snb blieb es bis zu dessen Tode, bis zum 27. MLrz 1879. Das hätte der Kronprinz in drm Herzen des Gelehrten, der au seinem Tische speiste, nie gelesen, daß er sich der Achtung, des Ansehens, des Vertrauens, die sein Beruf erfordert, jemals unwürdig zeigen könne. Und wunderlich, Delbrück hatte schon oft den Muth seiner Ueberzeuguug auch gegenüber der Regierung bewiesen, und noch im Jahre 1896 ahnte selbst der »Minister deS Geistes" nicht, was er von Herrn Delbrück erfahren könne- denn er gab ihm die ordentliche Profeffar der Geschichte au der Berliner Hochschule. AlS Herr Delbrück Herrn v. Köller, da er noch Minister war, beleidigt haben sollte, wurde der Strafantrag gegen ihn gestellt, aber zurück« gezogen. AlS Herr von Stumm den Banustrahl gegen die »Katheder-Socialisteu" schleuderte, blieben trotz ihrer bündigen Antwort Delbrück, Schmoller und Wagner unbehelligt. — Dagegen äußern sich die »M. N. N." wie folgt: »Professor Dr. Han« Delbrück, der Herausgeber der »Preußischen Jahrbücher", wird auf Grund deS § 2 des Gesetzes vom 21. Juli 1882 über die Dienstvergehen ntchtrichterlichrr Beamten dem DiSeiplinarverfahren unterzogen. Die Aeuherung, welche hierzu den Anlaß gegeben hat, lautete: Die jüagsteu Ausweisungen in Schleswig schreien zum Himmel. Wenu man tu der Darstellung der deutschen Geschichte zum fchleSwig- holstetnischen Kriege kommt und die Uothateu der Dänen an dem verrathenen Bruderstamm schildern möchte, dann stockt die Stimme und das Wort erstirbt auf der Zunge, denn die peinliche Wahrheit legt fich dazwischen- eS war Alles Kinder- spiel, was die Dänen damals gethau haben, und war den sittlichen Zorn des damaligen deutschen Volkes erregte gegen die Gewaltsamkeit, mit der wir heute selber jene Landschaft regieren. Und noch schlimmer alS die Brutalität, die uns zum Abscheu der gebildeten Welt macht, ist die Verblendung, die da glaubt, mit solchen Mitteln im Kampfe der Ratouali- täten dauernde Erfolge erzielen zu könuen. Diese Maßregel der Regierung giebt zu Bedenken Anlaß, die tu den Berliner Morgenblättern freimüthig ausgesprochen werden. DaS hat natürlich mit dem Inhalt der Delbrück'schen Auslastung nicht« z« thuu- die darin hervortreteude sinnlose Uebertreibuug richtet sich selbst. Seit längerer Zeit treibt Delbrück eine Art journalistischen FreilauzeuthumS, das fich in den sonderbarsten und extravagantesten Sprüngen gefällt und die vormals so hoch angesehenen »Preußischen Jahrbücher" stark diS- creditirt hat. Vielfach wird Professor Delbrück kaum noch ernst genommen, und das kann von Allen, die früher die Erzeugnisse feiner glänzenden Feder mit Vergnügen gelesen haben, nur lebhaft bedauert werden.
Harburg, 21. December. Die seit Freitag vermißte Wittwe Wiegand wurde auf einem Feldweg bei Sterz- Hausen erfroren aufgefuvden. Die Leiche war entkleidet.
Brettau, 21. December. Die hiesige Postbehörde geht, wie der »Breslauer Generalanzeiger" berichtet, mit drm Gedanken um, die Telegrammbestrlluvg in den größeren Orten des Reiches einer eingehenden Reform zu unterziehen. Mau will größere Schnelligkeit in der Bestellung der Telegramme herbetsühren und zugleich die bedeutenden Kosten der jetzigen Art der Bestellung, welche bekanntlich gebührenfrei erfolgt, herabsetzen. Als Muster soll dem Vernehmen nach das bewährte amerikanische System der sogen. Zeitungsjungen dienen, jedoch mit dem Unterschied, daß au Stelle der in Amerika verwendeten meist noch schulpflichtigen Knaben bet uns Trlegrammbrsteller verwandt werden sollen, welche daS straf- mündige Alter von 16 Jahren erreicht haben. Der Bestelldienst soll eeutraltfirt werden. Jeder Bote erhalte dann zur Bestellung nur ein Telegramm, während jetzt zu einem Be- strllgaug je mehrere Telegramme zusammengestellt würden. Die Entlohnung geschieht für das Stück. Die Höhe des Bestellgeldes soll sich nach den jeweiligen örtlichen Berhältuiffeu
»Miezchen, Mtezi, geh' doch, wer wird wohl weinen! Sieh' doch, wie ich mich freue, Du hättest mir ja keine größere Freude machen können."
Die Thräueu der Kleinen versiegten sofort.
»Wirklich? Aber Du hast ihn ja roch gar nicht gesehen?"
Ja, daS hatte er allerdings noch nicht. Aber daS ließ fich ja nachholen. Und nun gtngS aus Bewundern.
»Welch ein niedlicher kleiner Kerl. Steh mal Coco, nun hast Du einen Cowpaguou."
»Du willst thu also wirklich behalten, Onkel?"
»Aber natürlich! Ich werde doch kein Geschenk zurück- weisen, daS Du mir gemacht hast."
In diesem Augenblick läutete eS wieder.
»Juten Abend August, na Du wunderst Dir wohl, dat ick Dir uff die Bude rücke? Det hast Du meener Ollen zu danken und den Jedauken zu dies Present ooch. Wir hoffen, es wird Dir freuen."
DaS war die fette Stimme Fritz KnltckeS.
Martechen erröthete drinnen. Wie peinlich, daß fie fich von dem ihr unshmpattfchen Kultcke überraschen und ficher auSlachen laffen mußte.
Doch was war das? Warum lachte der Onkel denn so?
»Miezchen, Miezchen, komm schnell mal heraus. — Nein, daS ist ja um Rad zu schlagen!"
»Na, erlobe mal, Aujust, det verstehe ick vu nicht!"
»Das glaube ich gern- aber Du wirst es gleich! Mieze «ach mal die Thür auf!"
So, da standen die drei klugen Leutchen, da standen die drei Bauer und drei Papageien kletterten munter tu thrrn Käfigen.
Die Somtk der Situation war überwältigend, selbst Fritze, der fich erst hatte ärgern wollen, stimmte mit seinem dröhnenden Baß tu daS Gelächter der Andern ein.
»Na", sagte er dann, »denn will ick meener Ollen ihren Jakoben mau wieder schenken- denn wat sollst Du mit dreie von solche Biester, und wer zuletzt kommt, mahlt zuletzt!"
richten und so bemeffen werden, daß der Bote bei voller Beschäftigung den ortsüblichen Tagelohn erreicht. Der einzelne Bote gilt der Verwaltung gegenüber als selbstständiger Abnehmer, er würde demnach vtcht vrrficherunglpflichtig sein. Die jetzt im Telegrammbestrlldieost beschäftigten etatsmäßigen Unterbeamteu und PosthülfSboteu würden bei der Einführung des beschriebenen System« in den verantwortungSreichrren Stellen le« PostdirusteS Verwendung finden.
ArsOlsnsd.
Wien, 21. December. Man meldet die Enthebung de« Ministerpräsidenten Baron Banffh von der Leitung des Ministeriums a latere. Der König drückte bet dieser Gelegenheit drm Ministerpräsidenten seine volle Anerkeuuung und seinen Dank auS für die auch in der Eigenschaft alS Minister a latere bezeugte eifrige und selbstlose Thätigkeit. — Der Minister a latere oder Minister um die Person deS Kaisers hat in Ungarn brkauutltch die Aufgabe, den Kaiser bet gegebener Gelegenheit im ungartscheu Jnterrffe zu be- rathen. Da nach drm Rücktritt JofikaS eine geeignete Per- söalichkeit für diesen Posten nicht zu finden war, so über- nahm ihn Baron Banffy zu der Minister Präsidentschaft nebenamtlich. Der Staatssekretär Graf Szecheuyi ist jetzt an setoer Stelle zum Minister a latere ernannt worden.
Part«, 21. December. Eine gut iuformirte Persönlich- kett, die Beziehungen zum Justiz-Palast unterhält, erklärte gestern Nachmittag, der CaffatiouShof werde heute oder morgen ein Gutachten tu Sachen der DreyfuS-Angelegenheit abgeben. Sollte dir- thatsächlich der Fall sein, so er- giebt fich hieraus, daß die Meinung des obersten Gerichtshofes genügend durch die bereits verhörten Persönlichkeiten aufgeklärt ist, und daß der CaffatiouShof rS als überflüsfig erachtet, von dem geheimen Dosfier vorläufig Kenututß zu nehmen. Der CaffatiouShof wird wahrscheinlich nur erklären, daß die Revision deS DrryfuS-Proclffe« uothwendig und daß die Revision vom CaffarionShofe und nicht vom Kriegsgericht geleitet werden muß. Sobald das neue Revisions-Verfahren eingeleitet ist, wird der CaffationShof alle ihm uothwendig erscheinenden Schriftstücke erhalten müffen.
Paris, 21. December. Der wegen Spionage verhaftete ehemalige Geheim-Agent des Generalstabes, Decrion, gestand ein, jener sogen, »alte Pole" zu sein, welcher beim Pariser Nordbahuhofe, als Präsident Faure seine Reise nach Rußland aotrat, eine Bombe zur Explosion brachte und zwar mit der Abficht, mit der Erforschung des ThäterS betraut zu werden und reiche Diäten eivzuheimfen. Derselbe Deerton stellte gegen einen vollkommen schuldlosen Touloner Hasenbeamten den Beweis des HochverrathS, indem er mittels einer Stecknadel gewtffe Buchstaben eines ZettnvgS-ArtikelS fo punktirte, daß gelesen werden konnte: Sie erhalten die gewünschten Doeumeute usw. Bon Picquart, welchem Decrion seiner Zeit seine Dienste aubot, entlasten, wirkte er eine Zeit lang bei der Civil-Polizei. Hrmy verwendete ihn später, aber nur kurze Zeit.
VeEßschts».
* Eine bemeekeuSwerthe Zusammenstellung über die Mengen von Blüthen, die alljährlich im französischen Departement der See-Alpen zur Erzeugung von Parfüms und Aehn- lichem verbraucht werden, veröffentlicht die „Revue de Statist! que". Es werden da aufgesührt 2 Mill. Kg. Rosen, 2ya Mill. Kg. Orangeblüthen, 200000 Kg. Jasmin, 150000 Kg. Caffiablüthen, ebensoviel Tuberosen, und 200000 Kg. Veilchen. Die mittleren Verkaufspreise für ein Kilogramm Blüthen find 4 Frs. für Veilchen und Caffia, 5 FrS. für Tuberosen, 21/, Frs. für Jasmin, 56 Centimes für Rosen und 70 Centimes für Orangeblüthen. Eine Veilchenpflanze kann 20 Gramm Blüthen liefern, ein Orangenbaum 10 Kg. Eine Blumensammlerin kann in vier Stunden 20 Kg. Rosen oder 3 Kg. Jasmin oder 6 Kg. Tuberosen sammeln, und in einem ganzen Tage 10 Kg. Veilchen oder Orangeblüthen. Um 1 Kg. Blüthen-Essenz herzustellen, sind 1000 Kg. Orangeblüthen nöthig, d. h. annnähernd 1200 000 Blüthen; zu 1 Kg. Roseneffenz gehören 16000 Kg. Rosen oder 5000000 Blüthen. In jedem Jahre werden dort 500 000 Kg. Pomaden oder Oele dieser Art hergestellt, dazu 4000000 Liter wohlriechende Wasser. Der Werth dieser Erzeugniffe wird für das eine Departement auf über 15000000 Frs. jährlich angegeben.
* Eine Erinnerung. Am 20. December 1880, vorgestern vor achtzehn Jahren, stürzte bei einem furchtbaren Sturme Abends 9 Uhr die ein Jahr vorher fertig gewordene, als Weltwunder angestaunte Tay brücke in England ein, als gerade der Schnellzug Newcastle-Pebbleton über sie hinwegfuhr. In drm Zuge befand fich der Ingenieur Stoß, der mit feinem Schwrrgrrvater Bruce gemeinsam die Brücke erbaut hatte. Ec wollte nur noch einer Sitzung des AuffichtSratheS der Brückeugesellschaft in Pebdlktou beiwohnen, um dann mit seiner Familie tut Erholung nach Aegypten zu gehen. Die Locomorive de« verunglücktru Zuge« fuhr der Sohn de« BrückeuwärterS Koox. Die Erinnerung an da« grausige Eretguiß ist gerade jetzt wieder lebendig geworden durch eine pcckende Schilderung, die Max Ehth, der Begründer der Deutschen LaudwirthschaftS-Gesellschaft, in seinem bei der Deutschen BerlagSanstalt erschienenen feffelndeu Buche: »Hinter Pflag und Schraubstock" unter der Ueberschrift »Berufs- trag'!" giebt. Ehth und Stoß, beide« geborene Schwaben, waren gleichzeitig nach England gegangen, um dort al« Maschinenbauer Arbeit zu suchen. Beiden glückte e«. Ehth besuchte al« Vertreter John Fowler« alle Welttheile, um den Dampfpflug einzuführrn. Stoß wurde Brückenbauer. Unmittelbar vor dem Unfälle trafen fie fich bei der Brücke, um für längere Zeit Abschied zu nehmen. Ehth wollte nach Peru, Stoß sollte nach dem Nillande- wenige Minuten später lag er unter den Trümmern seiner B.ücke mit noch achtzig Reisenden auf dem Grunde der Tnuobucht.
* Vedachtnißkirche der Protestation zu Speier. Die Orgel in der Gedächtn ßkirche soll nach ewem Beschluß de« pfälzischen Kirchrngesangverein«, welcher neulich in Leipzig auf dem Deutschen KirchengesangvereinStag zustimmend begrüßt wurde, durch die evangelischen Kirch en gesan g» vereine Deutschland« gestiftet werden. Jeder Kircheu- gesanverein will zu diesem Zweck in der nächsten Zeit ein Kirchencovcert abhalten. Bereit« find 17 Kircheucoucerte z» diesem Zweck abgehalteu worden, die 4000 M!. eingebracht haben. Das ist der 10. Theil de« vorgesehenen Preise«. Aber e« find ja wehr a!« 170 Kirchengesangvereiue vorhanden , sodaß ficher die Verwirklichung fct« Plane« zu erwarten ist.
• Siu städtischer Wohnung« - Zus-ettor wird vom Ge- meiuderath in Straßburg t. Elsaß angestellt werden. Man hatte vor Kurzem gelegentlich einer Untersuchung einen so traurigen Einblick gethan in die zum Theil bodenlosen Mißstände der WohnungSverhältniffe der Stadt namentlich in dru alten Vierteln, die von den ärmeren Volksklaffen be- fiedelt find, daß man fich alsbald vor die unbedingte Noth- wendigkeit gestellt sah, an die Ausrottung dieser Zustände zu gehen. Der WohnungS-JusPeetor erhält die Aufgabe, in den Wohnungen, die die städtische WohonngScommisfion als ungesund bezeichnet hat, von dem Stande der angeordmteu BefferungSmaßregeln fich zu überzeugen und anzugeben, wa« zur Beseitigung de« ungesunden Zustande« der Wohnnugea geschehen soll. Sollte dieses Amt nicht auch in anderen deutschen Städten, besonders au den unter welscher Unsauberkeit leidenden Grenzen des Reichs, sehr uothwendig sein? Hat doch der Miethverein in Frankfurt a. M. auf Grund einer selbständigen Untersuchung von 215 der schlechtesten Wohnungen in der Stabt und den Vororten letzthin Be- schlüffe gefaßt, die vor Allem dahin abzielen, daß der Staat beffere WohvungSiuspectlon einführe und gut handhabe. Da« von dem Verein auf Grund jener Untersuchung heranSge- grbrue Merkchen: »WohnnngSeleud in Frankfurt a. M." zeigt Zustände, die fich leider mit den Berhälluiffru vieler Städte decken und die Gemeinden zu Aenderungen der Bav- ordnuug und Bekämpfung de« gewinnsüchtigen Uuternehmer- und Speeulanteuthum« dringend auffordern.
* Die Wanderung von Columbus' Gebeinen. Spanien hat von Amerika, dem e« Cuba abgetreten hat, Christoph Columbus' Gebeine zurück gefordert, die auf Havanna bestattet waren. Die Forderung wurde den Spaniern erfüllt, und wenn den Depeschen zu glauben ist, ist de« großen Eot- deckers Sarg auf der Fahrt nach Europa. Wa« aber enthält der Sarg? Die Ueberreste Columbus' haben so viele Versetzungen und Wechsel dnrchgemacht, daß eS wohl erlaubt ist, meint der »Figaro" an recht wenig Ueberreste mehr zu glauben. Die Leiche wurde zuerst in einem Kloster von Valladolid beigesetzt, dann 1507 nach Sevilla überführt in da« Kloster von La« Cueva«. Auf Wunsch der Wittwe Columbus' wurde dann gegen 1537 der Sarg ausgegraben und nach Hispannola travSportirt, wo er in der Cathrdrale von St. Domingo beigesetzt worden war. Ein Erdbeben .zerstörte aber 1673 einen Theil des Dome« mit den dort befindlichen Gräbern. Klima und Nachläsfigkeit haben wohl im Laufe der Jahrhunderte dazu beigetragen, die Gebeine Christoph Columbu»' unter den Trümmern der Chatedrale zu zerstreuen. Herr Harviller, der H.storiker de« berühmten Seemannes, sagt: »Wir glauben nicht, daß man irgend einen Ueberrest von ihm gefunden habe, weder in St. Domiugn noch sonst wo."
* Sin sonderbarer Lehrer. Die Zeitung »Obrasowanie"' in Petersburg erzählt solgende Geschichten au« dem Gdowscheu Kreise: Der Lehrer hat entschieden nichts zu essen. Jeden Tag zur Mittagszeit dachte er neue Spiele aus, bei welcher Gelegenheit irgend etwas in seinen hungrigen Magen fiel. An einem Tage läßt er fich von den Schülern die übrig gebliebenen Brodkrusten geben und baut daraus eine ägyptische Pyramide. In einer Woche hatte er auf diese Weise alle fieben Weltwunder den Kindern in Brod- krusteu vorgesührt und mit drm Baustoff nachher seinen Hunger gestillt. Ferner baute er Suworow ein Denkmal. Aber o weh! Die Eltern verlangten von den Kindern ihre Brodkrusten zurück, denn es sei Sünde, mit Gottesgabe zu spielen, und gaben den Kindern Kuchen und Fleisch- ptroggeu mit. Der Lehrer verlor sein täglich Brod. Er dachte daher andere Spiele aus. Die Kinder haben Mittagsstunde und effen ihre Beerevpiroggen, der Lehrer geht wüthend in der Klaffe auf und ab. Plötzlich steht er still und sagt: »Kinderchen! Wollt Ihr, ich werde Euch ein neues Spiel zeigen? — «Zeigen Sie! Zeigen Sie, Nckanor Naumowitsch!" rufen die glücklichen Kinder ihrem geliebten Lehrer zu. — „Nun, seht nur! Ztel- schießeu und Scheibeuwerfen. Ich setze mich an den leeren Tisch und bin das Ziel. Wer von Euch mir den Kuchen in den Mund wirst, bekommt eine gute Nummer. Werft nun!" Die Kinder find überglücklich, und daS Werfen beginnt. In den Mund des Lehrers fliegen Pfannkuchen und Beerevpiroggen, welch letztere wie Bonbon platzen und seiu Geficht mit Saft färben. Die Heiterkeit hat ttin Ende. Manche Schützen trafen das Ziel nicht, die Kuchen fliegen vorbei. »Das zäh!« nicht", erklärt der Lehrer und steckt den Kuchen in die Tasche. »Wirf von Neuem!" Und das Schießen geht weiter, bi« die Munition ausgeht. Die Redactiou der »Obrasowanie" ist bereit, über diese wirkliche Thatsache noch nähere Auskunft zu gebeu.
Wiflenfd?aft, Literatur und rlunst.
— AlS eine prächtige WeihnachtSgabe von feiner künstlerischer Ausstattung wie hohem textlichen Werth präsentirt fich daS neueste Heft der allbeliebten illustrirten Familtenzeitschrift „Zur Guten Stunde" (Deutsches VrrlagSbauS Bong & 6o., öerlto W. 57. Preis des Dierzehntazsheftes 40 Pfg.) Der hervorragende bildliche Schmuck macht auf besondere Beachtung Anspruch: daS Ltngner'sche stimmungsvolle Bild „Der Schutzengel- dürfte zu eine» LieblingSbilde der Familie werden, ebenso wie »Die heilige Nacht* von Walter Firle uns den ganzen Zauber der Weihnacht eröffnet.


