Ausgabe 
24.12.1898 Zweites Blatt
 
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tik OTerflebt, 21. December. »ei der heute hier statt- gehabten Krei»tagSwahl wurde da» schon langjährige Krei»tag»mitglied Bürgermeister Roth von Muschenheim für den sechsten Wahlbezirk einstimmig wiedergewLhlt.

z, «rLnberg. 21. December. Heute Morgen wurde der Zeuge Deine» von Lindeustruth, der vor dem Schöffen geeicht in einer Körperverletzungs-Angelegenheit au-gesagt hatte, unter dem Verdachte, einen Meineid geleistet zu haben, v er ha stet. Bei der heutigen Beiaeorduetevwahl wurde Heer Stadtmauer Georg Keil mit 93 Stimmen gewählt, der Gegenkandidat Herr Loui» Moll erhielt 69 Stimmen. Hmte verunglückte in dem Grünberger Steiubruch bei Stangenrod der etwa 20jähr. Arbeiter Die» von Stangen« rod, durch einen Sturz auf den Rücken. Die Berletzungen sind derart, daß au dem Aufkommen de» fleißigen, jungen Manne» gezweifelt wird.

-|- Ridda, 22. December. Heute Nachmittag sand im GasthausZur Traube" eine hübsche Christbescheernng für die Zöglinge unserer Kleinkinderschule in Gegenwart deren Vorstand», sowie der Eitern der Schüler re., statt. In der Gemarkung Echzell brannten gestern Nacht drei große, verschiedenen dortigen Einwohnern gehörende, nur theiiweise versicherte Haufen Stroh nieder.

Au» lern Vogelsberg, 21. December. Da» Lehrerh eim bei Schotten hat nun trotz der neuen Leitung doch seit langen Wochen kein Wasser, da e» lange nicht geregnet hat. Da» erforderliche Wasser wird faßweise Herbetgeschafft, an­geblich zu je 2 Mk. Von dem Brunnen etwa« zu holen geht nicht mehr an, da die Pumpe längst nach Wingershausen der- äußert unb die Grube dann verschüttet worden ist.D. Z."

8 Au« Oberhefleu, 22. December. Kürzlich brachte der Franks. G.«A. eine Notiz überZigennereh en", wonach die Zigeuner weder eine standesamtliche, noch kirchliche Trauung eingiugen, sondern nur durch Haudg löbniß einander die Zu­sicherung des Ehebuude» gäben, die aber meist von sehr kurzer Dauer seien. In augezogeuem Falle hatte eine Zigeunerin fünf Ehen eingegangen. Daß aber dieser lockere Ehebnnd nicht bei allen Zigeunern in solch leichter Weise geschloffen wird, beweisen die beschlagnahmten Papiere der in Ermenrod verhafteten Zigeunerin, welche, wie bereits mitgetheilt, ein Mitglied der Zigeuuerhorde ist, welche den Ueberfall auf eine andere Horde bet Wettsaasen verübte. Unter diesen Papieren befand sich ein regelrecht ausgestellter Trauungsscheiu der Zigeunerin, versehen mit amtlichem Siegel. Diese Zigeunerin hat demnach ihren Ehebund nicht nur durch Handgelöbniß wie ihre erwähnte Stammesgeuosfin, sondern durch standes­amtliche Trauung geschloffen.

88 Au« dem Vogelsberg, 22. December. Würziger Tannenduft zieht wieder durch die häuslichen Räume. Dos Weihnachtsfeft steht vor der Thür, und sein herrliche» Symbol, der kerzenschtmmernde, gleißende und glitzernde Christ- bäum wird bald wieder da» traute Heim schmücken. Ja den meisten Gegenden unsere» großen Baterlande» und namentlich in den Städten wird von der schönen urdentschen Sitte des Shristbaumes bei Arm und Reich, Jung und Alt, Gebrauch gemacht. Dagegen gehört die Schmückung eines Ehristbaumes bet unfern Landbewohnern zu den Ausnahmen. Und hter hat man doch so letchte unb billige Gelegenheit, eine Tanne zu bekommen. Andere WethuachtSgebräuche, wie das Backen von Zuckersachen, haben sich eingebürgert und find so allgemein geworden, daß auch der Arme nicht davon abfieht. Umso­mehr ist es zu verwundern, daß diese schönste Sitte sich so

wenig bei unseren Gebirgsbewohnern einsührt. «tnen The« dieser Lücke in de« Wrthnachtsgebrauch füllen wohl die seit dem letzten Jahrzehnt mehr und mehr aufgekommenen Christ- bäume in den Kirchen aus. Ste find oft wunderschön ge­schmückt, da die Gaben zu diesem Schmuck reichlich fliehen. So sehr diese Ehrtstbäume auch die kirchliche Weihnachtsfeier hehrer nnd eindrucksreicher gestalten, da» Ehrtstbäumchen in der Familie können fie trotz größerer Pracht nicht ersetzen- denn Weihnachten ist vor Allem ein Familienfest, ein Kinderfest, das eben durch die auf dem Gabentisch prangende Fichte seine hehre Wethe erhält. Darum führe man auch in unserem Vogelsberg diesen schönen, tiesfinuigen Gebrauch beffer ein und scheue die sehr geringen Kosten nicht, die durch dir Freude unserer Kleinen tausendfach anfgewog-n werden.

V-rmifchtes,

Meißen, 21. December. Auf entsetzliche weise kamen im benachbarten Eölln vier Arbeiter um's Leben. Iharn war eine Flasche mit Sprengöl in die Hände gerathen. Obwohl die Flasche die AufschriftGift" und dm Todteukopf trug, hielten die Leichtfertigen die» für einen Scherz, da fich auf der Flasche noch da» Et kettAlter Lognac" befand. Dir Arbeiter, von denen zwei verheirathet, zwei noch ledig waren, tranken sich zu, und in wenigen Stunden waren fie den Folgen des giftigen Trunkes erlegen, «in fünfter Arbeiter war vorfichtiger gewesen/ den starken Mandelgeruch beß Ge­tränke» fand er verdächtig, und so zog er es vor, lieber nicht Bescheid zu thun.

RewYork, 20. December. Dr. Gatling, der Erfinder der nach ihm benannten Kanone, hat ein neue» Geschütz erfunden, da» letzter Tage in Sandy Hook erprobt wurde. E» ist derDaily News" zufolge, von achtzölligem Kaliber und aus Gußftahl. Die Kanone konnte einen Druck von fast 87,000 Pfund auf den Quadratzoll ausholten. Bei Armeegeschützen wird nur ein Druck von 82,000 Pfund ver­langt und bet Marinegeschützen ein solcher von 30,000 Pfund. Aus der neuen Kanone wurden 182 Pfund, beim zweiten 135 Pfund und beim dritten 142 Pfund Pulver verwandt. E» sollen im Ganzen 800 Schüsse abgefeuert und die Ladung öfter» verstärkt werden. Dr. Gatling hat seine neue Kanone nach der Bohrung einem enormen Hitzedruck ausgesetzt. Die Temperatur betrug auf der Außenseite 2000 Grad Fahren­heit. Während deffen wurde ein Kältestrom durch die Bohrung Hindurchgelaffen. Erst als fich nach sechs Stunden eine Entfärbung aus der Außenseite des Geschützes bemerkbar machte, wurde mit dem Proceß innegehalten. Das Geheimniß der neuen Erfindung besteht in der Legirung des Stahls. Dr. Gatling behauptet, daß fein Geschütz um die Hälfte billiger herzustellen ist und auch viel schneller fabrictrt werden kann, al» andere Geschütze. Den versuchen in Sandy H,ok wohnte der Oberbefehlshaber der Armee der Bereinigten Staaten, General Mile» bei, der von dem Ergebniß sehr befriedigt war.

Berliner Beschlüsse des vorflande« bei ReichSauSschuffe» für die Deutschen Nattonaifeste. Der Vorstand hielt am Sonntag, den 4. December 1898, im Reichstagsgebäude eine um 12 Mitglieder verstärkte Sitzung ab, in welcher eine Reihe von Anträgen zur Verhandlung kam. Darüber wird ein besonderer B.richt in Heft 8 derMittheilungen und Schriften" veröffentlicht werden. Nachfolgend theilen wir die nach eingehender Erörterung einstimmig gefaßten beiden Beschlüsse de» Vorstandes mit. I. 1. Dem Reichsausschuß

für die deutschen Nattonaifeste wird empfohlen, feine Glieder««» in der Weile wirksamer zu gestatten, daß er fich in einen Deutschen Verein für vaterländische Festspiele erweitert, der fich in OrtSvereiue und nach Bedarf in Pro­vinzial- unb Landesvereine gliedert. Die Leitung verbleibt de« ReichsauSfchuffe, und feine Jahresversammlungen hätt der Verein abwechselnd in den großen Städten b*l Reiche» ab. Die Zwecke Hob Ziele bet bestehenden Satzungen sollen hierbei thuulichst aufrecht erhalten werden. 2 Zur Abfassung eine» Entwurfes der nach obigen Gefichtspunkten abgeänderten Satzungen ist ein Ausschuß von fünf Mitgliedern zu wählen.

8. Die Nationalfeste de» zu gründenden Vereins werden regelmäßig alle fünf Jahre am Niederwald gefeiert. Der Zeitpunkt, zu welchem da» erste Natioualfest statlfindeu soll, wird von dem Vorstand des Verein» bestimmt. Bi» dahin sollen die Ort»veretne thuulichst alljährlich vaterländische Fest­spiele mit derselben Aufgabe wie die Deutschen Nationalfeste für einzelne Orte und Kreise veranstalten. II. Der Vorstand hält eine Verständigung mit der Deutschen Turnerschaft für erwünfcht. Zu diesem Zwecke begrüßt er die grundfätzliche Beschlußfassung de» Ansschuffe» der Deutschen Turnerschast, den einzelnen Turnvereinen die Betheiligung an den die»- seitigeu Bestrebungen, wie am Nattonalsest selbst freizugeben, und beschließt: Zur Zerstreuung der bestehenden Mißver­ständnisse unb zwkck» einer weiteren freundlichen Gestaltung de» vrrhältniffes zu den Deutschen Turnern wird ein Aus­schuß von 5 Mitgliedern gewählt. Zur Erledigung dieser Beschlüße (I und II) wurde sodann ein Ausschuß gewähtt, der au» den Herren von Schenckendorff, Hosrath Dr. Rolf», Bürgermeister Heyne, Proseffor Dr. Haffe und Oberbürger­meister Beutler besteht. Die nächste Sitzung de» Reichs- ausschuffe» ist für Ende Januar in Dresden tu Aussicht ge­nommen.

Drolliger Irrlhtt« eine» Anwalt». Aus St. Loui» wird geschrieben: Em alter Kerl fuhr auf der Eisenbahn unb gerieth, ba feine Fahrkarte nicht in Ordnung war, mit dem Coudueteur in eine Rauferei, in deren Verlauf der Passagier einen Thetl feines Bartes einbüßte unb schließlich vom Zug abgesetzr würbe. Er engagirte darauf ben Advokaten Joe WaterS, der eine Schadenersatzklage gegen die Mffonri- Pacific-Eisenbahngesellschaft aufsetzte und die Schrift dem An­walt der Gesellschaft, Balte Waggener, präfeutirte. Obwohl Waggener erklärte, von jener Prügelei »te Etwa» gehört zu haben, wurde er von Joe doch derart in die Enge getrieben, daß man fich fchließlich auf die Summe von 500 Dollar» einigte und die Gesellschaft dieselbe auszahlte. Joe sandte die Hälfte de» Betrage» au feinen Slienten mit dem Bemerken, daß er fich mit der Miffourl-Paclfic-Eisenbahngesellschaft aus die genannte Summe geeinigt habe. Der Llient antwortete ihm, daß er mit dem empfangenen Betrag zufrieden fei, doch fei er nicht aus der Miffouri Pacific-Etsenbahn gefahren, sondern auf einer Zweiglinie der Southern-KausaS Strecke 1

Schiff-nachrichter».

Der Postdampfer .Southwark" der »Red Star State* ta Antwerpen ist laut Telegramm am 20/.December wohlbehalten « Newyork angekommen.__

ÖCST Notiz. "3XS

Die für den Weihnachtstisch viel begehrten Port Cherry re. Flaschenweine der The Continental Bodega Company merken zu Weihnachten bei Ankauf von sechs Flaschen unter Gratis,ugabe eine» hübschen FlaschenkorbS bei Herrn Karl Schwaav, (Bießen abgegeben.

ob ihr Schnupftüchlein gefallen wäre und hob damit die Schüffel rasch auf.

Dann ging fie wieder an» Fenster, that al» ob fie die Sternelein am Himmel betrachtete und lieh fich dabei ihr Leibgericht gut munden.

Wie e» ihr so recht gut schmeckte, da ging plötzlich auf der großen Schloßaltane unter ihrem Fenster da»Stück" lo», denn ein Brand war in der Umgegend auSgebrochen.

Die Jungfer Kolbin fuhr in die Höhe, Liselotte schrak zusammen, nnd au» Angst ertappt zu werden, öffnete fir rasch da» Fenster und warf die Schüffel mit dem Kraut- falat hinaus. In diesem Moment hörte fie die schweren Schritte ihres Vater» die Stiege heranskommen.

Gleich daraus stand der Pfalzgraf in der Schlafkammer, um zu fehen, ob sich fein Töchterlein nicht fürchte. Lise­lotte wollte au» ihrem Gtfichte die Spuren der verbotenen Speise wegwischeu aber das Schnupstüchleiu war auch mit hinausgefiogeu.

n Als Karl Ludwig das von Fett glänzende Geficht seine» Töchterlein» sah, rief er staunend:

Sapperlot Liselotte, Ihr habt Euch ja eine Mixtur aus da» Geficht geschmiert, wollt Euch wohl schön machen, für den ersten Weihnachtstag oder gar für den Mark­grafen von Durlach?"

Ein lustiger Zug ging über Liselotten» Geficht.Mund­pomade ist'S", sagte fie keck, indem fie sich mit der Hand über den Mund wischte,ich habe sie mir wegen meiner gespaltenen Lippen geschwirrt!"

Der Pfalzgraf sah fie scharf an.

Wie er fie so im Zauber ihrer Jugend vor fich stehen sah, die niedliche, etwa» üppige Gestalt, von dem weißen Hanskleide uwfloffen, das volle Geficht mit den schalkhaften Aeuglein vrrschm tzt lächelnd, da bemerkte er, daß fich fein Töchterlein in letzter Zeit zu feinem Vortheil verändert habe.

Larifari, Lifelotte I" rief er,ein eitles Jüngserleta seid Ihr! Aber macht Euch nur schön, damit Ihr Sr. Liebden recht gut gefaßt!"

Plötzlich aber blähte der Pfalzgraf feine Rase, sah in der Kammer umher und ries:

Sappirment, Liselotte, e» riecht ja in Euerer Kammer wie nach Tpeckialatk!"

Und al» der Prinzessin Schooßhündchen, der kleine Litt, mit einem Stück Sp.ck in der Schnauze herbeisprang, da konnte die Liselotte da» Lachen nicht mehr zurückhatten nnd

fie lachte, daß fie fich die Seiten hielt und ihr die Thränen über die Wangen liefe«.

Eine Wetterhexe seid Ihr, Liselotte! Wollt Eueren Vater zum Narren halten!" tief der Kursürst, ebensall» herzlich lachend,dieMundpomade- ist Krautsalat mtt Speck, so Ihr verstohlen gegessen!-

Al» Elisabeth Charlotte bemerkte, daß ihr sonst so ge­strenger Herr Vater bet guter Laune sei, ba gestand fie ihm, wie fie die Jungfer Kolbin, die mäuschenstill in ihrem Bette lag wieder einmal hintergangen habe, denn fie verbiete ihr immer den Specksalat der doch ihr Leibgericht sei.

Und wie fie da» erzählte!

Wie fich in ihren Worten eine Fülle von Humor ver- rieth, und wie der Kurfürst immer mehr lachte!

Die gute Laune ihre» BaterS ausnützend, nahm fie ihn zärtlich bei der Hand, führte ihn an da» Fenster, zeigte hinüber nach dem t« Mondeuglanze daliegenden Hetltgeuberg, und bat:

Laßt mich hter bleiben, hier in meinet schönen Pfalz!"

Darau» wird nichts! tief bestimmt der Pfalzgraf, Geheirathet wird Lifelotte damit Ihr keine alte Jungfer werdet, und der Markgraf Clemens Friedrich ist für Euch bestimmt!"

Sie wollte schon auffahren, die temperamentvolle Lise­lotte, wollte schon ihrem Vater gestehen, daß der Markgraf ihr gar nicht gefiele, dazu wäre er viel zu abgeschmackt unb aufgeblasen), al» Pserdegeirabe den Burgweg herauf scholl.

Der Kursürst horchte auf, daun jubelte er:Nun kommt doch noch Sr. Liebden der Markgraf, seid klug Liselotte!"

Die arme Prinzessin gedachte schon de» Spruche» den fie in ihrer Schreibstunde so oft abfchretben mußte:

Wa» nicht zu ändern geht, Laß gehen wie e» geht!" al» ein Courier mit einem Schreiben des Markgrafen von Durlach gemeldet wurde.

Alfo nicht der Markgraf selbst!" rief enttäuscht bet Pfalzgraf.

Liselotten'» Geficht erhellte fich.

) eigene Worte der Elisabeth Charlotte an ihre Tante, die Knrfürstta von Hannover.

Karl Ludwig las da» Ihm übergebene Schreiben.

Immer finsterer wurden seine Mienen, die Zorne»adet auf seiner Stirn schwoll, wüthend ballte er da» Papier zu­sammen und schrie, al» er auf die Thüre zueilte:

Welcher Affront! Der Markgraf bricht die Heirath»- unterhandlungen ab, und au» einem mir unverständliche« Grundel" *)

Prinzeß Liselotte hätte vor Freude laut ausschrelea mögen.---

Kaum aber waren die dröhnende Schritte de» Kursürste« verklungen, al» Liselotte wieder an ihren Schreibtisch eilte, um ihrer chdre taute in Hannover da» soeben Erlebte zu schildern, um von ihrem Glück zu erzählen, ihren Jugend- träum auf dem geliebte« Schloßberge weiter träume« zu dürfe«.---

Ein Jahr später saß Liselotte wieder an derselbe« Stells aber heiße Thränen Überfl ttheteu ihr Geficht. Sie schrieb den letzten Brief von Heidelberg au» an Ihre chdre taute noch Hannover.

Tag» darauf zog fie nach Frankreich, ein Opfer der Politik. Die Raben umkreisten an jenem trübe« Tage heu Heiligenberg, ihr Gekrächze machte Liselotte wieder, wie so oft fchon erzittern, fchie« eS ihr doch stet» wie die Vor­ahnung künftigen Unheil»!

Sie sollte fich nicht getäuscht haben.

Größe und Glanz erwarteten Elisabeth Charlotte von der Pfalz am französischen Hose, al» Gattin de» einzigen Bruders Ludwig XIV. das Glück aber, da» hatte fie auf dem Schloßberg zu Heidelberg zurückgelvffen.

Und wäre jene Heirath mit dem Markgrafen (Siemen» Friedrich zu Stande gekommen, dann wäre die Tochter unb einzige Erbin de» Pfalzgrafen Karl Ludwig keine französische Prinzessin und nicht die unschuldige Ursache der Verheerungen ihrer geliebten Pfalz, der vernicht««» de» Heidelberger Schlöffe» geworden.

*) lieber obigen Vorfall schreibt Elisabeth Charlotte in ver- schiedenen Briefen: Der Markgraf von Durlach reifte, um auch den Consen» zur Heirath von meiner Mutter der geschiedenen Gemahlin dcS Pfalzgrafen zu erlangen, nach Kassel. Aus dem Rückwege wurde er und sein Gefolge auf pflälzischem Gebiet von Bauern überfallen und geprügelt. Er brach die HeirathSunterhandlung« in dem Glauben ab, daß der Pfalzgraf die Bauern gegen ihn auf- Jkstachelt, auS Merger, weil er feine geschiedene Gemahlin besuchte.

iS war aber ein MißverftSnbniß, die Bauern hatten sich in den Personen geirrt.