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Der Vorstand.
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Nr. 7i
Zweites Blatt Freitag den 25. März
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Aus den Verhandlungen der Zweite« Kammer der hessischen Stände.
G. Darmstadt. 23. März 1898.
Die Budget-Berathungen werden heute Morgen um E/,10 fortgesetzt. Zuvor findet für den auS drm FrnanzauSfchuß au» Gesundheitsrückfichten zurückgetretenra Br. Schroeder eine Neuwahl statt, au« der Abg. Köhler- Darmstadt fast einstimmig hervorgeht. Da daS Haus nicht beschlußfähig ist, wird eine Neuwahl für morgen Früh angesetzt.
Abg. v. Brentano bringt zum Eisenbahn-Etat eine Reihe von Wünschen zur Kevntntß der Regierung. Er steht auf dem Standpunkt des Abg. Friedrich bezüglich der Vertheilung des BetriebSüberschuffcS aus der preußtsch-hessi» scheu Betriebsgemeinschaft. Bei Abschluß deS Staatsvertrags hätte seine (Friedrichs) Partei vorsichtiger sein sollen. Er richtet sodann an die Regierung die Anfrage, wie fich dte- |dbe zu dem Projekt einer directen Eisenbahnverbindung zwischen Mainz und Wiesbaden stelle, und beleuchtet in eiu- «ehender Weise die Nützlichkeit einer solchen Verbindung zweier großen Städte. Är bringt sodann dar Bahnproject Gau» algeSheim—Langenlonsheim zur Sprache, vor defien AuSsüh- rung er warnt. Diese Bahn sei in einer Weise tracirt, daß eine ganze Anzahl Bewohner Ockenheim-, da die Bahn mitten durch bestes Rcbengeläade geführt ist, schwer geschädigt sei. Auch die Gehalts und Dienstverhältnifle der Elseubahnbe- amten zieht der Redner in den KreiS seiner Betrachtungen und schildert eine Reihe von Ungleichheiten bet diesen ResiortS. — Geh. Finanzrath Ewald gtebt über die Eisenbahube- amten zufriedenstellende Aufklärung, während Geh. Mtutsterial- Rath Michel die Berücksichtigung aller gerechten Wünsche zu- sagt. Er wüfie aber nochmals zur Ruhr in der Durchführung der Nebenbahuprojecte mahnen. — Ftnavzmtntster Weber empfiehlt der Kammer, die Debatten über die Eisen- dahnfragen zu vertagen. Die Fertigstellung des Budgets eile sehr, während für die Etseubahoschmerzen bei der Be« autwortung der verschiedenen Interpellationen Gelegenheit zum Reden genug sei. — Abg. W eirh wünscht die Förde- iung des Ntddathalbahu.Projectes, daS schon vor Jahren vom HauS als nothwendig erkannt worden sei. — Adg. Euler bespricht die verschiedenen Betriebsunfälle auf den Eisen- bahnen. Die Schuld hieran liege hauptsächlich in dem ringe- «Agenden Unterbau der Eisenbahnen. — Abg. Euler bringt noch die Durchführung der NebenbahnprojecteS Bensheim— Lindenfels in Anregung, und ersucht die Regierung, dieses Projekt tu wohlwollende Erwägung zu ziehen. — Abg. Kramer ist mit der Antwort der Großh. Regierung bezüg-
ltch der StationSasfistenten nicht ganz zufrieden und wünscht eine eingehende Regelung ihres provisorischen Verhältnisses. Er wird gegen die geplante definitive Anstellung der Monteure der Main- Neckarbahn stimmen, weil hierdurch für die jetzigen Mit- arbeitet dieser Leute die Gefahr einer Lohnherabsetzung nicht auSgeschioffeu sei. Er wünscht noch Förderung deS P ojecteS der Dreietchbahn und event. Berücksichtigung von Isenburg durch Errichtung einer Haltestelle dasellst. — Abg. Bähr und Abg. Weidner besprechen die GehaltSoerhältniffe der Bahnbramten, während der Abg. Erk die Regierung ersucht, daS Project einer Bahn von Friedberg nach Ranstadt tu wohlwollende Erwägung zu ziehen. — Abg. Metz Gießen bespricht die Dienstverhältnisse der Beamten der Oberhrff. Bahnen bezüglich der Berechnung ihres Dienstalters tm preußischen Dienst. Bet einzelnen Beamten sei direct entgegen dem Staatsvertrag verfahren worden. Er bringt sodann noch einen Wunsch der Stadt Gießen auf Errichtung einer Haltestelle für die Bahn Londorf—Gießen zur Kennt- niß der Regierung und ersucht uw Erfüllung dieses gerechten Wunsches. — Geh. Finanzrath Ewald stellt fest, daß die Beamten der Oberhefi. Bahnen bet ihrem Uebertritt am günstigsten, weggekommen seien. Ihr Gehalt sei um 20 Pro- Cent gebessert worden. — Abg. Haas» Offenbach bespricht die Anstellung der Monteure der Main Neckarbah». Eine Regelung der BerkehrSverhältniffe auf der Station Eberbach sei dringend erforderlich. Die Lage des Perrons dort sei absolut unzureichend. Bei Einstellung neuer Eisenbahnwagen wöge die Regierung auf bessere Modelle Brdacht nehmen. Bei den jetzt eingestellten seien die W-gru zu nieder und die Covpvs zu eng. Er regt noch den Ban einer Bahn von Stockheim nach Bilbel an. Später könne hier eine Fortsetzung der Strtcke bis Frankfurt a. M. erfolgen. — Abg. Reinhardt plaidirt für eine baldige Ausführung des Bahn- projcetee Lampertheim—Worms. — Fiuanzmtnister Weber erklärt, die Regierung sei nach tote vor von der Nothwendig- kett und Nützlichkeit dieser Bahn überzeugt, und sie werde diese Vorlage wieder etnbringen, weil der Vertrag mit Baden demnächst hinfällig werde. — Abg. Weidner bespricht die Verschleppung der Vorarbeiten der Nebenbahn Lauterbach— Stockheim—Gedern, für die bereits vor acht Jahren die Zustimmung der beiden Häuser gegeben worden sei. — Abg. Jontz will die Genehmigung der Kammer bei Nebenbahn- bauten eingeholt «nd nicht die Ausführung in das Ermeffeu der Regierung gestellt haben. — Damit ist die Eisenbahn- Debatte beendigt und wird dieser Lapitel nach den Ausschuß- anträgen angenommen.
Hiermit wird die Verhandlung abgebrochen. Fortsetzung morgen früh um 9 Uhr.
Deutsches Reich»
Darmstadt, 23. März. Der Großherzog boa Hessen hat, wie die „Darmst. Zig." meldet, Amalfi bet* lasten und wird fich über Salerno nach Rom begeben.
Sellin, 23. März. DaS Herrenhaus hält vor den Ofterferten nur noch Montag und Dienstag Sitzungen ab. Die Commisfion hat die Hochwasser-Vorlage nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses angenommen.
Berlin, 23 März. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Specialberathung des Eiseubahnetats fort und wird dieselbe morgen Vormittag 11 Uhr abermals fortsetzen.
Berlin, 23. März. Anläßlich der Unterschleife tu der Reichsdruckerei hat Dr. Hawmacher als Mitglied der ReichSschnldencommisfion beim Präsidenten derselben die Einberufung der Mitglieder zu einer Sitzung beantragt. Soweit dis jetzt ermittelt worden ist, hat Grünenthal in der Reichsdruckerei keine Mitschuldigen.
Berlin, 23. März. In der Untersuchung gegen den Oberfactor Grünenthal bestreitet dieser immer noch seine Schuld. Er will Beweise dafür beidringen, daß er sein Vermögen auf rechtliche Weise erworben habe. Die Voruntersuchung ist noch nicht beendet. Die Wirthin Grünenthals ist heute Nachmittag aus der Untersuchungshaft wieder entlasseu worden. Gegen ihre Enkelin ist tat Strafverfahren wegen Mitwisienschaft eingeleitet worden.
Berlin, 23. März. Die sechste Eommisfion deS Reichs- tageS hat die Berathung der Novelle zur ConcurS- Ordnung beendet. Abgeordneter Bafferwann wurde -um Berichterstatter bestimmt.
Bremerhaven, 23. März. Am Freitag Nachmittag 2 Uhr trifft der Kaiser hier ein und wird auf dem Dampfer „Kaiser Wilhelm der Große" bis Skagen fahren, von wo er SamStag Nachmittag hierher zurückkehrt. 66 Personen werden fich an der Fahrt bethetUgeu.
Hanau, 23. März. Die Lonservativen haben in ihrer letzten VertrauenSmäuner-Versammlung beschlossen, für den Wahlkreis Hanau Gelnhausen-Orb den früheren Com- mandeur deS hier garnisouireuden Ulaueu-RegimeutS, Oderfi a. D. Sieg in Wiesbaden aufzustellen.
Arr-Urnd.
Wien,23.März. Die heutige AbgeorduetenhauS- fttzung ist, da Schönerer fehlte, sehr ruhig verlaufen. Dr. FerjanciS wurde zum ersten Präsidenten gewählt.
Wie», 23. März. Die Regierung beabsichtigt die Aufhebung des Zettungs- und KalenderstewpelSund wird diesen Ausfall durch eine Erhöhung der Bier- und Zuckersteuer ausgleichen.
Feuilleton.
Drr „schlanke Iack".
AuS den Erinnerungen eines DetecttveS.
Dem Englischen nacherzählt.
Von Wilh. Thal.
(Schluß.)
Zehn Minuten später trat der „schlanke Jack" ein rind setzte fich neben ihn. Ich war nur vier Fuß von ihnen entfernt und Beide waren fest davon überzeugt, daß ich betrunken war und im festen Schlafe lag. Sie stießen fieißig mit einander an, sprachen freundschaftlich einige Minuten von ziemlich gleichgiltigen Dingen, dann sagte Jack tzlötzlich:
„Ich habe heute von einem Freunde ein famoses Weinchev geschenkt bekommen, so etwas Haden Tie noch nie gekostet. Ich wollte Ihnen eine Flasche mitbrivgen, habe et aber ganz vergeffen. Wenn ich zufällig heute Abend an ber Bank vorüberkomme, werde ich an die Thür klopfen und Pc Ihnen geben." r,.n
„Ich könnte vielleicht schlafen," versetzte der zuverläsfige Wachter treuherzig. .
„Dann werde ich recht früh kommen. Wenn ich so gegen acht Uhr komme, dann werden Sie doch wohl noch wach sein?"
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