Ausgabe 
23.10.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

rn-Mlt

RiNMchn x !chkliiigs-WW Kiirtt. elul|( £leW4 Mn Rttil% »In» Poliren.

tt{ lofttnhtl bet btti Qertrttem: Berbenich, AM. M !nJ- SubtHöftr.14, ^auptaaetu- &«;>««; vnnr. ötit, bMunttt;

. Mtpyein.

t|b Rohauitrinken, Ger, stÄ steche Send» >

Sk.1

Lrnold II.

«e 28.

8*5

M« rke) ZhosOrMre, 2p6tM

< e-yW «°d NltgU

Kröll, W>

Ä.w*

1830.

L M

,. ESetzPi^*

,d !°-big-. Kei»l--- estenunu _ 5«.*6S»i:: .rill DtU -fH IC.

0, ßO'

fH 1

,. A billig'

tusfrauen chwindelhafte Rektor leiten tu lassen Hausputz tfs MW Fabrikat iten. -** *in*rf»rtie

Tonntag den 23 October

1S9®

Nr. 249 Erstes Blatt.

OrlLkint Ugfi4 mit Lutnahmc bei Wontag«.

Lirwgrnrr #«mirUe6fAtter »rcben twm Auzcigkr WüchralllL viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

x,z»ß»pret-

2 Wart -.X) Pfg monothd) 75 tMg.

mu Briiißerlvtzn

Bet Pottdrzutz

2 War! 50 Bf« vierteljährlich.

Unaahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für der: {(gruben lag erscheinenden Nummer di» Sonn. 10 Uhr.

Keneral-AnMger

ANe Anzeiqen-Bermittinng»stellra de» und Äullenbel nehmen Anzeigen für den Gietzener Anzeiger entgegnu

Aiiits- und Zlnzeigeblatt für den TLreis Giefzen.

Ncbatnon, Espedition und Druckerei: >4*(flt»|e Ar. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Äbreffe für Depeschen Anzeiger chietzem.

Fernsprecher Nr dl.

Deutjche» Ueich.

Berlin, 22. October. Unsere Ratferta und Rönigtn Auguste Victoria feiert heute fern von der Heirnoth, nu den Gestaden dl» Bosporus ihren Geburtstag. Das deutsche Volk bringt der hohen Frau, deren stillt» gesegnete» Wirken ihr längst Aller Herzen gewonnen, seine herzlichsten Segenswün'che zu diesem Tage dar und vereinigt fich in dem Wunsche, daß die edle Fürstin und Frau noch lange Deutsch- land» Railerthron zieren wöge. Möge e» ihr noch lange de- schieden sein, wie bisher Glück um sich zu verbreiten im engeren Familienkreise, der ein Vorbild deutschen Familienlebens ge­worden ist, wie in den Kreisen des Volkes, wo man ihre Milde und Güte vielfach erfahren hat! Und möge der Tonneuschein, den sie auSftrablt, in reicher goldener Fülle auf ihr eigene» Haupt sich senken!

Hine englische Stimme zur Saiserreise. Die ,Iime»* schreibt heute: .Man kann bedauern, daß britische Staatsmänner e» unterließen, die günstigen Gelegen« heilen in der Türkei zu ergreifen, aber abgesehen von diesem Bedauern haben wir keinen Grund zur Eisersucht auf Deutsch« land. E» verrichtet eine Arbeit, welche im Interesse der Welt vöthig ist. Die deutschen Sanflrute tbun mehr zur Förderung einer guten Regierung in der Türkei, als die ge* lammte Diplomatie feit einem halben Jahrhundert. Deutsch' lands materielle Jntereffeu haben ihm eine Stellung voll politischen Siufluffe» tu der Türkei verliehen, welche e» zu unserem Besten einnimmt, da wtr versäumt haben, fie selbst einzunehmen. Die deutschen Staatsmänner werden Bismarck» Ausdruck der Gleichgiltigkeit über da» Schicksal der Darda­nellen nicht wiederholen. Die Dardanellen bilden künftig ein deutsche» Jntereffe nicht weniger al» ein österreichische» und ein britische». Deutschland wird die Türkei nicht drang« faliren, aber fie wird fie sanft den Weg der Reformen ent­lang führen. Hätte der Kaiser dem Sultan den leisesten Wink zur Unterstützung bezüglich Kreta» gegeben, so würde der Sultan die Admirale ausgelacht habrn. Wir können dem Kaiser danken, bah er in feiner Weishert zu der seiner Zeit lang verzögerten Regelung der kretischen Schwierigkeiten bei» getragen bat/

Die ,Nowoje Wrewja" tritt den Gerüchten entgegen, wonach Deutschland von der Türkei Landgebiete zu erwerben hoffe, und erklärt, fie zweifle nicht, daß eine Gebietsabtretung den Beginn der Theiluog de» türkischen Reiche» und seine» Untergänge» bedeuten würde. Da» Blatt ist vollkommen überzeugt und hofft, daß die Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland und zwischen Rußland und der Türkei ebenso unverändert vorzüglich, wie fie bi»her waren, auch künftighin bleiben werden.

Den N. N/ wird berichtet, daß die Krankheit des bisherigen Gouverneur» von Kiautschou Lapitän Rosendahl in einem Darmleidcu besteht und daß der mit der Uebersührung nach Axohama beabsichtigte Klimawechsel auf Grund eine» von dem Prinzen Heinrich ertheilten Rathe» versucht wird.

Ausland.

Schweiz. Der Schweizer BundeSralh nahm die Sinlabung der italienischen Regierung zur Theilnahme an der internationalen Conferenz zur Bekämpfung de» Anarchismus an. Sobald Ort und Zeit der Conferenz bestimmt find, sollen die schweizerischen Delegirteu ernannt werden.

Bezüglich der beabsichtigten Gründung einer deutschen Schule in Ofen-Pest verlautet, daß um die Genehmigung die dortige reichsdeutsche Colonie eingekommen ist. da» Consulat al» solches dagegen der Sache fern steht. Die Schule soll einen reinen Prioatcharacter haben, und die von ihr au»« gestellten Zeugniffe nur in Deutschland flaatsgiltig sein. Auch soll in der Schule in entsprechender Weise die ungartsche Sprache gelehrt werden. Der Minister hat über da» Gesuch noch nicht entschieden.

Tüttei. Betreff» der Verwaltung Kreta» wollen die Admirale recht durchgreifende Maßregeln treffen. Nach dem Abzug der türkischen Truppen und Behörden werden jene die vorläufige Verwaltung der Insel übernehmen, indem fie Gouverneure für die verschiedenen Beurke einsetzen. Ver« waltung und Rechtspflege werden in ihrem Namen gehand­habt werden. Sammtliche türkischen Beamten werden ihrer Hemtet enthoben. Wenn fie fich weigern sollten, ihre Posten zu verlaffen, würden fie mit ihren Angehörigen auf einen Dampfer gebracht und nach einem anderen Orte beförbert »erben.

Locales und provinzielles.

Wiehe», 22. Oktober 1898.

** Krntcert Bereite. Wie au» dem Juserateutheil erficht« lich, findet die öffentliche verloosuug der Sperr­sitze am Montag den 24. Oktober statt. Das 1. Coucert ist Sonntag den 6. November, und werden wir in den nächsten Tagen auösührlich darüber berichten.

Patent Anmeldungen. Abnehmbare Verschlußkammer für Formkasten, Eisenwerke Hirzenhain und Lollar, Corl Buderu», Lollar, 81. 3. 98. Pipette, Dr. P. Weiß« gerb er, Lauterbach, 21. 1. 98.

dt Stadttheater. Auch die gestrige dritte Ausführung desWeißen Röhl* hatte fich bei gut besetztem Hause und trefflichen Leistungen der Darsteller eines recht guten Erfolges zu erfreuen. Leider fehlte anderweiter verpfltchtungeo wegen die Mufikcapelle, welche sonst die Pausen erfreulich zu verkürzen versteht; dagegen wurde den Besuchern der Vor­stellung zum ersten Mal die dankeuswerihe Einrichtung einer Heimbeförderung per Omnibus angenehm fühlbar.

Stadttheater. Sonntag Nachmittag 4 Uhr ist als Kindervorstellung das dramatifirte vieractige Märchen »Rothkäpp eben*, Abends wird »Der Goldbauer* gegeben. Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß nach Schluß der Abendvorstellungen nunmehr O tnnibus« F ahr geleg enheit nach verschiedenen Richtungen ge­boten ist.

Ctadttheater. Als nächste Novität bereitet die Direktion des Stadttheater Max Halbes fünsactiges Schauspiel «Mutter Erde- vor. Diese» bedeutsame Werk, welche» u. A. in Frankfurt a. M., tutDeutschen Theater" in Berlin mit durchschlagendem Erfolge gegeben wurde, soll hier am Dienstag, den 25. d. M., zur erstmaligen Aufführung gelangen. Am 8. Oktober 1898 wurde die Novität im Deutschen Volkstheater zu Wien znm ersten Male aufgeführt. Da» Nene Wiener Tageblatt" schreibt dazu: Max Halbe» DramaMutter Erde" ist da» Werk eine» wahren Dichter». Durch die lärmende, bunte Bewegtheit der leben»lustigen Großstadt find wir zum Theater gegangen, doch da der Vor­hang aufgeht, verfinkt da» große Leben draußen, erlöschen die Lichter und umfängt un» wie herbstlich von der fchwarzen Erdscholle herauffteigender Nebel die stelle Schwermuth de» ostpreuhischen Landsitz?», auf dem da» Schicksal zweier Menschen heranreift. Wir find im Banne einer seltsamen Melancholie, die der Dichter leise, mit wenigen Worten au» dem trübe über die Ebene kriechenden Morgen auf die Scene zaubert und auf deren dunklem Hintergrund wir gewisser« maßen schon geschrieben sehen, was für Seelenleid fich inner­halb dieser alten, einsamen Mauern abspielen wird. Da» Ganze ist ergreifend. Diese zwei Menschen, denen da» Glück einst so nahe gelächelt hat, können fie ander» denn verzweifeln über die Verblendung, die allerding» den Mann allein ge­leitet hat, da er vor zehn Jahren verschmähte, was ihm heute al» der Inbegriff allen Lebenswertheu erscheint? Da» ist ja eben da» Rührende an dieser Fran, daß fie ihn immer geliebt und seiner all' die Jahre her gewartet hat, um ihm zu folgen: auch in den Tod, da e» in» Leben nicht sein kann. Wir (eben zwar keinen zwingenden Grund, worum fich die beiden Wiedergefundeneo nicht angehören sollten. Weder der kaltherzige Blaustrumpf noch der empfiadung»felige polnische Trunkenbold würden al» oerlaffene unpassende Ehehälften unser Mitleid erregen. Aber der Dichter wollte un» kein deutsches EhebruchSdrama vor Augen führen. Sr hat zwei höhere Naturen geschaffen und er läßt fie ihren feineren, vornehmeren Regungen entsprechend handeln. Ihre Neigung steht ihnen zu hoch für den schmutzigen Klatsch der Welt- daher wollen fie ihrem späten Glück die schwerste Buße auf de« Fuße folgen laffen.

Roiser-Panorsma. Wie au» dem Snzeigentheil der heutigen Nummer hervorgeht, stellt da» Kaiser-Panorama, Neuen Baue 1, von heute ab die großartigste Serie au» anb zwarIm ewigen Eise", sowieAndröe» Ballon- Expedition* von der Sdsahrt on io Göthedorg, da» Leben auf Spitzbergen bi» zur Auffahrt mit dem Ballon am 11. Juli 1897. Da Herr Schmidt fich diese Original- Ausnahmen der AndrLe'schen Sxpedttton mit großen Unkosten verschafft hat, so wird diese großartige Serie jedenfall» stark besucht werden. Ist doch Jede« Gelegenheit geboten, dieses Unternehmen von Anfang bi» zur Abfahrt kennen zu lernen vnd dazu In folch plastischer Wiedergabe.

99 Auszeichnung. Bei den jüngsten io Berlin statt« ' gehabten Ausstellungen für ^Verbesserte Frauenkleidnog und

Hygiene*, sowie bei der großen Ausst«Üung vom »Äotljca Kreuz* wurde der Firma Walter Weiß, Apotheker (früher Gießen), da» ^Shren-Diplom* für ihre Reue ErLme JriS und Lau of orm-Präparate zuetkannt. Al» Preis­richter fuagirten u. A. Sxcellenz Generalarzt der Armee v. (Soler und Geheimerath d. Bergmann.

Fad rillest. Eine erfreuliche Erscheinung in unserer Zett der socialen Gegensätze find die in unserer heimischen Industrie nicht selten stat'fiadenden Fabrikseste, welche dem Zwecke freundschaftlicher Annäherung zwischen Principal und Arbeiterschaft dienen. So vereinigte am 19. ds. M s. die Feier de» Orflnbungltage» der Eigarrenfadrik Egly u. Bindewald dahier die Ches» und Arbeiter der Firma tu dem vor zwei Jahren neu errichteten Fabrikgebäude. Die sonst nur ernster Arbeit gewidmeten Räume hallten wider von dem srohen Treiben festlich gestimmter Menschen, bereu ungezwungene Freude Zeugniß ablegte von dem vorzüglichen Berhältniß, io dem hier Arbeitgeber und Arbeituehmer za einander stehen. Selten» der Arbeiter wurde den Geschäfts­inhabern eine finnige Gabe, bestehend in einer kunstvoll ge­arbeiteten Riesencigarre, umgeben von einem mächtigen Lorbeer- kranz, al» Symbol der siegreich voranschreitenden Eigarreu Industrie verehrt. Bet Schmau» und Trank, gewürzt durch rednerische und deklamatorische Darbietungen, verrannen d e Stunden nm so rascher, al» auch Musik und Tanz die Kurz­weil erhöhten, und trennte man fich erst in später Stunde in dem Bewußtsein, ein wohlthuende» Bild harmonischrn Zusamwengehvrigkeiisgesühls genoffen zu haben.

nn. Heber die Frage btt Errichtung eines neuen Armeecorps und die Verlegung de» Sitzt» des Geoeral-Eom- mandos nach einer Stadt in Süddtutschland liegt jetzt auch eine Aeußerung Seiner König!. Hoheit de» Großherzog» von Hessen vor. Der Verein zur Förderung gemein­nütziger Zwecke (Verkehr»verein) zu Darmstadt hatte fich mit einer Jmwediat-Etngade an Seine Königliche Hoheit den Großherzog gewendet und denselben gebeten, dafür einzu­treten, daß der Sitz de» General Lommando» nach Darm­stadt verlegt werde. An» dem Eadinet Seiner Königlichen Hoheit des Großherzog» ging dem Vorstand de» Vereins die Mittheilung zu, daß Seine Königliche Hoheit Kmntniß von dem Inhalt der Eingabe genommen habe, daß ober für deren Entscheidung militärische, wie auch politische Gesichtspunkte maßgebend seien und überdies zur Zeit die ganze Angelegen­heit noch nicht spruchreif fei.

Wetterbericht von Westen her rückt neuerdings niederer Druck in das Festland herein und beginnt da» Barometer auch in kontinentalen Lagen bereit» wieder zu steigen. Zudem ist die Luftdruck vertheilung eine (ehr un­regelmäßige geblieben, fo daß die Witterung meist trüben Eharocter beibehält. Auf nuferen füdlichen Gebieten hat es heute vorübergehend ausgeklart. Die Temperaturen find etwa» gestiegen. voraussichtliche Witterung: Fortdauernd unbeständige», meist trübe» Wetter mtt einzelnen Niederschlägen.

pbg. Grunivgen, 21. October. Nächsten Sonntag, den 23. Oktober, hält Herr Reichelt, Lehrer an der Grosth. Obstbauschule zu Friedberg, im Beuder'scheu Saale dahier einen Vortrag Über da» Thema: .Die Obstverwerthemg im Haushalt", wozu die Mitglieder de» Oberheff. Obstbau- Verein», sowie Überhaupt Freunde de» Obstbau» und bereu Frauen und Töchter von hier und au» der Umgegend noch­mal» eingeladen werden. Bei dieser Gelegenhett wird von einigen Mitgliedern der Ortsgruppe örflnlngcn eine kleine locale Obstausstellung, namentlich von Sepseln, arrangtrt. Wir wollen nicht versehlen, Jntereffenteo auch auf diese Veranstaltung ausmerksam zu machen.

-r. Trais-Horloff, 21. October. In diesen Tagen ver­zieht unser seitheriger Geistlicher, Herr Pfarrer Hein von hier nach Dreieichenhain im Decanate Offenbach. Während feiner achtjährigen SmtSthätigkeit in nuferer Gemeinde hat fich derselbe die Liebe und Auhänglichkttt seiner Gemeinde- glieber erworben, wie bet zahlreiche Besuch be» Gottesdienste» am vergangenen Sonntag, in welchem Herr Pfarrer Hein die Abschiedspredigt hielt, noch einmal bezeugte. Möge e» Herrn Pfarrer Hein und Familie in feinem neuen Wirkungs­kreise recht Wohlergehen.

E. Butzbach, 22. Oktober. Die Besucher der Ober- hessischen Gewerbeansstelluug haben wohl alle Gelegenhett gehabt, die Biere der hiesigen Sambrious-Brauerei (Melchior) auf ihre Güte zu prüfen. Daß dieselben allent­halben Auerkennnng fanden, beweist nicht nur der starke Eousnm der verflossenen Ausstellungstage, sondern auch der