Ausgabe 
24.12.1898 Erstes Blatt
 
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1808

Samstag den 24 December

Erstes Blatt

Nr. 302

Gießener Anzeiger

Heneral-An^eiger

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Schukstraßt 3Zr. 7.

lüsterne

t Brenteu, Psifferuüffe Honig-Lebkuchen

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tkächen-Artikel

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Wege zu Stande käme. Aber wo! hat dieser Appell genützt? Nicht der kleinste Theil bei Thun'jchen Programm! ist ver- wirkliche worden, und ein größere! Fialco hat wohl noch kein österreichischer Staatlwano erlebt all dieser Gras Thun, der eit so großen Erwartungen all Netter bei Staat!

Pst glinoeu Ausnahme gewähren. El gab Zeiten (zuletzt (1898/94), in benen alle besetzt waren. Im April 1898 waren j voch nur 1847 Pfleglinge vorhanden. Seit 1894/95 ist die Sache in starkem Rückgang begriffen.

Die Solbfuube am südlichen Ufer del Victoria- Seel haben gleich nach ihrem Bekanutwerdeo im vorig« Jahr mehrere Piospec or! veranlaßt, nach Ostasrika zu fahr«, uud ihr G ück zu versuchen. Mittlerweile ist auch dal Berg­gesetz für Ostasrika erlaffeo, welchel zwar alle Wünsche brr Prospektor! nicht besriedtgeu dürfte, aber immerhin be* Finder den vöihtgev Rückhalt giedt. Unter dieser Umstäub« gewinnt die Nachricht etu besondere! Interesse, daß t» Hinterlaode von L ndt, etwa zehn Tagretseu entfernt, von eine« Prospector ein Goldfeld entdeckt worden ist. Nähere Nachrichten fehlen noch, sodaß man nicht weiß, ob el sich ran Alluvtalgold haudelt oder um etu Qaarzr»ff. Jmmnhl» ist diese Nachricht tu Verbindung mit den Golc-fundeu am Victoriasee sehr beachieoswerth.

B t s ch o f I w a h l. Bet der heute tu P e l p l t u statt- gehabte» Vtschoslwahl wurde der Domherr Dr. Roseottetrr- Ptlpliu zum Bischof der Dtöcese Kulm gewählt. Die Persün» lichkett bei Skwählteu giedt Hoffnung, daß er tn die Faß- topfen bei Dr. Rebner treten wird.

vom Lrefelder «ulstavb. Soeben find dir Bergletchlbebtogungeu vollständig zu Staude gekommm, nachdem voch die eine tu Betracht kommende Firma Krahn« u. Grober! eine 10 v. H. Lohnerhöhung zugefichert hat, wogegen die Arbeiter, die be« Lovttaetb«ch verfallen find, 18 Mark Strafe zahlen - bm Arbeite« wurde ferner der Zehustuudeutag sowie Löhnung nach Mete« -ugestandeu. Der Strike ta der Tammetbrauche dürfte fich tu Anbetracht der ungünstigen Gelchäftllage länger htvztehev.

Zum Fall Delbrück schreibt die »ttflln. Ztg." weiter: »DieNordd. Allg. Ztg/ theilt mit, daß der Eultv». Minister die Einleitung de! Discipltuarversahrev! gegen d« Professor Han! Delb'ück verfügt habe. Zu diesem vorgeh« sei ein Beschluß bei Staatlmiutsteriran! nicht oölhig gewesen. Der Ealtulmtntster habe in bei letzten Sitzung bei StaatI- mtutsteriu«! lediglich bovou Mittheilung gemacht, daß er ein Einschreiten gegen den Profeffor Delbrück wegen dessen außer- amtlicher Aeußernug« t« letzte» Heft der ^Preußisch« Jahr­bücher" für vothwmdig erachtet habe. Daß iadeffe» bei Staatßmivistertu« bie Dilcipltoimng bei Professor! Delbrück ebenso rückhaltlo! billige wie el bie Aulwetsuuglmaßregelu ü* nördlichen Schleswig etamüthig gutheiße, Uaue auch nicht de« Schatten eine! Zweifel! vuterliegen. Dal ist aber um

Adresse für Depeschen: Anzeiger chietze».

Fernsprecher Nr. 51.

der provtvzialsächstscheu Arbettercolonie Seyda gibt el Im Reich zur Zett 29 Arbettercolooien, von benen bie erste (W lhelmldorf in Westfalen) am 22. März 1882 uub btt letzte (Lieske tu Sachien) Im October 1897 eröffnet wurde. 24 Anstalt« stehen unter evaugeltscher uub 5 unter katholischer Leitung. Bei bei Ausnahme wirb aber tn allen Anstalt« picht nach der Eonsesfiou gefragt. Die Eolovteu können 3860

Deutsches Reich.

Berlin. 22. Decemder, lieber bai b e u t s ch - e n g l t s ch e Abkommen erfährt bie ,T. Rdsch." wieder einige! Nähere

licht bas Etgebniß bei amtlichen Untersuchung bet Explosion auf ber Zeche Borussia i« Oderberg- amtlbeziik Dortwuod am 4. November b. I., burch welche! sech! Bergleute getödttt uud ein Steiger bei ben Rettung!- arbeit« verunglückte. Danach hat el fich nicht um eine Schlagwetter-, sondern wahrscheinlich um eine Kohl«strff. Explosion gehandelt, all beten Ursache ein Spreogschuß ermittelt worden ist, welchen der Schußmetster verbotswidrig in der Kohle mit Dynamit geladen und weggethan hat. Die Mehrzahl der Getödtet« ist nicht mittelbar durch die Sprengung, sondern erst nachträglich iusolge der Einathmuog von Nachgasen gestorben. All man tn der Nacht vom 9. auf bin 10. November zur Explofionlstelle gelangte, zeigte el fich, daß die auf der Sohle liegende Kohle tn Hellen Flammen stand. Nur mit Mühe gelang el, weiterem Unheil vor- zubeugen.

Berit«, 22. December. Da! Steeatlmtvisterium trat unter de« vorfitz seine! vicepräfibenten, Finaozminister Dr. v. Miquel, heute Nachmittag 2 Uhr tu seinem Dt«st- gedäude zu einer Sitzung zusammen. In dieser Satzung vor Weihnacht« werden in der Regel bie von ben verschieb«« Rrffottl beantragten Beförderung« nud Aulzeichnungen be» rath«, welche dem Kaiser bei« Jahreiwechsel tn Vorschlag gebracht werben solle».

Berit«. 22. December. In bet Aula bet hiesig« Uni- verfität sand heute Nachmittag die von bet Universität bet« anvaltete Sedächtnißseier süt ben Fürsten Bi!« «ar cf statt. Zahlreiche Lehrkräfte «ohuteu ber Feier bet. Die vertteter ber Reichl- und Staatsbehörbeu sowie ber Wissenschaft« hatten sich eingefuvd«. Historischer Professor Le», hielt die Gedächtaißrede. Er schilderte, ankaüpfend an Bismarck! Gebaukev onb Ertuverung«, bie politisch« Idee» unb d« Ausbau bei Reichel burch ben verstorben«.

Berlin, 22. December. Angeficht! bei «äugelnden ; Strikesoud! werden die Berliner Bäckergesellen fetzt von eine« Strike Abstand nehmen. El heißt, daß bie

Die Vertagung deS österreichischen Reichs­raths.

Rach unfruchtbarer Tagung ist mittel! küserttcher Ber« orduuna ber österreichische Retchlrarh neuerdtng! vertagt worb«. Al! I« Frühjahr bei Bigina ber ParlameMI- srifiou Graf Tbuu seiue bekannt« Erklärungen abgab, ba kount« wohl Optimistin in den Glauben versitzt werd«, daß nun wirklich geordnete parlamentarische Verhälrviffe ein« treten würden, und dem g-piüft« Lande war e! ja auch von Atrien zu göaueu, daß die Partetzänkerei« zum Schweig« gebracht würden t« Interesse ber M-chtstilluug O-sterreichl.

die wichtigste Vorlage ber Regierung gilt schon feit langet Reit bet Sulgltlch mit Ungarn, unb Graf Thun appell-rte delhalb auch befonberl warm an ben Pottiotilmul ber Ab« jeorbneten, damit dieser Ausgleich aus parlamentarischem

Zum Bezug des«Siebener Anzeige für i ßaS 1. Vierteljahr 1899 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger die Tagesereignisse in kurzer, den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrichten- Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser i stets über die Vorkommnisse in demselben aus dem 1 Lausenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter in allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeitig wie , möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, des- j gleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Den Interessen der in der Provinz Oberhessen betriebenen Land wirth- schäft wird der Anzeiger in 'Zukunft durch eine landwirthschaftliche Beilage Rechnung tragen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahr­ungen in Kunst und Wissenschaft, Litteratur, Hausivirthschaft, Handel, Gewerbe und In­dustrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Als weitere Beigabe erhalten die Leser die Blätter für Hessische Volkskunde Ein gediegenes F e u i l l e t o n wird neben besonderen Ar tifein ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten UnterhaltungS- stoff bieten. Die(Siebener Familienblätter" werden dem Anzeiger wöchentlich 4mal (Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) beigelcgt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unter­haltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirthschaft bringen, und somit namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende hiesige Abonnenten er­halten vom Tage der Bestellung bis 31. December den Anzeiger kostenftei zuzestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe-Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den' Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtungsvoll

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl 'sche Univ.-Buch. h. Steindruckerei (Pietsch Erben).

au! englischer Quelle. Londoner Blätter berichten, Portugal habe au! fiaanz'eller Noth bie gelammte wirthschaftltche Bit« waltnug bei Küstengebiete! von Lamenzo Maqaez an eine große britische Gesellschaft verpachtet, ta ber« Betrieb alle Haftneinrtchtnngen nnb bie E senbaha« übergingen unb bet auch bie Zölle auhetmfall« sollen. Die portugiefisch« Corte!, | die gegen Eabe Januar znsammentrel«, würden dies« Bet« trag sicher genehmigen, worauf einet Beröffentlichung bei b«tsch.«glischen Abkommen! nicht! mehr im Wege stehe. Die Delagoabai ist also ben Eaglänbern geopfert.

Berit«, 22. December. DerRelchlanzeiger" veröffent«

öt<rtd(äbrli4 2 Matt 20 W mond'.ud) 75 W mv. iSringedobn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vikrtriiLdrlich.

Helf«.

Für bie Anlgleichlfrage setzte Thun unter persönlicher Bermittelune bei Kaiser! ein weitere! Provisorium durch nnb regierte iw Uebrige» auf Grunb bei bekannten Para­graph 14 ber österreichi ch« Berfaffung. Im Reichlrath wurde fast nicht! erledigt, nicht einmal bas Budget weder del laufroben noch bei kommende» Iahte!. Und bet Au!« gleich mit Ungarn ist um lernen Schritt vorwärts gekommen- habet soll berfelbe bereit! von N«jahr ab in Kraft treten I

Schon «ehrsach ist bie Meldung ausgetaucht, Graf Thun sähe ein, baß sein Wirken verlorene Lltbelwüh' sei, unb würbe belhalb zmücktret«. Jetzt tritt btese Meldung wieder bestimmter ans, unb wir wollen im Interesse der Nachbar« Monarchie hoff-n, daß sie auf Wahrheit beruhe. Freilich, wo Ist ber Mann, ber die festgefuhrene österreichische Staat!« fatre w eb*r in! vichtt»? Äel-tt« b'tna-n kann? (XX)

Erscheint tägNch mit Au-nabme bf»

Montag».

Die Siegener Aamtsieov kälter Werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beißelegt.

berufen wurde.

Wen» wir bie Thätigkeit bei Grafe» Tb»u Überblicke», so müssen wir constatire», daß ihm jede kräftige Initiative abglag. Er ließ die Bethältniffe rubig an fich hetankowm«, statt thätlg elnzugrelf« und mit allen Mittel» eine Versöh­nung der Gegensätze herbeizuführ«. Graf Tdu» trat ganz in die Faßtopf« Badenil: er reichte ben Slaven bie ganze i Hanb, währenb er den Deutsch« selbst den klein« F nget ; verweigerte. Die von ihm stammend« ^Grundzüge zur Regelung ber Sprachenfrage" waren vollständig ungerigaet, auß nut ben dringendst« Beschwerb« bet Diutsch« abzu»

3ätrtagen

ten in

UtWMm

Stadt Athen

'ahe 2,3. 12514

G'sill« versuch« »erben, ihre Forbernng« z» Ostern burch« znsetze«.

Berit«, 22. December. Zum Kapitel bei Arbeitet« schütze!. Da!Bolte. Wochenblatt* schreibt: I« Anfana der fiebztzer Jahre stand tn einer größeren Stadt bei iüt- westlich« Dentschland! eine Fabrik mit ungemein feuergefähr­lich « Betrieb, sag« wir eine Aethetfabrik. Die Schlafstätt« der Arbeit' desand« fich »nmittelbat übet bem Fabrik«»«. Eine! Tage! war ei» neuer Heizer eingestellt, bet ohne jede Kenntnis, bei Betrieb! so unbefangen am Feuer hanttrte, baß eine große Explosion entstand. Die Fabrik flog in bie Luft, bie Arbeiter wurden, schauerlich zugerichiet, zum Theil «tt Glasscherben gelp (fr, in! Krankenhau! gebracht nnb bort bet« pflegt. Nach einigen Tagen kam der Fabrikbesitzer, um fich dem A'Zi nach ben Leut« zu erkundigen. Er werde auch Eiwal für fie tbun wüss«, meint et und schickt ein« Pack alter Kleidet, von weiter« Leistung« zu ihre» Gunst« ist N>cht! bekannt. Auch bestand für fie keine Uafalloerfichetnng, wurde ferne Untersuchung wegen fahrlässiger Gefährdung von Menschenleben angest.llt. Der Uaglück-fall wurde oll Ein­wirkung höherer Gewalt angesehen nnb weiter nicht beachtet. Da! ist ungefähr 26 Jahre her- eine kurze Spanne Zett- uab doch ist! uni, al! hätte sich seither die »dt verwandelt, so sehr verwandett, daß uni die ganze Geschichte kaum mehr glaublich Vorkommen will. Sollten wir nicht mit der Zett so weit komm«, daß die jetzig« Zrstände in den Bergwerk« mit ihr« immer wiederkehrenden massenhaft« Menschenopfe« ebenso bet Vergangenheit angehöl«, ebenso unglaublich er« scheinens

arbettercolonieo. Nach bem Geschäftsbericht

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