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24.6.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 145 Erstes Blatt.

Freitag den 24. Juni

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Vor den Stichwahlen.

Biel Zeit ist dem deutschen Wähler nicht gewährt worden, flSschen Hauptwahl unb Stichwahl seine Entscheidung zu iicheu. Nachdem am vorigen Donuer-tag da- Haopttreffeu ,rl-iefert wordeu ist, finden vom Freitag den 24. ab die kt ichwahlen statt je nach den localen Berhältoiffen an wem Tage bis zum Montag. Dann erst wird zu erkennen ita, welch ein Gesicht der künftige deutsche Reichstag haben itib. Mit den Stichwahlen beschäftigt sich jetzt die gesammte (refft, da von ihnen bei der großen Anzahl derselben un- Mein viel abhängt und für viele der Entschluß, welchem ta«dtdaten die Stimme zu geben sei, außerordentlich schwierig ii. Im Hauptwahlgange konnte Jrdermaun im Allgemeinen (riett politischen und persönlichen Meinung ungehindert AuS- het geben- es waren ja Canbibaten jeder Parteirichtung «rHänden. Bei den Stichwahlen ist daß etwas anders- da Klßt es für Biele, Urberwtndung üben und zwischen zwei lmdidaten wählen, von denen vielleicht Keiner den An- shmungen völlig entspricht, und Mancher ist vor die Alter- ut-ioe gestellt, von zwei Nebeln das kleinere zu wählen. Im fleht, die Pflichten, die ein deutscher ReichSbürgrr zu «Wien hat, find nicht leicht, besonders nicht für Diejenigen, iirlche eS ernst nehmen mit ihrem Berufe als Staatsbürger.

Bor den allgemeinen Wahlen hatte es bekanntlich Graf ßvsüdowsky unternommen, den Anschauungen der Regierung ßuSdruck zu geben tu dem vielbesprochenen Briefe au den notablen Politiker". Angesichts der Stichwahlen wird nun i> ter halbamtlichenBerliner Corresp." eine Parole auS- pgeben, die sich mit dem Inhalte des PosadowSky'scheu Briefe! vollständig deckt. War in diesem zum einmüthigen fcanpfe gegen die Sozialdemokratie aufgefordert wordeu, so ziibt auch die genannte Lorrespondenz die Parole auS, daß ile Gegensätze zurücktreten müffen angesichts des Umstandes, li§ die Sozialdemokratie an der Mehrheit der Stichwahlen tcheiligt ist. Pflicht der Selbsterhaltuug fei es für alle Miottfcheu Wähler ohne Unterschied ihrer Parteistelluug, st bet den Stichwahlen mit aller Kraft gegen die Sozial- imokratie zu vereinigen. (xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juni. Der Kaiser traf Mittwoch Früh -sllihr mit Gefolge an der Helgoländer Düne ein, um die kb-kiten zu besichtigen. Der Kaiser, der vom Oberbau- W«tor FranziuS, RegierungSaffeflor v. Miockwitz und dem ßrmeindevorsteher RickmerS empfangen wurde, sprach nach eve« Bortrage des OberbaudirectorS seine volle Befrtedi- über die Arbeiten aus und kehrte alsdann an Bord Irr 'Hohenzollern" zurück. Die um den KatserpreiS Wnden englischen Aacht en, die am Montag Nach- Erg Dover verlafien hatten, find in nachstehender Reihen- -fdgi vor Helgoland angekommen:Rainbow",Latona", ^hiirmtan",Castanei",Merrythought". Der Kaiser "Hv Nachmittag» nach Brunsbüttel, von wo heute die Weiter- -schm nach Kiel erfolgt.

Berlin, 22. Juni. Die Ueberfiedelung de» katser- ltzen HoflagerS von Berlin nach dem Neuen Palais nunmehr, nachdem der Gruodwafferstand fich gebrsiert wd auch die nähere Umgebung des Palai» nicht mehr über- jstmmmt ist, unmittelbar bevor.

Berlin, 22. Juni. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: .A englischen Blättern war kürzlich von einem langen Briefe Ile Rebe, den Katser Wilhelm vom Prinzen Heinrich über iteaillgebltche Werthlosigkeit von Kiautschou erhalten ^ibtn sollte. Da diese Nachricht auch deutschen Blättern tHfanbt worden ist, so mag festgestellt werden, daß eS fich :m eine freie Erfindung handelt.

Berlin, 22. Juni. Das «Volk" bezeichnet die Meldung, l»!ß Stöcker bet der RetchStagSwahl in Siegen gewählt |fit, als unrichtig. EL fehlten ihm 33 Stimmen zur absoluten I Wrlrheit und er kommt deshalb in die Stichwahl mit dem Mlti:malliberalen Candtdate .

Berlin, 22. Juni. Wie aus Liegnitz gemeldet wird, lieben die tu den letzten Tagen dort vorgekommeneu AuS- lihieftungen sich auch gestern Abend wiederholt, sodaß sMißlich da» Militär mit aufgepflauztem Bajonett einschreiten i iinfte. ES kam zu theilweife schweren Verwundungen. Die 'M,ei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Ein Drechsler- Hille soll durch einen Bajounetstich getödtet fein. Die Wihel-Berwaltung hat eine Warnung erlaffen mit der Au- iüchang, daß bei wetteren Tumulten das Militär die Schub- tünfsi! gebrauchen werde.

Das ReichS-Eifeubahuamt hat zwei graphische

Tabellen ausgestellt, welche einerseits die Zahl der Entgleis­ungen und Zusammenstöße aus 10,000,000 Zug-Kilometer, andererseits die Zahl der bei Zugunfällen auf 10,000,000 Personenzug Kilometer getödteten und verletzten Reisenden auf allen vollspurigeu deutschen Eisenbahnen von über 50 Kilometer BetriebSlänge (mit Ausnahme der bayerischen) während der letzten 18 Jahre vom 1. April 1880 bis zum 31. März 1898 verzeichnen. Das Ergebuiß beweist, wie dieBerl. Pol. Nachr." schreiben, daß die Betriebssicherheit der deutschen Bahnen in den letzten Jahren nicht nachgelassen hat. Für die Beurtheilung dieser Frage ist weniger die Zahl der Todesfälle und Verunglückungen, als die der Zu­sammenstöße und Entgleisungen maßgebend. Nun ergebe fich, daß in keinem der 18 Vorjahre die Zahl der Zusammen­stöße und Entgleisungen so gering gewesen ist, wie gerade im letzten Jahre 1897/98. Sie hat tm ganzen 258 Zu­sammenstöße und 350 Entgleisungen, oder auf 10,000,000 Zugktlometer 7,40 Zusammenstöße und 10,00 Entgleisungen betragen. Die Verhältnißzahl für alle Zugunfälle bleibt mit 17,40 hinter der sämmtlicher früheren Jahre zurück.

EtneRede hat Großherzog Friedrich vou Baden bei der Feier des 25jährigen Jubelfestes des BeterauenvereinS Bretten und der Enthüllung des Kaiser- Denkmals gehalten. Der Großherzog führte u. A. auS: Wir müssen danach trachten, daß die streitenden Elemente in unserem Volke beseitigt werden. Einig müffen wir sein: einig zum Guten und Starken, einig in dem, was die Grund­lage einer Staatsordnung ist. Je mehr fich kundgibt, daß die Staatsordnung gestört werden soll, desto fester müffen wir Alle treu -usamweuhalten, um diese» liebel zu beseitigen. Beseitigt wird e» aber nur bann, wenn wir bem Beispiel be» großen Kaiser» folgen, ber, ein gottbeguabeter Mensch, auch treu gegen Gott war, ber bte Religion unb ben Glauben höher stellte als alles Uebrtge, unb uns dadurch ein Beispiel gegeben hat, das sehr nachahmenSwerth ist und da- hochzu­halten nab zu befolgen wir uns Alle fest vornehmen müffen.

Elbing, 22. Juni. Wie bieElbinger Ztg." berichtet, ist bet bei ber gestrigen Truppenbefichtigung in Deutsch- Eylau angeschoffene Generalmajor v. Rabe am Abenb noch besinnungslos gewesen. DaS Pferb ist ebenfalls nur an- geschaffen, nicht getödtet. Die Kugel burchschlug auch baS Sattelzeug. Ein Gefreiter ber 8. Compagnie be» 44. Regi­ments, bet bem eine Hülse ohne Holzpfrvpsen gefunden wurde, ist verhaftet worden. Der Kaiser und der KriegSmtntster wurden von dem Vorfall sofort telegraphisch benachrichtigt. Schon im Vorjahr* soll übrigens auf Rabe auf dem Schieß­platz geschoffen worden sein. Diese Nachricht ist aber deshalb auffallend, weil Rabe Cavallerie-Lommandeur ist und mit der Infanterie keine dienstlichen Beziehungen hat._________________

Ausland.

Wien, 22. Juni. Die Vorfälle in Prag haben in hiesigen maßgebenden Kreisen einen sehr peinlichen Eindruck hervorgerufen. DaS Auswärtige Amt dürfte in der An­gelegenheit vertraulich eine diplomatische Anfrage richten.

Wien, 22. Juni. Das hiesige Organ der Antisemiten, dasDeutsche Volksblatt", fordert die Regierung auf, die sofortige Ausweisung des russischen Generals Komorow zu verfügen, da diese imJntereffe der Regierung nothwendig sei, umsomehr als Oesterreich seinem Bundes- genoffen Deutschland gegenüber verpflichtet sei, nicht zu dulden, daß in seinen Grenzen gegen Deutschland gepredigt werde.

Prag, 23. Juni. Die Polizei forderte den rusfischeu General Komorow auf, fich zukünftig der Ausfälle gegen die Deutschen zu enthalten.

Rom, 22. Juni. Die Kammer wurde zum Freitag einberufen, um da» provisorische Budget zu berathen und mehrere dringende administrative Geschäfte zu erledigen.

London, 22. Juni. Der Herzog von York sandte ein Beileidstelegramm an den Director der Werft, wo dieAlbion" gebaut wurde. Bon ben umS Leben ge­kommenen Personen finb bisher 37 gefunben.

Madrid, 22. Juni. Osficiell wird die Meldung von einem Attentat auf den Marschall Blanco für falsch erklärt.

Madrid, 22. Juni. Eine officielle Depesche deS Generals Blanco meldet, daß ein amerikanisches Geschwader Casilda drei Standen lang bombardirt hat. Die Batterien von Casilda antworteten, indem fie 150 Kanonenschüsse abgaben. Die spanische Bertheidtgung war heldeumüthig. DaS Bom­bardement richtete einigen Schaden an den Magazinen und bem Stadthause an.

Madrid, 22. Juni. Die Transportschiffe, welche baS Geschwader Camara begleiten, führen 20 000 Tonne» Kohlen mit fich. Infolge dessen kann daS Geschwader sowohl nach ben Philippinen als auch nach ben Antille» fahren, ohne seine Zuflucht zu fremden Kohlenstationen nehme» zu müffen.

Spanien und Nordamerika. Nachdem bisher, wie aus Havanna amtlich gemeldet wird, die längs der Küste von Santiago ausgestellten spanischen Truppen tapfer alle amerikanischen Landungsversuche zurückgewteseu haben, scheine jetzt ein großer Angriff auf Santiago zu Wasser und zu Laude schon bald bevorzuftehen. Die Amerikaner find auf 30 Dampfern am DteuStag vor Santiago eingetroffen. General Shafter und Admiral Sampson begaben fich 17 eng­lische Meilen westlich von Santiago au Land. Hier trafen fie, nachdem fie etwa eine Meile landeinwärts gezogen waren, mit dem Führer der Aufständischen, Calixto Garcia, zu­sammen, welcher dort mit 3000 Mann lagerte, und hatten eine mehrstündige Besprechung mit ihm. Wahrscheinlich wird eine allgemeine Landung nicht vor zwei Tagen versucht werden, aber kleinere Truppenkörper werden wahrscheinlich sofort an verschiedenen Punkten östlich unb westlich von Santiago ge- lanbet, wo fie vor ernstlichen Angriffen der Spanier sicher find. Während der Fahrt seien, so wird hinzugefügt, einige Fälle von typhuSartigen Masern vorgekommen. Im Allge­meinen aber befänden sich die Truppen tm besten Zustand und feien von ausgezeichnetem Geiste beseelt. Die Auf­ständischen vor Santiago find 8000 Mann stark- dazu kommen 25000 Amerikaner, so daß bie angreifenbeu Lanbtruppeu 33000 Mann zählen werben. Die Besatzung Santiagos ist bedeutenb schwächer, doch herrscht in Madrid angeblich Zu­verficht. Eine Brigade hat Befehl erhalten, vom Cap Alger bet Falls Church (Virginia) nach Fortreß Monroe (Virginia) fich zu begeben, um dort nach Cuba eingeschifft zu werden. Dagegen ist angeblich jeder Gedanke einer Be­setzung PortoricoS für den Augenblick aufgegeben- man be­hauptet in Washington, Portorico habe keinerlei strategische Bedeutung.

Die wirthschastliche Krisis in Spanien nimmt zu. In der Provinz Barcelona sollen bereits mehr als 17000 Arbeiter beschäftigungslos fein und für die nächste Woche wird die Schließung weiterer Fabriken in Barcelona angekündigt. In den noch geöffneten arbeitet nur bte Hälfte der Arbeiter und auch diese nur drei Tage in der Woche. Mit bem Mangel an Arbeit stellt fich zugleich eine Preis­steigerung einiger nothwenbtger Nahrungsmittel ein, so baß man in Barcelona mit trübem Blick in bte Zukunft sieht.

Sofia, 22. Juni. Infolge beS Verkaufs von Bilbern deS jungen Grafen von Hartenau an hiesige Kunst- Handlungen drohten die Regierungsblätter, falls man Hartenau zum Thronprätendenten erheben würde, derselbe ein noch schrecklicheres Ende finde, wie sein Vater. Die OpPofitionS- blätter greifen deshalb auf das Heftigste die Regierungspartei an, welche fich nicht schäme, einem unschuldigen Kinde mit Ermordung zu drohen.

wahlbervegrrng.

Die Berichte, die au» dem Lande eingegangen find, zeigen, daß im nationalgefinnten Bürgerthum der Ernst der Situation begriffen wird - daß man fich allerorts klar macht, daß eine Entscheidung, die in so schwierigen Zeiten auf fünf lange Jahre gesällt wird, die Bethätigung be» staatsbürger­lichen Pflichtgefühl- auch vom letzten Mann verlangt. Und zahlenmäßig steht fest, welche Erfolge von bem kurzen Gang zur Urne abhängen! Möge ber Wähler sich bte Mahnung vor Augen halten, bie aus bem Sachseuwalbe gekommen. Bor ber Nation läßt ber Altreichskanzler darauf Hinweisen, baß ihn nur ber Zwang seines Befindens an der Ausübung be» Wahlrecht» zu verhindern vermag! Möge die Mahnung beherzigt werden, die von einer Stelle kommt, die selbst Gegner al» Verkörperung be» nationalen Pflichtgefühl» anseheu!

Darmstadt, 22. Juni. Zur ReichStagS-Stich- wähl hat ber Wahlausschuß ber beutsch-soctalen Reformpartei in anerkennenSwerther Weise seinen Anhängern bie Wahl be» nationalliberalen Canbibaten empfohlen- ba» Gleiche geschah Setten» be» BnubeS ber Lanbwirthe. Man hofft, baß An­gesichts beS Eintreten» der Nationalliberalen für den CeutrumS- canbibaten in Mainz Oppenheim auch viele hiesige Anhänger ber Centrumspartei nach Recht unb Billigkeit für ben National- liberalen ihre Stimme abgeben werben. Bei bem starken Aufgebot ber Socialbemokratie wirb trotzdem bte Erreichung