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Mittwoch den 23. November
Nr. 275 Zweites Blatt
189S
Gießener Anzeiger
Genera l-Anzeiger
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Sopran und Mi. Zwei btoe d. Sphärenmusik tob Rubinstein, >n Haydn; ferner
16 von Racine, ter ron Mendeliaoha. pünktlich um 10 Uhr sn.
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Amtlichem Thsil.
Bekanntmachung,
betreffend: Die Denkmal! Enthüllunglfeier.
Die Directioo der WaiuN ckarbahn, die königlich preußische und Großh Heifische Gifenbahndireetion Mainz haben auf Gesuchen btl Vorstands bei LandeSaulschufft! in dankenlwerther Weise die Anordnung getroffen, daß auS Anlaß der Feier der Enthüllung btl Denkmals für beu höchstfeltgeu Großherzog Ludwig IV. eine Fahr. prt'lermSH a"ng allgewt n in ber Art gewährt werbe, datz alle am 25. November d. I. auf hessischen Stationen gelösten einfachen F.rhrkarten für P rsouenzüge 1. bi! 3. Klaffe zur freien Rückfahrt berechtigen. Für die Ma n N ckarbahn ist noch besonders bestimmt, 1. daß die freie Rückfahrt am gleichen Tage stotifiaden muß, 2. daß bet Benutzung von Schnellzügen Schnellzuglzuichlaglkarteu je für Hin- und Rück fahrt besonder! zu löten stad.
Der Vorstand del LandesauSschus seS.
Bekanntmachung.
In Bezug auf die Geschäftsordnung des unterzeichneten Gerichts ist der allgemeine Gerichtstag auf Donnerstag, von 9 bis 12 Uhr Vormittag», fowie von 2 bis 5 Uhr Nachmittag» und die Zeit für die Sprechstunden de» Gerichts« fchreiber» auf werktäglich von 10 bis 12 Uhr Vormittags festgesetzt.
Lich, am 18 November 1898.
Sroßherzogliche» Amtsgericht.
Süffert.
Bekanntmachung.
Termin zur Ausloofung der Reihenfolge der Schöffen für das Geschäftsjahr 1899 wird auf:
DonuerStag, den 8. Deeember, Vorm. 11 Uhr
festgesetzt.
Die Sitzung ist öffentlich.
Sich, am 16. November 1898.
Großherzogltches Amtsgericht.
Süffert.
Zur Lage in Italien.
In unserer politischen Wochenschau haben wir bereits «Ügetheilt, daß die italienische Kammer am Mittwoch vom
König Humbert mit einer längeren Thronrede eröffnet worden ist. Wir haben auch schon erwähnt daß in der Thronrede dem Volke sehr viel versprochen wird, und daß da» letztere sich glücklich schätzen kann, wenn nur die Hälfte de» Versprochenen in Erfüllung geht Denn schon seit zwei Decennien werden große Pläne angekündigt, um die Lage der Arbeiter und der kleinen Besitzer zu verbessern, aber nach jeder Session blieben solche Projecle al» Ristanten zurück. Insbesondere die Verkehrserschließung der brach liegendm Ländereien in der Campagna und in Sardinien würde nicht nur dem Staate sondern auch hunderttausmden von Bewohnern zum Segen gereichen, jedoch ist e» bisher immer beim Projec- tiren geblieben, da dte Regierung die hohen Kosten scheute.
So lange die Finanzen Italiens auf schwachen Füßen standen, konnte man ein solches Zaudern der Regierung, mit großen Kosten verknüpfte Reformen einzuführen, wohl verstehen. j-tzt stehen aber die Staatsfinanzen auf einem gesunden Boden, und wenn sie auch nicht allzu großen Zumuthungen gewachsen find, so ist die italienische Regierung doch in der Lage, die kulturellen Reformen zu beginnen mit der Aussicht, sie im Laufe der Jahre vollständig durchführen zu können. Denn daß für die Hebung der Lage der unteren Volksschichten etwa» geschehen muß, sieht ein Blinder ein; die elenden socialen Zustände, welche in dem uns verbündeten Lande jenseis der Alpen herrschen, begünstigen die Production umstürzlerischer Kreise in hohem Maße und bilden damit auch eine Gefahr für die ganze Welt. Was soll die demnächst in Rom zusammentretende Anarchistenconferenz der europäischen Staaten für einen Werth haben, wenn da» Uebel nicht an der Wurzel erfaßt und dort gleich beseitigt wird! Daß die strengsten Strafvorschriften und UeberwachungSbestimmungen nichts nützen, wird Jeder einsehen, der es erkennen will.
Die Aufstände, welche in den letzten Jahren in Italien geherrscht haben, entsprangen zum größten Theile dem Elende, der erbarmungswürdigen Lage der unteren Bevölkerungsklaffen. Wir in Deutschland wissen, wie genügsam der italienische Arbeiter ist, wie er gerade infolge dieser Genüg» samkcit und Bedürfnißlostgkeit mit unserem deutschen Arbeiter in Concurrenz treten kann; wir können demnach auch ermessen, wie jämmerlich seine Lage im Heimachlande sein muß, wenn \ er sich dagegen auflehnt Ist e» vielleicht auf Sizilien schon ' ander» geworden? Ein besonderer Staathalter und Minister ' wurde dorthin gesandt, um namentlich durch Prrrellirung de» verwahrlosten großen Grundbesitzer» die Lage der unteren Schichten zu heben. Der Anfang ist auch gemacht worden, aber da» Interesse an den Reformen verflog bald, und heute ist wieder Alle» beim Alten.
Da» italienische Parlament findet also ein reiche» Feld der Thätigkeit vor. Es möge einmal die Fractionskämpfe
bei Sette lassen und T hat en zeitigen, welche dem Lande fe noth thun und nicht länger hinausgeschoben werden dürfe». ______________________________(xx)
Deutsches Reich.
Berlin, 21. November. Dal Rechnungswesen bei Reichl entbehrt noch ber befintliven Ordnung. Al» Rechnung!- Hof btl Reich» fiznrirt provisorisch euf Grund einer von Jahr zu Jahr verlängerten gesetzlichen Vollmacht bit preußische OderrechnunzSkammer, bereu Befugnisse im Jahre 1872 durch etn besonderes Gesetz geregelt worden flnb. D e landet herrliche I stroctiou vom 18. Decemder 1824, dte bisher tu sachlicher Hinficht dte Grundlage für die Thättgketr der Oder- rechuunglkamwer b ldrte, ist j tzt durch dal tu dtefrm Jahre verabschiedete Gesetz über den Staatshaushalt ersetzt. Dte V-rsuche, im Ritch rin Gesetz über den Nechnnnglhof und ein solches für den ReichShauShalt zu Staude zu bringen unb so eine reichsgesetzliche Grundlage für das Rechnungswesen bei Reichs zu gc» nnen, sind gescheitert, weil der Reichstag dte Befugnisse der Regierung einer so weitgehenden Vr» schränkung unterwerfen wollte, wie fie nach der Auflassung der verbündeten Regierungen weder mit der Verfassung!- wäßtgen Stellung des Buudelraths, noch der Kaiser! vereinbar ist. Man hat daher all Nothbehelf dir preußischen Gin- r chtungen und Vorschriften für dal Rechnunglwesen de! Reich» nutzbar gemacht. Hebet die wettere Eutwicklung auf diesem Gebiet schreiben die vielfach zu osfic ösen Aullassuugru beuutzten „Berliner Polit. Nachrichten": Nachdem in Preußen der große Wurf btl Gesetze! über den StaatlhauShalt unter völliger Währu ng ber Rechte ber Krone und ohne ernstliche i Sä-pfe irgendwelcher Art gelungen ist, eröffnet fich die Aul- I ficht, auch im Reich au! »em Provisorium zu einem Defiattivm» ' zu gelangen. GS wäre allerdings verk hrt, zu glauben, baß oaS pceuhilche Gesetz ohne Weiteres auch dte Grundlage ber Rctchlgesrtzgrbung abgeben könnte. Der Charakter des Retch! all Bundesstaat unb bte Verhältnisse von Heer unb Mariae ! bedingen manche Abweichungen und gestateen mehrfach keiue ■ so einfache Lö ung bei gesetzgeberischen Problem!, wie tu bee . E nzeistaat Preußen mit seiner festen monarchischen Tradtetou. i Allein man darf an! dem preußischen Vorgang und Aogeficht! I der Thatsache, daß de« preußischen Gesetz über den Staat!» i haulyalt so ziemlich da» ganze Abgeordnetenhaus zugestimmt 1 hat, b e Hoff ruug entnehmen, baß auch i« Re'chStag jetzt volle! Berftäabntß für bte Auffassung ber verbündeten Re- . gierungen über die Abgrenzung der Rechte der Regierung!- ! gewale und der Volksvertretung besteht und somit d-e voranl- srtznog für di: Wiederaufnahme der vor mehr al! 20 Jahren g-schUt.rten gesetzgeberischen Versuche auf bem Gebiet bei R chnunglwesen! vorhanbeu ist. Daß man dte Vorbereitung
blutscheu Reiche waren herbttgeetlt, Zu« ersten
bte Panzerung, welche erst späier in Rtd bewerkstelligt werben sollte, fertiggestellt nnb bte ganze Masse repräsentiere dal kolossale Gewicht von 60,000 Gentnern. Dal Schiff, ein Schraubendampfer, hatte eine Länge von 300 Fuß, eine Deckbrette von 62 Fuß und etne Ttefe vom Deck bis zu«
^cutlkhn.
ßmancipation zur See.
3oe 15. Zihrettage bei EtapelaufeS bet Fregatte „Preußenaw 22. November 1873.
Von Dr. Arm. Winter.
(Nachdruck verbot«.)
Sau« hatte das deutsche Volk fich eine Kaiserkrone geschmiedet, all e! auch frisch dranging, fich seine eignen Panzerplatten zu schmieden. Der cm 22. November 1873 vollzogene Stapellauf der Pauzerfregatte ,VrcD6en* be« deutete die Gmaneipatiov unserer Flotte von fremdländischen Werften, denen btl bah n der Bau bieser Martneeolosse an!- schließlich übergeben worden war, weil «an, wie el scheine, fich selbst nicht so viel „Schunebrkraft" zutraute. Dal Jahr 1870 aber nnb bie kolossalen, in der Geschichte der Belt einzig dastehenden strategischen wie polttischeu Gefolge btl Jahre! 1871 hatten de« deutschen Michel gründlich die fch äfrtgen Augen geöffnet, et begann fich zu fühlen, fich zu recken, und all er dal lorbrerumkläazte Schwert ntebttlegen durfte, da griff et zu« Hammer, und zwat gleich zu« Dampfhammer, nm dem erstrttttutn Reiche ein eiserne! Funda- mint zu geben.
So fand denn am 22. November auf bet Werft bet Maschinen- unb SchtffSbauanstalt.Vulkan* zu Btedow, etwa dteiviettel Meilen von Stettin, etne benkwürd.ge Feiet statt. Wenn ein ,8ultan* riesige Felseo«affrn tu bte Lüfte speit, so kann bei Greigniß keine so falcinirenbe Wirkung auf ein Volk anSübeu, a s wie diese! Greigniß, daß ein ,Vulkan einen gigautischtn Sssencoloß in» Wcffer spie. Tausende und
Abertausende au! dem nm dieser ewig denkwürdigen Feier beizuwohoen.
Male tu der Geschichte unserer vaterländischen Marine war hier auf deutschem Boden und von devtichen Ingenieuren etn Panzerschiff erbaut, wie fie die Wissenschaft nnb Kunst bei Seekltegrl damaliger Zeit zur furchtbaren Verwendung ge- bracht hat, und dieser Feier nicht betgewohut zu haben, hieß umsonst gelebt zu haben. Um diese! Greigniß würdig zu feiern, war die Kronprinzelfin Viktoria eingeladen worden, in Person zu erscheinen nnb den Act der Tause zu vollziehen und mit ihrem hoh'n Gtmahl, dem unvergeßlichen Kronprinzen Friedrich W lhelm und ihren Söhnen dem darauffolgenden Stop'llauf der Fregatte betzuwohnen. Huldvollst war diese Gin aduog angenommen worden und am bestimmten Tage, dem 22. November, sollte etn von Berlin aogelafftncr Gx ra- zug bte hohen Gäste, beu Marintminiftet, Ihr Gesolge, bte Offiziere der «dmiralttäi unb anbtte Gingeladene nach Stettin bringen.
Pommern! Metropole hatte festlichen Schmuck angelegt, Flaggen unb Fähnchen, Wlwpel unb Feston! schmückten bte Häuser vom Funbament btl zur äußersten Dachspitze, und vom frühesten Morgen oi wurde el schon lebendig In den Straßen. Leider jedoch wurden alle diese Veranstaltungen und Bemühungen durch etn abscheuliche! Schnee- unb Regen- werter, verbunden mit eine« eisigen Stmmwtub, fast ganz um Ihre stattliche nnb freubige Wirkung gebracht.
Hoch überragte bet gewaltige eilerue Rumpf bet Fregatte alle bte vielen Werkstätten und Schuppen unb bte niederen Baulichkeiten ringsum. Der Koloß lag auf dem ein wenig gegen bte Ober geneigten Balkenlage! am Ufer nnb schien fich an! ben Stückpforten sein neues Glrment anzuschauen. Dir Fregatte war bi! auf die Masten, die Takelage und
Kiel von 34,6 Fuß. Zwei ungeheure, mit elizölligen G.seu- platteo gepaozerte Thürme, welche je zwei 26 Gtuitmeter- Geschütze aufnehmen soll en, befanden fich über Deck. Bi! zu fech» Fuß unter ber Wasserlinie reichte der PanzergÜrtel unb zog fich auswärts bi! znm Vatteriebeck. Der T efgang war tm Mittel 28 Fuß. Außer beu eben erwähnten vier Thurmgeschützen erhielt bte Fregatte noch vorn unb hinten je ein kleinere! sogenannte! Jagbgeschütz, welcht! burch ver- schließbare Porten dem Blick bei Feinde! völlig verdeckt werden konnte. Dal Oberdeck war von einer an! Stahl- blech geictm'ebeten Barr ^ .e umgeben, welche im Augenblick der Actton herunrergeklapp: werden konnte, ne den Geschützen möglichst viel bestreichbaren Ran« zu geben. Nur der massive Vorder- und Htnrersteven, bte betben grüßest«, schmiedeeisernen Theile bei Schiffe!, waren in Gnglanb aulgeführt worben. Dal Innere bei Rumpfe! konnte durch finureiche Vorrichtungen tn 20 wasserdichte Abthetlungeu getrennt werden, von denen je zehn zu beiden Seiten lagen.
Zur Herstellung bei Stapel! mußte ein rtifige! Balfiu btl 14 Faß unter de« «ittleten Waflerstaub ber Oder an!« gehoben werden, welche! gegen dal Wasser del Fluss«! durch ein fchwimwende! Thor abgeschlossen wurde, da! btl zu« Ablauf vom Stapel liegen blieb, um, sobald die Arbeiten tm Basfiu gemacht waren, dal Wasser wieder ewzolaffen. Auf die tn diese! Bassin eingerammten Pfähle wurden dann die Querbalken gelegt, auf welche daun dte eigentlichen t Stape klötze gebracht wurden.


