sprengt hast!" Der Lehrer verbeißt da» Lachen und spielt ein Vtertelstündche». Dau» scheiot der geeignete Augenblick gekommen, in der Erziehung Jung »Deutschland» weiter zu- schreiten. Aber er stößt auf Widerspruch seitens der Haupt- betheiltgten: „Spiel lieber noch e btsl, wenn wer ooch nischt lerne." Der gelassene Sprecher diese» großen Worte» darf sicher sein, daß er die Mehrheit der hohen Versammlung hinter sich hat. Leider wird im Schulzimmer nicht parla- »eutarisch, sondern absolut monarchisch regiert, und so kommt e», daß dieser Antrag von der Tagesordnung abgesrtzt wird. E» Hilst nicht» — die jungen Füllen müssen sich dretofinden, daß die Zett der Freiheit vorbei ist und die Zeit der Dressur beginnt. Daheim angekommen, werden die kleinen 8'8’4« Schützen bestürmt, über ihre Errungenschaften und Erlebnisse Rechenschaft zu geben. „Nun, wa» hast Du heute gelernt?" fragt freudig stolz die Mutter, al» der Sprößling vom ersten Schulgange heim- kehrt. Und mit Wichtigkeit wird auseinander gesetzt, wa» für einen reichen Schatz von Wissen da» kleine Köpfchen schon in sich ausgenommen hat. Wir können schon „(Suttn tag" and „Sie" sagen. „®ie gefällt dir denn dein Lehrer, Moritz?" fragt die Mutter. „Ach", antwortete der Kleine, *tx hört sehr schwer." Er spricht immer zu un»; „Lauter, lauter!" Die ersten Versuche der Kinder im Zeichnen und Schreiben werden selbstverständlich auch daheim einer Be« fichtiguog Setten» der Eltern und älteren Geschwister unter- worfen. Die Kinder haben das Wort Rad im Fibelbuche gelesen und ein Rad auf die Tafel gezeichnet. „Aber, Karl," spricht die Mutter, „warum hast du mitten in dein Rad ein so großes Geschmier angebracht?" „Mutter," antwortet verschmitzt der Kleine, „ich habe gleich die Wagenschmiere mit gemalt." Wer genau auf die ersten Schreib- und Lese- versuche sieht und hört und ein wenig Menschenkenner ist, unterscheidet deutlich die verschiedenen Häkchen, die sich jetzt schon zu krümmen beginnen: den kleinen PhlegmattkuS, den Raturburschen, den sechsjährigen Streber, das Normalgut, den Weltverbesserer und den OppofittonSmann.
e Ueber das Programm der deutschen Tiefsee-Expeditio», die voraussichtlich im August dieses Jahres abgeheo soll und deren Dauer auf neun bis zehn Monate berechnet ist, hat Dr. GerP Schott in der Gesellschaft für Erdkunde -u Berlin als Referent des Reichs-Marineamts zuverlässige Mittheiluugen gemacht. Hiernach wird der Zoologe Prof. Ehuu (Breslau) wissenschaftlicher Letter des Unternehmens sein, außerdem sind als Mitglieder in Aussicht genommen: ein Navigateur, vier Zoologen, ein Botaniker, ein Oceaoo- graph, ein Ehemiker, ein Arzt und ein Photograph. Die Aufgaben der Expedition zerfallen in oceautsche und zoologische. Zu jenen gehören genaue Tiefenmessungen mit verbesserten Apparaten, Untersuchungen über den Gehalt de» Meeres- wasser» an Gasen, Bestimmung der Waflertemperatureu in den oberen Schichten bis zu 1500 Meter Tiefe. Da, tiefere Wasser ist sehr gleichförmig temperirt, 3* bis 4° C., und Wasserschichten von einer Mächttgkeit, die der Höhe de» Mont Blanc gleichkommt, zeigen sich zwischen oben und unten meist nur Temperatur-Unterschiede von 2 bis 3 Grad. Dagegen bieten die oberen Schichten, besonders diejenigen in 4- bis 500 Meter Tiefe, die merkwürdigsten Verhältnisse. Die Bodentemperaturen sind wichtig für die Brurtheilung des Bodenreltefs, da, wo dasselbe durch Lotungen nicht genauer bekannt ist- ferner spielen sie eine große Rolle bet der Frage ooch den natürlichen Bedingungen, unter denen sowohl die am Meeresgründe festfitzeude wie die dort flottirende, ihn aber niemals verlassende Lebewelt extstirt. Auf diese in den Ab- gründen des Meeres in eisigem Wasser ihr Dasein ver- bringenden Thier will Professor Ehun besonders achten und fie mittels geeigneter Apparate zu erbeuten suchen. Feruer wird die Expedition dem Studium der Meeresströmungen ihre Aufmerksamkeit zuwenden und überhaupt alles, was in das Gebiet der Phyfiographte des Ocean» gehört, berücksichtigen. Das Hauptziel der Expedttton besteht hauptsächlich t» der Lösung zoologischer Aufgaben, besonders solcher, welche die Thtere der Tiefsee betreffen. Als Expeditionsschiff will daS Reichsawt des Innern unter Mitwirkung der katserl. Marine einen Handelsdampfer von etwa 2000 Reg.-Tons Raumgehalt chartern. Derselbe muß diese Größe haben, um bet jedem Wetter die See halten zu können und den Forschern mit ihren Apparaten und den vorräthen genügend Raum zu bieten. WaS den Rriseweg anbelangt, so soll dieser Dampfer von Hamburg nördlich um Schottland fahren, dann sich süd- wärt» von den Canarev bis zu dem Eap Verde der afrikanischen 5küste nähern, hierauf tu Südostrtchtung zum Aequator gehen, daun die Mündung des Niger und Congo anlaufev, die Benguela-Strömung schneiden und den weiteren Lauf nach Zanzibar nehmen. Von dort geht es daun nach Sey'on nad hierauf an den nördlichen Malediven vorüber nach Aden sowie durch das Rothe Meer und das Mittelmeer nach Hamburg zurück, wo die Ankunst im Mat des nächsten Jahres erwartet werden kann. Aenderungeu dtrseS RetsewegeS find natürlich Vorbehalten; als Hauptaufgabe gilt, solche Meeres- gegendeu aufzusuchen, die der Forschung dte größte Ausbeute verheißen und von früheren Expeditionen nicht besucht worden sind.
* 8itt Aorchtloser. H„r Püringer schließt seine Rede mit den Worten: „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!" dann sich setzend, bemerkt er zu seinem Nachbar: „Jetzt muß ich aber gleich nach Hause gehen, sonst macht mir meine Frau einen Hetdenspectakel!"
Aufgebote.
April: 18. Fran, Ludwig Siegler, Bildhauer,u Großen-Linden, mit Marta Katharina Franziska Kümmel hierseldst. 18. Philipp Adolf Wilhelm Klein, Kausmann dahier, mit Gabriel« Baumert von Osnabrück. 18 Carl Herber, Kauimann hierseldst, mit Lina Charlotte Sophie Fuhr hie,selbst. 18. Carl Friedrich Arnold, Former dahier, mit Regina Müller zu LaunSßach. 19. Martin Marimiltan Wetß-
I döcker, Electrotechniker dahier, mit Elisabeth Mathilde Karoline Marx hterselbft. 19. Adam Kneipp, Lehrer hterselbü, mit Auguste Kald- ßletsch Hierselbst. 20. Maximilian MarcuS, BerwaltungSdtrector zu Berlin, mit Friederike Luise Margarethe Challter hterselbft. 20 Ludwig Wilhelm Günther, Feldwebel dahier, mit Katharine Gerhard von Ermenrod. 21. Heinrich Johanne« Btngel, Kaufmann zu Katzenfutt, mtt Christine, genannt Wilhelmine Neubaus ,u Edingen.
Ehefchlietzurrgerr-l
April: 16 Andrea» August Lout« Krapp, Postasststent ,u Hanau, mtt Philtppine Katharina Elisabeth Balser hterselbft. 16. Ludwig Georg Emil Christian Earl Henkel, Schneider dahier, mtt Margarethe Loutse Pfeiffer bterselbst. 20. Heinrich Steiß, Schneider zu Odenhausen, Kret» Wetzlar, mit Elisabeth Dörr von Nteder-Ohmev.
Geborene.
April: 10. Dem Taglöhner Georg Schmidt III. eine Tochter. 12. Dem Schuhmachermetster Reinhard Konrad ein Sohn, Reinhard Wilhelm Heinrich Ehrtsttan Philipp. 12. Dem Taglöhner Ludwig Mandler ein Sobn, Karl. 14. Dem Sergeant Georg Karl Haupt eine Tochter. 15. Dem Laternenwärter Wilhelm Schneller eine Tochter, Ehrtstine Wilhelmine. 15. Dem Rangtrmetster Karl Grün eine Tochter. 17. Dem Taglöhner Johanne« Laub eine Tochter, Anna Lina. 17. Dem Braueretbefttzer Georg Btchler eine Tochter. 17. Dem HauSwart Friedrich Förstrrltng eine Tochter, Auguste. 17. Dem Buchbinder Heinrich Sann ein todtgeborene» Kind männlichen Geschlecht«. 17. Dem Contortst Georg Wilhelm That ein Sohn. 18. Dem Locomottohetzer Wilhelm Rößler ein Sohn, Heinrich August Wilhelm. 19. Dem Droguist Wilhelm Ktlbinger eine Tochter. 21. Dem Schlosser Heinrich Jacob Schmitt ein Sohn.
Gestorbene.
April: 16. Simon Ret«, 66 Jahre alt, Kaufmann dahier 17. Heinrich Jentzen, 43 Jahre alt, Gastwirth dahier. 19. Ida Amalie Leonttna Stahl, geb. o. Kltpftetn, 69 Jahre alt, Wtttwe von Universitäts-Professor Dr Wilhelm Stahl dahier. 19. Wilhelm Tchlörb, 25 Jahre alt, Metzger von Schotten. 19. Clothtlde Schäfer, 71 Jahre alt, Rentnerin dahier. 20 Dorothea Noll, geb. Geißler, 86 Jahre alt, Wittwe von Ztmmermeister Wilhelm Noll dahier. 20- Anna Frieda Engel, 11 Monate alt, Tochter von Büchsenmacher Heinrich Engel II. dahier. 20. Georg Schmidt, 65 Jahre alt, Taglöhner von Krofdorf. 22. Heinrich Herger, 34 Jahre alt, Ziegler von Eschrod.
Auszug aus -en Aircben-ücheen
der Stadt Sieben.
Eoaugeltfche «emrtatze.
«Getraute.
MarkuSgemetnde.
Den 21. April. Ludwig Georg Emil Christian Karl Henkel, Schneider zu Gießen, und Margarethe Luise Pfeiffer, Tochter deS verstorbenen GeschtrrhändlerS Philipp Pfeiffer zu Gießen.
JohanneSgemeindr.
Den 16. April. Andrea« August Louis Krapp, Postasfiftevt zu Hanau, und Philtppine Katharine Elisabeth Balser, Tochter deS Oecooomen Heinrich Balser zu Gießen.
Den 20. April. Heinrich Steiß, Schneider zu Gießen, !und Elisabeth Dörr, Tochter des verstorbenen Müller» Johann Dörr zu Nitder-Ohmen.1L
Beerdigte.^ MatthäuSgemeinde.
Den 22. April. Dorothea Noll, geb. Geißler, Wittwe des ver- storbenen Ztmmermeister» Wilhelm Noll, 86 Jahre alt, starb den 20. April.
LukaSgemeinde.
Den 17. April. Karl Huhn, Seilermeister, 48 Jahre alt, starb den 15. April.
Den 19. April Heinrich Jentzen, Wirtb, 43 Jahre alt, starb den 17. Ap il.
Den 21. April. Ida Stahl, geb. o. Kltpstein, Wtttwe de« Untversitäts-Profeffor» Dr. Wilhelm Stahl, 69 Jahre alt, starb dm 19. April.
Denselben. Clottlde Schäfer, Tochter de» verstorbenen Unt- versitätS-Profeffor» Dr. Heinrich Schäfer, 71 Jahre alt, ft erb dm 19. April.
JohanneSgemeindr.
Dm 17. April. Johannes Groh, Taglöhner, 72 Jahre alt, starb den 15. April.
Lan-wirthsehaftliches.
Artern, 14. April. Eine zum deutschen Reichspatent angemeldete Eifindung der durch ihre Futttrdämpfer allbekannten Firma Otto Brünner in Artern erregt gegenwärtig viel Aufsehen. ES ist dte« ein Ktpvkesfelberd, der bestimmt ist, an die Stelle alter etngemauerler Kochkessel zu treten. Der Hetd ist auö Eisen hergestellt und mtt kupfernem Kessel versehen. Er nimmt sehr wenig Raum ein und läßt sich durch eine einfache, sinnreiche Vorrichtung auf bequeme Art durch Ausschütten mtleeren und mühelos reinigen. Bet diesem überaus practischen Herde hat mm allo nicht mehr nöthig, dm Inhalt deS Kessel» mtt Eimern, Töpfen, Schaufeln und Kellen und dem Scheuerlappen herauSzunehmen, man spart dadurch Zeit und Arbeit und läuft nicht in Gefahr, den Kefir! mit jenen Werkzeugen zu beschädigen. Der neue Sparherd ist transportabel und für jed-n WtrthschastSzweck geeignet, entsprechend etngertchtet auch al» Futterdämpfer.
Verkehr, £anb* «nd
• Ufern, 23. April. Marktbericht. Auf dem heutige» Wochmmarkt kostetm: Butter vr. Pfd. X 1,CO—0/0 Hühner eur öt. 61.6-0 4, 2 St. JO—11 4, Enteneier 1 St. 6—lO A, Gä-st« eia pr. St. 11—12 4, Käse pr. 6t. 6-8 A. «äsematte pr. 6L 3 A, E'bsm or. Liter 19 4, Linse» pr. Liter 31 A. Tauben pr. Pew. X 0,93 di» 1,00, Hühner pr. Stück 1,30 bi« 1,50, Hahne» pr. 6tOr X 1,60—1.70. Enten pr. Stück X 1,8t—2,C0, Gänse pr. Pfueß x (k00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 A. Kuh- und Rindflcisa pr. P»d. 60—66 A. Schweinefleisch pr. Pfd. 68 bi» 72 A. Schwein.- flrisch, ««salzen, pr. Pfd. 76 A, Kalbfleisch pr. difb. 60-64 A Hammelfleisch pr. Pfd. 70—00 A. Kartoffeln pr. 100 Kilo 650 bi 7,60 X, Weißkraut pr. Stück 0—00 A> Zwiebeln pr. Centr/e 11,00—12,C0 uK, Milch pr. Liter 16 A-
*5)auer der Marktzeit von 7 Uhr MorgenS bis 1 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzest darf im Umherziehen nicht seilgeboten werden.
Die Toilette. Eine alte Gewobnbeit läßt noch viele Näherinnen die alten unvollkommenen Haken und Cefen verwenden. Sie beachten nicht die viele Zeit, dte das Annähen und Abmefien erfordert und daß trotzdem ein dauernd anhaltender guter Sitz der Kleider- taillen nicht damit zu erreichen ist. Man versuche dte von der Welt- sirma William Prym gebrachten neuen Prinzeß nnd Victoria Xdaken und Cefe« und man wird staunen, wie letckt und sicher deren Annähen und welcher ausgezeichneter Taillensitz damit erretcht wird.
f
«nstalt anzugeben, von welcher au» die Bestellung der Sendung «den Empfänger bewirkt roetben bez. die Abholung erfolgen foL 61 der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremde»
Postgebiete bttegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen tst, so ist außer dem Ortsnamen noch daS betreffenH 8«nb bez. bet LandeSthefl auf der Sendung anzugeben.
... Eeachttmg dieser Punkte wird wr Herbeiführung einer Wamtgen lleberkunst der Sendung« an den Empfänger wesentlich
.«”* ? liegt, daher te eigenen Jnterefie der Ufabet Dte Kstidjcttten der Sendungen hiernach genau «nzufertigen.
Aufschrift bcr Postsendung«».
f<t»nj schueller vefsrderuNg »nb Beftdlaeg e» müffen auf denselben Empfänger und Bestttnmuna^ ^,2 fl0, yjtbS Ungewißheit eorgdxngt wirb.
kolgende Punkte,u beacht«:
L J«jpomenfctntflen nach größeren Orten ist in der Aufschrift de« Empfängers möglichst genau anzag^a A»ch ist e» eoo Wichtigkeit, daß di^Wohnungsangabe stet« en b^j^Lbco der Suffchrist, nämlich unteurecht», mrmittelbar unter der Angabe be« Bestimmungsorte« erfolge.
2- ben nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung de« Empfänger«, der vostbezirk (O., HO. tcA i» welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ort«b5 zeichmmg „Berlin zu vermerke».
3. Gibt e« mtt dem BeftimmungSotte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzlich« Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Orttnemen tm Poftoerkehr al« maßgebend anzufehen sind, ergibt sich eu« dem .Verzetchniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Post- da« zum Preise von 10 Pf. durch Vermittlung jeder ReichS-Postanftalt bezogen werden kann.
4. Wenn der im ReichS Postgebtel belegene Bestttnmuog«ort zw« klmr Postanftall versehen, deffenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt eS Sch die 8«fle bei Ort« in ber Suffchrist der Sendung noch' dr« o* Sm«1U d^i^nm. Zu derartigen Bezeichnungen eignet Än®be^»e mb bei größeren Staaten be«
p»ltnf<ben vezttk« (Provinz, RegierungSdezttk u. s. w.), in welchem der BestimmunaSort belegen tst, oder auch die Angabe
5“ ^matzl che Bezeichnungen, wie ssThüringen), («ItmefK (Lausitz) kJ für den Zweck geeignet.
st. Aus Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanftalt ist
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Berli», 23. April. Der „Local-Anzeiger" meldet au» New-York: Dte Regierung theilt mit, daß die spanische Flotte


