Ausgabe 
25.2.1898 Erstes Blatt
 
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an unserem Platze bestehen, so ergaben doch unsere Erheb» ungen, daß auch hier durch späte» Zusammendrängen von Packer Einlieferungen der postalische Dienst häufig über Ge­bühr erschwert tft. Die Kammer beschloß, unter Hinweis auf obigen Erlaß, durch ProtoeollauSzng an die beteiligten Kreise da- Ersuchen zu richten, im Interesse der Aufrecht­erhaltung eines geordneten Verkehr- Packete in größerer An­zahl nicht in jener letzten Stunde aufzugeben, zumal der Abgang derselben mit den Abendzügen nur bei geregeltem Betriebe gesichert ist. In Bezug auf das in Rr. 41 deS »Gießener Anzeiger* enthaltene Referat über die stattgefundene Verhandlung de» Detaillisten. Verein- hat die Handel-kammer zur Belehrung darauf hin- zuweisen: a) daß die Einbauung einer Unterführung vom Personen- nach dem Güterbahnhofe mit gleichzeitiger Verbindung der Bahnsteige schon vor einiger Zeit in eingehend begründeter Vorstellung bei Kgl. Eifen- bahndirrctton beantragt, dieselbe jedoch ablehnend beschieden wo. den ist. Wir halten damit die Angelegenheit nicht für abgeschlossen- b) daß fie vor Unterstützung deS Project- der Fortführung der Bieberthalbahn über Hohensolm» nach Bischoffen nicht unversucht laffen wollte, die ihr für die die-- feitigen Interessen zweckmäßiger erscheinende Verbindung in der Richtung Gladenbach zu erstreben. Auf die dieserhalb in Gemeinschaft mit Großh. Bürgermeisterei Gießen eingeleitete Enquete ist eine die Möglichkeit der Wiederaufnahme letzteren Project- definitiv verneinende Antwort bis jetzt nicht bei un- eingegangen. Großh. Ministerium benachrichtigt die Kammer, daß eine neuere Kgl. spanische Verordnung vor- sehe, daß zur Ausstellung von Ursprungszeugnissen außer den spanischen Consuln diejenigen Behörden befugt sein sollen, welche jede- einzelne Land nach seiner Verwaltungs- Organisation al- dazu ermächtigt erklären würde. Demge­mäß sei diese Ermächtigung den Großh. Handelskammern, Bürgermeistereien und Polizeibehörden ertheilt. Bor An­knüpfung von Geschäftsverbindungen mit der Firma Raphael de Sombreuil, Horticulteur, Aix en Provence wird gewarnt.

* cf Saalbau-Soncert am 27. Februar im Elubsaal. Wir bringen heute unseren Lesern aus der Kölnischen Zeitung eine Kritik, oder bester gesagt ein» geistvolle Plauderei über Ludwig Wüllner. Der Verfaster ist der wohlbekannte, scharffedrige Dr. Otto Neitzel. Nicht» Interessanteres al» so ein Ludwig Wüllner-Abend! Ist der Zuhörer fedr mufikalisch, so wird ihn die hohe reinmufikalische Intelli­genz, die feine Phrafirung, die richtige Accentuation jedes einzelnen Ton» in dem System, ganz abgesehen von der haarscharfen Intonation, erfreuen: der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm. Wer von einem Sänger eine musterhafte technische Ausführung verlangt, wird der Gesangskunst Wüll- ner», dieser Sicherheit, mit der auch in schwierigen Lagen der Tor» bei ihm »steht", dieser Feinheit der Schatürungen, dieser weisen Athemsührung sein Compliment machen. Sucht einet poetische Anregung, indem er fordert, daß der Inhalt des Liedes ihn mit unmittelbar Gewalt erfasse, so soll er fich nur an des jungen WüllnerS Adresse wenden, er findet deren mehr, als er vorher ahnt. Hat Jemand von diesen Vorbedingungen keine an fich, nun öffne er die Augen: das Mienenspiel deS Säugers bildet ein wahres Kunstwerk. Mau nehme eine femgebildete, von warmer Begeisterung für das Kunstschöne durchglühte Natur, von mächtigem Bethütigungs- dränge erfüllt, mit lebhafter Phantasie, beredtem Mienenspiel, ausdrucksvollem Organ begabt, einen Faustisch strebenden Künstler, der mit unendlichem Sichbemühen in den Inhalt eine« Gedichts eindringt, es mit allen Kunstmitteln des Schauspielers declamirt und nun die so gewonnenen AuS- drucksergebuisse beim Singen nutzbar macht, und man hat etwa Ludwig Wüllner, den Liedersänger. Das Ueberwiegeu deS geistvollen und temperamenterfüllten Schauspielers über den Sänger ist da» eine, und die Vorliebe für das heftig Leidenschaftliche daS andere Merkmal seiner Darbietungen. Da» Träumende, da» liebenswürdig Naive ist nicht seine Sache. Aber so einen wilden SarkaSwuS, wie er in dem Liede »Die alten bösen Lieder" fich regt, weiß er unver­gleichlich zu treffen, und wie ergreifend gelang ihm dann der Schluß, wo der Sarka-mus dem Gefühl tiefster Trauer weicht. Da» Emotionelle ist der Grundzug seiner Lieder, unö schade, daß Max Nordau nicht zuhörte, er hätte un» gewiß in der nächsten Auflage seine» dtalectisch spitzen Buches Entartung" ein Lapitel über denFall Wüllner" aufgetischt. Ist eS zu verwundern, daß der junge Künstler, der fünf seltene Schubert-, dieDichterliebe" von Schumann und fieben Lieder von Brahms fang, auch bei uns schon seine Gemeinde gefunden hat, die den Jsabellenfaal deS Gürzenich bi- zur letzten GcsangSphrase andächtig lauschend erfüllte? Ein alter Theaterfreund, der viel in Pari- war, meinte beim HiuauSgehen:Schade, daß ich nicht Theater-Intendant bin, ich würde mir ihn sofort engagiren als Instruktor für meine Sänger!-

Stadtthrater. Clara Drucker vom Berliner Lessingtheater, die in jüngster Zeit durch erfolgreiche Gastspiele an den ersten Bühnen Deutschland-, z. B. Ham- bürg, Cöln, Leipzig, Berlin, in weitesten Kreisen al» gastirende Künstlerin von größter Bedeutung bekannt geworden ist, wurde, wie wir bereits meldeten, von der rührigen Direciion unserer heimischen Bühne für ein dreimaliges Gastspiel ver­pflichtet. Am Freitag, den 25. er. tritt die Künstlerin als Lene" in Ernst von WildenbruchsHaubenlerche" zum ersten Male auf. Das Gastspiel von Fräulein Drucker findet im Abonnement bei erhöhten Preisen statt. Für kommenden Sonntag ist als Vorstellung für Kind er die interessante KtndercomödieRübezahl" in Vorbereitung.

Vortrag. Für Donnerstag den 3. März hat die S ction Gießen de» Deutschen und Orsterreichsscheu Alpen- verein» einen Vortrags-Abend vorgesehen, welcher, wenn er auch gerade nicht alpiner Natur ist, die Mitglieder doch sehr interesstren dürste. Da» BereinSmitglied Alfred Bock hat fich bereit finden lassen, Einige- aus seinen Dichtungen

zu recitiren und zwar find mehrere kleine humoristische Er- zählungen iu Aussicht genommen. Da dieser Vortrag auch weiteren Kreisen von Interesse sein dürfte, so hat die Sectionsleitung beschlossen, die Damen der Mitglieder hierzu einzuladeu.

* Stenographentag. Der Steuographeu-VerbandGabels- berget" für Hessen und Nassau, welcher nach kaum einjährigem Bestehen bereits über einen Besitzstand von 26 Vereinen an 23 Orten verfügt und auch am hiesigen Platze durch zwei Vereine vertreten ist, hält am nächsten Sonntag, den 27. Februar, Nachmittag» 2 Uhr in Frankfurt a. M., (Culmbacher Hof) eine Hauptversammlung ab, die durch die Theilnahme det Vorsitzenden des Deutschen GabelS- berger-Stenographen-Bunde» (ca. 1000 Vereine umfassend), Herrn Ghmnasial-Oberlehrer Dr. Clemens Wolfenbüttel, ein ganz besonderes Interesse beanspruchen darf. Mit der Versammlung ist auch ein Preiswettschreiben in vier Ab- theilungeo. (70, 120, 170 un 220 Silben pro Minute) ver- buuden. Für den Abend ist eine gesellige Unterhaltung mit Tanz vorgesehen, welche von dem an der Spitze de» ver­bände» stehenden Frankfurter Kaufmännischen Stenographen- Verein zur Erinnerung an den Geburtstag GabelSbergrr» veranstaltet wird.

Ehrespreise für die Geflügel- und Bogel-AnSstelluug. Weitere Ehrenpreise für die Geflügel- und Bogel-AuSstrllung haben an gemeldet:der Wetterauer GeflügelzuchtBere'n zu Butzbach, die Actienbrauerei Gießen, Brauereibesitzer Georg Btchler, die Brauerei Gebrüder Röhrle, der Besitzer derStadt Mainz" Peter Prell, daS CigarrenhauS M. Wolf, Wolkeugasse, die Lahukalk- und Marmor-Industrie, Aug. Gabriel jr., Gießen, Rechtsanwalt Grünewald n. A." Der Verein für Vogel- und Geflügelzucht Gießen und Umgegend hat beschlossen, für hervorragende Leistungen fünf filber-ver- goldete Medaillen al» Ehrenpreise zu stiften. Die Anmeld­ungen zur Ausstellung find bis jetzt reichlich eingelaufen, doch wäre zu wünschen, daß aus unserer heimischen Provinz mehr Federvieh als bisher gemeldet, zur Ausstellung tarne. Melde­schluß ist am 2. März, Mittag» 12 Uhr und ist wohl zu erwarten, daß bis dahin das bisher Versäumte nachge- holt wird.

* Huudefrenude machen wir darauf aufmerksam, daß der hiesige Verein zur Züchtung reiner Hunderassen seine erste diesjährige Monats-Versammlung Dienstag den 1. März d. I., Abends 8 Uhr imRestaurant Royal" ab­halten wird. Neben der Erledigung geschäftlicher Angelegen­heiten soll insbesondere die am 4. und 5. Juni d. I. zu veranstaltende große Hunde-Ausftellung fürHunde aller Rassen" zur Besprechung kommen. Außerdem werden zwei von Mitgliedern geschenkte edle Vorstehhundewelpen unter den Anwesenden gratis verlooft.

Babelsberger ktenographen-Berein. E« wird darauf aufmerksam gemacht, daß der heutige Familienabeud des reichhaltigen Programms wegen pünktlich um 8% Uhr beginnt.

vefitzwechsel. DaS dem Kaufmann G. PH Fillmanu in der Neustadt gehörige HauS ging durch Kauf für 43000 Mk. in den Besitz der Gebt. Baer dahier über.

Unter dem verdacht, die 73 Jahre alte Frau Hart-- mann von Homberg o. d. Ohm ermordet zu haben, ist die 22 Jahre alte Antonie Bock in Frankfurt in Haft genommen. Dieselbe soll von der Ermordeten vor ihrem Ableben als Thäterin verdächtigt sein. Die Bock bestreitet mit aller Entschiedenheit, daS Verbrechen begangen zu haben, fie ist die Braut eines nahen Verwandten der Frau. Hart- mann und befindet sich im UntersuchungSgefäuguiß Hierselbst.

Erhängt aufgtfnibeu wurde heute Früh der zwanzig- jährige W. Sch. in dem Wagenschuppen seines Vaters. AIS Motiv wird ein mit feinem Bater stattgehabter Zwist an­genommen.

Wetterbericht. DaS Centrum der Depression zieht fich heute von Central-Frankreich bis nach Mittel-Deutschland herein. Demselben war am Morgen über dem Salz-Kammer- gut zugleich ein Theilminimum vorgelagert- ebenso hat fich außerdem ein Gebiet niederen Druckes vom Zentrum los­gelöst und ist über Süd-Frankreich bis zum Golf von Genua gewandert. lieber den britischen Inseln ist dagegen daS Barometer gestiegen. Die Witterung ist dabei allenthalben trübe geblieben und hat fich auch im Süden mehr ver- schlimmert, woselbst im Laufe des TageS bereits Schneefall etntrat. Voraussichtliche Witterung: Unbeständiges, meist trübes und etwas kühleres Wetter mit Niederschlägen.

Bübingen, 22. Februar. Der heutige Petri-Markt war recht lebhaft besucht, es war wieder mehr Rindvieh und viel mehr Schweine wie in den letzten Jahren auf- getrieben. Die aufgetriebenen zwölf schönsten Thiere wurden prämiier. Gottfried Nagel, Lorbach, erhielt einen Preis für Faselvieh, Bürgermeister Mäser, Büches, Joh. Hrch. Emmrich, Bleicheabach, Jacob Sinner, Kefenrod, Heinrich Distel, Büdingen, Cafimir Gutmann, Büdingen und Heinrich Georg Belte, Rohrbach, je einen solchen für trächtige Rinder und Heinrich Bauer, Bindsachsen, Jacob Eckert Hl, Büdingen, Christian Lott L, Mitteigründau, Wilhelm Henrich, Wolf, Heinrich Stürz, Lorbach, Preise für Rinder.

Offenbach. 23. Februar. Gestern Abend etwa um 91/* Uhr stand der dahier im Kleinen Biergrund wohnende Taglöhner Arndrofius Götz am Wilhelm-Platze in der Nähe der Wasserbude, al- zwei al» Handwerksbursche verkleidete junge Leute an ihm vorüber gingen. Der eine von ihnen war der 22 Jahre alte Karl Weitzel aus Altenburg, der als HauSbursche bei Bäckermeister König in Arbeit stand, der andere der HauSbursche Friedrich Schnotz. Beide hatten bis um 7 Uhr de» Abends gearbeitet und fich dann al- Hand- werkSburfchen maSkirt, um fich noch nachträglich dem Faschings- treiben hinzugeben. AIS Beide an dem Götz vorübergingen, geriethen fie mit ihm ohne jede äußere Beranlassung in einen Wortwechsel, in dessen Verlauf Weitzel mit seinem Stock auf ! den Götz einhieb und dann baonlief. Götz ging den Beiden

nach und traf auf der Mitte der Biebererftraße vor dem Sallenbach'schen Cigarrengefchäst wieder mit Weitzel und Schnotz zusammen. Dort versetzte nun der Götz mit seinem Taschenmesser dem Weitzel einen Stich in die Brust. Die Folge war zunächst eine Rauferei, bei der sowohl Weitzel al« Götz zur Erde niederfielen. Der Kamerad deS Weitzel kam nun auch herbei. Die Bäckerburschen sprangen schließlich, nachdem fie noch dem Götz ein paar Schläge versetzt hatten, auf und eilten die Biebererstraße entlang davon. Wr.tzel war aber kaum etwa 25 Mtr. weit gelaufen, als er plötzlich zusammenbrach und fast unmittelbar darauf starb. Der Vor- fall, der daS Werk nur weniger Minuten war, wurde von mehreren Männern mit angesehen, die sich dann auch al» Zeugen meldeten. Auch ein Schutzmann war kaum hundert Meter von dem Thatort entfernt. Derselbe eilte hinzu und leistete dem tödtlich Verletz en noch Hilfe, so weit solche eben noch zu leisten war. Der Thäter ist ein Mavn von nahezn fünfzig Jahren, verheirathet, hat sieben Kinder und steht al» Taglöhner in einem hiesigen Kohlengeschäfte in Arbeit. Der­selbe wurde noch in der Nacht von der Polizei in einer Wirthschaft in der Waldstraße aufgefunden und in Hast ge­nommen. Bon anderer Seite erfahren wir, daß der er­stochene Weitzel leicht erregbar und zu Streitereien geneigt war. Er hatte gestern während des Nachmittags biel ge­trunken, er hatte sich ferner schon Abends um Vt® Ityr au» dem Hause feint» Meister» entfernt und e» ist anzunehmen, daß er auch in der Zwischenzeit geistigen Getränken zage- sprachen hat. Die erste Anrempelung de» Götz dürfte ai'o im Rausch geschehen sein. (Offs. Ztg.)

Verrutschte».

Feankfurt, 20. Februar. Am Freitag Abend trug fich hier ein 11 ng löd« f all zu, der den Tod eine» Menschen zur Folge hatte. Eine Frau in der Schäfergasse hatte ihr einziges Töchterchen von 7 Jahren in einen Laden geschickt, um Petroleum zu holen. Auf dem Heimwege stürzte da» Kind im Hofe derStadt Kassel" aufs Pflaster, die Petro­leumflasche brach in Stücke, und die Glasscherben durch­schnitten ter bedauern-werthen Kleinen die Hauptader unter dem linken Arm. Da» Kind war sofort wie in Blut ge­badet, konnte aber noch die elterliche Wohnung erreichen, wo eS nach wenigen Minuten an Verblutung verstarb, ehe noch der sofort herbeigerufene Arzt erscheinen konnte.

Frankfurt, 21. Februar. Die Frankfurter Brauerei- Arbeiter haben beschlossen, bei den Brauereien um eine Er­höhung des Wochenlohnes von 24 auf 28 Mk vor­stellig zu werden. In den vorbereitenden Bersammluugen wurde u. A. auch das Quantum des den Arbeitern täglich zustehenden Bieres 8 Liter besprochen. Die Küser beantragten, fich mit 5 Litern zu begnügen. Die B auer aber waren damit nicht einverstanden. (Profit!)

Bochum, 22. Februar. Im Laufe deS gestrigen Tagcs ist eine weitere Leiche au« dem Unglücksschacht der Zeche Karolinenglück" zu Tage gefördert worden. Man glaubt, daß dies das letzte Opfer der Katastrophe gewesen ist. Die Leiche wurde im FlötzHolstein" der fünften Sohle gefunbtn. Von der Belegschaft, die beim Eintritt der Katastrophe iu unmittelbarster Nähe deS ExplofiouSheerdeS arbeitete, ist nur ein Pferdejunge Namens Conrad Bachmann mit dem Leben davongekommeu. Der Gerettete, der nur einige Verletzungen davongetragen hat, erzählte, daß er plötzlich einen mächtigen Feuerschein in der Sohle gesehen habe, dem ein donnerähn­licher Krach folgte. Bewußtlos fiel er zu Boden, und als er wieder zu sich kam, kroch er auf Händen und Füßen nach dem nördlichen Querschlag, wo er von der Rettungsmann­schaft geborgen wurde. Den Weg, den der Gerettete zurück­legen mußte, schildert er als grauenerregend. Leichen von Knappen und Pferden lagen durcheinander, dazu kamen Balken, Steine vnd sonstige Trümmer, mächtige Staubwolken machten ein Athmen fast zur Unmöglichkeit. Nach dem furchtbaren Schlage, der auf da» blitzähnliche Licht folgte, herrschte völlige Stille an der Unglücksstätte. Da» Unglück hat auf die gesummte Bevölkerung einen so tiefen Eindruck gemacht, daß die Mehrzahl der anläßlich des Carneval» geplanten Festlich- feiten aufgehoben wurde. Die Sammellisten für die Hinter­bliebenen bedeckten sich rasch mit Unterschriften. Die Unter­stützung der BerufSgenossenschaft beträgt für jede W'ttwe 20 Procent und für jedes Kind 15 Procent vom Verdienst des Mannes, bis zum Höchstbetrag von 60 Procent. Nehmen wir im günstigsten Falle 1200 Mk. Jahres­verdienst an, so erhält eine Wittwe mit drei oder mehr Kindern jährlich 720 Mk. Eine Revision der Gruben­lampen hat gestern anläßlich der Katastrophe aufKarolinen­glück" auf der ZecheMarianne und Steinbank" stattgefundeu. Hoffentlich werden derartige Revisionen künftig auf allen Zechen und zwar in kürzeren Zwischenräumen vorgenomwen. Ebenso ist die neue Bergpolizeiverordnnng für den Ober­bergamtsbezirk Dortmund erlassen worden, welche anordnet, daß sämmtliche Oerter, Uederhaueu rc. in den Gruben mit mechanischen VentilationSvorrichtungen versehen werden, lieber die gegenwärtig bestehenden Einrichtungen zur Erneue­rung der Luft in den Gruben und zur Beseitigung der schädlichen Wetteransammlungen soll ungesäumt Bericht er­stattet werden.

* Lippstadt, 23. Februar. Zwischen hier und Paderborn find in der vergangenen Nacht zwei Güterzügezusammen gestoßen. Der Sachschaden ist groß.

Untergrundbahn in Berlin. Die VerkehrSdeputation der Stadt Berlin beschloß, den Bau und die eigen? Be- triebsregie einer städtischen Untergrund bah n zu em­pfehlen. Die Aulagekvstrn sollen durch eine Handenm-llionen- Anleihe beschafft werden.

«ugebohrte Fässer. DerMainzer Anzeiger" trachte vor Kurzem eine Notiz über daS Anbohren von Fässern 1 während de» Transportes, wodurch die Fässer ihres Jnhaltes bestohleu und die Kaufleute dadurch ganz empfindlich geschädigt werden. Das Anbohren der Fässer geschieht in vielen Fälle» derart, daß die Faßreifen etwa« zurückgeschlagen »erben,