Ausgabe 
23.9.1898 Erstes Blatt
 
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M.P.C. Ein schwieriges Problem bildet auch für die Productivgenossenschaften die Frage der Arbeits­losigkeit. Biele der Gesellschaften, die namentlich in Frankreich bestehen, beschäftigen neben den Genoffen noch Hilfskräfte. Bei eintretendem ArbeitSmaogel werden zuerst die Hilfsarbeiter entlasten, danach wird entweder auch ein Thetl der Mitglieder außer Beschäftigung gesetzt, um sich möglichst anderweit Erwerb zu verschaffen, oder die Arbeits­zeit wird allgemein verkürzt. Die wenigen ArbeitSloseu- unterstützuugskaffeu gehören den allgemeinen Arbeitersy^dicaten an und find nur wenig bemittelt. Diese Erscheinung der Arbeitslosigkeit und die durchaus unzulängliche Art ihrer Bekämpfung Seitens der Arbeiteraffoetatioueu verdient all­gemeine Beachtung.

M P.C. Auf dem diesjährigen Juristentag ist auch die Frage einer Reform der Ctvilproceßordnung gestreift worden. Daß eine solche nothweudig sei, wurde schon bet Berathung der letzten Novelle zu dem tn Frage stehenden Gesetzbuch zugegeben. ES wurde aber ebenfalls sehr entschieden betont und von keiner Seite ernstlich bestritten, daß eine solche Reform, wenn fie wirklich für längere Zett befriedigen soll, mehrjähriger Vorbereitung bedürfe. Große Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß der Reform der Civil- eine solche der Strafprocrßordnung vorauögehen werde.

M.P.C. Der Schah von Persien beabfichtigt, Ruß­land, Deutschland, Oesterreich, Frankreich und England einen Besuch abzustatten und wird Ende Oktober sich zunächst nach Moskau und Petersburg begeben.

Ausland.

Wien, 21. September. Kaiser Franz Josef em­pfing am Dienstag eine Abordnung der Stadt Wien, welche dem Monarchen das tiefste Beileid der Stadt ausdrückte. Auf die Ansprache Les Bürgermeisters Dr. Lueger erwiderte der Kaiser, er danke der Bevölkerung und Gemeinde von Wien für den Ausdruck der Trauer von ganzem Herzen. Bei dem schweren Schlage, der ihn getroffen, finde er Trost und Linderung im Vertrauen auf Gott und in der Treue und Liebe i${hC3 Volkes. Er hoste Kraft zu finden, UM in | der Erfüllung feiner Pflichten au-harreu zu können. Dem Bürgermeister die Hand reichend, betonte der Kaiser, wie rührend und ergreifend die Trauer und innige Antheilnahme der Wiener Bevölkerung gewesen sei und hob lobend die musterhafte Ruhe und Ordnung der Wiener hervor, mit denen er sich als Mitglied einer einzigen großen Familie sühle. Der Stifter des Innsbrucker Waisenhauses Hans v. Sieberer hat der Gemeinde neuerdings 200,000 Fl. übergeben mit der Bestimmung, diesen Betrag dem Watsenfonds einzu­verleiben und ihm zum Andenken an die unvergeßliche Kaiserin den TitelKaiserin Elisabeth,Stiftung" zu geben.

Wien, 21. September. Die deutsche volkspartei in Steiermark hat beschlossen, die Abgeordneten aufzu­fordern, die ObstructiovS-Politik gegen die Regierung wegen der ungarischen AuSgletchssrage so lange fortzusrtzeu, bis die Sprachen-Berorduungen aufgehoben find.

Parts, 21. September. Der Proeeß Piequart wurde vertagt, weil gegen den Angeklagten ein neues Ver­fahren eingelettet werden soll.

Paris, 21. September. Die Bedeutung der See- streitkräfte tn den Kriegen der Zukunft hat der Marine- mtutster Lockroy, der in Toulon den Schießübungen der Flotte beiwohnte, in einer dabet von thm grhalteven An­sprache sehr scharf betont. Dir Marine, so sagt er, spiele jetzt eine hervorragende Rolle. Die großen Schlachten der Zukunft würden zur See entschieden werden, wo die großen Hauptschläge erfolgen werden. Der Verlauf des spanisch- amerikanischen Krieges bestätige die Richtigkeit dieser Voraus- sagen. In Frankreich insbesondere werde man die erhebliche Bedeutung der Marine verstehen, wenn man die Lage des Mtttelmeer-GeschwaderS und die schwere Verantwortlichkeit sich vergegenwärtige, welche dasselbe im Falle eines See­krieges auf fich zu nehmen habe. Allerdings hat der Minister, der gern noch erhebliche Geldforderuugen für die Marine durchdrücken möchte, gewissermaßenfürs eigene Haus" gesprochen, also nicht ganz ohne Voreingenommenheit. Dennoch bleibt auch so von seinen Ausführungen noch genug Zutreffendes und Beherzigendes übrig. Namentlich die bl- fchloffene Vermehrung der deutschen Flotte erfährt durch ihn mittelbar noch nachträglich eine bedeutsame Rechtfertigung. Ganz ungetrübt ist die Freude der DrehfuSsreunde nun doch nicht geblieben. Die Wtedererneunung des Generals Zurlinden zum Mtlttärgouverneur von Paris hat vielmehr die GeueralstabSpartei mit großer Befriedigung erfüllt, da fie in derselben eine Schlappe BriffonS erblickt. Präsident Faure hatte erklärt, er habe Zurlinden, als derselbe daS KrtegSportefeuille übernahm, sein Wort gegeben, seine Wiederernennung zum Mtlttärgouverueur durchzusetzen. Die erste Wirkung der Maßregel ist, daß der KrtegSmtntster die von Zurlinden zusammengebrachten Anklagepunkte gegen Ptcquart dem Mtlttärgouverueur zur Weiterver- folguug übermittelte, so daß Zurlinden jetzt als Gouverneur die Anklage wegen Fälschung über Ptcquart verhängen wird, die er al» Kriegsminister wegen des Widerstandes BriffonS nicht erheben konnte. Getreu dem feit drei Wochen befolgten Verfahren ausgleichender Zugeständnisse nach beiden Setten mthob dte Regierung gleichzeitig General de Pellieux seines Pariser Truppencommando», versprach ihm jedoch eine Provtnz- dtvifion. Eine der wichtigsten Personen des DreysuShaudelS, Major Esterhazy, befindet fich noch tn London. Ein dortiger Rechtsanwalt schrieb in seinem Auftrage an ver­schiedene Zeitungen, Esterhazy habe dte Behauptung, daß er für Enthüllungen Geld empfangen und daß er Fälschungen und andere ehrwidrige Handlungen zugestanden habe, für absolut unwahr erklärt. Major Esterhazy ziehe guten Rath über seine Lage ein und werde, wenn dte Zett gekommen, bereit sein, Alle», war er gethan, zu rechtfertigen und sein Verhalten durch unbestreitbare Beweise zu bekräftigen. Ester­

hazy sei entschloffen, in der Angelegenheit den von ihm für richtig gehaltenen Weg zu befolgen, und ungeachtet jede» Anerbietens pecuniarer Vortheile nichts zu thun, wa« er den besten Interessen seine» Lande» und Heere» für zuwider hält.

London, 21. September.Daily Mail" berichtet au» Shanghai, es zeige fich immer mehr, daß eine Annäherung zwischen England und Rußland Thatsache geworden sei. Die englischen Industriellen find hierüber sehr enttäuscht, da fie fich tu ihrem Handel gegenüber der russischen Con- currenz geschädigt sehen.

London, 21. September. Au» Konstantinopel wird gemeldet, daß die Großmächte noch nicht beim Sultan dte Forderung auf Zurückziehung der Truppen von Kreta gestellt haben, obgleich diese Maßregel da» einzige Mittel sei, dte Ruhe und Ordnung auf Kreta wtederherzu- stellen. Es scheint, daß Rußland und Frankreich zögern, gewaltsame Maßregeln zu gebrauchen, da England auf diese Weise, weil e» dort dte meisten Truppen hat, auch dte meisten Vortheile au» dieser Lage zu ziehen wiffen würde.

Loudon, 21. September.Daily Mail" berichtet au» Berlin, daß vr. Leyd», der in Berlin weilt, beim Kaiser eine Audienz erbitten wird. Er wird versuchen, beim Kaiser dahin zu wirken, daß die Verständigung zwischen England und Deutschland zur Thatsache wird.

Loudon, 21. September.Morning Post" meldet aus Washington, daß dte beiden KriegsschiffeOregon" und Iowa" fich durch den Suezcanal nach Manila begeben werden. Dieser Beschluß wird al» eine vorfichtSmaßregel angesehen tn der Voraussicht eines eventuellen EonflicteS mit Deutschland bezüglich der Philippineufrage.

Loudon, 21. September.Daily Chrontcle" meldet aus Kairo, General Kitchener werde zum Lord Kitchener of Khartoum ernannt werden und eine Gratifieation von 25000 Pfund erhalten.

Loudon, 21. September.Daily Mail" läßt fich aus Rom melden, daß Admiral Canevaro, um die kret en fische Frage zu erledigen, Oesterreich und Deutschland aufgefordert hat, fich dem europäischen Coneerte wieder auzuschlietzen. Oesterreich hat eingewtlligt, Deutschland hat aber seinen Anschluß verweigert. Um die kretenfische Frage nun schnellstens zu erledigen, hat Admiral Canevaro die Unterhandlungen mit dem Sultan abgebrochen und beabfichtigt ttutt energische Maß- regeln zu ergreifen.

Theodor Fontane

(geb. 30. Drcember 1819, gest. 20. September 1898). Von Dr. M. Schilling.

Au der Schwelle der 80er ist Theodor Foutaue dahin- gegangen, der ewigjunge Dichter, der jüngste der alten Generation. Noch vor wenig Tagen haben wir von ihm gehört: als Bismarck gestorben, sandte er ein kurzes Gedicht in dte Welt, kaum 20 BerSzeilen, und doch war dies fast dte einzige Perle, dte fich In dem schier riesengroßen Sand­haufen von Trauerpoemen barg.Nicht in Dom oder Fürsten­gruft" soll mau den alten Recken au» dem Sachseuwald be­graben, nein in Gottes freier Erde unter dem Sterueudach.

Und nun sollen wir ihn selbst bestatten, den liederreichen Mund, der für immer verstummt ist.

Dte Stellung, die ein Dichter in der Literatur eionimmt, kann ihm dte Mitwelt nicht einräumen- fie steht zu sehr auf den Zinnen der Partei, ihr Blick ist getrübt durch die klein­lichen Händel des Tages, der Nachwelt bleibt diese Aufgabe Vorbehalten. Aber Theodor Fontane wurde von der Mitwelt bewundert und geehrt, wie kaum ein anderer. Als zu Be­ginn der 80er Jahre die neue Dichterschule kräftig ihre Schwingen regte, da schüttelte fie zuerst ein gut Thetl von Tradition und Tand ab. So lange man selbst noch keine dichterischen Großthaten auszuweisen hatte, übte man wenigstens strengste Kritik an dem Vorhandenen. Mit dem Vorrecht der Jugend wurde alles Bestehende angefeindet, ntedergertffen. Spielhagen mußte fich manche» bittere Wort sagen lassen, Ernst von Wildenbruch wurde heftig befehdet von den Kleineren ganz zu grschwetgen nur Theodor Fontane blieb unberührt, Keiner wollte einen Stein gegen ihn ausheben, den Altmeister, deffen Kunst nie der Wirklichkeit entsagte, wiewohl fie den Stoppelacker de» Naturalismus sorgsam mied. Und als die Berliner Studentenschaft ihrengründeutschen" Musenalmanach hinauSschickte, da stellte fie neben Gerhart Hauptmann, den Führer der jüngeren Dichterschule und das größte Talent tn ihr, den Namen Theodor Fontanes. Er hatte damals geradeEffi Briest" geschrieben, und sofort hatte man unter dem Schwall der Modeltteratur diesen be­deutsamen Roman erkannt.

Fontane hatte fich ganz der Erzählerkunst gewidmet, nachdem er eine reiche journalistische Thätigkeit entfaltet. AIS Romanschretber hat er dte besten Früchte geerntet. Ver­dankte er dte Stoffe seiner historischen Romane der Mark Brandenburg, so wählte er mit Vorliebe al» Schauplatz der modernen Berlin, die Hauptstadt der Mark. Er ist nicht nur der Begründer de» modernen Berliner Roman» geworden, sondern zugleich auch ihr berufenster Vertreter.Stine", Irrungen und Wirrungen",Die PoggenpuhlS" da» find Ruhmesblätter in feinem Dtchterkranz.

Jetzt ist fein Stern verblichen, er hat, ein Greis, vollendet, aber fein Heimgang weckt, wie der eines Jünglings, unendliche Sehnsucht im Herzen"._______________________

Locales unb provinzielles.

Sieben, 22. September 1898.

Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Durch Ent­schließung Großherzogltchen Ministeriums des Innern vom 17. September d. I. ist an Stelle de» zum Großh. Ober- ftnanzrath beförderten Mtnisterlalfecretär» Dr. Fuchs der Mtnistertalsecretär bet dem Großh. Mlntsterium des Innern, Dr. Eugen Wagner zu Darmstadt, zum Vorsitzenden des SchtedSgertcht» für dte JnvaltditätS- und Altersversicherung im Bezirke des GroßherzogthumS, mit Wirkung vom 15. Sep­tember l. I. an, ernannt worden.

* * Oeffeulliche Anerkennung edler Thaten. Seine König' liche Hoheit der Großherzog haben dem Landbriefträger Anton Zorn III. zu Nteder-Saulheim, in Anerkennung der von demselben mit Muth und Entschloffenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung dreier Kinder des Ludwig Maa» daselbst vom Tode des Ertrinken» die Rettungsmedaille, dem Rangirer Franz Joseph Erbel­ding zu Bingen, in Anerkennung der von ihm mit Muth und Entschloffenheit, sowie unter eigener LebeuSgesahr be­wirkten Rettung der Maria Gnmbrich daselbst vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie, dem Taglöhner Johanne» Adler IV. zu Gernsheim, in Anerkennung der von dem­selben mit Muth und Entschloffenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Heinrich Huth daselbst vom Tode des Ertrinkens, eine Geldprämie, dem Brücken­wärter Wilhelm Enoch in Mainz, in Anerkennung des von demselben am 23. Juli 1897 mit Muth und Entschloffen­heit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Georg Weingärtner daselbst vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie zu verleihen geruht.

* * Ernannt wurden am 11. August d. I. die Zugführer Moritz Geisel, Georg Jochim und Johannes Port zu Zugführern in der Heffisch.Preußifchen Eisenbahu-Gemeinschast« in unkündbarer Diensteigeufchast.

LandeScredittaffe. Die Großherzogliche Regierung hat den Landstäuden einen Gesetzentwurf, betreffend die Auf­nahme einer neuen Anleihe von zehn Millionen, verzinslich zu 3i/i pCt., vorgelegt. Au» dieser Anleihe sollen die zur Gewährung vou Darlehen aus der LandeScreditkaffe erforderlichen Mittel beschafft werden.

Nebenbahn Alsfeld-Her,selb. Der vierte Au»schuß Zweiter Kammer hat über die Eingabe einer Anzahl ober- hessischer Gemeinden, betreffend die Erbauung einer Neben/» bahn von Alsfeld nach HerSfeld, Bericht erstattet und beantragt der Ausschuß:Hohe Zweite Kammer wolle an Großherzogliche Regierung da» Ersuchen richten, den Ständen baldmöglichst eine Vorlage über die Erbauung einer nvrmalspUrtgen Eisenbahn von Alsfeld nach HerSfeld zu, machen."

* * Probefahrt. Gestern Abend unternahm der Inhaber der Firma A. Ktlbtnger eine Fahrt, um die Wirkung der an feinem Gefährt angebrachten Acetylen-Laternen zu erproben. Die Wirkung dieses Versuches war eine über­raschende, indem die Wege seitlich sowohl als auch nach vorn auf ca. 7080 Meter taghell beleuchtet wurden, so daß der Fahrer daS kleinste Hinderuiß schon auf weite Entfern­ungen sehen konnte.

Radsport. Da» große Herbstrennen auf unserer Radwettfahrbahn wird unstreitig daS intereffanteste Rennen der Saison. ES wird von bedeutenden BerufSsahrern Arend sicher erwartet, ebenso betrachtet eS Verhetzen, der den Sommer über bei uns geweilt, als eine Ehrenpflicht, am Start zu erscheinen. Von den Amateuren hat der Wett- meister Albert zugesagt- er wird in Opel, der bekannt­lich in Wien bei der Weltmeisterschaft um Handbreite unterlag, einen ebenbürtigen Eoncurrenten haben.

Eisenbahn-Verkehr. Am 1. October treten für den Verkehr nach Berlin neue Fahrpreise und Gepäck­frachtsätze in Kraft, welche gegen die zur Zeit bestehenden geringe Erhöhungen ergeben.

* Sine Liste schlechter Zahler werden nach der am 1. Januar 1900 in Kraft tretenden Novelle zur Livilproceß- bezw. ConcurSordnung die Amtsgerichte zu führen haben. In diese schwarze Liste, deren Einsichtnahme Jeder­mann gestattet ist, sollen Eintragungen derjenigen Personen, welche infolge vergeblicher Pfändung den OffeabarungSeid entweder geleistet oder deffen Leistung grundlos verweigert haben, und derjenigen, bezüglich deren Seiten» de» Amts­gerichtes ein Antrag auf Eröffnung de» ConcurSverfahren» Mangel» einer den Kosten de» Verfahren» entsprechenden Concur»maffe abgewiesen worden ist, erfolgen. Die Namen der Eingetragenen dürfen erst nach 5 Jahren wieder aus der Liste entfernt, b. unkenntlich gemacht werden.

Wetterbericht. Da» Nord- und Ostseegcbiet steht unter dem Einflüsse einer größeren Depression, welche an der norwegischen Küste liegt. Ueber Lentral-Europa hat fich ein geschloffene» barometrische» Maximum ausgebildet, tn deffen Bereich das Wetter heiter geblieben ist. Die Morgentewperaturen find in Deutschland im Allgemeinen etwa» gestiegen. Ja Südwest-Deutschlaud und in Frankreich find dieselben gegen gestern wenig verändert. Voraus­sichtliche Witterung: Abgesehen von Morgennebeln- vorwiegend heiter.

E. Beienheim b. Friedberg, 22. September. Gestern gerleth zwischen Melbach und Beienheim ein Waggon Holz- kohlen in Brand. Der Waggon war von Villingen (Hungen) nach Stuttgart abgesertigt. Trotz angestrengter Thätigkeit der hiefigen Feuerwehr verbrannte der Waggon vollständig.

Heppenheim, 20. September. An unserer Gemarkung«- grenze nach Bensheim, im sogen.Paulus", wurde eine Wohnstätte aus römischer Zelt auigegraben. Die zahl­reichen Funde au Ziegeln und Bruchstücke verschiedener feiner Gefäße, sowie die theilwelse gut erhaltenen Grundmauern beweisen den römischen Ursprung. Allem Anschein nach be­stand die Niederlassung aus mehreren Häusern.

A Mainz, 21. September. Entsprechend dem Vorschlag de» FtnanzauSschuffeS erhöhten die Stadtverordneten den Jahreszuschuß für den Localgewerbverein auf 14000 Mk. An diese Erhöhung von 4000 Mk. wurde die Bedingung geknüpft, daß der Staat einen Jahresbeitrag von 19000 Mk leiste, die Penfiontrung der Lehrer übernehme und der Stadt das Recht einräume, die Aurwahl der Lehrer zu bethätigen. Die Aufhebung des städtischen Waisen­hauses bezw. die Unterbringung der Waisen in privater Pflege, über welchen in der letzten Zeit viel und ziemlich lebhaft erörterten Gegenstand gleichfalls Beschluß gefaßt werden sollte, wurde mit Rücksicht darauf, daß fich zahlreiche