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25.2.1898 Zweites Blatt
 
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Freitag den 25. Februar

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Zweites Blatt.

Gießener Anzeiger

Heneral -Anzeiger

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Nr. 47 --

Feuilleton.

Lügesarbeiten im Musentempel.

Momentaufnahme« und Erinnerungen.

Bon Wilhelm Antony.

(Nachdruck verbot«.)

Wenn wir im Laufe bei Tage- da und dorthin gehen, wohin uns Beruf, Pflicht oder Neigung führen, und dabei zufällig auch an dem Theatergebäude vorüberstretfen, in welchem fich un- vielleicht erst am Abend zuvor die Zauber­macht der Muse aus dem sich nur zu oft grau in grau malenden Einerlei des prosaischen Leben« auf einige be« glückende Stunden in ihr holde« Wunderland entführt hat, dann taucht wohl Manchem von uns die Erinnerung an oll den Glanz und den Schimmer in erneuter Lebhaftigkeit auf und mit einem leisen Seufzer schleichru wir an der ge­weihten Museustärte vorüber. Und doch wie so ganz anders würden wir in solchen Augenblicken empfinden und denken, wenn wlr wüßten, daß eben zu jenen Stunden, da die Sonne regiert und zu dem harten Tagewerk der Sterb­lichen ihre Strahlen herabschickt, auch in dem Hause, dar «u- so ganz und gar nur der Jllufiou geweiht scheint, sich viel schwere und recht prosaische Tagesarbeit vor da- Auge stellen würde, wenn wir die der profanen Welt verschloffeuen Räume betreten und dort die Kehrseite der glänzenden Medaille der Coulisfi itoelt kennen lernen könnten. Oft mag es wohl schon ein lebhafter Wunsch vieler unserer Leser gewesen sein, selbst auf Kosten manche» zerstörten Wahn­bildes, diese lichtstrahlende Theaterwelt in der Beleuchtung der AlltagSsonne zu sehen. Zu dieser lustigen Fahrt wollen wir die Leser heute einlaben, um ihnen die Geheimnisse zu entschleiern, welche das Theater in sich birgt, so lange baffeibe seine Pforten vor den Kunstfreunden der- schloffen hält.

Amts» «nd Anzeigeblatt für den Areis Gießen.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. '*' SSS".'"

Die Novelle zum Postgesetz.

Die neuerdings im Reichspostamt ausgearbeitete Vorlage über einzelne Aenderungen von Bestimmungen über das Post­wesen ist dem Reichstage zugegangen. Leider ist der Entwurf nur kurz, denn er enthält an Verbesierungen nur die Herauf­setzung des Gewichts für einfache Briefe von 15 Gramm auf 20 Gramm; dagegen ist von anderen Tarifermäßigungen, wie z. B. für Postanweisungen geringerer Beträge, noch keine Rede. Wohl aber enthält der Entwurf noch die Be- Kimmung, daß dem Postzwange alle Briefe unterworfen sein sollen, welche innerhalb ihres mit einer Postanstalt versehenen Ursprungsorts verbleiben.

Weit umfangreicher als der Gefetz'Ntwurf selbst ist die Begründung. In derselben ist zuerst von der Heraufsetzung der Gewichtsgrenze für Briefe die Rede. Bekanntlich ist das Verlangen, diese Grenze hinaufiurücken, nicht neu, es figurirte schon seit Jahren alljährlich in dem Bouquet von Wünschen, welches dem Staatssecretär des Reichspostamts übergeben wird, wenn der Postetat im Reichstage auf der Tagesordnung steht. Herr o. Stephan hat sich diesen Wünschen gegenüber stets ablehneud verhalten, und es kann unmöglich richtig sein, daß wie im Entwurf zu lesen ist der Erhöhung des einfachen Briefgswichts die Reichspostoerwaltung von jeher nicht unsympathisch gegenüber gestanden habe. Die siscalischen Rücksichten hätten einem ernsten Willen gegenüber nicht so durchaus maßgebend fein sollen. Im Uebrigen bleibt auch der von Herrn v. Podbielski herausgerechnete Einnahmeaus» fall hinter der Berechnung seines Vorgängers um etwa zwei Millionen Mark zurück. In der Begründung wird des Längeren auseinandergesetzt, weshalb man überhaupt früher auf den Gewichtssatz gekommen war, und daß man schon damals ebensogut den Satz von 20 Gramm wie den von 15 Gramm wählen konnte

Jedenfalls wird der Reichstag mit der Vorlage in ihrem ersten Theile voll einverstanden sein. Man darf dann auch wohl die Uebeczeugung hegen, daß die deutsche Reich-post- Verwaltung ihren Einfluß dahin geltend macht, damit auch innerhalb des Weltpostvereins die Gewichtsgrenze bis 20 Gramm für einfache Briefe in Anwendung gebracht wird. Einzelne Länder, wie z. B. Oesterreich-Ungarn, haben das Gewicht des für die einfache Taxe zu befördernden Briefes bereits längst auf 20 Gramm heraufgesetzt, deshalb wird die Ausdehnung dieses Satzes auf den internationalen Verkehr keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten. Freilich wird

man damit warten müsien bis zum nächsten Postcongreß, da vorher an eine Realisirung derattiger Wünsche wohl kaum gedacht werden kann.

Auch mit der Absicht der Regierung, die Gebühr für die Stadtbriefe in Berlin zu ermäßigen, wird der Reichstag gerne zustimmen und den Gedanken, einen NachbarschastS- verkehr einzurichten in der Weise, daß aus mehreren eng zusammenliegenden Orten ein Bestellbezirk gebildet werden soll, für welchen die Ortstaxe Geltung findet, als einen sehr glücklichen bezeichnen. Gegen die bisherige Taxe für den Berliner Stadtverkehr haben sich schon seit langen Jahren viele Stimmen erhoben, so daß die Reichsregierung thatsäch- lich einem dringenden Wunsche entspricht, wenn sie die Taxe ermäßigt. Es darf als ganz sicher angenommen werden, daß der von der Regierung vorgenommenen Ermäßigung eine Steigerung des Verkehrs in Berlin folgen wird, wodurch der von der Postverwaltung herausgerechnete Emnahmeaus- fall von Vj4 Millionen Mark wieder ausgeglichen werden würde.

Der Gesetzentwurf enthält aber neben diesen dankbar zu acceptirenden Bestimmungen auch eine weniger angenehme Zugabe, welche viel Anfeindung erfahren wird und geeignet ist, die ganze Novelle in Frage zu stellen: Der Postzwang, welcher bisher nur für verschlossene Briefe von einem Orte mit Postanstalt nach einem anderen Orte mit Postanstalt in Geltung war, soll nun auch Anwendung finden auf Briefe, welche innerhalb des Ortsbestellbezirks verbleiben. Diese Bestimmung ist bekanntlich schon seit längerer Zeit in der Presse erörtert und im Allgemeinen von keiner Seite sym­pathisch ausgenommen worden, weil dadurch die Prioatbrief- beförderungsanstalten, welche sich zum Vorcheil des Publikums in den großen Städten gebildet haben, erheblich in ihrer Thätigkeit eingeschränkt werden. Diesem Gegenstände wird dann auch ein großer Theil der dem Gesetzentwurf bei gegebenen Begründung gewidmet und insbesondere der Nach­weis zu erbringen gesucht, daß das correspondirende Publikum oft von den Privatanstalten in schwerster Weise geschädigt worden ist. Die Begründung ist in diesem Theile nicht allzu Überzeugend; insbesondere ist es unrichtig, wenn gesagt wird, daß zur Errichtung der Privatanstalten nirgends ein 23 er* kehrsbedürfniß vorgelegen habe. Das mag wohl auf einzelne Orte zutreffen, aber nicht im Allgemeinen; denn diese Anstalten sind vielfach schon jetzt ein unentbehrlicher Factor im 23er* kehrsleben der Großstädte geworden. Unter keinen Umständen ' aber darf man und darüber sind sich wohl alle Parteien

einig den Privatanstalten eine Einnahmequelle nehmen, ohne sie zu entschädigen. Ob sich die Regierung in dieser Beziehung zu Concessionen bereit finden taffen wird, davon hängt voraussichtlich das Zustandekommen der Novelle ab.

xx

Ans den Verhandlungen der Zweite« Kammer der hessische« Stünde.

G. Darmstadt, 23. Februar 1898.

Die Sitzung wird um 9ya Uhr eröffnet und die Be- rathung des Staatsbudgets fortgesetzt.

Zu Capitel 52, Aerztlichrr Dienst, bringt der Abg. Rau eine Reihe von Beschwerden wegen Handhabung des kreisärztltchen Dienstes zur Kenntniß des HaufeS. Geh. StaatSrath Knorr sagt eine Untersuchung der Falle zu. Hierauf wird der Betrag von 153 700 Mk. bewilligt.

Cap. 53, Impfwesen, mit 8400 Mk. und Cap. 54, Entbindungsanstalt Mainz, mit 12600Mk., werden debaitelos genehmigt.

Cap. 55 und 56, Landesirrenanstalten, werden von der Berathung abgesetzt.

Cap. 57, Blödsinnigen-Anstalt, Alicestift bei Darmstadt, wird mit 3000 Mk. bewilligt.

Zu Cap. 58, Entschädigungen für getödteter und gefallenes Vieh in Seuchefallen, sowie Schutzimpfung gegen Thierseuchen, beantragt der Ausschuß 23800 Mk. zu bewilligen. Abg. Heid eure ich hebt hervor, daß die Derhütuugsmaßrrgeln gegen die Seuchen in den einzelnen Bezirken sehe mangrlhaft durchgeführt werden. Die Etvführung einer Ortsfleischbeschau halte er für nöthig und die Ein führung von Gesundheitsämtern sei anzustreben. Geh. Ober-Medicinalrath Lorenz halt eine Umgestaltung des MedicinalwesenS für nicht empfehlenSwerth. Die hessische Regierung könne hier nicht einseitig gesetzgeberisch vorgehen. Sache der ReichSregteruug sei es, ein Gesetz hierüber zn erlassen. Dieselbe beschäftige sich augenblickl-ch mit Erheb­ungen hierüber. Abg. Schönberger wünscht, daß schärfere Maßregeln zur Bekämpfung der Maul- und Klauen­seuche auf dem Lande durchgeführt werden. Als Radtcal- mittel empfiehlt er, die Btehmarkte für ein ganze- Jahr zn schließen. Dieser Ansicht widersprechen die Äbgg. Joutz, Schmalbach und Bahr. Ersterer wünscht noch die Ein­richtung von Biehweiden in den einzelnen Gemeinden als Gegenmittel gegen die Seuchen. Luft und Licht seien von

Unter dem hoch zum Himmel ausstrtgendeu Schornstein­rauch, der über da» g,oße Kuppeldach de- statischen Theater- gebaube» den Riesenleib ringelt wrd oft dessen Mansarden, finster mit seinen blaugrauen Wolken erfüllt, finden wir, so bald da- Tageslicht es erlaubt, die DecorationSmaler an der Arbeit, die hier in luftiger Höhe ihr Atelier am liebsten auszuschlagen Pflegen.

Neben oder doch dicht unter ihnen befinden fich zumeist die mehr oder minder großen Säle, in denen der Costüm- sundu« ausbewahrt wird. Die kostbaren Stücke tragen schützende Hüllen, da- Gewaffen findet seinen Platz in großen Schränken Für bte Garderobestücke des Chore- und der Statisterie, bei denen oft eineNummer" z B. mittel, alterliche- Bauerncostüm für Götz von Berlichingen mehr o'6 ein halbes Hundert Emzelcostüme umfaßt, die an den endlosen Gestellen aufgehängt find. Hauptbedeckung und Fußbekleidung liegen und hängen bei jeder einzelnen »Figur", so daß der Schneider ganz summarisch verfahren kann, wenn ihm sein Obrrgarderobier laut Regiezettrl 24 eisen- beschiente Ritterknappen, 50 Dominikanermönche, 30 Hof­leute L la Ludwig XIV. n. f. w. aufgibt. Der Raum, in dem die Schneidergehilsen arbeiten, theils, um kleine Schäden sofort zu repariren, theils ober auch, um für die nächste große Au-stattung-oper ganz neue CostÜme herzu stellen, ist selbstredend von dem soeben beschriebenen abge- sondert; die Anfertigung geschieht nach sogen,§igurken", die früher selbst bei größeren Hofbühnen fast immer von Pari- bezogen wurden, jetzt aber, zumal bet allen bedeu« tendrren Bühnen, selbst angefertigt werden.

Ebenfalls in den höheren Regionen liegt der Ballet- faal. Dieses Negligü der »Matten* mit diesem Namen pflegt man die Damen de- corps de ballet zu bezeichnen in dem fich die kleinen Dämchen mit oft recht verschlafenen Gesichtern zusammevfinden, um ganz wie die Rekruten aus dem Exercirplatze die einzelnenTriks" in endlosen Wieder­holungen nach einförmiger Btoltnmelodie einstudiren wüffen,

würden manchen alten Verehrer Terpsichores wenig gefallen. Sanft und freundlich verfährt bet dem Einstudiren da« Corn- mando der Frau Bolletmeifterin natürlich nicht und manche fönst recht verwöhnte ,Blatte" muß hier Worte hören, die fir am Abend zuvor bet schäumenden Champagnerkelchen wahrlich nicht vernahm. Im Allgemeinen ist da- Regiment der Herren Balletmeister nicht ganz so rlgoroS, und da» hat seine sehr triftigen Gründe, denn diese haben nicht selten unter dem corps de ballet eine ober die andere stille aamourM, waS fast immer Sanstmnth und Milde erwirkt. Solche Spezies heißen ,btc Schwiegerväter der Ratten". Sie bringen Bonbon« und kleine Sträuße auf die Probe mit, doch ist ihre Autorität fast niemals eine fo wirksame wie bei denSchwiegermüttern*, den Balletmeisterinnen.

vollend- prosaisch find und darum eilen wir flüchtig an den nun schon tiefer und m-istmtheilS an der Hinterfront de- Theatergebäudes belegen« Zimmern oorflber die Proben für Chor und Solisten. Selbst imConcertf aal", wo die Herren vom Orchester studiren müssen, gibt el nur ernste Arbeit und keine heitere Kunst.

Ein besonderer Raum im Schauspielhanse und oft der eleganteste und bequemste ist der von dem Director oder Jutendanien beschlagnahmte. Manche pikanie und manche vielleicht sogar kunstgesch.chtliche Scene hat fich in diesen Räumen abgespielt. DaS Allerheiltgste de- Chefs zumal könnte viel ernste und recht lustige Geschichten erzählen, wenn all' die Bilder, mit denen die Wände dieses oft sehr »styl­voll" auSgestattetenJnteriem S" reden könnten. Die schnödeste und ödeste Kehrseite der Theatermedaille tritt unS in jenen Bureaus entgegen, in denen das rein Geschäftliche behandelt wird, die Stuben der Raffenbeamten, die Schalter der Billet- Verkäufer, das Zimmer für Gagenauszahlung. Weit tntereffanter sieht es inzwifchen auf der Bühne au«. Freilich ist dieselbe, wenn nicht eine Generalprobe mit Costüm, Beleuchtung und allem Zubehör stattfindet, durchaus nichtglänzenderhellt, tote am BorstellungSabend, aber gerade diese- claire-obscure