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Nr. 196 Erstes Blatt.Dienstag den 23. August
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Gießener Anzeiger
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Anrtlichev Thell.
Gießen, den 19. August 1898.
Beit.: Die In der Provinz Oberheffeu im Herbst 1898 stattfindendeu Truppenübungen, hier die Abschätzung der Flurschäden.
DaS Großherzogliche KreiSamt Gießen
et M< ArMtzh. vürAermeistenete» M Kreises.
Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Reichsgesetz' blatt Nr. 32 aus diesem Jahre S. 934 zu § 14 beauftragen wur Sie, die Gruudbefitzer alsbald, nachdem die Hebungen innerhalb Ihrer Gemarkung beendet find, durch ortsübliche Bekanntmachung zur Anmeldung ihrer Flurschäden aufzu- fordern.
Zu der von Ihnen zu fertigenden Zumfameastrllung der angemeldeten Schäden ist das vorgeschriebene Formular zu verwenden, welches als Beilage E zur Instruction in dem vorgenannten Reichsgesetzblatt S. 969 ff. abgedruckt ist. Die daselbst gegebenen Anmerkungen find genau zu beachten.
Da8 Formular wird Zhuen auf Austeheu durch uuS über- faudt werden. Sie wollen dasselbe, sobald bchadenßaumeld. nugen bei Ihnen erfolgen, unter Angabe der ungefähren Zahl der befchädigten Grundstücke schleunigst von nnl erbitten. Ja dem Formular find die erfolgenden Anmeldungen nach Flnr und Nummer geordnet durch Susfüllen der Spalten 1—5 mit Tinte etvzutragen, während die Spalten 6 — 9 mit Bleistift anszuflUlen find. Die Spalte 6a, Forderung des Beschädigten, ist nut anszufüllen und zwar mit Tinte, wenn der Beschädigte thatsächlich einen bestimmten Anspruch erhebt. Bei Ausfüllung der Spalte 7 empfiehlt fich Angabe des Verlustes von Körnern, Heu, Ratte ff ein re. in Leutnern. Die Spalten 7 und 8 find so auSzufÜllen, daß die Entschädigungsbeträge im Wege der Berechnung genau ermittelt werden können.
Unmittelbar nach eingetretener Beschädigung haben die Betheilig'en Ihre Entscheidung darüber anzurufen, ob und inwieweit die Adernturrg der beschädigten Felder eiuzulreteu hat. Letztere ist anzuordnen, insoweit beim verbleiben bet Früchte auf dem Felde ein höherer, als der durch die Truppen verursachte Schaden entstehen würde, namentlich also bei Früchten, welche dem verderben ausgesetzt find. Wird die Aberntung demgemäß vor dem Eintreffen der Abschätzung»- commisfion angeorbnet, so haben Sie sofort unter Zuziehung zweier, bet Abschätzungen dieser Art kundigen, unparteiischen Personen den Staub der beschädigten und abzuerntenden Felder, das Quantum (Fuder u. f. w.) und die Qualität bet
übrig gebliebenen Ftüchte unb beten etwaige weitete ver- toenbbaifeit z. B. als Biehfuttet) unb ben sich hiernach ergebenden Umfang des Schaden» nicht aber die Hohe der (int- fchabigungSfumme feftzuftellen. Es wird hierbei ausdrücklich bemerkt, daß diesen Bestimmungen nicht entsprechende Abschätzungen keine Berückfichtigung finden können. Hebet den Befund ist ein kurzes Protokoll aufzunehmen unb der Nachweisung beizuschliehen, tn welcher bad Ergebniß bet Abschätzung mit befonbeiet Erwähnung Ihrer Verfügung wegen des Aberntens in Spalte 10 elnzutragen ist. Zur Abschätzung find die Beschädigten zu laden.
Für ihre Thätigkeit tn Flurschadenangelegenheiten beziehen die Großh. Bürgermeister keine Vergütung. Die Theil- nähme bei der Abschätzung gehört zu ihren Pflichtgeschäften.
Indem wir noch auf unser AuSschretben vom 24. März 1893 (Kretsblatt Nr. 73) verweisen, wonach die bei Ihnen zur Anmeldung kommenden Schäden tn dem Formular ein- zutragen find, ohne daß Sie die Feldgeschworeneu wie früher zur vorläufigen Abschätzung heranziehen, beauftragen wir Sie, die nach Maßgabe der vorstehenden Bestimmungen ausgefüllten Nachweisungen thunlichst bald und spätestens bis zum 23. September d. Js. an uns etnzusenden.
Sollte bi» dahin ote Zusammenstellung noch nicht beendet sein, so ist uns jedenfalls anzuzeigen, daß Flurschäden zur Anmeldung gekommen find.
Im Anschluß daran werden Sie darauf hingewiesen, daß zur Vermeidung von Weitläufigkeiten Wünsche, welche Manöver- angelegenheiten betreffen, der Divifion nut durch Vermittlung der Kreisämtet zur Kenntniß -gebracht werden können nnd diesbezügliche Gesuche zur weiteren veranlaffung uns vor- zulegen find.
v. Bechtold.
Detttsche» Ueich.
Berlin, 21. August. Fürst Herbert Bismarck fiedelt definitiv von Schönhausen nach Frtedrichsruh übet.
Berlin, 21. August. Sozialdemokratischer Partei- tag. Laut Beschlusses de» vorjährigen Parteitage» findet der diesjährige Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Stuttgart statt. Der „vorwärts" veröffentlicht seine Ein- bernsung für den 3. Oktober und die vorläufig festgesetzte Tagesordnung. Dieselbe umfaßt folgende Nummern: 1) Gon- stitnirnng des Parteitages. Wahl des Bureaus. Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl einet Commission zur Prüfung der Mandate. 2) Geschäftsbericht des Vorstandes. (Berichterstatter: I. Auer und A. Gerisch.) 3) Bericht der Controlleure. (Berichterstatter: H. Meister.)
4) Bericht über die parlamentarische Tbätigkeit. (Berichtserstattet: E. Wurm) 5) die Maifeier 1899. (Berichterstatter W Psannkuch.) 6) Die deutsche Zoll- und Handelspolitik, (verichlerftatter: M. Schtppel.) 7) Anträge zum Programm und zur Organisation. 8) Sonstige Anträge. — Für Sonntag, 2. Oktober, ist Seiten» der Stuttgarter Parteigenoffen eine Empfang», und Begrüßungsfeier vorgesehen.
— Au» Friedrich »ruh wird berichtet, daß am Mittwoch der erste Spatenstich zum Bismarck-Mausoleum gethan wurde. 600000 Mauersteine find bereit» für den Bau bestellt. Da» Mausoleum wird sich, wie jetzt seststeht, gegenüber dem Schlöffe recht» vom Hohlwege, auf lern Schneckenberge, erheben, also nicht hinter der Hirschgruppe. Die Faeade wird aus Granit und Tuffstein bestehen, da» Dach dagegen aus Kupfer. Wie der »Hamb. Corr." jedoch meldet, ist der Bau de» BiSmarck Mausoleum» nach Befichtigung des Baugrundes noch weitet nicht in Angriff genommen, al» daß die Mieth»!eute de» Kartoffelfeldes am Schneckenberg nach ihnen gewordener Weisung der Gutsherrschaft die Kartoffeln ausgegraben und das betreffende Feld geräumt haben, und daß der Grund de» Fundament» durch eingeschlagene Pfähle vom banleitenden Architekten bezeichnet worden ist. Fetner ist den fürstlichen Forstbeamten aufgegeben worden, fich in ihren Forstrevieren nach für ben Unteebau be« Grabgewölbe» geeigneten Felsblöcken umzusehen und über da» Resultat ihrer Wahrnehmungen an das fürstliche Obetforstamt zu berichten. Da indeh in ben vierziger Jahren beim Bau der Berlin-Hamburger Eisenbahn unb bet für diese erforderlichen vielen B'llbrÜcken die steifen im Sachseuwalde damals zum großen Theil an die Eisenbahngesellschast verkauft worben find, so finden fich eigentlich nur noch in ben Hühnengräbern große Felsblöcke, bte aber ohne Zerstörungen dieser denkwürdigen Zeugen einer grauen Vorzeit nicht gut beschafft werden können. Daß der Bau schon zum November d. I. vollendet sein sollte, ist schwerlich anzunehmen, da allein die Granit- und Tnffstein-Atbeiten geraume Zeit in Anspruch nehmen werden und ein einem so wichtigen Zweck dienender Bau mit aller Sorgfalt gearbeitet werden muß und in seiner Ausführung nicht Überhastet werden darf. Ebensowenig ist anzunehmen, daß schon nach Fertigstellung de» Unterbaues die Särge tn die Gewölbe eingestellt werden, ehe auch der Oberbau vollendet ist, da die Bauunruhe fich doch mit der Grabesruhe nicht verträgt. Das Mausoleum, deffen Hintergrund der Sachsenwald bildet, wird später zur Erhöhung der Feierlichkeit de» Ortes mit schönen landschaftlichen Anlagen umgeben werden. — Heber das Testament de» Fürsten Bismarck macht der „Danz. Zig." ein Berichterstatter in
Fenillet»«.
Unsere Atmosphäre.
Bon Dr. L. Groo 3.
(Nachdruck verboten.)
KO. Alle» was lebt, das athmef. Menschen, Thtere unb Pflanzen athmen. Menschen unb bie höheren Thiere athmen burch bie Lunge. Fische burch bie Kiemen, Jnsecten durch bie feinen seitlichen Oeffnungen ihres Leibes, welche in Kanäle führen, bie ihren ganzen Körper durchästeln; Pflanzen athmen durch die Spaltöffnungen ihrer Blätter unb grünen Oberflächen. Was sie athmen ist bie Atmosphäre, bie Luft, welche unseren Erbball umgiebt. Dieser Dunstkreis (Atmosphäre) breht fich mit der Erbe um ihre eigne Axe unb nm die Sonne und wird mit der Entfernung von der Erdoberfläche immer dünner, weil sie fich um so beffer ausdehnen kann, je weniger Druck auf ihr lastet.
Alle luftförmigen Körper haben nämlich bai Bestreben, fich möglichst weit auszudehnen; bie Grenze bieser Aus- behnungskraft findet naturgemäß da statt, wo ihre Schwere unb biefe Kraft gleich ftnb. In welcher Entfernung von der Erdoberfläche diese» mit unserer Luft der Fall ist, das ist schwer zu bestimmen, unb so schwanken bie Angaben zwischen 10 unb 20 Meilen Entfernung.
Daß bie luftförmigen Körper, also auch unsere Atmosphäre, mit ben festen unb flüssigen Körpern bie Eigen- schäft bei Schwere gemein haben, läßt fich nachweisen, tnbem man einen durch einen luftdichten Hahn verschließbaren Glasballon zuerst mit Lust gefflflt abwägt unb bann bie Wägung wiederholt, nachbem man mittelst bei Luftpumpe bie atmosphärische Lust aus demselben entfernt hat. Da» Gewicht bei ausgepumpten Ballons ist bemerkenswerth leichter.
Bis zum Jahre 1643 hielt man unsere atmosphärische । Lust für einen einfachen unb gewichtslosen Körper. Erst in bem genannten Jahre gelang es bem italienischen Naturforscher Toricelli in Florenz das Vorhanbensein bes Gewichts der Luft unb des Luftdruckes nachzuweisen.
Er füllte zu biefem Zweck eine 90 Zentimeter lange, I an einem Enbe geschloffene Glasröhre mit Quecksilber unb - tauchte hierauf bas offene Ende ber Röhre in ein weites, ! gleichfalls mit Quecksilber gefülltes Gefäß. Währenb des । Umkehrens ber Röhre würbe bad offene Enbe berfeiben mit I dem Finger verschlossen, um bas Ausfließen des Quecksilbers [ zu verhüten. Nach Entfernung bes Fingers lief bas Queck- | [über nicht aus, fonbern bie Quecksilbersäule im Innern bet { Röhre sank nur so weit herab, baß ihre Oberfläche um etwa 760 Millimeter höher staub als bas Niveau des Quecksilber» | in dem äußeren Gefäß. Heber bem Quecksilber im obersten | Theil ber Röhre blieb ein vollstänbig leerer, also auch lüft* » leerer Raum, ben man bas Torricellifche Vacuum ober bie Torricellifche Leere nannte.
Beim tieferen Einsenken bet Röhre in bas größere Queckfilbergefäß oerminberte fich zwar bie Ausbehnung bes luftleeren Raumes, aber nur um so viel, baß btr Niveau- Hnterschieb immer bieselbe Größe von 760 Millimeter behielt. Diese 760 Millimeter hohe Queckfibersäule im Innern ber Röhre wirb demnach von bem aus bad Queckfilbemiveau im äußeren Gesäße wirkenden Druck ber Atmosphäre im Gleichgewicht gehalten.
Diesen Druck auf ben Umfang des menschlichen Körpers berechnet, ergiebt ben ungeheueren Druck von 15 bis 16000 Kilogramm. Diesen ungeheueren Druck verspürt aber ber Mensch gar nicht, unb zwar aus bem @runbe, well bie Atmosphäre, bie Luft ihn von allen Seiten umgiebt, von innen unb von außen, so baß nirgendwo bas Gleichgewicht gestört ist.
Würbe man beispielsweise am oberen Ende ber Röhre, welche bas Torricellifche Vacuum enthält, eine Oeffnung machen, so würbe da» Quecksilber In ber Röhre sofort bis zum Niveau bes äußeren Quecksilbergefäßes herabfinken, well jetzt von innen unb außen ber gleiche Luftbruck wirkt.
In Folge ber allseitigen Fortpflanzung des Luftdruckes ist derselbe in den Zimmern ebenso groß wie unter freiem Himmel.
Durch den Luftdruck erklären fich die Erscheinungen, daß aus einem mit Wasser gefüllten unb mit ber nach unten gekehrten Oeffnung in ein weites Gefäß mit Wasser getauchten Glafe bas Wasser nicht ausläust; baß ferner aus einem gefüllten Faß burch ben geöffneten Hahn die Flüssigkeit erst bann ausläuft, wenn auch ba» Spunbloch geöffnet ist; daß ferner bas Wasser bem in einem cylinbrifchen Pumpenrohr emporgezogenen Stempel nachfolgt. Diese unb ähnliche Erscheinungen erklärte man fich vor Torricelli burch ben Abscheu ber Natur vor bem leeren Raum, ben „Horror vacui".
Der Quecksilbersäule von 760 Millimeter entspricht eine Wassersäule von 10,33 Meter ober 31,7 Fuß Höhe. In einem Pumpenrohr kann bas Wasser burch Ausziehen bes Stempels nur bi» zu bieser Höhe emporgehoden werben.
Diese Erfahrung, welche man bei bet Anlage eines Brunnens in Florenz machte, brachte Torricelli zu seinem Versuch unb zur Entbeckung bes Lustbrucks unb be» Barometers.
Unser Queckfllberbarometer ist im Großen unb Ganzen nichts anberes als bie Torricellifche Röhre, nur kunstgerechter unb bequemer ausgeführt als bie bamalige Zeit vermochte. Das Barometer bient bem Laien al» Wetterprophet, obgleich e» nur in groben Zügen anbeuten kann, ob feuchtes ober trockenes Wetter zu erwarten steht.
Der Luftbruck ist an benfelben Orten bet Erbe niemals destänbig, fonbern fortwährenden Aendetungen unterworfen,


