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23.12.1898 Zweites Blatt
 
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R!.f Citrmen 800er 10,50 M ntum, von einer De bis ju bitte an Malbuch, t a. M., dWkgch 1. ne, bei größeren Drbtei gegen 12641 den gesucht. "W rnverein.

che nachts-Feier , d. Mts., Abends 8 Uhr, 6er Turnhalle statt.

20 Pfg. find in bet Turnhalle

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Nr 30t Zweites Blatt________Frettag den 23. December

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Gießener Anzeiger

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General-Nn^eiger

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Ibctffe fit Depesche«: A»zN«l, tllM*. ^erachrecher Nr. bl.

Aintlichcv EbciL

Gießen, den 21. December 1898.

Bett.: Dir Aufnahme der taubstummeu Kinder tn die Taub- ftummen.Anstalten des Landes.

Das Grobherzogliche Kreisaml Gießen

an die Schulvorstände des KreiseS.

Str sehen Ihren Berichten darüber entgegen, ob in Ihren Gemeinden taubstumme Linder vorhanden stad, welche das zur Aufnahme tu eine Taubstummenanstalt erforderliche Alter erreicht haben.

Die Kinder müssen am 1. Mat des «nfnahmejahres.das 7. Lebensjahr vollendet, dürfen aber das 12 Lebensjahr noch nicht zurückgelrgt habe».

Die Aufnahme erfolgt stets auf die Dauer von steben Jahren.

Sollten sich aufnahmefähige taubstumme Kinder tu Ihre« Gemeinden votfinbeu, dann wollen Sie fich über die Ber« hältviffe der Eltern der »tuder ausführlich äußer« und fich hierbei des nachfolgend abgedruckten Formulars, besten einzelne Rubriken sorgfältig auszufülleu find, bedienen.

v. Bechtold.

Wtrvtet Geschwister

Erzeugt

Namen

d e r 6ltern

der

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5

und ihre Beschäftigung

Laubstummen

10

8?

8?

8.

7.

6.

5.

3.

2.

1.

der Vater

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die Mutter

Reli­gion

Ge­burts­tag

Da« wie­vielte Kind?

Bet der Geburt war alt

5 =

am Leben gestorben

Ungefähr:« Vermögen der Giern

10

stock­taub

Umiang der Taubheit

Veranlafiung der Taubheit

hat noch etwa« Gehör

13.

taub fle» boten

11

taub geworden

e 1 wo- ®inn durch

12

Unterrichtet

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16

15.

14.

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wurde e« wo? von wem?

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wird e« wo? von wem ?

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Mit wa« jetzt beschäftigt?

17.

Bemerkungen

18.

Derst,che» Reich.

Berlin. 21. D crwber. Die Vorlage der schanmburg- lippifchen Regierung btlr. die llpplsche Thronfolge, die der Buad-srath tn feiner letzte« Sitzung dem zuständigen Aus- schuß überwiesen hat, soll lediglich tn einem neuen Rechts» gutachten bestehen.

Zum Fall Delbrück schreibt die .Köln. Ztg.* Bisher hat fich keine irgend beachtenswerthe Stimme erhoben, welche da« Vorgehen der Regierung gegen den Berliner Pro« ftstor Hans Delbrück gebilligt hätte. Die nationalgefiuuten Blätter empfinden die Maßregel als eine Unbcq emUchkcit, die rab'cale Preffe nutzt fie nach Krästen aus, alle Welt aber ist darüber einig, daß «an rin perföaltch durchaus achtbarer Mann sein kann, wenn «an fich auch tu dem Urthril über die AuSweisungea nach Inhalt und Form vergreist. Die formelle Entscheidung darüber steht allerdings nunmehr in erster Instanz de« Discipfnarhof für nichtrichterliche Beamte, tu zweiter Jastanz de« S-aatSministeriu« zu. Der Dtsci» pliuarhof besteht aus einem Präsidenten und zehn andern Mitgliedern, von denen wenigstens vier de« «awmergericht avgehören wüsten- er entscheidet in der Besetzung von wenig- stens fiebeu Mitgliedern, von denen zwei zu den Mitgliedern des Kammergerichts gehören müsten. Die Dtscipltuarstrafen find: Warnung, «ermeJ, Geldbuße und Entfernung aus dem Amte. Aus dem Lebenslauf des Mannes, um den eS fich hier handelt, erwähnt dieöofl. Ztg.* folgendes:Der Achtung unwürdig!* Es war tu der mänuermordendea Schlacht von Gravelotte, da wurde ein junger Soldat durch Erneuoung zum Offizier öffeotltch auf dem Schlachtfelde aus­gezeichnet. Er war noch nicht 21 Jahre alt. Wenn er da­mals in die Zukunft blickte, er hätte nicht geglaubt, daß ihn einst der Vorwurf treffen könnte, fich irgend welcher Achtung, irgend welchen Ansehens unwürdig zu zeigen. Im nächsten : FEjahr ist ein vteneljahihuudert vollendet, feit der Kron» i prtnz einen jungen Gelehrten tu feto Haus zog- er fand bei ihm W'ffeu und Können, aber, was ihm nicht minder werth war, Offenheit und Freimnth. Haus Delbrück, der Offizier vou Gravelotte, wurde der Erzieher des Prinzen Waldemar

Fenilleton.

Die drei Papageien.

Et« heiteres Weihuachtsgeschichtcheu

von 6. Halm.

(Nachdruck verboten.)

Herr August Kropf fühlte fich einsam, «r war Rentier «ud elugefletschrer Hagestolz. Das war aber nicht die Ursache seines Kummers, denn das Ewigweibliche hatte sür ihn nun einmal gar nicht« Anziehendes, «r duldete dir- Uebel nur engtra in seiner Nähe und höchsten- Mariechen, sein Mündel, die aber bei sremdeu Leuten war, sah er hin und wieder recht gern.

Er hatte eine andere Leideoschast: Thiere. Und nun war ihm einen Tag vor dem Weihnachtsabend sein Caro, sein treuester, einziger Freund, gestorben.

Draußen hauste der Schnctstarw, und drinnen saß m Scheine der schlecht gepatzten Lampe Herr Kropf und blies Trübsal. . m

Wein, er hielt es nicht «ehr aus! Er maßre etwas Lebendiges n« fich haben. Wenn doch da- Mariecheu wenigsttn« käme! Aber die würde wohl nicht eiuwal «orgen Abend fort können und morgen war doch Christnacht.

.Ich werde mir etwa« Lebendiges kaufen/ sagte fich Lerr Kropf entschloflen, und rüstete fich zu» Ausgange. Aber dann überlegte er. Sollte er Caro einen Nachfolger »eben? Nein, das konnte er de« tobten Freunde nicht an- tban Eine «atze? Katzen waren die eiaztgeu Thiere, die er nicht leiden konnte. Bdeb noch ein Vogel. Ein Sing­vogel war ihm zu einfältig und selbst ein Dompsäffchen lernte nicht sprechen. Blieb Rest: ein Papagei!

Und richtig, eine Stunde später stand auf bim Sopha- tisch ein nagelneuer Käfig mb darin kletterte ein Grau­papogei, ließ fich von seine« überglücklichen Herrn die zärt. Uchsten Kosenamen geben uub da- Köpfchen kraulen. Herr Srops lachte, weinte, pfiff und sang wie ein Tollhäusler, olles, um seinen klugen Coco zu erfreuen und zu bllben.

«al schenke ich nur 6em guten Onkel?* dachte Moriechev, das Mündel de« Herrn Kropf, zu gleicher Stunde und seufzte hinterher recht tief: so eine« wunder­

lichen, alten Junggelillm, der nicht raucht, keinen Seat klopft und nur die .Tante Voß" als Lectüre gelten läßt, ist schwer etwas recht zu machen/

Doch da kam ihr ja ein prächtiger Gedanke. Wie wäre es, wenn fie dem guten Onkel Ersatz für feinen tobten Caro bot? Ader ein neuer Caro würde bas trauernde Gemüth des Sonderlings beleidigen.

Doch, brauchte es gerade ein Hund z« sein? Mariechen erinnert fich, daß der Onkel einst auf eine« gemeinsamkn Spaziergang vor einer Vogelhandlung fieheu geblieben war und geäußert hatte:Sieh Dir mal den possierlichen kleinen Kerl, den grau rosa Kakadu an, Miezchen, wenn ich «einen Irenen Caro nicht hätte und nicht wüßte, daß der alte Kerl vor «nb vergehen würde, ich ginge hinein und kaufte mir den Vogel/

Daran dachte Mariechen, und fie jubelte innerlich auf, denn fie Halle berechnet, daß ein solch gewöhnlicher Kakadu und ein dazu gehö.ises Bauer sür fie nicht unerschwinglich seien, und fie wußte ihrem alten Vormund doch eine Freude machen. Und das gute R ab malte fich schon aus, wie fich der alte Mann zu ihrem Geschenk freuen würde. Sobald es morgen dunkelte, wollte fie hingehen, den Vogel kaufen uub ben Onkel persönlich damit überraschen. Wie er fich freuen würde!

,Du Mann morsen ischt doch heiligen Abend. Ick er» innere Dir man bloß von wejrrn bem allen Filz be« August. Schenken muß «an ihm boch ne Nase voll, wat «eenst Du? Sonst jeht uns bet biskm Draht 's wird wenig jeuu, Rnb ooch noch fmschikato und ick sehe nich ein, warum dieser Zieraffe vou Mariecheu Allen« alleeue verputzen soll. st Du mir ejevtlich Mann? Ick jlobe jar du hülst 'ne kleene Schlnmmerpolka ab?! Gone nee so ne Schlafmütze!''

,Jck höre ja mit beede Ohren«, liebes Ehegespoust. Wat krakeh'lfte denn jleich wie'n wüt'jer Puter ?*

,Na Fritze, denn th« jesälligst den Schnabel uff und jieb deine Meiuuug ab.*

,Äan meinen Sejen zu Alles was Du sür recht er» I achtest, jeltebu Willem. Du »eeßt ja, ick bin ein jut dres- fierter ^bemann.*

,2fl6 mir zufrieden mit deine Faxen-! Wenn ick nur

wüßte, wa- dem ollen Koteficke so recht jenehm wär. Gott, Fritze, da jeht mir ein Talgltcht uff/

.Sag Jasjiühlicht, Wilhelmine, bet klingt noch nach wa-!" »Wie wär'«, Fritze, wenn wir be« Aujusten anfern Jakoben verehrten?*

^Den Vojel!*

,Du «eenst, er hat schon eenen im Koppe fitzen? Nn, büb^n weeß bet Mänoeken ja uischt und doppelt hält bester. Machen wir ihm und an« bet Pla'fier. Det erspart «ns, in'- Portemonnaie zu langen und jleichzettig find wir bet verdammte Vieh Io«. Ick habe mir schon jerade jeung an ihm und bet jrauliche Jekreische jeürjert! Mag nn der Olle sein Theil abjriegen, ick jöun's ihm lieber wie mir/

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Der ahnungslose Rentier saß zwischen seine« lnstig plapperubeu Coco und be» bescheidenen, aber festlich strahlen­den Tanuenbäumchen. Er lächelte zufrieden und glücklich in fich hinein. Er vermißte in diesem Augenblick nicht-, nicht einmal Mariecheu, nach der er fich gestern so gesehnt.

Da schellte e-. Herr Krops gog selbst nm zu öffnen. Miezchen, Kind, also kommst Du dock noch? Aber was hast Du denn so Große- auf dem Arm? Du kannst e- ja kau« tragen/ Er nahm Mariecheu die Last ab.

Da- Mädchen umschlang den Alten von hinten mit beiden weichen Armen. »Dein Weihuacht-geschenk ist da«, liebe« Oukelchrn. Damit Du doch nicht gar so einsam bist und Ersatz sür . . ."

Die Worte stockten ibr im Munddenn der Vormund hatte die Stubevthür geöffnet und ihr Blick war auf das Papazeievbauer gefallen.

De« guten Onkel August aber ging gleichzeitig eine schreckliche Ahnung auf; denn in dem gegen die Kälte dick­verpackten Bauer hatte e« fich geregt.

Miezchen, da« ist boch nicht etwa auch . . . ?*

Mariechen n die mit zuckenden Mundwinkeln. ^3°, auch, Onkel. Nur ein rosa Kakabu! Und ich hab e- boch so gut gemeint!*

Nun haßte Herr Kropf -war die »Selber*, aber fein Miezchen weinen sehen, kotmte er nicht.

Darum stellte er da- Bauer schnell nieder und nahm da- schluchzende Mädchen tröstend tn feine Arme.