiischen Beamten in ihren Aewtern verbleiben, aber den Bereinigten Staaten den E»d der Treue zu leisten haben.