Ausgabe 
25.3.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Wertin.

Nef*.

>rein.

U|

abends 8 Uhr tllthoritr.

:ar ßlnmenthal.

eI <BadoiPh8 Nacht), 80- Zweite« Parquet Mk. 1,50

*0. Gallerte Hk. 0,40.

I Ooilbaiverblediog oaob

3076

egeiiturren )ten.

lenriege.

criege.

Uhr.

Halle entgegen genommen. Der Vorstand.

kewch.

> Uhr, bei Kamerad

ilung.

ablagt. 3) Etwaige An» n. 5) Uebet Seelengut.

Der Vorstand.

'*//

<4

lchwittags 4 Uhr: amluag

8101 ommerprogramm, 3. oet* Der Vorstand.

pfählen.

D Etiketten- >0, 4.-, b.- tie Mk-3 " uckerkranke.

L Gei**e-

Phü. M a.Barg-

. C. Weü,

Nr. 7i

Zweites Blatt Freitag den 25. März

trfd)cint ILgNch mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener K«mikte«ßtätter e» erben beut Unzeiger »Schenklich viermal beigelegt.

(<)icßvmv Anzeiger

ZSezugsprct»

HierteljährNch 2 Mark 20 P»- monatlich 75 t(ffr mit Bringerlohn-

»ti Postbezug 2 Mark 50 Pf», vierteljährlich.

Anna Hine von Anzeigen zu ber Nachmittags für ben Agenden Tag erfcheinenben Nummer bis Lorm. 10 Uhr.

Heneral-Anzeiger

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen be< In» und AuslanseA nehmen Anzeigen für ben Gießener Anzeiger ratgegea,

Anrts- tmb Anzeigeblcrtt für ben Kreis Gieren.

Bebaction, Expebitton und Druckerei:

-chntgraße Ar. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Aus den Verhandlungen der Zweite« Kammer der hessischen Stände.

G. Darmstadt. 23. März 1898.

Die Budget-Berathungen werden heute Morgen um E/,10 fortgesetzt. Zuvor findet für den auS drm FrnanzauSfchuß au» Gesundheitsrückfichten zurückgetretenra Br. Schroeder eine Neuwahl statt, au« der Abg. Köhler- Darmstadt fast einstimmig hervorgeht. Da daS Haus nicht beschlußfähig ist, wird eine Neuwahl für morgen Früh angesetzt.

Abg. v. Brentano bringt zum Eisenbahn-Etat eine Reihe von Wünschen zur Kevntntß der Regierung. Er steht auf dem Standpunkt des Abg. Friedrich bezüglich der Vertheilung des BetriebSüberschuffcS aus der preußtsch-hessi» scheu Betriebsgemeinschaft. Bei Abschluß deS Staatsvertrags hätte seine (Friedrichs) Partei vorsichtiger sein sollen. Er richtet sodann an die Regierung die Anfrage, wie fich dte- |dbe zu dem Projekt einer directen Eisenbahnverbindung zwischen Mainz und Wiesbaden stelle, und beleuchtet in eiu- «ehender Weise die Nützlichkeit einer solchen Verbindung zweier großen Städte. Är bringt sodann dar Bahnproject Gau» algeSheimLangenlonsheim zur Sprache, vor defien AuSsüh- rung er warnt. Diese Bahn sei in einer Weise tracirt, daß eine ganze Anzahl Bewohner Ockenheim-, da die Bahn mitten durch bestes Rcbengeläade geführt ist, schwer geschädigt sei. Auch die Gehalts und Dienstverhältnifle der Elseubahnbe- amten zieht der Redner in den KreiS seiner Betrachtungen und schildert eine Reihe von Ungleichheiten bet diesen ResiortS. Geh. Finanzrath Ewald gtebt über die Eisenbahube- amten zufriedenstellende Aufklärung, während Geh. Mtutsterial- Rath Michel die Berücksichtigung aller gerechten Wünsche zu- sagt. Er wüfie aber nochmals zur Ruhr in der Durchfüh­rung der Nebenbahuprojecte mahnen. Ftnavzmtntster Weber empfiehlt der Kammer, die Debatten über die Eisen- dahnfragen zu vertagen. Die Fertigstellung des Budgets eile sehr, während für die Etseubahoschmerzen bei der Be« autwortung der verschiedenen Interpellationen Gelegenheit zum Reden genug sei. Abg. W eirh wünscht die Förde- iung des Ntddathalbahu.Projectes, daS schon vor Jahren vom HauS als nothwendig erkannt worden sei. Adg. Euler bespricht die verschiedenen Betriebsunfälle auf den Eisen- bahnen. Die Schuld hieran liege hauptsächlich in dem ringe- «Agenden Unterbau der Eisenbahnen. Abg. Euler bringt noch die Durchführung der NebenbahnprojecteS Bensheim Lindenfels in Anregung, und ersucht die Regierung, dieses Projekt tu wohlwollende Erwägung zu ziehen. Abg. Kramer ist mit der Antwort der Großh. Regierung bezüg-

ltch der StationSasfistenten nicht ganz zufrieden und wünscht eine eingehende Regelung ihres provisorischen Verhältnisses. Er wird gegen die geplante definitive Anstellung der Monteure der Main- Neckarbahn stimmen, weil hierdurch für die jetzigen Mit- arbeitet dieser Leute die Gefahr einer Lohnherabsetzung nicht auSgeschioffeu sei. Er wünscht noch Förderung deS P ojecteS der Dreietchbahn und event. Berücksichtigung von Isenburg durch Errichtung einer Haltestelle dasellst. Abg. Bähr und Abg. Weidner besprechen die GehaltSoerhältniffe der Bahnbramten, während der Abg. Erk die Regierung ersucht, daS Project einer Bahn von Friedberg nach Ranstadt tu wohlwollende Erwägung zu ziehen. Abg. Metz Gießen bespricht die Dienstverhältnisse der Beamten der Oberhrff. Bahnen bezüglich der Berechnung ihres Dienstalters tm preußischen Dienst. Bet einzelnen Beamten sei direct ent­gegen dem Staatsvertrag verfahren worden. Er bringt so­dann noch einen Wunsch der Stadt Gießen auf Errichtung einer Haltestelle für die Bahn LondorfGießen zur Kennt- niß der Regierung und ersucht uw Erfüllung dieses gerechten Wunsches. Geh. Finanzrath Ewald stellt fest, daß die Beamten der Oberhefi. Bahnen bet ihrem Uebertritt am günstigsten, weggekommen seien. Ihr Gehalt sei um 20 Pro- Cent gebessert worden. Abg. Haas» Offenbach bespricht die Anstellung der Monteure der Main Neckarbah». Eine Regelung der BerkehrSverhältniffe auf der Station Eberbach sei dringend erforderlich. Die Lage des Perrons dort sei absolut unzureichend. Bei Einstellung neuer Eisenbahnwagen wöge die Regierung auf bessere Modelle Brdacht nehmen. Bei den jetzt eingestellten seien die W-gru zu nieder und die Covpvs zu eng. Er regt noch den Ban einer Bahn von Stockheim nach Bilbel an. Später könne hier eine Fort­setzung der Strtcke bis Frankfurt a. M. erfolgen. Abg. Reinhardt plaidirt für eine baldige Ausführung des Bahn- projcetee LampertheimWorms. Fiuanzmtnister Weber erklärt, die Regierung sei nach tote vor von der Nothwendig- kett und Nützlichkeit dieser Bahn überzeugt, und sie werde diese Vorlage wieder etnbringen, weil der Vertrag mit Baden demnächst hinfällig werde. Abg. Weidner bespricht die Verschleppung der Vorarbeiten der Nebenbahn Lauterbach StockheimGedern, für die bereits vor acht Jahren die Zu­stimmung der beiden Häuser gegeben worden sei. Abg. Jontz will die Genehmigung der Kammer bei Nebenbahn- bauten eingeholt «nd nicht die Ausführung in das Ermeffeu der Regierung gestellt haben. Damit ist die Eisenbahn- Debatte beendigt und wird dieser Lapitel nach den Ausschuß- anträgen angenommen.

Hiermit wird die Verhandlung abgebrochen. Fortsetzung morgen früh um 9 Uhr.

Deutsches Reich»

Darmstadt, 23. März. Der Großherzog boa Hessen hat, wie dieDarmst. Zig." meldet, Amalfi bet* lasten und wird fich über Salerno nach Rom begeben.

Sellin, 23. März. DaS Herrenhaus hält vor den Ofterferten nur noch Montag und Dienstag Sitzungen ab. Die Commisfion hat die Hochwasser-Vorlage nach den Be­schlüssen des Abgeordnetenhauses angenommen.

Berlin, 23 März. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Specialberathung des Eiseubahnetats fort und wird dieselbe morgen Vormittag 11 Uhr abermals fortsetzen.

Berlin, 23. März. Anläßlich der Unterschleife tu der Reichsdruckerei hat Dr. Hawmacher als Mitglied der ReichSschnldencommisfion beim Präsidenten derselben die Einberufung der Mitglieder zu einer Sitzung beantragt. Soweit dis jetzt ermittelt worden ist, hat Grünenthal in der Reichsdruckerei keine Mitschuldigen.

Berlin, 23. März. In der Untersuchung gegen den Oberfactor Grünenthal bestreitet dieser immer noch seine Schuld. Er will Beweise dafür beidringen, daß er sein Vermögen auf rechtliche Weise erworben habe. Die Voruntersuchung ist noch nicht beendet. Die Wirthin Grünen­thals ist heute Nachmittag aus der Untersuchungshaft wieder entlasseu worden. Gegen ihre Enkelin ist tat Strafverfahren wegen Mitwisienschaft eingeleitet worden.

Berlin, 23. März. Die sechste Eommisfion deS Reichs- tageS hat die Berathung der Novelle zur ConcurS- Ordnung beendet. Abgeordneter Bafferwann wurde -um Berichterstatter bestimmt.

Bremerhaven, 23. März. Am Freitag Nachmittag 2 Uhr trifft der Kaiser hier ein und wird auf dem Dampfer Kaiser Wilhelm der Große" bis Skagen fahren, von wo er SamStag Nachmittag hierher zurückkehrt. 66 Personen werden fich an der Fahrt bethetUgeu.

Hanau, 23. März. Die Lonservativen haben in ihrer letzten VertrauenSmäuner-Versammlung beschlossen, für den Wahlkreis Hanau Gelnhausen-Orb den früheren Com- mandeur deS hier garnisouireuden Ulaueu-RegimeutS, Oderfi a. D. Sieg in Wiesbaden aufzustellen.

Arr-Urnd.

Wien,23.März. Die heutige AbgeorduetenhauS- fttzung ist, da Schönerer fehlte, sehr ruhig verlaufen. Dr. FerjanciS wurde zum ersten Präsidenten gewählt.

Wie», 23. März. Die Regierung beabsichtigt die Auf­hebung des Zettungs- und KalenderstewpelSund wird diesen Ausfall durch eine Erhöhung der Bier- und Zuckersteuer ausgleichen.

Feuilleton.

Drrschlanke Iack".

AuS den Erinnerungen eines DetecttveS.

Dem Englischen nacherzählt.

Von Wilh. Thal.

(Schluß.)

Zehn Minuten später trat derschlanke Jack" ein rind setzte fich neben ihn. Ich war nur vier Fuß von ihnen entfernt und Beide waren fest davon überzeugt, daß ich betrunken war und im festen Schlafe lag. Sie stießen fieißig mit einander an, sprachen freundschaftlich einige Minuten von ziemlich gleichgiltigen Dingen, dann sagte Jack tzlötzlich:

Ich habe heute von einem Freunde ein famoses Weinchev geschenkt bekommen, so etwas Haden Tie noch nie gekostet. Ich wollte Ihnen eine Flasche mitbrivgen, habe et aber ganz vergeffen. Wenn ich zufällig heute Abend an ber Bank vorüberkomme, werde ich an die Thür klopfen und Pc Ihnen geben." r,.n

Ich könnte vielleicht schlafen," versetzte der zuverläsfige Wachter treuherzig. .

Dann werde ich recht früh kommen. Wenn ich so gegen acht Uhr komme, dann werden Sie doch wohl noch wach sein?"

"®l![l, *Manv; mir machts keine Umstände, wirklich wicht die geringsten. Wenn mir Jemand gefällt, dann thne sich ihm gern einen Gefallen. Ich söge Ihnen, dieser Wein wird Sie um fünf Jahre verjüngen. Ick weiß, Sie handeln eigentlich gegen Ihre Ordre, aber eS ist doch schließlich kein

Verbrechen, die Thür fünf Zoll weit zu öffne», *m ein Ge­schenk von einem Freunde entgegenzunehmeu."

Ich hoffte, der alte Mann würde erklären, er denke nicht daran, die ihm ertheilte Ordre zu verletzen, doch nach nur sehr schwachen Protesten gab er noch und als sie von­einander Abschied nahmen, waren sie fich darüber einig, daß der »schlanke Jack- die Flasche bringen sollte.

Ich hatte nun einfach in SoSgroveS Wohnung gehen und ihm den Streich mittheilen können, den fein angeblicher Freund ihm zu spielen gedachte, doch ich beschloß nach einiger Ueberltgung, anders zu Werke zu zehen.

Ich ging zu dem Chef deS Bankhauses, stattete ihm meinen Bericht ab, und Nachmittags, als die Bank geschlossen war, wurde ich mit drei Policeman hinter den Ladentisch gelassen. Wir waren alle mit geladenen Revolvern versehen. Der TageSwächter blieb bis 7 Uhr bei uns- um diese Zeit trat CoSgrove seinen Posten an und der alte Mann wenigstens glaubte er es war allein; denn er hatte nicht die geringste Ahnung, daß vier Mann nicht 10 Fuß von seinem Ruhebett entfernt waren.

Im Comptoir befanden fich zwei kleine Gitter, hinter denen die Pulte der Kasfirer standen. Dieselben waren ge­öffnet, doch es fiel dem alten Mann nie ein, einen Blick hinter den Ladentisch zu werfen. Er setzte fich auf sein Ruhebett, rauchte seine Pfeife und ging dann bis 8 Uhr auf und ab.

ES war genau 8 Uhr, al- eS an der Dorderthür klopfte. CoSgrove wartete einen Augenblick, bevor er ant­wortete, wahrfcheinlich kämpften in feinem Herzen Pflicht und Durst noch ein wenig - doch schließlich ging er zur Thür, drehte den Dchlüffel um und öffnete sie ein paar Zoll.

Mr konnten ein Geflüster hören, doch nach einer halben Minute wurde die Thür aufgeftoßen und drei Mänurr drangen in die ®oat; sie schloffen die Thür hinter fich, verriegelten sie und während der alte Mann protestirte und schrie, wurde er gepackt, gebunden, geknebelt und auf sein Bett gelegt. Die Arbeit war schnell besorgt und aU der Wächter überwältigt war, sagte der ^schlanke Jack" in herrischem, aber durchaus ruhigem Tone:

®o, alter Junge! Jetzt verhaltet Euch ruhig und eS soll Euch nichts paffiren- wenn Ihr aber den geringsten Lärm macht, so zerschmettern wir Euch, ohne wettere Um­stände zu machen, den Kopf! Holt Euer Werkzeug hercmS, Jungens, und macht Euch an die Arbeit!"

Er zündete noch zwei Gasflammen an und wir hörten, wie fie einen Kasten öffneten und Brecheisen herauSholteu.

Keiner von uns rührte fich, bis daS Trio durch eines der Gitter in den inneren Raum der Bank getreten war. Dann sprangen wir auf, ergriffen unsere Revolver und die Schurken waren so perplex, daß fie unS nicht den geringste» Widerstand leisteten.

Ich ließ den Chef holen, und als er kam, fand er die Verbrecher gefesselt, den Wächter geknebelt, während das ^Handwerkszeug" der Einbrecher an der Erde lag. ES lagen 180,000 Dollars in baarem Gelbe in der Bank und die Diebe hätten keinen Pfennig znrückgelassen, hätte ich fie nicht gefaßt.

Die drei Verbrecher wurden zu je 10 Jahren Zucht­haus verurtheilt; doch in meine Freude mifchte fich ein WermuthStropfen. CoSgrove mußte fein Zeugniß vor Ge­richt abgrben, doch am Tage nach der Verhandlung beging er Selbstmord, indem er fich erhängte.