Nr 276 Zweites Blatt Donnerstaq den 24. November
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10 Psg. das Pfund — 3 hoher, Preise, die er für erhält, auch erzielt er tu das er feinen Abnehmern friedigenden Preis.
Wir kommen nun
40 Proeent de» sämmiltchen deutschen Rindviehs mit Tuber- culose behaftet. In einzelnen Beständen wurden sogar bi» 97 Procenr tuberculö» befunden. Ob einem so verseuchten Viehbestände die Einfuhr von Schlachtvieh aus weniger verseuchten Gegenden gefahrbringend ist, wird deshalb vielfach al» eine offene Frage behandelt- jedenfalls hat die Sperre aber dazu beigetragen, den Werth de» sämmtlichen Rindvieh», auch de» Milch- und Zuchtviehs ganz bedeutend zu heben, wozu allerdings reiche Futterernten und allgemein günstigere Lage der Landwirth chast insofern beigetragen, al» kein Vieh au» Futtermangel oder Geldknappheit an den Markt gebracht zu werden brauchte. Was nun die Grenzsperre m t ihren Wirkungen auf die Fleischverforgung der großen Städte an- langt, denn diese kommen haupl ächlich in Betracht, so ist nicht zu leugnen, daß die einheimische Landwirthschaft und die einheimische industrielle Mästung noch nicht in der Lage find, den Bedarf an erstklassigem Mastvieh ganz zu decken. E» führt zu einem irrigen Schluffe, wenn man den Durch- schnittsprei» der Viebmäikte al» Beweis für Frage und Angebot säwmilicher Qualitäten gelten laffen wollte. Sin Fleischer, der für seine Kundschaft nur erstklassige- Mastvieh verwenden kann, wird keine Stiere kaufen, auch wenn sie noch so billig angeboten wären Wenn nun in den statistischen Angaben der viehwärkte die Durchschnittspreise nicht höher find, al» in den letzten Jahren, so ist e» doch unbestreitbar, daß der Bedarf an erstklassigem Mastvieh nicht hat gedeckt werden können, und daß die Preise derselben so sehr gestiegen find, daß der Verkaufspreis des Fleische» keinen genügenden Verdienst mehr läßt. S» dürste b,e» jedoch nur eine vorübergehende Erscheinung sein, die zu überwinden dem blühenden Fleischergewerbe nicht schwer fallen kann- denn da» gute Gedeihen der weitaus größten Zahl großstädtischer Fleischer ist bekannt. Für da» Gemeinwohl dürfte auch eine vorübergehende Preissteigerung von Roastbeefs und Entre- C6 es weniger schädlich sein als die Sntwerthung des gelammten heimischen Viehbestandes durch plötzliche O-ffaung btt Grenzen. Es ist hierzu besonders hervorzuheben, daß nach den Aussagen ruhig denkender erfahrener Mrtzgermeister seh' billige Biebpreise, wie wir fie bet der Mißernte von 1893 gehabt haben, für ihr Gewerbe viel schädlicher wirken, als die jetzigen verhältniffe - denn um den verbrauch in solchen Ze t-n des dringenden Angebots zu veraulaffen, ent» Iprechend größere Mengen frischen Rindfleisches aufzunehmen, müffrn die Verkaufspreise so gedrückt werden, daß fie schließlich trotz des niedrigen Einstandspreises keine Rechnung mehr laffen. Es ist eben leichter, einige Ochsen mehr zu schlachten, a's ihr Fleisch in den verbrauch zu bringen.
Mage,flrtich, Schinken und Wurst der Stadt sür das Quantum Speck, verkaufen kann, etueu durchaus br«
dem Fleischer den Absatz seines «leirfleilches zu einem an- nehmdaren Preise, und von diesem Standpunkte und im Hinblick auf die nationale Arbeit, die in der Wurstbereitung ge- schützt zu werden verdient, dürste ein Einfuhrverbot von Wurst gerechtfertigt erfcheinen. Die Gegner der Fleifchein- fuhr haben bisher geglaubt, durch planmäßige verekelnug der ausländischen Waare ihrem Ziele näher za komm-n. Da dieselbe aber durch ihre Dualität die Angriffe zurückweisen konnte, so mußten die Bestrebungen erfolglos bleiben und ist nicht zu begreifen, weshalb die Fleischer nicht schon längst offen heraus zum Schutze ihres Gewerbes ein Einfuhrverbot für Wurst verlangt haben, ohne in die verekeluugs Eampagve einzutreten. Auch würde der deutsche Handel ebensowenig wie die Industite etwas gegen ein solches verbot einzuwenden haben, weil die Wursteinfuhr durchaus nicht unentbehrlich für die Versorgung der brettern Schichten der Bevölkerung mit einer billigen Fletschnahrung ist, wozu gesalzenes, gepökeltes oder in Büchsen eonservirtes Fleisch voll« auf genügt.
Was nun den Wettbewerb der Rmerikanischen Fleisch- »amten betrifft, so ist es ein Jrrthurn, ovzanehrnen, daß er den Stadtschlächter zwinge, seinen überflüsfigen Speck unter
Die einheimische Viehzucht wird bald In der Lage sein, diesen wachsenden Bedarf von bestem Mastvieh zu decken, denn wie bei allen Sachen bewirkt stärkere Nachfrage das Anwachsen der Production, und wie die Anspiüche der Bevölkerung in den Städten fich immer mehr auf bessere Qualitäten werfen, so wird die Landwirth'chaft dieser Richtung Rechnung tragen und dafür sorgen, daß die Qualität des Schlachtviehes eine beffere wird. Daß hierin noch sehr viel zu thun ist, wird auch der verbiffeuste Agrarier nicht leugnen wollen. Daß die Landwirthschast bestrebt ist, ihren Vieh- bestand zu heben, geht aus den Preisen von «altfleisch klar hervor, «ährend früher dieses Fleisch stets weit nntet Rinkflrisch dewerthrt war, ist das Preisvrrhältniß jetzt umgekeh't. Färsen kommen überhaupt nicht «ehr an den Markt, weil fie zur Aufzucht zurückgeholten werden. Daher die Knappheit im Angebot von Kalbfleisch- eine Noth daraus her-uletten, daß Kalbfleisch augenblicklich sozusagen Del'cateffe geworden ist, dürfte kaum einem Consurnentrn elnfallen. Die Fleischer jedoch haben die «albfleischpretse so hoch angesetzt, daß fie dabei wohl auskomrnrn können. Ganz anders stellt fich die Lage für Schweinefleisch. Zunächst muß hervorgehobru werden, daß die Schweinezucht so zu sagen ganz in die Hände der Grohgruudbefitzer gekommen ist, während ’/• Schweine
In Preußen dmch den Kleinbesitz gemästet werden. Früher hielt jedes Gehösr rin oder mehrere Mutterschweine, und auch die kleineren Landwirthe züchteten selbst. Jetzt finden fie es viel bequemer, sechs bis acht Wochen alte Schweinchen zu kaufen und dann zu mästen. Da nun aber für Stück und Woche ein Thaler bezahlt wird, fo macht dies eine Auslage von sechs bi» acht Thaleru auf da- Schwein, welches Geld der Bauer früher sich selbst durch eigene Zucht verdiente. Daß die Ergebniffe der Mästung also weniger al» früher befriedigen, ist natürlich. Der verkienst wild eben jetzt vom Züchter vorab genommen.
Es ist behauptet worden, daß der Stadtschlächter den Speck und da» Schmalz infolge de» awerikauischen Wett- bewerb» unter Einstandspre>» abgeben müßte. Diese Behauptung bedarf einer Einschränkung. Was zunächst Schma'z betrifft fo verkauft auch heute noch der Fleischer da» selbst- geschmolzene Schmalz mit schönem Nutzen, ge-röhnlich Koppelt so hoch, wie man gute», reine» amerikanische» Schmalz in Lolonialwaarengeschästen haben kann- der größte Theil der nmeiikanischen Schmalzeinfuhr wird sogar von den inländischen Metzgern gekauft und sehr viel mit hiesigem vermocht, so daß die amerikanische Waare die hiefigen Metzger nicht benach-
flbrffit für Depeschen: Anzeiger chiege».
Fernsprecher Nr. 61.
Zur Fleischuoth
schreibt die »Köln. Ztg.":
Die U’.bertreibu gen, die in der Preffe über die Unzu- Uioglichkeit der jetz gen Fletschzufuhren sowohl al» Über die folgen der Grenzsperre und der immer wachsenden Zufuhr von eonfervirtem Fleisch von den verschiedenen Inter,ffenten zn Tage gefördert werden, geben ein fo unrichtige» Bild von der Sachlage, daß auch der Uapartetifchste zu irrigen Schluß- folgerungen im Einzelnen kommen kann. In fachmännifchen «reisen, die sich bemühen, die verschiedenen Inter,ffrn an», zugleichen, begegnen wir vorwiegend einer Auffaffung, die wir im Folgenden entwickeln.
vielfach wird bezweifelt, ob die Gefahr der Sinschlepp- nog von Viehseuchen ein berechtigter Grund für die Grenzsperre sein kann, da doch unsere Nachbarländer weniger vou den herrschenden Seuchen temgelucht sind als un>er eigener Viehbestand. Evde Oetoder 1898 herrschte die Maul- und Klauenseuche im Regierungsbezirke Aachen in 749 Gehöften von 83 Gemeinden- nach vorgenomunnen Untersuchungen ist müdesten» ein Drittel, wahrscheinlich aber wett mehr al»
Fenillet»«.
Weißliche Seeleute.
Skizze von A. Schacht.
(Nachdruck verboten.)
lich mit Amalie Bella. Nachdem das Sch.ff sechs Wochen »aierwegS war, stellte sich heraus, daß einer der Sch Ks- jungen ein 18jähriges Mädchen sei, das nur an Bord gegangen war, nm seinem Vater zu eniflieheu. Als das Sch ff im nächsten Hafen anlegte, nm den weiblichen Sch ffs- jungen abzusetzen, ergab eine von Offizieren und Mannschaften veranstaltete Eclleete eine stattliche Summe.
Huf der „Templemore", die zwischen New York und Liverpool fährt, wurde im vorigen Jahre eine Frau Hanna Webber als v ehhüier entdeckt. Sie war einige Jahre In Amerika als .Herren-Imitator" anfgetiettn und hatte dann ihre .Kunst" angewendet, um ohne Kosten nach England zu kommen. S e wäre ebenfalls nicht entdeckt worden, wenn ihr nicht ein 2 Eentner Ballen Heu auf die Schulter gefallen wäre, der fie schwer verletzte.
Wohl den eigenartigsten weiblichen Seemann hatte das Segelsch ff .F. Oakes" aufzuweisen. Im Jahre 1896 verließ es Hongkong, um noch New Vark zu segeln, war aber schon 259 Tage unterwegs, ohne daß irgend eine Nachricht zu erhalten gewesen wäre. Man nahm als sicher an, daß das Sch ff mit feiner ganzen Mannschaft verschwunden sei, b S es doch bald daraus im Schltpptan des englischen Dampfers .Kasbek" in New y-rk eintraf. Bald nachdem btt .F. Oakes" im Stillen Ocean den Aequator passtrt hatte, erkrankte die Mannschaft am Skorbut, und ehe man das Eap Horn erreichte, waren fünf tobt, die übrigen aber so krank, daß an ein ordnungsgemäßes Segeln nicht gedacht werben körnte. Als auch bei Proviant ausging, wurde die Lage auf dem Schiffe fehl kritisch. Als die .Sasbtk" den Segler traf, war die Fran de» Eapstän», Mrs. Reed, die einzige Person an Bord, die noch arbeitssähig «ar. Doch auch fie «ar der Ermattung nahe, denn acht Stunden lang harre fie ohne Esten ober Trinken am Steuerruder gestanden und das Schiff gegen den Stur« geführt.
theiligt, sondern im Gegentheil denselben schönen vetdienst bringt. Es ist richt'g, baß der Stadtschlächter einen Theil bes Sp'cks unter S'nstavd» Preis nach kleinern Otten, In- buftite- und Landbezirken, avstoßeu muß, weil die Nachfrage für mageres Fleisch und für Wurst ihn zwingt, mehr Schweine zu schlachten, alS er zur Deckung des Verbrauchs von SP ck oöthig hat. Jedoch ist dieses bei einem verkauf von etwa 30 Pfund Speck auf das Schwein, m'.t einem Verlust von Mk., unwesentlich in Anbetracht der
vor wenigen Woch.n durchlief auch die deutschru Zeitungen He Nachricht, d°ß ein junge» Mädchen unter dem Äomen David James Lincoln Ga'field Mc. Sinl tz auf eine« Sch'ff zwei Reifen als Schiffsjunge mitgemacht habe, ohne entdeckt zu werden. Amalie Vella, wie der eigentliche Samt de» weiblichen ff »fangen batet, konnte auch leicht «it eine« Knoden verwechselt werden, denn ihre braune Gesichtsfarbe, ihr dunkle» Haar uad besonder» ihr Gang gaben ihr etwa» Knabenhafte», besonder» wenn fie mit Jaquet und Beinkleidern bekleidet war.
Sie ist aber nicht der einzige weibliche Seemann, ben t» bl»her gegeben hat, wenn fie auch den Vorzug genießt, daß ihr Geheirnaiß nur durch fie selbst entdeckt worden ist. N?ch im vorigen Jahre ereignete fich auf dem englischen Schiff .Hawkeldale" der Fall, daß eine Frau eine weite Reife als Seemann mitmachte, ohne entdeckt zu werden. Da» Schiff wollte vou einem kleinen englifchen Hafen nach Australien abfegeln, al» noch im letzten Augenblick zwei Seeleute antamtn, die erst nm Reisetage angemustert hatten. Nm Ziel der Rei'e wollten beide abmustern, und nun stellte fich Heron», daß ber eine der beiden Seeleute eint geschiedene Frau «ar, die mit dem geschiedenen Manne ihrer Schwester nach Australien gehen wollte, da tn England einer ehelichen «erdindung Beider gesetzliche Hinderniffe im «ege standen. Um da» Reisegeld zu sparen, waren Beide «h b<n fönst nicht gerade sonderbaren Gedanken gekommen, die üederfahrl durch Arbeit zu verdienen. „ k . .
Schon im Iahte 1800 ereignete fich an Bord de» eng» «scheu Kritg»sch.ffe» .«ciäon" ein ähnlicher F'"
_________ zn einem Punk e, über den da» Fleischergewerbe mit Recht Klage führt. Ss ist die» der «ettdewerb an»ländischer Wurst. Diese Einfuhr erschwert
2lmtlid?er Theil.
Bekanntmachung, bete.: Die Ausführung des Reichsgesetzrs über da» An»- waudernngswefen vow 9. Juni 1897.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem Johann Friedrich Echans zu Gießen für feine Perfoa He Eebuveuß, bet der Beförderung von Auöwanderern nach anßerdeutfchen Ländern al» Agent der Red-Star Linie in Antwerpen durch Vorbereitung, Vermittlung ober Abschluß von Beföldernugsverträgen nach Maßgabe de» Reichsgesetzes über das Auswaudemngsweseu vom 9. Juni 1897 und der Vrstimmungen des BuudeSrath» vom 14 März 1898 innerhalb des Kreises Gießen gewerbsmäßig mitzuwirkeu.
Gießen, den 14. November 1898.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
__v. Bechtold.____________________
«ns Anloß der Feier des Allerhöchsten GebnrtS- tagSsestes bleibt das Ortsgertcht Gtegru am Freitag dem 15. November geschloffen.
hießen, den 23. November 1898.
Grohy. Ortsgertcht Gießen.
Gros.


