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24.12.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Nr 392 Zweites Blatt- Samstag dm 24. December

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Gießener Anzeiger

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Gratisbeilage: Gießener Fanckienblätter

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I«r»eprechrr Wh. 01.

Amtlicher Theil.

Nr. 65 bei Reichs-Gesetzblatts, aurgegeben den 20. b. M-, rnthält:

(9h. 2636.) Bekanntmachung, brtr. dir de» Inter» nationalen Ucbtrclnfommen Aber den Etseusrachtverkehr bei» gefügte Liste.

Gießen, den 22. December 1898.

Großherzogliches KretSamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanutmachllug,

Luttstage des GrotzherjogUchen «reisamrs Gießen betreffend.

Die unterzeichnete Vebörde wird

Gamstag den 7. Januar 1899, öoa Bo.mlitagS 9 Uit an, einen «mtstog i» Rathhause zu Grünberg abhalten und wird den Kreis Eingesrffe en auS oen ümrsgerichtS.Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige An» liegen in bleie« Termine vorzubringen.

Gießen, ben 22. December 1898.

Großherzogliches KrelSamt Gießen, v. Bechtold.

Gießen, den 22. December 1898. Betr.: Wie vorher.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Gr. Bürgermeistereien der in den Amt-» gerichtSbezirkenGrünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden de- Kreise- Gießen.

voeftedende Bekanntmachung «ollen Vie ans ortsübliche Seife zur öffentlichen Kenntnlß bringen lasten.

v. Bechtold.

Deutsches Leich.

Berlin, 22. December. Der Kaiser empfing heute Nachmittag den rusflsch'n Botschafter, Baron v. d. Osten» Backen, welcher ein Handschreiben bei Zaren über­brachte.

Berlin, 22. December. Der .Reichsanzeiger" publlc'rt die bereits bekannte Ernennung des bisherigen Oderpräfl» deuten der Provinz Hesten-Naffan, Magdeburg, -um Lhes-Präsidenten bei Ober Rechoungskammer.

Berlin, 22. December. Die .Post" bestätigt, daß die nächstjährigen Manöver zwilchen dem badllcheu und württem» bergischen Armeekorps stattfiadeu. DaS Manöver werde aber voraussichtlich nicht auf diese beiden SrmeecorpS beschränkt bleiben, sondern el sollen zu ben Manövern auch noch Thetle anderer ArweecorpS herangezogen werben. Die Vorarbeiten stab schon i« Gange.

Berlin, 22. December. Der .Local-Anzeiger" meldet aui Paris: Der LassationShof verlangt volle Freiheit zur Lontrole der geheimen Acten. Daher entstanden die neuerlichen Schwierigkeiten, von denen Dupuy heute I» LabinetSroth Seoutniß gab. Der LaffattouShof kennt alle Acten, aber deren unbeschränkten Gebrauch gestattete Dupuy bisher nicht.

Der Entwurf eines Fleischbeschau-Gesetzes ist der .Nordd. Allg. Ztg." zufolge foweit fertiggestellt, baß er bemnächst dem Bundesrath zugehen kann. Zweck deS lange in Aussicht gestellten Gesetzes ist die Einfügung einer all» gemeinen obligatorischen Fleischbeschau für daS deutsche Re'ch. ES handelt sich also um eine deutsche Angelegenheit, an de» wir allein betheiligt find.

AnsUnsdo

Bien, 22. December. Zur Zeit des Reichsrathsschluffes hat die Regierung den heißhungrigen Slaven noch rasch einen neuen ansehnlichen Bisten hingeworfen, nämlich durch Ausdehnung der berüchtigten Sprachenverord»

nungen auf Schlesien. Der Justizminister ordnete nämlich durch einen Erlaß an das Troppauer Landqerichts- prästdium für die Gerichte in Schlesien in deutschen Gegenden mit tschechischer Bevölkerung Zweisprach'gkeit, dort, wo auch Polen leben, Dreisprachigkeit des Gerichtsverfahrens an. Würde in Schlesien noch eine weitere interestante Nationalität entdeckt, so stände gewiß auch einer Viersprachigkeit nichts im Wege.

Bten, 22. December. Der Justizmiuister ordnete durch einen Erlaß an das Troppauer Lonk>eSger>chtSpräfidium für die Gerichte in Schlesien der deutschen Gegenden »it tschechischer Bevölkerung Zweisprachigkeit, dort, wo auch Polen leben, Dreisprachigkeit Im Ger chtSverfahren an, wodurch die Sprachen Verordnungen auch in Schlesien ciugesührt werden.

Na», 22. December. Der König Humbert und die Königin Margherita verständigten den Piäfideuten Faure von ihrer Absicht, 1900 die Pariser Weltaus­stellung zu besuchen. Der König hat Paris seit 1864, die RÖntain bo*|e be überhaupt noch nicht gesehen.

London, 22. December. .Daily Mail" meldet aus Kapstadt, eine Einigung zwischen England nnb Transvaal bezüglich der Entschädigung, welch« England an Transvaal für den Jameson-Einsall zu zahlen hat, stehe bevor.

CocaUs rrnd provinziell-».

f Bekämpfung der Hanl- und Klauenseuche. Der Land- wirthschoftSrath hat an bas Großh. Mluistertu« solgenbeS Ersuchen gerichtet: 1. durch die BeterinSrorganc sobald wie möglich he ganzen Laude, besonders in den verseuchten Distrikten vmfaffende versuche über die Wirkung und An- weudungSwürdtgkeit des von den Höchster Farbwerken In be« Handel gebrachten SchutzimpfnugomittelS gegen die Maul» und Klauenseuche anstelleu lasten zu wollen, 2. im Falle sich hierbei günstige Resultate ergeben, gefälligst Maßregeln treffen zu wollen zur leichteren Einführung dieses Mittels insbe­sondere zur billigeren Beschaffung desselben.

Feuilleton.

Liselotte.

Eine heitere WeihuachtSgeschichte aus Heidelbergs alter Zeit). Don I. Haydn.

Als I» schönen Neckar,hale die Kirchenglocken Weih­nachten 1670 läuteten, da lag auf den stolzen Zinnen, ben prächtigen Erkern beS Heidelberger SchloffeS gl'tzerubeS EiS, frischgefallener Schnee.

Zn jener Zeit standen noch trotzig seine Thürme, und die bis an den Fuß deS Berges sich hluzieheubeu Burg­mauern schienen für ewige gelten Schirm und Schutz zu bieten.

Am Weihnachts-Abend genannten Jahres erstrahlte« die Gemächer der Pfalzgrafenburg in h«lle« Lichterglonze, herrlich gedeckte Tafeln harrten der Gäste, denn Pfalz­graf Karl Ludwig erwartete wieder für sein Töchterlein einen FreierSmaun.

Die schöne Raugräfta das einstige KatutuerfrSnlein Louise von Degeufeld welche Karl Ludwig, nachdem er sich von seiner ersten Gemahlin geschieden, zur Satttu er­hoben hatte, war eifrig damit beschäftigt, Weihnachts­geschenke aller Art zu ver,heilen, vom einfachen WawmS für daS Gefinde bis zum Perlrngelchmeide für die damals ach'zehu» jährige Prinzeß Elisabeth Eharlotte, die von ihren Ange­hörigen mit de» historisch gewordenen Kosenamen Liselotte gerufen wurde.

,von Bräutigam und Braut" flüsterte ihr die Raugräfin zudaß daS Ehristkindcheu für fie noch etwas ganz besonders vornehmes und Feines bringen würde, einen schönen Prinzen, den Markgrafen von Baden Durlach ben das Prtnzeßchen ja konnte, nnb der nach ihrer kleinen Hand schmachtete!"

Ader warum verfinsterte fich denn bei dies« Sorten Liselottens sonst so heiteres Gestcht? Barnin wandte fie fich denn unwillig ad?

Warum lief fie denn zur Soldio, ihrer Hofmeistertu, wischte fich die hellen Thränen aus den Aeugletu nnb stieß heraus:

,abtr ich will doch gar nicht heirathen?"

Die gute Koldiu nah« ihre Prinzeß bei der Hand,

) Dm Briefen der Pfolzgräfin Elisabeth Charlotte an ihr:

Xante, die Kurfürstin Sophie von Hannover, entnommen.

führte fit in einen Erker, sprach ihr recht eindringlich iuS Herz, sich den Wünschen Seiner Kurfürstlichen Gnaden, ihres Herrn Vaters, zu fügen, wie eine« wohlgeratheuen Kinde gezieme.

Aber der armen Liselotte wurde bat Herz bei ben Ge­danken so schwer, ihre schöne geliebte Pfalz verlassen zu »Affen, sie konnte ben Gedavken gar nicht soffen, baß eS vorbei sein sollte «It de« Schneeball-nwerfen im Schloßhofe!

vorbei die herrliche Sommerzeit auf dem Schloßberge, vorbei baS Erdbeeren- nnb Heidelbeerensuchen int Walde, das Kirschen und Schwarzdrodeffrn an der Bergstraße!

Nun sollte fie einem Manne notethan sein, der ihr gar nicht gefiel, sollte fittsa« bei den Damen in den Kammern fitzen konnte nicht «ehr fortschleichen, um in der Küche wie fie eS so oft gethan Butter zu stoßen, Fischblasen knallen zu laffen nnb bei allerhaob Saucen nnb Gebäck m'tzuhelfeu!

O, sie war so unglücklich, bie sonst so lustige Liselotte, ja, fie athmete erst wieder auf, als ihr Herr 8Her mit der Nachricht in den Saal trat, baß er ben hohen Thurm aus Umschau gehalten, brr Markgraf Elemens Friedrich aber noch nicht in Sicht fei.

DeS langen Wartens müde, befahl der Pfalzgraf, zn Tische zu gehen, da wahrscheinlich der Markgraf des starken Schneefalles wegen anfgehalten, erst in der Nacht eintnffen werde. Eia Stich ging Liselotten durchs Herz. Nun sollte er doch noch kommen! von den mächtigen Weihnochts- braten, von den Wildschweiupustetrn, den welschen Hühnern, von den süßen Pistaziemorten Prinzeß Elisabeth Eharlotte wenig.

Der Pfalzgraf, der sie beobachtete, glaubte in der Ent- haltsamkett seiner Liselotte, di- doch sonst eine starke Sfferiu war, die bräutliche St mmnug zu erkennen.

Wenn er hätte ahnen können, nach was ihr kleines Herz begehrte! Die Jungfer Kolkin aber beobachtete schärfer. Ihr entging nicht, daß ihr Priuzeßchen einer der Samwermägde etwas zvflüsterte. Heimlichkeiten mit ben Kommermägden, daS schickte fich doch nicht für eine Pfolzgräfin!

Aber diese wilde Hummel von einer Prlvzesstn war ja unberechenbar.

Harte Stoffe hatte fie schon ihrer armen Hofmeisterin aufznknacken gegeben. Und waS fie nun wieder im Schilde führte?--

Als bie Rolbin später mit Elisabeih Eharlo te de« FriebrichSbau zulchritt, da bemerkte fie ganz deut ich, wie jene »aamermagb wieder «it der Prinzessin Z ichen und Blicke wechselte.

In ihren Kammern angekommen, vertauschte Liselotte ihr seidenes Festgewaud mit eine« Spenzer aut weißer Solle, bann eilte sie an ihren Schreibtisch, um ae ihre chdre tonte, bie Knrfüistiu Sophie von Hannover, einen jener originellen Briefe zu schreiben, in welchen fie «it la viel Humor nnb berber Aufrichtigkeit die Dinge bei« rechten Namen nannte, Briefe, die in der Folge historischen Serth erlangten, bie deu Geschichtsschreibern eine Quelle ber Ge­schichte des HofledenS jener Zeit wurbev.

Eifrig schrieb baS Peinzeßchen, die Koldiu ließ es aber nicht auS ben Angen, ja als fich Elisabeth Eharlotte In bie gemeinsame Schlafkammer znrückzog, da folgte ihr die Hofme'sterin auf dem Fuße nach.

Immer verdSchttger kam ihr die Liselotte vor, de« anstatt ihr Himmelbett aufzusuchen, stellte fie sich an das Fenster nahe der Thüre und ließ ihre Blicke über die I» Mondenglanz daliegende Landschaft schweifen. Aber das herrliche Panorama schien fie doch nicht zu feffeln, denn immer und immer schielte fie nach ber Thüre, als ob fie etwas erwartete, oder fie schaute fich nach ber Jungfer Koldiu um, die auf ihre« Bette saß und ber Dinge wartete, bie da kommen sollten.

,«ber so geh' Sie boch zu Bett, liebe Rolbin!" unter­brach Liselotte bie unheimliche Stille,ans «ich kann Sie doch nicht warten, ich bleib auf, bis die Glocken in Heidelberg zur Mette läuten!"

»Sonst warten E«. Liebden auf gar nichts?" frag un­gläubig die Hofmeister in.

»Mcnt Sie vielleicht, Jungfer Rolbin ich wart' auf den Markgrafen von Baden-Dnrlach ?!" lachte die Liselotte. »Geh' Sie nur zur Ruh', laßt Euren Bettvorhang auf, dann könnt Ihr «ich ja sehen!"

Und die Hosmeisterin, bie schläfrig geworden war, wickelte ihre Locken auf Papilloten, setzte ihre große weiße Nachthaube auf und schlüpfte unter ihre Bettdecke.

R'cht lange darauf öffnete fich leise, ganz leise die Thüre und die Kammermagd setzte sachte, ganz sachte cmf deren Schwelle eine silberne Schüssel goldgelben Krautsalate» mit Spick.

Liselotte schonte fich etwas ängstlich nm, that dann, all