Nr. SS Erstes Blatt. Sonntag dm 24. April
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Seid?
Tretten, 22. April. Die Ausschmückung der Stadt ist vollendet. Ueberall sieht man Fahnen in den sächsischen und deutschen Farben, sowie Guirlanden und Wappen. Im Laufe der Vormittags trafen ein der Herzog von filenua, der Herzog Albrecht von Württemberg, der Kürst von Hohenzollern, der Kronprinz von Schweden und Norwegen, der Grobherzog von Hessen, der Erbgroßherzog von Baden, Prinz Christian von Schleswig - Holstein, der Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar, der Erbgroßherzog von Oldenburg, der Großfürst Paul Alexandrowitsch von Rußland, Herzog Johann Albrecht von Mcklenburg-Schwerin. der Erbprinz von Sachsen-Koburg- Gotha und der Prinz und die Prinzessin Ernst von Sachsen-Alt.'nburg. Um 12 Uhr traf Prinzregent Luitpold von Bayern ein.
Ausland.
Rom, 22. April. Nach der „Italic" verlangt Spanien, Sohle solle nicht als Krieg s contrebande angesehen »erden. DaS ®iart lügt hinzu, dieses Verlangen SpanteuS könnte eher gewahrt wrrdln, wenn e« den Bestimmungen der Pariser Convention b:t~. doS Seekrieg-recht sich an- schlöße. FaSce und Srnofftn stclltcn in der Kammer die Anfrage an B.Scontl öenofti und Brm, welche Maßnahmen ergriffen seien, um die Freiheit deS Handels und der Schifffahrt während btS spanisch-amerikanischen Conflicte» zu sichern.
Loudon, 22. April. W e auS Key West gemeldet wird, soll da- spanische Kauffahrtrisch.ff „Buenaventura", daS mit Holz nach TexaS unterwegs war, von einem amerikanischen Kreuzer in der Nähe von Kay West aufgebracht worden sein. Nachdem der amerik^n.sche Kreuzer einen Kanonenschuß abgegeben habe, sei von dem Kauffahrer die Flagge gestrichen worden.
Loudon, 22. April. Der Attorney-General Webster erklärte tm Unterhause auf eine Anfrage, so weit ihm bekannt sei, wäre zwischen den Unterzeichnern der Pariser Sre- rechtSdeclaration kein Abkommen getroffen worden, Kohlen oder Feuerung tu flüssiger Form als KriegScontrebandr an« zusehen. Wenn eS aber KrtegScontrebande sei, dann wäre eS den neutralen Schiffen vertragsmäßig nicht erlaubt, sie den Seekrieg führenden Parteien za liefern. Balfour bemerkte, von der fpauischru Regierung sei noch keine Erklärung darüber ewgegangen, daß sie die Bestimmungen der Pariser SeerechtSdeclaratiou zu befolgen deadfichttge.
Madrid, 22. April. Die Coosuln der Vereinigten Staaten haben nach Uebergabe der Archive an die betreffenden englischen Coosnln die Consulate verlaffen. — Durch ein Dreier werden 80000 Mann Reservisten deS Jahr- gangS 1897 zu den Fahnen einberufen.
Skew-York, 22. April. Wie der „New - York Hrrald" wiffeu will, wird Eapitän Sampsou, der die Ermächtigung erhalten hat, seine Flagge als Contreadmiral zu hiffen, nicht die spanischen Befestigungen bombardtreu, sondern jede» spanische Kriegsschiff, da- ihm in den Weg komme, abzufangen oder zu vernichten suchen. — AuS Monroe wird unter« 22. April gemeldet, daß daS fliegende Geschwader sich noch dort befindet.
Washington, 22. April. Die Entsendung von Truppen nach Mobile und New Orleans ist widerrufen worden- dieselben werden sich bei Shickrmanga concentriren. — Bor dem Weißen Hause wird für einige Tage ein Posten ausgestellt werden. Alle BorfichtSmaßregeln zum Schutze des Ptäfidenten find getroffen.
Toronto (Kanada), 22. April. Hauptmann Lee von der königl. Milttärschule zu Kingston (Prov. Omaria) er- hielt von der englischen Regierung Befehl, morgen nach Washington zu reisen, u« mit amerikanischen Truppen nach Cuba abzugehen und den militärischen Bewegungen beizu- wohnen.
CecalM Hitfi
Sietze». den 23. April.
•• Serichtrpersoualieo. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Langen Hermann Schmidt zum Amttrichter bit drm Amtsgericht Zwingenberg, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Wald-Michelbach Otto Osann zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Zwingenberg, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Umstabt Georg Hrinzerling zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Waid- Micheldach, den GerichtSoffeffor Dr. Franz Specht aus Mainz zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Laugen, — sämmtlich mit Wirkung vom 25. April l. IS. — und den GerichtSaffeffor Theodor Helm aus BrnSheim zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß Umstadt — mit Wirkung vom 26 April l. I. — zu ernennen.
*• Bon der Universität. Bet der philosophischen Fakultät der Landes Universität hat sich Herr vr. Robert Haußver als Privatdocent der Mathematik hobilitirt. Herr Dr. Haußner hat bereit- eine mehrjährige Lehrthätigkeit, insbesondere auf dem Gebiete der darstellenden Geometrie, an der Universität Würzburg auSgrübt.
*♦ Neuer Briefkasten. Dem im vergangenen Jahre an da» Kaiserliche Postamt von Bewohnern tn der Nähe deS Treffpunktes der Bahnhof»- und Marktstraße gerichteten Ersuchen um Anbringung einig Briefkasten» tn jener Gegend ist in daukenSwerthrr Weise seit gestern entsprochen wordeo. Der neue Kasten ist gegenüber der KaplauSgaffe iu der Bahnhofstraße angebracht.
• • Revision. Gegen daS vom letzten Schwurgericht gefällte TodeSurtheil gegen den Tagelöhner Konrad von Raiuroo har beffen Verthetdiger, Justizrath Batst, Revision beim RrickSgertcht angewrldet.
• • Vom Stadlthur«. Tharmrächirr Bauer, dess.n Familie über 100 Jahre den Dienst de- ThürmerS tn unserer Srcdt versehen hat, tritt mit dem 1. Mai ds». IS mit Pension von diesem Amte zurück. An seiner Stelle werden Emil Geroaab, Baleutin Hebell und Hein- rich Weudland abwechselnd in der Weste die Wacht aus dem Thurme beziehen, tnbtm einer der drei bet Tag den Wachtdienft ausüvt, während die übrigen beiden sich in den Rest der Nachtwache theileu.
Befitzwechsel. Reataer Philipp Strack erwarb für 39,000 M!. oa» Brfitzihum der Wtttwe Mette, Bahn- Hofstraße 56.
• • Da8 SchützenhauS wurde von den Brauereien Friedel u. ASprton und Bichler zur gemeinsamen Be- wirthschastung auf die Dauer von 5 Jahren gepachtet.
♦ * Siu lheure» Sewusejahr verspricht das diesjährige zu werden, und hinfichllich der Obstausbeute sind die bisherigen Aussichten ebenfalls nur sehr gering. Die Gründe für diese, den Hausfrauen wenig erfreuliche Aussicht liegen auf der Hand. Ströme von Regen find herniedergegangen, das Erdreich ist durchweicht und wimmelt jetzt schon von Jniecten und Würmern. Diese finden an dem feinen Wurzelwerk unserer Gemüsepflanzen eine vorzügliche Nahrung. Außerdem hat er an Kälte gefehlt, welche die Jnsccten zum großen Theil vernichtet hätte. Besonders stark beeinträchtigt ist die Spargelernte. Spinat ist jetzt noch immer sehr theuer und wird ebenfalls nicht billiger werden, selbst wenn die Frühjahrsaussaat geerntet wird. Salate können nur in sehr hoch gelegenen Gärtnereien gepflanzt werden, und die Wurzelfrüchte faulen im Boden.
Wetterbericht. Die gestrige Depression über dem westlichen Mittclmeerbeckeu hat sich ziemlich rasch gegen Osten und Norden hin auSgebreiiet, sodaß am Morgen auch Süd- deutschland bereits in ihren Bereich gezogen wurde. Infolge besten trat hier allenthalben Trübung mit Niederschlägen ein. Der hohe Druck ist etwa» gegen Norden zurückgewichen. Die
Witterung wird daher den trüben, ziemlich kühlen Charakter beibehalten und dürften noch Niederschläge (tn den höhere» Lagen al» Schnee) auftreten. — Boran-sichtliche Witterung: Trübe», ziemlich kühles Wetter mit Niederschlägen.
Vermischte».
• Posen, 22. April. Die Tilsiter Zeitung meldet von der Grenze, daß ein russischer Grenzsoldat in der Nacht den controlirenden russischen Oberst erschossen hat, beste« Parolewort im Winde verhallte.
* Mailand, 22. April. In ganz Oberitalien gehen seit einigen Tagen abermals unausgesetzt heftige Regengüsse nieder. Der Po und seine gesammten Zuflüffe sind stark angeschwollen und theilweise schon ausgetreten.
* 6ine Staaisprawie von 2600 Mark ist vom preußische« Landwirthschaftsminister für die Ermittelung des einfachsten und erfolgreichsten Verfahren» zur Bekämpfung des Heu- und Sauerwurms ausgesetzt worden. DiePreisbewerbunge« wüsten bis spätestens 1. December 1899 eingesandt werden. Bisher war vom Professor Frank u A. als bestes Mittel der Bekämpfung das (Anfängen der fliegenden Motten empfohlen worden. Dieses Einfangen geschah entweder mittelst Mottenfächern, d. h. mit Klebstoff bestrichene, 25 Centimetcr breite, 30 Zentimeter lange Drahtgitter, oder mittelst Aufstellen von Lämpchen, nach Art der Nachtlämpchen hergerichtet, zur Nachtzeit, woran die anfliegenden Motten sich massenhaft fangen. Das neue Preisausschreiben verlangt nun ein die ganze Entwickelung des Schädlings umfassendes Verfahre« der Bekämpfung.
* 260 000 Francs für einen Paikerplatz, das ist ein Record, der in der Geschichte des Theaters wohl einzig dastehen dürfte. Freilich war es nicht Begeisterung für die Kunst, sondern Vaterlandsliebe, die einen Mäcen, den Marquis von Villamejor, zu dieser außergewöhnlichen Ausgabe bewegte. Es handelt sich um die Wohlihätigkeitsvorstellung, die das Teatro Real in Madrid zum Besten de» Baues einesPanzerschiffeS veranstaltete. Die Königin bezahlte ihre Loge „nur" mit 50000 Pesetas, jeder der Minister, einige der großen Sportclubs erstanden je einen Parket sitz mit 5000 Pesetas. Der Bankier Larios bezahlte 150 000, die Comtesse Cornos 100000 Pesetas für ihren Sitz. Die Bank von Spanien besetzte einige Plätze, für die sie zusammen 500000 Pesetas bezahlte. Am opferfreudigsten war der genannte Marquis. Die Gesammteinnahme betrug anderthalb Millionen Pesetas (ein Peseta gleich 80 Pfennigen), eine Summe, die alle Theatereinnahmen der Weltgeschichte übersteigt, die aber noch immer nicht zum Bau auch des kleinsten Kreuzers ausreicht.
* Als Belohnung für Rettung au» Eeenoth hat der Kaiser dem Lootsen Nordling in Hamburg eine prachtvolle goldene Uhr mit seinem Bildniß und Monogramm, und den drei Gehilfen desselben je ein Geldgeschenk von 100 Mk. Überreichen lassen Die genannten Seeleute haben am 24. September vorigen Jahres die gesammte Besatzung des bei Halmstad gestrandeten deutschen Ewer» Johannes aus Hasseldorf vom sicheren Untergange gerettet.
• Bo« der erste« Schulstunde mit den neugebackene» A-B-C-SchÜtzen berichtet ein Lehrer: „Die natürliche Ungezwungenheit und die köstliche Einfalt der Kleinen schaffe« bisweilen drollige Zwischenfälle. „Wie heißt denn dein Baier?" fragt der Lehrer. „Ich krieg' erst een, — nächste Woche . ertönt e» weinerlich. „Wie heißt aber du, du kleiner Lockenkopf?" „Müller!" schallt e» kleinlaut. „Auf dieser Liste heißt du Schmidt!" „M'r hawm wieder ge- heira'eh!" entgegnete der Lockenkopf schnell. Wenn da» lauge und gänzlich ungewohnte Stillefitzen langweilig wird, tritt die Oppofition in ihre Rechte, und die Beherzten unter der Schaar machen sich retseferttg. „Ich will Ham!" spricht so ein Unzufriedener. „Ei so bleib doch!" entgegnete der Lehrer, „ich erzähle dir dann ein schöne Geschichte." „I, dös alte dumme Zeug!" entgegnete der Schulfeindliche. Nach einer Weile ertönt e6 abitmal» im reinsten Dialekt: „Loß mich Ham, '» niwmeh schch, du host erer (hast ihrer: nämlich Kinder) satt do!" Da heißt eß denn mit Güte und Klarheit die Revolution im Keime zu ersticken. Der Herr Lehrer nimmt die Geige und stimmt. Eine Saite platzt und eine neue wird aufgezogen. Wieder geht da» Stimmen loß — ein Bogenstrich, ein Griff nach dem Wirbel, noch ein Bogenstrich und abermalß faßt die Hand nach dem Wirbel. Da töntß plötzlich von der hintersten Bank, getreulich im Tonfall der warnenden Mutter: „Du wirst nicht eher ruhen, al» biß du die ooch noch zer-


