Ausgabe 
24.4.1898 Zweites Blatt
 
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nn die Regiments - Commandeure der Fußtruppe und der Feldartillerie steht al- einigermaßen au-gleichenb der Abstrich je einer Ration bei einer Anzahl von Offizieren in Regirn nts- Eommandeur» Stellungen (z. B. der Chef de- Generalstabes iom Armeecorps) gegenüber. Bei der Cavallerie wird den Regimenkscommandeuren für Pferdehaltung ein Zuschuß von 600 Mk. jährlich gewährt. Der Generalstabsarzt der Armee bezieht fortan, wenn er den Rang des Generallieutenants hat, ein Gehalt von 12000 Mk , die Eintheilung der General­ärzte und der Assistenzärzte in zwei Klaffen hört auf, alle Generalärzte haben den Rang de- Obersten, die General- Ober'(Dtvisions Merzte den Rang de» Oberstlieutenants, die Oberstabsärzte kommen auf das Gehalt der Stabsoffiziere, die Stabsärzte auf das Gehalt der Hauptleute 1. bezw. 2. Klaffe, die bisherigen Assistenzärzte 1. Klaffe heißen fortan Oberärzte. Die Neuerung wird durch den Etat 1898 im ersten Viertel durchgeführt. Die endgültige Beibehaltung des niederen Lehrgangs an der Artillerieschule für Feldartillerie hat dort 2 Lehrer nöth g gemacht, ein höherer Lehrcurs wird zunächst vorläufig auf 9^, Monate errichtet, das Feuerwerks­und Zugpersonal vermehrt sich um 4 bezw. 12 Hauptleute und je 2 Lieutenants. Die Entlastung der ersten Artillerie. Offiziere vom Platz in Köln und Königsberg erfolgt durch Beigabe pensionirter Stabsoffiziere der Fußartillerie. Zu den Kursen der Jnfanterteschießschule werden 30 Regiments- commandeure, 66 Oberstlieutenants und Majors der Fuß- truppe, 36 Escadronschefs commandirt, die Zahl der in die Kaiser Wllhelm-Akademie aufzunehmenden Studirenden steigt um 12. Die Stabshobcistcn, die, wie schon berichtet, auch besondere Abzeichen erhalten, beziehen vom 16.20. Dienst, jahr monatlich 15 Mk. Zulage, die nach 35 Jahren auf 75 Mk. monatlich steigt. Zu den Reichsbeamten der Militär- Verwaltung tret n u. A. auch einOberingenieur der Feld- zeugmnsterei", Garnisonapotheker u. s. w. Die Zahl der einzubeordernden Leute des Beurlaubtenstandeö steigt um 2800 Unteroffiziere, 25 200 Mann auf 177 381 Köpfe; begründet ist diese Maßnahme durch das Wachsen des Rekruten, contingents und die zweijährige Dienstzeit, die in Zukunft überhaupt die Heranziehung einer größeren Zahl von Leuten des Beurlaubtenstandes zum Auffrischen des Gelernten nöthig machen wird. Die gewachsene Summe für Gefechts- und Schießübungen schwankt, nach dem Anbau in den Corps- bezirken, zwischen 75000 und 120000 Mk. (7. und 8. Corps). Die Ziffer der über ven Normaletat zulässigen Vicefeldwebel sinkt wiederum, da die Lücken bei den SecondelieutenantS durch Nachwuchs sich schließen, das Maximum beträgt 88 (11. Corps). Regimentssatiler der Cavallerie steigen bei 21 Dimstjahcen auf 1100Mk. Gehalt, Registratoren bei der Jnspectton der technischen Institute der Infanterie und Ar­tillerie in derselben Zeit auf 3300 Mk. Generalstabsreisen finden fortan jährlich bei sämmtlichen Armeecorps statt. Die Errichtung von zwei neuen Bespannungsabtheilungen und von zwei weiteren Detachements Jäger zu Pferde ist in den Befehlen für Neuformationcn noch nicht enthalten. Durch die Errichtung der Feldzeugmeisterei erleidet die GefchäftS- eintheilung im Kriegsministerium natürlich einige Aenderungen, besonders bei der Infanterie, Feld- und Fußartillerie-Ab- Heilung.

Ding sagen, daß er sich verabschieden und für immer au! dem 6kcal gehen müsse.

Und all die Vorstellung, welche Gontrandl uu- -erwünschte Intermezzi abgerechnet erfolgreich ausgefallen n»ar, längst ihr Ende gefunden hatte, saß Gontrand noch immer im Dunkel bei still gewordenen und feind Lichter« «lanzel entkleideten Gebäudel und wollte nicht fort. Der Nachtwächter, welcher mit seiner Laterne sämmtliche Räume des Etrkul abzugehen hatte, rüttelte den alten Barriöresteher endlich auf.

//Dehen Tie doch zum Nachtmahl, Herr Gontrand! Morgen ist doch auch wieder ein Abend und eine Vor­stellung!" . . .

Gontrond erhob fich matt- er drückte dem Nachtwächter krampfhaft die Hand und beneidete diesen Glücklichen, der doch im Etrkul bleiben durfte.

Er trat hinaus in die Tchneenacht. In seiner Tasche waren die letzten Rubel, die ihm der Secretär del Directorl noch im Laufe der Vorstellung eiligst gegeben hatte, damit man den alten Unnütz so schnell wie möglich ganz lol sei. Gontrand befühlte die Rubel und ging in ein Restaurant. Xie war er ein Trinker gewesen aber heute, ja heute wollte er trinken trinken, so lange er noch Kopeken in der Tasche hatte, trinken bis zur Bewußtlosigkeit, die ihm allein Erlösung bringen konnte von seinen Seelenqualen.

Der schwere Wein benebelte Henn auch seine Stone und »achte Gontrand taumeln, als er das warm erheizte Gast« haus nach Mitternacht verließ und auf die eilkalte und Straße htnaultrat.

Eine Troika flog über den Schnee herbei. Uebermüthigel Lächeln tönte an Gontrandl Ohr und in dem anl den Fenstern del Restaurants auf den von drei Pferden gezogenen Schlitten fallenden Lichtschein erkannte er Ltsetrenl Öefidjt ... Er ballte die Faust gegen die Schlechte bod, tn der nächsten Secunde fühlte er den Anprall eines der Pferde des Schlittens und stürzte in den mehr all zwei Fuß hoch liegenden Schnee.

Seine Sinne verwirrten fich er glaubte droben an k m wir * e auf 6cm Trapez zu arbeiten; von unten toste der Beifall ihm zu. Er dankte lächelnd. War« stieg ihm dal Blut zum stolz schlagenden Herzen empor und die vielen L'chter im Ctrcnl zeigten ihm schöne Damen, die ihn so feurig «b/icktell und ihn gewiß in ihre weichen, wollüstigen Arme schließen wollten.

Jo Wirklichkeit umarmte deo Eingeschlafeueo der Schnee «od das Blut del alten Gontrand erstarrte im Tode des Erfrierens. Jllustr. W. Extrabl.

* Eine Soautagßpredigl gegen die Tamenhiile. In der Wahl des Texrel zu thien sogeaannten Predigten find die amerikanischen Kanzelredner der modernsten Richtung nicht sehr peinlich- irgend ein Bibelvers wird dem Thema angepaßt, und läßt sich schließlich gar kein paffendes Btbelwort finden, dann sabricirt fich der Herr Pastor seinen Text selber. So thats am 3. April Rev. Hugh P-ntecost für seine Predigt vor der Uoiry Gemeinde, indem er über dosschonungslose Tödten von Vögeln" sprach. E» war dies ein Thema, für welches die weiblichen Mitglieder der Gemeinde keine sonder- liche Andacht zeigten, denn Rev. Pentecost nahm all' die schönen Frühjahrs hüte aus- Koro, die bereits für den Oster- sonntag bereit lagen. Er wies darauf hin, daß alljährlich Millionen von Singvögeln getöd'et werden, damtt die holde Weiblichkeit mit dem bunten Gefieder ihre Hüte schmücken könnte. Jo sarkastischer Weise meinte der Pastor bann, wenn Gott es hätte haben wollen, daß die Frauen Federn tragen, so hätte er ihnen statt der Haare Federn wachsen laffeo. Hübsche Frauen seien auch ohne Federn hübsch, und häßlichen helfen die Federn auch Nichts. Zum Schluß kam Rev. Pente- cost etwas au! dem Geleise, denn er bekannte sich zur Seelen­wanderung. Vögel, so meinte er, seien gerade solche seelische Wesen, wie wir Menschen. Sie find unsere Brüder und Schwestern, und wir find aus ihnen hervorgegaogeo. Einst waren wir auch Vögel, und sie (die Vögel) werden einst Menschen sein.

Schon lange hat man vorgeschlagen, Dampfern eine Anzahl Brieftauben mitzngeben, um ihnen zu ermöglichen, im Falle der Noth Nachrichten nach dem Abfahrtshafen gelangen zu laffeo. El handelt fich vor Allem darum, festzostelleo, ob die Brieftaube auch von der Mitte des OceaoS ihren Weg zum heimischen Schlag finden würde. Bor drei Jahren unternahm man auf französischen Paffagierdampfern Ver­suche nach dieser Richtung, die anscheinend befriedigende Re­sultate lieferten. Es ist unbekannt geblieben, aus welchem Grunde dieselben nicht weiter fortgesetzt und der Orffentlich- keit dienstbar oemacht worden find. Neuerdings wird nun, wie uns dal Internationale Pateotbureau Carl Fr. Rcichelt, Berlin NW. 6, schreibt, die Compagnie Traulatlantique die Versuche wieder aufnehmcn. Jeder ihrer von Havre aus- laufenden Dampfer soll mehrere Hundert Brieftauben mit­nehmen.

* Was Du nicht willst . . . Die Dame eines Wiener Hauses hatte ein neues Stubenmädchen ausgenommen, jung und hübsch, nett und anstellig.Kathi", sagte sie ihr am zweiten Tage nach dem Diensteintritt,heute Nachts rnüffen Sie mich vom Leidiuger abholen, ich bin dort in Gesellschaft und es wird spät werden. Kommen Sie so um halb 12 Uhr. Ich will nicht belästigt werden!" Die Dame wußte, was sie that. Eine Frau allein kann in Wien kaum am Tage, geschweige denn um halb 12 Uhr Nacht! die Straßen un­behelligt pasfiren, ficher wird fieangesprocheo", entweder von einem Müßiggänger und galanten Ladenschwengel dieses ober jenes Standes, oder von einem Wachmann. All Frau 3c zur angegebenen Stunde au» dem Restaurant trat, fand fie bereit! da! folgsame Stubenmädchen am Platz, ja mehr al! das, fie sand außer dem Stubenmädchen auch dessen Lieb­haber vor. Tin entrüstetesKaaathi!!... Aber die Kathi verlor keinen Augenblick ihre kühle Ruhe:Ja, gnä' Frau, so spät allein auf die Gasse zu gehen, das ist un­möglich, ich will auch nicht belästigt werden!"

* Die Nordpolexpeditisn bei Capita»! Swetdrnp, del Begleiter! Nansen! auf seiner letzten Fahrt, wird, wie wir an! einer Mittheilung de! Internationalen Patentbureau! Earl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, entnehmen, am 10. Juni diese! Jahre! ihre Reise antreten. Die Expedition, deren Dauer auf drei Jahre berechnet ist, wird Nansen! Schiff Fram" benutzen, welch-.! bekanntlich von Swerdrup nach Norwegrn zurückgeführt wurde, nachdem es Nansen mit dem j Lieutenant Johannsen verlassen hatte. Zehn nordische Ge­lehrte werd-n an der Expedition theilnrhmen.

* Welchen ungeheueren Aufschwung das Fachschulwesen . in Deutschland genommen hat, geht aus nachfolgender Zu- sammenstellung hervor, die wir einer Mittheilung de! Inter­nationalen Patentbureaus Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, verdanken. In keinem Theile r-er Welt wird soviel Werth auf gute Fachbildung gelegt, wie im Königreich Sachsen, denn dieses kleine Land besitzt nicht weniger als 111 Fachschulen, die sich auf fast alle Industriezweige erstrecken. Preußen weist demgegenüber 460 Schulen auf mit einer Schülerzahl von etwa 12000. Für Maler und Decorateure ausschließlich giebt es 35, für Schneider 16, für Schuhmacher 9 Institute. Die Regierung bezahlt jährlich gegen 21/: Mill. Mark an Staatsbeihülfen; die städtischen Behörden tragen natürlich auch ihren Theil zur pecuniären Unterstützung bei. So be zahlt Berlin allein fast 300000 Mk. aus städtischen Mitteln ' an Fachschulen. Baden, welches etwas über U/a Millionen i Einwohner zählt, wendet jährlich über 1200000 Mk. für j technische Lehranstalten und Fachschulen auf. Heffen besitzt, i bei rtroa 1 Million Einwohner 83 Zeichnenschulen und 43 für j industrielle Betriebe und daneben noch viele andere für Hand- ' werter aller Professionen. Darf es daher Wunder nehmen, \ wenn dasMade in Germany" die bekannteste Handelsmarke ! geworden ist? Amerikanische Fachkreise erkennen offen diese auf geschulten Kräften beruhende Ueberlegenheit des deutschen Products» an und selbst die Engländer fangen, wenn auch widerwillig, an einzusehen, daß sie in dieser Be­ziehung hinter Deutschland zurückgeblieben sind, und daß es dadurch deutschem Product möglich wurde, dem englischen im eigenen Lande Concurrenz zu machen.

* Was eine Ueberfahtt eine» Cceanbampferl kostet. Kein Uneingeweihter kann fich davon eine Vorstellung machen, welche enormer Summen es kostet, einen jener kolossalen Paflagierdampfer, die beständig zwischen Europa und Amerika kreuzen, reisefertig zu machen, und welche Uafummen der Unterhalt eines solchen mit allem Eomfort der Neuzeit ansgeflatteten Dampfschiffe! täglich verschlingt. Einer ameri«

konischen Zeitschrift, die nun eingehend obige Frage br bandelt, entnehmen wir einige Einzelheiten, die von allge­meinem Jutereffe sein dürften. DieEquipage" jedes größeren Dampfers, einschließlich des Eapitäns und mehrerer Offiziere, beziffert fich aus 45 dis 50 Mann. Dazu kommen einige 150 Angestellte, die in den Maschinenräumen beschäftigt find, und tm Uebrigen noch etwa 90 bi! 100 Leute, welche theil- weise im Küchendepartemeut, als Stewards ober birect mit der Bedienung ber Passagiere zu thun haben. Der Lapitän eines Atlantischen Steamer! bezieht gewöhnlich ein jährliches Gehalt von 3000 bi! 5000 Dollar - die Gesammtsumme, welche monatlich für die Gehälter aller Andern aulgezahlt werden muß, beläuft sich durchschnittlich auf 10 000 Dollar. Der tägliche Consum an kohlen spielt ebenfalls keine kleine Rolle. DieEampania", die kürzlich bei Spitheab vor Anker lag, verbrauchte zur Heizung ihrer vielen Schlote täglich nicht weniger als 500 Tonnen Kohlen. Die Koste« für die nothwendigen Reparaturen und sonstigen Auslagen Unes Oceaudampfers find keineswegs gering. Die Ver­sicherungspolice fordert allein eine Summe von 50 000 Dollar monatlich und mehr als 150 Dollar pro Monat kostet bas Oel für die Instandhaltung der Maschinen. Ein Passagier- Dampfer wie dieCity os Rome" verbraucht während einer einzigen Ueberfahrt folgenden Bestand an Nahrungsmitteln: 13 000 Pfund frische! Rindfleisch, 880 Pfund Eorueb-Beef, 5400 Pfund Hammelfleisch, 900 Pfund Lamm, 400 Pfund Schwein und Kalb, 2000 Pfund frischen Fisch, 300 Hühner, 160 Enten, 50 Gänse, 90 Puten, 200 Paar Birkhühner, 80 Packkörbe mit Gemüse, 15 Tonnen Kartoffeln, 12000 Eier, 1000 Quart Milch und 250 Quart Dahnen-Eis. Die Kosten einer ungefähr achttägigen Fahrt von Newyork nach Hamburg würden somit die respectable Summe von 200000 Mk. verschlingen.

Universität- - Nachrichten.

Am 18. April starb in Leipzig Dr. Oskar Paul, Pro­fessor an der Universität unb Lchier am Kgl. Ccmservalorium für Musik. Geboren 1836 in Schlesien, lag der Verstorbene feit 1858 in Leipzig zunächst theologischen Studien ob, die er aber später auf­gab, um sich der Musik zu widmen. Dom Ernst seines Strebens zeugen seine wissenschaftlichen Arbeiten, unter denen besonders die Schrift überDie Harmonik der Griechen und die Uebersctzung und Interpretation de! BoethiuS" zu erwähn, n find. Letzterer Arbeit wohl hatte er feine gut botiite Stellung al! Professor an der Uni­versität zu verdanken, als welcher er über iistkgcfchichie las. Paul war aber auch ein praktisch begabter unb fertiger Musiker, ber als Componist und Pianist Proben tüchtigen Können« adgelent hat.

Landwsrthschastlsches.

Zur Anzucht des Knollenselleries. Die H-imath des KollenfrUe.ieS in das Meeresuser, besonders das der Sübsee, an dem er wild wächst. Darau» folgt, daß derselbe viel Feuchtigkeit verlangt unb vertragen kann. Der Sellerie beansprucht in seiner Eigenschaft als Knollengewächs viel Dung; eine einfache Düngung genügt nicht, um einigermaßen schöne und kräftige Knollen zu er­zielen. DaS Land muß tief gebaut, im Herbste vorgedüngt unb im Frühjahre wiederholt gedüngt werden. Dazu sind kräftige Dung- güffc bis in den September hinein zu orrabsolgen. Hierzu verwendet man entweder Latrine ober Hühner- unb Taubenmisi, ber aber vor­her mit Wasser zu verdünnen ist. Ich habe zu diesem Zwecke ein alte! Faß im Garten stehen, in daS der sämmtliche im Hühner- unb Taubenschlage erzeugte Dünger gebracht, mit Ruß vermischt unb hierauf in Wasser aufgelöst wird, um alsdann bei Regenwetter an die Pflanzen je nach Bedürfniß verabreicht zu werden. Damit bi! zum 6inrointern die Knollen schön unb glatt werben, ist es noth- wendig, ein- auch zweimal im August unb September zu blatten, ohne jedoch Ueberrefte der Blattstiele stehen zu lassen. Gleichzeitig wird bkrbci die Erde um die Knollen herum weggeräuml Mit einem scharfen Messer schneidet man nun alle Seitenwurzeln glatt weg unb häufelt die Erde bi! an die Krone wieder an. Bei diesem Verfahren wachsen die heroorgerusenen Verwundungen bald wieder autz. Den Sellerie erst beim Au.graben zu blatten und die oft bi! dahin fingerdick gewordenen Wurzeln abzuschneiden, ist für seine Aufbewahrung höchst schädlich unb geht ber meiste infolge­dessen schnell zu Grunde; die mühsam gezogenen Knollen werden zum Schrecken ber Hausfrau im Umsehen alle.

Die Ueber Winterung muß in frostfreien Räumen ge­schehen. Hinzu eignet sich zunächst ein gut gelüsteter

Keller, wo bte Pflanzen in trockenem Sanbe einzuschlagen unb hin­länglich gegen Nagethiere zu schützen sind. In Ermangelung eine! geeigneten Kellers verdient die Ueberwinterungs-rube im Garten den Vorzug. Die Herstellung derselben ist sehr einfach. Die Erde wird etwa 40 Zentimeter tief auSgehoben und zu beiden Seiten der Grube wallartig ausgehäuft. Von den zur Ausbewabrung bestimmten Knollen werden r.un die Wurzeln mit einem scharfen Messer entfernt und alle Blätter, welche sich gut lösen lassen, einzeln abgerissen, so daß der obere Theil der Knolle ganz glatt erscheint; die Herz­blätter jedoch müssen daran bleiben. Hieraus werden die aus diese Weise abgeputzten Knollen dicht nebeneinander in trockene Erde eingeschlagen, doch so, daß die grünen Blattspitzen frei bleiben. Lei eintretendem Froste wird die Grube mit Brettern zu- gedeckt und mit Bohnenkraut, Reistg, Laub unb bergl. verwahrt.

Der Knochensellerie ist ein recht gute! und nolhwendiges Zu­gemüse für die Fleischsuppen unb gibt auch einen vortrefflichen Seiet, ber nicht allein wohlschmeckend ist, sondern auch eine angenehme, magenstärkenbe Wirkung befitzt; ja er läßt sich sogar zur Herstellung einer ganz vorzüglichen, wohtdekömmlichen Bowle verwenden. Tie Sellerieknollen werden zu diesem Zwecke, nachdem sie zuvor gewaschen und geputzt jedoch nicht entrindet worden find, m dünne Blättchen geschnitten, mit gestoßenem, weißen Zucker in ein geeignete! Gefäß geschichtet und mit Weißwein übergossen. DaS »Ziehen^ dauert so lange, bis der Wein kräftigen Selleriegeruch und gleichen Geschmack angenommen hat. Nun gießt man demAnsatz" ent­sprechend Wein zu und ber Trank ist fertig. Nimmt man kräftigen Beerenwein statt Weißwein, so braucht man oerbältnißmäßrg weniger Zucker iu nehmen. In verkorkten Flaschen läßt sich daS Getränk einige Zeit aufbewahren und gewinnt an Güte. Zur Erzielung kräftiger Setzpflanzen sät man den Selleriesamen AuSgang! Februar ober «nsangs März am besten in ein haldwarme! Mistbeet. Um daS Keimen zu beschleunigen, weicht man ihn einige Tage vorher mit etwas Salz in laurnwarmeS Wasser ein. Den Samen in freie! Land zu säen, führt zu keinem Resultat; er liegt 56 Wochen, dis er aufgeht unb wird zu spät verpflanztöhig. Sobald die Pflanzen da! vierte ober fünfte Blatt gebtlbet baden, müssen fie pikiert werben. Die Vornahme diefer Arbeit ist nöthig, um buschige Pflanzen zu bekommen. Haden fie sich in Pckrrdeeie schön bewurzelt und fich gehörig gekräftigt, so werben fie auf die vorher gut zubereiteten Beete gesetzt, wobei die Pflanzweite niemals unter SO Zentimeter betragen sollte. w

i'ElKM Berlaeec iRuftex mll Moj* * .

von Elten & Keussen, Htnrflnng, Örefeld.