Ausgabe 
24.6.1898 Zweites Blatt
 
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Rr. 145 Zweites Blatt.Freitag den 24. Juni

1898

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Nr. 25 der Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 14. d. M. sdM:

(Nr. 2490.) Bekanntmachung der Texte verschiedener keichSgesetze in der vom 1. Januar 1900 an geltenden Ztlffung. Vom 20. Mai 1898.

Nr. 27 deS Reichs-Gesetzblatt-, ausgegeben den 14. d. M., vv-Llt:

(Nr. 2492.) Bekanntmachung, betreffend die Handels- Ziehungen zum Britischen Reiche. Vom 11. Juni 1898.

Gießen, den 22. Juni 1898.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

Betreffend die Reinhaltung der OrtSstraßeu.

Unter Bezugnahme auf § 3 des Local-Reglements vom 10. November 1879 fordern wir die Hauseigeothümer hier- >arch auf, bei heißer, trockener Witterung die vor ihren hrvsern belegeneu Banketts täglich zweimal und zwar Mor- Mi zwischen 6 bis 8 Uhr und Mittags zwischen 12 bis 2 Uhr mit reinem Waffer zu begießen.

Gießen, den 21. Juni 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juni. Die kürzliche Anwesenheit des Fürsten dva Hohenlohe und des Prinzen Reuß in Paris gaben dem .AmloiS" Anlaß zu interessanten Betrachtungen über die Besserung der gesellschaftlichen Beziehungen irischen Deutschen und Franzosen, oder, wie die Leberschrift deS Artikels lautet, zwischenben Preußen und Itr Pariser Welt". Der Verfasser, Gaston Jollioet, erinnert hran, wie diejenigen preußischen Edelleute, die vor dem trüge viel in den Pariser Kreisen ihres Standes verkehrten, wch dem Feldzuge fortblieben. Heute lagen die Dinge ganz wders. Wiewohl ich das an dieser Stelle schon wiederholt Llgeführt habe, hört man es aus franzöfischem Munde doch

Feuilleton.

Z>er Senior der deutschen Jürsten.

Zum 80. Geburtstage bei

Großherzogs Karl Vllerauder you bachseu-Weimar.

(24. Juni 1898.) Von Dr. Ernst WilmS.

(Nachdruck verboten.)

Richt nur der Senior der deutschen Fürsten, sondern tn.tr der ältesten Monarchen Europas ist es, dessen 80. Ge- dmtstag am 24. Juni im Schiller- und Goethestaat Weimar Mch begangen wird. Nur der König von Dänemark und Itc Großherzog von Luxemburg übertreffen ihn im Alter um llaige Monate. Doch zählt Großherzog Karl Alexander W zu den Fürsten, von welchen weiter nichts zu sagen blüe als dies. Der Enkel Karl AugnstS, der Schüler ßcvrthes, der Wiederhersteller der Wartburg, der Siegel- wahrer der großen Traditionen Weimars, der Beschützer mt Förderer der Künste und Wiffenschaften, der treu- vwstitutionelle, seine Fürstenpflichten im höchsten Sinne «s.assende Regent, der Mann des deutschen Gedankens !> steht er vor uns an diesem Ehrentage, nicht bloß vor Seimar, seinem Erblonde, daS ihn auf den Händen trägt, Imbern vor Deutschland, das bis in seine entferntesten smen den Namen Weimar mit Ehrfnrcht und Bewunderung «»spricht. Karl Alexander von Weimar ist zu seiner Ugsten Ehre sei es gesagt keiner jener Männer, welche ü m Ruhm auf dem blutigen Schlachtfelde suchen, sondern tu Fürst deS Friedens, der auf dem Schlachtfelde des Geistes Limpft und gefiegt hat, dessen Stirn der Lorbeer des ^nsteSruhmes schmückt. Er war ein Sohu des Johannis- W, da« in die schönste Zeit deS Blühens und Reifens Ml.

reifendem Korne, denkender Weife war er geneigt und dem friedlichen Wort!

wohl immer wieder gern.Die junge Generation", schreibt | Jollivet,hegt weniger Haß gegen Preußen, als die unserige, I weil sie den Krieg nicht gesehen hat . . . Wiewohl die | jungen Leute bereit sind, sich morgen mit Preußen energischer zu schlagen als mit irgend einem andern Volk, Haffen sie doch die Deutschen nicht mehr, und zwar weder als Volk, noch als Menschen. Sie plaudern mit ihnen gern auf der Reise, beklagen sich selten über eine solche Berührung und erklären sogar laut im Eisenbahnwagen oder an der Gast- hofStafel, daß ihnen der Teutone viel weniger räuberisch und unangenehm erscheine, als der Engländer. Dies Urtheil stimmt überdies mit dem unserer im Auslande ansässigen Landsleute überein, die, beispielsweise in Transvaal oder in Egypten, um nur diese Länder zu nennen, ohne Zaudern mit der benachbarten Deutschen-Colonie einen Zweibund gegen daS anwesende Albion schließen. Dies minder schroffe Auf- treten gegen den deutschen Privatmann, daS keinen Verzicht auf die bekanntenHoffnungen" Frankreichs bedeute, erscheint dem Verfasser nicht nur nicht tadelnswerth, sondern sogar patriotisch:Ich habe immer gefnnden, daß die seit dem Kriege über den preußischen Privatmann verhängte Quarantäne etwas Weibisches oder, wenn man lieber will, etwas Kindisches hat. Der wirkliche modus vivendi hätte der sein müssen, den die Russen mit uns nach dem Pariser Frieden, die Oesterreicher nach dem Frieden von Villafranca wählten. Wäre es nicht viel geschickter gewesen, gar nicht so zu thun, als wenn wir besiegt worden wären?" Dieses verkehrte Verhalten sei den hier weilenden Deutschen vielleicht un­angenehm, aber für daS Selbstgefühl der Berliner schmeichel­haft gewesen. Heute sei diesegesellschaftliche Politik", den Deutschen als solchen den französischen Unmuth über die vor mehr als einem Vierteljahrhundert erlittenen Niederlagen nicht fühlen zu lassen, mehr denn je angezeigt, da die Welt­ausstellung herannahe, wodie Beziehungen zwischen den Kindern des deutschen >unb des französischen Volkes sich ver­vielfältigen werden."

Der Bund der Landwirthe erklärt in einer Zuschrift an das Wolffsche Bureau: Gegenüber der in der IPreffe verbreiteten summarischen Ueberficht des Wahlergebnisses, die nur einen Candidaten des Bundes der Landwirthe als gewählt aufführt, ist festzustellen, daß in 66 Wahlkreisen die Candidaten im ersten Wahlgange gewählt worden find, die

Der Erdgroßherzog Karl Friedrich und seine Gemahlin Maria Paulowua hatten schon auf einen Thronerben Ver­zicht geleistet (der 1805 geborene Prinz war bereits nach einem Jahre wieder gestorben), al» am 24. Juni 1818 Karl Alexander zur großen Freude der Eltern und des Landes geboren wurde. An seiner Wiege standen Karl August und Goethe, ja, der greise Olympier ließ ihn bei seinem Eintritt in das Leden durch die Künste begrüßen, deren Dienst er ihn dadurch prophetisch geweiht hat.Sein erster Blick begegnet unserem Kreise", heißt es in dem warm empfundenen Gedicht und diesem Kreise blieb er treu sein ganze» Leben. Der Weiwartsche Landmarschall Freiherr Riedesel al» Vertreter der Landstände de» GroßherzogthumS, in welchem sämmtliche getreue Uuterthanen zu Gevattern gebeten wurden", und Abgeordnete der Jenaischen Studenten­schaft waren seine Pathen, als er am 5. Juli Abends im großen Saale des Refidenzschloffes getauft wurde. 480 Jenenser Studenten brachten dem Täufling bei Fackelschein eine Abend- wufik und wurden sodann im Schloßhofe festlich gespeist, denn Großherzog Karl August hielt etwas auf feine Studenten und wurde von ihnen fast wie ein Vater geliebt unb verehrt.

An einem solchen Hofe und in solchem Kreise konnte die Erziehung des einzigen Sohnes und Thronerben nur die beste sein. ES war aber auch ein der höchsten Bildung fähiger Character, der sich in dem aufwachsenden Knaben entwickelte. Mit Eifer lag er feinen vielseitigen Studien ob und zeigte schon in frühen Jahren ein hohes, künstlerisches Berständniß. Im Alter von 16 Jahren führte man ihn da­erste Mal nach Italien, das seitdem einen dauernden Einfluß auf den kunstsinnigen Fürsten gewann und wo er selbst jetzt noch gern und lange verweilt. 1835 begann er in Leipzig feine akademischen Studien, die er in Jena, wohin er 1886 Übersiedelte, vollendete- am 10. Juni 1837 wurde er für mündig erklärt. Rach einer längeren Reise, auf welcher er an den Höfen von Berlin, Loudon, Petersburg, Pari» unb dem Haag Aufenthalt nahm, verlobte er sich 1842 mit der Prinzessin Sophie der Niederlande und noch im selben Jahre, am 8. October, fand die vom ganzen Lande freudig mit-

vom Bund der Landwirthe unterstützt wurden unb sich daher zu dessen Anschauung bekennen. Ferner stehen in 95 Wahl­kreisen Stichwahlen an, wo ebenfalls bündlerische Candidaten in diesem Sinne in Betracht kommen. Der Bund der Land- wirthe hat nur in den Wahlkreisen eine eigene rein bündlerische Candidatnr ausgestellt, wo ihm polltisch nahestehende Parteien keinen oder einen ihm im agrarischen Sinne nicht zuverlässig genug erscheinenden Candidaten ausgestellt habe«.

Ueber die Siege der Deutschen bei beit Wahlen in den Ostmarken schreibt derGraudenz. Gesell.":Für die Deutschen in der Ostmark, die ein warmes nationales Empfinden besitzen, denen ein deutsche» Herz in der Brust schlägt, ist heute ein hehrer Festtag! In den vier Wahlkreisen Graudenz-StraSburg, Schwetz, Rosenberg.Löbau und Bromberg, welche im deutschen Reichstage durch Polen vertreten waren, haben die vereinigten Deutschen in heißer Wahlschlacht den Sieg errungen. Hoffen wir, daß da» End- ergebniß dieser Reichstagswahlen von dauerndem Werthe für alle Bewohner der Ostprovinzen sei. Möge der bei ben Reichstagswahlen von den Deutschen bethätigte edle Zug nationalen Strebens, der Geist der Zusammengehörigkeit der Deutschen erhalten bleiben, mögen die ideellen Güter nicht verloren gehen bei dem wirthschaftlichen Ringen der Interessen- Bereinigungen!"

Frankfurt a. M., 22. Juni. Centralstelle für Obstverwerthung. Die Zeit der Reife betriebener Obstsorten, wie Erb-, Johannis- unb Stachelbeeren, Heibel- unb Himbeeren, Kirschen, Aprikosen, Pfirfiche, Pflaume«, ist da ober stehl nahe bevor, unb wir wollen daher alle Pro- bucenten unb Consumenten wieber auf die Frankfurter Central- stelle für Obstverwerthung aufmerksam machen, die e» de« Verkäufern und Käufern so sehr leicht macht, die Obsternte au den Mann zu bringen bezw. den Bedarf an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die benöihigte Menge der Centralstelle anzu« geben, um sofort von dieser mit einer größeren Zahl von Producenteu und Consumenten in Verbindung gesetzt zu werden. Einzige Bedingung ist, daß da» abgesetzte oder erworbene Quantum immer sofort der Centralstelle mitgetheilt wird. E» wird natürlich auch erwartet, daß immer nur gutes Obst geliefert wird; die Käufer sind gebeten, von nicht befriedigenden Lieferungen dem Comiiö Mittheilung zu machen. Gut ist e»,

gefeierte Vermahlung statt. Eine lange Reihe au» der Initiative de» Volke» hervorgeheude Festlichkeiten bezeugten den Jubel der Weiwarifcheu LandeSkinder. Liszt und Fürstenau spielten, und Rubini sang in einem im Schlosse stattgehabten Festeoncert.

Am 8. Juli 1853 folgte Karl Alexander feinem Vater Karl Friedrich in der Regierung de» Landes, bet deren Antritt er fich mit folgender Proklamation an da» Volk wandte:Wir treten die Regierung mit der Erklärung an, daß wir dieselbe treu unb gewissenhaft, im Einklang mit der Verfassung führen, und überhaupt das theure Andenken an unseren In Gott entschlafenen Herrn Vater dadurch ehren werden, daß wir in feine Fußstapfeu treten, in feinem Sinne regieren und wirken." Wenige Wochen später, bet Gelegen­heit der Huldigung de» Landtage», sprach der junge Groß­herzog fich noch näher über seine hohe Mission von den Pflichten seine» Berufes au».ES ist das," sagte er,ein feierlicher, für mich freudiger Act. Er schafft kein neue» verhältniß, er bestätigt nur und sichert die Fortdauer einer engen Verbindung, wie sie, zum Wohle unsere» Vaterlandes, zwischen den Fürsten meines Hauses und dem Volke besteht. Ich bin von der Bedeutung der Aufgabe, die mir durch die göttliche Gnade geworden, lebhaft durchdrungen. Ich weiß, daß sie eine schwere, ich weiß aber auch, daß sie eine hohe unb schöne, daß sie es werth ist, ihr ein ganzes Leben freudig zum Opfer zu bringen. Das will ich! Ich werde stets eingedenk fein, wa» Weimar von feinen Fürsten zu empfangen gewöhnt und auch von denselben zu erwarten be­rechtigt ist. Ich werde an der Spitze stehen überall, wo ei gilt, da» Wohl meiner geliebten Untertanen zu fördern und zu begründen.

Der edle Fürst hat durch die That bewiesen, daß diese Worte ans seinem innersten Herzen kamen. Keiner von Denen, die, obwohl beim Antritt ihrer Regierung vorn besten Willen erfüllt, doch zu schwach sind, um auf die Dauer den Berfuchungen ihrer exclusiven Stellung unb den Schmeicheleien der Streber Widerstand entgegenznfetzen, blieb er allezeit treu der Verfassung de» Lande» und den Traditionen seiner Väter.